Studien

… und weitere Materialien zu sozialpolitischen Themen

David Templin (2024): Migration und Sozialpolitik in historischer Perspektive. Forschungsbefunde und -perspektiven für die neuere deutsche Geschichte, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Juli 2024
Als der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz im September 2022 vom „Sozialtourismus“ ukrainischer Flüchtlinge in die Bundesrepublik sprach, rekurrierte er auf einen Begriff, der 2013 in der Debatte um die EU-Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien aufgekommen war. Die abwertende Kategorisierung verweist dabei nicht nur auf den Vorwurf der „Einwanderung in unsere Sozialsysteme“,  der vermeintlichen Fluchtprozessen zugrunde liege, sondern auch auf längere historische Linien der diskursiven Bearbeitung des Zusammenhangs von Zuwanderung und der Gewährung und Inanspruchnahme sozial-staatlicher Leistungen.
Die vorliegende Studie fragt nach solchen Zusammenhängen: Wie wurde Migration sozialpolitisch bearbeitet? Erhielten Migranten Zugang zu sozialen Sicherungssystemen und Leistungen oder wurden für sie neue etabliert? Wie wurden entsprechende Fragen gesellschaftlich und politisch verhandelt? Auf Basis der Auswertung vorwiegend historischer Studien sollen im Folgenden bisherige Befunde zu diesen Fragen präsentiert und Forschungslücken identifiziert werden.«

Simon Eggert et al. (2024): Hitzeschutz in der ambulanten Pflege – eine deutschlandweite Befragung in Pflegediensten, Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Juli 2024
»Die vorliegende Analyse hat das Ziel, die Wahrnehmungen und Einstellungen zum Thema Hitze und Hitzeschutz bei Leitungspersonen und Qualitätsbeauftragten ambulanter Pflegedienste zu erfragen und Hinweise zum Umgang mit Hitzeereignissen und Herausforderungen in den Diensten zu erhalten.«

Udo Di Fabio (2024): Verfassungsrechtliche Vorgaben für die Neuordnung der deutschen Notfallrettung. Rechtsgutachten erstellt im Auftrag der Björn Steiger Stiftung, Bonn, Juni 2024

Sebastian Dullien et al. (2024): Brutto- und Nettoeinkommen von Arbeitnehmendenhaushalten 2021-2024: Kaufkraftlücke vor allem bei Familien. Analyse staatlicher Entlastungsmaßnahmen, kalter Progression und Kaufkraftentwicklung während der Hochinflationsphase. IMK Policy Brief Nr. 173, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2024
»Der Policy Brief untersucht die Entwicklung der Belastung von Steuern und Abgaben sowie die realen Nettoarbeitseinkommen für eine Reihe typisierter Haushalte in Deutschland für den Hochinflationszeitraum 2021 bis 2024. Es kann gezeigt werden, dass die meisten Haushalte in diesem Zeitraum bei Steuern und Abgaben in der Summe entweder entlastet oder zumindest nicht weiter belastet worden sind. Eine Notwendigkeit zur weiteren Anpassung des Steuertarifs zum Ausgleich der so genannten „kalten Progression“ ergibt sich deshalb bis 2024 nicht. Eine wichtige Ausnahme sind Haushalte mit Kindern und mittleren Einkommen. Aufgrund eines deutlichen Zurückbleibens des Kindergeldes hinter der Inflation und dem Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge sind diese Haushalte teilweise spürbar zusätzlich belastet worden. Beim Vergleich der Kaufkraft 2024 mit jener aus dem Jahr 2021 zeigt sich dieses Problem verschärft: Zwar haben auch hier vor allem Single-Haushalte inzwischen die Kaufkraftverluste weitgehend wettgemacht, weil aber insbesondere bei Familien die Lohnerhöhungen nicht die haushaltsspezifischen Inflationsraten ausgeglichen haben, sind trotz der Entlastungen bei den Steuern bei diesen Haushalten noch Kaufkraftverluste übriggeblieben.«

Ludovica Gambaro et al. (2024): Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit bei Eltern: Wunsch und Wirklichkeit liegen teils weit auseinander, in: DIW Wochenbericht, Nr. 29/2024
»Mütter und Väter teilen sich die Erwerbs- und Sorgearbeit in Deutschland im Durchschnitt sehr ungleich auf. Frauen gehen oftmals nur in Teilzeit einer Erwerbstätigkeit nach – weitere geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt sind die Folge. Aktuelle Auswertungen von Daten des familiendemografischen Panels FReDA zeigen, dass die Vorstellungen über die ideale Aufteilung der Erwerbsarbeit bei Paaren mit Kindern unter zwölf Jahren in der Bevölkerung deutlich egalitärer sind als die gelebte Wirklichkeit der Paare mit Kindern in der entsprechenden Altersgruppe. Einer der strukturellen Gründe für diese Diskrepanz sind die finanziellen Anreize des deutschen Steuer- und Transfersystems, die sich für verheiratete Paare insbesondere aus dem Zusammenspiel von Ehegattensplitting und steuerlicher Behandlung von Minijobs ergeben. Hinzu kommen eine unzureichende Kinderbetreuungsinfrastruktur und der nach wie vor sehr hohe Gender Pay Gap in Deutschland. Will die Politik geschlechtsspezifische Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt abbauen, sollten das Steuer- und Transfersystem modernisiert und Kita-Angebote weiter ausgebaut werden, um eine gleichmäßigere Aufteilung der Erwerbs- und Sorgearbeit attraktiver zu machen.«

Yuliya Kosyakova et al. (2024): Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter: Eine internationale Perspektive. IAB-Forschungsbericht, Nr. 16/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2024
»Dieser Bericht untersucht die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter in verschiedenen europäischen Ländern, darunter zahlreiche EU-Staaten, Großbritannien, die Schweiz und Norwegen, vom 4. Quartal 2022 bis zum 1. Quartal 2024. Aufgrund fehlender einheitlicher Datenquellen basiert die Analyse auf einer eigens zu diesem Zweck erstellten Datenbank auf Grundlage administrativer und Befragungsdaten. Die Beschäftigungsquoten in den verschiedenen europäischen Ländern sind sehr heterogen. Mit einer Beschäftigungsquote von knapp 27 Prozent im ersten Quartal 2024 liegt Deutschland im europäischen Mittelfeld.«

Werner Schmidt (2024): Integration ukrainischer Flüchtlinge in der Arbeitswelt. Erste Erfahrungen aus den Betrieben. Forschungsförderung Working Paper Nr. 340, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2024
»Die explorative Studie beschäftigt sich mit der Integration ukrainischer Kriegsflüchtlinge in Arbeitsmarkt und Arbeitswelt in Deutschland. Geflüchtete aus der Ukraine sind oft ungewöhnlich hochqualifiziert und überwiegend weiblich, sie unterliegen auch weniger restriktiven Bedingungen als Geflüchtete aus anderen Ländern. Diese Konstellation verspricht neue Erkenntnisse. Es deuten sich neben besseren Möglichkeiten der Gewinnung hochqualifizierter Fachkräfte auch besondere Risiken an. Erforderlich ist eine verbesserte Verbindung von Arbeit und Spracherwerb.«

Manuel Heurich et al. (2024): Machbarkeitsstudie Telemedizin in Baden-Württemberg. Identifizierung von Versorgungsdefiziten in der stationären Versorgung und deren Lösungspotenziale in Baden-Württemberg. Zusammenfassung, Stuttgart, Juni 2024
»Eine neue Studie des Bosch Health Campus zur Telemedizin in Baden-Württemberg zeigt: Durch die geplante Krankenhausreform werden deutliche Versorgungslücken entstehen – diese können jedoch durch die Telemedizin nahezu vollständig wieder kompensiert werden.«

BKK Dachverband (2024): Mangel an Pflegekräften – und ewig grüßt das Murmeltier, Berlin, Juli 2024

Johanna Schütz und Lorena Wetzel (2024): Wer hat pflegende Angehörige – und wenn ja, wie viele? Überblick und Analysen zu Konstellationen und Soziodemografie pflegender Angehöriger und Pflegebedürftiger, Kempten: Bayerisches Zentrum Pflege Digital (BZPD), 2024
»Der Großteil der Pflegebedürftigen wird in Deutschland durch An- und Zugehörige versorgt. Dieser Beitrag nimmt die Konstellationen zwischen Pflegebedürftigen und pflegenden An- und Zugehörigen in den Blick. Es wird dargestellt, über wie viele Pflegepersonen eine pflegebedürftige Person verfügt und wie sich der zeitliche Pflegeumfang auf die Pflegepersonen verteilt. Darauffolgend werden verschiedene Charakteristika von pflegebedürftigen Personen mit und ohne Pflegepersonen dargestellt.«

Charlotte Bartels et al. (2024): Verteilungskonflikte: Wie wird der gesellschaftliche Zusammenhalt gesichert?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 7/2004
In vielen Bereichen ist Ungleichheit zu beobachten, etwa bei Einkommen und Vermögen, auf dem Arbeitsmarkt, hinsichtlich der Bildungschancen oder auf regionaler Ebene. Die Sorge der Menschen, in der anstehenden (grünen und digitalen) Transformation zu den Verlierern der Gesellschaft zu gehören, nimmt zu. In dieser Situation können Verteilungskonflikte entstehen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen. In diesem Zusammenhang stellen sich folgende Fragen: Wie hat sich die Ungleichheit entwickelt? Welche Auswirkungen kann Ungleichheit haben und wie kann ihr begegnet werden, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken?

Claudia Detsch (2024): Climate Crunch Questions. How social barriers can be overcome and sceptical milieus brought on board in the social-ecological transformation. Comparative Country Report, Bonn: FES Just Climate, July 2024
➔  Detsch (2024): Country Report Germany

Sonja Dobkowitz (2024): Nachhaltiger Konsum: Unterschiedliche Kaufkraft von Haushalten muss berücksichtigt werden, in: DIW Wochenbericht, Nr. 27/2024
»Einkommensschwache Haushalte können sich nachhaltige Produkte – wie Bio-Lebensmittel oder Fairtrade-Kleidung – oft nicht leisten. Das Gefühl von Einkommensungleichheit wird durch das Bedürfnis nach nachhaltigen, aber teureren Produkten verstärkt. Was kann der Staat in einer solchen Situation tun, wenn er also einerseits umweltfreundliches Verhalten fördern und andererseits damit verbundene größere Unterschiede zwischen armen und reichen Haushalten abmildern will? Die auf Daten aus den USA basierenden Modellergebnisse dieses Wochenberichts verdeutlichen das Dilemma: Der Staat kann nicht Steuern und Abgaben zum Schutz der Umwelt, wie eine Tierwohlabgabe, erhöhen und zugleich mittels Einkommensteuererhöhungen mehr umverteilen. Denn beides führt in der Theorie dazu, dass insgesamt weniger produziert wird und die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt sinkt. Die richtige Balance beider Instrumente hängt sowohl von der Einkommensungleichheit in einem Land als auch vom Preisunterschied zwischen nachhaltigen und nichtnachhaltigen Produkten ab. In jedem Fall muss die finanzielle Situation einkommensschwacher Haushalte bedacht werden, wenn der Trend, nachhaltig zu konsumieren, steigen soll.«

Landtag Baden-Württemberg (2024): Bericht und Empfehlungen der Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“, Stuttgart, Juli 2024

Andrej Holm et al. (2024): Keine Profite mit der Miete! Strategien für eine bestandssichernde, nachhaltige und soziale Bewirtschaftung großer Wohnungsbestände, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2024
»Mit knapp 5,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter lassen sich Wohnungen wirtschaftlich und nachhaltig bewirtschaften. In den großen Wohnungsbeständen können also Menschen mit durchschnittlichen oder geringen Einkommen leistbare Mieten angeboten werden. Das ist ein Ergebnis der neuen Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zu Organisationsstrukturen und Bewirtschaftungskosten öffentlicher und genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen. Die Autoren Andrej Holm, Sebastian Gerhardt, David Scheller und Itziar Gastaminza Vacas untersuchten, wie diese Unternehmen eine bestandssichernde, nachhaltige und soziale Bewirtschaftung organisieren können und welche Kosten dabei entstehen.«

Gesine Stephan et al. (2024) Die Förderung von älteren Arbeitslosen verbessert deren Beschäftigungschancen, in: IAB-Forum, 13.07.2024
»Gemessen an den Zugängen in Arbeitslosigkeit erhalten ältere Arbeitslose anteilig seltener eine Förderung als jüngere Arbeitslose. Die Förderung mit arbeitsmarktpolitischen Instrumenten im Rechtskreis SGB III kann jedoch dazu beitragen, ihre Beschäftigungschancen deutlich zu verbessern. Eine Wirkungsanalyse zeigt, dass der Anteil der älteren Geförderten, die sich anderthalb Jahre nach Förderbeginn in ungeförderter Beschäftigung befinden, deutlich höher ausfällt als für vergleichbare ungeförderte Arbeitslose.«

Sabrina Mühlbauer and Enzo Weber (2024): Predicting Job Match Quality: A Machine Learning Approach. IAB-Discussion Paper Nr. 9/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2024
»Dieses Papier beschäftigt sich mit einer groß angelegten Datenanalyse um die Matching‑Qualität auf dem Arbeitsmarkt zu untersuchen. Hierfür verwenden wir einen sehr umfangreichen administrativen Datensatz zu Arbeitsmarktbiographien in Deutschland. Die Schätzungen werden sowohl mit maschinellem Lernen (extreme gradient boosting), als auch mit traditionellen statistischen Methoden (OLS, logit) durchgeführt. Bei der Gegenüberstellung beider Methoden wird deutlich, dass maschinelles Lernen insbesondere in den Bereichen Mustererkennung, Analyse von sehr großen Datensätzen und Minimierung der Fehlerrate deutliche Vorteile gegenüber den herkömmlichen Methoden aufweist. Schließlich werden die Prognosen für Matching‑Qualität (Stabilität und Löhne) mit Matching‑Wahrscheinlichkeiten kombiniert. Anhand dieser Ergebnisse wird für jede arbeitssuchende Person eine Liste mit Berufsvorschlägen generiert. Damit können Arbeitsvermittlern und Arbeitssuchenden Alternativen aufgezeigt werden, wodurch sich ihr Suchverhalten auf dem Arbeitsmarkt erweitern könnte.«

Ulrich Walwei (2024): Ältere Arbeitskräfte im demografischen Wandel: Beschäftigungspotenziale im internationalen Vergleich. IAB-Forschungsbericht Nr. 14/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2024

Gero Kunath et al. (2024): Fachkräfteengpässe in West- und Ostdeutschland: ähnliche Probleme, unterschiedliche Lösungsansätze, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), Juli 2024

Julia Teebken und Michael Schipperges (2024): Soziale Frage Klimawandel. Klimaanpassung als sozialpolitische Gestaltungsaufgabe, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2024
»Häufigere Extremwetterereignisse und ansteigende Durchschnittstemperaturen machen die Auswirkungen des Klimawandels auch in Deutschland zunehmend greifbar. Besonders vor dem Hintergrund unterschiedlich starker Folgen für verschiedene, oft benachteiligte Bevölkerungsgruppen wird die Notwendigkeit transformativer Klimaanpassung deutlich. Diese Studie stellt zunächst die Handlungsfelder der Klimaanpassungspolitik dar und bietet anschließend einen Überblick über die Anpassungsstrategien der unterschiedlichen föderalen Ebenen und nichtstaatlichen Akteure. Die zentrale Fragestellung zielt auf die sozialpolitischen Implikationen von Klimaanpassungspolitik ab, weshalb insbesondere das Konzept der sozialen Vulnerabilität in den Fokus gerückt wird. Darauf aufbauend werden die entstehenden Unterstützungsbedarfe herausgearbeitet und Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die Ergebnisse zeigen insbesondere die sozialen Risiken des Klimawandels auf und verdeutlichen die Auswirkungen über föderale und sektorale Grenzen hinweg. Die Studie hebt vor allem die Relevanz einer integrierten und ganzheitlichen Planung von Anpassungsstrategien und die damit zusammenhängenden Finanzierungsbedarfe hervor.«

Sybille Stöbe-Blossey (2024): Der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung für Grundschulkinder: Perspektiven in Nordrhein-Westfalen. IAQ-Standpunkt 2024-01, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Juli 2024

Jan Behringer und Sebastian Dullien (2024): Inflationsausgleichsprämie erhöht Einkommen von 26 Millionen Beschäftigten um 52 Milliarden Euro. Bestimmungsfaktoren und Auswirkungen der Sonderzahlungen. IMK Policy Brief Nr. 171, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2024
»Die Möglichkeit der Auszahlung einer steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämie war eine wichtige, in der konzertierten Aktion 2022 vereinbarte Maßnahme zur Stabilisierung der Kaufkraft im Energiepreisschock nach der russischen Ukraine-Invasion. Anhand einer Online-Befragung wird in diesem Policy Brief abgeschätzt, welcher Anteil der abhängig Beschäftigten in Deutschland in den Jahren 2022 bis 2024 eine Inflationsausgleichsprämie erhalten hat. Dabei zeigt sich, dass die überwiegende Mehrheit der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von einer solchen Prämie profitiert hat. Außerdem hatte die Prämie für viele Personen eine so relevante Größenordnung, dass sie dadurch eine spürbare finanzielle Entlastung wahrnahmen und deutlich seltener von Plänen zur Konsumeinschränkung berichteten als Personen ohne Inflationsausgleichsprämie. In der Summe wurden fast 26 Millionen Beschäftigten mehr als 52 Mrd. Euro ausgezahlt. Die Mindereinnahmen bei Steuern und Sozialabgaben werden dabei auf rund 40 Mrd. Euro geschätzt. Die Lohnstückkosten sind bis zu gut 1,5 Prozent niedriger ausgefallen, als es ohne diese Prämie der Fall gewesen wäre, wenn die gleiche Kaufkraft bei den Haushalten erreicht worden wäre.«

Techniker Krankenkasse (2024): Gesundheitsreport 2024. Fachkräftemangel: Was hält die Generation 50+ im Job?, Hamburg 2024

Bundesregierung (2024): Zukunftssichere Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung – Darstellung von Szenarien und Stellschrauben möglicher Reformen, Berlin, Juli 2024

BMWK (Hrsg.) 2024: Gleichwertigkeitsbericht 2024. Für starke und lebenswerte Regionen in Deutschland, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Juli 2024

Andy Schieler und Daniela Menzel (2024): Kitas 2. Klasse? Mehrfachbelastungen von Kitas mit Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2024

Elisabeth Hoffmann (2024): Kinder von Grund auf gegen Armut sichern. Kinderarmut: Ursachen, Auswirkungen, Auswege, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juni 2024
»Kinderarmut ist Elternarmut. Rund 2,9 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in Deutschland in Familien, die von Armut bedroht sind. Bundesfamilienministerin Paus möchte mit der Kindergrundsicherung, die eine Reform von Sozialtransfers vorsieht, einkommensarme Familien aus der Armut holen. Wie junge erwerbsfähige Eltern zur Integration in den Arbeitsmarkt gefördert werden können, ist nicht Thema der Kindergrundsicherung. Die Studie analysiert die Ursachen für Armutsrisiken von Kindern, beleuchtet die Auswirkungen und präsentiert Lösungsansätze zur Reduzierung von Kinderarmut.«

Alexander Kucharski und Hares Sarwary (2024): Digitale Innovationen im Gesundheitswesen und ihre sozialen Folgen, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen, Juli 2024

Richard Ochmann und Martin Albrecht (2024): Beitragsentwicklung in der Sozialversicherung. Szenarienbasierte Projektion bis zum Jahr 2035 für die DAK-Gesundheit, Berlin: IGES Institut, Juni 2024

Georg Barthel (2024): Amazonismus. Management, Eigensinn und kollektiver Widerstand im digitalen Kapitalismus, Frankfurt am Main: Campus, 2024
»Die Digitalisierung der Arbeit birgt ein hohes Konfliktpotenzial zwischen Beschäftigten und Unternehmen. Bei dem Lager- und Logistikzentrum Amazon zeigt sich ein spezifisches Ensemble von Managementstrategien und Produktionsregime, das Georg Barthel als Amazonismus identifiziert. Diese neue Managementpraxis setzt digitale Technologien ein, um die Arbeit zu vereinfachen, die Beschäftigten zu überwachen und unter einen permanenten Leistungsdruck zu setzen. Gleichzeitig zeichnet sie sich durch eine Unternehmenskultur aus, die Leistungsbereitschaft und Lockerheit im Alltag kombiniert. Das Buch zeigt, wie diese Form der betrieblichen Herrschaft in Widerspruch zum Eigensinn der Beschäftigten steht, und wie diese versuchen, auf dem Shopfloor, im Betriebsrat und im Kampf für einen Tarifvertrag ihre Interessen geltend zu machen.«

Der Mittelstand. BVMW (2024): Private geförderte Altersvorsorge („PGA“). Positionspapier, Berlin 2024

Deutscher Verein (2024): Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. für eine Stärkung der beruflichen Nachqualifizierung für Leistungsberechtigte im SGB II, Berlin, Juni 2024
»Mehr als zwei Drittel der 2,7 Millionen arbeitsuchenden und erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die von den Jobcentern in Deutschland betreut werden, haben keinen Berufsabschluss. Dieser andauernde berufliche Bildungsnotstand verschärft den Fachkräftemangel, hemmt die wirtschaftliche Entwicklung und ihren ökologischen Strukturwandel und trägt zu einer weiteren Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit und Langzeitleistungsbezug bei. Der Deutsche Verein fordert deshalb bereits seit einigen Jahren eine stärker abgestimmte rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit, damit kein junger Mensch am Übergang von der Schule in den Beruf verloren geht. Er setzt sich dafür ein, Leistungsberechtigte im SGB II stärker als bisher in die Förderung der beruflichen Weiterbildung einzubeziehen. Er bewertet Berufsausbildung und Berufsausbildungsförderung als zentral für die Integration von Geflüchteten.
Mit den folgenden Empfehlungen richtet der Deutsche Verein die Aufmerksamkeit auf die berufliche Nachqualifizierung. Diese richtet sich an Erwachsene ohne (verwertbaren) Berufsabschluss in der Regel ab einem Alter von 25 Jahren, die bereits berufliche Erfahrung gesammelt haben, aber aus persönlichen, sozialen oder wirtschaftlichen Gründen keine Berufsausbildung oder klassische Umschulung, die sich ursprünglich an Berufswechsler/innen richtet, beginnen oder abschließen können. Ziel ist der nachholende Erwerb eines anerkannten Berufsabschlusses, der Zugang zu einer nachhaltigen Erwerbsintegration als Fachkraft auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt eröffnet.«

Deutscher Verein (2024): Stellungnahme des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zum Eckpunktepapier des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Zusammenführung des Dritten und Vierten Kapitels des SGB XII in ein neues Lebensunterhaltskapitel“ vom 6. Februar 2024, Berlin, Juni 2024
»Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat am 6. Februar 2024 ein Eckpunktepapier für die Zusammenführung des Dritten und Vierten Kapitels des SGB XII in ein neues Lebensunterhaltskapitel vorgelegt. Ziel der Reformabsichten ist es, mit einem neuen Lebensunterhaltskapitel im SGB XII „für Bürgerinnen und Bürger sowie für die Verwaltung ein transparentes und einheitliches Existenzsicherungssystem für nicht erwerbsfähige Personen“ zu schaffen. Das neue Lebensunterhaltskapitel soll vollständig neu konzipiert und modernisiert werden, wobei auch eine Harmonisierung mit dem SGB II angestrebt werde. Gleichzeitig sollen die Normen verschlankt und entzerrt werden, um die Regelungen, insbesondere für die Leistungsbeziehenden, leichter verständlich zu machen. Der Bund soll den Großteil der Kosten für die Leistungen des neuen Lebensunterhaltskapitels tragen. In der Folge sollen die Leistungen mit Ausnahme eines geringen Teils, u.a. Sachleistungen, in Bundesauftragsverwaltung erbracht werden. Die Reformabsichten stehen unter dem Vorbehalt der Einigung zwischen Bund und Ländern, insbesondere der Gegenfinanzierung der durch die geplante Bundesauftragsverwaltung entstehenden Mehrausgaben.«

Deutscher Verein (2024): Empfehlungen zu Assistenzleistungen nach dem SGB IX, Berlin, Juni 2024
»Mit dem Bundesteilhabegesetz (BTHG) wurde das Recht der Eingliederungshilfe umfassend reformiert. Ein zentrales Anliegen des BTHG ist es, die Eingliederungshilfe personenzentriert und sozialraumorientiert im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) neu auszurichten und zu einem modernen Teilhaberecht weiterzuentwickeln. Die notwendige Unterstützung der Menschen mit Behinderungen soll sich nicht mehr an einer bestimmten Wohnform, sondern unter ganzheitlicher Perspektive ausschließlich am notwendigen individuellen Bedarf orientieren … Die Assistenzleistungen wurden mit Wirkung zum 1. Januar 2020 im SGB IX neu strukturiert, teilweise konkretisiert und als eigener Leistungstatbestand im gesetzlichen Leistungskatalog der Sozialen Teilhabe eingeführt. Assistenzleistungen stellen ein zentrales und entscheidendes Element für die personenzentrierte Ausgestaltung der Eingliederungshilfe und im Hinblick auf eine unabhängige und selbstbestimmte Lebensführung von Menschen mit Behinderungen dar. Dies spiegelt sich auch in einem neuen Verständnis des Begriffs der „Assistenz“ im Kontext des BTHG wider, das sich insbesondere auf die Beziehungsgestaltung zum Leistungsberechtigten auswirkt … Die vorliegenden Empfehlungen befassen sich mit der Umsetzung der neuen Regelungen zu den Assistenzleistungen im SGB IX. Ziel der Empfehlungen ist es, Ansätze zu der anspruchsvollen Umsetzung und Abgrenzung der Assistenzleistungen von anderen Leistungen und Leistungsformen aufzuzeigen und Hinweise zur Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe in der Praxis zu geben, um individuelle Leistungen im Sinne des personenzentrierten Ansatzes zu ermöglichen.«

Karin Reiber et al. (Hrsg.) (2024): Fachkräftesicherung, Versorgungsqualität und Karrieren in der Pflege. Forschung zur beruflichen Bildung im Lebenslauf. Berufsbildung, Arbeit und Innovation Bd. 47, Bielefeld: wbv, 2024
»Der vorliegende Sammelband stellt aktuelle empirische Forschungsprojekte zur beruflichen Bildung in der Pflege vor, die unterschiedliche Aspekte der Professionalisierung im Kontext von Fachkräftesicherung und Versorgungsqualität thematisieren. Als Stellschraube für die Reform des Berufsfelds Pflege erlebt die berufliche Bildung dieser Domäne derzeit eine Aufwertung und die Ausbildungsreform im Zuge der Umsetzung des Pflegeberufegesetzes ist auch Ausdruck zunehmender Professionalisierung. Zudem hat berufliche Bildung eine zentrale Bedeutung für gesellschaftliche Teilhabe und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund präsentiert der Sammelband Forschungsbefunde entlang der berufsbiographischen Entwicklung von der Berufsorientierung bis hin zur Fort- und Weiterbildung.«

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2024): Zum Referentenentwurf eines Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetzes (KHVVG), Berlin, 29.05.2024

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2024): Zur Finanzierung der Gesundheitssysteme in Dänemark und Österreich, Berlin, 23.05.2024

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2024): Die sozialrechtlichen Beratungsleistungen im Überblick, Berlin, 11.05.2024

vbw (2024): Integration von Geflüchteten fördern, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), April 2024 

Mathis Elling und Christian Hetzel (2024): Auswertung der BIBB/BAuA Erwerbstätigenbefragung 2018 zum Themenfeld Vereinbarkeit von Beruf und Pflege: eine Propensity-Score-Analyse, Köln, Februar 2024

Sarah Menne und Antje Funcke (2024): Factsheet Alleinerziehende in Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2024
»Vier von zehn alleinerziehenden Familien in Deutschland sind armutsgefährdet. An der prekären Situation hat sich in den vergangenen Jahren trotz punktueller Erleichterungen kaum etwas geändert. Dabei gehen die meisten der alleinerziehenden Eltern einer Erwerbstätigkeit nach. Insbesondere für alleinerziehende Mütter ist das Armutsrisiko hoch, zudem schultern sie den Großteil der Kinderbetreuung und -erziehung.«
➔  dazu: Trotz Arbeit haben Alleinerziehende noch immer das höchste Armutsrisiko (25.06.2024)

Mandy Stobbe und Susanne Winge (2024): Marktorientierte Sozialunternehmen in Sachsen: Strukturen, Herausforderungen und Potenziale der sozialen Ökonomie, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 3/2024
»Die Ergebnisse des Sächsischen Mittelstandsberichts 2018-2022 gewähren erste Einblicke in die Struktur, die vielfältigen Herausforderungen und Potenziale marktorientierter Sozialunternehmen in Sachsen. Trotz ihres wachsenden Einflusses stehen diese Unternehmen vor erheblichen Sichtbarkeits- und Anerkennungshürden, insbesondere in ländlichen Regionen. Der hier dargestellte Ausschnitt aus der Untersuchung beleuchtet die geografische Verteilung, unterschiedliche Rechtsformen, verschiedene Unternehmensphasen und die facettenreiche Palette sozialer Anliegen. Darüber hinaus werden Herausforderungen und Potenziale der sozialen Ökonomie in Sachsen aufgezeigt.«

Xenia Frei und Maximilian Rose (2024): Kommunen und Länder bauen öffentliche Beschäftigung aus, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 3/2024
»Die Beschäftigung im öffentlichen Dienst nimmt stetig zu. Bereits seit 2008 wächst der öffentliche Dienst schneller als die Bevölkerung; insbesondere auf Landesebene und in den Kommunen. Während im Jahr 2008 noch 55 Beschäftigte je 1.000 Einwohner im öffentlichen Dienst beschäftigt waren, waren es im Jahr 2022 rund 62. Dies entspricht einem Anstieg von 13%. Getrieben wird dieser Beschäftigungsanstieg von der öffentlichen Verwaltung, dem Bereich „Soziales und Jugend“ und der Beschäftigung an Hochschulen.«

Niels Gillmann und Matteo Neufing (2024): Job-Turnover-Analyse: Arbeitsmarktdynamik im ländlichen und städtischen Raum, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 3/2024
»Wirtschaftswachstum schafft Arbeitsplätze. Allerdings sollte unterschieden werden zwischen Arbeitsplätzen, die durch Neugründungen oder durch Wachstum von bestehenden Unternehmen geschaffen werden. Wir betrachten deswegen das Arbeitsplatzwachstum etwas genauer. Im Zeitraum von 2000 bis 2016 stieg die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland insgesamt durchschnittlich um ca. 1% pro Jahr an. Allerdings war die Summe der begonnenen und beendeten Beschäftigungsverhältnisse mit ca. 17% deutlich höher. Anders als in früheren Beobachtungszeiträumen lassen sich in unserer Untersuchung, die auf den Daten des Betriebs-Historik-Panels des IAB basiert, kaum Unterschiede zwischen der Arbeitsmarktdynamik in ländlichen und städtischen Gebieten feststellen. Der Hauptanteil der neugeschaffenen und verlorenen Stellen entsteht aus Größenveränderungen bestehender Betriebe. Das Gründungsgeschehen hingegen spielt für den Arbeitsmarkt eine vergleichsweise kleinere Rolle. Im Vergleich zu den 2000er Jahren sinkt die Fluktuation im deutschen Arbeitsmarkt.«

Julia Bock-Schappelwein (2024): Systemrelevante Beschäftigung in Zeiten demografischer Herausforderungen, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Juni 2024
Rund 300.000 Menschen in sogenannten systemrelevante Berufe gilt es in den kommenden fünf bis zehn Jahren in Österreich nachzubesetzen. Sie arbeiten in Bereichen wie Ernährung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung und Transport. Alles Berufe, die die Grundversorgung sichern. Fachkräfte aus anderen Ländern können diesen Bedarf allein nicht decken. Denn auch dort gibt es ähnliche demografische Entwicklungen. Vor allem bei der Kranken- und Altenbetreuung wird das besonders deutlich. Weil die Bevölkerung überall immer älter wird, brauchen sie mehr Gesundheitsleistungen und Unterstützung über einen längeren Zeitraum. Damit das Niveau an Dienstleistungen in Österreich gehalten wird, müssen neue Arbeitskräfte gefunden und motiviert werden, in diesen Bereichen zu arbeiten. Zum Beispiel auch Menschen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückgezogen haben, sollen dafür wieder aktiviert werden. Laut der Studie zählen dazu 312.000 ehemalige Arbeitskräfte und 140.000 Teilzeitkräfte, die mehr arbeiten möchten.

