… und weitere Materialien zu sozialpolitischen Themen
Gerd Zika et al. (2026): QuBe-Bevölkerungsprojektion für Deutschlands Regionen 2025 – 2070. IAB-Forschungsbericht, Nr. 11/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2026
»Das IAB hat im Rahmen der Qualifikations- und Berufsprojektionen eine neue Bevölkerungsprojektion für die langfristige Entwicklung der 400 Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands, den 16 Bundesländern sowie für 34 Arbeitsmarktregionen bis in das Jahr 2070 erstellt. Diese Bevölkerungsprojektion hebt sich insbesondere durch die Unterscheidung von Personen mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft von bereits bestehenden Bevölkerungsvorausberechnungen ab. Dadurch können die erheblichen Unterschiede bei den Geburtenziffern und dem Wanderungsverhalten in der Projektion berücksichtigt werden. Die neue Bevölkerungsprojektion verdeutlicht, dass die langfristige Bevölkerungsentwicklung Deutschlands durch fundamentale demografische Trends geprägt ist: ein deutlicher Bevölkerungsrückgang um 5,9 % bis zum Jahr 2045 und um 10,7 % bis zum Jahr 2070.«
Sebastian Dullien, Patrick Kaczmarczyk, Tom Krebs und Achim Truger (2026): Die Überführung von großen Wohnungsbeständen ins Gemeineigentum. Optionen und Fallstricke. IMK Policy Brief Nr. 225, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2026
»Dieser Policy Brief analysiert und diskutiert drei verschiedene Modelle zur Umsetzung einer Vergesellschaftung gemäß Artikel 15 GG von rund 210.000 Wohnungen in Berlin: Eine neu zu gründende Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) bewirtschaftet die Wohnungen (Variante 1), die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) bewirtschaften die Wohnungen (Variante 2) oder die sechs LWU werden in einer AöR intergiert und bewirtschaften die Wohnungen (Variante 3). Eine Vergesellschaftung steigert dauerhaft den Bestand an Wohnungen mit Mietpreisbindung und leistet so einen wichtigen Beitrag, das Leben in Berlin für untere und mittlere Einkommen bezahlbar zu machen. Die Vergesellschaftung ist allerdings mit Risiken verbunden, die mit entsprechenden Gegenmaßnahmen minimiert, aber nicht eliminiert werden können. Bei der Überführung der 210.000 Wohnungen in eine gemeinnützige Bewirtschaftung wäre eine Entschädigung in Höhe von insgesamt rund 13,5 Milliarden Euro zu leisten, die in der zweiten und dritten Variante zum Zeitpunkt der Vergesellschaftung an die Immobilienunternehmen ausgezahlt werden kann. Die Überführung der Wohnungsbestände in Gemeineigentum ist ohne Landeszuschüsse wirtschaftlich und fiskalisch tragfähig: Die AöR bzw. die LWU erwirtschaften trotz dauerhafter Mietpreisbindung einen jährlichen Reinertrag, der die jährlichen Zins- und Tilgungskosten für die eigenen Kredite und die Kreditaufnahme des Landes vollständig abdeckt.«
➔ dazu: Vergesellschaftung von Wohnbeständen: Ausgestaltung entscheidend für Finanzierbarkeit, Rechtssicherheit und Umsetzbarkeit (25.09.2026)
Hermann Gartner et al. (2026): IAB-Prognose 2026/2027: Erwerbstätigkeit schrumpft trotz besserer Konjunktur. IAB-Kurzbericht, Nr. 17/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2026
»Die Konjunktur hat sich nach Jahren der Wirtschaftsschwäche zuletzt stabilisiert. Am Arbeitsmarkt haben sich aber ungünstige Trends fortgesetzt. Die Beschäftigung gerät auch durch die demografische Schrumpfung unter Druck. Der Kurzbericht gibt einen Ausblick bis 2027.«
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2026): Aufschwung mit Strukturproblemen – Finanzpolitik auf Abwegen. Gemeinschaftsdiagnose #2-2026, Essen, September 2026
Matthias Meyer et al. (2026): Parlamentarische Strategien der AfD gegen die Soziale Arbeit. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich (2020-2025). Forschungsförderung Working Paper Nr. 424, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, September 2026
»Dieses Working Paper untersucht vergleichend parlamentarische Aktivitäten und Strategien der AfD-Landtagsfraktionen in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern im Zeitraum Juli 2020 bis Juni 2025, mit Fokus auf ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit. Die Befunde zeigen: Die AfD nutzt parlamentarische Instrumente zunehmend, um Einfluss auf die Praxis und Profession zu nehmen. Neben der politischen Oppositionsarbeit werden Strategien sichtbar, die auf die Delegitimierung, Verunsicherung und langfristige Schwächung öffentlicher wie zivilgesellschaftlicher Infrastruktur im Bildungs- und Sozialwesen zielen. Die Befunde werden in aktuelle Debatten über Deprofessionalisierung in der Sozialen Arbeit eingeordnet.«
➔ dazu: Neue Studie: AfD nimmt mit parlamentarischen Anfragen Einfluss auf Soziale Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen (24.09.2026)
Terranus (2026): Das Quartier: Teilhabe und Versorgung neu denken. Branchen Monitor 2026, Köln: Terranus GmbH, 2026
»Weder das Pflegeheim noch das Betreute Wohnen können die Anforderungen unserer alternden Gesellschaft allein lösen. Gefragt sind neue Konzepte, die Wohnen, Pflege, Versorgung und soziale Teilhabe miteinander verbinden – und gleichzeitig bezahlbar und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Deshalb haben wir in unserem aktuellen Branchen Monitor 2026 Quartierskonzepte in den Mittelpunkt gestellt.«
Angelika Kümmerling und Susanne Drescher (2026): Arbeitszeiten von älteren Beschäftigten in Deutschland: Trends und Präferenzen. Altersübergangs-Report 2026-04, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), September 2026
»Die Erwerbstätigenquote älterer Menschen stieg von 2013 bis 2023 an – besonders stark bei Frauen. Dennoch sind Ältere weiterhin seltener beschäftigt als Jüngere. Ähnliches zeigt sich bei der Arbeitszeit. Zwar ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit Älterer von 2013 bis 2023 leicht gestiegen, blieb aber hinter der Arbeitszeit von Jüngeren zurück. Dabei unterscheiden sich die Entwicklungen nach dem Geschlecht: Während die Arbeitszeit bei älteren Männern leicht zurückging, erhöhte sie sich bei älteren Frauen deutlich. Es sind vor allem geringqualifizierte Frauen, die den Anstieg des Arbeitszeitvolumens tragen. Hochqualifizierte Männer dagegen haben im Zeitvergleich ihre Stundenzahl reduziert. Das Potenzial für eine Ausweitung des Arbeitszeitvolumens von Älteren ist im Hinblick auf ihre Präferenzen begrenzt. Es bedarf weiterer Veränderungen der Rahmenbedingungen, um das politische Ziel der Arbeitszeitverlängerung zu erreichen.«
Michael Ranft und Ulrich Wendte (2026): Pflegebegleitung – Chancen und offene Fragen, Berlin: Kuratorium Deutsche Altershilfe, September 2026
➔ dazu: KDA: Pflegebegleitung: Chance für eine bessere und verlässlichere Unterstützung zu Hause, 17.09.2026
Deutsche Rentenversicherung (2026): Kürzungen der Bundeszuschüsse, höhere Beiträge?, rentenupdate Ausgabe #13, September 2026
»Der gesetzlichen Rentenversicherung wurden von der Politik gesamtgesellschaftliche Aufgaben in erheblichem Umfang übertragen. Für deren Finanzierung ist eine adäquate und verlässliche Beteiligung des Bundes aus Steuermitteln erforderlich. Was bedeuten die geplanten Kürzungen im Entwurf des Bundeshaushalts 2027 für die Versichertengemeinschaft der GRV?«
Sonja Köhne et al. (2026): Eine Frage des Kontexts. Gestaltungsansätze für den Einsatz generativer KI in der Arbeitswelt. Ein Whitepaper des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und des Weizenbaum-Instituts, Berlin, September 2026
»Dieses Whitepaper vermittelt praxisnahe Einblicke in die Nutzung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) in vier kreativen und wissensintensiven Berufsfeldern (Journalismus, Marketing, Personalwesen und Programmierung), beleuchtet deren Implikationen und zeigt Gestaltungsansätze für die Praxis auf. Es richtet sich damit in erster Linie an Personen, die Verantwortung für die Einführung und Gestaltung generativer KI-Systeme in der Arbeitswelt tragen.«
Anne Sliwka und Ekkehard Thümler (2026): 100-Prozent-Schulen: Wie sich Basiskompetenzen für alle Kinder verlässlich sichern lassen, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, September 2026
»Die aktuellen PISA-Ergebnisse zeigen dringenden Handlungsbedarf: Zu viele Schüler erreichen die Mindeststandards in den Basiskompetenzen nicht. 100-Prozent-Schulen setzen hier an, zielen aber auf mehr als ein Bildungsminimum: Alle Kinder sollen die Regelstandards in Lesen, Schreiben und Rechnen erreichen. Das Modell verbindet datengestützte Schulentwicklung, adaptive Förderung, Response-to-Intervention und Tutoring. Es bezieht Schülerinnen und Schüler, Eltern sowie Lehr- und Förderkräfte systematisch ein. Entscheidend ist eine kohärente Gesamtarchitektur statt additiver Einzelprogramme.«
Merlina Herbach et al. (2026): Rekrutierung von Kindern und Jugendlichen durch Organisierte Kriminalität. Ein (heran-)wachsendes Problem, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, September 2026
»Organisierte Kriminalität setzt zunehmend Kinder und Jugendliche als kriminelle Dienstleister für schwere Straftaten ein. Rekrutiert werden sie häufig über soziale Medien, Messenger-Dienste oder Gaming-Plattformen. Der Beitrag analysiert die Ursachen und Dynamiken dieses wachsenden Phänomens, bewertet internationale Präventionsansätze und zeigt auf, welche Lösungsansätze für die Bundesrepublik Deutschland möglich wären. Dabei stehen evidenzbasierte Präventionsmaßnahmen und die Bekämpfung krimineller Netzwerke als zentrale Handlungsfelder im Fokus.«
Sabine Skubsch (2026): „Wir müssen alle mehr und länger arbeiten!“. Mythen und Fakten zur Rentenpolitik, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, September 2026
Maximilian Blömer et al. (2026): Simulationsrechnungen zur Reform von Wohngeld, Kinderzuschlag und Grundsicherung. IAB-Forschungsbericht, Nr. 10/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2026
»Im September 2025 wurde eine Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR) beauftragt zu untersuchen, wie sozialstaatliche Strukturen unter Bewahrung des sozialen Schutzniveaus modernisiert und entbürokratisiert werden können. Um die Beratungen innerhalb der Kommission zu unterstützen, wurden die Effekte von zwei grundlegenden Reformansätzen vom ifo Institut und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vergleichend untersucht. Die Modelle ermöglichen es für unterschiedliche Haushalte die Auswirkungen alternativer Regelungen auf Nettoeinkommen, Leistungsansprüche und Arbeitsanreize zu berechnen. Als Datengrundlage dient in beiden Fällen das Sozio-oekonomische Panel (SOEP).«
OECD (2026): The Economic Case for Pandemic Preparedness and Response. Beyond Lockdowns. OECD Health Policy Studies, Paris: Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), September 2026
Zukunft KlimaSozial (2026): Der Klima- und Transformationsfonds 2027: Größerer Fonds, weniger Investitionen und kaum sozialer Fokus, Berlin: Zukunft KlimaSozial. Institut für Klimasozialpolitik, September 2026
Trine Schack et al. (2026): Low-wage Work and Labour Market Policies: A European Cross-country Study. RFBerlin Discussion Paper No. 237/26, Berlin: ROCKWOOL Foundation Berlin – Institute for the Economy and the Future of Work, September 2026
Gesine Stephan et al. (2026): Ein Beitrag zur Debatte um das aktuelle Defizit in der Arbeitslosenversicherung: Wer wie lange Arbeitslosengeld bekommt – und was es kostet. IAB-Kurzbericht, Nr. 16/2026, September 2026
»Die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung übersteigen aktuell ihre Einnahmen. Wie viel ließe sich bei kürzeren maximalen Bezugsdauern des Arbeitslosengeldes sparen? Neben dieser Frage geht es in diesem Bericht auch um Mehrausgaben und Mindereinnahmen in anderen öffentlichen Haushalten, mögliche Verhaltenseffekte sowie Gerechtigkeitserwägungen.«
Thorsten Schlee (2026): Desintegration durch Arbeit? Die Arbeitsmarktlage von Menschen aus Rumänien und Bulgarien im Ruhrgebiet. IAQ-Report 2026-09, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), September 2026
»Gegenwärtige Debatten um den Umbau des Sozialstaates lassen das bis jüngst zu verzeichnende außergewöhnliche Beschäftigungswachstum in Deutschland (plus 5 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte) zumeist unberücksichtigt. Dieser Anstieg beruht zu einem großen Teil auf Menschen ohne deutschen Pass. 2.600.000 EU-Bürger, darunter 690.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien, waren im Jahr 2024 in der Bundesrepublik sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon lebten und arbeiteten 22.000 in den hier betrachteten Ruhrgebietskommunen. Die Beschäftigungsstruktur weist jedoch auf prekäre Arbeitsverhältnisse hin. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten aus Rumänien und Bulgarien arbeiten auf Helferniveau und im Niedriglohnbereich, insbesondere in Branchen wie der Leiharbeit, der Logistik und dem Baugewerbe. Arbeitsmarktintegration bedeutet in vielen dieser Fälle allerdings keineswegs gesellschaftliche Teilhabe. Oftmals besteht trotz Erwerbsarbeit Abhängigkeit von zusätzlichen sozialen Leistungen, sodass trotz Lohnarbeit Mechanismen sozialer Grenzziehung und der Reproduktion prekärer Lebensverhältnisse wirksam werden.«
Ernesto Klengel und Toralf Pusch (2026): Einkommensgrenze und Kündigungsschutz. Eine arbeitsrechtliche und ökonomische Bewertung. WSI Policy Brief Nr. 102, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), September 2026
Gwendolyn Stilling (2026): Recht haben? Reicht nicht. Eine Expertise zu Hürden beim Zugang zu sozialen Rechten und unabhängiger Beratung, Berlin: GKS Consult – Gesellschaft für Kommunikation und Soziales, September 2026
»Die Expertise zeigt einen alarmierenden Anstieg sozialrechtlicher Auseinandersetzungen: 2026 nahmen Widersprüche und Klagen gegen Jobcenterbescheide deutlich zu, die Zahl gerichtlicher Eilverfahren hat sich binnen eines Jahres sogar mehr als verdoppelt. Hauptgrund für diese Entwicklung ist laut Expertise der hohe materielle Druck auf Menschen mit niedrigen Einkommen.«
Christina Anger et al. (2026): INSM-Bildungsmonitor 2026. Bildungsstand, Bildungschancen und Bildungsmobilität, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
»In dieser Studie wird explizit eine bildungsökonomische Sichtweise eingenommen. Die Ergebnisse der Studie sind vor diesem Hintergrund zu interpretieren und einzuordnen. Es steht folglich im Fokus, welchen Beitrag das Bildungssystem leistet, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten.«
Paula Risius et al. (2026): Ausbildung erfolgreich gestalten vom Marketing bis zur Übernahme. Die zentrale Bedeutung von Ausbilderinnen und Ausbildern. IW-Studie im Rahmen vom NETZWERK Q, gefördert vom: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). IW-Report, Nr. 38/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
»Die Studie analysiert auf Grundlage einer Befragung von über 600 Ausbilderinnen und Ausbildern, welche Maßnahmen aus ihrer Sicht geeignet sind, um Auszubildende für eine Ausbildung zu gewinnen, sie währenddessen bedarfsgerecht zu begleiten, zu qualifizieren und anschließend langfristig im Unternehmen zu halten. Mit Blick auf konkrete Maßnahmen zeigen die Ergebnisse der Studie, dass erfolgreiches Ausbildungsmarketing alle Phasen der Ausbildung im Sinne einer „Candidate Journey“ im Blick haben muss.«
Petra Potz et al. (2026): Wegweiser Quartier und Einsamkeit. Ein Praxisleitfaden, Ludwigsburg: Wüstenrot Stiftung, 2026
Einsamkeit gehört zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen und Lebenslagen – in Großstädten ebenso wie in kleinen Gemeinden. Gleichzeitig entsteht Einsamkeit nicht nur im Individuellen. Auch die Gestaltung unserer Wohnquartiere, Nachbarschaften und Alltagsorte beeinflusst, ob Menschen sich einsam fühlen. Doch was können Kommunen, Wohnungsunternehmen, soziale Träger, Vereine und Initiativen konkret tun, um Einsamkeit vorzubeugen? Was sind soziale, räumliche, institutionelle, stadtplanerische und kulturelle Ansätze? Der Wegweiser Quartier und Einsamkeit zeigt, wie Quartiere so gestaltet und belebt werden können, dass Begegnung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft im Alltag leichter entstehen und so einem Einsamkeitsgefühl entgegengewirkt wird.
Stadt Essen (2026): Essener Charta zur Verhinderung und Bekämpfung von Einsamkeit. Gemeinsam gegen Einsamkeit, Essen: Stadt Essen, Amt für Soziales und Wohnen, Integrierte Sozialplanung, April 2026
Tabea Bucher-Koenen et al. (2026): Die kollektive Lösung der Frühstartrente: Empfehlungen für Anlagestrategie und Governance. SAFE White Paper Nr. 121, Frankfurt am Main: Leibniz Institute for Financial Research SAFE, September 2026
»Mit der Frühstartrente wird in Deutschland erstmals eine Geldanlage am Kapitalmarkt zur voreingestellten Lösung (Default) für die Altersvorsorge. Ohne eigene Anlageentscheidung werden die Beiträge der Kinder und Jugendlichen künftig kollektiv und gebündelt am Kapitalmarkt investiert. Dieses Papier untersucht, wie diese kollektive Anlage ausgestaltet werden sollte, damit sie die breite Bevölkerung niedrigschwellig am Kapitalmarkt beteiligt und jungen Menschen früh eigene Erfahrungen mit Kapitalanlage ermöglicht. Basierend auf wissenschaftlicher Evidenz empfehlen wir ein breit diversifiziertes, aktienbasiertes Portfolio, sowie eine passive, regelgebundene und indexbasierte Verwaltung. Entscheidend ist zudem eine unabhängige Governance. Die Leitplanken in der Anlagestrategie sollten im parlamentarischen Verfahren festgelegt werden. Ein unabhängiger Expertenrat sollte die Anlagerichtlinie entwickeln und überwachen. Zuletzt sollte die Frühstartrente stärker bildungspolitisch flankiert werden, um die Finanzkompetenz von Kindern und ihren Familien zu stärken.«
Joachim Ragnitz und Marcel Thum (2026): Rentensplitting statt Witwenrente. Wer gewinnt, wer verliert?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 9/2026
»Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hat in ihrem Abschlussbericht vom Juni 2026 empfohlen, Reformoptionen für die Hinterbliebenenversorgung zu prüfen, ohne sich auf ein Modell festzulegen. Ein in der Fachdiskussion vielfach genannter Kandidat ist das Rentensplitting: Die in der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Partner werden hälftig geteilt, im Gegenzug entfällt die Witwen- bzw. Witwerrente. Mit einem Rentenmodell quantifizieren Joachim Ragnitz und Marcel Thum … wer bei einem solchen Wechsel gewinnt und wer verliert – getrennt nach Frau, Mann, Ehepaar und Rentenversicherung sowie abhängig von Heiratsalter, Einkommensverhältnis und Altersunterschied der Partner. Einzelne Frauen mögen bei einer Reform gewinnen, insbesondere bei früher Heirat und geringem eigenen Einkommen. Das Ehepaar als Ganzes verliert dagegen in nahezu allen untersuchten Konstellationen, weil der Wegfall der Witwenrente den Effekt aus der Umverteilung zwischen den Partnern regelmäßig übersteigt. Die Rentenversicherung spart in jedem untersuchten Fall Geld.«
Wido Geis-Thöne (2026): Ermittlung und Analyse des Verbleibs internationaler Studierender. Fundierung von Szenarien zur Berechnung volkswirtschaftlicher Effekte der Zuwanderung über die Hochschulen. Gutachten im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
Alexander Burstedde (2026): IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029: Beschäftigungspotenziale sinken. IW-Kurzbericht, Nr. 61/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
»Bis 2029 wächst die Fachkräftelücke in Deutschland um 47 Prozent – am schwierigsten wird es, Fachkräfte mit Ausbildung zu finden, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Bundesweit könnten 2029 insgesamt 723.000 Fachkräfte fehlen – 47 Prozent mehr als 2024. Die größte Fachkräftelücke klafft 2029 im Verkauf (Einzelhandelskaufleute u. ä.), wo gut 39.000 Fachkräfte fehlen. Die IW-Studie schreibt die Trends der Jahre 2018 bis 2024 in rund 1.300 Berufen bis 2029 fort. Dabei sind Trendänderungen wie der aktuelle Geburtenrückgang oder die zusätzliche Nachfrage durch das Sondervermögen noch nicht berücksichtigt.«
Fabian Semsarha et al. (2026): Internationale Fachkräfte dämpfen Beschäftigungsrückgang in Ostdeutschland. IW-Kurzbericht, Nr. 59/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
Björn Kauder (2026): Öffentlicher Dienst: Potenziale durch mehr Vollzeit. IW-Kurzbericht, Nr. 58/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2026
»Der öffentliche Dienst beklagt einen Personalmangel, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Der bezifferte Bedarf ließe sich rein rechnerisch zu einem erheblichen Teil durch eine Ausweitung der Tätigkeit in Richtung Vollzeit decken.«
Svenja Pfahl und Stefan Reuyß (2026): Gerechtigkeitscheck Elterngeld. Zeit für geschlechtergerechte und soziale Reformen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2026
»Fast 20 Jahre nach Einführung des Elterngeldes wurden einige Ziele erreicht – andere hingegen nur teilweise. Auch heute sind Eltern von einer partnerschaftlichen Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit weit entfernt. Außerdem wissen wir: Nicht alle Eltern profitieren gleichermaßen vom Elterngeld. Die Analyse zeigt: Es braucht deutliche Reformen in Richtung eines geschlechtergerechten und sozialen Elterngeldes.«
Letizia Palumbo (2026): Fair Recruitment to the EU: Regulation, Rights and Remedies. Promising Practices in Migration Policy, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2026
»Private labour intermediaries — recruitment agencies, temporary work agencies and informal brokers — play a growing role in connecting migrant workers to jobs in the EU, especially where labour migration pathways are restrictive and administrative procedures are complex. This reliance carries serious risks: excessive fees, deceitful changes to employment contracts, document fraud, debt bondage and labour exploitation, and specific challenges to hold anyone accountable for such rights violations. EU law addresses some of this indirectly (e.g. the Temporary Agency Work Directive) but offers no comprehensive framework. Across Europe, a number of promising national practices have emerged — but no one measure is sufficient alone and each comes with limitations that will need to be addressed if regulation is to be genuinely effective. This policy brief points out six recommendations to do so. Instead of starting from scratch, the challenge now is to refine them to address their limitations, reproduce them EU-wide as a complementary package of measures and invest in implementation and adequate resourcing. Crucially, regulation must include protections and remedies for migrant workers to be effective.«
Thomas Schauf (2026): Die Enzyklika Magnifica Humanitas und die Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft im Digitalzeitalter. Ein Diskussionspapier, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2026
»Die Enzyklika Magnifica Humanitas über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz von Papst Leo XIV. lässt sich als ordnungspolitischer Weckruf lesen: Sie überträgt die Prinzipien der katholischen Soziallehre auf die digitale Ökonomie und knüpft bewusst an die Gründungsidee der Sozialen Marktwirtschaft an. Das Diskussionspapier liest dieses Dokument daher aus wirtschaftspolitischer Perspektive und stellt die These auf, dass die Enzyklika fünf regulatorische Innovationsfelder für eine Weiterentwicklung der Sozialen Marktwirtschaft im KI-Zeitalter erschließt.«
OECD (2026): PISA 2025 Ergebnisse (Band I – Auszugsweise Übersetzung): Bereit für die Zukunft?, Paris, September 2026
Full Report:
➔ OECD (2026): PISA 2025 Results (Volume I). Future‑Ready Students, Paris, September 2026
Coşkun Canan und Matthias Keller (2026): Einwanderungsgeschichte, Bildungshintergrund der Eltern und Bildungsbeteiligung der Kinder, in: Wirtschaft und Statistik, Nr. 4/2026
»Bildung ist eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe und eine gelingende Integration von Eingewanderten und ihren Nachkommen. Sie wird aber stark von der sozialen Herkunft beeinflusst. Der Beitrag untersucht anhand von Ergebnissen des Mikrozensus, wie die schulische Bildungsbeteiligung von jungen Menschen von ihrer Einwanderungsgeschichte und dem Bildungshintergrund ihrer Eltern abhängt. Dabei wird auch auf die unterschiedliche Bildungsbeteiligung von jungen Frauen und Männern eingegangen.«
Anja Petschel et al. (2026): Eingewanderte in Deutschland – Zur Differenzierung einer heterogenen Gruppe, in: Wirtschaft und Statistik, Nr. 4/2026
Sebastian Dullien und Matthias Kollatz (2026): Wie sich die Ziele der Bundeswohnungsbaugesellschaft verwirklichen lassen. Garantien als Lösung der verfassungsrechtlichen Herausforderungen. IMK Policy Brief Nr. 223, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), August 2026
»Derzeit wird diskutiert, eine Bundeswohnungsbaugesellschaft entweder als reines Staatsunternehmen oder als Staatsunternehmen mit privater Beteiligung aufzubauen, wobei dieses Unternehmen im großen Stil für das eigene Portfolio Wohnungen bauen (lassen) soll. Diese Lösungen sollen dem Wohnraummangel entgegenwirken. Angesichts der verfassungsrechtlichen Risiken dieser Idee sollte die Bundesregierung stattdessen die Förderung bezahlbaren Wohnraums über eine neue Säule des geförderten Wohnungsbaus realisieren. Über Garantien und direkte Kredite, die als finanzielle Transaktionen umgesetzt werden, könnte der Bund mit geringen Haushaltsmitteln große Wirkungen am Wohnungsmarkt erreichen. Voraussetzung wäre, dass die Förderung an Kriterien effizienten Bauens, wirtschaftlichen Betriebs und langfristig gedeckelter Mieten gebunden wird. Die KfW und/oder die Förderbanken der Länder könnten für die Umsetzung der neuen Fördersäule eingesetzt werden.«
➔ dazu: Wohnungs-Booster: Neuer Fördermechanismus für günstiges Bauen effektiver als Bundesbaugesellschaft, 31.08.2026
Niels Espenhorst und Nora Jehles (2026): Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbandes, Berlin: Der Paritätische Gesamtverband, August 2026
»Mit 3.267 erfassten Einrichtungen basiert der Kita-Bericht 2026 auf der bislang größten Datenlage des Paritätischen Gesamtverbandes zur Situation in Kindertageseinrichtungen. Die Ergebnisse zeigen ein System, das vom hohen Engagement der Fachkräfte getragen wird, gleichzeitig aber zunehmend unter strukturellem Druck steht. Über nahezu alle Themenfelder hinweg wird deutlich, dass die Anforderungen an Kitas schneller wachsen als die verfügbaren personellen, finanziellen und organisatorischen Ressourcen.«
➔ dazu: Kita-Bericht 2026 (02.09.2026)
Gwendolyn Stilling (2026): Mietenreport 2026. Die Wohnungskrise wird zur Sozialstaatskrise, Berlin: Deutscher Mieterbund, September 2026
Peer Rosenthal und Magnus Brosig (2026): Anerkennung besonders langer Lebensarbeitszeiten, Bremen: Arbeitnehmerkammer Bremen, September 2026
Maximilian Junkersdorf et al. (2026): Projektion der Notfallversorgung bis 2040, Berlin: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), September 2026
In der Studie wurden »Projektion der Notfallversorgung in Deutschland bis zum Jahr 2040 (durchgeführt). Auf Ebene von 984 Mittelbereichen wurden kleinräumige Analysen zu ambulanten Notfallbehandlungen im Krankenhaus und Rettungsdiensteinsätzen mit Patiententransport durchgeführt. Diese Leistungen der Notfallversorgung wurden demografisch und unter Berücksichtigung von erwarteten Veränderungen der hausärztlichen Versorgungssituation fortgeschrieben. Im Rahmen von Szenarioanalysen wurden Effekte von Veränderungen der hausärztlichen Versorgungsrelationen und Anpassungen der Inanspruchnahmeraten der Notfallversorgung auf die Projektionsergebnisse untersucht. Die bundesweiten Ergebnisse zeigen einen deutlichen Anstieg von ambulanten Notfallbehandlungen im Krankenhaus und Rettungsdiensteinsätzen mit Patiententransport in den kommenden Jahren. Auf Ebene der Bundesländer und Mittelbereiche wird dabei eine enorme Heterogenität der projizierten Entwicklungen sichtbar. Die Szenarioanalyse weist auf die überragende Bedeutung angepasster Inanspruchnahmeraten zur Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen hin.«
Tim Seidinger et al. (2026): Punktlandung Pflegegrad? Analysen zur Reform der Pflegebegutachtung, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), September 2026
Die in der Pflegereform vorgesehenen strengeren Pflegegrade werden nicht den erwünschten Spareffekt bringen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Danach halbierten sich die hier vorgesehenen Einsparungen und liegen voraussichtlich nur bei etwa zwei Milliarden Euro jährlich. Die offiziellen Schätzungen und Gutachten berücksichtigten meist nicht, dass sich die Anreize und damit das Verhalten der beteiligten Akteure im Begutachtungsverfahren an neue Regeln anpassen könnten, heißt es in der WIdO-Studie. Das Institut konzentrierte sich auf eben diese Anpassungseffekte an den Schwellenwerten zum nächsten Pflegegrad.
