Arbeitsunfähigkeit: Ein Land der krank machenden Arbeitnehmer? Oder doch alles nur eine Frage der Statistik?

Wieder einmal mussten wir eine dieser für einen kurzen Moment Aufmerksamkeit heischenden Debatten erleben, in denen dann mit – nett formuliert – „zugespitzten“ Thesen das Interesse des schnelllebig konsumierenden Publikums geweckt wird, das dann aber rasch wieder erlischt und sich anderen Baustellen zuwendet. Dabei ist das Thema, das aufgerufen wurde, von grundlegender sozial- und wirtschaftspolitischer Bedeutung: die Arbeitsunfähigkeit. Die ist nicht nur von individuellem Belang, weil im Normalfall dahinter (auch schwere und schwerste) Erkrankungen stehen (können), zugleich reißt das natürlich Lücken in den Belegschaften der Unternehmen und der Ausfall der einen ist in vielen betrieblichen Kontexten zugleich der Anfang und die Verstärkung der Überlastung der anderen, die den Ausfall auffangen müssen und dann nicht selten in die Anschluss-Arbeitsunfähigkeit getrieben werden, was gerade in personalintensiven Bereichen mit Anwesenheitsnotwendigkeit, man denke hier nur an die Pflege oder die Kindertagesbetreuung, oftmals eine fatale Abwärtsspirale auslöst.

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Das kann doch nicht wahr sein. Doch. Krankenhäuser entlassen Hilfskräfte und die ansonsten fehlenden Fachkräfte sollen das jetzt auch noch machen

Da wird sich der eine oder andere aber die Augen reiben. Sind die denn total verrückt geworden in den Krankenhäusern? Überall liest und hört man davon, dass denen die Pflegefachkräfte fehlen, das ganze Stationen mit ihren Betten verwahrlosen (müssen), weil man nicht über ausreichend (Pflege)Personal verfügt. Zugleich wird man andauernd damit konfrontiert, dass sich die offensichtlich noch wertvoller, weil knapper gewordenen Pflegefachkräfte beklagen über Arbeitsverdichtung, Überlastung und kaum noch erträgliche Arbeitsbedingungen. Da könnte der eine oder andere auf die naheliegende Idee kommen, dass man alles versuchen muss, um diese Arbeitsbedingungen zu verbessern, dass man nach Entlastungsmöglichkeiten suchen muss, um die, die noch da sind, (möglichst lange) zu halten und andere vielleicht gewinnen zu können. Könnte man denken.

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Die Armutsquote in Großbritannien ist so hoch wie noch nie im 21. Jahrhundert. Mehr als jedes dritte Kind lebt in Armut

Der Blick über den nationalen Tellerrand und rüber auf die Insel. Und von dort kommen erschreckende Zahlen: Die Social Metrics Commission (SMC) hat ihren Jahresbericht 2024 veröffentlicht, eine Untersuchung von Ausmaß und Art der Armut im Vereinigten Königreich. Der Bericht stellt fest, dass die Armutsquote im Vereinigten Königreich heute höher ist als jemals zuvor im 21. Jahrhundert. 16 Millionen Menschen im Vereinigten Königreich leben in Familien, die von Armut betroffen sind. 5,2 Millionen davon sind Kinder, 9,2 Millionen sind Erwachsene im arbeitsfähigen Alter und 1,5 Millionen sind Erwachsene im Rentenalter. Die Armutsquote wird mit 24 Prozent ausgewiesen. Insgesamt ist die Armutsquoten seit 2019/20 um zwei Prozentpunkte gestiegen, was bedeutet, dass jetzt 2,1 Millionen Menschen mehr in Armut leben, als das ohne diesen Anstieg der Fall gewesen wäre.

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Ernährungsarmut? Die könnte in Deutschland unter Haushalten mit Kindern weit verbreitet sein, so ein Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Wir laufen auf die Adventszeit und die Weihnachtsfeiertage zu. Da wird von vielen auf den Tischen aufgetragen, bis sich die Platten biegen. Einkommensarme Menschen spielen in dieser Zeit – wenn überhaupt – in Berichten eine Rolle, wo sie beklagen müssen, dass sie ihren Kindern keine auch nur annähernd vergleichbaren Geschenke machen können wie das in „normalen“ Familien passiert. Aber Mangel an Essen? Wohl kaum in unserem Land. Immer wieder trifft man in der Armutsdiskussion auf die Aussage: Hungern muss in unserem Land keiner. Punkt.

Wie kann man dann über „Ernährungsarmut“ schreiben und gar behaupten, dass eine solche gerade in Haushalten mit Kindern „weit verbreitet“ sei?

»Insgesamt 22,4 Prozent der bei einer neuen Studie befragten Haushalte waren demnach 2022 und 2023 von moderater oder starker Ernährungsunsicherheit betroffen«, kann man diesem Beitrag entnehmen: Wenn gesundes Essen zu teuer ist. Und mit der neuen Studie gemeint ist der neue Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

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Marginalisierte Arme und eine verunsicherte Mitte. Zur Entwicklung von Einkommensungleichheit und Armut seit 2010

»Seit 2010 ist die Ungleichheit der Einkommen in Deutschland deutlich gestiegen und in den letzten Jahren haben sich Ängste, den eigenen Lebensstandard nicht mehr halten zu können, in der Bevölkerung stark ausgebreitet. Die Quote der Menschen, die in Armut leben, hat nach den neuesten verfügbaren Daten ebenfalls erheblich zugenommen und liegt auf einem Höchststand … Hinzu kommt, dass Arme während der 2010er Jahre gegenüber anderen Einkommensgruppen wirtschaftlich noch weiter zurückgefallen sind, denn von der insgesamt positiven Wirtschafts- und Einkommensentwicklung im vergangenen Jahrzehnt haben sie nur vergleichsweise wenig abbekommen.« Das berichtet die Hans-Böckler-Stiftung unter der Überschrift Einkommensungleichheit und Armut haben seit 2010 deutlich zugenommen – Sorgen um Lebensstandard strahlen bis in Mittelschicht aus. Sie bezieht sich dabei auf Ergebnisse des neuen Verteilungsberichts des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI).

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