Terese Dahl et al. (2024): Gesundheitsreport 2024. Analyse der Arbeitsunfähigkeiten. Gesundheitsrisiko Hitze. Arbeitswelt im Klimawandel, Hamburg: DAK-Gesundheit, April 2024

Caroline Murphy et al. (2024): Care platforms. Impacts and challenges from a trade union perspective, Brussels:  Friedrich-Ebert-Stiftung, Competence Centre on the Future of Work, 2024
➔  Caroline Murphy et al. (2024): Care-Plattformen: Auswirkungen und Herausforderungen aus der Gewerkschaftsperspektive, Brüssel: Friedrich-Ebert-Stiftung, Kompetenzzentrum Zukunft der Arbeit, 2024

BMI (2024): „Asylverfahren in Drittstaaten“: Sachstandsbericht der Bundesregierung, Berlin: Bundesministerium des Inneren und für Heimat (BMI), 20.06.2024
➔  Stellungnahmen zum Sachstandsbericht

Fabian Gülzau und Jan Schneider (2024): Neue Wege, neue Hürden? Die Staatsangehörigkeitsrechtsreform und mögliche Folgen für Behörden und vulnerable Gruppen. SVR-Policy Brief 2024-1, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Juni 2024
»Am 27. Juni tritt das Gesetz zur Modernisierung des Staatsangehörigkeitsrechts in Kraft. Neben deutlichen Liberalisierungen bei der Einbürgerung bringt es auch Verschärfungen mit sich. So wird künftig die Voraussetzung der Lebensunterhaltssicherung strenger gehandhabt; Ausnahmeregelungen werden weitgehend abgeschafft. Der wissenschaftliche Stab des SVR hat vor diesem Hintergrund untersucht, welche praktischen Auswirkungen die Änderung für Betroffene und Behörden haben kann. Zukünftig besteht für Menschen, die ihren Lebensunterhalt beispielsweise aufgrund von Erwerbsunfähigkeit, einer Behinderung oder wegen der Pflege von Angehörigen nicht eigenständig sichern können, kein Einbürgerungsanspruch mehr; ihnen steht nur eine Ermessenseinbürgerung mit entsprechender Härtefallprüfung offen. Es ist davon auszugehen, dass dies den Zugang zu politischen Teilhaberechten erschwert. Zudem ist mit einem höheren Aufwand für Behörden zu rechnen. Mittels einer Onlinestudie wurde auch ermittelt, wie Menschen in Deutschland zu Ausnahmeregelungen und Restriktionen in Zusammenhang mit der Einbürgerung vulnerabler Gruppen eingestellt sind. Dabei zeigt sich, dass die Bevölkerung gespalten ist: Gut vier von zehn Befragten befürworten Ausnahmen beim Kriterium der Lebensunterhaltssicherung für Auszubildende, Studierende, Personen, die Angehörige pflegen und Menschen mit Behinderung. Hingegen lehnt ein Viertel der Befragten bei erwerbsunfähigen, alleinerziehenden und Zugewanderten im Rentenalter eine Ausnahmeregelung grundsätzlich ab.«

Maximilian Müller (2024): Kein Pass. Nirgends? Politische, rechtliche und verwaltungspraktische Ansätze im Umgang mit Staatenlosigkeit. SVR-Studie 2024-3, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Juni 2024
»Die Zahl der in Deutschland lebenden Personen ohne oder mit einer ungeklärten Staatsangehörigkeit ist in den letzten Jahren stark gestiegen. In Deutschland sind die mit der Ausführung des Aufenthaltsrechts und des Staatsangehörigkeitsrechts befassten Behörden für die Feststellung von Staatenlosigkeit wichtige Akteure. Ihr Handeln bestimmt die Rechtsstellung und die Lebenspraxis der Betroffenen. Über die Entscheidungspraxis deutscher Ausländerbehörden im Kontext von Staatenlosigkeit gibt es bislang jedoch keine systematischen Erkenntnisse; die Verwaltung gilt als ‚Blackbox‘. Daher hat der wissenschaftliche Stab des SVR im Rahmen einer Studie untersucht, wie die Feststellung von Staatenlosigkeit in der behördlichen Praxis erfolgt, wer für die Behörden wann als staatenlos gilt, welche Ermessensspielräume es dabei gibt und welche Herausforderungen bestehen. Die Studie gibt Handlungsempfehlungen für die Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene.«

Nils Backhaus und Julius Kötter (2024): Arbeitszeiterfassung, Entgrenzung und Flexibilitätsmöglichkeiten für Beschäftigte: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2024
»Nach den Urteilen von EuGH und BAG wird weiter um die Bedeutung der Arbeitszeiterfassung gerungen. Aktuelle Zahlen der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023 deuten darauf hin, dass die Erfassung der Arbeitszeit etwas stärker verbreitet ist als noch 2021 und 2019. Dies gilt auch für die Arbeit von zu Hause. Die Ergebnisse zeigen auch: Wird auf Arbeitszeiterfassung verzichtet, so geht dies verstärkt mit zeitlicher Entgrenzung, schlechterem Abschalten von der Arbeit und einer geringeren zeitlichen Flexibilität bzw. Zufriedenheit mit der Work-Life-Balance einher.«

Johannes Graf (2024): Monitoring zur Bildungs- und Erwerbsmigration: Erteilung von Aufenthaltstiteln an Drittstaatsangehörige. Jahresbericht 2023. Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Juni 2024

Johannes Graf (2024): Freizügigkeitsmonitoring: Migration von EU-Staatsangehörigen nach Deutschland. Jahresbericht 2023, Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Juni 2024

Heiner Dribbusch et al. (2024): WSI-Arbeitskampfbilanz 2023. 2023 – ein langes und turbulentes Arbeitskampfjahr. WSI-Report Nr. 95, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2024
»2023 war ein außergewöhnlich „langes“ Arbeitskampfjahr, das neben einem signifikanten Anstieg der Zahl der Arbeitskämpfe sowie spektakulären Streikaktionen auch dadurch gekennzeichnet war, dass sich einige viel beachtete Auseinandersetzungen bis weit ins Jahr 2024 hineinzogen.
Im Jahr 2023 registrierte das WSI 312 Arbeitskämpfe, die insgesamt von mehr als 10.000 Arbeitsniederlegungen in Betrieben und Einrichtungen begleitet wurden. Damit hat die Anzahl der Arbeitskonflikte 2023 gegenüber dem Vorjahr 2022 deutlich zugenommen. Auch 2023 fand die große Mehrheit der Arbeitskämpfe im Rahmen von Haustarifauseinandersetzungen statt. Unter dem Eindruck historisch hoher Inflationsraten standen deutliche Entgeltsteigerungen im Mittelpunkt der tarifpolitischen Auseinandersetzungen. In mehreren großen Branchen wurden die Tarifverhandlungen von zahlreichen, außergewöhnlich breiten Arbeitsniederlegungen begleitet. Zwar lag die Gesamtzahl der Streikteilnehmer*innen mit 847.000 etwas unter der Beteiligung des Vorjahres (930.000 Beteiligte), da jedoch mehrfach über 24 Stunden und länger die Arbeit niedergelegt wurde, fielen rechnerisch mehr als 1,5 Mio. Arbeitstage aus, womit sich das Arbeitskampfvolumen gegenüber 2022 (674.000 Ausfalltage) mehr als verdoppelte. Das Jahr 2024 begann mit teilweise spektakulären Arbeitsniederlegungen im Verkehrsbereich bei der Bahn, dem öffentlichen Nahverkehr und den Flughäfen. Im Herbst steht mit der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie eine weitere Auseinandersetzung mit hohem Warnstreikpotenzial an.«

BBSR (2024): Raumordnungsprognose 2045: Bevölkerungsprognose, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 20024
»Seit der letzten BBSR-Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2021 haben sich ­ einige demografische Rahmenbedingungen in Deutschland erheblich verändert, vor allem im Kontext der Zuwanderungen aus dem Ausland. Wurden in der alten Prognose für die Jahre 2018 bis 2022 Außenwanderungsgewinne von 1,4 Mio. Personen unterstellt, waren es tatsächlich 2,7 Mio. Diese grundlegenden Veränderungen haben das BBSR veranlasst, für alle Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland eine neue Bevölkerungsprognose bis 2045 zu berechnen. Wesentliche Ergebnisse dieser Bevölkerungsprognose lauten wie folgt: Deutschlands Bevölkerungszahl wächst weiter. Wachstum und Schrumpfung finden nebeneinander statt. Die Bevölkerung wird immer älter. Regionale Disparitäten nehmen zu. Alle Kreise verzeichnen Außenwanderungsgewinne.«

Johannes Geyer et al. (2024): Höheres Haushaltseinkommen geht bei Frauen und Männern mit höherer Lebenserwartung einher, in: DIW Wochenbericht, Nr. 25/2024
»Besser gebildete Menschen oder Menschen mit höherem Einkommen haben eine bessere Gesundheit und eine höhere Lebenserwartung. In diesem Wochenbericht werden anhand aktueller Daten frühere Studien zu diesem Thema aktualisiert und gezeigt, dass dieser Zusammenhang unter Männern besonders stark ausgeprägt ist. Da Frauen aufgrund von Sorgearbeit häufiger ihre Karriere unterbrechen oder in Teilzeit arbeiten, gibt es kein klares Muster zwischen ihrem individuellen Einkommen und ihrer Lebenserwartung. Dieser Wochenbericht berücksichtigt daher das Haushaltseinkommen. Er zeigt: Menschen mit höheren Haushaltseinkommen haben ein geringeres Sterberisiko im Alter von 55 und 76 Jahren. Dies gilt für Männer wie für Frauen. Auch das Risiko für eine psychische oder physische Erkrankung ist deutlich geringer, wenn das Haushaltseinkommen hoch ist. Wenn Menschen mit niedrigen Renten, diese kürzere Zeit beziehen, weil sie systematisch früher sterben, widerspricht dies dem Äquivalenzprinzip der Rentenversicherung. Es legt zudem eher mehr als weniger Umverteilung in der Rente nahe. Argumente gegen eine Aufwertung geringer Rentenansprüche gelten nur, wenn eine durchschnittliche Lebenserwartung angenommen wird, was hier empirisch widerlegt wird. Auch eine Reform bei der Kranken- und Pflegeversicherung könnte gesundheitsbezogene Einkommensungleichheit adressieren.«

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2024): Bildung in Deutschland 2024. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu beruflicher Bildung, Bielefeld, Juni 2024
»Der zehnte Nationale Bildungsbericht beschreibt die Gesamtentwicklung des deutschen Bildungswesens und widmet sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig der beruflichen Bildung.«

Sandra Fischer et al. (2024): Zwischen (Rechts-)Anspruch und Realität: Soziale Selektivität in der Kindertagesförderung. IAQ-Report 2024-06, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Juni 2024
»Mit altersgruppenbezogenen Rechtsansprüchen auf Kindertagesförderung wird im deutschen Sozialstaat ein universeller Ansatz verfolgt. Insbesondere Kindern aus sozioökonomisch benachteiligten Familien soll durch die Teilhabe an Kindertagesförderung eine Grundlage für bessere Bildungschancen geschaffen werden. Analysen zeigen jedoch, dass gerade diese Gruppen unterproportional vom Kita-Ausbau profitieren und trotz Betreuungswunsch der Eltern besonders häufig keinen Platz erhalten. Die Kosten stellen vor allem für Familien mit geringem Erwerbseinkommen eine Teilhabehürde dar. Auch fehlen benachteiligten Gruppen oftmals die nötigen Informationen, um ihre Interessen bei der Konkurrenz um knappe Plätze durchzusetzen, zumal es für Kita-Träger wenig Anreize gibt, die Bedarfe dieser Gruppen zu berücksichtigen. Für die Stärkung von Teilhabe kommt es vor allem darauf an, subtil wirkende Mechanismen im Kita-System zu verstehen und auf dieser Basis Lösungsansätze zu entwickeln.«

Anne Steuernagel und Max Krahé (2024) Ambitioniert, aber vertretbar. Einordnung eines 16-Euro-Mindestlohns, Berlin: Dezernat Zukunft, Juni 2024
»Im Kontext des Inflationsschubs der Jahre 2022/23, der damit einhergehenden Reallohnverluste und des nach wie vor großen Niedriglohnsektors in Deutschland gibt es anhaltende Diskussionen über eine weitere deutliche Anhebung des Mindestlohns. Angesichts des bisherigen Erfolgs dieses Politikinstruments und um den Möglichkeitenraum auch jenseits der 14 und 15 Euro, die zuletzt gefordert wurden, zu erkunden, bietet dieses Papier eine erste Einordnung eines möglichen Mindestlohns in Höhe von 16 Euro. Drei Aspekte werden untersucht: Wer würde von einer solchen Anhebung berührt, welche Arbeitsmarkteffekte wären zu erwarten und was wären die fiskalischen Konsequenzen? Unsere Schlussfolgerung ist: eine schrittweise Anhebung auf diese Höhe ist ambitioniert, aber vertretbar. Jedoch müssten, wie bereits bei der Erhöhung auf 12 Euro, Verstöße gegen das Mindestlohngesetz genau im Auge behalten werden. Gerade eine Besetzung der noch offenen Planstellen in den Hauptzollämtern hätte hohe Priorität. Auch die weitere Entwicklung der geringfügigen Beschäftigung müsste genau beobachtet werden.«

Ricarda Steinmayr et al. (2024): Wie einsam sind junge Erwachsene im Jahr 2024? Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2024
»Einsamkeit ist ein unangenehmes, schmerzhaftes Gefühl, das Menschen dann empfinden, wenn die sie die Menge und Qualität ihrer sozialen Beziehungen als unzureichend wahrnehmen. Unsere neue repräsentative Umfrage mit 2.532 jungen Menschen vom März 2024 zeigt: Knapp die Hälfte (46 Prozent) der 16- bis 30-Jährigen fühlen sich einsam. In dieser Gruppe fühlen sich 35 Prozent moderat einsam und etwa 10 Prozent sogar stark einsam. Das bedeutet, sie erfüllen einige oder alle Kriterien, die auf Einsamkeit hindeuten. Während der Covid-19-Pandemie waren junge Menschen am stärksten von Einsamkeit betroffen, wie das Einsamkeitsbarometer der Bundesregierung anhand von Zahlen aus 2021 belegt. Unsere aktuellen Daten zeigen, dass diese Belastung nach wie vor sehr hoch ist.«

Sebastian Oelrich et al. (2024): Licht ins Dunkel bringen. Whistleblowing als Mittel im Kampf gegen Kindeswohlgefährdung, Berlin: Transparency Deutschland und SOS Kinderdörfer, Juni 2024

Angelika Kümmerling (2024): Arbeitszeiten zwischen Wunsch, Befürchtungen und Wirklichkeit. Ein IAQ-Arbeitszeitmonitor. IAQ-Report 2024-05, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Mai 2024
»Im Durchschnitt haben die abhängig Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2022 34,9 Wochenstunden gearbeitet und damit genau so lang wie schon im Jahr 2012. Dieser Wert verbirgt allerdings gegenläufige Entwicklungen: Während die Arbeitszeiten von Männern zurückgegangen sind, haben sich die von Frauen erhöht. Auch gab es Verschiebungen innerhalb der Arbeitszeitformen. Die Arbeitszeiten Vollzeitbeschäftigter sind rückläufig, im Gegenzug steigt das Arbeitszeitvolumen der Teilzeitbeschäftigten. Es ist folglich der Trend zu längerer Teilzeitarbeit, der die durchschnittliche Arbeitszeit stabil hält. Nicht bewahrheitet hat sich die Annahme, dass Frauen und insbesondere Mütter infolge der Covid-19-Pandemie ihre Erwerbstätigkeit auch langfristig reduziert hätten. Die Erwerbstätigenquote von Frauen wie auch deren Arbeitszeiten liegen derzeit sogar etwas oberhalb des Niveaus vor der Pandemie. Mit Blick auf den Fachkräftemangel bleibt die Situation fragil. Denn Beschäftigte wünschen sich im Durchschnitt kürzere Arbeitszeiten – selbst um den Preis von Gehaltseinbußen.«

Herbert Brücker et al. (2024): Institutionelle Hürden beeinflussen Umfang und Qualität der Erwerbstätigkeit von Geflüchteten. IAB-Forschungsbericht Nr. 12/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2024

Tobias Wiß et al. (2024): Nachhaltige Investitionen in der betrieblichen Altersversorgung. Die Rolle von Mitbestimmungsakteuren in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark. Study 492, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juni 2024

McKinsey & Company (2024): Der GKV-Check-up 2024. Erfolgreich navigieren durch stürmische Zeiten, Stuttgart, Juni 2024

Brigitte Knopf et al. (2024): Eine sozial gerechte und klimaneutrale Zukunft sichern. 11 Thesen für eine Klimasozialpolitik, Berlin: Zukunft KlimaSozial. Institut für Klimasozialpolitik, Juni 2024

DBfK Nordwest (2024): Zur Diskussion um die Generalistische Pflegeausbildung. Eine differenzierte Betrachtung der aktuellen Diskussion um die gesonderten Abschlüsse in der Gesundheits- und Kinderkranken- und Altenpflege, Hannover: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest, Juni 2024

Jochen Pimpertz und Ruth Maria Schüler (2024): Rentenpolitik für oder mit alternden Mehrheiten?. IW-Kurzbericht, Nr. 34/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2024

Jochen Pimpertz und Ruth Maria Schüler (2024): Politische Ökonomie der Rentenreform. Zwischen ökonomischer Ratio, Wählerpräferenzen und Parteiprogrammatik. IW-Analyse, Nr. 156, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2024
»Die Alterung der deutschen Bevölkerung führt in der umlagefinanzierten Gesetzlichen Rentenversicherung zu höheren Beiträgen bei sinkendem Sicherungsniveau. Dies ließe sich bremsen, wenn mit steigender Regelaltersgrenze der Renteneintritt später erfolgte. Jedoch bevorzugt die Bevölkerung ein konstantes Versorgungsniveau bei unveränderter Altersgrenze, selbst wenn dafür die Beitragslast steigt. Daran scheint sich die Rentenpolitik zu orientieren, auch wenn jüngere Beitragszahler eher bereit sind als ältere, länger zu arbeiten und ein geringeres Versorgungsniveau in Kauf zu nehmen. Der ökonomischen Theorie der Politik zufolge erhöhen politische Akteure ihre Wiederwahlchancen, je besser es ihnen gelingt, sich nach den Präferenzen des Medianwählers auszurichten. Weil dessen Alter mit 52 Jahren bereits im letzten Drittel der Erwerbsphase liegt und die Wahlberechtigten ab 50 Jahren die Mehrheit stellen, ist es plausibel zu vermuten, dass sie an einer möglichst generösen Versorgung interessiert sind. Mit fortschreitender Alterung der Bevölkerung erscheinen deshalb Reformen politisch unattraktiv, die eine Stabilisierung des Beitragssatzes anstreben. Das gilt jedoch nur, wenn jüngere Wähler künftig im höheren Lebensalter eine großzügige Versorgung bevorzugen (Alterseffekt). Behalten sie hingegen ihre abweichenden Präferenzen bei (Kohorteneffekt), wird es für politische Parteien attraktiver, nachhaltige Rentenreformen im Interesse der Beitragszahler anzubieten. Solange ungeklärt ist, welcher Effekt überwiegt, würde es helfen, politische Akteure mit der Frage nach ihrem Kalkül zu konfrontieren. Dann wären sie gezwungen offenzulegen, welche Verteilungsinteressen sie vorrangig bedienen wollen. Das Antwortverhalten der Parteien könnte den Wählern mehr Orientierung bieten als widersprüchliche Wahlversprechen und ein Expertenstreit über fiskalische Konsequenzen.«

Sebastian Brandl et al. (2024): Alternde Belegschaften in der Chemieindustrie vor und während der Corona-Krise: Chancen der Beschäftigung Älterer im disruptiven Arbeitsmarkt. IAB-Forschungsbericht, Nr. 11/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2024

Philipp Grunau und Stefanie Wolter (2024): Homeoffice aus betrieblicher Perspektive: gekommen um zu bleiben, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Mai 2024
»Dieser Bericht stellt die Entwicklung des betrieblichen Homeoffice-Angebots seit 2014 dar und leistet damit einen Beitrag zur Debatte um die Entwicklung von Homeoffice in Deutschland. Die Datengrundlage für die Analysen bildet das Linked Personnel Panel 2014 bis 2023. Der bis 2020 langsame Anstieg des Homeoffice-Angebot erlebte nach Beginn der Pandemie eine deutliche Ausweitung, dieser ging zudem mit einer deutlichen Formalisierung der Regelungen aufs Betriebsebene einher. Die meisten Hindernisse und Vorbehalte gegen eine Homeoffice-Einführung sind im Zuge der Pandemie nahezu bedeutungslos geworden. Nichtdestotrotz besteht in 25 Prozent der privatwirtwirtschaftlichen Betriebe ab 50 Beschäftigten weiterhin nicht die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten von zu Hause aus, in den allermeisten Fällen aufgrund einer mangelnden Eignung der Tätigkeiten in der Belegschaft.«

Martin Beznoska und Tobias Hentze (2024): Inflationsausgleichsprämie. Ohne Tarifvertrag weniger Verbreitung. IW-Kurzbericht, Nr. 35/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2024
»Die bis Ende des laufenden Jahres befristete steuer- und sozialabgabenfreie Einmalzahlung sollte und soll als Teil der Entlastungspakete die Folgen der Energiepreiskrise abfedern. Damit verzichtet der Staat auf Einnahmen von schätzungsweise 25 Milliarden Euro zugunsten der Privathaushalte.«

Maximilian Blömer et al. (2024): Die Wirkung von Freibeträgen und die Umwandlung in Steuergutschriften im deutschen Steuer- und Transfersystem. Studie im Auftrag des Zentrums für neue Sozialpolitik. ifo Forschungsberichte Nr. 143, München: ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Juni 2024
»In der vorliegenden Studie wird die Wirkung von Freibeträgen im deutschen Steuersystem untersucht. Darauf aufbauend wird die Umwandlung in Steuergutschriften simuliert. In einer empirischen Analyse werden sowohl die statischen Wirkungen von Freibeträgen als auch die von ihnen ausgehenden Verhaltensanreize untersucht. In einem zweiten Schritt wird untersucht, wie sich die Umwandlung von Freibeträgen in Steuergutschriften auswirkt. In einem progressiven Steuersystem führen Freibeträge mechanisch zu höheren absoluten Entlastungen in Form von Steuerersparnissen bei höheren Einkommen. Eine mögliche Abhilfe könnte daher die Umwandlung von Steuerfreibeträgen in so genannte Steuergutschriften sein. Die Einführung von Steuergutschriften ist insbesondere im deutschen System nicht trivial. Unsere Wirkungsanalyse und Simulationen liefern jedoch erste Anhaltspunkte für die Wechselwirkungen und Entlastungswirkungen einer direkten Umwandlung in Steuergutschriften.«

Franziska Loschert und Doritt Komitowski (2024): Auf Wiedersehen? Analyse der Daten- und Forschungslage zu Ab- und Rückwanderungsprozessen von Zugewanderten aus/nach Deutschland, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2024
»Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Fach- wie auch Arbeitskräftemangels in Deutschland kommt der Steuerung von Zuwanderung eine zentrale Rolle zu. Die Autorin der Studie zeigt anhand behördlicher Statistiken, dass Migrationsentscheidungen reversibel sind: Die meisten Zugewanderten wandern innerhalb von vier Jahren wieder ab. Um das Fach- und Arbeitskräftepotenzial für Deutschland langfristig zu sichern, rückt das Abwanderungsverhalten zugewanderter Personen daher stärker in den Fokus der Politik. Diese Studie gibt einen differenzierten Überblick auf die Daten- und Forschungslage zu Abwanderungstendenzen und -motiven zugewanderter Personen. Darüber hinaus zeigt die Autorin eine wichtige Forschungslücke auf: die Erfragung der Rück- und Weiterwanderungsabsichten und -motive nach der Abwanderung.«

Zein Kasrin und Stefan Tübbicke (2024): Das Instrument „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ im SGB II: Der Lohnkostenzuschuss zeigt hohe und stabile Beschäftigungseffekte. IAB-Kurzbericht, Nr. 13/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2024
»Gut die Hälfte der durch das Instrument „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ Geförderten schafft nach Förderende den Absprung in eine ungeförderte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die meisten finden einen Job bei demselben Arbeitgeber, der sie bereits während der Förderung beschäftigte.«