Anne Brorhilker et al. (2026): Gleichheit vor dem Gesetz: Wird Steuerhinterziehung so konsequent verfolgt wie Sozialleistungsbetrug?, Berlin: Finanzwende Recherche, September 2026
»Im deutschen Rechtssystem existieren systemische Ungleichheiten. Einkommensschwächere Täter von sogenannten Armutsdelikten müssen damit rechnen, dass Behörden und Justiz gegen sie härter vorgehen, als gegen finanziell meist stark aufgestellte Wirtschaftskriminelle. Untersucht wurden hierfür die gesetzlichen Regelungen sowie die Verwaltungs- und Strafverfolgungspraktiken aus verschiedenen Blickwinkeln. Außerdem erfolgte eine Auswertung der statistischen Grundlagen zu Wirtschaftskriminalität und zu Sozialleistungsbetrug.«
➔ ergänzend dazu: Nicole Bögelein und Levin Reichmann (2026): Soziale Ungleichheit in der Strafverfolgung. Ein kriminologisches Gutachten, Köln, Juni 2026
Michael Sauer und Kirstin von Graefe (2026): Fachkräfteallianzen gestalten. Kooperationen für regionale Lösungen, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, September 2026
»Neben Aus- und Weiterbildung, höherer Erwerbsbeteiligung und besserer Arbeitsqualität gilt gesteuerte Zuwanderung aus Drittstaaten als tragende Säule der Fachkräftesicherung. Trotz Liberalisierung des Zuwanderungsrechts, Pilotprojekten und Entwicklungsprogrammen bleiben die Ergebnisse der Personalgewinnung hinter dem Bedarf zurück. Gründe dafür sind komplexe Zuständigkeiten, fragmentierte Verantwortung, rechtliche Vorgaben, infrastrukturelle Engpässe und fehlende regionale Koordination. In diesem Gefüge entwickeln sich Fachkräfteallianzen als mehr oder weniger formalisierte Kooperationen zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Diese Kooperationen suchen regionale Antworten auf Fachkräfteengpässe. Ihre Bedeutung wächst, doch eine belastbare Evidenz zu Struktur, Dynamik, Wirksamkeit und Gelingensbedingungen ist bisweilen begrenzt. Häufig bleibt die migrations- und arbeitsmarktpolitische Spezifik solcher Allianzen vernachlässigt.«
Martin Bujard et al. (2026): Geburtentief und sinkende Kinderwünsche: Wie Zukunftssorgen und regionale Bedingungen die Familienplanung junger Menschen begleiten, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), September 2026
DGB (2026): Zunehmende Arbeitslosigkeit trifft schwerbehinderte Menschen besonders hart, Berlin: DGB-Bundesvorstand, Abteilung Arbeitsmarkt- und Migrationspolitik, September 2026
Jan Behringer et al. (2026): Sozialstaatsdebatte belastet privaten Konsum und Vertrauen in die Regierung. Erkenntnisse aus einer Online-Umfrage. IMK Policy Brief Nr. 222, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), August 2026
Bundesärztekammer (2026): Im Krisenfall handlungsfähig: Resilienz des Gesundheitswesens aus ärztlicher Sicht. Strategiepapier der Bundesärztekammer, Berlin, August 2026
Arthur Kaboth und Sophie-Charlotte Meyer (2026): Multiple Arbeitsanforderungen und der Wunsch nach vorzeitigem Renteneintritt in Deutschland – Ergebnisse aus der BAuA-Arbeitszeitbefragung, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2026
»Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang zwischen mehreren gleichzeitig auftretenden (multiplen) körperlichen sowie psychosozialen Arbeitsanforderungen und der Präferenz nach einem vorzeitigen Renteneintritt bei älteren Beschäftigten. Auch wenn die beobachteten Zusammenhänge eher klein ausfallen, zeigen die Ergebnisse, dass insbesondere multiple psychosoziale Arbeitsanforderungen für Ruhestandspräferenzen relevant sind. Dies unterstreicht die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen zur Förderung einer gesundheitsförderlichen Arbeitsgestaltung über den gesamten Erwerbsverlauf.«
Denise Becka et al. (2026): Springerpools im Krankenhaus. Betriebliche Flexibilisierung von Pflegearbeit als Handlungsarena organisationaler Gerechtigkeit. Forschungsförderung Working Paper Nr. 422, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, August 2026
»Viele Krankenhäuser haben Springerpool-Modelle etabliert, um flexibel auf kurzfristige Personalbedarfe reagieren zu können. Die vorliegende Untersuchung zeigt, wie Springerpool-Modelle partizipativ weiterentwickelt werden können. Im Fokus steht in welcher Weise die Beschäftigten aus dem Springerpool auf die Stationen verteilt werden und wie Transparenz über die Verteilungsergebnisse des Pool-Modells hergestellt werden kann. Diese Themen adressieren wichtige Gerechtigkeitsanliegen von Beschäftigten, die sich im Zusammenspiel von Stationsbeschäftigten und Beschäftigten im Springerpool zeigen.«
GKV-Spitzenverband (2026): Mehr Digitalisierung für eine zukunftsfeste Pflege. Positionspapier, Berlin, August 2026
Sarah Lotties (2026): Statistikbericht. Zu Lebenslagen wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in Deutschland – Lebenslagenbericht. Schwerpunktthema: Alter(n) und Wohnungsnot. Berichtsjahr 2024, Berlin: BAG Wohnungslosenhilfe 2026
Nadia Kutscher et al. (Hrsg.) (2026): Handbuch Soziale Arbeit und Digitalisierung, 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Weinheim: Beltz Juventa, 2026
Dominic Afscharian et al. (2026): Dynamik trifft Gerechtigkeit. „Social Investment“ als Leitbild eines modernisierten Sozialstaats, Berlin: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), Juli 2026
»Deutschlands Sozialstaat steckt in einer Reformdebatte, die wirtschaftliche und soziale Ziele als Gegensatz behandelt. Aber die Politik kann mit einer Social Investment-Agenda sowohl die Wirtschaft fördern, als auch sozial-politische Sicherungen stärken, statt sie gegeneinander auszuspielen. Sozialpolitik kann eine beschäftigungsstärkende Zukunftsinvestition sein, wenn ihre Teilbereiche gestärkt und aufeinander abgestimmt werden.
Wir empfehlen daher den konsequenten Ausbau der drei investiven Säulen moderner Sozialpolitik:
In Fähigkeiten investieren, insbesondere in Bildung, z. B. durch die Stärkung frühkindlicher Bildungsangebote und ein bundesweites System des lebenslangen Lernens aus einem Guss.
Übergänge zwischen Lebensphasen fördern, insbesondere in den Arbeitsmarkt, z. B. durch den Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur und dedizierte Vätermonate im Elterngeld.
Soziale Sicherung stärken, z. B. durch Entgeltsicherung, Reduktion der Transferentzugsraten und Bündelung von Leistungen.
Zusammengedacht wird Sozialpolitik so zum Chancenmotor für wirtschaftliche Dynamik und soziale Gerechtigkeit. Diese Potenziale liegen zu lassen, kann sich Deutschland mit Blick auf die aktuelle ökonomische Stagnation nicht länger leisten.«
➔ dazu der Technical Report: Fabian Mushövel und Anton Hemerijck (2026): Social Investment in Deutschland, Berlin: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), Juli 2026
Sabine Putz und René Sturm (Hrsg.) (2026): Soziale Unternehmen im Gespräch. Eine Gesprächsserie des AMS Österreich 2024–2026 mit einem Fokus auf kreislaufwirtschaftliche Beschäftigungsmodelle, Wien: Arbeitsmarktservice Österreich, 2026
Maurice Laßhof und Ulrich Brinkmann (2026): Konfliktlinien des rechten Betriebspopulismus. Arbeitsweltliche Anknüpfungspunkte und rechte Neu-Codierung mikropolitischer Konflikte am Beispiel der Pseudogewerkschaft „Zentrum“. Forschungsförderung Working Paper Nr. 409, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juni 2026
»Der Beitrag untersucht Struktur und Strategie eines „rechten Betriebspopulismus“ am Beispiel der rechtsextremen Pseudogewerkschaft „Zentrum“. Auf Basis qualitativer Experteninterviews zeigt er, wie Transformationsdruck, Personalabbau, Dequalifizierung, Prekarisierung und demokratische Legitimitätsdefizite zu Anknüpfungspunkten rechter Mobilisierung werden. Im Fokus steht die Analyse der betriebspopulistischen Konfliktlinien: Zentrum verschiebt den Kapital-Arbeit-Konflikt auf der vertikalen Achse gegen IG Metall und Betriebsräte und codiert die IG Metall zugleich auf der horizontalen Achse als betriebsfremde Eingriffsmacht. Dadurch erscheint sie als hybride Gegnerin von „oben“ und „außen“. Der Beitrag diskutiert Gegenstrategien für eine demokratische, konfliktfähige Gewerkschaftsarbeit.«
Lilly Fischer et al. (2026): Expansion des Sozialstaats. Das deutsche Sozialbudget 1992 – 2025. ifo Schnelldienst digital. Nr. 14/2026, München: ifo Institut, August 2026
»Eine aktualisierte Analyse des ifo Instituts erweitert die bisherige Sozialbudget-Berechnung (1992 – 2024) um das Jahr 2025. Sie zeigt, dass das deutsche Sozialbudget zwischen 1992 und 2025 real um rund 70 % gewachsen ist, bei gleichzeitig steigender Sozialbudgetquote. Die Funktionen Alter und Krankheit machen 2025 zusammen rund 70 % der gesamten Sozialausgaben aus und sind für über 80 % des realen Ausgabenzuwachses seit 1992 verantwortlich. Steuerfinanzierte Förder- und Fürsorgesysteme (z. B. Grundsicherung, Kindergeld) tragen knapp 20 % zum Sozialbudget bei. Der demografische Wandel ist der zentrale strukturelle Kostentreiber dieser Entwicklung und verschärft die intergenerationale Lastenverschiebung im deutschen Sozialstaat. Zugleich zeigt die Analyse, dass der Sozialstaat in Krisenzeiten als automatischer Stabilisator wirkt.«
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2026): Versicherungsfremde Leistungen in der gesetzlichen Krankenversicherung und der sozialen Pflegeversicherung, Berlin, Juli 2026
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2026): Nicht beitragsgedeckte Leistungen in der gesetzlichen Rentenversicherung, Berlin, Juli 2026
Thomas Klie, Michael Ranft und Nadine-Michèle Szepan (2026): Diskussionspapier KDA: Pflegeversicherung und soziale Gerechtigkeit – Neue Denkansätze für eine Lösung der Heimkostenfrage, Berlin: Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), Juni 2026
Wirtschaftsrat der CDU (2026): Für eine langfristige und nachhaltige Finanzierung der Pflege. Positionspapier der Bundesarbeitsgruppe Pflege, Berlin, August 2026
Daniel Thym (2026): Erklärung von Chișinău. „Migrationswende“ auch bei den Menschenrechten?, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, August 2026
»Im Mai 2026 verständigten sich die Mitgliedstaaten des Europarats auf die sogenannte Chişinău-Erklärung. Darin fordern die Regierungen den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) dazu auf, Staatsinteressen in der Rechtsprechung zur Migrationspolitik wieder stärker zu gewichten. Diese nicht rechtsverbindliche politische Erklärung könnte der Auftakt für eine Grundsatzreform der europäischen Asylgesetzgebung sein, die durch ein Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) ermöglicht wird.«
Imane Lahrich und Meryem Moudjaoui (2026): Fachkräftemigration Marokko–Deutschland: Steuerung, Asymmetrien, Sozialpartner und sozioökonomische Auswirkungen, Rabat: Friedrich-Ebert-Stiftung – Büro Marokko, August 2026
OECD (2026): Artificial Intelligence and the Future of Citizen Participation. Typology of Applications, Opportunities and Challenges for Democratic Innovation, Paris: OECD 2026
»The study shows how AI can make citizen participation more accessible, efficient and scalable. It also identifies key risks and offers recommendations for responsible use.«
➔ Zusammenfassung der OECD-Studie: Stefan Roch (2026): Artificial Intelligence and the Future of Citizen Participation, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, August 2026
➔ Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Bürgerbeteiligung: Neue Studie und Policy Brief veröffentlicht(19.08.2026)
Initiative Pflegehof (2026): Das Konzept Pflegehof. Ein Zuhause in Natur und Gemeinschaft für Menschen mit Demenz – Das Handbuch für Gründer:innen (Version 1.0), Zernien: Initiative Pflegehof GmbH, Juni 2026
Die Initiative Pflegehof hat ein Handbuch veröffentlicht, das Schritt für Schritt durch die Gründung eines Pflegehofs führt – von der Vision über Standortsuche, Architektur und Finanzierung bis zum Alltagsbetrieb. Das Konzept setzt auf kleine ambulant versorgte Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz.
ELA (2026): Report on undeclared work and bogus self-employment in the private security services sector. Final Report, Luxembourg: European Labour Authority (ELA), June 2026
ELA (2026): The long-term care sector: Labour mobility and enforcement challenges, Luxembourg: European Labour Authority (ELA), 2026
Philipp Deschermeier und Wido Geis-Thöne (2026): Demografische Krise im Osten – ohne Zuwanderung geht es nicht. IW-Kurzbericht, Nr. 56/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2026
»Ohne Migrationsbewegungen würden die ostdeutschen Flächenländer bis zum Jahr 2035 über ein Achtel und bis zum Jahr 2045 über ein Fünftel ihrer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren verlieren. Damit dürfte sich die Situation der Wirtschaft, insbesondere auch bei der Versorgung mit Dienstleistungen, kaum erhalten lassen.«
Maximilian Blömer et al. (2026): Reduktion von Armutsrisiko im integrierten Transfersystem: Simulationsanalyse einer existenzunterstützenden Leistung. ifo Forschungsberichte Nr. 163, München: ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, August 2026
»Die Kommission zur Sozialstaatsreform empfiehlt, Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag in einer integrierten Leistung zusammenzuführen, lässt deren Ausgestaltung aber weitgehend offen. Die vorliegende Kurzexpertise evaluiert einen Reformansatz innerhalb eines vollintegrierten Systems, der gezielt Haushalte mit Kindern und geringen Erwerbseinkommen oberhalb der Existenzsicherung besserstellt. Kernelemente sind eine Binnendifferenzierung zwischen existenzsichernder und existenzunterstützender Leistung mit einem Übergangspunkt an der Minijobgrenze, ein individueller Erwerbsbooster von 100 Euro monatlich, ein Alleinerziehenden-Freibetrag sowie nach Haushaltstypen differenzierte Transferentzugsraten.«
➔ dazu: AWO Bundesverband (2026): ifo-Studie zeigt: Zusammenlegung von Sozialleistungen ermöglicht Armutsbekämpfung und Arbeitsmarktchancen. AWO macht Vorschläge zur Umsetzung der Sozialstaatsreform, Berlin, August 2026
»Das Design des AWO-Reformansatzes folgt im Kern den Empfehlungen der Kommission. Die zentralen Unterstützungsleistungen für erwerbsfähige Menschen – Grundsicherungsgeld, Wohngeld und Kinderzuschlag – werden in eine Leistung mit einem einheitlichen Einkommensbegriff überführt. Die Einkommensanrechnung wird entgegen den Empfehlungen der Kommission für niemanden systematisch verschlechtert. Ein Erwerbsbooster und ein Alleinerziehenden-Freibetrag setzen gezielt Anreize für sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Würde die Reform entlang der AWO-Parameter umgesetzt, würde die Armutsgefährdungsquote um 0,9 Prozentpunkte sinken, untere Einkommensschichten würden ihr verfügbares Einkommen im Durchschnitt um bis zu 515 Euro im Jahr erhöhen können und 322.000 Personen Arbeitslosigkeit überwinden.«
Fabian Beckmann und Florian Spohr (2026): Desorganisierte Erwerbslose: Mobilisierungsprobleme, Vertretungslücken und politische Konfliktverlagerung. IAQ-Report 2026-08, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), August 2026
»Interessenorganisationen von Erwerbslosen erleben zahlreiche Hemmnisse für eine stärkere kollektive Organisierung der Betroffenen. Während Erwerbsloseninitiativen die politische Interessenvertretung ihrer Klientel aufgrund unzureichender Ressourcen vielfach vernachlässigen, konkurrieren in Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften Erwerbsloseninteressen mit anderen Interessen. Die Interessenorganisationen der Erwerbslosen scheitern daran, die Betroffenen zu politisieren und Interessendivergenzen unter Erwerbslosen(-Vertretungen) auszuräumen. Gesellschaftliche Stigmatisierungen der Erwerbslosen erschweren eine kollektive Interessenartikulation zusätzlich. Politisch brisant: Rechtspopulistische Parteien stoßen in diese Repräsentationslücke und verlagern den politischen Oben-Unten-Konflikt zu einem Innen-Außen-Konflikt, der im Kontrast zu dem inklusiven Solidaritätsanspruch der Interessenorganisationen der Erwerbslosen steht.«
Wido Geis-Thöne und Benita Zink (2026): Zuwanderung leistet einen großen Beitrag zur Wertschöpfung im Osten. IW-Kurzbericht, Nr. 53/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2026
»Insgesamt trugen Beschäftigte ohne deutsche Staatsangehörigkeit im Jahr 2025 rund 68,3 Milliarden Euro oder 10,5 Prozent zur Wertschöpfung in Ostdeutschland bei. Dabei gehen nicht nur altersbedingt zunehmend Arbeitskräfte verloren, sondern es zeichnet sich auch eine Rückwanderungsbewegung in die neuen EU-Mitgliedsländer ab. Daher muss die Zuwanderung von Arbeitskräften aus Drittstaaten gestärkt werden.«
PKV (2026): Ein neuer Generationenvertrag für die Pflege. Einstieg in eine generationengerechte Reform der sozialen Sicherung, Köln: Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), August 2026
»Mit dem „Neuen Generationenvertrag für die Pflege“ präsentiert der PKV-Verband eine Alternative zur bevorstehenden Pflegereform. Ziel des Konzepts ist es, den Beitragssatz in der Pflege zu senken und eine implizite Verschuldung zulasten der jungen Generation zu stoppen.«
Dana Müller und Philipp Vom Berge (2026): Stabilität und Veränderungen in Erwerbsverläufen: Nur ein Arbeitgeber war schon immer die Ausnahme. IAB-Kurzbericht Nr. 14/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), August 2026
»Sind Erwerbsbiografien im Zeitverlauf instabiler geworden? Und wenn ja, in welchem Ausmaß? Antworten auf diese Fragen gibt eine Analyse von Beschäftigungsdauern und Arbeitgeberwechseln für verschiedene Erwerbsphasen sozialversicherungspflichtiger Beschäftigter. Dabei werden Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland sowie zwischen Frauen und Männern in den Blick genommen.«
Bundesagentur für Arbeit (2026): Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk, Nürnberg, August 2026
»Das Handwerk steht zusätzlich zur schwachen Wirtschaftsentwicklung unter erheblichem Fachkräftedruck, den die Alterung der Belegschaften und Ausbildungsengpässe noch verstärken. Der Bericht gibt einen Überblick über die kurz- und langfristige Entwicklung unter anderem der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Arbeitslosen und gemeldeten Arbeitsstellen.«
Michael Christl et al. (2026): A Regressive Shock? The Distributional Consequences of Middle East Conflict-Driven Inflation for German Households, CESifo Working Papers No. 12853, Munich: CESifo, August 2026
DGB (2026): Mindestlohnbetrug kostet die Gesellschaft 64 Milliarden Euro! Exklusive DGB Auswertung zu den finanziellen Auswirkungen von Mindestlohnverstößen, Berlin: DGB-Bundesvorstand, Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik, August 2026
Natalie Klauser und Jacques Hermes (2026): Mehr Raum für Familie. Familienfreundliche Politik im internationalen Vergleich, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, August 2026
»Trotz eines seit Jahren stabilen Kinderwunsches sinkt die Geburtenrate in Deutschland auf einen historischen Tiefstand. Welche Hürden erschweren jungen Menschen die Familiengründung und welche politischen Rahmenbedingungen können dazu beitragen, dass mehr Kinderwünsche verwirklicht werden? Aktuelle Forschungsergebnisse und ein Vergleich familienpolitischer Ansätze verschiedener Länder liefern Hinweise für eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Familienpolitik in Deutschland.«
Thilo Kroeger und Dominik Boddin (2026): Beschäftigung im Strukturwandel: Berufe bleiben, Branchen wechseln, in: DIW Wochenbericht, Nr. 32/2026
»Der Verlust von Industriearbeitsplätzen in Deutschland wird häufig mit großer Sorge betrachtet. Obwohl im Produzierenden Gewerbe viele produktionsnahe Arbeitsplätze abgebaut werden, entstehen neue Arbeitsstellen mit ähnlichen Tätigkeitsprofilen in Dienstleistungsunternehmen. Rund zwei Drittel der von 1975 bis 2019 in Industriebranchen verlorenen Arbeitsplätze werden so ausgeglichen. Gelingt entlassenen Beschäftigten der Wechsel in einen neuen Job mit ähnlichen Tätigkeiten, bleiben die Einkommensverluste meist gering – unabhängig davon, in welchem Sektor sie arbeiten. Entscheidend ist der Erhalt berufsspezifischer Kompetenzen. Daher sollten nicht einzelne Branchen geschützt, sondern auf Qualifizierung, berufliche Anschlussfähigkeit und Vermittlung über Branchengrenzen hinweg gesetzt werden.«
Bernd Fitzenberger et al. (2026): Aktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel: Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. IAB-Kurzbericht, Nr. 13/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026
»Im Jahr 2025 sind sowohl die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge als auch das betriebliche Ausbildungsplatzangebot zurückgegangen. Nachdem der Anteil der übernommenen Auszubildenden 2024 mit 79 Prozent einen Höchstwert erreicht hatte, ist er im vergangenen Jahr gesunken. Diese Veränderungen spiegeln auch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche in Deutschland wider. Wie sich verschiedene Indikatoren der betrieblichen Ausbildung entwickelt haben und wie sie sich in einzelnen Segmenten des Ausbildungsmarkts darstellen, zeigen aktuelle Auswertungen aus dem IAB-Betriebspanel.«
Anette Haas et al. (2026): Neufassung der Ausbildungsmarkt-Typisierung. IAB-Forschungsbericht, Nr. 8/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026
»Das IAB unterstützt die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit (BA), indem es eine Ausbildungsmarkt-Typisierung erstellt. Diese fasst die 144 Agenturbezirke der BA zu sogenannten Ausbildungsmarkt-Typen zusammen. Innerhalb dieser kann die arbeitsmarktpolitische Zielerreichung sinnvoll beurteilt werden. Agenturen, die durch ihre Rahmenbedingungen einem ähnlichen Set an Herausforderungen gegenüberstehen, werden zu jeweils einem Vergleichstyp zusammengefasst. Unterschiedliche regionale Rahmenbedingungen werden so vergleichbar gemacht. Das IAB hat für die BA eine neue Version der Ausbildungsmarkt-Typisierung erstellt. Diese Neufassung war notwendig, da sich seit der letzten Typisierung – erstellt im Jahr 2017 mit Daten aus 2016 – sowohl die regionalen Arbeitsmarktbedingungen als auch die Zielvariablen verändert haben. Als neue Zielgröße des Ausbildungsmarktes wurde die Einmündungsquote aller Ausbildungsinteressierten eingeführt.«
Jonas Hennrich und Daria Schaller (2026): Teilkrankschreibung auf dem Prüfstand. Schafft sie Abhilfe für steigende Auslastung der Beschäftigten? Ifo Schnelldienst digital, Nr. 11/2026, München: ifo Institut, August 2026
»Fast die Hälfte der Unternehmen hält es für nicht sinnvoll, dass sich Beschäftigte künftig auch teilweise krankmelden können. Das ergab die aktuelle Personalleiterbefragung von Randstad und dem ifo Institut. Nur etwa jedes vierte Unternehmen findet diese Möglichkeit hilfreich, weitere 25% stehen dem Instrument neutral gegenüber. Mit einer Teilkrankschreibung könnten Arbeitnehmer bei einer länger andauernden Krankheit in reduziertem Maß arbeiten. „Die meisten Unternehmen befürchten eine schwierige Abgrenzung zwischen arbeitsfähig und arbeitsunfähig“, sagt ifo-Forscher Jonas Hennrich. „Außerdem erwarten sie einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand.“«
Claudius Voigt (2026): Arbeitsverbote für Menschen mit Duldung aus weiteren „sicheren Herkunftsstaaten“, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Juli 2026
»Zum 12. Juni 2026 sind im Zuge der der GEAS-Umsetzung weitere Staaten als „sichere Herkunftsstaaten“ auf EU-Ebene definiert worden (Art. 62 VO (EU) 2024/1348). Am 10. Juli 2026 hat der Bundestag die Arbeitsverbote für Menschen mit Duldung auf diese zusätzlichen Staaten ausgeweitet (Änderung des § 60a Abs. 6 Nr. 3 AufenthG). Zugleich ist eine Übergangsregelung beschlossen worden, nach der Menschen aus den neuen „sicheren Herkunftsstaaten“ dem Arbeitsverbot doch nicht unterliegen, wenn sie bestimmte Stichtage erfüllen (§ 104 Abs. 18 Nr. 2 AufenthG). Das Gesetzgebungsverfahren ist sehr unübersichtlich, da es in verschiedenen Gesetzespaketen – die inhaltlich eigentlich ganz andere Dinge regeln – und mithilfe kurzfristiger Änderungsanträge erfolgte. Die Fachinformation soll entsprechend einen orientierenden Überblick geben.«
Stefan Bach et al. (2026): Reform der Rente für langjährig Versicherte. Analyse der fiskalischen Einsparungen und Beschäftigungseffekte, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
»Die Altersrente für langjährig Versicherte ermöglicht Versicherten mit mindestens 35 Wartezeitjahren einen vorgezogenen Renteneintritt ab dem Alter von 63 Jahren, verbunden mit Rentenabschlägen von 0,3 Prozent je vorgezogenem Monat. Dieser Bericht schätzt die fiskalischen Effekte und Beschäftigungswirkungen zweier Reformoptionen auf Basis administrativer Daten der Deutschen Rentenversicherung für den Geburtsjahrgang 1957. Die erste Reformoption analysiert eine Anhebung des frühestmöglichen Renteneintrittsalters von 63 auf 64 Jahre, die zweite eine Erhöhung des monatlichen Abschlags von 0,3 auf 0,42 Prozent. Die Wirkungen werden jeweils über die gesamte Rentenbezugszeit der betroffenen Kohorte betrachtet und berücksichtigen empirisch fundierte Verhaltensreaktionen der Versicherten.«
➔ dazu: Frührente mit Abschlägen erst ab 64 entlastet die Staatskasse und bringt oft mehr Rente, schafft aber auch Übergangsrisiken (29.07.2026)
Dominic Afscharian et al. (2026): Dynamik trifft Gerechtigkeit. „Social Investment“ als Leitbild eines modernisierten Sozialstaats, Berlin: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), Juli 2026
»Deutschlands Sozialstaat steckt in einer Reformdebatte, die wirtschaftliche und soziale Ziele als Gegensatz behandelt. Aber die Politik kann mit einer Social Investment-Agenda sowohl die Wirtschaft fördern, als auch sozialpolitische Sicherungen stärken, statt sie gegeneinander auszuspielen. Sozialpolitik kann eine beschäftigungsstärkende Zukunftsinvestition sein, wenn ihre Teilbereiche gestärkt und aufeinander abgestimmt werden. Wir empfehlen daher den konsequenten Ausbau der drei investiven Säulen moderner Sozialpolitik: In Fähigkeiten investieren, insbesondere in Bildung, z. B. durch die Stärkung frühkindlicher Bildungsangebote und ein bundesweites System des lebenslangen Lernens aus einem Guss. Übergänge zwischen Lebensphasen fördern, insbesondere in den Arbeitsmarkt, z. B. durch den Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur und dedizierte Vätermonate im Elterngeld. Soziale Sicherung stärken, z. B. durch Entgeltsicherung, Reduktion der Transferentzugsraten und Bündelung von Leistungen.«
Judith Fuchs et al. (2026): Pflege in Deutschland: Faktoren, die mit Pflegebedürftigkeit assoziiert sind und Betrachtung der Situation informell Pflegender, in: Epidemiologisches Bulletin 31, 2026, S. 4-17
»Im Zuge des demografischen Wandels steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland kontinuierlich an. Pflegebedürftigkeit betrifft vor allem ältere und hochaltrige Menschen. Personen mit niedrigem sozioökonomischem Status oder ungünstigeren Lebens- und Arbeitsbedingungen sind häufiger von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen. Soziale Unterstützung stellt demgegenüber einen wichtigen Schutzfaktor dar. Die meisten Pflegeleistungen werden im häuslichen Umfeld erbracht, überwiegend durch An- und Zugehörige. Informelle Pflegeleistungen werden häufiger von Frauen als von Männern erbracht (12,7 % versus 7,9 %). Rund ein Drittel der Pflegenden (34,2 %) fühlt sich durch die Pflege stark oder sehr stark belastet. Angebote zur Unterstützung und Entlastung von pflegenden Angehörigen sowie Maßnahmen zur Vermeidung oder Verzögerung von Pflegebedürftigkeit (z. B. Teilhabe an gesunden Arbeits- und Lebenswelten, Gesundheitsförderung, Prävention, Stärkung der Gesundheitskompetenz) sind daher von zentraler Bedeutung, um die individuelle Lebensqualität zu erhalten und das Pflegesystem langfristig zu entlasten.«
Catherina Hinz und Frederick Sixtus (2026): Nach den Babyboomern. Wie sich der demografische Wandel über 2030 hinaus entwickelt, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2026
»Die demografische Alterung endet nicht mit dem Renteneintritt der Babyboomer. In den kommenden Jahrzehnten verschieben sich die Herausforderungen von Arbeitsmarkt und Rente stärker hin zu Pflege, Wohnen und regionaler Versorgung. Diese Analyse zeigt: Alterung verläuft nicht überall gleich. Während viele ostdeutsche Regionen früh betroffen waren, stehen westdeutsche ländliche Räume vor starken Zuwächsen Hochaltriger. Politik und Kommunen sollten deshalb frühzeitig planen.«
Thilo Janssen und Malte Lübker (2026): Europäischer Tarifbericht des WSI – 2025 / 2026. Iran-Krieg bringt Aufholbewegung der Tariflöhne zum Erliegen. WSI Report Nr. 116, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2026
»Nach dem Einbruch in den Krisenjahren stiegen in Europa im Jahr 2025 die realen Tariflöhne im Jahr 2025 das zweite Mal in Folge. Allerdings fiel der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr nur gering aus, sodass trotz gesunkener Inflation die Kaufkraft der Tariflöhne immer noch unterhalb des Niveaus von 2020 lag. Dies ist auch in Deutschland der Fall, wo deutlicher Nachholbedarf besteht. Im Frühjahr 2026 treiben die stark erhöhten Weltmarktpreise für fossile Energieträger erneut die Verbraucherpreise in die Höhe. Gleichzeitig schwächt sich das Wachstum der Tariflöhne in Europa ab. Die Aufholbewegung kommt damit vorrausichtlich zum Erliegen, bevor sie abgeschlossen ist.«
Lydia Malin (2026): Fachkräftesicherung im Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), Juli 2026
Bundesärztekammer (2026): Auswirkungen der Leistungsgruppenplanung auf die ärztliche Weiterbildung. Bedeutung von Weiterbildungsverbünden. Positionspapier, Berlin, Juli 2026
BVkE/CPB (2026): Weckruf. Die Zukunftsfähigkeit der Kinder- und Jugendhilfe ist kein Selbstzweck. Ihr Wert bemisst sich daran, ob sie weiterhin in der Lage sein wird, Zukunftschancen junger Menschen zu gewährleisten, Freiburg und Berlin: Bundesverband Caritas Kinder- und Jugendhilfe (BVkE) und Bundesverband Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie (CPB), Juli 2026
Wido Geis-Thöne (2026) Migrationswende: Mehrere Entwicklungen spielen zusammen. IW-Kurzbericht, Nr. 49/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
»In den letzten Jahren kommen vorwiegend aufgrund der veränderten Lage in Syrien immer weniger Geflüchtete nach Deutschland. Gleichzeitig ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels in Europa eine zunehmende Rückwanderungsbewegung in die neuen EU-Mitgliedsländer zu beobachten und die ebenfalls stark erwerbsorientierte Migration aus dem Westbalkan verliert an Gewicht.«
Geoff Mulgan (2026): Stärke ohne Belastung. Vorschläge für einen postbürokratischen Staat, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, August 2026
Franziska Bensch et al. (2026): Wohngeld und Kosten der Unterkunft. Instrumente zur sozialen Sicherung des Wohnens, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Juli 2026
»Steigende Mieten auf angespannten Wohnungsmärkten führen dazu, dass das Wohnen mit immer höheren Kosten verbunden ist und bezahlbarer Wohnraum für viele Menschen immer schwerer zugänglich wird. Vor diesem Hintergrund analysiert das BBSR die staatlichen Sicherungsinstrumente, wie das Wohngeld und die Kosten der Unterkunft (KdU). Das Wohngeld und die Kosten der Unterkunft tragen maßgeblich dazu bei, Haushalte mit einem geringen Einkommen bei der hohen Wohnkostenbelastung zu unterstützen. Gleichwohl sind insbesondere die durchschnittlichen tatsächlichen Kosten der Unterkunft in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Im Gegensatz dazu haben sich die durchschnittlichen Bruttokaltmieten im Wohngeld nicht so stark nach oben entwickelt. Im vorliegenden Heft werden die Merkmale der leistungsberechtigten Haushalte mit Wohngeld und KdU, deren Mietkosten sowie die Höhe der Leistungen, insbesondere auch für kreisfreie Städte und Landkreise, untersucht. Weiterhin wird die Entwicklung der sozialen Sicherung des Wohnens im Kontext allgemeiner Rahmenbedingungen wie beispielsweise der Mietpreisentwicklung analysiert.«
Save the Children Deutschland und Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband (2026): Kindheit im Sondersystem. Praxis-Einblicke in die soziale Lage von Kindern im AsylbLG, Berlin, Juni 2026
»Das Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) ist regelmäßig Teil der politischen Debatte. Meist geht es um Kürzungen und Abschreckung, kaum jedoch um die Situation der Leistungsbezieher*innen selbst. Besonders selten wird auf die Lebenssituation von Kindern im AsylbLG-Bezug eingegangen. Anhand einer Umfrage unter knapp 450 Beratungsfachkräften haben der Paritätische Gesamtverband und Save the Children versucht, diese Lücke zu schließen. Die zahlreichen und detaillierten Rückmeldungen zeigen zahlreiche, teils dramatische negative Auswirkungen des AsylbLG auf Kinder.