Helge Emmler und Daniel Seikel (2024): Wer wählt „Bündnis Sahra Wagenknecht“? Aktuelle Erkenntnisse über die BSW-Wahlbereitschaft aus der WSI-Erwerbspersonenbefragung. WSI Report Nr. 94, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2024
»Der vorliegende Report analysiert anhand der sechsten und zwölften Erhebungswelle des WSI-Erwerbspersonenpanels die BSW-Wahlneigung vor dem Hintergrund der bevorstehenden Europawahl. Zunächst wird untersucht, ob dem politischen Angebot des BSW eine politische Nachfrage unter den Wahlberechtigten gegenübersteht und welche Parteien die BSW-Sympathisant*innen bei der Bundestagswahl 2021 gewählt haben. Neben diesen potenziellen Wähler*innenwanderungen werden die BSW-Sympathisant*innen sowohl hinsichtlich ihrer soziodemografischen wie -ökonomischen und psychosozialen Merkmale als auch hinsichtlich ihrer Belastungen, Sorgen und ihres Institutionenvertrauens vorgestellt. Schließlich wird untersucht, wie sich diese Gruppe hinsichtlich ihrer politischen Einstellungen im bestehenden Parteienspektrum verortet und wie sich ihre Merkmale im Vergleich zu SPD- und AfD-Wähler*innen verhalten.
Es zeigt sich, dass das BSW eine bisher vakante Position im deutschen Parteiensystem besetzen könnte und besonders unter bisherigen Wähler*innen der LINKEN und der AfD beliebt ist. Dadurch könnte das BSW für Personen mit linkskonservativen Präferenzen interessant werden, die bisher mangels eines passenden Angebots andere Parteien gewählt haben. Ostdeutsche geben öfter als Westdeutsche an, eine Wahl des BSW in Betracht zu ziehen. Wir beobachten ferner eine starke Affinität zum BSW bei Arbeiter*innen. Vor allem aber sind es ökonomisch schwächere Personen, die sich dem BSW zuwenden könnten. Dabei handelt es sich um Befragte, die die wirtschaftliche Unsicherheit belastet und besorgt in die Zukunft schauen lässt und die – möglicherweise auch als Folge ihrer Sorgen und Belastungen – Institutionen misstrauisch beäugen.«

Bundesagentur für Arbeit (2024): Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich, Nürnberg, Mai 2024

Antje Schwinger und Klaus Zok (2024): Häusliche Pflege im Fokus: Eigenleistungen, Belastungen und finanzielle Aufwände, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), 2024
»Pflege in der Häuslichkeit wird in einem sehr großen Umfang durch informelle Hilfen geleistet. Aufbauend auf einer Vorgängererhebung wurden 1.008 Hauptpflegepersonen zu ihren zeitlichen, psychischen und finanziellen Belastungen befragt. Die Analysen zeigen mit durchschnittlich 49 Stunden pro Woche eine intensive Einbindung der Hauptpflegeperson in die Pflege und Betreuung. Die anhand einer validierten Pflegeskala erhobenen Daten zur Lebenszufriedenheit und Gesundheit der Pflegeverantwortlichen ergeben für ein Viertel der Befragten hohe Belastungswerte. Mehr als zwei Fünftel der Hauptpflegepersonen (44,7 Prozent) geben zusätzliche private Kosten für die Pflege in Höhe von im Schnitt 290 Euro monatlich an. Gleichzeitig ist die Pflege von Angehörigen offenbar einer der Hauptgründe für eine Teilzeittätigkeit oder Nichterwerbstätigkeit. Mehr als jede zweite Person mit reduzierter Arbeitszeit hat die eigene Erwerbstätigkeit pflegebedingt reduziert. Mehr als 25 Prozent der Nichterwerbstätigen geben die Care-Arbeit als Aufgabegrund an. Die Befragung rückt auch die Frage in den Fokus, aus welchen Gründen ambulante Angebote nicht genutzt werden. Ein Hauptgrund für eine zurückhaltende Nachfrage ist, dass die Pflege nicht durch Fremde erfolgen soll. Fehlende Angebote vor Ort werden nur von sechs Prozent der Befragten als Ursache genannt, Kostengründe spielen für rund jeden Fünften eine Rolle.«

Aída Ponce Del Castillo (ed.) (2024): Artificial intelligence, labour and society, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2024

Marcel Fratzscher (2024): Das AfD-Paradox bei der Europawahl: Ein Rechtsruck schadet vor allem den AfD-Wähler*innen und der jungen Generation. DIW aktuell Nr. 93, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mai 2024

Markus Grabka (2024): Weil Du arm bist, musst Du früher sterben? Studie zur gesundheitlichen Ungleichheit in Deutschland und was jetzt zu tun ist, Potsdam: Die Linke Fraktionsvorsitzendenkonferenz, 2024

Deutsche Rentenversicherung Bund (2024): Wie hat sich der Hinzuverdienst von Rentenbeziehenden entwickelt?, Berlin, Juni 2024
»In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht, um die Beschäftigung von Rentenbeziehenden zu fördern. Zu nennen ist das „Flexirentengesetz“ 2017 sowie die Erhöhung und dann Abschaffung der Hinzuverdienstgrenzen im Jahr 2020 bzw. 2023. Wie hat sich der Hinzuverdienst von Rentenbeziehenden vor dem Hintergrund dieser Gesetzesänderungen entwickelt?«

Katharina Scherber und Dorothee Christiani (2024): Wo stehen die gesetzlichen Krankenkassen bezüglich Nachhaltigkeit?, in: Uwe Repschläger et al. (Hrsg.): Gesundheitswesen aktuell 2024 – Beiträge und Analysen, Berlin: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung, 2024

Der Paritätische Gesamtverband (2024): Kita-Bericht 2024 des Paritätischen Gesamtverbandes, Berlin, Mai 2024
»Die aktuelle Situation in vielen Kindertageseinrichtungen ist besorgniserregend. Das zeigen die Ergebnisse einer Befragung durch den Paritätischen Gesamtverband, die nun im aktuellen Paritätischen Kita-Bericht veröffentlicht wurden. Besonders alarmierend ist, dass sich die Situation in vielen Kindertageseinrichtungen in den vergangenen zwei Jahren deutlich verschlechtert hat. Die bisherigen Bemühungen von Bund und Ländern, die Qualität in Kitas zu sichern, konnten diese Entwicklung nicht aufhalten. Durchschnittlich fehlen in jeder Kita mehr als zwei Fachkräfte, häufig sind es sogar mehr. Das entspricht aktuell 125.000 fehlenden Fachkräften im gesamten Bereich der Kindertagesbetreuung.«

BMFSFJ (Hrsg.) (2024): Einsamkeitsbarometer 2024. Langzeitentwicklung von Einsamkeit in Deutschland, Berlin: Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Mai 2024
➔  Statistischer Anhang
»Ein wichtiger Baustein der Strategie der Bundesregierung gegen Einsamkeit ist die wiederkehrende Erhebung und Veröffentlichung von validen Zahlen und Fakten zu Einsamkeit in Deutschland. Umgesetzt wird dies durch das Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik mit dem „Einsamkeitsbarometer“. Der Pilotbericht wurde vom KNE im Februar 2023 veröffentlicht. Mit dem vorliegenden „Einsamkeitsbarometer 2024“ erfolgt eine Untersuchung der Langzeitentwicklung der Einsamkeitsbelastungen innerhalb der deutschen Bevölkerung (18 Jahre und älter) auf Basis repräsentativer Daten des Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) zwischen 1992 und 2021. Genauere Angaben über die statistische Methodik können im statistischen Anhang nachgelesen werden.«

Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 22-23/2024: Fachkräftemangel
»Wer auf einen Termin mit dem Handwerker wartet oder verzweifelt nach einem Kitaplatz sucht, spürt schon heute, dass es in Deutschland an ausgebildeten Fachkräften mangelt. Diese Situation wird sich noch weiter verschärfen, wenn in den kommenden Jahren die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Der Fachkräftemangel ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Das zeigt sich auch daran, dass in den öffentlichen Debatten so unterschiedliche politische Schlagworte wie Zuwanderung, Geschlechterrollen, Demografie, Löhne, Sozialleistungen, Steuern oder Arbeitsmoral vor diesem Hintergrund neu bewertet werden.«

Barbara Buchberger et al. (2024): Listening to the voices of health care workers during the COVID-19 pandemic: A qualitative study providing in-depth insights into ethical and individual challenges, in: Qualitative Health Research, published online February 26, 2024
»In their daily practice, health care workers (HCWs) experience the effects of tensions between professional ethos and work realities, which can lead to ethical dilemmas. We aim to explore the ethical dilemmas that affected HCWs in Germany during the COVID-19 pandemic and to understand these in the context of the German health system. Between April and December 2022, we interviewed HCWs from various levels of care and key informants responsible for decisions related to HCWs in Germany. Three themes were identified in the data analyzed from 78 participants. The first highlighted the potency of pre-existing health system problems during the COVID-19 pandemic. The second captured the ethical dilemmas that were described as having arisen due to the tension between professional ethos and structural constraints. The third included factors related to increasing or diminishing the implications of ethical dilemmas. A lack of opportunities for HCWs to participate in political and managerial decisions was suggested to result in policies that do not meet the needs of HCWs and patients. Positive interpersonal interactions were described as helpful when coping with dilemmatic decision-making situations. In order to avoid negative consequences caused by unresolved ethical dilemmas, including moral distress, among HCWs, staff shortages and decision-making in the German health system urgently need to be addressed. HCWs’ working conditions regularly evoke ethical dilemmas, particularly during public health emergencies. Together with HCWs, decision-makers must develop new models for working in health care settings that are in line with HCWs’ professional ethos.«

European Commission (2024): 2024 Ageing Report. Economic & Budgetary Projections for the EU Member States (2022-2070), Luxembourg: Publications Office of the European Union, April 2024

Lukas Haffert (2024): Stirbt der Bauer, stirbt das Land? Warum es bei den Bauernprotesten um mehr als Geld geht, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2024
»Die Bauernproteste der letzten Monate zeigen, dass es bei Stadt-Land-Konflikten nicht nur um gleichwertige Lebensverhältnisse oder unterschiedliche politische Einstellungen geht, sondern auch um Identitäten und um das Gefühl fehlender politischer Aufmerksamkeit. Eine politische Antwort auf diese Konflikte sollte sich deshalb nicht auf deren finanzielle Aspekte beschränken, sondern muss auch Fragen der Repräsentation in den Blick nehmen.«

Yuliya Kosyakova und Herbert Brücker (2024): Zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten aus der Ukraine: Eine Simulationsstudie. IAB-Forschungsbericht Nr. 9/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2024
»Auf Grundlage einer Stichprobe von Geflüchteten, die vor 2022 nach Deutschland zugezogen sind, sowie anderer Migrantinnen und Migranten aus der früheren Sowjetunion wurden für diesen Forschungsbericht Szenarien zur möglichen Entwicklung der Erwerbstätigenquoten ukrainischer Geflüchteter entwickelt. Im Basisszenario erreichen ukrainische Geflüchtete nach einer Aufenthaltsdauer von fünf Jahren eine durchschnittliche Erwerbstätigenquote von 45 Prozent, nach zehn Jahren von 55 Prozent. Dabei ist das das Gefälle in den Erwerbstätigenquoten zwischen Männern und Frauen erheblich.«

Franziska Schreyer et al. (2024): Geflüchtete aus der Ukraine: Jobcenter schreiben ihnen gute Arbeitsmarktchancen zu. IAB-Kurzbericht Nr. 12/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2024
»Seit Juni 2022 werden leistungsberechtigte Geflüchtete aus der Ukraine bereits kurz nach ihrer Einreise von den Jobcentern betreut. Mit welchen organisatorischen Maßnahmen haben diese darauf reagiert? Welche Erfahrungen machen die Jobcenter bei der Betreuung dieser Menschen? Auf Basis von quantitativen und qualitativen Befragungen gibt dieser Kurzbericht hierzu Auskunft.«

Pia Homrighausen und Michael Oberfichtner (2024): Arbeitsuchend, aber noch nicht arbeitslos: Die Wirkung früher Gesprächsangebote durch die Agenturen für Arbeit. IAB-Forschungsbericht, Nr. 8/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2024

René Böhme (2024): Arbeitsausbeutung im Reinigungsgewerbe. Problemlagen, Hilfestrukturen, Handlungsmöglichkeiten. Forschungsförderung Working Paper Nr. 333, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Mai 2024
»Arbeitsausbeutung ist in Deutschland alltägliche Praxis. Zahlreiche Hürden führen dazu, dass es in den seltensten Fällen zur Strafverfolgung der Täter:innen kommt – das macht Ausbeutung zu einem lukrativen Geschäftsmodell. Um dem entgegenzuwirken, sind Bund, Länder und Kommunen aufgefordert, eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Arbeitsausbeutung zu entwickeln. Diese sollte Erleichterungen bei der Strafverfolgung, quantitative und qualitative Verbesserungen der Kontrollmechanismen sowie eine Stärkung des Hilfesystems umfassen.«

Nina Weimann-Sandig und Bernhard Kalicki (2024): Nur Teilzeit in der Kita? Arbeitszeitumfang und Beschäftigungspotenziale in der Kindertagesbetreuung. Forschungsförderung Working Paper Nr. 331, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Mai 2024
»Das System der Kinderbetreuung steht unter hohem Druck: In Deutschland fehlen Fachkräfte und qualifiziertes Personal, um den Bedarf zu bedienen und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz zu gewährleisten. Die Studie untersucht, ob pädagogisches Personal in Teilzeit Potenziale zur Stundenaufstockung besitzt – und liefert auf Basis einer Untersuchung in vier Bundesländern Erkenntnisse über Motive und Beweggründe, die Arbeitszeit nicht aufzustocken, sondern beizubehalten. Mögliche Potenziale fallen daher gering aus. Wichtig ist also vielmehr die Sicherung der verbliebenen Stundenkontingente und die Vermeidung weiterer Stundenreduzierung, etwa über gesunde Arbeitsbedingungen.«

Constanze Janda (2024): Handreichung für eine bürgerfreundliche Sozialverwaltung, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2024

Rainer Bobsin (2024): Diskussionspapier Begriffliche Unschärfen zu Karl Lauterbachs Aussagen auf der Bundespressekonferenz am 22. Mai 2024 anlässlich der Vorstellung des Beschlusses zum Versorgungsstärkungsgesetz (GVSG) und zum Beschluss des Deutschen Ärztetages »Investorenbetriebene MVZ endlich regulieren« am 10. Mai 2024, Mai 2024

Richard Ochmann et al. (2024): GKV-Beiträge der Bezieher von ALG II – Aktualisierung. Forschungsgutachten zur Berechnung kostendeckender Beiträge für gesetzlich krankenversicherte Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld im SGB II, Berlin: IGES Institut, Mai 2024

Michael Baumgarten et al. (2024): Helfer oder doch Fachkräfte? Migrantische Beschäftigte im deutschen Hochbau, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2024
»Entgegen vieler wissenschaftlicher Prognosen hat sich der Anteil an Personen, die auf dem Anforderungsniveau „Helfer“ arbeiten, über die letzten zehn Jahre erhöht. Auch in der Baubranche kann ein starker Anstieg festgestellt werden. Gleichzeitig fehlt es hier auch weiterhin an Fachkräften. Diese Publikation geht nun der Frage nach, inwiefern viele der im Hochbau beschäftigten ausländischen Helfer nicht eigentlich als Fachkräfte zu bewerten sind? Anhand einer Analyse quantitativer Arbeitsmarktdaten und unter Einbeziehung von Interviews u.a. mit Helfern im Hochbau zeichnen die Autoren ein Bild komplexer und in großen Bereichen informalisierter Arbeitsbeziehungen, in denen durchaus qualifizierte Beschäftigte nicht selten als Hilfskräfte eingestuft und bezahlt werden, jedoch Fachkrafttätigkeiten ausführen. Die vorliegende Studie bringt damit exemplarisch ein wenig Licht in einen Teilbereich des Arbeitsmarktes, dessen strukturelle Entwicklung – Zunahme an Helfertätigkeiten und Zunahme von ausländischen Beschäftigten – so aber auch in anderen Branchen gefunden werden kann.«

BMFSFJ (Hrsg.) 2024: Gesamtstrategie Fachkräfte in Kitas und Ganztag. Empfehlungen der AG „Gesamtstrategie Fachkräfte“, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), 2024

Bundesrechnungshof (2024): Gutachten des Bundesbeauftragten für Wirtschaftlichkeit in der Verwaltung über den Entwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zu einem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), Berlin, 15. Mai 2024

PKV-Verband (2024): Ein neuer Generationenvertrag für die Pflege. Einstieg in eine generationengerechte Reform der sozialen Sicherung, Köln: Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband), Mai 2024

Ludger Baba et al. (2024): Wohnsitzregelung für Geflüchtete: kleine Wirkung, großer Aufwand, in: DIW Wochenbericht, Nr. 20/2024
»Mehrere Millionen Menschen sind in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflüchtet. Viele Städte und Gemeinden stellt das mit Blick auf die Unterbringung der Geflüchteten und deren Integration vor große Herausforderungen. Um eine Überlastung zu verhindern und die schutzsuchenden Menschen gleichmäßiger in Deutschland zu verteilen, ist im Jahr 2016 die sogenannte Wohnsitzregelung in Kraft getreten. Seitdem müssen Geflüchtete – von Ausnahmen abgesehen – noch mindestens drei Jahre, nachdem ihnen der Schutzstatus zugesprochen wurde, am Ort des Asylverfahrens wohnen. Auf Basis der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten in Deutschland und einem Forschungsdatensatz des Ausländerzentralregisters geht dieser Wochenbericht der Frage nach, welche Folgen diese Regelung hat. Demnach fördert die Wohnsitzregelung die Integration nicht und beschert Geflüchteten auf dem Wohnungsmarkt und auf dem Arbeitsmarkt stattdessen eher Nachteile. Gleichzeitig ist ihre Steuerungswirkung begrenzt. Die Wohnsitzregelung senkt den Anteil der Geflüchteten, die überhaupt umziehen, von 42 auf 30 Prozent. Von diesen zieht wiederum deutlich weniger als die Hälfte an überlastete Orte. Einem Großteil der Geflüchteten wird ein Wohnortwechsel pauschal verwehrt, obwohl er mit Blick auf die Belastung der Integrationsinfrastruktur unproblematisch wäre. Hinzu kommt ein hoher Verwaltungsaufwand. Die Wohnsitzregelung sollte aus diesen Gründen dringend reformiert werden.«

Maximilian Blömer et al. (2024): Arbeitsmarktdynamik und Einkommensungleichheit in Deutschland. Ein Überblick von 1983 bis 2020, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2024
»Der Artikel zeigt die Entwicklung der Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt und der Einkommen in Deutschland über die vergangenen vier Jahrzehnte. Bemerkenswert ist hierbei die gestiegene Arbeitsmarktbeteiligung von Frauen und älteren Beschäftigten. Bei den Arbeitseinkommen sind jedoch weiterhin große Unterschiede zwischen Müttern und kinderlosen Frauen sowie zwischen Männern und Frauen zu beobachten. Die Ungleichheit der Arbeitseinkommen und der verfügbaren Haushaltseinkommen ist nach der Wiedervereinigung zunächst gestiegen. In den Jahren vor der Corona-Pandemie ging die Ungleichheit bei den Arbeitseinkommen zurück – trotz veränderter Zusammensetzung der Erwerbsbevölkerung, die in der Tendenz ungleichheitstreibend wirkt. Generell trägt das deutsche Steuer- und Transfersystem dazu bei, die Einkommensungleichheit zwischen Haushalten zu mildern.«

Ludger Wößmann et al. (2024): Ungleiche Bildungschancen: Ein Blick in die Bundesländer, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2024
»Wie gerecht oder ungerecht sind die Bildungschancen von Kindern mit verschiedenen familiären Hintergründen in Deutschland verteilt? Die vorliegende Studie vergleicht die Wahrscheinlichkeit eines Gymnasialbesuchs für Kinder mit niedrigerem Hintergrund (weder ein Elternteil mit Abitur noch oberes Viertel der Haushaltseinkommen) mit der für Kinder mit höherem Hintergrund (mindestens ein Elternteil mit Abitur und/oder oberes Viertel der Haushaltseinkommen). Dazu wird sowohl der relative (Chancenverhältnis) als auch der absolute Unterschied (Chancendifferenz) im Gymnasialbesuch zwischen den beiden Gruppen betrachtet. Deutschlandweit besuchen 26,7 % der Kinder mit niedrigerem Hintergrund ein Gymnasium, mit höherem Hintergrund sind es 59,8 %. Die Chance auf einen Gymnasialbesuch bei niedrigerem Hintergrund ist also nicht einmal halb so groß (Chancenverhältnis 44,6 %) wie bei höherem Hintergrund, die Chancendifferenz beträgt 33,2 Prozentpunkte. Die Ungleichheit der Bildungschancen ist in allen Bundesländern sehr stark ausgeprägt. Es gibt aber auch deutliche Unterschiede. Bei Betrachtung des relativen Unterschieds weisen Berlin, Brandenburg und Rheinland-Pfalz etwas bessere Chancenverhältnisse auf (zwischen 52 % und 54 %), Bayern und Sachsen schlechtere (38,1 % bzw. 40,1 %). Bei Betrachtung des absoluten Unterschieds ist die Chancendifferenz in Sachsen und Sachsen-Anhalt (40,1 bzw. 38,1 Prozentpunkte) besonders stark ausgeprägt, in Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz (26,4 bzw. 28,4 Prozentpunkte) noch am geringsten. Anhand von acht Beispielen guter Praxis aus den Bereichen frühkindliche Förderung, Unterstützung von Eltern und Schulen in herausfordernden Lagen, datenbasierte Sprachförderung, verringerte schulische Aufteilung und Mentoring werden konkrete Maßnahmen für mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung vorgestellt.«

Clara Albrecht et al. (2024): Vorschläge für eine reformierte europäische Asyl- und Migrationspolitik, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2024
»Die vergangenen zehn Jahre haben die Defizite der europäischen Asylpolitikoffengelegt. Uneinheitliche Umsetzungen der gesetzlichen Regelungen und die ungleiche Belastung der EU-Länder haben in Anbetracht andauernd hoher Asylantragszahlen zu einer Überlastung des europäischen Asylsystems und zu großem Unmut in den Mitgliedstaaten geführt, so dass eine Reform der gemeinsamen europäischen Asylpolitik unumgänglich wurde. Die Reform führt mit dem Asylgrenzverfahren ein beschleunigtes Verfahren ein, das eine schnellere Abschiebung von Personen mit schlechten Bleibeperspektiven ermöglicht. Zwar obliegt die Prüfung der Asylanträge weiterhin dem EU-Ersteinreiseland, es sollen allerdings 30 000 Geflüchtete jährlich auf die Mitgliedstaaten verteilt werden. Im Falle stark steigender Antragszahlen tritt eine neu eingeführte Krisenverordnung in Kraft, die Eilverfahren für Registrierung und Abschiebung vorsieht. Ein Hauptproblem der hohen Asylantragszahlen wurde mit der Reform allerdings nicht adressiert: Es fehlen legale Einreisewege in die EU für Menschen, deren Fluchtgründe nicht Krieg und Verfolgung sind, sondern wirtschaftliche Ursachen haben.«

Johannes Rausch und Axel Börsch-Supan (2024): Mehrausgaben des Rentensystems aufgrund des Rentenpakets II, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2024
»Am 5. März 2024 hat die Bundesregierung ihr Rentenpaket II vorgestellt. Neben der Einführung einer kapitalgedeckten Komponente in der Gesetzlichen Rentenversicherung besteht der Hauptpunkt des Pakets in der Fortführung der Haltelinie des Rentenniveaus bei 48 % über das Jahr 2025 hinaus. Damit werden die Rentenausgaben stärker steigen als ursprünglich vorgesehen. Da keine Haltelinie für die Beiträge Bestandteil des Rentenpakets II ist, müssen diese Mehrausgaben von den Beitragszahlern und dem Bund ausgeglichen werden. Bereits unter geltendem Recht werden sich die von den Beitrags- und Steuerzahlern aufzubringenden Mehrausgaben aufgrund der demografischen Entwicklung im Jahr 2030 auf rund 13 Mrd. Euro, im Jahr 2040 auf rund 45 Mrd. Euro und im Jahr 2060 auf mehr als 67 Mrd. Euro, jeweils inflationsbereinigt, belaufen. Durch die Haltelinie des Rentenpakets II würde sich die Beitragslast in etwa verdoppeln und die gesamten Mehrausgaben um etwa 70 % ansteigen, weil durch die Abschaffung des Nachhaltigkeitsfaktors auch die hälftige Aufteilung der demografischen Last zwischen Beitrags- und Steuerzahlern einerseits und Rentenempfängern andererseits aufgegeben würde. Im Jahr 2030 würden jährliche Mehrausgaben von 8 Mrd. Euro anfallen, im Jahr 2040 32 Mrd. Euro und im Jahr 2060 45 Mrd. Euro, zusätzlich zu den oben genannten Beträgen.«

Uwe Schätzlein (2024): Generationenkapital gleich Zockerkapital? – die implizite Ziel-Performance des Referentenentwurfs, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2024
»Der vorliegende Referentenentwurf zum Rentenpaket II sieht neben einer Verlängerung der Haltelinie zur Stabilisierung des Rentenniveaus die Errichtung einer Stiftung „Generationenkapital“ vor. Der Entwurf strebt dabei den Aufbau eines Stiftungsvermögens von 200 Mrd. Euro und jährliche Ausschüttungen von 10 Mrd. Euro an. Dieses soll ab 2036 neben Beiträgen und Bundeszuschüssen als dritte Finanzierungssäule der gesetzlichen Rentenversicherung dienen. Der Beitrag analysiert die mit dem Ziel einhergehende notwendige Performance des Generationenkapitals unter verschiedenen Annahmen. Grundsätzlich erscheint das gesetzte Ziel langfristig realistisch erreichbar. Allerdings ist der Finanzierungsbeitrag des Generationenkapitals als gering einzuschätzen.«

Tanja Buch et al. (2024): Zunehmende Fachkräfteengpässe – Warum sind ländliche Räume besonders betroffen?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2024
»Unternehmen fällt es zunehmend schwer, Stellen zu besetzen. Dabei sind ländliche Räume aktuell offenbar stärker von Fachkräfteengpässen betroffen als städtische Räume. Umfassend analysiert wurden diese regionalen Disparitäten bislang jedoch nicht. Wir untersuchen das Ausmaß von Stadt-Land-Unterschieden, betrachten ihre Entwicklung im Zeitverlauf und zeigen, mit welchen strukturellen Merkmalen die regionale Engpasssituation in Zusammenhang steht.«

Hannah S. Steinberg et al. (2024): Alleinerziehende in der Betreuungsplatzvergabe: Status quo und Handlungsempfehlungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2024
»Alleinerziehende Eltern und ihre Kinder profitieren besonders von frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten. Dennoch erhalten in Deutschland knapp ein Drittel der Alleinerziehenden mit Betreuungsbedarf für ihre unter dreijährigen Kinder keinen Betreuungsplatz. Obwohl rund 70 % der Kitaleitungen angeben, das Vergabekriterium „Alleinerziehend“ bei der Platzvergabe zu berücksichtigen, können die vorherrschenden Vergabeverfahren die Umsetzung der Kriterien nicht gewährleisten. Dieser Beitrag zeigt, wie bundesweit transparente Vergabekriterien gestaltet werden und durch geeignete, zentral verwaltete Zuteilungssysteme auf kommunaler Ebene umgesetzt werden können.«

BMFSFJ (2024): Familienreport 2024, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Mai 2024

Ulrich Schneider (2024): Kinderarmut sinkt markant, Altersarmut auf dem Vormarsch. Expertise zu den Erstergebnissen des Mikrozensus zur Armutsentwicklung 2023, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband, Mai 2024

ICN (2024): The economic power of care, Geneva: International Council of Nurses (ICN), 2024

Lewe Bahnsen (2024): Zur Zukunftsfähigkeit der Sozialen Pflegeversicherung, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Mai 2024
»Die Studie enthält unsere aktuellen Vorausberechnungen des Beitragssatzes in der SPV. Die Untersuchung offenbart die Zunahme des finanziellen Drucks und damit den Reformbedarf in der SPV, selbst bei konservativen Annahmen der zukünftigen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung.«

Frank Wild (2024): Voraussichtliche Entwicklung der Beitragssätze in der Sozialen Pflegeversicherung, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Mai 2024

Frank Wild (2024): Steuerzuschüsse für die Soziale Pflegeversicherung zur Stabilisierung der Pflegebeiträge – Finanzielle Tragfähigkeit und Prognosen, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Mai 2024
»Die neue WIP-Studie setzt sich mit der Frage nach möglichen Steuerzuschüssen zur Sozialen Pflegeversicherung (SPV) auseinander. Dabei wird aufgezeigt, wie hoch der der Bundeszuschuss zur SPV in den nächsten Jahren sein müsste, um den Beitragssatz auf dem 2024er Niveau konstant zu halten. Die Analyse offenbart die enormen Finanzierungslasten, die damit zukünftig von den Steuerzahlern zu tragen wären. Bundeszuschüsse würden zudem eine Fiskalillusion schaffen, Intransparenz erzeugen sowie Abhängigkeiten schaffen. Sie bilden damit kein stabiles Fundament für eine langfristige Finanzierung dieses Sozialversicherungszweiges.«

Deutscher Landkreistag (2024): Mehr Handhabe für die Jobcenter. Forderungen zur Verbesserung der Arbeitsmarktintegration, Mai 2024

Natalie Klauser (2024): Weckruf für die Integrationspolitik. Die Kriminalstatistik 2023 zeigt integrationspolitischen Handlungsbedarf auf, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2024
»Anfang April stellte die Bundesinnenministerin die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2023 vor. Demnach ist die Zahl der Straftaten in Deutschland seit 2022 um 5,5 Prozent gestiegen. Eine Ursache für den Anstieg sieht das Bundeskriminalamt (BKA) in den hohen Zuwanderungszahlen. In der Debatte um die Gründe dominieren Schuldzuweisungen, Verdächtigungen und Abwehrdiskurse. Die Kriminalwissenschaften weisen allerdings seit Längerem darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen krimineller Neigung und mangelnder Integration bestehen kann. Eine wirksame Kriminalitätsbekämpfung ist daher eng mit einer besseren Integrationspolitik verbunden.«

Hannah Paule-Paludkiewicz (2024): Recht auf Teilzeitarbeit erhöht Arbeitseinkommen von Müttern. Research Brief 64, Frankfurt am Main: Deutsche Bundesbank, April 2024
»Flexible Arbeitszeitregelungen können Eltern helfen, familiäre und berufliche Anforderungen miteinander zu vereinbaren. In diesem Zusammenhang untersucht eine neue Studie, wie sich das gesetzliche Recht auf Teilzeitarbeit auf das Arbeitsangebot und das Arbeitseinkommen von anspruchsberechtigten Müttern auswirkt.«
➔  Hannah Paule-Paludkiewicz (2024): Does the right to work part-time affect mothers’ labor market outcomes?. Discussion Paper No. 12/2024, Frankfurt am Main: Deutsche Bundesbank, April 2024

Susanne Vogl (2024): Multiperspektivische und multimethodische Forschungsdesigns zur Untersuchung der (Aus)wirkungen sozialpolitischer Regelungen auf Lebensläufe, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2024

Susanne Vogl (2024): Potenziale und Grenzen sozialwissenschaftlicher Methoden zur Erforschung der Wirkung sozialpolitischer Regelungen auf Lebensverläufe, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, März 2024
»Die Analyse der Wirkung und Wirkungsbedingungen sozialpolitischer Maßnahmen auf individuelle Lebens(-ver-)läufe ist äußerst komplex. Obwohl in der Evaluationsforschung experimentelle Designs als Goldstandard gelten, können diese in der Lebenslaufforschung in aller Regel nicht eingesetzt werden. Um Ursache-Wirkungsbeziehungen zu verstehen und Verläufe zu erkennen oder sogar vorherzusagen, wird eine Längsschnittperspektive und eine Verknüpfung unterschiedlicher Methoden (und Perspektiven) benötigt. Multimethodische Längsschnittstudien können die Verzahnung der gesellschaftlichen Mikro-, Meso- und Makro-Ebenen beleuchten. Das vorliegende Papier trägt vor diesem Hintergrund Wissen zu qualitativen und quantitativen Zugängen sowie ihrer Kombination zur (längsschnittlichen) Erforschung von Lebensläufen zusammen. Erkenntnismöglichkeiten und Entscheidungen mit Blick auf die Forschungsdesigns werden in kondensierter Form diskutiert. Der Beitrag gibt einen Überblick über den Stand der Debatte um qualitative und quantitative Methoden sowie deren ‚Mix‘ in Querschnitts- und Längsschnittdesigns und stellt dabei Bezüge zu Fragen der Sozialpolitik- und Lebenslaufforschung her.«

Frederic Hüttenhoff und Karen Jaehrling (2024): Werkverträge – wachsende Parallelwelt in transnationalen Arbeitsmärkten. IAQ-Report 2024-04, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2024
»In manchen Branchen wie dem Baugewerbe und Schiffbau haben Werkverträge zugenommen und einen Funktionswandel durchlaufen. Dort zeichnet sich ein Produktionsmodell ab, das mittels Subunternehmen und unter Rückgriff auf internationale Arbeitsmärkte Firmenstrukturen verschleiert und die Feststellung der verantwortlichen Arbeitgeber erschwert. Diese Intransparenz hat eine erhebliche Prekarisierung der Arbeits- und Lebensbedingungen der betroffenen, in der Regel migrantischen Arbeitskräfte zur Folge. Um dem zu begegnen, haben Gewerkschaften, Betriebsräte und Beratungsorganisationen begonnen, sich transnationaler auszurichten. Insbesondere vertrauensbildende Maßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der neuen Strategien. Nicht alle Probleme können durch eine Rechtsmobilisierung „von unten“ und kollektive Verhandlungen der Sozialpartner gelöst werden. Die Durchsetzung von equal pay und equal treatment bleibt eine staatliche Kernaufgabe.«

BKK-Dachverband (2024): Darüber staunt der Laie und die Fachwelt wundert sich: Der Zustand der pflegerischen Versorgung 2024 in Deutschland! Thesenpapier zur Neuausrichtung der Pflege, Berlin, Mai 2024

Thorsten Faas (2024): Eine Frage des Alters? Erwerbsorientierung und die Gen Z, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2024
»Das Verhältnis der Angehörigen der Gen Z (also Menschen unter 30) zur Erwerbsarbeit ist regelmäßig Gegenstand öffentlicher Debatten. Sie legten mehr Wert auf Flexibilität und schätzten Erwerbsarbeit insgesamt weniger. Der vorliegende Beitrag prüft dieses weit verbreitete Narrativ empirisch und kann es in keiner Weise bestätigen. Ihr Blick auf Erwerbsarbeit unterscheidet sich nicht von jenem anderer älterer Generationen. Darüber hinaus zeigt sich: Labels wie „Gen Z“ suggerieren die Einheitlichkeit einer Generation, die es so auch nicht gibt. Die Gen Z ist intern nicht weniger heterogen als die Gruppe der Erwerbstätigen insgesamt. Mit solchen Labels wird der Blick auf tatsächlich feststellbare Unterschiede verstellt. Die Analysen fördern vor allem Bildungs- und Geschlechtsunterschiede zutage – gerade auch für die Gen Z, innerhalb derer Unterschiede zwischen Geschlechtern keineswegs geringer sind als in älteren Generationen. Ebenso zeigt sich, dass nicht Generationen dafür verantwortlich sind, ob Menschen mit ihrer beruflichen, finanziellen und familiären Situation zufrieden sind oder nicht, sondern es ist die Art der Tätigkeit, die Menschen erfahren: Belastende Jobs machen Menschen in jeder Hinsicht unzufrieden – egal, ob Gen Z oder nicht. Hierauf sollte der Fokus öffentlicher Diskurse liegen, hierfür sollten vielleicht auch griffige Bezeichnungen gefunden werden, statt der empirisch wenig sinnvollen generationalen Labels.«

Ulrich Walwei (2024): Einführung der Vier-Tage-Woche in Zeiten des Arbeits- und Fachkräftemangels: Chance oder Risiko?, in: IAB-Forum, 02.05.2024
»Seit geraumer Zeit wird über Vorteile und Machbarkeit einer generellen Vier-Tage-Woche diskutiert. In nicht wenigen Unternehmen gibt es sie bereits, wenn auch in unterschiedlichsten Ausprägungen. Für Firmen kann dies ein wirksames Instrument sein, um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu stärken und so Personal zu gewinnen oder besser an sich zu binden. Wenn die Vier-Tage-Woche allerdings mit einer allgemeinen Verkürzung der Arbeitszeit einherginge, wäre sie angesichts des wachsenden Arbeitskräftemangels gesamtwirtschaftlich eher kontraproduktiv.«

Enzo Weber (2024): The Dovish Turnaround: Germany’s Social Benefit Reform and Job Findings. IAB-Discussion Paper No. 7/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2024
»On the labour markets, recent decades were characterised by structural supply-side reforms in many countries. Following its hawkish reforms from the 2000s, Germany has recently made a dovish turnaround. Conditions in basic income support for unemployed became more generous. Before, a temporary moratorium on sanctions had been imposed, providing a unique policy shift. We analyse the short-run consequences for job findings, building on large administrative data and a novel control group approach. The moratorium dampened job findings by four percent and the subsequent benefit reform by almost six percent in the first year. Other factors played a still larger role for the recent weakening of job findings.«

Joëlle Zimmerli et al. (2024): Ältere Menschen auf dem Mietwohnungsmarkt. Handlungsfelder für Wohnungsunternehmen, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 2024

Regierungskommission für eine moderne und ­bedarfsgerechte Krankenhausversorgung (2024): Überwindung der Sektorengrenzen des deutschen Gesundheitssystems. 10. Stellungnahme, Berlin, Mai 2024
Die bisherige Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung in Deutschland soll schrittweise einem neuen, besser verzahnten System weichen. Darauf zielen die Vorschläge der Regierungskommission zur Krankenhausreform für eine engere Verzahnung der Sektoren. Danach sollen kleine Häuser auf dem Land verstärkt ambulante Behandlungen anbieten. Zugleich soll ein Primärarztsystem auf- und die „doppelte Facharztschiene“ in Praxen und Kliniken abgebaut werden. Die Experten schlagen ferner vor, dass neue, regionale Gremien die Versorgung sektorübergreifend planen.

Tobias Maier et al. (2024): Detailliertes, langfristiges Monitoring des Bedarfes an und Angebotes von Gesundheitsberufen. BMG-Fachkräftemonitoring, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2024
»Ohne qualifizierte Fachkräfte können Gesundheitsleistungen nicht erbracht werden. Um mögliche Fachkräfteengpässe zu lösen, müssen sie frühzeitig erkannt werden. Hierfür bedarf es eines detaillierten langfristigen Monitorings von (Arbeits-)Angebot und Bedarf in den Gesundheitsberufen („BMG-Fachkräftemonitoring“). Dieser Bericht legt dar, welche Projektions- und Szenariomöglichkeiten mit den in Deutschland zur Verfügung stehenden Datenquellen möglich sind: Für rund 55 Berufe des Gesundheitswesens (darunter 16 ärztliche Berufe) lässt sich die Entwicklung zuverlässig vorhersagen – jeweils unterschieden nach den Einrichtungsarten „stationär“, „ambulant“ und „sonstige“. Es wird ein Projektionsansatz vorgeschlagen, der sich in das bereits bestehende Projektionskonzept der Qualifikations- und Berufsprojektionen (www.QuBe-Projekt.de) einbetten lässt. Er ermöglicht es Folgewirkungen von Maßnahmen abzuschätzen und ist in der Lage politische Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren.«

BAuA (2024): Arbeitswelt im Wandel. Zahlen – Daten – Fakten. Ausgabe 2024, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Mai 2024

Jan Niklas Engels et al. (2024): Wie viel Klasse steckt in der Mitte? Erwerbsklassen und ihr Blick auf Arbeit, Gesellschaft und Politik, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2024
»Anhand qualitativer und quantitativer Ergebnisse zeigt diese Studie, dass die Arbeiter:innenklasse heute eine sehr ausdifferenzierte Gruppe von Erwerbstätigen umfasst, die sich zudem oftmals gesellschaftlich in der Mitte verortet und zumeist auch zufrieden mit der eigenen Arbeit ist. Doch gibt es auch klare Vorstellungen, was sich in Sachen Anerkennung, Gehalt und Arbeitszeiten ändern sollte. Die neue Arbeiter:innenklasse, das sind die, die „das Band am Laufen halten“. Dachte man früher zunächst an körperlich arbeitende Menschen, oftmals im Gewand von Handwerk oder Produktion, gehört heutzutage auf jeden Fall der Dienstleistungsbereich ebenfalls dazu. Aber in allen Erwerbsklassen gibt es Abstufungen nach Gehalt und gesellschaftlicher Anerkennung. Menschen sind sich der Tatsache sehr bewusst, dass es innerhalb einer Tätigkeitsgruppe große Unterschiede gibt. Diese Diversität mag einer der Gründe sein, warum kaum eine politische Mobilisierung über Erwerbsklassen hinweg stattfindet. Doch ist das nicht gleichbedeutend damit, dass Klassenbewusstsein keine Rolle mehr spielt. Ganz im Gegenteil besteht ein sehr feines Gespür dafür, was gerecht ist und was nicht.«

Jürgen Schmidt (2024): Wie entstand die Arbeiterklasse? Arbeiter:innen und Klassenbildung im 19. Jahrhundert, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2024

Frank Micheel (2024): Einschätzung des finanziellen Werts freiwilligen Engagements. Ältere Menschen leisten einen erheblichen Beitrag, in: Bevölkerungsforschung aktuell, Nr. 2/2024
»Mit dem demografischen Wandel steigt der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung in Deutschland. Dies gilt auch für den Anteil der Personen, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen. Viele dieser Personen tragen jedoch, etwa über ihr freiwilliges Engagement, weiter zur Gesellschaft bei. In diesem Beitrag wird eine Schätzung des finanziellen Werts des freiwilligen Engagements aufgegliedert nach Alter vorgenommen. Die Berechnungen zeigen, dass ältere Menschen einen bedeutenden Beitrag leisten.«

Jan Ahlrichs et al. (2024): Seniorenhilfe in den Großstädten. Angebote und Steuerungsansätze, Hamburg: con_sens, 2024

Susann Prätor (2024): Brutalisierung der Jugendgewalt!? – Eine ‚populäre Gewissheit‘ auf dem empirischen Prüfstand. Research Brief #3, Nienburg/Weser: KriS – Institut für Kriminalitäts- und Sicherheitsforschung, Polizeiakademie Niedersachsen, 2024
»Besonders extreme Gewaltvorfälle unter Jugendlichen scheinen Eindrücke und damit verbunden (ungeprüfte) Annahmen zu induzieren, dass Jugendliche bei ihren Gewalttaten heutzutage brutaler vorgehen als ‚früher‘. Im Rahmen des vorliegenden Beitrages soll dieser Frage auf Basis empirischer Daten nachgegangen werden. Mit Hilfe verschiedener Datenquellen wird aufgezeigt, dass Zweifel an dieser These angebracht sind.«

Malte Lübker und Thorsten Schulten (2024): Tarifbindung in den Bundesländern. Entwicklungslinien und Auswirkungen auf die Beschäftigten. Analysen zur Tarifpolitik, Nr. 103, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2024

Arbeitsgruppe Frühe Bildung (2024): Gutes Aufwachsen und Chancengerechtigkeit für alle Kinder in Deutschland. Kompendium für hohe Qualität in der frühen Bildung, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, März 2024

Assekurata (2024): Wege zur Pflege­vollversicherung mit der Pflegezusatzversicherung, Köln: Assekurata Assekuranz Rating-Agentur, April 2024

Holger Schäfer und Stefanie Seele (2024): Arbeitsmarkt 2024: Die Rückkehr der Arbeitslosigkeit?. IW-Kurzbericht, Nr. 23/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2024
»Während sich der Arbeitsmarkt in Deutschland im vergangenen Jahr trotz Rezession als erstaunlich stabil erwies, werden sich im laufenden Jahr zunehmend die Folgen der konjunkturellen Schwäche zeigen. Die Arbeitslosigkeit steigt auf den höchsten Stand seit 2015, bleibt hinter den historischen Höchstständen aber weit zurück.«

Franziska Arndt et al. (2024): Ältere Beschäftigte am Arbeitsmarkt – wertvolle Erfahrung stärker als Potenzial nutzen, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), April 2024

Andrea Hammermann (2024): Betriebliche Gesundheitsförderung – resilient in Krisenzeiten. IW-Kurzbericht, Nr. 22/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2024
»Hohe Krankenstände rücken die Gesundheitsförderung wieder verstärkt in den betrieblichen Fokus. Daten des IW-Personalpanels zeigen die Vielfalt und Verbreitung des betrieblichen Angebots. Auch die individuelle Resilienz wird vielerorts gestärkt – rund jedes vierte Unternehmen setzt auf Stress- und Resilienztrainings.«

Hagen Lesch (2024): Die deutsche Lohnpolitik zwischen Inflation und Stagnation – Drohen Zielkonflikte mit der Geldpolitik?, in: IW-Trends, Nr. 2/2024, S. 81-99
»Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise setzte ein Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ein, der Spielraum für eine vergleichsweise expansive Lohnpolitik eröffnete. Dieser Spielraum schlug sich vor allem in der Effektivlohnentwicklung nieder. Während die Tarifverdienste seit 2010 um insgesamt 37,7 Prozent anstiegen, legten die tatsächlich gezahlten Bruttolöhne um 52,1 Prozent zu. Besonders ausgeprägt war die Effektivlohndynamik im Dienstleistungssektor: Dort betrug das Plus insgesamt 54,2 Prozent, während die Bruttolöhne im Produzierenden Gewerbe um lediglich 43,8 Prozent anstiegen. Dabei hat sich vor allem im Dienstleistungssektor eine anhaltende Lohndrift entwickelt, die Raum für regionale und qualifikationsbezogene Differenzierungen auf der betrieblichen Ebene lässt. Gleichzeitig hat sich der Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Arbeitskosten mit knapp 50 Prozent deutlich vom Produktivitätszuwachs abgekoppelt, der im gleichen Zeitraum bei lediglich 11,2 Prozent lag. Dieser von der Lohnpolitik angestoßene Kostenschub wurde von den Unternehmen vor allem in den letzten beiden Jahren auf die Güterpreise überwälzt. Angesichts der aktuell oft zweistelligen Lohnforderungen der Gewerkschaften drohen in diesem Jahr weitere Lohnkostenschübe, die zu Konflikten mit der Geldpolitik führen können. Da allerdings ein Teil des aktuellen Lohnkostendrucks temporärer Natur ist, weil er auf den steuer- und sozialabgabefreien Inflationsausgleichsprämien beruht, könnte sich der Lohndruck ab 2025 abschwächen.«

Holger Schäfer (2024): Arbeitszeit: Sind die Deutschen arbeitsscheu?. IW-Kurzbericht, Nr. 21/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2024
»Ob in Deutschland mehr oder weniger als in anderen Ländern gearbeitet wird, lässt sich aus der Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen nicht ablesen. Auch wenn zusätzlich die Erwerbsbeteiligung berücksichtigt wird, erweist sich der Grad der Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials hierzulande als unterdurchschnittlich.«

Jakob Warnecke (2024): Wandel gewerkschaftlicher Praxis im ostdeutschen Betrieb. Ostdeutsche Transformationsprozesse in den Jahren 1989-1994 am Beispiel des Stahlwerks Hennigsdorf. Study 489, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, April 2024
»1989/90 drängten demokratische Initiativen aus der Belegschaft die Gewerkschaftsorganisation in vielen DDR-Betrieben zu Reformen. Daran anschließend war der Aufbau von Gewerkschaften und betrieblichen Mitbestimmungsstrukturen nach westdeutschem Vorbild Teil der umfassenden Transformation Ostdeutschlands. Dieser Prozess wird am Beispiel des Stahlwerks Hennigsdorf dargestellt – von der „Betriebswende“ über den Aufbau neuer Vertretungsstrukturen bis hin zur konfliktreichen Privatisierung durch die Treuhandanstalt. Dabei steht die Frage nach der Rolle von Gewerkschaft und Belegschaftsvertretung im Zentrum.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen und in der Pflege (2024): Fachkräfte im Gesundheitswesen. Nachhaltiger Einsatz einer knappen Ressource. Gutachten 2024, Berlin 2024
»Im internationalen Vergleich stehen im deutschen Gesundheitswesen, bezogen auf die Einwohnerzahl, relativ viele Beschäftigte zur Verfügung. Dass dennoch Versorgungsengpässe festzustellen sind und Fachkräfte fehlen, weist auf strukturelle Defizite im deutschen Gesundheitssystem hin: Die vorhandenen Fachkräfte werden ineffizient eingesetzt. Es wird höchste Zeit, die strukturellen Missstände zu beheben, denn nur die Anzahl der Beschäftigten zu erhöhen, ist aufgrund der demografischen Entwicklung, der zunehmenden Konkurrenz um Fachkräfte und der Kosten allenfalls sehr begrenzt realisierbar. Zugleich würde der Erhalt ineffizienter Strukturen in der Versorgung begünstigt. Das in diesem Gutachten entwickelte Maßnahmenbündel soll unter Sicherstellung einer bedarfsgerechten Versorgung die Nachfrage nach Fachkräften reduzieren, das Angebot an Fachkräften soweit nötig und möglich erhöhen, vor allem aber durch strukturelle Verbesserungen den Einsatz der knappen und kostbaren Ressource „Fachkräfte“ gezielter und nachhaltiger machen.«

Fabian Beckmann et al. (2024): Erfahrungsbilanz Bürgergeld: Jobcenterbeschäftigte sehen kaum Verbesserungen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 17/2024
»Im Januar 2023 hat in Deutschland das Bürgergeld das System der Grundsicherung abgelöst, begleitet von zahlreichen politischen und medialen Kontroversen. Nach einem Jahr Bürgergeldreform wurden Beschäftigte in sieben Jobcentern in Nordrhein-Westfalen befragt, um eine erste Bilanz zur Umsetzungspraxis zu ziehen. Die Jobcenterbeschäftigten sehen demnach das Bürgergeldgesetz mehrheitlich sehr skeptisch, aber mit Blick auf einzelne Reformaspekte finden sich auch differenzierte sowie vereinzelt positive Einschätzungen. Insbesondere die Einführung der Bagatellgrenze und die verbesserte Betreuung Langzeitarbeitsloser wurden mehrheitlich positiv beurteilt. Überwiegend negativ bewertet wurden hingegen die höheren Regelsätze und die neue Sanktionspraxis. Insgesamt gehen die Jobcenterbeschäftigten mehrheitlich davon aus, dass sich die Motivation und die Mitwirkung der Leistungsbeziehenden nicht verbessern und der bürokratische Aufwand nicht wesentlich verringert. Trotz dieser vorerst negativen Bewertung durch die Jobcenterbeschäftigten sollten erst weitere repräsentative Untersuchungen, auch bei den Bürgergeldbeziehenden, erfolgen. Die Politik sollte zur Versachlichung der Debatte beitragen und Stereotypen gegenüber Bürgergeldbeziehenden entgegenwirken.«

Herbert Brücker et al. (2024): Die Arbeitsmarktsituation von ausländischen Staatsangehörigen nach Geschlecht. IAB-Forschungsbericht, Nr. 6/2024), Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024
»Der Zeitraum 2010 bis 2022 ist tendenziell geprägt von steigenden Beschäftigungsquoten und sinkenden Arbeitslosenquoten bzw. SGB-II-Leistungsbezugsquoten. Dies gilt sowohl für deutsche und ausländische Staatsangehörige als auch für Männer und Frauen. Wichtige Ausnahmen bilden hier beispielsweise die Covid-19 Pandemie und die Folgen des Angriffskriegs von Russland auf die Ukraine. Teilweise sind die Geschlechterunterschiede bei ausländischen Staatsangehörigen stärker ausgeprägt als bei deutschen Staatsangehörigen. Bei der Beschäftigung ist dies unter anderem auf Teilzeitbeschäftigung unter den Frauen, insbesondere unter den deutschen Staatsangehörigen, zurückzuführen. Unterscheidet man zusätzlich nach Arbeitszeit, sind Geschlechterunterschiede für alle Staatsangehörigkeitsgruppen nach wie vor vorhanden. Die Beschäftigung steigt mit zunehmender Aufenthaltsdauer, für alle ausländischen Staatsangehörigkeitsgruppen. Insbesondere in den ersten Jahren ist der Anstieg für Frauen allerdings etwas langsamer als für Männer. Mit kleinen Kindern sinkt meist die Beschäftigungsquote für Frauen. Die ausländische Bevölkerung ist im Durchschnitt jünger als die deutsche Bevölkerung und lebt auch häufiger mit (kleinen) Kindern im Haushalt. Berücksichtigt man diese und weitere arbeitsmarktrelevanten Merkmale, wie der Familienzusammensetzung, der Aufenthaltsdauer, dem Bildungsniveau, und Deutschsprachkenntnissen, sind die Geschlechterunterschiede bei ausländischen Beschäftigten deutlich näher an denen der deutschen Beschäftigten.«

Joachim Ragnitz (2024): 20 Jahre EU-Osterweiterung: Beschäftigte aus den EU-Beitrittsländern in Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 2/2024
»Aktuell sind rund 820 000 Arbeitnehmer aus den EU-Beitrittsländern der ersten Runde (2004) in Deutschland tätig; das sind 2,4% aller Beschäftigten hierzulande. Anders als ursprünglich befürchtet wurde, hat dies jedoch nicht zu einer Verdrängung von deutschen Arbeitnehmern am Arbeitsmarkt geführt. Vielmehr sind Personen aus den mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern vor allem in Bereichen tätig, die aufgrund niedriger Löhne oder ungünstiger Arbeitsbedingungen für heimische Arbeitskräfte wenig attraktiv sind. Der Beitrag zur Deckung von Arbeitskräfteengpässen in anspruchsvollen Tätigkeiten ist hingegen recht gering.«

Irene Becker (2024): Bürgergeld: Erhöhungen gleichen Kaufkraftverluste in früheren Jahren nicht aus. Kurzexpertise im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbands, Riedstadt 2024
➔  Irene Becker (2024): Bürgergeld: Hohe Kaufkraftverluste durch Inflation, in: sozialpolitikblog, 24.04.2024
➔  Andreas Aust und Jonas Pieper (2024): Bürgergeld: Erhöhungen gleichen Kaufkraftverluste in früheren Jahren nicht aus (Kurzexpertise von Dr. Irene Becker). Zusammenfassung und Einordnung aus Paritätischer Perspektive, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Gesamtverband, April 2024

Robert Bosch Stiftung (2024): Deutsches Schulbarometer: Befragung Lehrkräfte. Ergebnisse zur aktuellen Lage an allgemein- und berufsbildenden Schulen, Stuttgart, April 2024
»Das Deutsche Schulbarometer ist eine repräsentative längsschnittliche Panelstudie, die ein Schlaglicht auf die aktuelle Situation von Lehrkräften wirft. In der Befragung aus dem November 2023 berichtet fast jede zweite Lehrkraft von Problemen mit psychischer oder physischer Gewalt unter Schüler an der eigenen Schule. Die Befragung zeigt auch, dass Gewalt an der eigenen Schule das Burnout- und Stressrisiko von Lehrkräften deutlich erhöht. Mehr als ein Drittel fühlt sich mehrmals pro Woche emotional erschöpft, vor allem jüngere und weibliche Lehrkräfte sowie Grundschullehrer sind betroffen. Obwohl die große Mehrheit der Lehrkräfte mit ihrem Beruf zufrieden ist, würde mehr als ein Viertel den Schuldienst verlassen, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.«

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2024): Zur Reichweite der Gesetzgebungskompetenz des Bundes bei einer Verankerung der Notfallversorgung im SGB V, Berlin, 10.04.2024

Bundesfinanzministerium (2024): Statistik von geförderten Riester-Verträgen in der Auszahlungsphase („Riester-Auszahlungsstatistik“). Auswertungsstichtag 15.05.2023 – Leistungsjahr 2022 und ergänzend 2021 sowie 2020, Berlin, April 2024

Bernd A. Wegener et al. (2024): Funktionswandel des Wohnens. Bestandsaufnahme der aktuellen Wohnpraxis mit dem Ziel der Projektion zukünftigen Wohnbedarfs, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 2024
»Das Projekt hat eine Neubestimmung der Anforderungen und Bedürfnisse des Wohnens in Verbindung mit anderen Funktionen zum Ziel. Die aktuelle Wohnpraxis und Lebenssituation, sowie die Bedürfnisse der Menschen bilden die Grundlage für ein zukunftsfähiges Modell des Wohnens, Arbeitens und Lebens im 21. Jahrhundert. Die Coronakrise mit Lockdown und den Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens hat deutlich gemacht, dass Wohnen einen neuen Stellenwert erhält. Nicht nur wird die im Zuge der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert entstandene Trennung von Arbeit und Familie in Frage gestellt, Wohnungen werden auch darüber hinaus zum Ort von Aktivitäten, die bis dahin räumlich getrennt abliefen. Während die sozialen und psychologischen Folgen dieser Entwicklung im Zentrum des wissenschaftlichen und politischen Interesses stehen, ist die Klärung der städtebaulichen, funktionalen und gebäudekundlichen Voraussetzungen bislang unbeachtet geblieben. Die Transformation des Alltagslebens und des Wohnens setzt nicht erst mit dem Ausbruch der weltweiten Krise ein. Vielmehr handelt es sich um eine Entwicklung, für die die Pandemie lediglich als Beschleuniger wirkt. Entsprechend ist das Projekt Reaktion auf einen nachhaltigen sozialen Wandel, der die Politik des zukünftigen Entwerfens und Bauens und der Stadtplanung nicht unberührt lassen darf. Im Zentrum des Projekts steht eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in Deutschland zur Erfassung der zurückliegenden Krisenerfahrungen, Nutzungsprofile, Wohnpraktiken und Wohnwünsche in Bezug auf die Zukunft.«