Die Umfrage zeigt deutlich und umfassend, wie die rund 100.000 Kinder im Grundleistungsbezug des AsylbLG strukturell in ihrer Teilhabe eingeschränkt werden. In diesem Sondersystem erhalten sie Leistungen, die deutlich unterhalb des Existenzminimums liegen, wobei vulnerable Gruppen wie Neugeborene, Kinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen oder psychisch belastete Kinder besonders benachteiligt werden.«
➔ dazu: Kindheit im AsylbLG – Befragung unter Beratungsfachkräften erschienen (14.07.2026)
Susanne Hildebrandt et al. (2026): Gesundheitsreport 2026. Analyse der Arbeitsunfähigkeiten. Arbeiten ab 50: langfristig gesund und zufrieden, Hamburg: DAK-Gesundheit, Juni 2026
Gesine Stephan et al. ((2026): Fördermaßnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung: Positive Effekte auf die Beschäftigungschancen. IAB-Kurzbericht, Nr. 12/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2026
»Der Einsatz von Instrumenten der aktiven Arbeitsmarktpolitik steht regelmäßig auf dem Prüfstand. In dieser Untersuchung werden oft genutzte Fördermaßnahmen im Bereich der Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III) betrachtet. Der Fokus liegt auf der Entwicklung der Zugangszahlen und auf den Wirkungen auf die Beschäftigungschancen der Teilnehmenden. Die Zugangszahlen in diese Maßnahmen sind tendenziell bereits vor der Covid-19-Pandemie zurückgegangen und während der Pandemie weiter gesunken. Danach kam es bei der Förderung beruflicher Weiterbildung und den Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung wieder zu einem leichten Anstieg. Die Förderung mit Eingliederungszuschüssen ist dagegen weiter zurückgegangen. Für Arbeitslose, die in den Jahren 2023 und 2024 eine Förderung erhalten haben, wirkten sich alle Maßnahmen im Mittel positiv darauf aus, dass Geförderte ein Jahr nach Förderbeginn ungefördert beschäftigt waren. Diese Ergebnisse bestätigen Befunde früherer Studien.«
Naemi Johanning et al. (2026): Ausbildungsperspektiven 2026. Eine repräsentative Befragung von jungen Menschen – Schwerpunkt Auszubildende, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung
»Die Ausbildung bekommt ein gutes Zeugnis, aber der Weg dorthin bleibt für viele steinig. Neun von zehn Auszubildende würden sich wieder für ihre Ausbildung entscheiden. Die befragten Azubis sind zum überwiegenden Teil sehr zufrieden mit nahezu allen Aspekten ihrer Ausbildung. Auch unter den Schülern genießt die Ausbildung ein hohes Ansehen und ist nach wie vor die beliebteste nachschulische Bildungsoption. Gleichzeitig haben trotz anhaltendem Nachwuchsbedarf und Fachkräftemangel rund ein Drittel der Schüler Zweifel, einen Ausbildungsplatz zu bekommen – das betrifft insbesondre diejenigen mit niedrigem Schulbildungsniveau. Im Hinblick auf die berufliche Orientierung fehlt über der Hälfte aller Befragten der Durchblick in der Fülle an Informationen. Dies sind einige der zentralen Ergebnisse der neuen Jugendbefragung „Ausbildungsperspektiven 2026. Eine repräsentative Befragung von jungen Menschen – Schwerpunkt Auszubildende“. Für die Befragung wurden über 1.700 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren im Zeitraum vom 11. März bis zum 20. April 2026 nach ihren nachschulischen Plänen, ihren Erfahrungen bei der beruflichen Orientierung und Ausbildungsplatzsuche und ihrer Einschätzungen zum Ausbildungsmarkt befragt. Zusätzlich wurden in diesem Jahr mehr als 1.000 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren zur Zufriedenheit mit ihrer Ausbildung, der inhaltlichen Qualität sowie den sozialen und materiellen Rahmenbedingungen befragt.«
DGB (2026): Durchhalten bis zur Rente? Eine Frage der Arbeitsbedingungen. DGB-Index Gute Arbeit Kompakt, Nr. 2/2026, Berlin: Institut DGB-Index Gute Arbeit, Juli 2026
Marcel Fratzscher (2026): Sachsen-Anhalt zeigt das AfD-Paradox: Strukturschwache AfD-Hochburgen würden unter ihrer Politik am stärksten leiden. DIW aktuell, Nr. 121, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Juli 2026
»Im September 2026 wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD hat gute Chancen, stärkste Kraft zu werden. Doch was würden weniger Europa, weniger Zuwanderung und geringere öffentliche Investitionen für die Menschen bedeuten? Diese Kurzstudie belegt ein AfD-Paradox: Regionen, die überproportional stark für die AfD stimmen, leiden deutlich stärker unter einer AfD- Politik als andere. Obwohl vieles an der Unzufriedenheit der Menschen in starken AfD-Regionen verständlich ist, würden sie sich mit der Wahl der AfD selbst am meisten schaden. Das gilt nirgendwo mehr als in Sachsen-Anhalt. Durch die von der AfD geforderte Politik – den Austritt aus Euro und EU, Abschottung und einen Stopp der Zuwanderung sowie massive staatliche Kürzungen – würden Menschen dort im Durchschnitt jährlich rund 1.600 Euro pro Kopf an Einkommen verlieren; zudem könnten rund 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Die Einkommensverluste durch eine AfD-Politik könnten in Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesdurchschnitt. Die Gefahr einer Abwärtsspirale ist groß. Unzufriedenheit treibt die Unterstützung für die AfD, was wiederum die Lebenssituation weiter verschlechtert.«
Christoph Schröder (2026): Tarifgeltung und Lohnquote im internationalen Vergleich. IW-Report, Nr. 35/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
Paula Risius und Sarah Hornickel (2026): KI in der Ausbildung bereits häufig im Einsatz. IW-Kurzbericht, Nr. 47/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
«Künstliche Intelligenz gehört in jedem zweiten Unternehmen bereits zum Arbeitsalltag. In der Ausbildung vermitteln sogar drei von vier Ausbilderinnen und Ausbildern KI als Thema oder Methode teilweise intensiv. In beiden Bereichen gibt es große Unterschiede nach Branchen.«
BMAS (2026): Sozialbudget 2025, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Juli 2026
»Mit dem Sozialbudget 2025 liefert das BMAS turnusgemäß einen umfassenden Überblick über das Leistungsspektrum und die Finanzierung der sozialen Sicherung in Deutschland: Nach vorläufigen Ergebnissen betrug die Summe der sozialen Leistungen im Jahr 2025 insgesamt rd. 1.431 Mrd. Euro. Dies geht mit einem Anstieg der Sozialleistungsquote – dem Verhältnis von Sozialleistungen zum Bruttoinlandsprodukt – um 0,7 Prozentpunkte auf 32 Prozent einher, da das Wirtschaftswachstum nominal nur 3,3 Prozent betrug.«
➔ Tabellen als Open Data zum Download
BMAS (2026): Konzept für einen effizienten und bürokratiearmen Arbeitsschutz ─ Update 2026, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juli 2026
Helge Emmler (2026): Arbeiten Im Homeoffice. Wer es kann, wer es möchte und wer es darf. WSI Report Nr. 115, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2026
»Der vorliegende Report widmet sich der Verbreitung von Homeoffice sowie dessen Zusammenhang mit verschiedenen Merkmalen der Arbeits- und Lebenssituation auf Grundlage der WSI-Erwerbspersonenbefragung. In den Daten zeigen sich zunächst Stagnation und Ausdifferenzierung der Homeofficequoten: Stagnation, weil sich die Homeofficeanteile in den letzten Jahren nur geringfügig verändert haben. Ausdifferenzierung, weil es seit 2023 weniger ausschließliche betriebliche und ausschließliche Homeofficetätigkeit gibt, dafür aber mehr hybride Formen.«
Johannes Weber et al. (2026): Evaluation zur Implementierung der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung. Forschungsbericht 54, Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2026
Das BAMF-Forschungszentrum hat im Auftrag des Bundesministeriums des Innern die „Evaluation zur Implementierung der behördenunabhängigen Asylverfahrensberatung“ durchgeführt. Der Forschungsbericht untersucht die Umsetzung des seit 2023 bestehenden Beratungsprogramms, das mit der Neufassung des §12a Asylgesetz die frühere staatliche Asylverfahrensberatung abgelöst hat. Seitdem werden unabhängige Träger, vor allem Wohlfahrtsverbände, mit der Durchführung einer behördenunabhängigen Beratung (buAVB) beauftragt. Die Finanzierung der buAVB erfolgt aus Bundesmitteln durch das BAMF.
Greta Schabram und Katja Kipping (2026): Wohngeld unter Kürzungsdruck. Zur sozialen und finanziellen Situation von Wohngeld-Beziehenden und den Folgen geplanter Leistungskürzungen, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Juli 2026
»Die Bundesregierung plant im Rahmen der Reform des Wohngeldgesetzes erhebliche Leistungskürzungen. Allein im Bundeshaushalt 2027 sollen dadurch die Ausgaben des Bundes um rund 613 Millionen Euro bzw. 25 Prozent sinken. Nach den Berechnungen der Bundesregierung werden infolge der Reform rund 163.000 Haushalte ihren Wohngeldanspruch verlieren und stattdessen auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein. Vor dem Hintergrund der geplanten Leistungskürzungen beim Wohngeld legt die Paritätische Forschungsstelle eine Kurzexpertise auf Basis der repräsentativen Erhebung MZ-SILC 2025 vor, die zeigt: wer Wohngeld erhält, wie die Lebenslage wohngeldbeziehender Menschen aussieht und welchen Beitrag das Wohngeld zur Armutsbekämpfung leistet. Die Ergebnisse machen deutlich: Das Wohngeld ist eine unverzichtbare Säule der sozialen Sicherung. Es unterstützt Menschen mit niedrigen Einkommen dabei, ihre Wohnung zu halten, Armut zu vermeiden und unabhängig von der Grundsicherung zu bleiben.«
Prognos (2026): Der Klimawandel hat längst eine Rechnung geschrieben. Was Hitze unsere Gesellschaft wirklich kostet und wie wir uns vorbereiten können, Juli 2026
➔ dazu ergänzend das Gutachten: Lukas Sander et al. (2026): Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt. Ökonomische Verluste und die strategische Rolle des Arbeitsschutzes bei der Klimaanpassung, Berlin: Prognos AG, Februar 2026
Klaus Mindrup (2026): Wohnungsgenossenschaften als Zukunftsmodell. Eine zentrale Säule für langfristig bezahlbaren Wohnraum, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2026
Thorsten Schulten (2026): Tarifbindung und Tariftreue in Nordrhein-Westfalen. Stellungnahme anlässlich der öffentlichen Anhörung im Landtag von Nordrhein-Westfalen am 13. Juli 2026 zum Entwurf der Landesregierung für ein Tarifentgeltsicherungsgesetz (Drucksache 18/19004). WSI Policy Brief Nr. 101, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2026
»Angesichts des starken Rückgangs der Tarifbindung auch in NRW ist die Initiative für ein Tariftreuegesetz uneingeschränkt zu begrüßen. Allerdings fällt die konkrete Ausgestaltung deutlich hinter die Regelungen anderer Bundesländer zurück.«
Hans-Dieter Nolting et al. (2026): Primärversorgung 2035+. Gesundheit vor Ort neu gestalten – Perspektiven für Baden-Württemberg, Impulse für Deutschland, Stuttgart: Bosch Health Campus, Juli 2026
»Die Gesundheitsversorgung steht vor großen Herausforderungen: Demografischer Wandel, Fachkräftemangel und steigende Versorgungsbedarfe setzen insbesondere die hausärztliche Versorgung unter Druck. Die Studie analysiert die Entwicklung der Primärversorgung bis 2040 und zeigt, wo Versorgungslücken drohen. Zugleich skizziert sie Wege zu einer zukunftsfähigen Versorgung – durch interprofessionelle Teams, stärkere Vernetzung und neue Versorgungsmodelle. Baden-Württemberg dient dabei als Beispielregion, die Erkenntnisse liefern jedoch wichtige Impulse für die strukturelle Weiterentwicklung der Primärversorgung in ganz Deutschland.«
➔ dazu: IGES: Studie zur Zukunft der Primärversorgung: Was die anstehende Reform berücksichtigen sollte(20.07.2026)
Inga Lisa Schulz et al. (2026): Die stufenweise Wiedereingliederung (STWE) verbessern: Eine qualitative Studie aus Perspektive der zurückgekehrten Beschäftigten sowie betrieblichen Akteurinnen und Akteure, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Juli 2026
»Die stufenweise Wiedereingliederung (STWE) ist ein gesetzlich verankertes Instrument, das Beschäftigten nach längerer Erkrankung eine schrittweise Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglicht. Obwohl die Forschung Hinweise auf die Wirksamkeit der STWE liefert, gibt es bislang nur wenige Einblicke in die konkrete Umsetzung im Arbeitsalltag. Das Projekt F 2459 hat deshalb untersucht, wie die STWE in der Praxis von den Beteiligten erlebt wird, welche Faktoren zu ihrem Gelingen beitragen und wo Verbesserungsbedarf besteht.«
DZA (Hrsg.) (2026): Einfach mal reden – Reichweite und Wirkung der Silbernetz-Hotline gegen Einsamkeit, Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), 2026
»Einsamkeit im Alter stellt eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung dar. Mit dem Evaluationsprojekt ReWiSil untersuchte das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA), inwieweit die bundesweite Silbernetz-Hotline, das Kernangebot von Silbernetz e.V., ältere Menschen mit Einsamkeitsgefühlen erreicht und welche Wirkungen bereits ein erstes Gespräch entfalten kann.«
Mareike Bünning und Till Keufert (2026): Großelternschaft und Urgroßelternschaft in Deutschland: Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 2023, Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Juli 2026
»Dieses Fact Sheet gibt auf Basis des Deutschen Alterssurveys 2023 zunächst einen Überblick darüber, wie viele Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte Enkelkinder haben, wie viele Enkelkinder sie durchschnittlich haben und wie alt sie bei der Geburt ihres ersten Enkelkindes waren. Zudem wird dargestellt, wie hoch die gemeinsame Lebenszeit von Großeltern und Enkelkindern in etwa ist. Darüber hinaus wird untersucht, wie viele Großeltern Enkelkinder im betreuungsintensiven Alter haben, wie hoch der Anteil der Großeltern ist, die sich an der Betreuung der Enkelkinder beteiligen, und wie viel Zeit Großmütter und Großväter dafür aufwenden. Abschließend wird dargestellt, wie hoch der Anteil der Männer und Frauen in der zweiten Lebenshälfte ist, die bereits Urenkelkinder haben.«
Ante Funke und Sarah Menne (2026): Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juli 2026
➔ dazu: Teilhabebetrag erreicht mehr als acht von zehn berechtigten Kindern nicht (20.07.2026)
Martin Brussig et al. (2026): Jobdrehscheibe für die Industriearbeit. Bedarfe und Potenziale unter besonderer Berücksichtigung von Berlin und Brandenburg, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Juli 2026
»Im Zuge der wirtschaftlichen Transformation gewinnen Fragen zur beruflichen und betrieblichen Mobilität von Fachkräften an Bedeutung: Wo gehen Arbeitsplätze verloren, wo entstehen neue Arbeitsplätze? Welche qualifikatorischen Bedarfe sind zu decken, damit Arbeitsplatzwechsel gelingen? Wie kann die Bereitschaft zu Arbeitsplatzwechseln erhöht werden, wie können soziale Standards über Betriebswechsel hinweg gewahrt werden? In welchen Strukturen und durch wen sollen Qualifizierungsbedarfe und Beschäftigungsstandards ausgehandelt und begleitet werden? Der vorliegende Bericht analysiert in einem ersten Schritt Fachkräfteentwicklungen in der Industrie in der Region Berlin-Brandenburg. In einem zweiten Schritt werden die vorhandenen arbeitsmarktpolitischen Instrumente zur Unterstützung von Arbeitsplatzwechseln im Strukturwandel verglichen und der Entwicklungsbedarf für ergänzende Instrumente umrissen. In einem dritten Schritt wird mit einer neuartigen „Jobdrehscheibe für Industriearbeit“ ein Konzept vorgestellt, wie unter Beteiligung der Sozialpartner Arbeitsplatzwechsel, Qualifizierung und Strukturwandel gelingen können.«
Bernd Fitzenberger et al. (2026): Integrationsquoten in der Grundsicherung: Rückläufige Übergänge in Beschäftigung vor und nach der Bürgergeldreform. IAB-Kurzbericht, Nr. 11/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2026
»In den vergangenen vier Jahren ging die Integrationsquote erwerbsfähiger Leistungsberechtigter aus der Grundsicherung in Beschäftigung zurück und erreichte nicht mehr das Niveau vor der Corona-Krise. Dies gilt sowohl für arbeitslose als auch für nicht arbeitslose Leistungsberechtigte ohne Fluchthintergrund. Dieser Rückgang der Integrationsquote setzte bereits vor Einführung der Bürgergeldreform ein und fiel im Jahr 2022 besonders stark aus. Seit 2023 setzt sich diese Entwicklung in abgeschwächter Form fort. Die Befunde erlauben jedoch nicht den Schluss, dass die Bürgergeldreform zu einer Verschlechterung oder Verbesserung der Integrationsquote geführt hat.«
➔ dazu: Grundsicherung: Rückgang der Integrationsquote setzte bereits vor der Bürgergeldreform ein (16.07.2026)
Julia Simonson et al. (2026): Einstellungen zur Alterssicherung in der zweiten Lebenshälfte: Hohe Zustimmung zu Gleichheit und Äquivalenzprinzip, Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Juni 2026
➔ dazu: Michael Weinhardt und Oliver Platt und Julia Simonson (2026): Rente: Leistungsgerechtigkeit und sozialer Ausgleich, in: sozialpolitikblog, 09.07.2026
Ruth Maria Schüler und Stefanie Seele (2026): 1,1 Millionen Babyboomer bezogen im Jahr 2024 vorzeitig eine Rente. IW-Kurzbericht, Nr. 46/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
»Von allen Babyboomern, die bereits ihre jeweilige gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht haben, ist mehr als jeder zweite Altersrentner vorzeitig in Rente gegangen. Diese Frührenten untergraben das ursprüngliche Ziel der Politik, durch die Anhebung der Regelaltersgrenze die Lebensarbeitszeit zu erhöhen. Folgerichtig schlägt die Alterssicherungskommission vor, Frührenten einzuschränken.«
Karoline Mitterer et al. (2026): Ausbau der elementaren Bildung trotz enger finanzieller Spielräume ermöglichen. Analyse und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zur Steuerung und Finanzierung in der Elementarpädagogik mit Fokus auf die Art. 15a-Vereinbarung zum Ausbau der Elementarpädagogik, Wien: KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung, Juli 2026
»Der quantitative und qualitative Ausbau der Elementarpädagogik ist angesichts der hohen Konsolidierungsbedarfe im Bundesstaat zu einer Herausforderung geworden. Die vorliegende Studie soll einen Einblick in das bestehende Finanzierungs- und Steuerungssystem geben, wobei gemeinsam mit Personen aus der Praxis die Hemmnisse und Weiterentwicklungsoptionen herausgearbeitet wurden. Anhand von Good-Practice-Beispielen werden innovative Ansätze aufgezeigt, um Effizienzsteigerungen im Gesamtsystem zu erreichen. Das Ergebnis sind Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Finanzierungssystems, wobei der Schwerpunkt auf den Art. 15a-Vereinbarungen zur Elementarpädagogik liegt.«
Medizinischer Dienst Bund (2026): Report Pflegebedürftigkeit 2026. Entwicklung und Potenziale der Pflegebegutachtung, Essen, Juli 2026
Mathias Huebener et al. (2026): Kita-Ausbau und Arbeitsteilung. Mehr Väter in Elternzeit und Teilzeit. BiB.Aktuell 6/2026, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Juli 2026
»Steigt die Verfügbarkeit von Kita-Plätzen, nehmen Väter häufiger Elternzeit und reduzieren nach dem ersten Lebensjahr des Kindes ihren Erwerbsumfang leicht. Mütter verkürzen ihre Elternzeit infolge des Kita-Ausbaus und arbeiten danach vermehrt in Vollzeit- und langer Teilzeitbeschäftigung. Die Aufteilung der Sorgearbeit zuhause bleibt an Wochentagen trotz steigender Kita-Verfügbarkeit weitgehend unverändert – Mütter bleiben die Hauptbetreuenden.«
➔ Die Originalstudie: Mathias Huebener et al. (2026): Caring Dads? Universal Childcare, Paternity Leave, and Fathers’ Labor Supply. IZA DP No. 18696, May 2026
Alexander Bendel und Thomas Haipeter (2026): Faire Wege in die Transformation für die Beschäftigten der Automobilindustrie? Eine empirische Analyse der Regulierungsinstrumente „Zukunftsvereinbarungen“ und „Von Arbeit in Arbeit“. IAQ-Report 2026-07, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Juli 2026
»Die Automobilindustrie steht mitten in einer doppelten Transformation: Es geht um Dekarbonisierung und Digitalisierung. Transformationsprozesse verlaufen nicht per se sozial; gerechte Wege für die Beschäftigten in die und in den Transformationen brauchen kollektive Regulierungen. „Zukunftsvereinbarungen“ und „Von Arbeit in Arbeit“ sind aktuell die wichtigsten Regulierungsinstrumente, die Sicherheit, Statuserhalt und Beteiligung der Beschäftigten in Transformationsprozessen stärken können. Angetrieben durch Transformationskosten und Renditeziele bauen Unternehmen gegenwärtig jedoch Beschäftigung ab und fordern Konzessionen der Beschäftigten. Deshalb können vorhandene Regulierungsinstrumente ihr Potenzial für eine faire Transformation derzeit nicht entfalten.«
➔ dazu: Fair durch die Transformation? Neuer IAQ-Report zur Automobilindustrie (15.07.2026)
Charlotte Kühnelt et al. (2026): Sozialräumliche Unterschiede von Übergewicht und Adipositas im Vorschulalter: Ein Überblick mit Daten der Schuleingangsuntersuchung, in: Journal of Health Monitoring 2026, 11: 12
Jörg M. Fegert and Maria Melchior (2026): Child safety online. Protecting and empowering minors in a digital world. Report by the co-chairs of the special panel on child safety online, Brussels, July 2026
Konrad Obermann und Bernd Glazinski (2026): Hygiene in der häuslichen Pflege: Mehr als nur Infektionsschutz. Eine mixed-methods Annäherung und indikative ökonomische Einschätzung von Hygienemaßnahmen in der häuslichen Pflege, Heidelberg und Köln: Universität Heidelberg, Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit, Abteilung Allgemeinmedizin und Thurn und Taxis Consulting AG, März 2026
➔ dazu: Hygiene und Infektionsschutz in der häuslichen Pflege: Unterschätzte Potenziale (09.07.2026)
➔ dazu: Milliardenkosten durch Hygienemängel in Angehörigenpflege (13.07.2026)
DGB (2026): Alterssicherungskommission: Blendwerk statt ehrlicher Reform, Berlin: DGB Bundesvorstand, Juli 2026
»Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung akzeptiert höhere Beiträge für gute Rente. Sie schlägt höhere Altersgrenzen, ein stärker sinkendes Rentenniveau und eine Kapitalrente vor und hält ein Sicherungsziel von 70 Prozent für notwendig. Aber halten die Vorschläge, was die Alterssicherungskommission verspricht?«
Bundesbank (2026): Stellungnahme: Aktualisierte Berechnungen zu Ab- und Zuschlägen bei vorgezogenem oder aufgeschobenem Rentenzugang, Frankfurt am Main: Deutsche Bundesbank, Zentralbereich Volkswirtschaft, Juli 2026
Friedrich Heinemann (2026): Corona-Wirtschaftshilfen des Bundes: Bilanz und Lehren für künftige Krisen. Stellungnahme für die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ des Deutschen Bundestages. Experten-Anhörung „Wirtschaftliche Folgen und Branchenhilfen“ am 09.07.2026, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Juli 2026
Christian Hohendanner und Florian Zimmermann (2026): Beschäftigung Geflüchteter in deutschen Betrieben: Einfache Tätigkeiten überwiegen. IAB-Forschungsbericht, Nr. 7/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2026
»Der Forschungsbericht vergleicht die Arbeitsmarktintegration syrischer und ukrainischer Geflüchteter. Trotz unterschiedlicher demografischer Voraussetzungen, insbesondere mit Blick auf Geschlecht und Bildungsniveau, zeigen sich überraschende Ähnlichkeiten.«
OECD (2026): OECD Employment Outlook 2026. Geographic Disparities in Jobs and Incomes, Paris 2026
»Der OECD Employment Outlook analysiert die aktuellen Entwicklungen und Perspektiven auf den Arbeitsmärkten der OECD-Mitgliedstaaten. Die diesjährige Ausgabe hebt insbesondere hervor, dass der Wohnort die wirtschaftlichen Chancen der Menschen maßgeblich beeinflusst. Je nachdem, in welcher Region Menschen leben, unterscheiden sich ihre Möglichkeiten, eine gute Beschäftigung zu finden und im Einkommensgefüge aufzusteigen. Zwischen den Regionen bestehen erhebliche und anhaltende Unterschiede bei Beschäftigung, Arbeitslosigkeit und verfügbarem Einkommen.
Gleichzeitig verändern Handels- und Technologieschocks – insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – die lokalen Arbeitsmärkte. Während einige Regionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verlieren, entstehen in anderen zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten im Dienstleistungssektor und in nicht-routinemäßigen Tätigkeiten. Die Auswirkungen dieser Veränderungen unterscheiden sich je nach den jeweiligen regionalen Gegebenheiten und betreffen Beschäftigte, Unternehmen und Regionen in unterschiedlichem Ausmaß.