Klaus Boehnke et al. (2024): Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland 2023. Perspektiven auf das Miteinander in herausfordernden Zeiten, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, April 2024
»Diese neue Studie untersucht den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland im Zeitvergleich. Sie nutzt dazu aktuelle Daten von über 5.000 Befragten Personen aus dem Oktober 2023 und stellt diese Ergebnisse im Vergleich mit früheren Studien aus den Jahren 2017 und 2020 dar. Insbesondere die Auswirkungen multipler Krisen, angefangen bei der Coronapandemie, auf das Miteinander in der Gesellschaft stehen hierbei im Mittelpunkt. Dabei zeigt sich, dass die Herausforderungen der letzten Jahre durchaus einen belastenden Effekt auf den Zusammenhalt hatten. Der Gesamtindex, der zwischen 2017 und 2020 stabil geblieben war, ist in der neuesten Erhebung um 9 Punkte gefallen. Die Studie untersucht sowohl sozialstrukturelle als auch regionale Einflussfaktoren auf den Zusammenhalt. «
➔  dazu: Bertelsmann Stiftung: Neue Studie liefert Ergebnisse zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland (17.04.2024)

Nina Eppes (2024): Der Pflegearbeitsmarkt im demografischen Wandel – Methodik und Ergebnisse der Pflegekräftevorausberechnung, in: Wirtschaft und Statistik, Nr. 2/2024

Jan Ole Arps und Nelli Tügel (2024): Ausgeliefert. DHL, Amazon, Hermes & Co: Wachstum, Arbeitsbedingungen und Kämpfe in einer boomenden Branche, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2024

Hartmut Seifert (2024): Das Arbeitszeitgesetz in der aktuellen Reformdebatte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2024
»Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung werden Experimentierräume gefordert. Sie sollen den Tarifvertragsparteien ermöglichen, die Schutzstandards des Arbeitszeitgesetzes aufzuweichen. Weiter noch gehen die Forderungen von CDU/CSU und Arbeitgeberverbänden, die die tägliche Höchstarbeitszeit aufheben und die Erholzeiten verringern wollen. Derartige Reformen missachten reichhaltige empirische Forschungsergebnisse und werden die Belastungen gerade von Beschäftigten mit bereits ungünstigen Arbeitszeiten (Pflegebereich, Gastronomie u. a.) erhöhen, zu vermehrten Gesundheits- und Arbeitskosten führen und eine wachsende Fluktuation in Bereiche mit weniger belastenden Arbeitszeiten auslösen.«

Christian Kagerl und Thomas Kruppe (2024): Individuelle Daten zu Kurzarbeitenden: Datenvalidierung und erste Befunde. IAB-Forschungsbericht, Nr. 5/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024

Irene Becker (2024): Berechnung von angemessenen Beträgen einer Kindergrundsicherung. Study Nr. 37, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2024
»Angesichts anhaltend hoher Kinderarmut und sozialer Ungleichheit zielt das Konzept der Kindergrundsicherung auf eine Abkehr von der derzeitigen Transfervielfalt. Zudem umfasst der Reformvorschlag, anders als der Regierungsentwurf für eine Kindergrundsicherung, eine methodisch stringente Bemessung des soziokulturellen Existenzminimums von Kindern und Jugendlichen, denn potenzielle Erfolge einer Kindergrundsicherung bei der Bekämpfung von Kinderarmut stehen und fallen mit der Bemessung des Existenzminimums. Der Pauschbetrag soll für Steuer- und Sozialrecht gelten, was derzeit mit den vergleichsweise hohen kindspezifischen Freibeträgen nicht gilt, und mit steigendem Familieneinkommen bis zu einem Mindestbetrag abgeschmolzen werden. Die Studie leitet eine angemessene Höhe der Kindergrundsicherung her und erörtert Verfahren der Dynamisierung, um auch in inflationären Zeiten die Realwerterhaltung der Leistung zu sichern. Die Berechnungen ergeben vor allem für Kinder ab 6 Jahren und Jugendliche deutlich höhere Beträge als aktuell von der Bundesregierung vorgesehen.«

Herbert Brücker et al. (2024): Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Verbesserte institutionelle Rahmenbedingungen fördern die Erwerbstätigkeit. IAB-Kurzbericht Nr. 10/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024
»Mit der Aufenthaltsdauer steigen die Erwerbstätigenquoten der 2013 bis 2019 zugezogenen Geflüchteten: Sieben Jahre nach ihrem Zuzug belaufen sie sich auf 63 Prozent, acht Jahre nach dem Zuzug auf 68 Prozent. Für die 2015 zugezogene Kohorte lag die Erwerbstätigenquote im Jahr 2022 bei 64 Prozent. Unter den 2015 zugezogenen geflüchteten Frauen waren 31 Prozent erwerbstätig, unter den Männern 75 Prozent. 90 Prozent aller beschäftigten Geflüchteten gingen dabei 2022 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.«

AOK Bundesverband (2024): Gesundheitsregionen: Sektorenunabhängige Versorgung gestalten, Berlin, März 2024

Mario Bossler et al. (2024): Befragung in der Covid-19-Pandemie: Beschäftigte sehen Mitnahmeeffekte beim Kurzarbeitergeld. IAB-Kurzbericht, Nr. 9/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024
»Kurzarbeit spielte in der Covid-19-Pandemie eine zentrale Rolle, um die wirtschaftlichen Folgen der Krise abzufedern. Bisher ist wenig darüber bekannt, ob Kurzarbeit neben der stabilisierenden Wirkung auch nicht intendierte Folgen hatte. Eine Studie auf Basis von Beschäftigtenbefragungen während der Pandemie wurde nun um neue administrative Daten ergänzt. Die Ergebnisse zeigen, dass ein nennenswerter Teil der Beschäftigten Mitnahmeeffekte sieht. 39 Prozent der Kurzarbeitergeld-Beziehenden berichteten, dass ihre eigene Arbeitsmenge beziehungsweise ihre Arbeitsaufgaben trotz Kurzarbeit unverändert blieben. 21 Prozent der Befragten gaben an, mehr Stunden gearbeitet zu haben als die Abrechnung des Kurzarbeitergeldes vorsah.«

Mattis Beckmannshagen und Annika Sperling (2024): Durchschnittliche Arbeitszeiten in Deutschland sinken, Gesamtarbeitsvolumen auf Rekordhoch, in: DIW Wochenbericht, Nr. 16/2024
»Ob in den Tarifverhandlungen oder der Debatte über den Fachkräftemangel: Die Arbeitszeiten der Beschäftigten in Deutschland werden derzeit kontrovers diskutiert. Unter­ schiedliche Seiten bringen eine Ausweitung oder auch eine Reduzierung der Arbeitszeit ins Spiel. Auf Grundlage von Daten des Sozio­oekonomischen Panels wirft die vorliegende Untersuchung einen detaillierten Blick auf die Entwicklung der Arbeitszeiten seit der Wiedervereinigung. Die Analyse zeigt, dass die durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten der Beschäftigten zwar gesunken sind, das Gesamtarbeits­volumen aber gleichzeitig stieg und 2023 seinen bisherigen Höhepunkt von 55 Milliarden Stunden erreicht hat. Insbeson­dere für Mütter ist es noch immer schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren. Das führt dazu, dass Frauen häufig weniger arbeiten, als sie gerne würden. Mit Blick auf den hohen Fach­kräftebedarf sollten politische Maßnahmen darauf abzielen, Frauen stärker bei der Ausweitung ihrer Arbeitszeiten zu unterstützen.«

Martin Werding et al. (2024): Neue Wege bei der Beamtenversorgung: Versorgungslasten eindämmen, in: ifo Schnelldienst, Heft 4/2024
»Um den Herausforderungen für die Rentenfinanzierung durch die demografische Alterung zu begegnen, wird in der Öffentlichkeit – und in jüngster Zeit verstärkt auch in der Politik – eine Ausweitung des Versichertenkreises auf Beamtinnen und Beamte diskutiert. Die Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) ließen sich damit aber nicht nachhaltig lösen. Dennoch besteht bei der Beamtenversorgung in Deutschland Reformbedarf. Das heutige System ist langfristig finanziell genauso wenig tragfähig wie die GRV. Zudem wird die vom Gesetzgeber angestrebte wirkungsgleiche Übertragung von Reformen der GRV – wenn überhaupt – nur zeitverzögert umgesetzt und es fehlt an Transparenz mit Blick auf zukünftige Lasten aus Versorgungsverpflichtungen. Schnelle und umfassende Reformen, wie sie z. B. in Österreich durchgeführt wurden, dürften in Deutschland auf rechtliche Hürden stoßen. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat in seinem Jahresgutachten 2023 jedoch Reformoptionen für die Beamtenversorgung aufgezeigt, die im Folgenden dargestellt werden.«

Lasse J. Jessen et al. (2024): Die Wahrnehmung sozialer Ungleichheit in der Lebenserwartung und wie diese die Politikpräferenzen (nicht) beeinflusst, in: ifo Schnelldienst, Heft 4/2024
»In Deutschland leben die reichsten 10% der Bevölkerung durchschnittlich sieben Jahre länger als die ärmsten 10%. Diese soziale Ungleichheit in der Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahren tendenziell noch angestiegen. Möchte die Politik etwas an diesem Umstand ändern, ist die Gunst der Wählerschaft eine notwendige Voraussetzung. Doch ist sich die Bevölkerung über das Ausmaß der sozialen Ungleichheit in der Lebenserwartung bewusst? Und inwiefern hängt die Unterstützung sozialpolitischer Maßnahmen von diesem Bewusstsein ab? Diese Fragen beantworten wir mit Hilfe eines Umfrageexperiments mit 6 000 Teilnehmenden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung nur eine sehr diffuse Wahrnehmung sozialer Ungleichheit in der Lebenserwartung hat: 30% der Teilnehmenden unterschätzen die Ungleichheit, wohingegen 70% diese überschätzen. Im Durchschnitt überschätzt die deutsche Bevölkerung den Unterschied in der Lebenserwartung zwischen Arm und Reich um vier Jahre. Wenn man die Bevölkerung über die tatsächliche soziale Ungleichheit in der Lebenserwartung informiert, gleicht sich das Problembewusstsein von Über- und Unterschätzenden der Ungleichheit an. Allerdings finden wir keinen Einfluss auf die Politikpräferenzen. Die Zustimmung zu sozialpolitischen Maßnahmen, die eine höhere Lebenserwartung der Armen über die Gesundheitsversorgung, ökonomische Sicherheit, Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie Bildung adressieren würden, ist hoch und unabhängig vom wahrgenommenen Ausmaß der sozialen Ungleichheit in der Lebenserwartung.«

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2024): Menschenrechte in der Pflege. Regelungen und Maßnahmen für Pflegekräfte und für Pflegebedürftige, Berlin, 15.03.2024

Johannes Hellermann (2024): Verfassungsrechtliche Probleme der Verankerung der Aufgabe der Ganztagsbetreuung im Grundschulalter im SGB VIII. Rechtsgutachten im Auftrag von Städtetag Nordrhein-Westfalen, Landkreistag Nordrhein-Westfalen, Städte- und Gemeindebund Nordrhein-Westfalen, Bielefeld, Februar 2024
»Das Gutachten untersucht zum einen die Frage, ob die vom Bundesgesetzgeber getroffene Regelung der Ganztagsbetreuung in ihrer Ausführung schwerpunktmäßig der Jugendhilfe oder dem Bildungsbereich zuzuordnen ist. Außerdem beschäftigt es sich mit der Frage der Aufgabenübertragung. Das Gutachten kommt in seinem Ergebnis zu folgenden wesentlichen Feststellungen: Es wird bezweifelt, dass der Bund die Zuständigkeit für den Rechtsanspruch habe, denn dieser sei eher dem Bildungsbereich und damit der Länderkompetenz zuzuordnen. Eine eindeutige Abgrenzung zwischen Jugendhilfe- und Grundschulaufgaben sei nicht zu erkennen. Auch auf der Landesebene fehlt eine entsprechende Neuregelung und es ist somit nicht mit der rechtsstaatlich erforderlichen Bestimmtheit festgelegt, ob die Aufgabe von den örtlichen Jugendhilfe- oder Grundschulträgern ausgeführt werden soll.«

Johannes Steffen (2024): Systemische Verschmelzung von Rente und Fürsorge – Diffusionsniveau ist deutlich gestiegen, Berlin: Portal Sozialpolitik, April 2024
»Bei langjähriger Beitragszahlung aus vollzeitnaher Beschäftigung sollte die Rente eine Versorgung ermöglichen, die bei typisierender Betrachtung den Anspruch auf aufstockende Grundsicherung im Alter (deutlich) ausschließt. Ist dies nicht gewährleistet, so verliert die Pflichtversicherung an Akzepanz. Warum sollen ein Erwerbsleben lang Pflichtbeiträge in nicht unerheblicher Höhe gezahlt werden, wenn die am Ende erreichbare Altersrente alleine Fürsorgeberechtigung nicht zuverlässig ausschließen kann?«

Sena Coskun et al. (2024): Working from Home Increases Work-Home Distances. IAB-Discussion Paper, Nr. 6/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024
»Wir untersuchen, wie die verstärkte Nutzung von Homeoffice während und nach der Covid-19-Pandemie die Art und Weise beeinflusst, wie der Arbeitsmarkt und die Wahl von Wohn- und Arbeitsort interagieren. Für unsere Analyse kombinieren wir Individualdaten zu Erwerbsbiografien in Deutschland und einen neuen Homeoffice-Potenzialindikator, der auf umfassenden Daten zu berufsspezifischen Arbeitsbedingungen basiert. Wir stellen fest, dass sich im Zuge der Covid-19-Pandemie Arbeitsplatz und Wohnort von Beschäftigten in Berufen, die von zu Hause aus ausgeübt werden können, weiter entfernt haben: Der Zusammenhang zwischen Homeoffice-Potenzial und Entfernung zwischen Arbeitsplatz und Wohnort hat seit 2021 stetig zugenommen. Zuvor war der Zusammenhang über einen längeren Zeitraum stabil. Der Effekt ist für neue Arbeitsplätze im Vergleich zu bestehenden Arbeitsplätzen sehr viel größer. Im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie, sind Jobs mit hohem Homeoffice-Potenzial im Durchschnitt weiter entfernt von den Wohnorten der Beschäftigten, die in diese Jobs gewechselt haben. Der größere Teil dieses Effekts ist auf Arbeitsplätze in Großstädten zurückzuführen, was darauf hindeutet, dass die Arbeit von zu Hause aus die Einschränkungen durch angespannte Wohnungsmärkte mildert. Wir finden dabei keine signifikanten Hinweise darauf, dass sich Pendelgewohnheiten bei Frauen oder Männern stärker verändert haben.«

Susanne Elsas et al. (2024): Familien in der Corona-Pandemie. Unterstützung durch Familienbildung und Beratung in Bayern. ifb/Familienreport, München: Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, 2024

Johannes Steffen (2024): Die Anpassung der Renten in den Jahren 2014 bis 2024. Vom Ende der »Riester-Treppe« bis zum Abschluss der Rentenüberleitung, Berlin: Portal Sozialpolitik, April 2024
»Das Anpassungsverfahren der Renten erweist sich für alle daran Interessierten als Herausforderung – mit einer kaum noch überschaubaren Vielfalt an Einflussfaktoren und Rückkoppelungseffekten. Dies betrifft zum einen die Anpassungsformel selbst, die Außenstehenden den Zugang zum Verständnis eher versperrt als dass sie ihn öffnet; hinzukommen zu beachtende Schutzklauseln mit eventuellen Folgewirkungen für die Rentenanpassung im Folgejahr sowie eine Vielzahl einschlägiger Rechengrößen und Werte, deren Abgrenzung bzw. Definition im Zeitverlauf zudem zahlreichen gesetzlichen Änderungen unterlagen. Insgesamt hat das Verfahren zur Bestimmung der aktuellen Rentenwerte über die vergangenen Jahre eine Komplexität erreicht, die den Rahmen öffentlicher Kommunizierbarkeit endgültig sprengt.«

Deutscher Juristinnenbund (2024): Einigungsvorschlag zum politischen Anliegen einer Kindergrundsicherung, Berlin: Deutscher Juristinnenbund (djb), 10.04.2024

Herbert Brücker (2024): Wissenschaftliche Einschätzung der Bezahlkarte für Geflüchtete. Stellungnahme, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), April 2024
»Die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundesregierung haben sich auf die flächendeckende Einführung einer Bezahlkarte für die Bezieher*innen von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz verständigt. Die Stellungnahme diskutiert, wie die Vorschläge aus wissenschaftlicher Perspektive zu bewerten sind. Demnach kann die Einführung der Bezahlkarte negative Auswirkungen auf Integration und Teilhabe der Geflüchteten haben, nicht zu vernachlässigende direkte und indirekte Kosten aufwerfen und ihr eigentliches Ziel, die Reduzierung der Fluchtmigration, verfehlen. Zu erwarten ist auch, dass die Bezahlkarte den Nutzen der existenzsichernden Leistungen für die Betroffenen mindert und, je nach Grad der Beschränkung der sächlichen und räumlichen Verwendung der Mittel, die Chancen auf Mobilität, Kommunikation und soziokulturelle Teilhabe reduziert. Auch drohen negative Wirkungen für die Integration in den Arbeitsmarkt. Als besonders kritisch sind in diesem Zusammenhang lokale und regionale Beschränkungen des Einsatzes von Bezahlkarten zu bewerten. Die Wirkungen werden aber wesentlich von der Ausgestaltung der Bezahlkarte abhängen.«

Bernd Eggen (2024): Existiert Armut oft nur in der Statistik? Anmerkungen zur Messung von Armut, in: Statistisches Monatsheft Baden-Württemberg, Heft 2/2024
»Die Armutsgefährdung der Bevölkerung ist stets eine wichtige Meldung in den Medien. Gleichzeitig wird das Konzept der relativen Einkommensarmut kritisiert. In der Kritik steht vornehmlich die Orientierung des Armutsbegriffs an einem Durchschnittseinkommen. Armutsgefährdungsgrenzen und Armutsgefährdungsquoten seien als Indikatoren unbrauchbar und irrelevant. Die Kritik greift jedoch theoretisch und methodisch zu kurz. Das mediane Einkommen kann sehr wohl ein Indikator zur Messung von sozialer Ungleichheit und Armut sein. Von Interesse ist dabei weniger die exakte quantitative Messung der Beziehung von Einkommen und Armut, sondern ihre theoriegeleitete und damit niemals abschließbare Interpretation.«

Bericht des GKV-Spitzenverbands und der Deutschen Krankenhausgesellschaft über die Auswirkungen der Pflegepersonaluntergrenzen in den pflegesensitiven Bereichen in Krankenhäusern, Bundestags-Drucksache 20/10810 vom 22.03.2024

Steffen Angenendt et al. (2024): Die Externalisierung des europäischen Flüchtlingsschutzes. Eine rechtliche, praktische und politische Bewertung aktueller Vorschläge. SWP-Aktuell Nr. 12/2024, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), März 2024
»In vielen europäischen Staaten steigt die Zahl der Asylanträge ebenso wie der Zuspruch für rechtspopulistische Parteien weiter an. Initiativen wie der Ruanda-Plan der bri­tischen Regierung und das Albanien-Abkommen der italienischen Regierung können als Reaktion darauf verstanden werden. Sie zielen auf eine Verlagerung von Asyl­verfahren in Drittstaaten. Damit sollen die Ankunftszahlen markant verringert wer­den. Vergleichbare Vorschläge in der Ver­gangenheit gingen nie über das Stadium abstrakter Ideen hinaus. Im Fall Ruandas und Albaniens wird nun allerdings über die konkrete Umsetzung verhandelt. Dem entgegen stehen zahlreiche rechtliche und normative Einwände sowie praktische Hürden. Die vorliegenden Vorschläge zur Aus­lagerung drohen den internationalen Flüchtlingsschutz in Frage zu stellen und den außen- und entwicklungspolitischen Interessen Deutschlands und der Europäischen Union zu schaden.«

Martin Beznoska et al. (2024): Inflationsbetroffenheit von Rentnerhaushalten. Einordnung möglicher Wohlstandsverluste entlang der Einkommensverteilung, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2024

Thomas Klie et al. (2024): Pflegereport 2024. Die Baby-Boomer und die Zukunft der Pflege – Beruflich Pflegende im Fokus. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Bd. 47, Hamburg: DAK-Gesundheit, April 2024

Reinhard Bispinck und das WSI-Tarifarchiv (2024): 75 Jahre Tarifvertragsgesetz. Stationen der Tarifpolitik von 1949 bis 2024. Analysen zur Tarifpolitik Nr. 102, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2024

Petra Klug et al. (2024): Bevölkerungsvorausberechnung 2040 im Wegweiser Kommune. Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, 09.04.2024

Jörg Heining et al. (2024): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2024: Schwache Dynamik auf den regionalen Arbeitsmärkten hält an. IAB-Kurzbericht, Nr. 8/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2024
»Die gedämpfte wirtschaftliche Entwicklung bremst die Arbeitsmarktdynamik weiterhin. Während die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nicht mehr in allen Bundesländern steigt, nimmt die Arbeitslosigkeit überall zu. In kreisfreien Großstädten steigen Beschäftigung und Arbeitslosigkeit am stärksten.«

IAQ (2024): Regelbedarfe der Grundsicherung: Der „massive“ Anstieg, der gar nicht massiv ist, Duisburg:  Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), April 2024

Nicole Gürtzgen und Franka Vetter (2024): Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro: Nur wenige Betriebe reagierten eigenen Angaben zufolge mit Entlassungen, in: IAB-Forum, 04.04.2024
»Die bislang deutlichste Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde im Oktober 2022 betraf knapp 20 Prozent der Betriebe in Deutschland. Nach Daten der IAB-Stellenerhebung zeigten sich dabei große Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen, wobei im Gastgewerbe anteilig am meisten, im Baugewerbe am wenigsten Betriebe betroffen waren. Als Reaktion auf die Anhebung des Mindestlohns erhöhten die Betriebe nach eigenen Angaben am häufigsten die Preise von Produkten und Dienstleistungen. Sie stellten außerdem häufiger Investitionen und Neueinstellungen zurück.«

Anna Stansbury (2024): Incentives to Comply with the Minimum Wage in the US and UK. IZA DP No. 16882, Bonn: IZA – Institute of Labor Economics, March 2024
»There is substantial evidence of minimum wage noncompliance in the US and the UK. In this paper, I compile new, comprehensive data on the costs minimum wage violators incur when detected. In both countries, the costs violators face upon detection are often little more than the money they saved by underpaying. To have an incentive to comply under existing penalty regimes, typical US firms would thus have to expect a 47%-83% probability of detection by the DOL, or a 25% probability of a successful FLSA suit. In the UK, typical firms would have to expect a 44%-56% probability of detection. Actual probabilities of detection are substantially lower than this for many firms, and would likely remain so even with realistic increases in enforcement capacity. Improved enforcement alone is thus insufficient: expected penalties must also substantially increase to ensure that most firms have an incentive to comply.«

Meryem Gökten et al. (2024): How Far from Full Employment? The European Unemployment Problem Revisited. Working Paper 245, Wien: Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw), April 2024

Agnieszka Piasna and Sotiria Theodoropoulou (eds.) (2024): Benchmarking Working Europe 2024. The ongoing quest for Social Europe, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2024

KAS (2024): „Adaption, that is how to deal with low fertility that just might be here to stay.“ Interview with Professor Mikko Myrskylä on birth trends in Europe and possibilities to tackle demographic change with human capital investments, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), 2024
„Anpassung: Zum Umgang mit einer möglicherweise dauerhaften niedrigen Fertilität“. Interview mit Professor Mikko Myrskylä über Geburtentrends in Europa und Möglichkeiten, dem demografischen Wandel zu begegnen: Professor Mikko Myrskylä, der Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, spricht im Interview über die Ursachen für die Geburtenrückgänge. Bezugnehmend auf die Ergebnisse der aktuellen Studie „Declining Fertility, Human Capital Investment and Economic Sustainability (2024)“ unterstreicht er das Potenzial von Investitionen in die Bildung, um die wirtschaftlichen Herausforderungen des demografischen Wandels trotz sinkender Geburtenraten abzufedern.