Der Bericht unterstreicht daher die Notwendigkeit einer Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik, die regionale Besonderheiten berücksichtigt, benachteiligte Regionen gezielt unterstützt und Beschäftigte dabei hilft, sich erfolgreich an den wirtschaftlichen und technologischen Wandel anzupassen.«
➔ OECD (2026): OECD Employment Outlook 2026: Germany
Manuela Barišić et al. (2026): Die Flexibilitätsprämie. Wie Deutschland Mut belohnen und den Kündigungsschutz ändern kann, München: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), Juli 2026
»Beschäftigte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze sollten künftig selbst entscheiden können, ob sie den gesetzlichen Kündigungsschutz in Anspruch nehmen oder gegen eine verhandelbare Flexibilitätsprämie darauf verzichten. Ausgangspunkt dieses Vorschlags ist ein Konstruktionsfehler des heutigen Kündigungsschutzes: Er schützt den einzelnen Arbeitsplatz, nicht aber die Erwerbsbiografie der Beschäftigten. Weil sein Wert mit der Dauer der Betriebszugehörigkeit wächst und beim Arbeitgeberwechsel verloren geht, erhöht er die Opportunitätskosten eines Jobwechsels und dämpft so die Arbeitsmarktmobilität. In einer sich schneller wandelnden Wirtschaft, in der Beschäftigte häufiger den Betrieb, die Branche oder sogar den Beruf wechseln müssen, wird diese geringe Mobilität zunehmend zu einem Risiko für Produktivität, Innovation und wirtschaftliche Dynamik. Dieses Papier trägt die empirische Evidenz für diese Diagnose zusammen und entwickelt daraus einen eng umrissenen Reformvorschlag – mit dem Ziel, Sicherheit und Mobilität besser miteinander zu verbinden. Der Vorschlag: Beschäftigte oberhalb der Versicherungspflichtgrenze sollen beim Vertragsabschluss wählen dürfen: regulärer Kündigungsschutz – oder ein jederzeit beendbares Arbeitsverhältnis gegen eine verhandelbare Flexibilitätsprämie. Wer Sicherheit vorzieht, behält sie. Wer wechseln will, wird für das eingegangene Risiko entlohnt.«
Eduard Brüll (2026): Does Tightening the Duration of Temporary Contracts Cost Jobs? Evidence from Germany. Discussion Paper No. 26-026, Mannheim: ZEW – Leibniz Centre for European Economic Research, July 2026
»Viele Länder begrenzen die maximale Dauer, für die Beschäftigte mit einem befristeten Arbeitsvertrag angestellt werden dürfen. Bislang ist jedoch wenig darüber bekannt, wie Unternehmen und Beschäftigte auf eine Verkürzung dieser zulässigen Höchstdauer reagieren. Führt eine strengere Begrenzung lediglich dazu, dass befristete Beschäftigung verdrängt wird, oder veranlasst sie Unternehmen tatsächlich dazu, häufiger unbefristete Arbeitsverträge anzubieten?«
Lutz Bellmann et al. (2026): Collective Bargaining in Germany: Trends and Challenges. IAB-Discussion Paper, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2026
»Dieser Beitrag untersucht die Entwicklung, institutionelle Ausgestaltung und gegenwärtigen Herausforderungen von Tarifverhandlungen in Deutschland. Tarifverhandlungen wirken Arbeitsmarktunvollkommenheiten entgegen, verteilen Produktivitätsgewinne und gestalten Arbeitsbedingungen. Das deutsche System beruht vor allem auf Branchentarifverträgen, ergänzt durch Firmentarifverträge und die freiwillige Tariforientierung formal nicht tarifgebundener Betriebe an den Ergebnissen von Branchentarifverhandlungen. Historisch haben Tarifverhandlungen kooperative Arbeitsbeziehungen gefördert und zugleich in wirtschaftlichen Abschwüngen Flexibilität ermöglicht. Wir beschreiben die langfristigen Rückgänge der Mitgliedschaft in Gewerkschaften und der Tarifbindung, die durch die Tariforientierung teilweise abgefedert werden. Zudem ist die Tarifbindung unter Niedriglohnbeschäftigten geringer. Abschließend erörtern wir die Zukunft des Systems von Tarifverhandlungen und der deutschen Tarifinstitutionen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Transformationsprozesse und der wachsenden Bedeutung des gesetzlichen Mindestlohns und unternehmen einen Vergleich zwischen Deutschland und den USA.«
➔ dazu: Tarifverträge sind dort am seltensten, wo Beschäftigte sie am dringendsten brauchen (10.07.2026)
Max Kroppenberg und Christian Sydow (2026): Sozialleistungsmissbrauch? Politische und mediale Diskurse im Spannungsfeld von Sozialpolitik und Migration, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Juli 2026
»Die Diskurse zu Sozialstaat und Migration sind verschränkt. Migration steht einerseits im Verdacht, das ‚soziale Gleichgewicht‘ zu stören, andererseits erscheint die Einwanderung von Fachkräften angesichts von demografischem Wandel und Fachkräftemangel alternativlos. Das diskursive Spannungsfeld zwischen Sozialstaat und Migration wurde u. a. in Debatten über das Bürgergeld, die Bezahlkarte für Geflüchtete sowie über etwaigen Sozialleistungsmissbrauch von Migranten deutlich. Die diskursive Auseinandersetzung um Migration und Sozialpolitik betrifft darüber hinaus auch die institutionalisierten Funktionsweisen allgemeiner sozialer Sicherungssysteme. Die Studie von Kroppenberg und Sydow dokumentiert die diskursanalytische Auswertung von Bundestagsdebatten sowie von reichweitenstarken Medien zu den oben genannten Themen und setzt sie in Kontext mit administrativem Wissen und einer historischen Diskursentwicklung.«
| Aus der Schriftenreihe des Deutschen Instituts für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS): ➔ Miriam Laschinski, Dirk Hofäcker, Simone Scherger (Hrsg.) (2026): Alter, Kohorten und Generationen in der Sozialpolitik. Perspektiven auf sozialpolitischen Wandel, Frankfurt/New York: Campus Verlag, 2026 (Open Access) »Gesellschaftlicher Wandel und sozialpolitische Veränderungen sind eng miteinander verknüpft. Dabei vollzieht sich Wandel unter anderem über Altersgruppen, Geburtskohorten sowie gesellschaftliche und familiale Generationen. In welcher Weise stellen Altersgruppen, Geburtskohorten sowie Generationen Bezugspunkte sozialpolitischer Regelungen dar? Welche Ungleichheiten hinsichtlich sozialpolitischer Regelungen oder Verteilungsergebnisse bestehen zwischen ihnen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Sammelbandes. Die Beiträge nehmen gegenwärtige Entwicklungen der (vorrangig deutschen) Arbeitsmarkt-, Renten-, Familien- und Wohnungspolitik und ihre Auswirkungen auf Ungleichheiten zwischen Altersgruppen, Geburtskohorten und Generationen in den Blick. Konzeptionell-theoretische Aufsätze sind ebenso vertreten wie empirische; letztere umfassen sowohl quantitative als auch qualitative und institutionelle Analysen. Mit soziologischen, politikwissenschaftlichen, ökonomischen sowie rechtswissenschaftlichen Abhandlungen wird die Thematik aus verschiedenen disziplinären Perspektiven beleuchtet. Damit leistet der Band einen fundierten und facettenreichen Beitrag zu aktuellen sozialpolitischen Debatten.« ➔ Marina Ruth (2026): Schlüssel zur Teilhabe? Intermediäre Unterstützung junger Geflüchteter im Wohlfahrtsstaat, Frankfurt/New York: Campus Verlag, 2026 (Open Access) |
Nora Jehles (2026): Digitale Chancengleichheit beim Zugang zu früher Bildung. Zur Verbreitung und Zugänglichkeit kommunaler Kita-Portale, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Juli 2026
Yvonne Lott (2026): Fragmentierte Arbeitszeiten bedeuten Überstunden und Wunsch nach kürzeren Arbeitszeiten. WSI Policy Brief Nr. 100, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2026
Gloria Lange und Ernst Glöckner (2026): Die Demografie der Berufsgruppen, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 3/2026
»Wie gravierend wirkt sich die Überalterung der Gesellschaft auf den Arbeitsmarkt aus? Binnen zehn Jahren wird in rund einem Viertel der derzeit bestehenden Beschäftigungsverhältnisse das Renteneintrittsalter erreicht oder überschritten sein, jedoch mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Segmenten des Arbeitsmarkts. Über die Berufshauptgruppen hinweg divergiert der Anteil der Über-55- Jährigen zwischen 15 % und 40 %. Im Osten Deutschlands ist das Problem trotz der ungünstigeren Demografie nicht größer als im Rest der Republik.«
Grega Ferenc et al. (2026): Die regional unterschiedliche Angst vor Verbrechen, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 3/2026
»Deutschland zählt zu den sichersten Ländern der Welt – dennoch ist die Angst vor Kriminalität in der Bevölkerung weit verbreitet und regional unterschiedlich ausgeprägt. Diese Analyse veranschaulicht, wie stark die Sorge vor Verbrechen in verschiedenen Regionen Deutschlands variiert und wie sie sich von den tatsächlichen Kriminalitätsraten unterscheidet. Dabei zeigt sich, dass regionale Unterschiede in der Kriminalitätsfurcht nur begrenzt mit der objektiven Kriminalitätsbelastung zusammenhängen.«
Wido Geis-Thöne (2026): Nutzung der Elternzeit durch Mütter und Väter. Ergebnisse einer Auswertung des Mikrozensus 2022. IW-Report, Nr. 31/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
Ruth Maria Schüler und Stefanie Seele (2026): Wegfall der Hinzuverdienstgrenze. Wie hat sich das Renteneintrittsverhalten seit 2023 verändert? IW-Report, Nr. 29/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2026
Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD (2026): Ein Programm für Aufschwung und Beschäftigung, Berlin, 02.07.2026
Sabine Wellmer et al. (2026): Digitale Teilhabe in Nordrhein-Westfalen: Der Einfluss der Digitalisierung auf gesellschaftliche Inklusion einkommensarmer Haushalte, Köln: Otto-Blume-Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG), Mai 2026
➔ Zusammenfassung (12 Seiten)
Felix Hormig und Cyrill Otteni (2026): Affektive Polarisierung und Verteilungsentscheidungen. Ergebnisse eines Umfrageexperiments in acht europäischen Ländern. MIDEM-Policy Paper 2026-3, Dresden: Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM), 2026
»Was passiert, wenn Menschen entscheiden müssen, wie sie Ressourcen verteilen? Die Forscher Felix Hormig und Cyrill Otteni haben dies in der Auswertung eines verhaltensökonomischen Experiments mit über 33.000 Teilnehmern in acht europäischen Ländern im Rahmen des Dresdner Polarisierungsbarometers untersucht. Mittels eines „Diktatorspiels“ wurde gemessen, welche Summe fiktiven Geldes Probanden an Fremde vergeben, deren Profile sich in politischen und sozialen Merkmalen unterscheiden. Das Ergebnis ist eindeutig: Politische Überzeugungen – nicht Alter, Geschlecht oder Herkunft – sind der stärkste Treiber affektiver Polarisierung in Europa. Migration polarisiert dabei am stärksten, in Deutschland kommt Klimaschutz als zweiter großer Konfliktherd hinzu. Besonders aufschlussreich: Affektive Polarisierung wird weniger durch Zuneigung zur eigenen Gruppe angetrieben als durch die Ablehnung Andersdenkender – mit potenziellen Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die weit über die Wahlkabine hinausreichen.«
Yuliya Kosyakova et al. (2026): International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa): Wer bleibt, wer geht – und warum Eingewanderte Deutschland wieder verlassen. IAB-Kurzbericht, Nr.10/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2026
»Wer nach Deutschland einwandert, bleibt nicht zwangsläufig dauerhaft. Angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs ist es arbeitsmarktpolitisch relevant, ob Eingewanderte langfristig in Deutschland bleiben oder wieder abwandern. In der ersten Welle des International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa) gaben rund 3 Prozent der Eingewanderten an, Abwanderungspläne zu haben. Das sind hochgerechnet 312.000 Personen. Die Folgebefragung 2025 macht nun erstmals sichtbar, wer Deutschland tatsächlich verlassen hat, wohin diese Personen gezogen sind, welche Gründe dafür ausschlaggebend waren und welches Wiederzuwanderungspotenzial besteht.«
Tobias Ortmann et al. (2026): Arbeitsmarktintegration. Bedeutung, Hürden und Potenziale ausländischer Beschäftigung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juli 2026
➔ dazu: Zuwanderung stützt den deutschen Arbeitsmarkt – doch die Integration muss besser werden (02.07.2026)
Jennifer Oepen et al. (2026): Hundertjährige im Ruhrgebiet – Perspektiven für zukünftige Forschung, Gelsenkrichen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Juli 2026
»Das Ruhrgebiet ist ein bislang unterschätzter Forschungsraum für Fragen der Langlebigkeit. Die Lebensverläufe von Hundertjährigen ermöglichen neue Erkenntnisse über gesundes Altern sowie biologische, soziale und räumliche Einflussfaktoren. Internationale Studien zeigen, dass Langlebigkeit nicht allein genetisch bedingt ist, sondern wesentlich durch Lebensstil, soziale Beziehungen und das Lebensumfeld geprägt wird. Eine regional ausgerichtete Hundertjährigenforschung kann wichtige Impulse für altersfreundliche Quartiere, Gesundheitsversorgung und kommunale Planung liefern.«
René Bormann et al. (2026): Vom Ehegattensplitting zur Kinderförderung. Mit der Individualbesteuerung Spielräume für Familien schaffen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026
»Das heutige Ehegattensplitting passt nicht mehr zu den gesellschaftlichen Realitäten. Es begünstigt vor allem hohe und ungleich verteilte Einkommen, setzt Anreize für weniger Erwerbstätigkeit und fördert Kinder nicht gezielt. Verfassungsrechtlich erforderlich ist nicht das Splitting, sondern die angemessene Berücksichtigung gegenseitiger Unterhaltspflichten. Eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag verbindet daher Steuergerechtigkeit, Gleichstellung und gezielte Förderung von Kindern und Familien. Mit einer zielgenauen Variante des fiktiven Realsplittings gelingt der schrittweise und kinderzentrierte Übergang.«
Alina M. Sandor et al. (2026): Poverty dynamics in the EU. Exploring the experience and trajectories of poverty over time. European Employment and Social Outlook Working Paper – 2026/02, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2026
»This Working Paper complements standard poverty indicators with dynamic measures that track poverty experiences over time, providing a richer account of vulnerability and disadvantage. Using longitudinal Statistics on Income and Living Conditions (EU-SILC) data for 2011–2022, the paper captures poverty spells over a 4-year period, identifying persistence, transience, sequencing, and depth of poverty. Results show that poverty experience is more widespread and heterogeneous than standard indicators suggest, with a much larger share of individuals experiencing poverty over time than those captured by single-year metrics. Persistent and chronic poverty are concentrated among disadvantaged groups, including the unemployed and those outside the labour market, people with lower levels of education, migrants, and home renters. Social transfers mitigate both short- and long-term poverty to varying degrees across countries. By providing a more comprehensive understanding of poverty trends and of the impact of social protection in the EU, this dynamic perspective enhances policy design for poverty reduction and prevention.«
Thilo Janssen und Heiner Dribbusch (2026): WSI-Arbeitskampfbilanz 2025. Ohne Streiks geht es nicht. WSI-Report Nr. 114, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2026
»2025 gab es weniger Streiks und weniger streikbedingte Ausfalltage als in den Vorjahren. Die Daten deuten auf eine geänderte Arbeitskampfführung der Gewerkschaften hin: Kurze Arbeitsniederlegungen überwiegen, unbefristete Flächenstreiks sind zur Ausnahme geworden. Erstmals hat das WSI auch die Arbeitskampfziele ausgewertet: In mehr als jedem vierten Arbeitskampf rangen die Beschäftigten um die (erstmalige) Tarifbindung der Unternehmen.«
Wolfram Brehmer und Magdalena Polloczek (2026): Wo gibt es Jugend- und Auszubildendenvertretungen in Deutschland? WSI Report Nr. 113, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2026
»Jugend- und Auszubildendenvertretungen (JAV) setzen sich für die Interessen von jungen Beschäftigten sowie Auszubildenden ein und sorgen dafür, dass deren Anliegen in die betriebliche Mitbestimmung einfließen. Doch in welchen Betrieben und Dienststellen existieren diese Gremien tatsächlich? Der vorliegende Report verdeutlicht, dass das Vorhandensein einer JAV einer „doppelten Selektion“ unterliegt: Es ist einerseits stark abhängig von den strukturellen Bedingungen, die bereits die Existenz von Betriebs- und Personalräten prägen, während andererseits die konkrete Ausbildungsaktivität des Betriebes eine Schlüsselrolle einnimmt. Größere Belegschaften, eine hohe Ausbildungsintensität sowie ein Standort in Westdeutschland erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass eine JAV besteht. Zudem verweisen die Ergebnisse auf Unterschiede zwischen den Sektoren: Der öffentliche Dienst weist gegenüber der Privatwirtschaft deutlich höhere Chancen für eine JAV-Struktur auf.«Elke Ahlers (2026): Grenzen setzen! – Warum das Arbeitszeitgesetz wichtiger denn je ist. WSI Kommentar Nr. 9, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2026
Boris Orth et al. (2026): Ein Jahr nach der Teillegalisierung in Deutschland: Trends des Cannabiskonsums junger Menschen von 2008 bis 2025, in: Journal of Health Monitoring 2026, 11,11.
»Ein Jahr nach der Teillegalisierung von Cannabis wurden Auswirkungen auf den Cannabiskonsum junger Menschen in Deutschland untersucht. Bei weiblichen und männlichen Jugendlichen sowie jungen Frauen kam es zwischen 2023 und 2025 zu keiner statistisch signifikanten Veränderung der 12-Monats-Prävalenz des Cannabiskonsums. Bei jungen Männern zeigte sich hingegen ein statistisch signifikanter Anstieg des Konsums. Dieser stellt jedoch keine neue Entwicklung dar, sondern setzt einen Trend fort, der in dieser Gruppe seit 2008 zu beobachten ist. Ein Jahr nach der Teillegalisierung fand sich kein Hinweis eines unmittelbaren Effekts auf die Verbreitung des Cannabiskonsums unter jungen Menschen in Deutschland.«
Boris Orth et al. (2026): Ein Jahr nach der Teillegalisierung in Deutschland: Trends des Cannabiskonsums junger Menschen von 2008 bis 2025, in: Journal of Health Monitoring 2026, 11,11
»Ein Jahr nach der Teillegalisierung von Cannabis wurden Auswirkungen auf den Cannabiskonsum junger Menschen in Deutschland untersucht. Bei weiblichen und männlichen Jugendlichen sowie jungen Frauen kam es zwischen 2023 und 2025 zu keiner statistisch signifikanten Veränderung der 12-Monats-Prävalenz des Cannabiskonsums. Bei jungen Männern zeigte sich hingegen ein statistisch signifikanter Anstieg des Konsums. Dieser stellt jedoch keine neue Entwicklung dar, sondern setzt einen Trend fort, der in dieser Gruppe seit 2008 zu beobachten ist. Ein Jahr nach der Teillegalisierung fand sich kein Hinweis eines unmittelbaren Effekts auf die Verbreitung des Cannabiskonsums unter jungen Menschen in Deutschland.
BA (2026): Der Arbeitsmarkt für IKT-Berufe im Kontext der Transformation, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Juni 2026
Die digitale Transformation schreitet voran, dennoch macht sich der konjunkturelle Abschwung auch in den Berufen der Informatik, Informations- und Kommunikationstechnologie bemerkbar. Der Bericht thematisiert die Beschäftigungsentwicklung und -struktur in IKT-Berufen, die Arbeitsmarktnachfrage und das -angebot sowie den beruflichen Nachwuchs.
Christian Faißt et al. (2026): Regionale Faktoren der langfristigen Beschäftigungsentwicklung – Befunde für Baden-Württemberg. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Baden-Württemberg, Nr.1/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2026
Fairwork (2026): Fairwork Deutschland Bewertungen2026, Oxford, Berlin, Juni 2026
»Dieser Fairwork-Bericht 2026 bewertet die Arbeitsbedingungen auf sieben digitalen Arbeitsplattformen, die in Berlin und in ganz Deutschland tätig sind.«
Heiko Bergmann et al. (2026): Drogenkonsumräume in Deutschland 2024, Hamburg und Berlin: Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und Deutsche Aids-Hilfe, 2026
Meike Büscher (2026): Rente mit 70? Warum das dänische Renteneintrittsalter nur im Gesamtpaket funktioniert, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026
»In der Debatte um die Alterssicherung wird Dänemark aufgrund des hohen Renteneintrittsalters häufig als Vorbild genannt. Dessen Anhebung auf 70 Jahre ab 2040 muss allerdings im Kontext sowohl des dänischen Rentensystems insgesamt wie auch der dänischen Arbeitsmarktpolitik gesehen werden. Denn einerseits ist die Alterssicherung durch umverteilende Elemente, weitverbreitete Betriebsrenten, ein hohes Rentenniveau und niedrige Altersarmut sowie einen vergleichsweisen geringen Gender-Pension-Gap gekennzeichnet. Andererseits schafft das dänische Arbeitsmarktmodell zentrale Voraussetzungen für eine stabile Alterssicherung: durch starke Sozialpartnerschaft, einer Tarifabdeckung von mehr als 80 Prozent, gute Arbeitsbedingungen mit einer Normalarbeitszeit von nur 37 Wochenstunden, eine hohe Erwerbsquote von Frauen und angemessene Löhne sowie hohe Investitionen in Bildung und Weiterbildung.«
Nicole Gürtzgen et al. (2026): Befristungen bei Neueinstellungen 2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2026
FES (2026): Community-Based Alternatives to Immigration Detention, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), June 2026
»As Europe sees a shift towards the securitisation and criminalisation of migrants and refugees, this policy paper highlights the effectiveness of community-based alternatives to immigration detention (ATD) in terms of compliance and achieving case resolution at a fraction of the cost of immigration detention, while leading to better and more humane outcomes.«
Kristina Keuper (2026): Wenn die letzte Schule schließt. Folgen für Demokratie, Demografie und Zusammenhalt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026
»Deutschlands ländliche Räume verlieren in raschem Tempo Orte der Daseinsvorsorge. Aktuellen Prognosen zufolge droht insbesondere in den ostdeutschen Flächenländern eine Welle von Schulschließungen. Der vorliegende Impuls beschäftigt sich mit der Frage, welche Folgen der kumulative Rückzug der Daseinsvorsorge, insbesondere der Bildungsinfrastruktur, aus ländlichen Räumen hat, und welche Strategien ihn aufhalten können.«
Johanna Bussemer, Dorit Riethmüller und Christian Jakob (Hrsg.) (2026): Neuer Atlas der Migration. Daten und Fakten über Menschen in Bewegung, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2026
Henning Meyer (2026): Der Capability State – Der Befähigungsstaat. Eine progressive Vision für das 21. Jahrhundert, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026
Dorothee Bohle und Lina Ehrich (2026): Wohnungspolitik in der Ideologie und Politik der radikalen Rechten. Eine europäische Perspektive, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2026
»Verfolgen rechtsextreme Parteien eine ideologisch konsistente oder lediglich unberechenbare sozioökonomische Politik? Vertreten sie wirtschaftlich links- oder rechtsgerichtete Ideen? Diesen Fragen gehen wir im Rahmen des vorliegenden Impulspapiers mit Blick auf die Wohnungspolitik nach. Anhand der Parteiprogramme von fünf europäischen rechtsextremen Parteien sowie der Wohnungspolitik unter rechtsextremen (Koalitions-)Regierungen in Ungarn und Österreich zeigen wir, dass es eine für diese Parteien spezifische, ultrakonservative Ideologie in Bezug auf das Wohnen gibt. Wohnen definieren diese Parteien nicht als soziales Recht, sondern als eine Frage der nationalen Identität, des Werts von Familie, der Stabilität und des Eigentums. Ihre Wohnungspolitik richtet sich an die Mittelschicht und ausgewählte bedürftige arme Bevölkerungsgruppen, an die Kernfamilie und oft auch an die ländliche Bevölkerung.«
Leopoldina Fokusgruppe Medizin (2026): Agentische KI im Gesundheitssystem: Chancen und Herausforderungen, Halle (Saale): Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften, Juni 2026
»Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, demografischer Wandel, steigende Anforderungen an eine flächendeckende Versorgung, hoher Verwaltungsaufwand und Defizite bei der Digitalisierung klinischer Daten und Prozesse. Welches Potenzial bietet hier die agentische künstliche Intelligenz, also KI-Systeme, die innerhalb vorgegebener Rahmenbedingungen selbstständig Ziele verfolgen, Handlungsschritte planen und Prozesse koordinieren können? Diese und andere Fragen erörtert die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Policy Brief „Agentische KI im Gesundheitssystem: Chancen und Herausforderungen“. Nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren kann agentische KI dazu beitragen, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern, Qualität und Patientensicherheit zu erhöhen und die Verwaltung effizienter zu gestalten. Die Autorinnen und Autoren empfehlen, agentische KI als strategisches Schwerpunktthema in der Hightech-Agenda des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt zu verankern.«
Alexandra Scherg et al. (2026): Übertherapie am Lebensende. Handlungsempfehlungen für die Bereiche Notfallmedizin, Intensivmedizin und Onkologie, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2026
»Diese Publikation beleuchtet die Herausforderung der Übertherapie am Lebensende – vor dem Hintergrund des Patientenwillens, einer alternden Gesellschaft, wachsender medizinischer Möglichkeiten und zunehmender Ressourcenknappheit im Gesundheitswesen. Sie zeigt zudem politische Handlungsmöglichkeiten auf.«
Dominik Hirndorf (2026): Wahlverhalten nach Alter und Geschlecht. Eine Analyse des Wahlverhaltens nach Altersgruppen und Geschlecht, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2026
»Bei der Stimmenverteilung zeigen sich bei Wahlen immer wieder Unterschiede nach Alter und Geschlecht. Während einige dieser Unterschiede bekannten Alterseffekten folgen, zeigten sich bei der Bundestagswahl 2025 auch neue Phänomene. Die hohen Zustimmungswerte zu Parteien am Rand des Parteiensystem werfen die Fragen auf, inwiefern sich diese Differenzen auch bei politischen Einstellungen zeigen und welche Themen für junge Menschen entscheidend sind. Diese Studie gibt mithilfe repräsentativer Daten Aufschluss über aktuelle Entwicklungen im Wahlverhalten junger Menschen.«
Anja Hoffmann et al. (2026): Mehr Rente durch Rendite. Was Deutschland von Schweden und dem Vereinigten Königreich lernen kann, Brüssel: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Europa, Mai 2026
»Der demografische Wandel setzt das deutsche Rentensystem unter Druck. Die Studie „Mehr Rente durch Rendite“ zeigt, warum Deutschland dringend mehr kapitalgedeckte Altersvorsorge braucht – und was wir dabei von Schweden und dem Vereinigten Königreich lernen können. Statt die Rente fast ausschließlich über die Beiträge der Erwerbstätigen zu finanzieren, setzen andere Länder auf stärkere Kapitaldeckung, betriebliche Altersvorsorge und Prämienrenten. Die Studie analysiert erfolgreiche Modelle, zeigt Reformoptionen für Deutschland auf und erklärt, warum eine stärkere Kapitaldeckung nicht nur die Rente stabilisieren, sondern auch Innovation und Wachstum fördern kann.«
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2026): Mutterschaftsleistungen für Selbstständige. Zur Rechtslage in Deutschland sowie in ausgewählten europäischen Ländern, Berlin, Mai 2026
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2026): Mutterschaftsleistungen für Selbstständige. Unionsrechtliche Einordnung der Rechtslage in Deutschland, Mai 2026
DGB (2026): Empfehlungen der DGB-Rentenkommission für ein zukunftsfähiges und tragfähiges Alterssicherungssystem für alle Generationen, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Juni 2026
Florian Blank et al. (2026): Empfehlungen der Rentenkommission bergen Risiken und Nebenwirkungen. Teilweise Umstellung auf Kapitaldeckung gefährdet Wirtschaftswachstum und soziale Sicherung, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2026
»Der Bericht der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenkommission enthält einige sinnvolle Maßnahmen zur Stabilisierung der Rentenversicherung. So ist die Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige sinnvoll und zielführend. Erfreulich sind auch das Bekenntnis zu einem stabilen Sicherungsziel in der ersten Säule der Rentenversicherung, das Beibehalten der paritätischen Finanzierung sowie die neuen Freibeträge in der Grundsicherung. Gesamtwirtschaftlich problematisch ist dagegen die Art der geplanten Einführung eines Kapitaldeckungselements in der ersten Säule. Durch dieses Element würden die Beitragssätze deutlich stärker und schneller ansteigen, als es ohne diese Maßnahme der Fall wäre. 2032 dürfte nach Simulationen schon ein Beitragssatz von 22,1 % erreicht werden; ohne diese Kapitaldeckung wären es nur 20,4 %. Eine einfache, beitragsfinanzierte Verlängerung der Haltelinie für das Rentenniveau bis 2050 würde zu einem niedrigeren Anstieg der Beiträge führen. Da die zusätzlichen Zahlungen für die neue Kapitaldeckung die verfügbaren Einkommen drücken, ist mit einem Verlust beim Wirtschaftswachstum in den Jahren ab 2028 von insgesamt einem Prozentpunkt und dem Verlust von 250.000 Jobs zu rechnen. Zugleich sollen die Leistungen aus dem umlagefinanzierten Teil der Rentenversicherung wieder langsamer angepasst werden. Auch das Renteneintrittsalter soll erhöht und ein früherer Renteneintritt erschwert werden. Damit enthalten die Vorschläge der Kommission auch deutliche Verschlechterungen für Beschäftigte und Rentner. Die wichtigsten Stellschrauben für eine nachhaltige Entwicklung der Rentenversicherung – Zuwanderung und eine bessere Nutzung inländischer Erwerbspotenziale – wurden von der Kommission leider nicht betrachtet.«
Robert Bosch Stiftung (2026): Deutsches Schulbarometer 2026: Befragung Lehrkräfte. Ergebnisse zur aktuellen Lage an allgemein- und berufsbildenden Schulen, Stuttgart: Robert Bosch Stiftung, Juni 2026
Thomas Klie et al. (2026): Pflegereport 2026. Pflegereform: Weichenstellung für eine zukunftsfeste Pflege? Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Bd. 59, Hamburg/Freiburg: DAK-Gesundheit, Mai 2026
Anna Arlinghaus et al. (2026): Lange tägliche Arbeitszeiten: Ein systematisches Review, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2026
»Die aktuelle arbeitszeitpolitische Diskussion um eine mögliche Ablösung der täglichen durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit erfordert eine Aufarbeitung der Evidenz zu den Effekten verlängerter Arbeitstage. Ziel der vorliegenden Expertise ist daher die systematische Zusammenführung der wissenschaftlichen und grauen Literatur zu Ursachen, Definitionen und Folgen langer täglicher Arbeitszeiten und die Einordnung des vorhandenen Gestaltungswissens.«
Julian Bank und Till van Treeck (2026): Alterssicherung. Müssen ältere Gesellschaften stärker über den Finanzmarkt vorsorgen? Sozioökonomische Blätter, Ausgabe 1, Duisburg: Institut für Sozioökonomie, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Gesellschaftswissenschaften, Juni 2026
Alterssicherungskommission (2026): Empfehlungen der Alterssicherungskommission, Berlin, Juni 2026
➞ dazu: Tabea Bucher-Koenen und Marvin Immesberger (2026): Gesetzliche Kapitalrente: Simulationen im Rahmen der Alterssicherungskommission, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Juni 2026
➞ BMAS (2026): ASK: So steigen die Renten wieder, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juni 2026
Saskia Gottschalk et al. (2026): Wie andere Länder die Rente finanzieren. Zielkonflikte, Reformoptionen und wie sie sich auf den Bundeshaushalt auswirken könnten, Berlin: Dezernat Zukunft. Institut für Mikrofinanzen, Juni 2026
»Der demografische Wandel setzt das deutsche Rentensystem unter Druck. Er schafft einen Zielkonflikt zwischen guten Renten einerseits, die einen sicheren Lebensstandard garantieren und Lebensleistung reflektieren, und einer nachhaltigen Finanzierung andererseits, die weder Beitragszahler noch Bundeshaushalt zu stark belastet. Die Bundesregierung möchte mit einer großen Rentenreform gegensteuern. Dabei können die Erfahrungen anderer Länder Orientierung bieten. In diesem Papier analysieren wir, wie Dänemark, Kanada, die Niederlande, Schweden und die Schweiz ihre Rentensysteme für die gesellschaftliche Alterung gerüstet haben, und skizzieren, wie ihre Reformen in Deutschland umgesetzt werden könnten. Konkret betrachten wir (1) die Einführung einer steuerfinanzierten Grundrente, (2) die Ausweitung der Lebensarbeitszeit durch ein an die Lebenserwartung gekoppeltes Renteneintrittsalter und den Ersatz der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte durch eine Schwerstarbeitendenrente sowie (3) eine ergänzende, verbindliche kapitalgedeckte Altersvorsorge.«
René Geißler et al. (2026): Kommunaler Finanzreport 2026. Die Krise verschärft sich – Expertenrat macht Vorschläge, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
➔ dazu: Rekorddefizit der Kommunen von 32 Milliarden Euro: Expertenrat macht Reformvorschläge (19.06.2026)
Der Paritätische Gesamtverband (2026): Reform des Sozialstaats. Vorschläge zur Entbürokratisierung und für nachhaltige Kostensenkungen, Berlin, Juni 2026
»Die Bundesregierung treibt Reformen des Sozialstaats derzeit in einer Vielzahl von Bereichen voran. Der Paritätische Gesamtverband erkennt den grundsätzlichen Reformbedarf an. Zugleich warnt er vor Kürzungen, die die Lebenslagen von Menschen verschlechtern, die ohnehin benachteiligt sind. Mehr noch: Nicht wenige der kursierenden Vorschläge versprechen kurzfristig Einsparungen, können mittelfristig aber erhebliche Folgekosten verursachen und soziale Problemlagen verschärfen. Viele Vorschläge bewirken in erster Linie eine Verschiebung von Kosten, aber keinen Beitrag zu einem effizienten Ressourceneinsatz. Der Paritätische Gesamtverband legt deshalb ausgewählte Vorschläge vor, wie Kosten sinnvoll gesenkt, Prozesse vereinfacht und soziale Leistungen solide finanziert werden können.«
Deutsche Bundesbank (2026): Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsangebot und Wachstum in Deutschland – Herausforderungen und Handlungsspielräume, in: Monatsbericht, Juni 2026
Jan Felix Engler et al. (2026): Entwicklung der Industriebeschäftigung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
»Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie in Deutschland ist im Jahr 2025 auf ein Zehnjahrestief von nur noch 6,6 Millionen Arbeitnehmer gefallen. Weil parallel der Dienstleistungssektor und andere Bereiche gewachsen sind, sank der Anteil der Industrie am Arbeitsmarkt von 22 Prozent im Jahr 2014 auf 19 Prozent. Zugleich verringert sich der Lohnvorsprung der Industrie gegenüber anderen Branchen. Eine umfassende Auswertung verschiedener Arbeitsmarktindikatoren auf Kreisebene sowie von 60 Millionen Online-Stellenanzeigen mit unserem Jobmonitor zeigt: Eine Trendwende ist nicht in Sicht.«
Philipp Grunau und Justus Stadle (2026): Körperlich belastende Jobs. Profile, Determinanten und Folgen. Forschungsbericht 682, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Juni 2026
»Dieser Sonderbericht untersucht die Verbreitung, Determinanten und Folgen körperlich belastender Arbeit in Deutschland. Auf Basis von Befragungsdaten des Linked Personnel Panel (LPP) sowie administrativen Daten der Beschäftigtenhistorik (BeH) und des BERUFNETS der Bundesagentur für Arbeit wird das „Physical Activity Paradox“ im deutschen Arbeitsmarkt analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass physische Belastungen trotz eines leichten Rückgangs durch Berufswechsel – insbesondere während der COVID-19-Pandemie – weiterhin weit verbreitet sind, wobei (junge) Männer und Personen mit geringerem Qualifikationsniveau überproportional betroffen sind. Panelanalysen mit personenfixen Effekten belegen zudem, dass eine Zunahme der körperlichen Belastung signifikant mit einer Verschlechterung der allgemeinen und mentalen Gesundheit sowie einem Anstieg von – potenziell kostspieligem – Präsentismus einhergeht. Zudem sinken die Arbeitszufriedenheit und das Engagement, während die Wechselabsicht steigt. Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit in belastenden Berufsfeldern, die sich häufig durch bedeutsame Arbeitskräfteengpässe auszeichnen.«
Autor:innengruppe Bildungsberichterstattung (2026): Bildung in Deutschland 2026. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft, Bielefeld 2026
Geraldine Dany-Knedlik et al. (2026): Bestimmungsfaktoren und Prognostizierbarkeit des Medianäquivalenzeinkommens. Kurzexpertise im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2026
BMBFSFJ (2026): Kindertagesbetreuung Kompakt. Ausbaustand und Bedarf 2025, Berlin: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2026
Florian Blank (2026): Rentenpolitik und Rentenreformen – Fakten und Argumente. WSI Policy Brief Nr. 98, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2026
»Zentrale Finanzierungsdaten der gesetzlichen Rente in Deutschland haben sich im demografischen Wandel viel positiver entwickelt, als zugespitzte Behauptungen in der aktuellen Debatte nahelegen.«
➔ dazu: Faktencheck Rente: zentrale Finanzierungsdaten haben sich positiver entwickelt als oft behauptet wird(15.06.2026)
Philipp Deschermeier und Holger Schäfer (2026): Die Babyboomer erreichen das Rentenalter. IW-Kurzbericht, Nr. 39/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2026
»Fünf der insgesamt über 19 Millionen Babyboomer haben bereits das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht. Deutschland steht nicht vor dem demografischen Wandel, sondern befindet sich bereits mittendrin. Der demografische Druck auf den Arbeitsmarkt vergrößert sich in den kommenden Jahren nochmals stark.«
➔ dazu: Babyboomer in Rente: Bis 2036 fehlen 4,3 Millionen Arbeitskräfte (15.06.2026)
Manon Hämmerli et al. (2026): Incentivising patient pathways in outpatient care: A review of gatekeeping and cost-sharing policies across the OECD. OECD Health Working Papers No. 196, Paris: OECD, 2026
Die Studie untersucht die Erfahrungen der OECD-Länder mit Gatekeeping- und Zuzahlungssystemen und ordnet deren Bedeutung für die aktuelle gesundheitspolitische Debatte in Deutschland ein. Eine deutsche Fassung wird in Kürze verfügbar sein.
➔ dazu: OECD-Studie: Primärarztsysteme erfordern hohe Verbindlichkeit und ausreichende Kapazitäten (15.06.2026): »Eine aktuelle OECD-Vergleichsstudie zeigt, dass Primärarztsysteme international weit verbreitet sind, ihre Wirksamkeit jedoch maßgeblich von verbindlichen Steuerungsinstrumenten, infrastrukturellen Rahmenbedingungen und der Ausgestaltung im Detail abhängt. In mehr als 75 Prozent der OECD-Länder erfolgt der Zugang zur fachärztlichen Versorgung zumeist über einen hausärztlichen Erstkontakt. Für einen erforderlichen Facharztkontakt ist in den meisten Konstellationen eine hausärztliche Überweisung notwendig. Dieses sogenannte Gatekeeping wird bei rund 60 Prozent der OECD-Länder durch positive und negative finanzielle Anreize flankiert, die die Einhaltung der vorgesehenen Versorgungspfade unterstützen.«
Rolf Schmachtenberg und Magnus Brosig (2026): Eine gute Rente ist machbar, in: Wirtschaftsdienst. Heft 6/2026
»Wie hoch sollte ein lebensstandardsicherndes Gesamtversorgungsniveau im Alter sein und wie kann es erreicht werden? In diesem Beitrag schlagen wir ein Versorgungsniveau von mindestens 75 % des Lebensdurchschnittseinkommens netto nach Steuern vor und bestimmen die Versorgungslücke, die gegenwärtig besteht, wenn im Alter allein Einkommen aus der gesetzlichen Rente zur Verfügung steht. Es werden zwei Modelle vorgestellt, mit denen aufbauend auf den bestehenden Elementen des deutschen Alterssicherungssystems die Lücke geschlossen werden kann. Die Gesamtbelastungen fallen nicht höher aus, als dies auch heute schon der Fall ist, wenn eine leistungsfähige betriebliche Altersvorsorge besteht und/oder im empfohlenen Umfang aus dem Nettoeinkommen der Arbeitnehmenden Altersvorsorge betrieben wird.«
Thorsten Schulten und Felix Syrovatka (2026): Sackgasse Mitgliedschaft ohne Tarif – zur Erosion des Tarifvertragssystems, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2026
»Die Mitgliedschaft ohne Tarif (OT) erlaubt es Unternehmen, einem Arbeitgeberverband beizutreten, ohne an dessen Tarifverträge gebunden zu sein. Was ursprünglich als Notlösung zur Mitgliederbindung eingeführt wurde, wird zunehmend zum Regelfall. Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen für die Tarifbindung in der Metall- und Elektroindustrie, wo heute weniger als die Hälfte der Beschäftigten unter einen Flächentarifvertrag fällt. Die Arbeitgeberverbände manövrieren sich damit zunehmend in ein strukturelles Dilemma. Denn ohne ihre tarifpolitische Kernfunktion verlieren sie ihre gesellschaftliche Daseinsberechtigung. Der folgende Beitrag analysiert die Verbreitung von OT-Mitgliedschaften, ihre Folgen für das Tarifvertragssystem und diskutiert mögliche Wege aus dieser Sackgasse.«
Florian Boettcher et al. (2026): Kommunen unter Druck: Wege aus der Finanz- und Transformationskrise, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2026
»Die Kommunalfinanzen stehen vor der größten Krise in der Geschichte der Bundesrepublik. Rekorddefizite, steigende Sozialausgaben, hohe Investitionsbedarfe und neue Anforderungen durch Klimawandel, demografischen Wandel und Daseinsvorsorge setzen Städte und Gemeinden massiv unter Druck. Die Beiträge des Zeitgesprächs analysieren die Ursachen der kommunalen Finanzkrise, beleuchten ihre Folgen für Investitionen, Klimaschutz und gesellschaftlichen Zusammenhalt und diskutieren Reformoptionen. Im Zentrum steht die Frage, wie kommunale Handlungsfähigkeit, Selbstverwaltung und Zukunftsinvestitionen unter den Bedingungen knapper Ressourcen nachhaltig gesichert werden können.«
Deutscher Ethikrat (2026): Schutz, Teilhabe und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt. Ad-hoc-Stellungnahme, Berlin, Juni 2026
»Soll für Social Media ein gesetzliches Mindestalter eingeführt werden? Diese Frage treibt aktuell die Politik und die Menschen in vielen Ländern, auch in Deutschland, um. „Der Ethikrat beantwortet sie mit nein“, sagt Helmut Frister, Rechtswissenschaftler und Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. „Kinder und Jugendliche wachsen heute mit vielen digitalen Angeboten auf, die eine wichtige Rolle bei der Erfüllung ihrer Kommunikations- und Informationsbedürfnisse spielen. Die Aufgabe ist, den hier notwendigen Schutz junger Menschen mit ihren digitalen Teilhabe- und Befähigungsinteressen in Ausgleich zu bringen. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestalters für Soziale Medien ist dafür aus Sicht des Deutschen Ethikrates nicht geeignet.“«
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2026): „Flexploitation“ nach Pierre Bourdieu in der heutigen Arbeitswelt. Eine Untersuchung von Plattformarbeit und atypischer Beschäftigung, Berlin, Mai 2026
Slavina Spasova et al. (eds.) (2026): Social policy in the European Union: state of play 2025. From revival to resistance: testing the resilience of Social Europe in an era of deregulation, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2026
German Bender et al. (2026): Tesla versus national models: union organising and union busting in Sweden, Germany and the United States, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2026
»This report examines Tesla’s labour relations practices in Sweden, Germany and the United States, analysing how the company has systematically resisted trade union recognition and collective bargaining in three distinct national industrial relations contexts. Drawing on original research, the authors document the firm’s union-busting strategies and tactics — including a refusal to sign collective bargaining agreements, flooding works councils with anti union candidates, deploying strikebreakers and exploiting legal loopholes — as well as the responses of unions in the three countries.«
DIA/Zurich (2026): Stärkung der bAV – Reformansätze für die Alterssicherung in Deutschland. Wie kann eine Rentenreform durch eine wirkungsvolle Stärkung der betrieblichen Altersversorgung (bAV) unterstützt werden? Ein Diskussionspapier von Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) und Zurich Gruppe Deutschland (Zurich), Juni 2026
➔ dazu: Stärkere Betriebsrenten als Erfolgsfaktor zur echten Rentenreform. Zurich Gruppe Deutschland und Deutsches Institut für Altersvorsorge legen Reformagenda für die betriebliche Altersversorgung vor (10.06.2026)
Institut Arbeit und Technik (IAT) und Socium Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (2026): Evaluation der Wirkungen der Regelungen zur Entlohnung nach Tarif von Pflege- und Betreuungskräften in der Langzeitpflege. Evaluation im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Beteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), Berlin: Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Mai 2026
»Das Bundesministerium für Gesundheit hat den Abschlussbericht zur „Evaluation der Wirkungen der Regelungen zur Entlohnung nach Tarif in der Langzeitpflege“ veröffentlicht. Die Auswertung zeigt, dass die Löhne der Pflege- und Betreuungskräfte seit Einführung der Regelungen deutlich gestiegen sind. Damit wurde das gesetzgeberische Ziel der Regelungen erreicht. Die Lohnentwicklung fiel stärker aus als beim Pflegemindestlohn und stärker als der Reallohn aller Ausbildungsberufe. Die Vergütung entspricht inzwischen weitgehend den Löhnen in der Krankenhauspflege. Der Bericht weist zugleich darauf hin, dass die Entwicklung zu höheren Kosten für Pflegeleistungen beigetragen hat. Dadurch sind unter anderem die Eigenanteile der Pflegebedürftigen weiter gestiegen. Zudem ist die Umsetzung der Regelungen mit erheblichem bürokratischem Aufwand für Pflegeeinrichtungen und Pflegekassen verbunden. Die Evaluatoren schlagen verschiedene Maßnahmen zum zukünftigen Umgang mit den Regelungen vor.«
Ramboll (2026): Erarbeitung eines Lagebildes zur Umsetzung des § 71 SGB XII (Altenhilfe). Im Auftrag des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Hamburg: Ramboll Management Consulting GmbH, April 2026
Das „Lagebild zur Umsetzung des § 71 SGB XII“ liefert erstmals eine bundesweite Übersicht zu Angeboten und Strukturen der Altenhilfe sowie zur Altenhilfeplanung in Deutschland. Zugleich werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Bundesländern sichtbar – Länderprofile ermöglichen dabei vertiefende Einblicke in die jeweiligen regionalen Gegebenheiten. Grundlage des Lagebildes ist eine repräsentative Befragung von 280 Landkreisen, kreisfreien Städten und Bezirken. Damit beteiligten sich rund zwei Drittel aller Gebietskörperschaften dieser Art in Deutschland an der Erhebung. Insbesondere Landkreise stehen häufiger vor Herausforderungen, eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen, als kreisfreie Städte.
BMAS (2026): Abschlussbericht Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“. Wie der Arbeitsschutz den Herausforderungen des Klimawandels begegnen kann, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juni 2026
»Risiken durch den Klimawandel münden in konkrete Aufgaben im Arbeitsschutz. Der Abschlussbericht gibt einen kompakten Überblick über zentrale Erkenntnisse, Ableitungen und Handlungsfelder und dient daher auch als Grundlage für die weitere Diskussion und Weiterentwicklung einzelner Themen in der Arbeitsschutz-Community. Die Ergebnisse fließen in die bestehende Arbeitsschutz-Systematik ein (z. B. in die Arbeitsschutzausschüsse), sie stärken die Kommunikation und Umsetzung von Maßnahmen (z. B. durch Praxishilfen) und geben Impulse für die Forschung.«
➔ dazu ergänzend das Gutachten: Lukas Sander et al. (2026): Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt. Ökonomische Verluste und die strategische Rolle des Arbeitsschutzes bei der Klimaanpassung, Berlin: Prognos AG, Februar 2026
»Das Gutachten analysiert die hitzebedingten Kosten für Unternehmen in den drei Bereichen Produktivitätsverluste, Arbeitsunfälle sowie Ausfälle durch hitzebedingte Erkrankungen. Die Ergebnisse zeigen: Bereits heute sind die Kosten erheblich sind und werden sich durch den Klimawandel immer weiter verschärfen. Bereits ein einzelner Hitzetag verursacht in Deutschland Kosten von über 431 Millionen Euro. Etwa 97 Prozent davon entfallen auf Produktivitätsverluste. Zusätzlich entstehen durch hitzebedingte Erkrankungen und Unfälle Kosten von rund 13 Millionen Euro sowie insgesamt 76.500 Fehltage. Hitze wirkt damit vor allem als „stiller“ Produktivitätsfaktor: Die meisten Beschäftigten arbeiten weiter, jedoch weniger effizient. Die Ergebnisse zeigen eines besonders: Ein präventiver und klimawandelgerechter Arbeitsschutz kann dazu beitragen, hitzebedingte Belastungen zu begrenzen.«
Mirjam Dierkes et al. (2026): Einsamkeitsbarometer 2026. Einsamkeitsfokusanalyse zu Inklusion: Einsamkeit bei Menschen mit Behinderungen, Berlin: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), Mai 2026
»Das erste Einsamkeitsbarometer, eine Betrachtung der Langzeitentwicklung von Einsamkeit in Deutschland, wurde im Mai 2024 veröffentlicht. In 2025 wurde das zweite Barometer veröffentlicht, eine erste Einsamkeitsfokusanalyse zu LSBTIQ* Personen: Lebenslagen und Resilienzfaktoren. Mit dem vorliegenden „Einsamkeitsbarometer 2026“ erfolgt die zweite Einsamkeitsfokusanalyse, zum Thema Inklusion. Es ist die erste umfassende Analyse des Einsamkeitserlebens von Menschen mit Behinderungen. Im Mittelpunkt stehen Ursachen, Auswirkungen und mögliche Lösungsansätze zur Einsamkeit von Menschen mit Behinderungen.«
Martin Beznoska et al. (2026): Reformoptionen der Familienbesteuerung. Stellungnahme zum Antrag der SPD-Fraktion im Landtag Schleswig-Holstein: „Die Einkommensteuer moderner und familienfreundlicher gestalten: Einführung eines gerechten Familiensplittings“. IW-Report, Nr. 27/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2026
»Zentral ist bei der Debatte um das Ehegattensplitting das Spannungsfeld zwischen Individualbesteuerung und gemeinschaftsbezogenen Modellen.«
DGB (2026): Beschäftigte entlasten, Gemeinwesen stärken! Das DGB-Steuerkonzept, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Juni 2026
Johannes Geyer et al. (2026): Zielersatzraten in der Alterssicherung. Gutachten für den Gesamtverband der Versicherungswirtschaft, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mai 2026
Susanne Drescher und Martin Brussig (2026): Ältere Arbeitslose im Fokus der aktiven Arbeitsförderung? Neue Entwicklungen für Ältere in der Arbeitsmarktpolitik. Altersübergangsreport 2026-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Mai 2026
»In den letzten Jahren haben sich die Voraussetzungen verbessert, ältere Arbeitslose verstärkt in den Fokus der Arbeitsförderung zu rücken – zuletzt mit der Bürgergeldreform. Es setzt sich der Trend fort, dass sich die arbeitsmarktpolitische Förderung öfter bis in höhere Altersjahre erstreckt. Die Aktivierungsquoten älterer Arbeitsloser bleiben nach wie vor deutlich hinter denen jüngerer Personen zurück. Um Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und einem hohen Exklusionsrisiko von Älteren zu bewältigen, sind Instrumente erforderlich, die auf die speziellen Möglichkeiten und Bedarfe von älteren Arbeitslosen abgestimmt sind.«
Stefan Bach et al. (2026): Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung. Analyse der fiskalischen Einsparungen und Beschäftigungseffekte, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
»Die Altersrente für besonders langjährig Versicherte ermöglicht Versicherten mit mindestens 45 Wartezeitjahren einen abschlagsfreien Renteneintritt vor der Regelaltersgrenze. Dieser Bericht schätzt die fiskalischen Effekte und Beschäftigungswirkungen einer Abschaffung dieser Rentenzugangsmöglichkeit auf Basis von administrativen Daten der Rentenversicherung. Zur Abschätzung dieser Effekte dient der Geburtsjahrgang 1957. Die Wirkungen werden dabei über die gesamte Rentenbezugszeit der betroffenen Kohorte betrachtet. Während sich das Einsparpotenzial für die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) robust quantifizieren lässt, hängen die Auswirkungen auf die übrigen Sozialversicherungsträger und die öffentlichen Haushalte maßgeblich vom Verhalten der betroffenen Personen ab. Entscheidend ist dabei insbesondere, ob die Betroffenen im Fall der Abschaffung eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen in Anspruch nehmen oder stattdessen länger im Arbeitsmarkt verbleiben. Dies beeinflusst die Steuer- und Beitragseinnahmen.«
➔ dazu: Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung – Zusammenfassung
➔ dazu: Bertelsmann Stiftung: Abschaffung der „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ würde 9,5 Milliarden Euro pro Jahrgang sparen und 125.000 Arbeitskräfte erhalten, 03.06.2026)
Michaela Fuchs et al. (2026): Schutzsuchende auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen, Nr.4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026
Ines Weber-Kessel et al. (2026): Wohnkostenbelastung von Mietenden in Deutschland. Studie für den Deutschen Mieterbund, Darmstadt: Institut Wohnen und Umwelt (IMU), März 2026
➔ dazu: Deutscher Mieterbund (2026): Fact Sheet Wohnkostenstudie, Juni 2026
Nach der Studie gehören 42 Prozent bzw. 8,3 Mio. Mieterhaushalte zum unteren Einkommensdrittel mit einem Haushaltsnettoeinkommen von im Durchschnitt 1.417 Euro pro Monat. Die durchschnittliche Wohnkostenbelastung dieser Gruppe liegt bei 48 Prozent. Die Studie zeigt, dass fast 7 Mio. Haushalte bereits durch ihre Wohnkosten überlastet sind. Rund 3,2 Mio. mietende Haushalte haben eine Belastung durch Wohnkosten von über 40 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens und gelten damit als überlastet. Weitere 3,4 Mio. mietende Haushalte müssen 30-40 Prozent ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden. In der untersten Einkommensgruppe geben Haushalte sogar durchschnittlich 60 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen aus.