Christian Voß et al. (2024): Sterbe- und Trauerkultur in konfessionellen Alteneinrichtungen. Eine explorative Studie im Bistum Essen. Sozialethische Arbeitspapiere des Instituts für Christliche Sozialwissenschaften Nr. 26, Münster: Institut für Christliche Sozialwissenschaften Münster, März 2024

Kathrin Mittelstät et al. (2024): Übergänge in Weiterbildung und deren Verwertung in der Praxis – Gelingensfaktoren, Herausforderungen, Gestaltungsspielräume, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Februar 2024
»Durchlässigkeit in und aus Weiterbildung spielt eine große Rolle, weil sie u.a. der Sicherstellung einer bestmöglichen Versorgung der Patient/-innen und Pflegebedürftigen dient. Aus berufspolitischer Sicht und Perspektive der Bildungssubjekte selbst kann sie zur Erhöhung der Attraktivität des Pflegeberufs führen. Allerdings beschäftigen sich nur wenige Studien mit der Frage der Durchlässigkeit. Auf der Basis von 31 leitfadengestützten Interviews mit Expert/-innen sowie Fokusgruppen mit beruflich Pflegenden in einer Weiterbildung, Auszubildenden und Studierenden finden wir heraus, dass Weiterbildungen in der Pflege große Hemmnisse entgegenstehen. Neben der hohen Intransparenz der Weiterbildungsanbieter, -zertifikate und -inhalte lohnt sich Weiterbildung finanziell nicht (ausreichend). Die Unterstützung durch den Arbeitgeber ist einzelfallabhängig und folgt selten einer langfristig ausgerichteten Strategie – mit negativen Auswirkungen auf die weiterbildungswilligen Pflegenden.«

Kerstin Bruckmeier und Enzo Weber (2024): Geringverdienende im Leistungsbezug: monetäre Anreize und aktive Unterstützung für eine bessere Arbeitsmarktintegration, in: IAB-Forum, 02.04.2024
»Das aktuelle Transfersystem in Deutschland bietet Personen mit geringen Einkommen vielfach zu wenig finanzielle Anreize, ihre wöchentliche Arbeitszeit und damit ihren Verdienst zu erhöhen. Neben etwas großzügigeren Hinzuverdienstregelungen bedarf es auch einer aktiveren Unterstützung im Einzelfall.«

Julia Lenzen und Michaela Evans-Borchers (2024): Tarifgerechte Entlohnung in der Pflege im Spiegel der Attraktivität des Pflegeberufs, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), April 2024
»Die Regelungen zur tarifgerechten Entlohnung markieren den Wechsel vom Anreizmodell zum Normmodell. Unterschiedliche Begrifflichkeiten prägen die Debatte, die es mit Blick auf Zielsetzung, Reichweite und potenzielle Wirkungen der gesetzlichen Neuregelungen zu reflektieren gilt. Der Beitrag fokussiert die Auswirkungen der tarifgerechten Entlohnung im Hinblick auf die Attraktivität des Pflegeberufs. Dazu zählen u. a. Tarifbindung, Reichweite kollektivvertraglicher (Lohn-)Regelungen, Lohndisparitäten, potenzielle Auswirkungen auf die Relevanz von Mindestarbeitsbedingungen sowie auf die Transparenz von Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen. Während Effekte auf die Lohnhöhe in der Fläche plausibel sind, werden auch Grenzen der gesetzlichen Neuregelungen mit Blick auf die Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs erkennbar. Notwendig ist, die Chancen kollektivvertraglicher Gestaltung von präferierten Arbeitsbedingungen (z. B. Arbeitszeit) jenseits der Entlohnung stärker zu fokussieren.«

Initiative Faire Landarbeit (2024): Bericht 2023. Saisonarbeit in der Landwirtschaft, Frankfurt am Main: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt IG BAU, März 2024

Deutscher Verein (2024): Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zur Umsetzung des § 71 SGB XII, Berlin: Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, März 2024

Deutscher Verein (2024): Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität von Kita-Trägern, Berlin: Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, März 2024

DFG (2024): Bericht über die Arbeit der Interdisziplinären Kommission für Pandemieforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) 2020 bis 2023, Bonn: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Bonn, März 2024

Claudia Hofrath et al. (2024): Monitoring zur Umsetzung der Pflegeausbildungen. Ergebnisse der ersten Erhebungswelle 2022/2023 aus dem BIBB-Pflegepanel, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), März 2024
»Im durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit dem Umfragezentrum Bonn aufgebauten BIBB-Pflegepanel werden jährlich mehr als 6.000 für die Pflegeausbildung zuständige Personen aus Ausbildungseinrichtungen, Pflegeschulen und Hochschulen befragt. Ziel ist eine systematische Langzeitbeobachtung des Qualifizierungsgeschehens in der Pflege. Im vorliegenden Bericht werden zentrale Ergebnisse der aktuellen Erhebung, welche zwischen Oktober 2022 und Mai 2023 stattfand, zusammenfassend dargestellt.«

Christoph Gille et al. (2024): Zugang verweigert. Barrieren und Diskriminierung wohnungsloser Menschen am Wohnungsmarkt, Düsseldorf: Forschungsstelle für sozialräumliche Praxisforschung und Entwicklung, 2024
➔  dazu: Christoph Gille und Anne van Rießen (2024): Zugang verweigert, in: sozialpolitikblog, 21.03.2024

Sachverständigenrat für Umweltfragen (2024): Suffizienz als „Strategie des Genug“: Eine Einladung zur Diskussion, Berlin, März 2024

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2024): Deutsche Wirtschaft kränkelt – Reform der Schuldenbremse kein Allheilmittel. Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2024, Kiel, März 2024

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (2024): Armut in der Inflation. Paritätischer Armutsbericht 2024, Berlin, März 2024

Deloitte (2024): Wege aus der Komplexitätsfalle. Vereinfachung und Automatisierung von Sozialleistungen, Berlin: Nationaler Normenkontrollrat, März 2024
»Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) hat ein Gutachten mit dem Titel „Wege aus der Komplexitätsfalle – Vereinfachung und Automatisierung von Sozialleistungen“ veröffentlicht, das durch Deloitte erstellt wurde. Am Beispiel der geplanten Kindergrundsicherung wird der Bürokratieaufwand für die Leistungsberechtigten und die Verwaltung untersucht. Ursachen für den unverhältnismäßig hohen Aufwand sind vor allem das verzweigte System von Zuständigkeiten sowie die unzureichende Digitalisierung der Antragsstellung und des Vollzugs staatlicher Leistungen. Das Gutachten zeigt Wege auf, die aus der Komplexitätsfalle herausführen.«

Antonia Altendorf und Martin Kuhlmann (2024): Digitalisierung im Jobcenter: Arbeitslogiken als Einflussfaktor, Göttingen: Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI), März 2024
»Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung ist mit großen Erwartungen verbunden, hinter denen die Umsetzungspraxis an vielen Stellen allerdings zurückbleibt. Dies zeigen erste Ergebnisse unserer Studien in mehreren Jobcentern. In den Jobcentern begegnen uns erhebliche Unterschiede bei Bewertung und Umsetzung digitaler Anwendungen. Arbeitslogiken sind dabei ein wichtiger, bislang noch zu wenig thematisierter Einflussfaktor: für die Bewertung von Digitalisierung durch Beschäftigte und Bürger:innen, als Erklärung für unterschiedliche Dynamiken und Entwicklungen, für die Analyse von Arbeitswirkungen der Digitalisierung sowie mit Blick auf Gestaltungsmöglichkeiten und Anforderungen an die Digitalisierung im Jobcenter.«

Sophie Achleitner (2024): Wen die Anhebung des Pensionsantrittsalters straft. Verteilungspolitische Aspekte eines höheren Antrittsalters zur Pension, Wien: Momentum Institut, März 2024
»Die Debatte um die Nachhaltigkeit unseres Pensionssystems nimmt wieder an Fahrt auf. Unsere Gesellschaft wird immer älter, die Kosten des Pensionssystems, aber auch in den Bereichen der Gesundheit und Pflege steigen daher in den nächsten Jahren merklich an. In der öffentlichen Debatte wird deshalb immer wieder der Vorschlag eingebracht, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Der Gedanke dahinter: Wenn Menschen länger arbeiten, würde das Pensionssystem weniger belastet. Doch die Diskussion ist alles andere als transparent – einige entscheidende Aspekte werden außer Acht gelassen. Diese werden in diesem Policy Brief analysiert und die Auswirkungen einer Erhöhung des Pensionsantrittsalters im Hinblick auf Geschlechter- und Verteilungseffekte diskutiert.«

Veronika Knize und Markus Wolf (2024): Arbeitsmarktintegration von jungen Erwachsenen in der Grundsicherung: Maßnahmen bei einem Arbeitgeber erhöhen Beschäftigungschancen. IAB-Kurzbericht, Nr. 7/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024
»Inwieweit beeinflussen arbeitsmarktpolitische Maßnahmen langfristig die Beschäftigungsqualität von jungen Erwachsenen in der Grundsicherung, gemessen anhand des monatlichen Erwerbseinkommens? Unsere Untersuchungsergebnisse zeigen: Geförderte Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung bei einem Arbeitgeber oder bei einem Träger erhöhen nicht nur die Beschäftigungswahrscheinlichkeit, sondern auch die Beschäftigungsqualität. Ein-Euro-Jobs hingegen wirken sich negativ aus.«

Helene Bach et al. (2024): Das Für und Wider einer Gewerkschaftsmitgliedschaft – Eine empirische Untersuchung der tarifpolitischen Einstellungen von M+E-Beschäftigten, in: IW-Trends, Nr. 1/2024
»Die rückläufige Tarifbindung wird in Deutschland oft mit der Zurückhaltung der Betriebe begründet, einem Arbeitgeberverband beizutreten. Dabei wird häufig vernachlässigt, dass es auch handlungsfähige Gewerkschaften braucht, um Tarifverträge zu schließen. Da die Bereitschaft der Beschäftigten sinkt, sich kollektiv zu organisieren, wurden 2.564 Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie zu ihrem gewerkschaftlichen Engagement und ihren tarifpolitischen Einstellungen befragt. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass das Tarifsystem von Gewerkschaftsmitgliedern und Nicht-Mitgliedern geschätzt wird. Dabei sorgen sich die Beschäftigten stärker um die rückläufige Tarifbindung als um den sinkenden gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Die Gewerkschaftsmitglieder sind mit ihrer Gewerkschaft überwiegend zufrieden und davon überzeugt, dass sich im Kollektiv bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen lassen. Außerdem sichern sie sich über eine Mitgliedschaft persönlich ab, zum Beispiel durch Streikunterstützung oder Rechtsberatung. Die Ursachen für ein fehlendes gewerkschaftliches Engagement sind Informationsdefizite, ein fehlender unmittelbarer Nutzen einer Mitgliedschaft, Individualisierungstendenzen und die Ausrichtung der Gewerkschaftspolitik. Diese Ergebnisse liefern Ansatzpunkte, wie dem Mitgliederschwund entgegengewirkt werden kann.«

Thorsten Kalina (2024): Niedriglohnbeschäftigung 2021 – Langfristiger Rückgang nur in Ostdeutschland. IAQ-Report 2024-03, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), März 2024
»Das Niedriglohnrisiko ist langfristig betrachtet nur in Ostdeutschland gesunken. In Westdeutschland liegt das Niveau seit 2006 weitgehend konstant bei rund 20 %. Deutliche Steigerungen der Löhne im Niedriglohnbereich gab es nur kurz nach der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in den Jahren 2015 und 2016. Anschließend stagnierten die durchschnittlichen Löhne im Niedriglohnbereich und sind 2021 deutlich hinter der allgemeinen Lohnentwicklung zurückgeblieben. Zum Teil erklären Strukturunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland (z.B. weniger Beschäftigte in Großbetrieben), das nach wie vor höhere Niedriglohnrisiko in Ostdeutschland. Zum Teil wirkt sich auch das niedrigere Lohn- und Preisniveau in Ostdeutschland aus. Eine weitere Anhebung des Mindestlohns kann sicher zu einer Annäherung der Ost- und Westlöhne beitragen. Um den Niedriglohnsektor zu verkleinern, wäre aber zugleich eine Stärkung der Tarifbindung notwendig.«

Olga Pötzsch und Felix zur Nieden (2024): Die Babyboomer: auf dem Gipfel der demografischen Welle, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 1/2024
»Der größte Babyboomer-Jahrgang 1964 wird im Jahr 2024 sechzig Jahre alt. Der Gipfel der sogenannten demografischen Welle erreicht somit Ende der 2020er-Jahre das Rentenalter. Wie kam es zu dem Phänomen der Babyboomer? Wer gehört eigentlich dazu? Der Beitrag liefert Antworten zu diesen Fragen mithilfe eines kurzen demografischen Porträts. Die Babyboomer sind in unterschiedlichen politischen Systemen im geteilten Deutschland aufgewachsen. Ihr Erwachsenenleben begann kurz vor der deutschen Vereinigung. Ihr generatives Verhalten in Ost und West ist ein wesentlicher Teil der gesellschaftlichen Transformation in der Nachwendezeit. Mit Blick auf die steigende Lebenserwartung und den künftigen Pflegebedarf wird deutlich, welche Herausforderungen die voranschreitende Alterung der Babyboom-Generation mit sich bringen wird.«

Juliane Achatz et al. (2024): Evaluation des Teilhabechancengesetzes – Abschlussbericht. IAB-Forschungsbericht, Nr. 4/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024
»Mit dem Teilhabechancengesetz wurde das Förderportfolio der Grundsicherung für  Arbeitsuchende um die Förderinstrumente „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ (§ 16e  SGB II) und „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ (§ 16i SGB II) erweitert. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat beide Instrumente zwischen  2019 und 2023 wissenschaftlich evaluiert. Im Fokus standen die Umsetzung der Instrumente  durch die Jobcenter, ihr betrieblicher Einsatz sowie ihre Wirkung auf soziale Teilhabe,  Beschäftigungsfähigkeit und Arbeitsmarktchancen der Geförderten. Die vorliegenden Befunde zeigen, dass beide Instrumente ihre Zielgruppen weitgehend  zuverlässig erreichen und sich positiv auf die verschiedenen Zieldimensionen auswirken. Aufgrund des vergleichsweise kurzen Beobachtungszeitraums können bislang keine  Aussagen zur Stabilität der Effekte getroffen werden. Dies gilt auch für die  Arbeitsmarktwirkung der Förderung nach § 16i SGB II. Die Forschungsergebnisse legen lediglich moderate Änderungen der gesetzlichen  Ausgestaltung der beiden Instrumente nahe, sprechen aber teils für eine konsequentere Umsetzung bestehender Regelungen. Ersteres betrifft u.a. die gesetzliche Definition der  Zielgruppe von § 16e SGB II, letzteres gilt hingegen für die Zuweisungspraxis der Jobcenter im Falle von §16i SGB II sowie die beschäftigungsbegleitende Betreuung von Geförderten  beider Instrumente. Angesichts der Verfestigungstendenzen von Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug eines  nennenswerten Teils der Leistungsberechtigten der Grundsicherung für Arbeitsuchende  bleiben Förderangebote wie die des Teilhabechancengesetzes auch zukünftig unverzichtbar, um dem betroffenen Personenkreis die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.«
➔  dazu: „Das Teilhabechancengesetz hat die richtigen Impulse gesetzt“, 21.03.2024
➔  dazu: Teilhabechancengesetz: Die Weiterbeschäftigung nach Ende der Förderung hängt auch von den betrieblichen Strukturen ab (22.03.2024)

Anja Bauer et al. (2024): IAB-Prognose 2024: Die Beschäftigung steigt, aber die Arbeitslosigkeit auch. IAB-Kurzbericht, Nr. 6/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024

Louise Biddle (2024): Verlängerte Leistungseinschränkungen für Geflüchtete: Negative Konsequenzen für Gesundheit – erhoffte Einsparungen dürften ausbleiben, in: DIW Wochenbericht, Nr. 12/2024
»Bis zum Abschluss ihres Asylverfahrens haben Geflüchtete nur einen eingeschränkten Anspruch auf Gesundheitsleistungen. Ende Februar 2024 wurde die maximale Dauer dieser Einschränkung von 18 auf 36 Monate verlängert. Diese Änderung dürfte die tatsächliche Wartezeit, die – wie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigen – derzeit bei über einem Jahr liegt, verdoppeln. Besonders betroffen sind davon Geflüchtete mit niedriger Bildung und geringen Deutschkenntnissen. Dies hat nicht nur negative Konsequenzen für die Gesundheit der betroffenen Menschen. Auch der Staat hat Nachteile, denn eine spätere Behandlung erfordert oft einen teureren Behandlungsansatz. Deshalb wäre es sinnvoller gewesen, die Dauer der Einschränkungen zu verkürzen statt zu verlängern. Die elektronische Gesundheitskarte für Geflüchtete erleichtert den Zugang zur Gesundheitsversorgung während der Wartezeit, denn sie verringert administrative Hürden. Derzeit erhalten aber nur knapp 20 Prozent aller Geflüchteten eine Gesundheitskarte, denn sie wurde nicht in allen Bundesländern eingeführt. Die elektronische Gesundheitskarte sollte bundesweit eingeführt werden; so könnten die negativen Konsequenzen des Asylbewerberleistungsgesetzes für die Gesundheit abgefedert werden.«

Ellen Heidinger (2024): Bedarf an und Inanspruchnahme von Unterstützung bei Geflüchteten ungleich verteilt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 12/2024
»Laut Bundesinnenministerium sollen Beratung und Hilfe zur Integration für alle Schutzsuchenden verfügbar sein. Der vorliegende Wochenbericht untersucht, inwieweit dies auf Personen zutrifft, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland geflüchtet sind. Mithilfe von Daten der IAB-BAMF-SOEP- Befragung Geflüchteter wird der Bedarf an und die tatsächliche Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten in fünf Lebensbereichen untersucht: Flüchtlings- und Asylfragen, Deutsch lernen, Zugang zum Arbeitsmarkt, zu Bildung und zur Gesundheitsversorgung. Die Analyse zeigt, dass der große Bedarf an Unterstützung nicht überall gedeckt werden kann und der Zugang zu Hilfen selektiv ist. Vor allem Geduldete und Personen im Asylverfahren erhalten seltener Hilfe als jene mit anerkanntem Aufenthaltsstatus. Personen, die Bildung oder Arbeitserfahrung aus ihrem Herkunftsland mitbringen, gelingt es eher, die benötigte Hilfe in Anspruch zu nehmen. Staatliche sowie zivilgesellschaftliche Akteure sollten weiterhin zusammenarbeiten, um zugeschnittene sprach- und kultursensible Unterstützung anzubieten.«

Cornelia Kristen und Jana Nebelin (2024): Geflüchtete kommen auf gefährlichen Wegen nach Deutschland, in: DIW Wochenbericht, Nr. 12/2024
»Die Routen, auf denen Geflüchtete in den Jahren 2014 bis 2023 nach Europa und Deutschland gekommen sind, wurden in unterschiedlichem Maße für die Flucht genutzt. Zuletzt hat die Bedeutung der zentralen Mittelmeerroute wieder zugenommen. Lauf offizieller Statistiken, in denen vor allem Todesfälle erfasst werden, ist dies die weltweit tödlichste Fluchtroute. Die Gefahrenlage auf den verschiedenen Routen lässt sich auch aus Perspektive der Ankömmlinge beschreiben. Diese zeichnen ebenfalls ein in Teilen düsteres Bild von der Flucht, gekennzeichnet von unterschiedlichen Formen von Gewalt und Bedrohung. Gleichzeitig sprechen viele Schutzsuchende, darunter insbesondere Frauen, gar nicht erst über ihre Flucht. Um die Gefahren besser beschreiben und geeignete Instrumente zu ihrer Bekämpfung entwickeln zu können, sollten die Vorkommnisse während der Flucht besser erfasst werden.«

Commissioner for Human Rights of the Council of Europe (2024): Report following her visit to Germany from 27 November to 1 December 2023, Strasbourg, 23 February 2024
➔  dazu: Bundesregierung (2024): Kommentare der Bundesregierung zum Bericht der Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović, über ihren offiziellen Besuch in Deutschland vom 27. November bis 1. Dezember 2023

CDU (2024): Die Neue Grundsicherung. Beschluss des Bundesvorstandes der CDU Deutschlands, Berlin, 18. März 2024

Christian Hohendanner, Jasmin Rocha und Joß Steinke (2024): Vor dem Kollaps!? Beschäftigung im sozialen Sektor. Empirische Vermessung und Handlungsansätze, Berlin: De Gruyter Oldenbourg, 2024
➔  dazu das Interview mit den drei Autoren: Krise im sozialen Sektor: „Das größte Risiko ist, dass grundlegende Leistungen der sozialen Daseinsvorsorge wegbrechen“ (18.03.2024)

Ariane Baderschneider et al. (2024): Evaluation der berufsbezogenen Deutschsprachförderung nach § 45a AufenthG. Forschungsbericht 635, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), März 2024
»Die berufsbezogene Deutschsprachförderung gemäß § 45a des Aufenthaltsgesetzes ist seit 2016 ein Regelinstrument, dessen Ziel der Erwerb berufsbezogener deutscher Sprachkenntnisse durch Zugewanderte ist. Die Evaluation untersucht, ob die Ziele der berufsbezogenen Deutschsprachförderung erreicht werden, wie sich die berufsbezogene Deutschsprachförderung im Speziellen auf die Arbeitsmarktintegration der Teilnehmenden auswirkt, welche Zielgruppen besonders von ihr profitieren, welche Faktoren die Wirkungen der berufsbezogenen Deutschsprachförderung fördern oder hemmen und welche Empfehlungen sich aus den Ergebnisse der Untersuchung ableiten lassen.«

Holger Seifert (2024): Entwicklung am Ausbildungsmarkt Berlin-Brandenburg. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Berlin-Brandenburg Nr. 1/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2024
»Der vorliegende Bericht untersucht die Entwicklung am Ausbildungsmarkt Berlin-Brandenburg zwischen 2009 und 2023. In dieser Zeit hat sich der Lehrstellenmarkt aus Sicht der Bewerber:innen mit Ausnahme der Corona-Jahre sichtlich entspannt, während es für Ausbildungsbetriebe zunehmend schwieriger wird, geeignete Auszubildende zu finden. In Berlin wird gegenüber dem dualen Ausbildungssystem zudem die vollzeitschulische Berufsausbildung immer bedeutsamer. Hier werden vor allem die Gesundheits- und Pflegeberufe sowie die Sozial- und Erziehungsberufe erlernt. Im Beobachtungszeitraum bewerben sich zugleich auch immer mehr ausländische Staatsangehörige für eine Ausbildung, was die Betriebe vor zusätzliche Herausforderungen stellen kann. Schließlich beleuchten wir die regionalen Verflechtungen auf dem Ausbildungsmarkt mit Hilfe von Auswertungen der Pendlerbewegungen.«

Inge Schreyer und Pamela Oberhuemer (Hrsg.) (2024): Frühpädagogische Personalprofile in Europa 33 Länderberichte mit kontextuellen Schlüsseldaten, München 2024

Eike Windscheid-Profeta (2024): Wie die 4-Tage-Woche gelingt, in: sozialpolitikblog, 14.03.2024

DGB (2024): Situation Älterer am Arbeitsmarkt, Berlin: DGB Bundesvorstand, März 2024
»Ältere Arbeitnehmer sind gerade jetzt eine große Bereicherung für Unternehmen. Ältere Menschen bringen eine wertvolle Erfahrung und Expertise in die Arbeitswelt ein.Steigende Erwerbstätigen- und Beschäftigungsquoten lassen vermuten, dass sich auch die Situation älterer Menschen am Arbeitsmarkt grundlegend verbessert hätte. Die Analyse zeigt jedoch, dass immer noch deutliche Handlungsbedarfe bestehen.«

Deutscher Ethikrat (2024): Klimagerechtigkeit. Stellungnahme, Berlin, 13.03.2024

Sebastian Fehrler et al. (2024): CO2-Steuer in allen Wählergruppen am populärsten in Kombination mit Klimageld (aber nicht für alle). DIFIS-Impuls 2024/2, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, März 2024
»Ökonomen und Umweltpolitiker sind sich grundsätzlich einig, dass der CO2-Ausstoß verteuert werden muss, um ihn zu reduzieren. Die CO2-Bepreisung von Brennstoffen wird in Deutschland seit 2021 im Brennstoffemissionshandelsgesetz geregelt, nach dem Unternehmen, die mit Heizöl, Erdgas, Benzin, Diesel und seit 2022 auch mit Kohle und Abfallbrennstoffen handeln, hierfür einen CO2-Preis zahlen, der de facto einer CO2-Steuer gleichkommt. Anhand neuer Umfragedaten zeigen wir auf, dass die Akzeptanz der Bevölkerung von CO2-Bepreisung deutlich von der Verwendung der Einnahmen abhängt. Über alle politischen Lager hinweg schneidet das Klimageld hierbei am besten ab. Unter verschiedenen Varianten des Klimageldes stößt jene Ausgestaltung auf die größte Zustimmung, in der die Steuereinnahmen an Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen ausgezahlt werden, hohe Einkommensgruppen jedoch leer ausgehen.«

Hartmut Seifert (2024): Arbeitszeitgesetz: Zeit für eine Revision, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2024

Katharina Grienberger et al. (2024): Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt: Vor allem Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren. IAB-Kurzbericht, Nr. 4/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024

Simon Reif et al. (2024): Reformvorschlag für einen nachhaltigen Risikostrukturausgleich. ZEW policy Brief Nr. 3/2024, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, März 2024

Martin Brussig (2024): Späte Renteneintritte von langjährig Versicherten. Altersübergangs-Report 2024-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2024
»Der vorliegende Report untersucht die Situation von Personen, die aufgrund langer Versicherungszeiten frühzeitig in Rente wechseln können, ihren Rentenbeginn aber bis zur Regelaltersrente aufschieben. Etwa elf Prozent der Zugänge in Altersrente des Jahrgangs 1954 sind der Gruppe der späten Renteneintritte zuzurechnen, wobei die Größe dieser Gruppe aufgrund der gewählten konservativen Definition eine Untergrenze darstellt. Mit der Einführung der Altersrente für besonders langjährig Versicherte („Rente mit 63“) hat sich die Anzahl der Personen mit späten Renteneintritten schlagartig nahezu halbiert. Danach ist sie mit fast jeder nachrückenden Geburtskohorte leicht gestiegen. Eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung ist nach wie vor erforderlich, damit Beschäftigte bei guter Gesundheit überhaupt die späte Erwerbsphase erreichen. Erforderlich ist darüber hinaus, den Arbeitsprozess so zu gestalten, dass die Arbeit als sinnstiftend und bereichernd erlebt werden kann. Andernfalls wechseln viele der Älteren, die länger arbeiten könnten, in die verbliebenen Frühverrentungsmöglichkeiten.«

Vera Freundl et al. (2024): Informationsbereitstellung zur Automatisierbarkeit von Berufen erhöht Weiterbildungsbereitschaft, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2024
»Beschäftige in Deutschland unterschätzen die Automatisierbarkeit ihres Berufs. Dies gilt vor allem für Beschäftigte in Berufen mit hoher Automatisierbarkeit, wie eine neue Studie von Lergetporer et al. (2023) zeigt. Die randomisierte Bereitstellung von Informationen über die tatsächliche Automatisierbarkeit ihrer Berufe erhöht die Arbeitsmarktsorgen und die Einschätzung über Veränderungen des Arbeitsumfelds. Außerdem wird die Teilnahmebereitschaft an Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen erhöht, insbesondere bei Befragten in Berufen mit hoher Automatisierbarkeit. Dadurch verringert sich der Unterschied in der Weiterbildungsbereitschaft zwischen Beschäftigten in Berufen mit hoher und niedriger Automatisierbarkeit um 95,5%, die Lücke in der Umschulungsbereitschaft wird sogar vollständig geschlossen.«

Marlen Melzer et al. (2024): Arbeitszeitverkürzung in der beruflichen Pflege, Düsseldorf: Landesbüro NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung, 2024

Tim B. Peters und Jost Henry Bertels (2024): Das „Bündnis Sahra Wagenknecht – Vernunft und Gerechtigkeit“ (BSW). Zwischen linkskonservativem Populismus, EU-Kritik und Russlandnähe, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, März 2024

Jochen Roose (2024): Die Stimmung vor der Europawahl 2024. Repräsentative Umfrage zu europapolitischen Einstellungen vor der Europawahl 2024, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, März 2024

Angelika Allgayer (2024): Zur (Un-)Sichtbarkeit der (Zwangs-)Prostitution in der Strafrechtspflege. Hilft ein Sexkaufverbot?, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2024

Tom Krebs und Martin Scheffel (2024): Auswirkungen der Kindergrundsicherung auf Armut, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum. WSI Study Nr. 36, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2024
»Die Studie untersucht auf Basis eines mikroökonomisch fundierten makro-ökonomischen Modells die Auswirkungen der Einführung der Kindergrundsicherung auf Kinderarmut, Chancengleichheit, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum. Der Fokus liegt auf den langfristigen Effekten, die sich aus der Ausweitung des Leistungsbezugs – zusätzlich 1,5 Millionen Kinder erhalten Unterstützung – ergeben. Die Einführung der Kindergrundsicherung bekämpft Kinderarmut und erhöht die Chancengleichheit: Die Armutsgefährdungsquote für Kinder sinkt unmittelbar nach der Einführung um 1,8 Prozentpunkte und bis 2050 um drei Prozentpunkte von 21,6 auf 18,6 Prozent. Damit geht die Anzahl armutsgefährdeter Kinder um 440.000 zurück. Die Chancenlücke reduziert sich um 6,8 Prozentpunkte von 44,3 auf 37,5 Prozent. Bis 2050 steigt die Beschäftigung um 155.500 vollzeit-äquivalente Stellen, und die gesamtwirtschaftliche Produktion nimmt um jährlich 11,3 Mrd. Euro zu. Der fiskalische Break-Even-Punkt wird bereits nach 18 Jahren erreicht.«

Tabea Schlimbach et al. (2024): Kinderarmut? Die Perspektive von Kindern und Jugendlichen. Abschlussbericht zum Projekt „Befragung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Einführung einer Kindergrundsicherung in Deutschland“, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), 2024

Elisabeth Artmann (2024): Jobcenter-Betreuung von Alleinerziehenden im Vergleich zu Eltern in Paarbedarfsgemeinschaften. IAB-Forschungsbericht, Nr. 3/2024: Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024
»Alleinerziehende müssen die Doppelbelastung bewältigen, ohne Unterstützung eines Partners im Haushalt für den Familienunterhalt und die Kinderbetreuung zu sorgen, weshalb sie als Bevölkerungsgruppe mit besonderem sozialpolitischen Unterstützungsbedarf gelten. Rund ein Drittel der Alleinerziehenden-Haushalte mit minderjährigen Kindern war im Jahr 2022 auf Grundsicherungsleistungen angewiesen, während nur 6,3 Prozent der Paarhaushalte mit minderjährigen Kindern Leistungen bezog. Der vorliegende Forschungsbericht untersucht deshalb anhand von Befragungsdaten des Panels „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung” für die Jahre 2008 bis 2021 deskriptiv, wie alleinerziehende Mütter im Vergleich zu Müttern und Vätern in Paarbedarfsgemeinschaften von den Jobcentern betreut werden, welche Förder- und Beratungsangebote sie erhalten und wie sie die Jobcenter-Betreuung bewerten. Dabei werden ausschließlich Erziehende im Grundsicherungsbezug betrachtet, die nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.«

Michaela Fuchs et al. (2024): Regionale Unterschiede im Gender Pay Gap in Deutschland 2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2024
»Dass Frauen in Deutschland weniger verdienen als Männer, gilt gemeinhin als bekannt. Die nationale Betrachtung verdeckt jedoch große Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen. Im Folgenden zeigen wir diese regionalen Unterschiede im so genannten Gender Pay Gap (GPG) auf. Datengrundlage bildet hierbei der nominale Lohn (brutto), den sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte zum Stichtag 30.06.2022 in einer bestimmten Region verdient haben. Dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiten als Männer, ist also für diese Kennziffer irrelevant.«

Michaela Hermann und Luisa Kunze (2024): Gleichstellung am Arbeitsmarkt? Aktuelle Herausforderungen und Potenziale von Frauenerwerbstätigkeit in Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Februar 2024

Jochen Pimpertz (2024): Rentenpaket II – eine Rechnung mit vielen Unbekannten. IW-Kurzbericht, Nr. 12/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2024
»Das Sicherungsniveau in der Gesetzlichen Rentenversicherung soll bis Ende der 2030er Jahre auf mindestens 48 Prozent festgeschrieben werden. Dazu muss der Beitragssatz stärker angehoben werden, als die Bundesregierung noch im November erwartet hat. Mithilfe einer kapitalgedeckten „Stiftung Generationenkapital“ soll er ab dem Jahr 2036 bei etwa 22,3 Prozent stabilisiert werden. Ob das gelingen kann, steht jedoch in den Sternen.«