Monika Schnitzer et al. (2026): Offener Brief an die Bundesregierung: Reformvorschlag für das Ehegattensplitting, 02.06.2026
Der Reformvorschlag in einem Satz: »Das heutige Vollsplitting wird durch ein begrenztes Realsplitting für Ehepartner ersetzt; die dadurch entstehenden Mehreinnahmen werden vollständig genutzt, um Kindergeld und Kinderfreibetrag deutlich zu erhöhen.«
Greta Schabram et al. (2026): Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit. Paritätischer Armutsbericht, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Juni 2026
Katharina Zimmermann (2026): Sozialpolitik im Klimawandel, in: sozialpolitikblog, 01.06.2026
»Der Klimawandel wird oft als Umweltproblem beschrieben, manchmal als Innovationsaufgabe, immer häufiger auch als Verteilungsfrage. Im Kern geht es jedoch um einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Strukturwandel. Die Sozialpolitik muss Statussorgen ernst nehmen, ohne Statusängste zur Leitwährung von Politik zu machen.«
Louise Biddle et al. (2026): Gesundheitssystem bleibt für Geflüchtete in den ersten Jahren nach Ankunft schwer zugänglich, in: DIW Wochenbericht, Nr. 22/2026
»Geflüchtete haben nach ihrer Ankunft in Deutschland oft einen erhöhten medizinischen Versorgungsbedarf. Beim Zugang zur Gesundheitsversorgung sind sie jedoch mit verschiedenen Hürden konfrontiert. Auswertungen der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten für die Jahre 2023 und 2024 zeigen, dass wahrgenommene Wartezeiten, große Entfernungen und finanzielle Hürden die bedarfsgerechte Versorgung in den ersten Jahren nach Ankunft einschränken. Zudem bereitet die Orientierung im komplexen deutschen Gesundheitssystem vielen Geflüchteten Schwierigkeiten, etwa beim Finden professioneller Hilfe, beim Verständnis medizinischer Abläufe oder bei Vorsorgeuntersuchungen. Diese Herausforderungen betreffen sowohl Geflüchtete aus der Ukraine als auch aus anderen Herkunftsländern, unterscheiden sich jedoch nach der Aufenthaltsdauer. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote, etwa durch Gesundheitslotsen. Der Abbau rechtlicher und organisatorischer Zugangshürden ist dabei nicht nur aus gesundheitlicher, sondern auch aus ökonomischer Perspektive sinnvoll: Verzögerte oder ausbleibende Behandlungen erhöhen das Risiko vermeidbarer Folgekosten. Einschränkungen im rechtlichen Anspruch auf Gesundheitsversorgung bergen hingegen das Risiko weiterer Versorgungslücken.«
Fünfzehnter Bericht der Bundesregierung über die Auswirkungen des Gesetzes zur Bekämpfung der illegalen Beschäftigung, BT-Drs. 21/6100 vom 21.05.2026
Bericht über die Umsetzung und Weiterentwicklung des wissenschaftlich fundierten Personalbemessungsverfahrens in der vollstationären Langzeitpflege, BT-Drs. 21/6180 vom 21.05.2026
Dirk Heckmann et al. (2026): Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. Wissenschaftliches Rechtsgutachten mit Praxisempfehlungen, Braunschweig: Ins,tut für Rechtswissenscha7en der TU Braunschweig, April 2026
»Das Gutachten erfasst die Tragweite von KI in Prüfungsverfahren der beruflichen Bildung und beschreibt hierzu zunächst die rechtlichen Grundfragen und Rahmenbedingungen der Prüfungsgestaltung im Kontext des KI-Einsatzes, um in einem weiteren Schritt dezidiert bestehende rechtliche Spielräume und notwendige regulatorische Anpassungsbedarfe zu identifizieren. Auf dieser Grundlage werden Wege aufgezeigt, wie moderne Prüfungsformate in der beruflichen Bildung rechtssicher implementiert werden können.«
Maximilian Blömer (2026): Mikrosimulation von Reformoptionen steuerfinanzierter Sozialleistungen. Forschungsbericht 681, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Mai 2026
»Im September 2025 wurde eine Kommission zur Sozialstaatsreform beauftragt, einen Bericht vorzulegen, wie sozialstaatliche Strukturen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Verwaltung unter Bewahrung des sozialen Schutzniveaus modernisiert und entbürokratisiert werden können. Um die Beratungen innerhalb der Kommission zu unterstützen, wurden die Effekte von drei grundlegenden Reformansätzen mittels verhaltensbasierter Mikrosimulation vorausblickend vergleichend bewertet: Das Aufgehen von Wohngeld und Kinderzuschlag in einer reformierten Grundsicherung, die Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag zu einer neuen vorgelagerten Leistung sowie die Einführung eines pauschalen Erwerbsbonus in das Steuersystem, der vorgelagerte bedarfsgeprüfte Leistungen ersetzt. Dieser Forschungsbericht dokumentiert die Vorgehensweise und die Ergebnisse der durchgeführten Berechnungen.«
Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2026): Frühjahrsgutachten 2026, Wiesbaden, 27.06.2026
Papst Leo XIV (2026): Enzyklika „Magnifica Humanitas“. Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, Rom, Mai 2026
Frank Sowa et al. (Hrsg.) (2026): Fragile Behausungen. Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit in Zeiten multipler Krisen, Weinheim: Beltz Juventa, Mai 2026 (Open Access)
»Multiple Krisen, allen voran der Mangel an leistbarem Wohnraum in urbanen Settings, die Inflation mit steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten bis hin zur COVID-19-Pandemie, dem Ukrainekrieg und dem Klimawandel, führen dazu, dass sich immer mehr Menschen in fragilen Behausungen befinden. Fragile Behausungen als gesellschaftlich hergestelltes Phänomen umfassen u. a. prekäre Wohnverhältnisse, informelle Unterstützungsnetzwerke und Obdach- und Wohnungslosigkeit. Ihre Fragilität verweist auf materielle, soziale, affektive, psychische, politische, ökonomische und figurative Praktiken, Prozesse und Strukturen.«
Holger Schäfer (2026): Plattformarbeit: Neue Hürden für Selbstständige?. IW-Kurzbericht, Nr. 37/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Im Jahr 2024 wurde die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur „Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit“ verabschiedet. Die zweijährige Frist zur Umsetzung in deutsches Recht läuft in diesem Jahr aus – das heißt, der Gesetzgeber muss aktiv werden. Ziel der Richtlinie ist unter anderem, die soziale Sicherung der Plattformbeschäftigten zu gewährleisten.«
Matthias Diermeier et al. (2026): Geographien der Unzufriedenheit – Daseinsvorsorge. Empirische Bestandsaufnahme und politische Implikationen. Gutachten im Auftrag der Philip Morris GmbH, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Das vorliegende Gutachten analysiert die politischen Implikationen ungleicher Daseinsvorsorge in Deutschland. Erstmals verknüpft eine solche Untersuchung eine aktuelle, kleinräumige und umfassende Datenbasis zu den Versorgungslagen auf Ebene von über 10.941 Gemeinden mit einer geokodierten Personenbefragung. Auf Basis von 17 teilweise mit Webscraping erhobenen Indikatoren aus den Bereichen Digitales, Gesundheit, Mobilität, Freizeit und Bildung lässt sich der Mechanismus zwischen (Unzufriedenheit mit) der lokalen Daseinsvorsorge und der voranschreitenden politischen Entfremdung genauer untersuchen. Konkret wird analysiert, inwiefern objektive Mängel in der lokalen Daseinsvorsorge subjektiv wahrgenommen und als Ausdruck von Staatsversagen interpretiert werden, wodurch sie zur politischen Entfremdung beitragen.«
Grit Braeseke et al. (2026): Bestandsaufnahme der Arbeitsorganisation ambulanter Pflegeeinrichtungen. Endbericht für den GKV-Spitzenverband, Berlin: IGES Institut, März 2026
Franz Neuberger et al. (2026): Von der Systemrelevanz zur Vertrauenskrise. Kindertagesbetreuung zwischen pandemiebedingter Sichtbarkeit, strukturellem Personalmangel und wachsender Segregation, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), Mai 2026
➔ „Verlorenes Vertrauen in die Kita kehrt nicht mit ein paar zusätzlichen Stellen zurück“. Ein Gespräch mit DJI-Forschungsdirektorin Prof. Dr. Susanne Kuger über den neuen Policy Brief zu ungeplanten Kita-Schließungen infolge des Personalmangels – und den politischen Konsequenzen, die daraus zu ziehen sind (19.05.2026)
➔ dazu auch: Franz Neuberger et al. (2026): Wenn es erst an Personal und dann an Vertrauen mangelt. Wahrgenommene Qualität, Schließungserfahrungen und der Wandel der Nicht-Nutzungsgründe in der Kindertagesbetreuung, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), März 2026
Leander Andres et al. (2026): Arbeitsmarkt paradox: Drei Millionen Arbeitslose – und trotzdem Fachkräftemangel?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2026
»Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch: Das verfügbare Arbeitskräftepotenzial schrumpft langfristig infolge des demografischen Wandels, während gleichzeitig Technologien und Strukturwandel die Anforderungen an Kompetenzprofile verändern. Die Kombination aus strukturellen Engpässen, veränderten Beschäftigungsformen und technologischen Anforderungen wirft zentrale Fragen nach Veränderungen in den politischen Rahmenbedingungen auf.«
Lilly Fischer et al. (2026): Expansion des Sozialstaats? Das deutsche Sozialbudget 1992 – 2024, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2026
»Dieser Beitrag dokumentiert die Entwicklung des deutschen Sozialbudgets zwischen 1992 und 2024. Die Analyse zeigt eine deutliche Expansion um real rund 60 %, einhergehend mit einer zunehmenden Sozialbudgetquote. Haupttreiber sind die Funktionen Alter und Krankheit, die heute knapp 70 % der Ausgaben tragen und über 80 % des realen Zuwachses erklären. Steuerfinanzierte Förder‑ und Fürsorgesysteme machen ca. 20 % des Budgets aus. Die Analyse verdeutlicht die Funktion des Sozialstaats als automatischen Stabilisator in Krisenzeiten. Strukturell wirkt der demografische Wandel als zentraler Kostentreiber. Dieser anhaltende Ausgabendruck verschärft die intergenerationale Lastenverschiebung im Sozialstaat.«
CDU-Bundesgeschäftsstelle (Hrsg.) (2026): Abstieg für Deutschland. Keine Alternative. Demokratieschädlich. Antisemitisch. Völkisch., Berlin, 2026
Jan Büchel et al. (2026): Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Green Economy. Eine Analyse von Online-Stellenanzeigen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Mai 2026
»Die vorliegende Studie analysiert, wie sich die Personalbedarfe der Unternehmen mit Bezug zur Green Economy entwickeln. Dafür wird ein Datensatz zu Online-Stellenanzeigen in Deutschland aus den Jahren 2019 bis 2025 verwendet. Die Analyse zielt nicht darauf ab, Berufe, Branchen, Tätigkeiten, Kompetenzen oder Unternehmen pauschal als „grün“ einzuordnen. Stattdessen werden Stellen anzeigen identifiziert, die mindestens eine Tätigkeit oder entsprechende Kenntnisse beinhalten, die einen direkten Bezug zur Green Economy haben.«
Jochen Pimpertz und Maximilian Stockhausen (2026): Weiterentwicklung der Alterssicherungssysteme in Deutschland – Systemfremde Zielsetzungen, irreführende Indikatorik und fehladressierte Reformen, in: IW-Trends, Nr. 2/2026, S. 2-23
»Die Sorge vor Armutsgefährdungsrisiken im Alter motiviert eine Vielzahl von Reformvorschlägen, die vor allem die gesetzliche Rentenversicherung um zusätzliche Umverteilungselemente ergänzen wollen. Der Begründungszusammenhang führt jedoch in die Irre, denn von der Höhe einer gesetzlichen Rente kann nicht treffsicher auf mögliche Armutsgefährdungsrisiken geschlossen werden. Der Wohlstand im Alter wird nämlich nicht nur über gesetzliche, betriebliche und private Renten abgesichert, sondern auch über Vermögen.«
Wido Geis-Thöne et al. (2026): Lebenslanges Lernen als Schlüssel für einen späteren Renteneintritt?, in: IW-Trends, Nr. 1/2026, S. 93-109
Sabine Pokorny (2026): Auswanderungswünsche in der Bevölkerung. Repräsentative Umfrage über Auswanderungswünsche und -motive von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2026
»Die Studie untersucht die Motive potenzieller Auswanderinnen und Auswanderer. Welche Menschen denken aktuell darüber nach, Deutschland zu verlassen? Aus welchen Gründen denken sie darüber nach? Und in welche Länder würden sie auswandern wollen? Gibt es systematische Unterschiede in den Motiven und Zielländern zwischen bestimmten Gruppen?«
Leon Schaller (2026): Migrationspolitische Narrative im Vergleich. Dänemark, Spanien und die Grenzen der Übertragbarkeit, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
»In der deutschen Debatte werden zwei migrationspolitische Modelle regelmäßig als Vorbilder herangezogen: das dänische Modell der Restriktion und das spanische Modell der Regularisierung. Während die einen auf die dänische Sozialdemokratie verweisen, die durch eine restriktive Migrationspolitik Wähler zurückgewonnen habe, sehen andere in Spaniens offensivem Kurs ein progressives Gegenmodell. Doch lassen sich diese Narrative so einfach übertragen? Das vorliegende Papier untersucht die politische Ökonomie migrationspolitischer Narrative: Wie beeinflussen ökonomische Strukturen, institutionelle Arrangements und historische Pfade die Art und Weise, wie über Migration gesprochen wird. Beide Narrative sind keine rhetorischen Erfindungen, sondern aus spezifischen materiellen und kulturellen Bedingungen erwachsen.«
Martin Brussig und Olaf Struck (Hrsg.) (2026): Arbeit – Macht – Würde. Machtasymmetrien und Würdeverletzungen in Arbeitskontexten, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2026
»Die DIFIS-Studie dokumentiert ausgewählte Beiträge der Jahrestagung des Arbeitskreises Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF) e.V., die am 5. und 6. Juni 2025 in Berlin stattfand. Sie stand unter dem Titel „Arbeit – Macht – Würde. Machtasymmetrien und Würdeverletzungen in Arbeitskontexten.“ Leitmotiv für die Tagung war, dass Erwerbsarbeit in kapitalistischen Gesellschaften häufig von Machtasymmetrien und kurzfristiger ökonomischer Gewinnmaximierung geprägt ist. Hierbei können Verletzungen von Würde durch mangelnde Anerkennung, unzureichendes Einkommen, ausufernde Arbeitszeiten oder fehlenden Arbeitsschutz auftreten. Anstand und Aufmerksamkeit sowie Sozial- und Arbeitsrechte können dem entgegenwirken. Zudem kann eine Knappheit von Arbeitskräften zu einer Stärkung von Macht und zu größerer Anerkennung bei Arbeitnehmergruppen beitragen. Auf der Tagung wurden Ursachen und Folgen von Machtasymmetrien, Würdeverletzungen und deren Auswirkungen auf soziale Teilhabe diskutiert.«
Susanne Dern und Maria Wersig (2026): Vielfalt gestalten. Diversitätssensible Leistungsgewährung im Jobcenter zwischen Recht, Haltung und Organisationskultur, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, März 2026
»Jobcenter sind Orte, an denen sich die gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands täglich zeigt – und an denen sich entscheidet, ob Soziale Rechte chancengleich umgesetzt werden. Das Forschungsprojekt Diver§So ging der Frage nach, wie Sozialverwaltungen Rechtsanwendung und Effizienz mit Anerkennung und Respekt gegenüber individuellen Lebenslagen verbinden können. Ausgehend von rechtlichen Grundlagen und empirischen Befunden des Forschungsprojekts, das mit Mitarbeitenden von Jobcentern in drei Bundesländern durchgeführt wurde, wurden praxisorientierte Impulse für Sozialverwaltungen entwickelt, um Diversität systematisch in Organisationskultur, Personalentwicklung und Leistungsgestaltung zu verankern. Diversitätssensible Leistungsgewährung bedeutet: rechtssicher handeln, individuelle Lebenslagen ernst nehmen und Diskriminierungsrisiken systematisch abbauen.«
Heinz Rothgang und Tatiana Mamontova (2026): Entwicklung der stationären Eigenanteile und der Rolle der Hilfe zur Pflege in Pflegeheimen 2026-2035 unter Berücksichtigung aktueller Reformoptionen. Kurzgutachten im Auftrag der DAK-Gesundheit, Bremen, Mai 2026
➔ dazu: DAK-Gutachten: Pflegereform verschärft Armutsrisiko (18.05.2026)
Die bisher bekannten gewordenen Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken für eine Pflegereform würden das Armutsrisiko für Pflegeheimbewohnende weiter verschärfen. Wird die Auszahlung der Zuschüsse für Pflegeheimbewohnende künftig merklich nach hinten geschoben, käme dies laut Kurzgutachten von Rothgang/Mamontova einer Leistungskürzung gleich. Durch die Pflegereform würde der durchschnittliche Eigenanteil von Betroffenen sofort um 161 Euro im Monat steigen. In den ersten viereinhalb Jahren stationärer Pflege würden die Kürzungen nach den Berechnungen von Prof Rothgang eine zusätzliche Kostenlast von insgesamt knapp 20.000 Euro für Heimbewohnende bedeuten. Der Anteil der Pflegeheimbewohnenden, die auf Hilfe zur Pflege angewiesen sind, könnte demnach dramatisch auf rund 46,2 Prozent bis zum Jahr 2035 ansteigen. Dies würde bei den Kommunen zu einer Mehrbelastung von zwei Milliarden Euro führen.
UNICEF (2026): Unequal Chances. Children and economic inequality, Florence: UNICEF Office of Strategy and Evidence – Innocenti, May 2026
➔ UNICEF (2026): Ungleiche Chancen – Wie das Einkommen der Eltern die Chancen der Kinder beeinflusst, Berlin: UNICEF Büro Berlin, Mai 2026
Markus M. Grabka und Oskar Breer (2026): Anstieg der Fehlzeiten im Jahr 2022 liegt nur bedingt an elektronischer Krankschreibung, in: DIW Wochenbericht, Nr. 20/2026
»In Deutschland sind insbesondere im Jahr 2022 die krankheitsbedingten Fehlzeiten Beschäftigter stark gestiegen. Von verschiedener Seite wurde argumentiert, dass hierfür die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) ursächlich wäre. In den amtlichen Daten fehlten bisher die Fehlzeiten, die nicht an die Krankenkassen übermittelt wurden, was seit Einführung der eAU nicht mehr auftritt. Diese Lücke besteht in den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) nicht. Da aber auch nach den SOEP-Daten die Fehlzeiten in ähnlichem Umfang zunahmen, dürfte der Anstieg andere Ursachen haben. Vielmehr dürften sowohl stark vermehrte Atemwegserkrankungen als auch Verhaltensänderungen im Nachgang der Corona-Pandemie die Fehlzeiten verändert haben. Um die ohnehin seit 2008 gestiegenen Fehlzeiten zu reduzieren, sollte über die Einführung einer Teilkrankschreibung nachgedacht werden. Damit könnte die bisherige strikte ärztliche Beurteilung in gesund oder krank geändert und damit ein Arbeiten mit reduzierter Stundenzahl ermöglicht werden.«
Stefanie Seele und Henrik Engel (2026): Deutscher Arbeitsmarkt im Leerlauf. IW-Kurzbericht, Nr. 35/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Seit 2023 verliert die Fluktuation am Arbeitsmarkt an Tempo. Weil Betriebe weniger Stellen besetzen, kündigen weniger Beschäftigte ihre laufenden Verträge, um neue Jobs anzutreten. Die geringe Dynamik erschwert Arbeitslosen die Rückkehr in Arbeit und jungen Menschen den Einstieg in das Berufsleben.«
Nicole Brumm et al. (2026): Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung? – Worauf es ankommt, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2026
»Die Kopplung des gesetzlichen Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung soll durch automatische Anpassungen politische Entscheidungsprozesse verkürzen oder ersetzen und so die langfristige Stabilität des Rentensystems erhöhen. Empirische Ergebnisse zeigen jedoch, dass diese Prozesse häufig nur auf die Ausgestaltung und Umsetzung des Mechanismus verlagert werden. Zudem können Unterschiede in Gesundheit und Lebenserwartung dazu führen, dass sich eine einheitliche Anpassung des Eintrittsalters ungleichmäßig auf sozioökonomische Gruppen und ihre verbleibende Rentenphase auswirkt. Die Analyse zeigt, dass Erfolg und Nachhaltigkeit der Kopplung vom institutionellen Kontext abhängen, einschließlich der Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, der gesundheitlichen Prävention und Rehabilitation sowie eines wirksamen Schutzes bei Erwerbsunfähigkeit, so dass automatische Anpassungen eher als ein aufeinander abgestimmtes Maßnahmenbündel denn als rein technische Reform gestaltet werden sollten.«
Kerstin Bruckmeier et al. (2026): Wie sichtbar ist der Sozialstaat? Die Bekanntheit zentraler bedarfsorientierter Leistungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2026
»Die Bekanntheit von Sozialleistungen ist zentral, damit sozialstaatliche Sicherung ihre Funktion erfüllen kann – was nicht bekannt ist, kann auch nicht beantragt werden. Doch wie gut wissen Bürger in Deutschland über zentrale bedarfsorientierte Leistungen Bescheid? Eine Auswertung des IAB-Panels „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ zeigt: Das Wissen über Sozialleistungen ist erwartungsgemäß unterschiedlich verteilt. Personen, die potenziell von einer Leistung profitieren können, kennen sie in der Regel auch häufiger. Während das Bürgergeld weithin bekannt ist, weisen die Grundsicherung im Alter, das Wohngeld und der Kinderzuschlag hingegen deutlich geringere Bekanntheitswerte auf.«
Tim Lohse et al. (2026): Zwischen Wählerwille und Haushaltspolitik: Ausgabenprioritäten nach Parteipräferenzen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2026
»Auf Basis eines repräsentativen, umfragegestützten Auswahlexperiments mit Best-Worst-Scaling werden die Ausgabenprioritäten in der Gesellschaft für 13 zentrale Politikbereiche in Deutschland quantifiziert und nach Parteipräferenzen differenziert. Die Ergebnisse zeigen ausgeprägte parteispezifische Unterschiede in der relativen Gewichtung: Politisch stark akzentuierte Bereiche wie Verteidigung oder Klimaschutz nehmen in vielen Wählergruppen keine Spitzenposition ein, wohingegen der Bereich Gesundheit & Pflege eine breite gesellschaftliche Unterstützung bei geringer parteipolitischer Polarisierung aufweist. Andere Ausgabenbereiche, die parteiübergreifend ähnlich präferiert werden, sind Energieversorgung sowie Infrastruktur & Verkehr, die eher im Mittelfeld des Rankings liegen.«
BKK Dachverband (2026): Internationaler Tag der Pflege: Starke Pflegekräfte retten Leben – aber wer rettet sie?, Berlin, 12.05.2026
Andrés Saravia et al. (2026): Krisen- und katastrophenbezogene Inhalte in sozialwissenschaftlichen Bevölkerungsumfragen. RatSWD Working Paper, Nr. 290, Berlin: Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD), Mai 2026
Jochen Pimpertz (2026): Zusatzbeitragssatz der Krankenkassen bei 3,1 Prozent. IW-Kurzbericht, Nr. 33/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Rechneten Experten im vergangenen Herbst noch mit einem durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent für 2026, ist dieser bereits nach dem ersten Quartal auf 3,1 Prozent geklettert.«
Terres des Hommes/BuMF (2026): Das SGB VIII und die GEAS-Reform: Schutz, Versorgung und Vertretung von unbegleiteten geflüchteten Kindern und Jugendlichen, Osnabrück: Terres des Hommes und Bundesfachverband Minderjährigkeit und Flucht (BuMF), April 2026
Wido Geis-Thöne (2026): Wer lässt sich in Deutschland einbürgern? Eine Analyse auf Basis des Mikrozensus 2022, in: IW-Trends, Nr. 1/2026, S. 71-91
»Lässt man die überwiegend nicht formal eingebürgerten Spätaussiedler außer Acht, lebten im Jahr 2022 den Angaben im Mikrozensus zufolge 2,69 Millionen eingebürgerte Personen in Deutschland, was 3,3 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Von diesen gingen 1,74 Millionen einer Erwerbstätigkeit nach, womit der Anteil an allen Erwerbstätigen mit 4,2 Prozent noch etwas höher lag. Von den in den Jahren 2002 bis 2016 eingereisten Personen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren, die die deutsche Staatsangehörigkeit nicht auf anderem Wege erhalten haben, hatte sich bis zum Jahr 2022 mit 11,3 Prozent etwas mehr als jeder Zehnte einbürgern lassen. Besonders häufig war dies bei Akademikern, bei Personen mit Ausbildungsmotiv und bereits im Kindesalter eingereisten Personen der Fall.«
Heiner Heiland (2026): Branchenanalyse Behindertenhilfe – Arbeitsbedingungen und aktuelle Entwicklungen mit besonderem Fokus auf die Bereiche Schule, Wohnen und Arbeiten. Working Paper Forschungsförderung, Nr. 404, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, April 2026
»Die Studie untersucht Arbeitsbedingungen und Entwicklungen mit Fokus auf Schule, Wohnen und Arbeit. Auf Basis einer Mixed-Methods-Untersuchung (34 Interviews, Online-Befragung mit über 7.000 Beschäftigten, Literatur- und Datenanalyse) werden Struktur, Akteure, Finanzierung und empirische Befunde dargestellt. Zentrale Trends sind Ökonomisierung, Personenzentrierung/Ambulantisierung und das Bundesteilhabegesetz, die Leistungsangebot, Personaleinsatz und Planungssicherheitverändern. Die Befunde zeigen hohe Belastungen, prekäre Arbeitsverhältnisse, häufige Teilzeit, Gewaltvorfälle und eine unzureichende Digitalisierung. Die Studie liefert differenzierte Einblicke in Werkstätten für behinderte Menschen, Schulassistenz und Wohnformen und arbeitet Handlungsfelder für Politik und Träger heraus.«
Susann Behrendt et al. (2026): Zur Lage pflegender Angehöriger. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung unter Berücksichtigung regionaler Unterschiede, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Mai 2026
Pekka Sagner und Michael Voigtländer (2026): Migration und Wohnen: Ökonomische Effekte und soziale Implikationen. Expertise für den Sachverständigenrat für Integration und Migration. IW-Report, Nr. 24/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Die Studie beleuchtet das Zusammenspiel von Migration und Wohnungsmarkt in Deutschland und verbindet eine Bestandsaufnahme zentraler Markttrends mit einer empirischen Auswertung repräsentativer Haushaltsdaten (SOEP). Ausgangspunkt ist ein Markt, der sich seit den 2010er-Jahren von langen Phasen der Stagnation zu anhaltender Knappheit entwickelt hat, getragen von einem positiven Außenwanderungssaldo, teilweise starker Binnenwanderungskonzentration, Einkommenszuwächsen und lange niedrigen Zinsen, zuletzt jedoch gebremst durch den Zinsanstieg und den Einbruch der Bautätigkeit. Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland eine „Mieternation“ mit niedriger Wohneigentumsquote; zugleich wächst die Zahl der Haushalte weiter, besonders in wirtschaftlich starken Städten. Deskriptiv wird gezeigt: Die Wohnfläche pro Kopf ist langfristig gestiegen, Unterschiede zwischen Eigentümern und Mietern sowie nach Migrationshintergrund bleiben jedoch bestehen. Subjektiv empfinden vor allem Mieterhaushalte mit direktem Migrationshintergrund häufiger ihre Wohnung als zu klein. Bei den Wohnkosten (definiert als Bruttokaltkosten; bei Eigentümern kalte Nebenkosten plus Zins-/Tilgung) verlaufen die durchschnittlichen Mietkosten von Migranten und Nicht-Migranten nahezu deckungsgleich; bei Eigentümern liegen die laufenden Kosten von Haushalten mit direktem Migrationshintergrund höher, unter anderem, weil häufiger Finanzierungen bedient werden. Beim Anteil der Wohnkosten am Nettoeinkommen (Wohnkostenbelastung) zeigt sich in beiden Gruppen ein stabiler Abstand zulasten von Migrantenhaushalten.«
ver.di (2026): Der Sozialstaat: Produktivkraft und Wohlstandsquelle. Wirtschaftspolitische Informationen, Nr. 1/2026, Berlin: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Mai 2026
»Der Sozialstaat steht massiv unter Druck. Arbeitgeberverbände sowie Marktradikale in Politik und Wissenschaft verunglimpfen ihn als unfinanzierbaren Kostgänger der Wirtschaft. Damit unterschlagen sie seine wichtige gesellschaftliche und auch ökonomische Bedeutung.«
KBV (2026): Einnahmenorientiertes Leistungsangebot, Berlin: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Mai 2026
Niklas Döhler et al. (2026): Beitragsjahre als Kriterium für Renteneintritt würde neue Ungleichheiten schaffen – und das eigentliche Problem nicht lösen. DIW aktuell, Nr. 119, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mai 2026
»In der rentenpolitischen Debatte gewinnt ein aktueller Vorschlag viel Zuspruch: das Renteneintrittsalter an die Zahl der geleisteten Beitragsjahre zu koppeln. Als Kriterium für den Renteneintritt werden in der Regel 45 Beitragsjahre genannt. Die Idee dahinter ist intuitiv einleuchtend: Wer früh berufstätig war und lange eingezahlt hat, soll auch früher in Rente gehen dürfen. Doch so plausibel diese Logik auf den ersten Blick erscheint, so komplex sind die Fragen, die sich für eine Umsetzung ergeben würden. Entscheidend ist, welche Zeiten überhaupt als anrechenbare Wartezeiten gelten. Denn Versicherungsbiografien verlaufen selten geradlinig. Für viele Versicherte wechseln sich Erwerbsphasen mit Zeiten der Arbeitslosigkeit, Krankheit, Kindererziehung oder Pflege ab. Um diese Vielfalt näher zu beleuchten, betrachtet diese Kurzstudie empirische Versicherungszeiten nach verschiedenen rentenrechtlichen Definitionen für die Geburtskohorte 1957. Die Analyse der Versicherungsdaten zeigt, dass unter der aktuellen Definition der Wartezeit von 45 Jahren nur 40 Prozent der Versicherten dieses Jahrgangs die 45-Jahres-Schwelle bis zum Renteneintritt erreicht hatten. Würde man diese Schwelle für alle Versicherten verbindlich einführen, würden vor allem zwei Gruppen erst später als bisher in Rente gehen können: einerseits Akademiker, die später ins Erwerbsleben eintreten, andererseits Personen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. Zu letzteren zählen insbesondere Frauen mit Kindern und Personen mit Phasen längerer Arbeitslosigkeit.«
BA (2026): Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Mai 2026
David Scheller-Kreinsen et al. (Hrsg.) (2026): Krankenhaus-Report 2026. Reformperspektiven, Berlin 2026
»Der Krankenhaus-Report 2026 greift mit seinem Schwerpunktthema die Reformbedürftigkeit der stationären Versorgung in Deutschland auf. Er thematisiert Umsetzungsstand und Anpassungsbedarf der gesetzlichen Reformmaßnahmen, die Passgenauigkeit der bundesweit neu eingeführten Leistungsgruppen und stellt auch Erfahrungen aus anderen Ländern vor. Zudem geht es um Reformperspektiven für die Finanzierung, Vor- und Nachteile der Vorhaltevergütung, den Transformationsfonds und die Auswirkungen des Pflegebudgets. Zuguterletzt werden die Ambulantisierung und die sektorenübergreifende Versorgung adressiert.«
➔ dazu: WIdO: Krankenhaus-Report 2026: In allen 16 Bundesländern könnten mehr als die Hälfte der Krankenhausfälle ambulant versorgt werden (06.05.2026)
Elke Dahlbeck et al. (2026): Älter werden in Nordrhein-Westfalen – Demografischer Wandel als kommunale Zukunftsaufgabe, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen, Mai 2026
»Der demografische Wandel führt NRW-weit zu einem starken Anstieg des Altenquotienten und damit zu einem steigenden Bedarf altersspezifischer Wohnformen und Dienstleistungen. Das bestehende Angebot barrierefreier Wohnungen deckt bei Weitem nicht den Bedarf. Gleichzeitig verhindern langjährige günstige Wohnverhältnisse SeniorInnen einen Umzug in eine meist teurere barrierefreie Wohnung. Die Abnahme gesundheitsbezogener Dienste infolge von Bevölkerungsrückgängen führt zu einer drohenden Unterversorgung. Es erfordert ein vorausschauendes integriertes Handeln der relevanten kommunalen Ämter in Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren.«
European Commission (2026): The European Union’s Anti-Poverty Strategy. Addressing and preventing poverty from childhood to old age, Brussels: European Union, May 2026
»The EU Anti-Poverty Strategy sets a clear path toward reaching the EU target laid out in the European Pillar of Social Rights Action Plan of reducing the number of people at risk of poverty and social exclusion by at least 15 million by 2030, as well as helping eradicate poverty by 2050.«
➞ European Commission (2026): Poverty in the EU – key trends and policies, Brussels, 06.05.2026
➞ European Commission (2026): Principles for effective anti-poverty policies. Supporting national, regional and local authorities in their fight against poverty, Brussels, 06.05.2026
➞ European Commission (2026): Proposal for a Council Recommendation on fighting housing exclusion, Brussels, 06.05.2026
Website: EU Anti-Poverty Strategy
Jutta Rump und Anna-Maria Ogermann (2026): Umgang mit und Entwicklung von Fehlzeiten in Unternehmen. Eine empirische Untersuchung, Ludwigshafen: Institut für Beschäftigung und Employability (IBE), April 2026
»Die vorliegende empirische Untersuchung mit über 1.000 Unternehmen beleuchtet die aktuelle Entwicklung von Fehlzeiten, analysiert zentrale Treiber und zeigt, wie Unternehmen mit diesem vielschichtigen Thema umgehen. Darüber hinaus wird deutlich, unter welchen Bedingungen Fehlzeiten als steuerbar wahrgenommen werden und welche Maßnahmen Unternehmen nutzen, um gezielt Einfluss zu nehmen.«
Jürgen Schupp und Sabine Zinn (2026): Mehrheit sieht würdevolles Leben erst oberhalb von 2.000 Euro netto – und damit klar über dem staatlichen Existenzminimum. DIW aktuell, Nr. 118, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), März 2026
Philipp Deschermeier (2026): Die Zeichen stehen wieder auf Schrumpfung. IW-Kurzbericht, Nr. 29/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Die Bevölkerung Deutschlands ist seit Beginn der 2010er Jahre meist stetig gewachsen. Doch 2025 folgte ein leichter Rückgang. Eine Entwicklung, die sich zukünftig als Trend fortsetzen wird, wie Ergebnisse der aktualisierten IW-Bevölkerungsprognose zeigen. Bis 2045 ist ein Rückgang um 2,9 Prozent auf etwa 81,1 Millionen Personen zu erwarten.«
Bernd Fitzenberger (20269: Acht Reformvorschläge zur Stärkung der gesetzlichen Rente: Der entscheidende Hebel ist eine höhere Beschäftigung, in: IAB-Forum, 05.05.2026
»Zwei Jahrzehnte nach der letzten großen Rentenreform soll eine Rentenkommission Vorschläge erarbeiten, um die Finanzierung der gesetzlichen Rente auf eine langfristig stabile Basis zu stellen. Dabei muss es insbesondere darum gehen, Ältere noch länger als bisher in Beschäftigung zu halten. Hierzu bedarf es mehrerer Stellschrauben, die über rein rentenrechtliche Regelungen hinausgehen.«
Hans-Dieter Nolting et al. (2026): Entwicklung der Pflegeprävalenzen und Weiterentwicklungsbedarf des Begutachtungsinstruments. Erklärungsfaktoren für die Entwicklung der Pflegeprävalenzen seit 2017 sowie Bestandsaufnahme zu möglichen Weiterentwicklungsbedarfen des Begutachtungsinstruments. Abschlussbericht für den GKV-Spitzenverband, Berlin: IGES Institut, April 2026
Robert Koch-Institut (2026): Pflegebedürftigkeit und (informelle) Pflege in Deutschland – Status Quo, Berlin, Mai 2026
PKV (2026): Für eine gute Versorgung der Pflegebedürftigen. Das 5-Punkte-Sofortprogramm für eine Pflegeversicherung, die den Bedürfnissen der Menschen gerecht wird, Köln: Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV), April 2026
Magdalena Köppen (2026): Zwischen Anspruch und Realität: die Umsetzung des Schlichtungsverfahrens im Jobcenter. IAB-Forschungsbericht, Nr.6/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026
»Mit der Bürgergeldreform wurde zum 1. Juli 2023 erstmals ein gesetzlich verankertes Schlichtungsverfahren in der Grundsicherung für Arbeitsuchende eingeführt (§ 15a SGB II). Das Verfahren wurde mit dem Anspruch eingeführt, bei Meinungsverschiedenheiten über den Kooperationsplan eine konsensuale Lösung auf Augenhöhe zu ermöglichen, bevor Konflikte eskalieren oder rechtliche Auseinandersetzungen entstehen. Der Forschungsbericht untersucht erstmals empirisch, wie das Verfahren umgesetzt und die institutionellen Anforderungen an das Verfahren in der Praxis eingelöst werden. Die Befunde zeigen: Zwischen Anspruch und gelebter Praxis gibt es Spannungen – nicht trotz, sondern teilweise wegen der dezentralen Gestaltungslogik, die dem Instrument zugrunde liegt. Zugleich deuten sie darauf hin, dass auch Unschärfen und widersprüchliche Anforderungen im rechtlichen und konzeptionellen Rahmen selbst zu diesen Spannungen beitragen.«
Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2026): Aufbruch aus der Mehrfachkrise: Gerechte Finanzpolitik, stabiler Sozialstaat und nachhaltige Transformation. Memorandum 2026, Bremen, April 2026
Phillip Käding und Valentin Persau (2026): Erneuerung ermöglichen. Impulse für eine zukunftsfähige Finanz- und Sozialpolitik, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, April 2026
Sekou Keita und Alexander Kubis (2026): Deutschkenntnisse und Arbeitsmarktintegration: Die Hälfte der Betriebe fordert bei Einstellungen mindestens ein B2-Sprachniveau. IAB-Kurzbericht, Nr. 7/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2026
»Deutschland ist in den kommenden Jahren stärker auf Zuwanderung angewiesen, um den Bedarf an Arbeits- und Fachkräften zu decken. Viele Zugewanderte bringen allerdings zu Beginn nur begrenzte Deutschkenntnisse mit. Die aktuellen Daten der IAB-Stellenerhebung zeigen, dass ein großer Teil der Betriebe bei Neueinstellungen mindestens ein B2-Sprachniveau voraussetzt. Unter bestimmten Bedingungen berücksichtigen Betriebe jedoch auch Personen mit geringeren Deutschkenntnissen – etwa, wenn sie an Sprachkursen teilnehmen oder das Anforderungsprofil der Stelle dies zulässt.«
Ludger Wößmann et al. (2026): Der Chancenmonitor von ifo und „Ein Herz für Kinder”. Große Bildungsunterschiede nach sozialer Herkunft – Jungen seltener auf dem Gymnasium. Ifo Schnelldienst digital N5. 5/2026, München: ifo Institut, April 2026
Rainer Schlegel (2026): Prozessuale Möglichkeiten einzelner Versicherter, einzelner Krankenkassen und des GKV-Spitzenverbandes gegen die verfassungswidrige oder sonst rechtswidrige Heranziehung von Beitragsmitteln zur Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben. Rechtsgutachten für den GKV-Spitzenverband, 22. April 2026
Helge Emmler und Daniel Seikel (2026): Die Wählerschaft des BSW bei der Bundestagswahl 2025. Befunde aus der WSI-Nachwahlbefragung. WSI-Report Nr. 112, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2026
»Daten der WSI-Erwerbspersonenbefragung zeigen, dass die Partei besonders häufig von Frauen und in Ostdeutschland gewählt wurde. Die meisten BSW-Wähler kombinieren linke wirtschafts- und sozialpolitische Präferenzen mit konservativen oder liberalen gesellschaftspolitischen Einstellungen.«
Hanna Merki et al. (2026): Wer Reformen will, muss Kitas bauen. Warum Reformen von Ehegattensplitting und Co. durch Betreuungsinvestitionen flankiert werden sollten, Berlin: Dezernat Zukunft. Institut für Mikrofinanzen, April 2027
Die Bundesregierung plant Reformen, um Erwerbsanreize zu stärken und Menschen zu mehr Arbeit zu bewegen. In Rede stehen etwa Änderungen beim Ehegattensplitting, bei der beitragsfreien Mitversicherung und den Transferentzugsraten im Sozialleistungssystem. Wir zeigen in diesem Papier, dass ein einseitiger Fokus auf Erwerbsanreize nicht ausreicht. Einer der häufigsten Gründe für geringe Erwerbstätigkeit ist der Mangel an Betreuungsangeboten. Reformen können ihre volle Wirkung nur entfalten, wenn sie durch den Ausbau von Kitas und Ganztag flankiert werden. Beim Ehegattensplitting und der Mitversicherung ist ca. ein Drittel des zu gewinnenden Erwerbspotenzials nur erreichbar, wenn zeitgleich Betreuungskapazitäten geschaffen werden. Die Haushalte von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialversicherungen könnten durch ein kombiniertes Programm aus Arbeitsmarktreformen und Betreuungsausbau pro Jahr spürbar um ca. 16 Milliarden Euro entlastet werden.«
Wido Geis-Thöne (2026): Zugewanderte Fachkräfte leben oft in den Stadtstaaten und im Süden. IW-Kurzbericht, Nr. 30/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Während in den Stadtstaaten, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zwischen 16 Prozent und 21 Prozent der Gesamtbevölkerung im Alter zwischen 25- bis 64 Jahren Personen auf zugewanderten Personen mit beruflichen oder hochschulischen Abschlüssen entfällt, sind es in ostdeutschen Flächenländer nur zwischen 6 Prozent und 8 Prozent.«
Anne Sanders (2026): Evidenzbasierte Justizforschung für effektive Rechts- und Justizpolitik, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
»Handlungsfähige Gerichte sind unerlässlicher Bestandteil eines handlungsfähigen Staats. Eine evidenzbasierte interdisziplinäre Justizforschung, die die Organisation der Justiz und die Grundlagen der Rechtsstaatlichkeit in den Blick nimmt, aber auch Zukunftsfragen wie zum Beispiel die Digitalisierung auch mit Blick ins Ausland untersucht, kann eine wichtige Grundlage für eine effektive Rechts- und Justizpolitik liefern.«
Rieke Burfeind et al. (2026): Was hält Rheinland-Pfalz zusammen? Impulse für Gemeinschaft und Teilhabe, Mainz: Friedrich-Ebert-Stiftung, Regionalbüro Rheinland-Pfalz/Saarland 2026
Felipe Argüello Guerra et al. (2026): Bedarfslagen und Versorgung bei Menschen mit außerklinischer Intensivpflege. Ein systematischer Überblick auf Basis von Routinedaten, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), April 2026
Europäische Kommission (2026): Strategie für Generationengerechtigkeit, Brüssel, März 2026
Kathrin Jürchott et al. (2026): Pflegeeintritt und Erstbegutachtung bei betagten Menschen im Zeitverlauf. Ein empirischer Beitrag auf Basis von Daten der Sozialen Pflegeversicherung und der Medizinischen Dienste, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), April 2026
Arbeitnehmerkammer Bremen/Arbeitskammer des Saarlandes/DGB (2026): Sozialstaatsradar 2026, Berlin, April 2026
Unabhängige Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ (2026): Bestandsaufnahme, Berlin: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), April 2026
Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband (2026): Drohender Kahlschlag im Sozialen. Ein aktuelles Arbeitspapier von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden enthüllt drastische Kürzungspläne in der Kinder- und Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe, Berlin, April 2026
Susanne Wanger et al. (2026): Arbeitszeit im Wandel – Wie sich Wohlstand trotz sinkenden Arbeitskräfteangebots sichern lässt, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026
»Die Gesellschaft altert, weshalb das Arbeitskräfteangebot sinkt. Wie kann dennoch Wohlstand gesichert werden? Ein Ansatz ist die Arbeitszeit. In Deutschland steht die hohe Teilzeitquote in der Kritik; eine Ausweitung der Arbeitsstunden wird gefordert. Die Beiträge dieses Zeitgesprächs plädieren für einen differenzierten Blick: Die hohe Teilzeitquote ist im Wesentlichen die Folge einer zuletzt gestiegenen Gesamtbeschäftigung. Zudem ist eine Ausweitung der Arbeitszeit für viele – insbesondere verheiratete Frauen – finanziell wenig attraktiv. Auch haben sich die Präferenzen der Menschen hinsichtlich der Arbeitszeit verändert. Dennoch ist ein höheres Arbeitsvolumen möglich: Es ließe sich durch bessere Anreize im Steuer- und Transfersystem, flexiblere Arbeitsmodelle und eine bessere Kinderbetreuung erreichen. Darüber hinaus eröffnen technologische Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, Produktivitätspotenziale für Wachstum.«
Mariella Falkenhain und Sarah Bernhard (2026): Der Job-Turbo für Geflüchtete aus Sicht von Vermittlungsfachkräften: eine kritische Bilanz, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026
»Mit dem Job-Turbo sollen Geflüchtete schnell und nachhaltig in Arbeit gebracht werden. Dieses Ziel erscheint ambitioniert angesichts zahlreicher struktureller Hürden. Dieser Beitrag untersucht, wie Vermittlungsfachkräfte in deutschen Jobcentern den Job-Turbo und seine operativen Vorgaben sowie die Rahmenbedingungen für die Vermittlung von Geflüchteten einschätzen. Es zeigt sich ein deutliches Bild: Fachkräfte lehnen den Job-Turbo mehrheitlich ab, bewerten die Ziele für die gesamte Zielgruppe als schwer erreichbar und enge Vorgaben zur Häufigkeit von Beratungsgesprächen als wenig förderlich. Vermittlungsfachkräfte in spezialisierten Sonderteams sehen die Reform leicht positiver. Die Ergebnisse können für Probleme auf der Arbeitsebene der Arbeitsverwaltung sensibilisieren und sind relevant für die Nachhaltigkeit der Reform.«
Robert M. Rühl (2026): Die ResilienzRente: Ein Reformkonzept für eine leistungsgerechte Rentenversicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026
»Die Rentendebatte kreist um alte Konzepte – doch die demografischen Herausforderungen verlangen andere Ansätze. Mit der „ResilienzRente“ wird ein Modell vorgestellt, das die strukturelle Benachteiligung einer geringeren Lebenserwartung korrigiert, die mit niedrigeren Einkommen einhergeht. Eine Simulation der Effekte bis 2060 zeigt: Systemstabilität und Beitragsgerechtigkeit lassen sich durch degressive Mechanismen wirksam miteinander verbinden.«
Stefan Mangelsdorf (2026): Resilienz durch Solidarität: Die Lastenverteilung in der gesetzlichen Unfallversicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026
»Die gesetzliche Unfallversicherung steht durch Strukturwandel und demografische Veränderungen unter Druck, da bestehende Rentenansprüche einer wegbrechenden Beitragsbasis gegenüberstehen. Im Zuge der Reform 2008 wurde die Zahl der Berufsgenossenschaften drastisch reduziert und ein neuer Lastenausgleich etabliert. Eine erste Bilanz zeigt, dass das System seitdem wirksam stabilisiert wurde, besonders betroffene Branchen entlastet wurden und zugleich Anreize zur Prävention aufrechterhalten werden. Ein anhaltender Trend: klassische Industriebranchen gehören vermehrt zu den Empfängern. Insgesamt stärkt die Reform die Resilienz und Finanzierungsbasis der GUV, auch wenn zukünftige Transformationen neue Herausforderungen für die Tragfähigkeit mit sich bringen.«
Nina Weimann-Sandig und Mathias Duderstadt (2026): Zeitarbeit in Kitas im Spannungsfeld von Mangel und Qualität. Empirische Einblicke in Organisation, Motivation und Qualitätssicherung pädagogischer Zeitarbeit. Forschungsförderung Working Paper Nr. 405, Düsseldorf: Hand-Böckler-Stiftung, April 2026
»Der Fachkräftemangel in Kitas zwingt die Träger, neue Wege zu gehen – Zeitarbeit gilt dabei als Rettungsanker und Reizthema zugleich. Dieses Working Paper beleuchtet, wie Personaldienstleister pädagogische Fachkräfte vermitteln, welche Motive die Beschäftigten zur Zeitarbeit veranlassen und wie die Einrichtungen mit der neuen Flexibilität umgehen. Auf Basis der qualitativen Interviews und Gruppendiskussionen aus dem Projekt „Beschäftigungsverhältnisse in der Kindertagesbetreuung“ zeigt die Studie: Zeitarbeit stabilisiert den Betrieb zwar kurzfristig, verstärkt langfristig aber die strukturellen Spannungen zwischen Professionalität, Marktlogik und pädagogischer Verantwortung. Ein analytischer Blick auf ein ambivalentes Instrument im deutschen System der frühen Bildung und Betreuung.«
Florian Blank et al. (2026): Stellschrauben und Scheinlösungen in der gesetzlichen Rentenversicherung – Simulationsergebnisse verschiedener Reformvorschläge. IMK Policy Brief Nr. 211, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2026
»Mit dem Rentenmodell DyReMo werden verschiedene Varianten der künftigen Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung sowie Reformen simuliert und die Folgen für Beitragssatz, Sicherungsniveau, Zahlungen aus dem Bundeshaushalt und implizite Renditen analysiert. Dabei werden eine veränderte Zuwanderung, eine bessere/schlechtere Arbeitsmarktentwicklung, die Erhöhung der Regelaltersgrenze, der Vorschlag der Jungen Union zur Rücknahme zusätzlicher Bundesmittel, eine Veränderung des Parameters alpha im Nachhaltigkeitsfaktor der Rentenformel sowie der Einbezug von Selbstständigen in die gesetzliche Rentenversicherung untersucht. Es wird gezeigt, dass vor allem eine verstärkte Zuwanderung und eine verbesserte Arbeitsmarktentwicklung in der Lage sind, zugleich die Beitragssätze gegenüber dem Basisszenario zu senken, das Rentenniveau zu stabilisieren sowie die internen Renditen der jüngeren Kohorten zu verbessern. Die meisten anderen Reformvorschläge erfüllen mindestens eines dieser Kriterien nicht und belasten oft entgegen der erhofften Wirkung jüngere Generationen. Eine Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige wirkt zwar positiv auf alle Kennziffern, greift aber erst langfristig.«
Svenja Pfahl et al. (2026): Arbeitszeiten aus Sicht von Männern mit Care-Verantwortung – Arbeitszeitzufriedenheit von Vätern und pflegenden Männern aus Produktion und produktionsnahen Bereichen. Forschungsförderung Working Paper Nr. 403, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, April 2026
»Im Fokus steht die Arbeitszeitzufriedenheit von Männern mit Kindern und/oder Pflegeaufgaben, die in der Produktion oder produktionsnahen Bereichen arbeiten. Die Studie zeigt, wie sich Care-Verantwortung bei männlichen Produktionsmitarbeitern in Hinblick auf ihre Arbeitszufriedenheit auswirkt. Es wird deutlich, dass Schichtarbeit und die Pflege von Angehörigen die Arbeitszufriedenheit der Männer negativ beeinflussen, genauso wie eine Vielzahl von ungünstigen Arbeitszeitbedingungen. Die Arbeitszeitzufriedenheit dieser Beschäftigtengruppe wird längst nicht mehr allein durch Dauer, Lage und Verteilung der Arbeitszeit bestimmt: Die Faktoren Planbarkeit und Zeitdruck in der Arbeit gewinnen zunehmend an Bedeutung.«
Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 17/2026: Demografie
In immer mehr Ländern altert und schrumpft die Bevölkerung. Schon heute leben mehr als zwei Drittel der Menschheit in Staaten, in denen die Geburtenrate unter dem für den Bestandserhalt notwendigen Niveau von 2,1 Kindern pro Frau liegt. Das Ergebnis ist eine beispiellose Verschiebung der Altersstruktur, die Gesellschaften und politische Systeme weltweit vor Herausforderungen stellt. Für Deutschland gilt dies in besonderer Weise: Seit 1972 sterben hierzulande mehr Menschen, als geboren werden. Die Folgen reichen über die Wirtschaft hinaus: In vielen, vor allem ländlichen Regionen droht das soziale Netz zu schwinden, das die Menschen im Alltag stützt – Nachbarschaften, Versorgungsstrukturen und gewachsene Gemeinschaften.
Marcus Borlinghaus et al. (2026): Private und betriebliche Altersvorsoge ist zwischen den Einkommensgruppen ungleich verbreitet, in: DIW Wochenbericht, Nr. 16+17/2026
»Neben der gesetzlichen Rentenversicherung sollen betriebliche und private Altersvorsorge zur Sicherung des Lebensstandards im Alter beitragen. Neue Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen jedoch, dass zusätzliche Altersvorsorge in Deutschland weiterhin wenig verbreitet ist und sich stark zwischen Bevölkerungsgruppen unterscheidet. Unter heutigen Rentner*innen beziehen nur wenige eine private Rente. In der Erwerbsbevölkerung hat sich die Verbreitung von Riester-Verträgen seit Mitte der 2010er Jahre nicht mehr erhöht und ist zuletzt sogar gesunken. Zudem bestehen weiterhin deutliche Unterschiede in der Verbreitung nach Einkommen, Bildungsniveau und Migrationshintergrund. Deutlich verbreiteter ist die betriebliche Altersvorsorge, wobei auch hier erhebliche Unterschiede nach Geschlecht, Region, ehemaliger Branche und Betriebsgröße bestehen. Die Ergebnisse zeigen, dass zusätzliche Altersvorsorge bislang nicht alle Haushalte erreicht und bestehende Unterschiede in der gesetzlichen Rentenversicherung verstärkt. Reformen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge sollten daher darauf abzielen, insbesondere Gruppen mit bislang geringer Vorsorge stärker einzubeziehen. Gleichzeitig zeigen Umfragen eine breite gesellschaftliche Unterstützung für eine zentrale Rolle des Staates bei der Sicherung des Lebensstandards im Alter, was für eine systematischere Steuerung und klarere Ausgestaltung der Vorsorgesäulen spricht.«
Bettina Kohlrausch und Noémie Zurlinden (2026): Arbeitszeitflexibilisierung und lange Erwerbsarbeitszeiten: Warum die Schweiz kein Vorbild ist, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2026
»Längere Arbeitszeiten – um den Preis hoher Teilzeitquoten, Stress, emotionaler Erschöpfung durch Arbeitsdruck und Zeitnot mit Milliardenkosten für die Wirtschaft.«
Dorothea Czarnecki (2026): Grenzüberschreitende Verweisung von Betroffenen des Menschenhandels. Anforderungen an eine nationale Kontaktstelle in Deutschland, Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte, März 2026
»Die Analyse bietet einen Überblick über die europarechtlichen Grundlagen einer Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Verweisung von Betroffenen von Menschenhandel, über ihre Rolle, Bedarfe und Aufgaben. Auch zahlreiche Erfahrungen mit nationalen und transnationalen Verweisungsmechanismen konnten einfließen. Sie erstellt Leitlinien, die die Benennung von Kontaktstellen in den EU-Mitgliedstaaten vereinfachen können, und schließt mit Überlegungen zur Benennung einer Kontaktstelle in Deutschland.«
Jörg Heining et al. (2026): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2026: Konjunkturschwäche belastet die regionalen Arbeitsmärkte weiterhin. IAB-Kurzbericht, Nr. 6/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2026
»Trotz der etwas besseren konjunkturellen Aussichten bleibt die Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte schwach. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt 2026 voraussichtlich in zehn von 16 Bundesländern. Die Arbeitslosigkeit nimmt in den meisten Bundesländern weiter zu.«
➔ dazu: Christian Keitel (2026): IAB-Regionalprognose 2026: „Ein flächendeckender Beschäftigungsaufbau ist nicht in Sicht“, in: IAB-Forum, 10.04.2026
Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH (2026): Wege zur Pflegevollversicherung mit der Pflegezusatzversicherung, Köln, April 2026
Kseniia Gatskova und Sekou Keita (2026): Potenzielle Auswirkungen des Rechtskreiswechsels auf geflüchtete Frauen aus der Ukraine, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
➔ 2., korrigierte Auflage, Juni 2026
»Die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter entwickelt sich positiv, bleibt aber besonders für Frauen mit Sorgeverantwortung voraussetzungsreich. Seit dem 1. April 2025 gilt für neu eingereiste Geflüchtete aus der Ukraine das Asylbewerberleistungsgesetz. Mit dem Auslaufen des temporären Schutzstatus im März 2027 könnte dieser Rechtskreiswechsel breiter wirksam werden. Kürzungen, geänderte Förderstrukturen und wachsende Unsicherheit erschweren eine nachhaltige Integration. Entscheidend bleiben gezielte Förderung, Planungssicherheit und soziale Teilhabe.«
Wido Geis-Thöne (2026): Partnerschaften zwischen zugewanderten und im Inland geborenen Personen, in: IW-Trends, Nr. 1/2026, S. 27-48
»Für die Integration zugewanderter Personen ist es von Bedeutung, wie stark sich die Beziehungsnetzwerke der zugewanderten und nicht-migrantischen Bevölkerung miteinander verzahnen. Die engste Form der selbst gewählten Beziehungen stellt dabei die Partnerschaft mit gemeinsamer Haushaltsführung dar. Eine eigene Auswertung des Mikrozensus ergibt, dass 11,2 Prozent der zugewanderten Personen im Alter zwischen 25 und 64 Jahren in Deutschland im Jahr 2022 in einer Beziehung mit einer in Deutschland geborenen Person ohne zugewanderte Eltern oder Einwanderungsgeschichte lebten. Betrachtet man nur Personen, die sich in einer Partnerschaft befunden haben, waren es sogar 16,0 Prozent. Dabei steigt der Anteil mit dem Qualifikationsniveau und es zeigen sich größere Unterschiede je nach Herkunftsregion.«
Bundesagentur für Arbeit (2026): Kohortenbasierte Verbleibsanalyse syrischer Staatsangehöriger, Nürnberg, März 2026
»Der Bericht beschreibt methodische Grundlagen, Konzeption und Umsetzung der kohortenbasierten Verbleibsanalyse syrischer Staatsangehörigen auf Basis der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ziel ist die konsistente Beobachtung der Integrationsverläufe von Personen mit syrischer Staatsangehörigkeit ab deren erstem Zugang in die Grundsicherungsstatistik der BA über mehrere Jahre.«
Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 13/2026: Zivilgesellschaft
Demokratie lebt vom Mitmachen: Sie ist elementar darauf angewiesen, dass Bürgerinnen und Bürger sich freiwillig für das Gemeinwohl engagieren – sei es in der örtlichen Feuerwehr, in einer Kulturinitiative, im Schützenverein, in einer Gewerkschaft oder auch ohne organisatorische Anbindung. Die Zivilgesellschaft erfüllt damit wichtige soziale Aufgaben und entlastet auf diese Weise den Staat, der gemeinnützigen Organisationen im Gegenzug Steuervorteile gewährt und Fördermittel zukommen lässt.Doch wie politisch dürfen gemeinnützige Organisationen sein? Parteipolitisch müssen sie sich neutral verhalten – aber wo verläuft die Grenze zwischen Partikular- und Gemeinwohlinteresse, zwischen zulässigem politischen und unzulässigem parteipolitischen Engagement?