Autor:innengruppe Forschungsverbund DJI/TU Dortmund (2024): Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe. Bestand, Lücken, Gewinnung, Bedarfe in NRW. Bielefeld, 2024

Jörg Markowitsch and Ágota Scharle (2024): Towards zero long-term unemployment in the EU: Job guarantees and other innovative approaches, 6 March 2024

Sven Buth et al. (2024): Glücksspielteilnahme und glücksspielbezogene Probleme in der Bevölkerung. Ergebnisse des Glücksspiel-Survey 2023, Hamburg: Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD), März 2024

Bernd Beber et al. (2024): Is Intent to Migrate Irregularly Responsive to Recent German Asylum Policy Adjustments? Ruhr Economic Papers #1071, Essen: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, März 2024
»We investigate the extent to which asylum policies that aim to deter individuals from migrating irregularly in fact do so. We specifically consider effects of Germany’s recent and high-profile asylum policy adjustments, which include accelerated asylum decision processes, the prospect of asylum processing outside of Europe, the introduction of a payment card to replace cash benefits, and an extended waiting period for native-level benefits. In order to estimate effects of these policy measures on irregular migration intent, we implement a conjoint experiment with 989 men aged 18–40 in four cities in Senegal, a population of most-likely migrants in a country where irregular migration to Europe is highly salient. We find that offshoring the asylum process significantly and substantially lowers irregular migration intentions across nearly all types of subjects. Extending the waiting time for native-level benefits only has a small, marginally significant effect on intent, and no effect among the poorest subjects and those that are most motivated to migrate internationally. Neither reducing asylum processing times nor replacing cash benefits with a payment card significantly alters intentions. We note that the presence or absence of an effect does not resolve political and normative questions concerning these policies, which are beyond the scope of this particular study.«
➔  dazu: RWI: Irreguläre Migration: Neue RWI-Studie zur Wirksamkeit der geplanten Bund-Länder-Maßnahmen, 06.03.2024

ADCS (2024): Childhood Matters, Manchester: Association of Directors of Children’s Services (ADCS), February 2024
»Childhood Matters acts as an update to the Association’s 2017 policy paper, A country that works for all children. It seeks to capture the issues and challenges facing children, young people and families, such as poverty and poor mental health, as well as the public services they rely on. This paper has been developed in consultation with leaders of local authority children’s services across the country. They expressed a shared concern about the lack of prominence and prioritisation of children within government policy and spending priorities as well as the difficulties in navigating the diffuse accountability arrangements across the multiple different departments and agencies each with responsibility for aspects of child and family policy.«

Lukas Riedel (2024): Wage Inequality Consequences of Expanding Public Childcare. ZEW-Discussion Paper No. 24-006, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Februar 2024
»This paper assesses the impact of a large expansion of public childcare in Germany on wage inequality. Exploiting regional variation in childcare supply over the 1990s, I show that in regions with stronger increases in childcare, wage inequality among women increased less strongly compared to regions with smaller increases. This is primarily driven by the lower half of the wage distribution and qualitatively similar for full- and part-time workers. Larger expansions in childcare, however, do not contribute to a further closing of the gender wage gap.«

Heidemarie Staflinger (2024): Der oö. Mindestpflegepersonalschlüssel für Alten- und Pflegeheime auf dem Prüfstand. Grundlagen – Herausforderungen – Entwicklungsbedarf. Update: Rechtliche Grundlagen in den Bundesländern. Stand: Februar 2024, Linz: Arbeiterkammer Oberösterreich, Februar 2024
»Die Studie wurde 2016 unter dem Titel „Engpass belastet die Beschäftigten: oö. Alten- und Pflegeheime brauchen dringend mehr Personal. Ergebnisse aus der Studie Mindestpflegepersonalschlüssel in oberösterreichischen Alten- und Pflegeheimen“ veröffentlicht. Das vorliegende Arbeitspapier fasst die veränderten (rechtlichen) Grundlagen zur Personalberechnung in den Bundesländern seit der Veröffentlichung 2016 zusammen. Konkrete Veränderungen gibt es in den Bundesländern Oberösterreich, Steiermark, Kärnten, Burgenland, Vorarlberg und Tirol. Teils sind nicht alle Materialien, die als Basis für die Personalberechnung dienen öffentlich zugänglich.«

Ulrike Wieland (2024): Willkommenskultur in Krisenzeiten. Wahrnehmungen und Einstellungen der Bevölkerung zu Migration und Integration in Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2024
Diese Studie zur Willkommenskultur beschreibt aktuelle Wahrnehmungen, Einschätzungen und Einstellungen der Bevölkerung zu Migration und Integration in Deutschland. Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung zeigen im Zeitvergleich: Die Skepsis gegenüber Zuwanderung nimmt in Zeiten eines starken Anstiegs von Fluchtmigration zu. 2023 wird eine ähnliche Entwicklung deutlich wie nach der starken Fluchtmigration der Jahre 2015/2016. Die Menschen sorgen sich wieder verstärkt um mögliche negative Folgen wie Mehrkosten für den Sozialstaat, Wohnungsnot in Ballungsräumen und Probleme in den Schulen. Zugleich hat jedoch weiterhin eine Mehrheit der Befragten den Eindruck, dass sowohl Arbeitsmigranten als auch Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, von den Kommunen und der Bevölkerung willkommen geheißen werden. 

Michaela Evans-Borchers et al. (2024): Pflegekräfte aus Drittstaaten: Betriebliche Integration und Arbeitsbedingungen im Fokus, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2024
Die Arbeits-, Beschäftigungs- und Integrationsbedingungen von Pflegekräften aus Drittstaaten in Deutschland sind ein zentrales ethisches Gestaltungsfeld. Dies erfordert ein Integrationsmanagement bereits vor der Ankunft, die verbindliche Regelung von Arbeits- und Lernzeiten sowie arbeitnehmerorientierte Standards für Vermittlungsagenturen.

Clara Schäper und Katharina Wrohlich (2024): Kurzarbeit in Corona-Pandemie: Frauen und Männer ein Jahr später nicht häufiger arbeitslos, aber mit geringerer Lohnentwicklung, in: DIW Wochenbericht, Nr. 9/2024
»Die Corona-Pandemie löste nach ihrem Beginn im Jahr 2020 eine weltweite Wirtschaftskrise aus. In Deutschland war – wie schon in der Finanzkrise des Jahres 2009 – Kurzarbeit ein entscheidendes Instrument, um die Folgen auf dem Arbeitsmarkt abzumildern und Arbeitsplätze zu sichern. Frauen waren in der Corona-Zeit im Vergleich zu 2009 deutlich stärker von Kurzarbeit betroffen – und damit in fast gleichem Ausmaß wie Männer. Dies liegt daran, dass von den Einschränkungen im Zuge der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen Branchen mit einem hohen Frauenanteil – vor allem im Dienstleistungsbereich – besonders betroffen waren. Wie dieser Wochenbericht zeigt, wirkte sich die Kurzarbeit während der Corona-Pandemie kaum negativ auf die Erwerbsverläufe aus – weder bei Frauen noch bei Männern. Im Jahr 2021 waren Beschäftigte, die im Jahr zuvor von Kurzarbeit betroffen waren, nicht häufiger arbeitslos als andere Beschäftigte. Allerdings sind die Stundenlöhne von Frauen und Männern mit Kurzarbeitserfahrung im Folgejahr weniger stark gestiegen. Insgesamt erwies sich Kurzarbeit als wirksames Mittel zur Beschäftigungssicherung. Zudem wurden bestehende Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit während der Corona-Pandemie nicht verstärkt.«

Jonas Jessen et al. (2024): Gender Care Gap in Deutschland: Kein anhaltender Anstieg infolge der Corona-Pandemie, in: DIW Wochenbericht, Nr. 9/2024
»Der Gender Care Gap, also der geschlechtsspezifische Unter­ schied in der Aufteilung unbezahlter Sorgearbeit wie Kinder­betreuung und Hausarbeit, ist in Deutschland vergleichsweise hoch. Frauen übernehmen deutlich mehr unbezahlte Sorge­ arbeit als Männer. Besonders mit der Familiengründung steigt der Gender Care Gap nachhaltig an. Zu Beginn der Corona­ Pandemie vor knapp vier Jahren wurde vielfach befürchtet, dass sich der Gender Care Gap noch vergrößern könnte. Empirische Analysen zeigen, dass sich in jungen Familien zu Beginn der Pandemie in der Tat Geschlechterungleichheiten in der Sorgearbeit verschärft haben. Vor allem Mütter haben den erhöhten Betreuungsbedarf der Kinder zu Hause infolge von Kita­ und Schulschließungen aufgefangen. Die Untersuchungen auf Basis von Daten des Beziehungs­ und Familienpanels pairfam in diesem Wochenbericht zeigen jedoch, dass sich der Gender Care Gap inzwischen wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückbewegt hat – wenngleich dieses immer noch hoch ist. Wenn die Politik Geschlechterungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt wirksam bekämpfen will, sollte sie die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit stärker in den Fokus nehmen und bestehende Hemmnisse für eine gleich­ mäßigere Aufgabenteilung abbauen. Das wäre zum Beispiel durch eine Ausweitung der Partnermonate beim Eltern­geld sowie einer Reform des Ehegattensplittings und der Minijobs möglich.«

Wido Geis-Thöne (2024): Regionale Verteilung der Niedrigqualifizierten in Deutschland, in: IW-Trends, Nr. 1/2024, S. 75-95
»In Deutschland konzentrieren sich die Niedrigqualifizierten sehr stark auf die städtischen Bereiche. So war der Anteil der Personen ohne Abschluss einer mindestens zweijährigen beruflichen oder hochschulischen Ausbildung an den 25- bis 64-Jährigen im Jahr 2019 in den Großstädten mit über 100.000 Einwohnern mit 20,8 Prozent nahezu doppelt so hoch wie in den kleinen Gemeinden mit unter 5.000 Einwohnern mit 10,7 Prozent. Ein regionaler Schwerpunkt liegt dabei im Ruhrgebiet, wo die Raumordnungsregion Emscher-Lippe sogar auf einen Wert von 26,8 Prozent kommt. Hingegen sind die Anteile im Osten Deutschlands sehr niedrig. Sowohl das Stadt-Land-Gefälle als auch das West-Ost-Gefälle gehen vorwiegend auf Unterschiede bei der Zuwanderung zurück. Nur rund die Hälfte der Niedrigqualifizierten im Alter zwischen 25 und 64 Jahren ist in Deutschland geboren. Im Ruhrgebiet kommt eine starke Zuwanderung Niedrigqualifizierter mit vielen im deutschen Bildungssystem gescheiterten Personen zusammen. Dabei bilden die betroffenen Personen insbesondere auch im Hinblick auf ihre Perspektiven am Arbeitsmarkt und gegebenenfalls bestehende Unterstützungsbedarfe keine homogene Gruppe. Besonders vulnerabel sind diejenigen, die neben dem fehlenden berufsqualifizierenden Abschluss zudem über keinen Schulabschluss verfügen. Bei ihnen sind die regionalen Unterschiede sogar noch größer. So ist ihr Anteil an der 25- bis 64-jährigen Bevölkerung in den Großstädten mit 4,3 Prozent mehr als dreimal so hoch wie in den kleinen Gemeinden mit 1,4 Prozent.«

Wido Geis-Thöne (2024): Regionale Verteilung der Akademiker in Deutschland, in: IW-Trends, Nr. 1/2024, S. 97-118
»Die Akademiker in Deutschland verteilen sich regional sehr ungleichmäßig. Betrachtet man nur die jüngere Bevölkerung im Alter zwischen 35 und 44 Jahren, die ihre hochschulischen Bildungswege in aller Regel bereits vollständig abgeschlossen hat, finden sich für das Jahr 2019 für Berlin mit 44,0 Prozent und die Raumordnungsregion München mit 42,9 Prozent die höchsten Anteile. Hingegen liegen die Werte in einigen ländlichen Regionen bei unter 15 Prozent. Bundesweit waren 26,8 Prozent der Bevölkerung in diesem Alter Akademiker. Differenziert man nach der Größe der Städte oder Gemeinde, ergibt sich für die Großstädte mit mindestens 100.000 Einwohner mit 36,9 Prozent ein etwa doppelt so hoher Wert wie für die kleinen Gemeinden mit unter 5.000 Einwohnern mit 18,6 Prozent. Auch liegen die Akademikeranteile in den kleineren Kommunen im städtischen Raum höher als im ländlichen Raum. Allerdings gehen diese Unterschiede fast ausschließlich auf die Absolventen der Universitäten zurück, wohingegen sich die Absolventen anderer Hochschulen – insbesondere der Hochschulen für angewandte Wissenschaften oder Fachhochschulen – sehr gleichmäßig im Raum verteilen. So ist der Anteil der Universitätsabsolventen an der Bevölkerung zwischen 35 und 44 Jahren in den Großstädten mit 26,8 Prozent nahezu dreimal so hoch wie in den kleinen Gemeinden mit 9,5 Prozent, während die Anteile der Absolventen der anderen Hochschulen mit 10,2 Prozent und 9,1 Prozent relativ ähnlich sind.«

Alexander Gallas (2024): Im Angesicht der Ungleichstellung. Leiharbeit als Herausforderung für gewerkschaftliche Strategiebildung. Study 490, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2024
»Leiharbeit in Deutschland verursacht oft geringere Lohnkosten als eine Festanstellung – und die Aufwendungen, um Arbeitskräfte auszuwählen und wieder loszuwerden, sind geringer. Leiharbeiter verdienen also im Schnitt wesentlich weniger als andere Beschäftigte, und ihre Beschäftigungsdauer ist in vielen Fällen sehr kurz. Die vorliegende Studie zeigt, dass Leiharbeit sich normalisiert hat. Sie wird von den Arbeitsagenturen genutzt, um Menschen vorübergehend in Lohn und Brot zu bringen, ohne deren Position auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig zu bessern.«

Nicole Gürtzgen (2024): Einführung der Brückenteilzeit: bislang keine spürbaren Folgen für Teilzeitjobs. IAB-Forschungsbericht, Nr. 2/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2024

Stefan Fetzer und Christian Hagist (2024): Mehr Nachhaltigkeit wagen. Die Tragfähigkeit der Sozialversicherung in Deutschland. Gutachten im Auftrag von Die Familienunternehmer und Die jungen Unternehmer, Berlin, Februar 2024

Mark Rackles (2024): Neue Lehrkräfte braucht das Land. Herausforderungen und Handlungsempfehlungen für die Lehrkräfteausbildung in Deutschland 2024, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Februar 2024

Gesina Leininger et al. (2024): Indien als wichtiges Fokusland bei der Fachkräfteeinwanderung. IW-Kurzbericht, Nr. 9/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2024
»Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2020 vereinfacht im Zusammenspiel mit der beruflichen Anerkennung die Einwanderung für Fachkräfte aus Drittstaaten. Es gilt für Deutschland, diese neuen Potenziale zu identifizieren. In diesem Kurzbericht liegt der Fokus auf indischen Berufsabschlüssen, die eine hohe Anerkennungswahrscheinlichkeit aufweisen.«

Valentina Goetz et al. (2024): Fachkräftesicherung und Mitarbeiterbindung aus Sicht von Betrieben und Beschäftigten. Forschungsbericht Nr. 634, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Februar 2024
»Die Sicherung der Fachkräftebasis stellt den Wirtschaftsstandort Deutschland vor eine große Herausforderung. Personalengpässe drohen sich aufgrund von Demografie, Digitalisierung, Dekarbonisierung und Deglobalisierung zu verschärfen. Um neue empirische Erkenntnisse über die Reaktionen der Unternehmen auf diese Engpässe zu gewinnen, analysiert dieser Bericht aktuelle Daten einer repräsentativen und deutschlandweiten Betriebs- und Beschäftigtenbefragung, dem Linked Personnel Panel (LLP). Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Einsatz betrieblicher Personalinstrumente zur Rekrutierung und Mitarbeiterbindung sowie auf der Unternehmenskultur.«

Jörn Sommer et al. (2024): Die Evaluation nach § 8 des Gesetzes zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft (GSA Fleisch). Abschlussbericht. Forschungsberichte 633, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Februar 2024
»Mit der Novellierung des Gesetzes zur Sicherung von Arbeitnehmerrechten in der Fleischwirtschaft (GSA Fleisch) zum 1. Januar 2021 wurde in Fleischbetrieben der Einsatz von Fremdpersonal im Kernbereich verboten sowie eine digitale und manipulationssichere Arbeitszeiterfassung eingeführt. Hiervon ausgenommen sind Handwerksunternehmen. Leiharbeit darf lediglich in der Fleischverarbeitung bis 31. März 2024 unter strengen Auflagen eingesetzt werden. Die Auswirkungen der Neuregelungen des GSA Fleisch wurden mit einem multimethodischen Ansatz wissenschaftlich untersucht. Die Evaluation zeigt, dass sich Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutz der Beschäftigten sowie die Kontroll- und Prüfmöglichkeiten der Behörden verbessert haben.«

Michaela Fuchs et al. (2024): Räumliche Mobilität der Beschäftigten in Deutschland: Frauen pendeln kürzer als Männer. IAB-Kurzbericht, Nr. 4/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2024
»Für einen Großteil der Beschäftigten in Deutschland gehört das Pendeln zwischen Arbeitsort und Wohnort zum Arbeitsalltag. Dabei wenden Frauen weniger Zeit auf als Männer, um ihren Pendelweg zurückzulegen. Mithilfe der geografischen Koordinaten von Wohnort- und Arbeitsortadressen wird eine hypothetische Pendelzeit bestimmt, die Pendlerinnen und Pendler auf dem kürzesten Weg mit dem Auto benötigen. Die Autorinnen untersuchen das Pendelverhalten von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten und diskutieren verschiedene Aspekte, die in Zusammenhang mit der geringeren räumlichen Mobilität von Frauen stehen.«

Yuliya Kosyakova and Andreas Damelang (2024): The causal effect of liberalizing legal requirements on naturalization intentions. IAB-Discussion Paper Nr. 4/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), February 2024
»Diese Studie untersucht die vielfältigen Faktoren, die die Einbürgerungsabsichten von Geflüchteten beeinflussen, wobei der Schwerpunkt auf den rechtlichen Anforderungen und der Umsetzung von Einbürgerungsgesetzen liegt. Es wird zwischen verschiedenen Einwanderergruppen unterschieden, insbesondere Geflüchteten, Bürgern der Europäischen Union (EU) und Nicht-EU-Bürgern. Mit Hilfe eines Vignettenexperiments unter Eingewanderten in einer umfangreichen repräsentativen Studie in Deutschland werden die Auswirkungen der Liberalisierung der rechtlichen Anforderungen und einem inklusiveren Einbürgerungsprozess auf die Absichten, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben, empirisch analysiert. Dieser Vergleich, sowohl zwischen aktuellen und liberalisierten Anforderungen als auch zwischen weniger und mehr inklusiven Einbürgerungsverfahren, bietet ein realistisches Szenario, wie Liberalisierung und Inklusivität die Einbürgerungsabsichten beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Liberalisierung der rechtlichen Anforderungen, insbesondere die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft und eine verkürzte Wartezeit, einen positiven Effekt auf die Einbürgerungsabsichten hat. Gleichzeitig unterscheiden sich diese Effekte zwischen den drei Einwanderergruppen, insbesondere aufgrund von Unterschieden in den empfundenen Vorteilen der Einbürgerung. Im Gegensatz dazu hat ein inklusiverer Einbürgerungsprozess keinen Einfluss auf die Einbürgerungsabsichten der Eingewanderten. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Staatsbürgerschaftspolitik für die Einbürgerungsabsichten von Eingewanderten.« 

Jan Eckhard (2024): Deutschkenntnisse von geflüchteten Frauen und Männern: Entwicklung, Unterschiede und Hintergründe. BAMF-Kurzanalyse Nr. 1/2024, Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2024
»Auswertungen der zeitlichen Entwicklung zeigen, dass sich die Deutschkenntnisse der Geflüchteten mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland verbessern. Zugleich bestehen aber beachtliche Geschlechterunterschiede auch nach einer längeren Aufenthaltsdauer in Deutschland fort. Ziel der weiteren Untersuchungen ist es, die Hintergründe dieser Geschlechterunterschiede aufzuzeigen.«

Rainer M. Holm-Hadulla und Anneliese Dörr Álamos (2024): Gesundheitliche und psychosoziale Auswirkungen der Legalisierung und Kommerzialisierung von Cannabis. Analysen & Argumente Nr. 525, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2024
»Die Cannabis-Legalisierung führt zu einem Anstieg des Konsums. Zudem sinkt die Risikowahrnehmung für die schädlichen Wirkungen durch die erleichterte Verfügbarkeit von Cannabis. Zu den schädlichen Wirkungen gehören Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Apathie, Angst-, depressive und schizophrene Störungen. Mit der Legalisierung in Deutschland wird ein Experiment unternommen, das zugunsten robuster Luxuskonsumierender auf dem Rücken von Kindern und Jugendlichen ausgetragen wird.«

Wido Geis-Thöne (2024): Elternbeiträge für die Kitabetreuung im regionalen Vergleich. Eine Auswertung der landesrechtlichen Regelungen und der Gebührenordnungen der Großstädte mit über 100.000 Einwohnern. IW-Report, Nr. 13/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2024
»Bei der Beteiligung der Eltern an den Kosten für die staatliche und staatlich geförderte Kindertagesbetreuung gehen die Länder sehr unterschiedliche Wege.«

Holger Schäfer (2024): Arbeitsmarkt: Vieles gleich, aber alles anders, in: IW-Trends, Nr. 1/2024, S. 51-57

Jochen Pimpertz (2024): Sozialstaat – demografische Herausforderungen drängender denn je, in: IW-Trends, Nr. 1/2024, S. 37-44

Michael Voigtländer (2024): Stellungnahme zur Wohnungspolitik NRW. Wohnungspolitik in NRW – Gemeinnützigkeit, Wohneigentum, Wohnungsbau. IW-Report, Nr. 12/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2024

Davit Adunts et al. (2024): Indische Arbeitskräfte in Deutschland. Aktuelle Daten und Indikatoren, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 21.02.2024

Peter Haan and Izabela Wnuk (2024): The effect of migration on careers of natives: evidence from long-term care. Discussion Papers 2070, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2024
»This paper examines the effect of increasing foreign staffing on the labor market outcomes of native workers in the German long-term care sector. Using administrative social security data covering the universe of long-term care workers and policy-induced exogenous variation, we find that increased foreign staffing reduces labor shortages but has diverging implications for the careers of native workers in the sector. While it causes a transition of those currently employed to jobs with better working conditions, higher wages, and non-manual tasks, it simultaneously diminishes re-employment prospects for the unemployed natives with LTC experience.«

Timm Bönke et al. (2024): The Broken Elevator: Declining Absolute Mobility of Living Standards in Germany. Discussion Papers 2068, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2024
»This study provides the first absolute income mobility estimates for postwar Germany. Using various micro data sources, we uncover a steep decline in absolute mobility rates from 81 percent to 59 percent for children’s birth cohorts 1962 through 1988. This trend is robust across different ages, family sizes, measurement methods, copulas, and data sources. Across the parental income distribution, we find that children from middle class families experienced the largest percentage point drop in absolute income mobility (-31pp). Our counterfactual analysis shows that lower economic growth rates and higher income in- equality contributed similarly to these trends.«

Meike Baader et al. (2024): Ergebnisbericht „Helmut Kentlers Wirken in der Berliner Kinder- und Jugendhilfe – Aufarbeitung der organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes“, Hildesheim, Februar 2024
»Als Ergebnis lässt ein deutschlandweites Netzwerk rekonstruieren, in dem verschiedene Akteure aus Wissenschaft, Kinder- und Jugendhilfe, Verwaltung u. a. als Vertreter der Heimreform und/oder Sexualpädagogik in Zusammenarbeit mit dem Berliner Landesjugendamt pädophile Positionen und sexualisierte Gewalt unterstützten, legitimierten, duldeten, rechtfertigten und/oder selbst ausgeübt haben.«

Malte Lübke und Thorsten Schulten (2024): WSI-Mindestlohnbericht 2024. Reale Zugewinne durch die Umsetzung der Europäischen Mindestlohnrichtlinie. WSI Report Nr. 93, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2024
»In den meisten EU-Staaten kam es zum 1. Januar 2024 zu deutlichen Erhöhungen der Mindestlöhne. Diese reichten trotz anhaltend hoher Inflationsraten in der Mehrzahl der Mitgliedsländer aus, um die Kaufkraft des Mindestlohns zu erhalten oder sogar auszubauen. Begünstigt wurde die Mindestlohndynamik auch durch die im Herbst 2022 verabschiedete Europäische Mindestlohnrichtlinie. Viele Mitgliedsländer streben im Zuge der Umsetzung der EU-Richtlinie an, die dort verankerten Referenzwerte von 60 % des Medianlohns bzw. 50 % des Durchschnittslohns zu erreichen. Anders verlief die Entwicklung in Deutschland: Hier plädierte die Mindestlohnkommission gegen die Stimmen der Gewerkschaften nur für eine geringe Anhebung des Mindestlohns, die hinter die Preisentwicklung zurückfällt.«

Jonas Grasy et al. (2024): KI und algorithmische Systeme verstehen, bewerten und begrenzen. So gelingt Mitbestimmung bei KI: Praxisbeispiele und Impulse. Mitbestimmungspraxis Nr. 59, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Februar 2024

Amnesty International Österreich (2024): „Als würdest du zum Feind gehen“: Hürden beim Zugang zur Sozialhilfe in Österreich, Wien, Februar 2024

Antje Richter-Kornweitz et al. (2024): Armutssensibilität hat eine gesellschaftliche Dimension. Ein fachpolitisches Positionspapier zur Rahmung und Konkretisierung eines bisher ungenauen und zunehmend inflationär genutzten Begriffs, Oldenburg, Bochum, Dornbirn/Österreich, Februar 2024

Imke van Gardingen and Edwin Atema (2023): Widespread Exploitation in the EU Road Transport Industry: The Case of Central Asian Truck Drivers, December 2023

Der Paritätische Gesamtverband (2024): Gestalten statt Ausgrenzen – Paritätische Positionen zur Flüchtlingspolitik, Berlin, 08.02.2024

Wolfram F. Richter (2024): Über neue und alte (Fehl)Anreize in der Reform der Vergütung von Krankenhausleistungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2024
»Deutschland leistet sich nach internationalen Maßstäben überdimensionierte Bettenkapazitäten, die sich auf zu viele und häufig zu kleine Krankenhäuser verteilen. Aufgabe der Länder wäre es, die Struktur anzupassen. Sie scheuen aber den politischen Widerstand der unmittelbar Betroffenen. Einfacher ist es, die Dinge laufen zu lassen. Unter dem Druck, überdimensionierte Vorhaltekosten decken zu müssen, wird daher häufig mehr behandelt, als medizinisch geboten ist. Dieser Missstand hat seine wahre Ursache in mangelhaften Planungsanreizen. Bundesgesundheitsminister Lauterbach versucht dies durch eine Vergütungsreform von Krankenhausleistungen zu beheben. Das Ziel der Reform kann auf dem vorgeschlagenen Weg nicht erreicht werden.«

Martin Werding et al. (2024): Reformoptionen der gesetzlichen Rentenversicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2024
»Der demografische Wandel und damit die Alterung der Bevölkerung schreitet in Deutschland stark voran. Daher wird eine Reform der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) immer dringlicher. Die Bundesregierung hat bereits 2021 in ihrem Koalitionsvertrag versprochen: „Die Rente muss verlässlich und auskömmlich sein“. Zuletzt hat der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung mehrere Reformoptionen in seinem Jahresgutachten vorgestellt, die eine angemessene Alterssicherung bei nachhaltiger Finanzierbarkeit ermöglichen sollen. Allerdings blieben diese Vorschläge selbst innerhalb des Rates nicht ohne Einwände. Daher stellt sich die Frage, wie die GRV reformiert werden kann, um eine auskömmliche Rente auch dauerhaft stabil zu finanzieren.«