Matthias Gruhl (2026): Reformbedarf in der Primärversorgung. Für ein zukunftsfestes Gesundheits- und Pflegewesen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
Thorsten Schulten (2026): Streiks ohne Ende? Mythen und Fakten über Arbeitskämpfe in Deutschland, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, März 2026
Frank Nitzsche und Lars Czommer (2026): Tafeln. Orte sozialer Verantwortung in Nordrhein-Westfalen. G.I.B.-Beiträge zur Arbeits- und Sozialpolitik 2026/06, Bottrop: G.I.B. – Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH, Februar 2026
»Während Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel jährlich im Müll landen, wächst gleichzeitig die Zahl der Menschen, die sich ausreichende und gesunde Ernährung kaum noch leisten können. In Nordrhein-Westfalen geben die „Tafeln“ lokale Antworten auf diese soziale Schieflage – als Orte gelebter Solidarität, nachhaltigen Wirtschaftens und konkreter Bekämpfung von Armutsfolgen. Doch die Rolle der Tafeln geht längst über das bloße Umverteilen von Lebensmitteln hinaus.«
Virginia Sondergeld et al. (2026): Transformationspotenzial durch KI betrifft ebenso Männer wie Frauen auf dem Arbeitsmarkt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 14+15/2026
»Der technologische Fortschritt im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz (KI) wird den Arbeitsmarkt in Zukunft stark verändern. Das Transformationspotenzial durch KI unterscheidet sich dabei stark zwischen Berufen. Da der deutsche Arbeitsmarkt deutlich nach Geschlechtern segregiert ist, stellt sich die Frage, ob die Transformation durch generative KI Frauen und Männer unterschiedlich betreffen wird. Werden Daten zum Transformationspotenzial einzelner Berufsgruppen dem jeweiligen Anteil weiblicher Beschäftigter gegenübergestellt, so zeigt sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in einer Berufsgruppe und dem Transformationspotenzial durch KI. Sowohl einige sehr stark frauendominierte als auch einige sehr stark männerdominierte Berufsgruppen, wie die Kinderbetreuung oder der Bau, wird KI sehr wenig verändern. Die meisten der Berufe mit hohem Transformationspotenzial haben hingegen einen eher ausgewogenen Anteil an männlichen und weiblichen Beschäftigten. Da sich voraussichtlich aber nahezu alle Berufe durch die KI-Transformation verändern werden, gibt es für alle Beschäftigten – Frauen wie Männer – Bedarf an einschlägiger Weiterbildung. Hierbei sollte die in manchen Studien beobachtete geschlechtsspezifische Lücke in KI-Kompetenzen möglichst geschlossen werden.«
Anna Bindler und Andreea-Maria Stoica (2026): Cannabiskonsum nach Teillegalisierung stabil, Kokain nimmt seit Jahren zu, in: DIW Wochenbericht, Nr. 13/2026
»Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Cannabis-Teillegalisierung untersucht dieser Wochenbericht aktuelle Entwicklungen auf Cannabis- und anderen Drogenmärkten in Deutschland. Grundlage sind Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik, bevölkerungsrepräsentative Befragungen, Abwassermessungen sowie Preisinformationen. Die Zahl registrierter Cannabis- und Rauschgiftdelikte ist 2024 deutlich zurückgegangen, was primär einen statistischen Effekt widerspiegelt. Beim Cannabiskonsum zeigen Befragungs- und Abwasserdaten kurzfristig keine systematischen Veränderungen. Cannabispreise bleiben ebenfalls weitgehend stabil. Verschiedene Indikatoren zeigen eine zunehmende Dynamik bei anderen illegalen Substanzen, insbesondere Kokain und Methamphetamin, die regional unterschiedlich ausgeprägt ist. Veränderungen in Gewalt- oder Beschaffungskriminalität lassen sich bislang nicht zeitlich mit der Reform in Verbindung bringen. Insgesamt deuten die verfügbaren Daten darauf hin, dass die Teillegalisierung kurzfristig vor allem strafrechtliche Effekte hatte, während Entwicklungen auf anderen Drogenmärkten eigenständigen Trends folgen. Prävention und Beobachtung dieser Märkte bleiben daher zentrale politische Herausforderungen.«
Axel Börsch-Supan und Franz Ruland (2026): Reformoptionen der Rentenpolitik, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2026, S. 67-71
»Wieder einmal steht die gesetzliche Rentenversicherung im Fokus der Politik und des öffentlichen Interesses. Reformen sind nicht nur wegen des demografischen Wandels, sondern auch wegen der gesamtwirtschaftlichen Lage und der in den letzten Jahren getroffenen teuren Fehlentscheidungen der Politik notwendig. Die jetzige Koalition hat mit der Haltelinie bis 2031 und der nochmaligen Verlängerung der „Mütterrente“ die Rentenfinanzen zusätzlich milliardenschwer belastet. Gleichzeitig hat sie eine Reformkommission eingesetzt, die mit anderen Maßnahmen die Rentenversicherung wieder zukunftsfest machen soll. Täglich gibt es neue Vorschläge. Der Beitrag von Axel Börsch-Supan und Frank Ruland lotet aus volkswirtschaftlicher und juristischer Sicht aus, welche davon der Rentenpolitik tatsächlich zur Verfügung stehen.«
Clara Albrecht et al. (2026): Frühestmögliche Prävention durch Integration: Staatsbürgerschaft bei Geburt und Jugendkriminalität, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2026
»Wenn Jugendkriminalität in den Fokus der öffentlichen Debatte rückt, fordern Politiker*innen häufig ein härteres Durchgreifen der Polizei und strengere Strafen. Dabei bleibt die Wirksamkeit frühzeitiger Prävention zur Verringerung von Kriminalität oft unberücksichtigt, etwa durch Investitionen in Bildung, Beschäftigungsmöglichkeiten, institutionelles Vertrauen und die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls. Unsere Studie kombiniert Einzelfalldaten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aus drei deutschen Bundesländern mit einem neuartigen empirischen Ansatz, um eine bislang wenig beachtete Maßnahme zur präventiven Verringerung der Jugendkriminalität, die bereits bei der Geburt ansetzt, kausal zu untersuchen: das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft (Ius soli). Wir zeigen, dass der Erwerb der Staatsbürgerschaft durch Geburt die Kriminalität unter Jugendlichen der zweiten und dritten Einwanderergeneration um ungefähr 70 % senkt.«
Katja Schumacher et al. (2026): Energiearmut auf Bundesländerebene. Betroffene Haushalte im Vergleich und Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen, Freiburg, Darmstadt, Berlin: Öko-Institut, April 2026
»Energiearmut betrifft Haushalte, die einen unverhältnismäßig hohen Teil ihres Einkommens für Energie aufwenden oder ihre Grundbedürfnisse bei Wärme, Strom und Mobilität nicht decken können. Steigende Preise, soziale Ungleichheiten und ineffiziente Gebäude verschärfen das Problem, besonders für einkommensschwache Haushalte, Alleinerziehende und Bewohner schlecht gedämmter Wohnungen. Da regionale Unterschiede in Einkommen, Gebäudestruktur und Heizsystemen stark variieren, ist eine Betrachtung auf Bundesländerebene zentral. Bisher fehlen jedoch einheitliche Definitionen, konsistente Daten und systematische Monitoringansätze für Energiearmut. Quantitative Indikatoren, qualitative Typologien und Persona‑Ansätze ermöglichen eine differenzierte Analyse, insbesondere wenn sie mit Mikrodaten wie EU‑SILC oder der EVS verknüpft werden. Der Policy Brief schätzt daher die Betroffenheit in den Bundesländern ab und vergleicht Energiearmut sowohl für Strom‑ und Wärmeverbrauch insgesamt als auch speziell für den Wärmebereich. Er schließt mit Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen.«
Holger Schäfer und Oliver Stettes (2026): Längere Arbeitszeiten. IW-Report, Nr. 13/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Die gegenwärtige konjunkturelle Krise und damit einhergehende Schwäche der Arbeitskräftenachfrage ändern nichts an der Tatsache, dass das Arbeitskräftepotenzial dramatisch schrumpft. Damit dies nicht in einen wachstumsbegrenzenden Rückgang des Arbeitsangebots mündet, müssen Mechanismen zur Kompensation greifen: Ausweitung des Potenzials durch Fachkräftezuwanderung, Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und Ausweitung der Arbeitszeit. Es muss damit gerechnet werden, dass das Potenzial aus der Zuwanderung begrenzt bleiben wird und sich die Erwerbsbeteiligung bestenfalls in einer längeren Frist erhöhen lässt. Auch das Potenzial, das mit einer Aktivierung Arbeitsloser erschlossen werden könnte, reicht nicht aus. Damit verbleibt die Arbeitszeitverlängerung als eine entscheidende Stellschraube zur Bewältigung der demografischen Lasten.«
Sara Schulte und Max Krahé (2026): Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik. Von Objekt- zu Subjektförderung und zurück?, Berlin, März 2026
»Wohnen ist die neue soziale Frage in Deutschland. Mieten und Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig ist bezahlbarer Wohnraum die Grundlage sozialer, wirtschaftlicher und politischer Stabilität. In diesem Papier beleuchten wir die Rolle der Fiskalpolitik. Mit welchen fiskalischen Instrumenten können diese Spannungen entschärft werden? Und wie wurden die Instrumente historisch eingesetzt? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir die wohnungspolitischen Ausgaben von Bund und Ländern – von 1965 bis 1990 für Westdeutschland, ab 1991 für das gesamte Bundesgebiet – analysiert. Auf Grundlage des ersten konsolidierten Datensatzes zu Subjekt- und Objektförderung identifizieren wir fünf historische Phasen der Wohnungsfiskalpolitik. Das zentrale Ergebnis: Der Schwerpunkt der Wohnraumförderung hat sich von Objekt- zu Subjektförderung verschoben. Damit hat sich die Wohnungspolitik in eine teure Zwickmühle manövriert. Während die Subjektförderung kurzfristig soziale Härten abfedert, lässt sie strukturelle Probleme unberührt und treibt die Mietpreise teils noch höher. Die Objektförderung ist zwar im Aufwärtstrend, aber fällt im historischen Vergleich schwach aus. Die Wohnungsfiskalpolitik so weiterzuentwickeln, dass sie dauerhaft bezahlbaren Wohnraum liefert, aber dabei selbst bezahlbar bleibt, wird eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre.«
Deutscher Pflegerat (2026): Positionspapier „Primärversorgung zukunftsfest gestalten – Pflegekompetenz konsequent einbinden“, Berlin, März 2026
Jakob Manthey et al. (2026): Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN): 2. Zwischenbericht, Hamburg, April 2026
»Am 1. April 2024 ist das Konsumcannabisgesetz in Kraft getreten, wodurch der Besitz und Anbau von Cannabis in bestimmten Grenzen legalisiert wurden. Das Forschungsprojekt „Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“ (EKOCAN) untersucht die Auswirkungen dieser Teillegalisierung auf den Kinder- und Jugendschutz, den Gesundheitsschutz sowie die cannabisbezogene Kriminalität. Der zweite Zwischenbericht fasst die Forschungsergebnisse auf Basis der bis März 2026 verfügbaren Informationen zusammen.«
Dagmar Pattloch (2026): Kennzahl Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer. Hintergrundgespräch der Alterssicherungskommission, 06.03.2026
Martin Hasselhorn (2026): Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand. Ergebnisse der deutschen lidA-Studie, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Im vorliegenden Forschungsbericht wird das Erwerbspotenzial der Personen im frühen Ruhestand untersucht, also inwieweit sie weiterhin erwerbstätig sind oder grundsätzlich zur Erwerbstätigkeit bereit wären. Grundlage bildet die vierte Erhebungswelle der repräsentativen lidA-Studie (www.lida-studie.de, 2022/23) mit 8.884 Befragten, darunter 903 Personen im frühen Ruhestand, die meisten im Alter von 63 Jahren. Diese Daten ermöglichen erstmals eine differenzierte arbeitswissenschaftliche Analyse von Erwerbstätigkeit und Erwerbsbereitschaft in der Lebensphase zwischen Arbeitsleben und Regelaltersgrenze.«
➔ Bertelsmann Stiftung: Zentrale Ergebnisse zur Studie Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand, März 2026
Mattia Lisa Müller et al. (2026): Lern- und Entwicklungsaufgaben des Ausbildungspersonals. Ergebnisse einer strukturierten Literaturanalyse nach PRISMA. Working Paper Forschungsförderung Nr. 401, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, März 2026
»Das betriebliche Bildungspersonal trägt wesentlich zur Qualität beruflicher Bildung bei, steht jedoch steigenden Anforderungen gegenüber. Über Lern- und Entwicklungswege der Ausbilder in der Praxis ist wenig bekannt. Ihre Kompetenzentwicklung findet häufig als Erfahrungslernen im Berufsalltag statt. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer gesicherten Erkenntnisbasis für die pädagogisch-didaktische Gestaltung von Qualifizierungsmaßnahmen. Als erster Schritt wurde eine systematische Literaturanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie informelles Lernen, kollegialer Austausch und organisationale Bedingungen die pädagogische Kompetenzentwicklung beeinflussen.«
Deutscher Pflegerat (2026): Zum Begriff der pflegerischen Diagnostik im Rahmen des „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ (BEEP), Berlin, März 2026
»Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat ein Positionspapier zur pflegerischen Diagnostik im Rahmen des „Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ (BEEP) veröffentlicht. Das BEEP stellt klar: Pflegefachpersonen können bei entsprechender Qualifikation bestimmte Leistungen nach ärztlicher oder nach pflegerischer Diagnose eigenverantwortlich erbringen. Dies stärkt den Heilberuf Pflege und die Pflege als Profession. Gleichzeitig verbessert es die pflegerische Versorgung, da pflegerisches Handeln somit ausdrücklich auch auf eigenen pflegerischen Diagnosen fußt.«
Philipp Deschermeier et al. (2026): Mitarbeiterwohnen in Deutschland – Zwischen steigender Relevanz und fortbestehenden Hürden, in: IW-Trends, Nr. 1/2026, S. 49-70
»Die Studie untersucht auf Basis einer Unternehmensbefragung mit dem IW-Personalpanel die Rolle des Mitarbeiterwohnens im Spannungsfeld von Fachkräftemangel und angespannten Wohnungsmärkten in Deutschland. Mitarbeiterwohnen ist kein flächendeckendes Instrument, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Gut ein Fünftel der Unternehmen unterstützt die Beschäftigten indirekt bei der Wohnraumsuche, etwa durch organisatorische oder finanzielle Hilfen. Fast ein Zehntel der befragten Betriebe stellt direkt Wohnraum bereit. Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichten von positiven Effekten auf die Rekrutierung und langfristige Bindung von Fachkräften, während die Effekte bei Auszubildenden und dual Studierenden geringer, aber eben falls relevant sind. Nur wenige Unternehmen planen, in den kommenden fünf Jahren neue Angebote einzuführen. Als zentrale Hemmnisse nennen Unternehmen ungünstige Rahmenbedingungen für die Anmietung von Wohnraum, fehlende Kooperationspartner, rechtliche, organisatorische und steuerliche Unsicherheiten sowie einen hohen administrativen Aufwand. Punktuell kann das Mitarbeiterwohnen zur Entspannung der Wohnungsmärkte beitragen.«
FinanzKommission Gesundheit (2026): Erster Bericht der Finanzkommission Gesundheit. Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab 2027, Berlin, März 2026
➔ Kurzfassung: FinanzKommission Gesundheit (2026): Management Summary. Erster Bericht der Finanzkommission Gesundheit, Berlin, März 2026
Initiative Faire Landarbeit (2026): Bericht 2025. Saisonarbeit in der Landwirtschaft, Frankfurt am Main: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), März 2026
Kathrin Jürchott et al. (2026): Pflegeeintritt und Erstbegutachtung bei betagten Menschen im Zeitverlauf. Ein empirischer Beitrag auf Basis von Daten der Sozialen Pflegeversicherung und der Medizinischen Dienste, Berlin: Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), März 2026
»Während die Zahl der erstmals pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren von 2019 bis 2024 weitgehend konstant geblieben ist, hat sich die Altersstruktur verschoben. Menschen treten zunehmend früher in die Pflegebedürftigkeit ein und beginnen häufiger mit niedrigeren Pflegegraden.«
Bundesfinanzministerium: „Reformen für ein starkes Land“: Rede von Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung am 25.03.2026
Wie modernisieren wir Deutschland? Konkrete Ideen für ein Reformpaket hat Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung vorgestellt. „2026 wird uns Mut abverlangen“, sagte er in seiner Rede. „Deutschland braucht grundlegende Reformen.“
Florian Blank (2026): Wer hat, dem wird gegeben. Der Regierungsentwurf zur Reform der privaten Vorsorge. WSI Policy Brief Nr. 97, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»Im Bundestag wird ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge („Riester-Rente“) diskutiert. Der Policy Brief analysiert die Vorschläge zur Änderung der Förderung durch Zulagen und Sonderausgabenabzug. Im Ergebnis fällt der bisherige Fokus auf die Förderung von Geringverdienern deutlich schwächer aus.«
Yvonne Lott und Eileen Peters (2026): Zurück ins Büro? Verbreitung, Hintergründe und Folgen von Return-to-Office-Initiativen. WSI Policy Brief Nr. 96, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»Immer mehr Unternehmen in Deutschland verpflichten ihre Beschäftigten wieder zur Arbeit im Büro. Diese sogenannten Return-to-Office-Initiativen (RTO) sorgen vielerorts für Unmut – denn Homeoffice ist für viele Menschen längst mehr als ein Arbeitsmodell: Es ermöglicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dieser Policy Brief untersucht, wie weit RTO-Initiativen in Deutschland verbreitet sind und welche Gründe es dafür gibt – offiziell wie inoffiziell. Außerdem beleuchtet er die Folgen für die Beschäftigten: Wie zufrieden sind sie mit der Rückkehr ins Büro? Und welche Auswirkungen hat diese auf ihr Wohlbefinden und ihre Arbeitszufriedenheit? Grundlage der Analyse ist die WSI-Erwerbspersonenbefragung vom November und Dezember 2025.«
Hermann Gartner et al. (2026): Arbeitsmarktentwicklung 2026: Fiskalpolitischer Rückenwind trifft auf geopolitischen Gegenwind. IAB-Kurzbericht, Nr. 5/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich seit drei Jahren schwach. Die Fiskalpakete werden die Konjunktur zwar beleben, mit dem Irankrieg sind allerdings neue geopolitische Risiken hinzugekommen. Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich, insbesondere die Beschäftigungsentwicklung stößt aber an Grenzen. Der Kurzbericht gibt einen Ausblick auf die Entwicklungen im Jahr 2026.«
➔ dazu: Christiane Keitel (2026): IAB-Prognose 2026: „Die Konjunktur profitiert von fiskalischen Impulsen, bleibt aber durchwachsen“, in: IAB-Forum, 24.03.2026: »Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche zeichnet sich für 2026 wieder eine leichte konjunkturelle Belebung ab. Gleichzeitig bleibt das Umfeld angesichts geopolitischer Risiken unsicher. Welche Folgen das für den deutschen Arbeitsmarkt hat, erklärt Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB, im Interview.«
Jurek Tiedemann et al. (2026): Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt – erste Impulse durch Sondervermögen?, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), März 2026
»Im Jahr 2025 konnten durchschnittlich über 369.500 offene Stellen für Qualifizierte rechnerisch nicht besetzt werden, was jeder dritten (33,3 Prozent) offenen Stelle entspricht. Damit ist die Fachkräftelücke gegenüber 2024 um fast ein Viertel (24,1 Prozent) gesunken. Für viele Unternehmen bleibt die Stellenbesetzung dennoch herausfordernd.«
Johanna Siebert und Mara Buchstab (2026): Arbeit und Demokratie an der Basis. Politische Maßnahmen zum Ausbau guter Beschäftigung und demokratischer Teilhabe in der Basisarbeit, Berlin: Das Progressive Zentrum, März 2026
Ulrich Walwei (2026): Instrumente der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik während der Corona-Pandemie – Krisenmanagement und Verbesserungspotenziale. Stellungnahme des IAB anlässlich einer Arbeitsgruppensitzung der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ des Deutschen Bundestags am 26.2.2026. IAB-Stellungnahme, Nr. 5/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Neben der insgesamt positiven Einschätzung des Kriseninstrumentariums werden aus den Erkenntnissen der Wirkungsforschung zum staatlichen Krisenmanagement Verbesserungspotenziale für die Bewältigung künftiger Krisen dieser Art generiert.«
DKG (2026): DKG-Fachkräftemonitoring 2026, Berlin: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), März 2026
Die deutschen Krankenhäuser haben in den vergangenen Jahren umfangreich Personal aufgebaut. Mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten ist das Krankenhauswesen heute einer der bedeutendsten Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktoren Deutschlands. Das sind Ergebnisse des diesjährigen Fachkräftemonitorings der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Die Zahl der Beschäftigten im Pflegedienst, die mit rund 40 Prozent die größte Gruppe der Krankenhausbeschäftigten ausmachen, hat sich dabei besonders stark entwickelt. Umgerechnet in Vollzeitäquivalenten ist sie in den vergangenen zehn Jahren um rund 90.000 auf fast 409.000 im Jahr 2024 gestiegen. Damit wurde die Zahl von 400.000 erstmals überschritten. Die Zahl der Vollzeitäquivalente im ärztlichen Bereich ist im selben Zeitraum um etwa 30.000 auf mehr als 180.000 gewachsen. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Beschäftigten der deutschen Krankenhäuser um 31 Prozent bzw. rund 313.000 gestiegen.
Marcel Helbig, Claudia Karwath und Corinna Kleinert (2026): Von der Kita bis zur Uni. Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen, Münster, New York: Waxmann Verlag, 2026
»Wir wissen, dass sich in Deutschland die soziale Herkunft besonders stark auf den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Andere Fragen sind weniger gut beantwortet: In welchem Alter und wann im Bildungsverlauf entstehen diese sozialen Ungleichheiten und wie entwickeln sie sich weiter? Bei welchen Bildungsindikatoren – Kompetenzen, Bewertungen durch Lehrkräfte und Bildungsentscheidungen – treten sie zutage? Und welche familiären Merkmale – Armut, Bildung, beruflicher Status oder Migrationshintergrund – entscheiden über Bildungskarrieren? Die Studie beantwortet diese Fragen, in dem sie erstmals alle vorschulischen und schulischen Startkohorten des Nationalen Bildungspanels in Deutschland analysiert. Dadurch können Bildungsverläufe von der Kita bis zum Studium untersucht werden. Die Studie richtet sich dabei nicht nur an ein wissenschaftliches Publikum, sondern arbeitet auch für die interessierte Öffentlichkeit heraus, wo und wann sich soziale Ungleichheit (re)produziert.«
➔ dazu: Marcel Helbig et al. (2026): Wann soziale Ungleichheiten entstehen. Analyse sozialer Ungleichheitsmuster von der Geburt bis zum Studieneintritt. LIfBi Forschung kompakt, Bericht Nr. 7, Bamberg: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), März 2026
»Der vorliegende Bericht präsentiert die Kernergebnisse einer Studie, die erstmals umfassend analysiert, wie soziale Herkunft in Deutschland den gesamten Bildungsverlauf eines Menschenbeeinflusst – von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium und Ausbildung. Die Analysezeigt, dass soziale Bildungsungleichheiten bei Kompetenzen sehr früh einsetzen und dann lange stabil bleiben. Bei Zertifikaten verstärken sie sich über sozial ungleiche Bewertungen durch Lehrkräfte und über sozial ungleich geprägte Bildungsverläufe. Die Studie erstellt dabei keine Momentaufnahme, sondern analysiert, wie sich frühentstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln. Die Autoren identifizieren die Quellen der Ungleichheiten im Bildungsverlauf differenziert und liefern damit einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie Bildung in Deutschland gerechter gestaltet werden kann.«
Johannes Steffen (2026): Rentenanpassung 2026. Altersbezüge profitieren vom Lohnzuwachs 2025 – »Nettoquoten-Effekt« lässt Renten aber geringfügig schwächer steigen als die anpassungsrelevanten Bruttolöhne, Berlin, März 2026
Matthias Collischon et al. (2026): Arbeitsbedingungen vor, während und nach der Covid-19-Pandemie: Die Beschäftigungsqualität ist weitgehend stabil geblieben. IAB-Kurzbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Hat die Covid-19-Pandemie unsere Arbeitswelt nachhaltig verändert? Antworten auf diese zentrale Frage gibt eine eingehende Analyse der Entwicklung verschiedener Dimensionen der Beschäftigungsqualität während und nach der Pandemie. Neben einer umfassenden Betrachtung aller abhängig Beschäftigten liegt ein besonderes Augenmerk auf den sogenannten systemrelevanten Beschäftigten, deren Arbeitsbedingungen während der Pandemie häufig im Mittelpunkt öffentlicher Debatten standen.«
Thomas Klie (2026): Pflegearmut. Eine explorative Studie, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband– Gesamtverband, März 2026
»Rund 4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Etwa 390.000 von ihnen haben Anspruch auf die Sozialleistung ‘Hilfe zur Pflege’, wenn ihr Einkommen und Vermögen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um ihre Bedarfe zu decken. Nur 76.000 Betroffene erhalten diese Hilfe aber tatsächlich. Die Studie ermittelt die Zahl der potenziell Anspruchsberechtigten auf die Sozialleistung ‘Hilfe zur Pflege’ mittels Modellrechnungen, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes zur Grundsicherung beruhen. Dabei zeigen sich regional massive Unterschiede beim Zugang zur ‘Hilfe zur Pflege’: Während im Saarland nur jede zehnte zu Hause gepflegte Person die ihr zustehende Leistung in Anspruch nimmt, ist es in Sachsen-Anhalt jede fünfte und in Hamburg immerhin mehr als jede dritte.«
Alexander S. Kritikos et al. (2026): Nur ein Bruchteil der Selbstständigen in Deutschland sorgt nicht für das Alter vor, in: DIW Wochenbericht, Nr. 12/2026
»Eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige steht immer wieder im Mittelpunkt der politischen Diskussion. Dabei wird das Bild der „schutzbedürftigen Solo-Selbstständigen“ gezeichnet, die im Alter dem Sozialstaat zur Last fallen. Die empirische Basis über die Altersabsicherung von Selbstständigen ist bislang jedoch lückenhaft. Vor diesem Hintergrund untersucht der Wochenbericht die ökonomische Lage der Selbstständigen in Deutschland sowie Art und Umfang ihrer Altersvorsorge. Die Analyse auf Basis eines neuen repräsentativen Datensatzes zeigt: Die große Mehrheit von 93 Prozent der Selbstständigen nutzt mindestens eine der in diesem Bericht betrachteten Optionen aus freiwillig flexibler Altersvorsorge (Immobilien), freiwillig periodischer Altersvorsorge (Lebensversicherungen) und obligatorischer Altersvorsorge (gesetzliche Rentenversicherung). Lediglich rund sieben Prozent der Selbstständigen sorgen überhaupt nicht für das Alter vor. Eine verpflichtende Altersvorsorge sollte sich gezielt auf diese Gruppe konzentrieren. Sie könnte etwa in einer Vorsorgequote unter Anerkennung vielfältiger Vorsorgeformen münden, ergänzt durch staatlich finanzierte Zuschüsse zu den Versorgungsaufwendungen für Geringverdienende. Dabei sollten flexible Zahlungsmöglichkeiten ermöglicht werden, um der wirtschaftlichen Realität von Selbstständigen zu entsprechen.«
Nora Jehles (2026): Frühe Chancen. Schuleingangsuntersuchungen für Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit nutzen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
»Soziale Ungleichheiten manifestieren sich bereits im frühen Kindesalter und prägen Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabechancen. Kommunen stehen vor der Herausforderung, knappe Ressourcen zielgerichtet und bedarfsgerecht einzusetzen, verfügen jedoch häufig nur über begrenzte kleinräumige Daten. Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) bietet ein bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial für frühe Bedarfserkennung, kommunale Steuerung und Evaluation. Praxisbeispiele zeigen, wie SEU-Daten zur Sichtbarmachung sozialer Ungleichheiten, Ressourcensteuerung und Entwicklung präventiver Ansätze genutzt werden können.«
Luisa Braunschweig et al. (2026): Beschäftigungsaufnahmen aus dem SGB-II-Leistungsbezug und ihre Nachhaltigkeit: Qualifikation und Berufserfahrung zahlen sich aus. IAB-Forschungsbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Dieser Forschungsbericht untersucht die Nachhaltigkeit von Übergängen aus Erwerbslosigkeit im SGB-II-Leistungsbezug in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Hinblick auf die aufgenommenen Berufe. Gut die Hälfte dieser Beschäftigungsaufnahmen im Jahr 2018 führte demnach zu einer Beschäftigung mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten. Am häufigsten wurde eine Beschäftigung in den Verkehrs- und Logistikberufen aufgenommen. Die Dauer der aufgenommenen Beschäftigung variiert jedoch stark zwischen den Berufen.«
Bernhard Boockmann et al. (2026): Unterstützung durch Jobcenter. Wie Leistungsbeziehende die Grundsicherung wahrnehmen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Die Studie ist Teil der Untersuchung „Lebenssituation und Erfahrungen von Bürgergeldbeziehenden (LEBez)“ des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und des SOKO Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Sie untersucht, wie Leistungsbeziehende die Beratung ihres Jobcenters wahrnehmen und wie sie Leistungsminderungen und das Bürgergeld bzw. die Grundsicherung insgesamt bewerten. Die Studie zeigt unter anderem, dass die Mehrheit der Leistungsbeziehenden mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden ist. Allerdings sagt knapp die Hälfte, dass die Termine beim Jobcenter „nichts bringen“. Daneben ist über die Hälfte der Befragten der Meinung, dass von Leistungsbeziehenden eine Gegenleistung verlangt werden kann. Die Befragung erfolgte vom 15. April bis 18. Juni 2025. Zielgruppe waren erwerbsfähige Leistungsbeziehende zwischen 25 und 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld beziehen und arbeitslos oder arbeitsuchend sind. Die Stichprobe wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezogen.«
Jochen Pimpertz (2026): Alterssicherung – eine Frage von Einkommen und Vermögen. Stellungnahme zum Fragenkatalog der Alterssicherungskommission der Bundesregierung. IW-Report, Nr. 10/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung soll einerseits eine Kennziffer für das Gesamtversorgungsniveau aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und geförderter Privatvorsorge entwickeln. Andererseits soll es darum gehen, wie der Lebensstandardsicherung im Alter gesichert werden kann. Beide Arbeitsaufträge können zu unterschiedlichen Ableitungen führen: Soll das Gesamtversorgungsniveau aus den drei Säulen maßgeblich für Reformen sein, dann wird damit implizit unterstellt, dass die Bedarfe im Alter vorrangig über monatliche Renten aus den drei Versicherungssystemen gedeckt werden sollen. Der Lebensstandard lässt sich aber auch durch Vermögen absichern. Das ist der Grund, warum Leistungen der Grundsicherung oder das Wohngeld eine Prüfung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse voraussetzen.«
Ralph Henger et al. (2026): Wohngeld – quo vadis? Wie die Vorteile erhalten bleiben können. IW-Kurzbericht, Nr. 22/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Seit der Wohngeld-Plus-Reform 2023 steht das Wohngeld verstärkt in der Kritik. Durch die zeitgleiche Stärkung des Kinderzuschlags hat sich für Familien bei einer kombinierten Inanspruchnahme mit dem Kinderzuschlag der Einkommensbereich vergrößert, in dem eine Arbeitsausweitung kaum oder gar nicht zu einem höheren verfügbaren Einkommen führt. Die Kritik ist insgesamt berechtigt, jedoch liegen die Ursachen nicht allein am Wohngeld, sondern am Transfersystem insgesamt und einer mangelhaften Abstimmung der vorrangigen Leistungen untereinander. Reformvorschläge sollten daher auf diese Problematik fokussieren und nicht darauf abzielen, das Wohngeld mit seiner Systematik abzuschaffen. Leider zeigt sich, dass in der aktuellen Debatte über mögliche Reformen die erhebliche wohnungspolitische Bedeutung des Wohngelds nicht ausreichend berücksichtigt wird.«
Thorsten Kalina (2026): Niedriglohnbeschäftigung 2023 – Hohes Armutsrisiko unter Niedriglohnbeziehenden. IAQ-Report 2026-03, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), März 2026
»Die außerplanmäßige Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 € im Oktober 2022 hat gerade niedrige Stundenlöhne deutlich angehoben. Dieser positive Trend hat sich allerdings 2023 nicht fortgesetzt. Ein besonders hohes Niedriglohnrisiko hatten 2023 Minijobber*innen (79,4 %), Jüngere (43,5 %), Geringqualifizierte (41,9 %), befristet Beschäftigte (37,2 %) sowie Ausländer*innen (28,4 %) und Frauen (23,5 %). Niedriglohnbeschäftigte sind mit 22,6 % sehr häufig armutsgefährdet. Für die abhängig Beschäftigten insgesamt liegt das Armutsrisiko bei 7,3 % und ist damit deutlich geringer als in der Bevölkerung insgesamt (17,7 %). Ein wesentliches Armutsrisiko der Niedriglohnbeziehenden liegt im Erwerbsumfang, sowohl individuell als auch auf der Haushaltsebene. Die Subventionierung von niedrig entlohnter Beschäftigung sollte von den Minijobs hin zu substanzieller Teilzeit verlagert werden.«
Franziska Arndt et al. (2026): Mit Benefits gegen den Bewerbermangel? Angebot und Nachfrage von betrieblichen Zusatzleistungen im Ausbildungsmarketing, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin von massiven Passungsproblemen geprägt: zuletzt konnten 84.000 ausbildungsinteressierte Jugendliche nicht vermittelt werden, während gleichzeitig über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden und werben deshalb intensiver um Nachwuchs – zunehmend auch mit freiwilligen Zusatzleistungen, sogenannten Benefits. Von 2019 bis 2025 hat sich die Nennung verschiedener Zusatzleistungen – vom Urlaubsgeld bis zu betrieblichen Gesundheitsangeboten – verdrei- oder vervierfacht. Dieser Trend zeigt sich nicht nur in Ausbildungsstellen – auch in anderen Arbeitsmarktsegmenten wird deutlich häufiger mit Benefits geworben. Das heißt, allein über die Menge an Benefits können sich Ausbildungsangebote gegenüber beispielsweise Helferjobs nur begrenzt abheben. Wichtiger ist, welche Leistungen angeboten werden und dass sie Teil einer umfassenden, zielgruppengerechten Marketingstrategie sind.«
Roland Bloch und Mathias Kuhnt (2026): Arbeiten unter dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz: Ein Sittengemälde. Auswertung von Freifeldangaben aus der Evaluation des WissZeitVG, Dresden 2026
David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
Johannes Geyer et al. (2026): Wege zur Reform der Pflegeversicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Die Pflegeversicherung steht finanziell unter erheblichem Druck. Die Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen. Dabei steht die eigentliche Herausforderung der demografischen Alterung in den nächsten Jahrzehnten erst noch bevor. Welche Reformen sollten jetzt ergriffen werden, um das System zu stabilisieren? Die Beiträge des Zeitgesprächs beleuchten kurz- und langfristige Ansätze – von einer stärkeren Priorisierung und Entflechtung der Leistungen über den Ausbau kapitalgedeckter Elemente und privater Vorsorge bis hin zu Fragen der Regulierung und der Rolle der Pflegelöhne.«
Maximilian Maurice Gail et al. (2026): Zugang zu Vor-Ort-Apotheken: eine Bestandsaufnahme der räumlichen Abdeckung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Dies führt dazu, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung die nächstgelegene Apotheke fußläufig kaum noch erreichen kann. Mit einem eigenen Pkw ist die nächste Apotheke zwar in aller Regel gut zu erreichen, die Entfernungen zur übernächsten Apotheke können aber erheblich sein. Bei der Bewertung dieser Befunde ist zu bedenken, dass der Gesetzgeber keine konkreten Definitionen zur im öffentlichen Interesse gebotenen Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln durch Apotheken formuliert hat. Unter Anwendung der Maßgaben des Postgesetzes als Orientierungshilfe für die Apothekenversorgung zeigt sich, dass in ca. 900 Gemeinden oder 8 % der Gemeinden, die Anspruch auf eine Postfiliale haben, keine Vor-Ort-Apotheke vorhanden ist.«