Clemens Ohlert (2024): Gesetzlicher Mindestlohn: Auswirkungen auf Frauen und Männer, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2024
»Der Mindestlohn hat bei Frauen seit seiner Einführung zu stärkeren Anstiegen der durchschnittlichen Stundenlöhne und monatlichen Verdienste geführt als bei Männern. Die Auswirkungen des Mindestlohns auf die Stundenlöhne der vom Mindestlohn betroffenen Frauen und Männern fielen im Durchschnitt ähnlich hoch aus. Frauen sind jedoch häufiger im Mindestlohnbereich beschäftigt als Männer und profitieren somit häufiger von diesem. Ergebnisse zu geschlechterspezifischen Reduzierungen der Arbeitszeit aufgrund des Mindestlohns fallen unterschiedlich aus. Weder bei Frauen, noch bei Männern kam es zu erheblichen Beschäftigungseffekten des Mindestlohns. Der Mindestlohn trägt somit zur Reduzierung der Entgeltungleichheit nach Geschlecht bei.«

Berndt Keller (2024): Alle Jahre wieder: zum aktuellen Tarifkonflikt bei der Bahn, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2024
»Der aktuelle Tarifkonflikt bei der Bahn führt wieder zu Streiks und starken Einschränkungen im Bahnverkehr. Der Beitrag fasst die Entwicklung und die rechtlichen Voraussetzungen des Konflikts zusammen und geht auf die verschiedenen Forderungen der Tarifparteien ein. Zudem stellt sich die Frage, wie mögliche Lösungen des Konflikts aussehen können. Die Gründung einer Zeitarbeitsfirma birgt weiteres Konfliktpotenzial in der Zukunft.«

Stefan Bach (2024): Kindergeld oder Kinderfreibetrag? Ein steuer- und familienpolitischer Evergreen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2024

Sebastian Dullien und Katja Rietzler (2024): Die Mär vom ungebremst wachsenden deutschen Sozialstaat. IMK Kommentar Nr. 11, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2024
»Aktuelle öffentliche Debatten vermitteln häufig den Eindruck, in Deutschland seien die Sozialausgaben in den vergangenen Jahren explodiert und der Staat über alle Maße aufgebläht worden. Ein genauer Blick auf die Statistiken – auch im internationalen Vergleich – zeigt: Dieser Eindruck ist von Fakten nicht gedeckt. Der deutsche Staat ist weder übermäßig groß, noch sind seine Ausgaben in den vergangenen zwei Jahrzehnten auffällig gewachsen.«

Tetyana Panchenko (2024): Beitrag der ukrainischen Geflüchteten zur Verringerung des Fachkräftemangels in Deutschland: Ein Fall aus dem Hochschwarzwald, in: ifo Schnelldienst, Nr. 2/2024

Patrick Dylong und Silke Übelmesser (2024): Vorbehalte gegenüber Zuwanderung: Die Rolle von Kontakten und Informationen, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 1/2024
»Fehleinschätzungen über Zuwanderung und geringe persönliche Kontakte mit Zugewanderten können die Einstellung gegenüber Zuwanderung beeinflussen. Wir untersuchen auf der Basis von Umfragedaten zu Thüringen, welche Rolle die Bereitstellung von Informationen für die Veränderung von Einstellungen spielt. Unsere Studie liefert wichtige Erkenntnisse. Befragte, die Informationen über den Anteil von Zugewanderten in ihrer Region erhalten, entwickeln eine positivere Einstellung gegenüber Zuwanderung. Zudem reagieren insbesondere Befragte mit unterdurchschnittlich ausgeprägten Kontakten mit Zugewanderten und Befragte mit größeren Fehleinschätzungen stärker auf die Informationen.«

Jan Lipovsek et al. (2024): Bedarfsprojektion für Medizinstudienplätze in Deutschland – Aktualisierung 2024, Berlin: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi), Februar 2024
➔  dazu: Zi aktualisiert Bedarfsprojektion für Medizinstudienplätze, 15.02.2024

Felicitas Schikora (2024): Mehr „Netto vom Brutto“. Entlastungen durch einen Freibetrag in der gesetzlichen Krankenversicherung. Analysen & Argumente Nr. 522, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2024
»Angesichts des demografischen Wandels, der unweigerlich den Druck auf unsere Sozialsysteme erhöht, zeichnet sich ein unaufhaltsamer Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge ab – sofern nicht entschlossen mit Reformen gegengesteuert wird. Vor allem geringverdienende Haushalte, die im Verhältnis zu ihrem Einkommen bereits überproportional hohe Abgaben schultern, stehen unter dieser Last. Folglich bedarf es einer gezielten Entlastung dieser Haushalte direkt innerhalb des Rahmens der Sozialversicherungen, nicht durch steuerliche Umwege. Ein Freibetrag in der gesetzlichen Krankenversicherung könnte die Abgabenlast sozialversicherungspflichtig Beschäftigter signifikant reduzieren. Um die Kosten der Reform überschaubar zu halten, erscheint es sinnvoll, Freibeträge nur für eine klar definierte Zielgruppe zu gewähren.«

Manfred Sternberg und Petra Weis (2024): Housing First. Ein erfolgversprechendes Konzept zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2024
»Der von der Bundesregierung geplante Nationale Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungslosigkeit bis 2030 soll als ein wesentliches Element das Konzept des „Housing First“ auf eine breitere Grundlage stellen. Der weltweit erprobte Ansatz der Wohnungsnotfallhilfe – wohnungslosen Menschen mit komplexen Problemlagen am Beginn des Hilfeprozesses eine eigene Wohnung bedingungslos mit allen Rechten und Pflichten zur Verfügung zu stellen – hat sich als erfolgreich erwiesen. Housing First ist dabei nicht gleichzusetzen mit Housing Only, das heißt, wohnbegleitende und bedarfsgerechte Hilfen ergänzen die Schaffung eines eigenen Zuhauses für die Betroffenen. Die Umsetzung des Konzepts braucht erfahrungsgemäß Zeit, Geld und ein ausreichendes Wohnraumangebot. Der eklatante Wohnungsmangel in den Städten Deutschlands macht aus dem Vorhaben eine Herkulesaufgabe. Sie lässt sich nur bewältigen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.«

Sophie Straub et al. (2024): Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund neu entdecken, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Februar 2024

Johannes Geyer et al. (2024): Ausbau der Pflegeversicherung könnte Gender Care Gap in Deutschland reduzieren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 7/2024
»In vielen europäischen Ländern zeigen sich erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der informellen Pflege von Angehörigen: Frauen pflegen Familienmitglieder wesent­ lich öfter als Männer. Der Unterschied in der Pflege zwischen den Geschlechtern, der Gender Care Gap, variiert stark zwischen den europäischen Ländern. Deutschland befindet sich im Mittelfeld. Dieser Wochenbericht analysiert länder­übergreifend, welche institutionellen, gesellschaftlichen und arbeitsmarktspezifischen Faktoren in einem Zusammenhang mit dem Gender Care Gap in der Pflege stehen. Die Ergeb­nisse zeigen, dass der Gender Care Gap in Ländern kleiner ist, in denen mehr für das formelle Pflegesystem ausgegeben wird. Auch zeigen die Ergebnisse, dass in Ländern mit einer generell größeren Geschlechterungleichheit und einer stärke­ren Ungleichheit in der Erwerbsbeteiligung zwischen Männern und Frauen tendenziell auch der Gender Care Gap größer ist. Die Ergebnisse unterstreichen damit, dass die Geschlechter­ungleichheiten in der informellen Pflege mit Ausgaben im Gesundheitswesen, dem Pflegesystem und der Struktur des Arbeitsmarktes zusammenhängen. Um den Gender Care Gap zu reduzieren, sollten die Ausgaben für formelle Pflege erhöht werden, um pflegende Angehörige zu entlasten und die Qualität von Pflege in Einrichtungen zu erhöhen. Gleichzeitig sollte die Politik mit steuerlichen und familienpolitischen Anreizen die Erwerbsbeteiligung von Frauen stärken, damit sich die Erwerbs­- und Sorgearbeit im Haushalt gleichmäßiger verteilt.«

Thorsten Schulten et al. (2024): Tarifpolitischer Jahresbericht 2023. Offensive Tarifpolitik angesichts anhaltend hoher Inflationsraten, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2024

Jurek Tiedemann und Dirk Werner (2024): Arbeitslose im Fokus: Wege zur Fachkräftesicherung, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), Februar 2024

Martin Werding et al. (2024): Alterungsschub und Rentenreform: Simulationen für GRV und Beamtenversorgung. Arbeitspapier 01/2024, Wiesbaden: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR), Januar 2014

Markus M. Grabka (2024): Niedriglohnsektor in Deutschland schrumpft seit 2017, in: DIW Wochenbericht, Nr. 5/2024
»Die Bruttostundenlöhne von abhängig Beschäftigten sind im Zeitraum 1995 bis 2021 inflationsbereinigt durchschnittlich um 16,5 Prozent gewachsen, unter den Vollzeitbeschäftigten sogar um 25 Prozent. Insbesondere bei den niedrigsten Löhnen gibt es seit 2013 starke Zuwächse, vor allem aufgrund der Einführung des Mindestlohns 2015 und dessen Erhöhungen in den folgenden Jahren. Im Ergebnis ist der Niedriglohnsektor von einem Höchststand von 23,5 Prozent im Jahr 2007 auf zuletzt 15,2 Prozent im Oktober 2022 geschrumpft. Die positive Lohnentwicklung wirkt sich auch auf die Haushaltsnettoeinkommen aus. Diese sind zwischen 1995 und 2020 inflationsbereinigt im Schnitt um 33 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat die Spreizung der Einkommen insgesamt zugenommen. Während die zehn Prozent der niedrigsten Einkommen nur um vier Prozent gestiegen sind, haben die obersten zehn Prozent eine Steigerung von 50 Prozent erzielt. Im Ergebnis ist die Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen gemessen am Gini-Koeffizienten von 0,25 im Jahr 1999 auf 0,3 gewachsen. Will man die Ursachen der langfristig zugenommenen Ungleichheit der Haushaltsnettoeinkommen bekämpfen, bedarf es unter anderem einer verbesserten Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt und einer gezielteren Qualifizierung junger Erwachsener ohne beruflichen Bildungsabschluss.«

Georg Picot and Siri Hansen Pedersen (2024): What are governments doing about low-wage employment – and how successful is it? ETUI Policy Brief 2024.01, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), February 2024

Pierre Bérastégui (2024): Working in the metaverse: what are the risks? A rapid review of the literature. ETUI Technical Brief 2024.01, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), February 2024

Agnieszka Piasna (2024): Job quality and digitalisation. Working Paper 2024.01, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), February 2024

Ann-Christin Bächmann et al. (2024): Anhaltende berufliche Geschlechtersegregation: In Ost wie West arbeiten Frauen und Männer häufig in unterschiedlichen Berufen. IAB-Kurzbericht Nr. 3/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2024
»Trotz einer Annäherung der Arbeitsmärkte zeichnen sich Ost- und Westdeutschland bis heute durch markante Unterschiede in der Branchenstruktur sowie in der Erwerbsbeteiligung von Frauen aus. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Autorinnen, ob und wie sich auch die berufliche Trennung von Frauen und Männern unterscheidet. Der Kurzbericht zeigt: Auf dem deutschen Arbeitsmarkt besteht die ausgeprägte berufliche Geschlechtersegregation fort – in Ost- wie in Westdeutschland. Im Untersuchungszeitraum zwischen 2012 und 2019 ist das Ausmaß der beruflichen Trennung von Frauen und Männern nur leicht zurückgegangen.«

Kurt Vandaele et al. (2024): Are platform workers willing to unionize? Exploring survey evidence from 14 European countries. ILO Working Paper 106, Geneva: International Labour Organization (ILO), 2024

Holger Schäfer et al. (2024): Bürgergeld und Preisentwicklung. IW-Kurzbericht, Nr. 5/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2024
»Die Preise stiegen zuletzt langsamer. Derzeit ist die Kaufkraft der Grundsicherung höher als vor vier Jahren. Regelbasiert bliebe die Grundsicherung im Wahljahr 2025 voraussichtlich unverändert. Die Politik sollte dennoch Ruhe bewahren und sich an die selbst gesetzten Regeln halten.«

Wido Geis-Thöne (2024): Unterrichtsstunden an Grundschulen im  Ländervergleich. Eine Auswertung der einschlägigen landesrechtlichen Regelungen. IW-Report, Nr. 7/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2024

Eurofound (2024): Keeping older workers engaged: Policies, practices and mechanisms, Luxembourg: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), 2024

Corinna Kleinert et al. (2024): Führt ein Kitabesuch zu einem Ausgleich sozialer Unterschiede? Auswirkungen des Kitabesuchs auf kognitive und sozial-emotionale Kompetenzen von Kindern. LIfBi Forschung kompakt Nr. 5, Bamberg: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe, Januar 2024
»Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass sich soziale Unterschiede in kognitiven und nicht-kognitiven Kompetenzen schon sehr früh im Leben von Kindern finden, insbesondere weil sich die Lernumwelten in ihren Familien voneinander unterscheiden. Der Kindertagesbetreuung könnte eine entscheidende Rolle beim Ausgleich dieser Unterschiede zukommen. Eine Längsschnittstudie auf Basis von Daten der NEPS-Startkohorte Neugeborene untersucht diese Frage. Sie will wissen, ob ein früher Kitabesuch mit der sozialen Herkunft von Kindern zusammenhängt und ob Kinder unterschiedlicher Herkunft verschieden stark vom Besuch dieser Einrichtungen profitieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Kinder aus besser gestellten Familien im Alter von zwei Jahren häufiger eine Kita besuchen als Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Letztere profitieren allerdings besonders stark von einem Kita-Besuch, insbesondere mit Blick auf ihre kognitiven Kompetenzen. Simulationen zeigen, dass dem Kitabesuch tatsächlich eine ausgleichende Funktion zukommt.«

J. Timo Weishaupt (2024): Wohnungs- und Sozialpolitik in der aktuellen sozialwissenschaftlichen Forschung: Zusammenhänge, Entwicklungsstand, Forschungslücken, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Januar 2024
»Wohnen stellt ein existenzielles Grundbedürfnis dar, doch die Möglichkeiten zu Wohnen sind gesellschaftlich ungleich verteilt, zum Teil mit erheblichen sozialen Folgen. Wohnen wird seit Jahren für immer größere Bevölkerungsschichten zur Herausforderung. Mit der Zunahme an Wohnungslosigkeit sowie unsicheren oder unzumutbaren Wohnformen werden wohnungs- und sozialpolitische Ziele zunehmend verfehlt. Die sozialwissenschaftliche Literatur beschäftigt sich hauptsächlich entweder mit Wohnungspolitik oder Sozialpolitik, die Schnittstelle zwischen den beiden Feldern rückt dabei nur selten in den Fokus der Forschung. Deshalb bedarf es mehr und konkret auf die Schnittstelle von Wohnungs- und Sozialpolitik fokussierter Forschung.«

Maximiliane Reifenscheid et al. (2024): Auf dem Weg zu einem neuen Arbeitszeitparadigma? Einstellungen in der Bevölkerung zu Gewerkschaftsforderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Januar 2024
»In den letzten Jahren ist in Deutschland das Thema der Arbeitszeitverkürzung wieder in die öffentliche Debatte gerückt und die Gewerkschaften haben Verhandlungen über die Arbeitszeit auf die Agenda gesetzt. Es wurden Tarifverträge ausgehandelt, die darauf abzielen, den Beschäftigten mehr Rechte in Bezug auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit einzuräumen. Die Gewerkschaftsforderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung lösen, insbesondere vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, Reformdruck aus. Trotz breiter Unterstützung in der Bevölkerung bestehen traditionelle Konfliktlinien: Gewerkschaftsmitglieder befürworten die Forderung, während Führungskräfte und Selbstständige sie eher ablehnen. Besonders junge Menschen unterstützen die Forderung, was auf eine zunehmende Bedeutung von individuellen Entscheidungsmöglichkeiten bei der Arbeitszeit hindeutet.«

Julia Lenzen und Michaela Evans-Borchers (2023): „Tariftreue in der Altenpflege“. Expertise zur Umsetzung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) in Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Dezember 2023

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2023): Minas. Atlas über Migration, Integration und Asyl 13. Ausgabe, Nürnberg, Dezember 2023

Stefan Böhme et al. (2024): Absolvent*innen einer Ausbildung im bayerischen Handwerk und ihr Verbleib im Ausbildungsbetrieb. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Bayern Nr. 1/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2024
»Das Handwerk ist ein bedeutender Teil der Gesamtwirtschaft, dem gerade in Zusammenhang mit der ökologischen Transformation eine wichtige Rolle zugeschrieben wird. Gleichzeitig haben Fachkräfteengpässe im Handwerk in den letzten Jahren weiter zugenommen. In diesem Bericht werden Auswertungen zu Absolvent*innen einer Ausbildung im bayerischen Handwerk auf der Grundlage der Daten des Ausbildungspanels Handwerk vorgestellt. Neben einem Überblick über Strukturmerkmale steht dabei der Betriebsverbleib dieser Absolvent*innen im Fokus der Analysen. Die Frage, in welchem Umfang die Ausbildungsabsolvent*innen bei ihrem Ausbildungsbetrieb bleiben, wird hier beispielhaft für den Jahrgang 2015 erörtert. Es zeigt sich, dass viele Absolvent*innen nach der Ausbildung den Betrieb wechseln. Nach einem Jahr waren noch 56 Prozent, nach fünf Jahren noch 28 Prozent der Absolvent*innen bei ihrem Ausbildungsbetrieb beschäftigt. Analysen der Betriebswechsel deuten darauf hin, dass viele Absolvent*innen zwar ihren Ausbildungsbetrieb verlassen, aber weiterhin in Betrieben arbeiten, die derselben Betriebsgrößenklasse oder demselben Wirtschaftszweig des Ausbildungsbetriebs angehören bzw. in der Region des Ausbildungsbetriebs liegen. Die Mehrheit der Betriebswechsler*innen ist auch bei ihrem neuen Betrieb als Fachkraft tätig, allerdings ist der Anteil derjenigen, die in Helferberufen und auf den Anforderungsniveaus über dem Fachkraftniveau arbeiten, höher als bei denjenigen, die bei ihrem Ausbildungsbetrieb geblieben sind. Insgesamt zeigen die Analysen, dass es „normal“ zu sein scheint, dass ein größerer Teil der Absolvent*innen des Handwerks in den ersten Jahren der Berufslaufbahn den Betrieb wechselt und damit den Ausbildungsbetrieben Fachkräftepotenziale verloren gehen.«

Simon Eggert und Christian Teubner (2023): Wohnen mit Pflegebedürftigkeit: Befragung pflegender Angehöriger, Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), Dezember 2023

Dennis Mayer und Alfons Hollederer (2024): Arbeitszufriedenheit in Sozial- und Gesundheitsberufen. Ergebnisse der repräsentativen BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018. Forschungsförderung Working Paper Nr. 319, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2024
»Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in Sozial- und Gesundheitsberufen in Deutschland wird es für die Einrichtungen in diesem Bereich zunehmend wichtiger, die Arbeitsfähigkeit ihres bestehenden Personals zu erhalten. Nach den Studienergebnissen ist Arbeitszufriedenheit mit krankheitsbedingten Fehlzeiten in Sozial- und Gesundheitsberufen assoziiert. Angesichts der gewonnenen Befunde wird die stärkere Beachtung der Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten in diesem Bereich und vor allem eine Erweiterung ihrer Handlungsspielräume empfohlen.«

Jan Priewe (2024): Comparing living and working conditions – Germany outperforms the United States. IMK Study Nr. 91, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), January 2024
»This paper compares living and working conditions in the U.S. and Germany for the year 2022 with a focus on economic, social and environmental standards. Twelve dimensions of comparison are used, split into 15 themes, which are examined with 80 indicators. Subjective indicators based on polls or surveys, such as happiness or quality of life in general, are explicitly avoided. A special emphasis is placed on median values instead of mean values if data allow. Emphasis is also placed on income and wealth inequality. The methodology, which focuses on only two countries in a granular approach, provides much more detailed information than methodologies used in other studies. This paper is, to the knowledge of the author, the only comprehensive comparison of living conditions in the U.S. and Germany. The result of the comparison shows that Germany scores 23 and the U.S. only 6. The framing of the comparison is the analysis of two different types of capitalism. It underlines the limited role of GDP per capita for the living conditions of the majority of the population while highlighting the impact of institutions and the type of the welfare state.«

Eurofound (2024): Self-employment in the EU: Job quality and developments in social protection, Luxembourg, January 2024

ZSH et al. (2024): Deutschland-Monitor ’23. Gesellschaftliche und politische Einstellungen. Themenschwerpunkt: Stadt und Land, Halle (Saale), Jena und Mannheim: Zentrum für SozialforschungHalle (ZSH) Institut für Politikwissenschaft Friedrich-Schiller-Universität Jena und GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, Januar 2024

Eurofound (2024): Minimum wages for low-paid workers in collective agreements, Luxembourg, January 2024

Hagen Lesch und Lennart Eckle (2024): Konflikte ohne Partnerschaft? Tarifpolitischer Bericht 2. Halbjahr 2023. IW-Report, Nr. 5/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2024
»Im Jahr 2023 fanden in zwanzig näher untersuchten Branchen insgesamt 23 Tarifverhandlungen statt. Eine Analyse zeigt, dass es in vielen dieser Verhandlungen recht konfliktreich zuging.«

Expertenbeirat und Projekt „Familie und Bildung: Politik vom Kind aus denken“ (2024): Kindergrundsicherung: Weichen jetzt richtig stellen!, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2024
»Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf für die Einführung einer Kindergrundsicherung auf den Weg gebracht. Vorrangiges Ziel dieses Gesetzes ist es, die seit Jahren bestehende Kinder- und Jugendarmut in unserem Land zu verringern. Der Gesetzentwurf ist ein erster wichtiger Schritt, Leistungen für junge Menschen zusammenzufassen und Familien zu entlasten. Doch um Kinder- und Jugendarmut wirksam zu vermeiden, muss noch nachgebessert werden. In unserem Policy Brief haben wir zusammengefasst, an welchen Stellen der Gesetzentwurf im Sinne der jungen Menschen dringend überarbeitet werden sollte. Unsere Vorschläge betreffen vor allem die Neubestimmung der Existenzsicherung, den Bildungs- und Teilhabebetrag, Kinder in alleinerziehenden Familien, Kinder nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und die Familienservicestellen.«

Kevin Cunningham et al. (2024): A sharp right turn: A forecast for the 2024 European Parliament elections, Berlin: European Council on Foreign Relations (ECFR), January 2024
»The 2024 European Parliament elections will see a major shift to the right in many countries, with populist radical right parties gaining votes and seats across the EU, and centre-left and green parties losing votes and seats. Anti-European populists are likely to top the polls in nine member states (Austria, Belgium, the Czech Republic, France, Hungary, Italy, the Netherlands, Poland, and Slovakia) and come second or third in a further nine countries (Bulgaria, Estonia, Finland, Germany, Latvia, Portugal, Romania, Spain, and Sweden). According to our forecast, almost half the seats will be held by MEPs outside the “super grand coalition” of the three centrist groups. Inside the European Parliament, a populist right coalition of Christian democrats, conservatives, and radical right MEPs could emerge with a majority for the first time. This ‘sharp right turn’ is likely to have significant consequences for European-level policies, which will affect the foreign policy choices that the EU can make, particularly on environmental issues, where the new majority is likely to oppose ambitious EU action to tackle climate change.«

Gerd Zika et al. (2024): Szenarien über die Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials. Forschungsbericht 631, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Januar 2024
»Im Rahmen des Fachkräftemonitorings werden mit dem hier vorliegenden Bericht anhand von Szenarienrechnungen vier unterschiedliche Alternativen in Hinblick auf die Erhöhung des Arbeitskräftepotenzials untersucht: Szenario 1: Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen um 10 Prozent. Szenario 2: Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren (55- bis 64-Jährige) auf das Niveau der jeweils 5 Jahre jüngeren. Szenario 3: Angleichung der Erwerbsquoten von Personen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit auf das Niveau der Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Szenario 4: Realisierung von Wunscharbeitszeiten.«

Klaus Klemm und Dirk Zorn (2024): Weniger Geburten, mehr Lehrkräfte. Spielraum für die Grundschulentwicklung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2024
»Neue Berechnungen zeigen, dass schon ab Mitte dieses Jahrzehnts mehr ausgebildete Lehrer:innen im Grundschulbereich zur Verfügung stehen, als es Stellen zu besetzen gibt. Ursache dafür ist die Trendwende bei der Geburtenentwicklung. Die Politik sollte diese Chance nutzen, um mit den zusätzlichen vorhandenen Lehrkräften die pädagogische Qualität zu verbessern.«
➔  dazu: Bertelsmann Stiftung: Der Lehrkräftemangel an Grundschulen ist bald überwunden (25.01.2024)

Rüdiger Jacob et al. (2023): Berufsmonitoring Medizinstudierende 2022. Ergebnisse einer bundesweiten Befragung, Berlin: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Dezember 2023
»Angehende Ärztinnen und Ärzte wollen ihren späteren Beruf besser mit Familie und Freizeit vereinbaren können – und bevorzugen die direkte Arbeit an Patientinnen und Patienten. Dies zeigen Zahlen des Berufsmonitorings Medizinstudierende 2022. Für die Wahl des zukünftigen Arbeitsplatzes ist jungen Medizinerinnen und Medizinern insbesondere eine gute Work-Life-Balance wichtig. Dabei präferieren immer mehr von ihnen eine Anstellung in Praxen oder Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) – und das am liebsten in der Heimatregion. Damit setzen sich die Trends der letzten Jahre fort. Auch die Zustimmung zur interprofessionellen Zusammenarbeit hat im Verlauf der Befragungswellen zugenommen. Stärken ließe sich auch die Kooperation mit anderen Gesundheitsberufen insbesondere mit digitalen Anwendungen und Telemedizin. So begrüßen viele der Befragten die grundsätzliche Zielsetzung der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Es hapert den Medizinstudierenden zufolge aber bei der Umsetzung: Nur 1,4 Prozent sind mit dem bisherigen Verlauf zufrieden. Dabei sieht die junge Generation eigentlich viel Potential in digitalen Tools und Anwendungen, etwa bei Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten oder der Arbeitsorganisation.«

Christoph Trautvetter (2023): Mit kostendeckenden Fallpauschalen zum Milliardär. Der Fall Asklepios und das deutsche Gesundheitswesen, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dezember 2023

Max Kunaschk und Gesine Stephan (2024): Pflegeberufe und Covid-19-Pandemie: Befürchtete Kündigungswelle ist ausgeblieben. IAB-Kurzbericht Nr. 2/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2024
»Die Covid-19-Pandemie belastete den Gesundheits- und Pflegesektor besonders stark. Es war daher zu befürchten, dass infolge der Pandemie mehr Pflegekräfte ihren Job aufgeben würden. Tatsächlich nahm die Zahl der Pflegefachund Pflegehilfskräfte im Zeitraum 2016 bis 2021 in der Summe deutlich zu. Die Stabilität der Beschäftigung veränderte sich in der Pandemie kaum. Dennoch bleibt der Personalmangel – insbesondere bei den Fachkräften – eine große Herausforderung für den Sektor.«

Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.) 2024: Generation Corona? Jugend und (mentale) Gesundheit. Die Pandemie lenkt Aufmerksamkeit auf ein bereits zuvor aktuelles Jugendthema, Berlin, Januar 2024
»Bereits vor Ausbruch der Pandemie nimmt eine große Anzahl der 11- bis 17-Jährigen psychische und psychosomatische Probleme wahr, die das Alltagsleben deutlich beeinträchtigen. 40 bis 50 Prozent berichten von Schlafstörungen, Gereiztheit, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen.  Während der Pandemie verschärften sich diese Symptome und blieben auch nach ihrem Abklingen auf einem erhöhten Niveau bestehen. In der Jugendmedizin wird aktuell vor einer Verfestigung psychischer Störungen gewarnt und von einer „Mental-Health-Pandemie“ gesprochen.«

Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.) 2024: Neue Migrationspolitik der Mitte? Ideen, Grenzen und Möglichkeiten, Berlin, Januar 2024

Union der deutschen Akademien der Wissenschaften/Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (2024): Die Zukunft der Arbeit, Berlin, Halle (Saale), Januar 2024
»Unsere Arbeitswelt verändert sich stark. Digitalisierung und Automatisierung erlauben oft ortsungebundene Arbeit, die Abkehr von fossilen Brennstoffen zwingt uns zum Wirtschaften mit ökologisch nachhaltigen Energien und Technologien, demografischer Wandel und Einwanderung verändern unsere Gesellschaft grundlegend. Aus diesen Entwicklungen erwachsen Chancen und Risiken. Eine interdisziplinäre und interakademische Arbeitsgruppe widmet sich diesen in der Stellungnahme „Die Zukunft der Arbeit“. Mit dem Begriff der „Tätigkeitsgesellschaft“ wird eine Perspektiverweiterung auf das Verständnis von Arbeit vorgeschlagen, bei der neben klassischer Erwerbstätigkeit auch all jene Beschäftigungen berücksichtigt werden, die einen konkreten gesellschaftlichen Nutzen erbringen, wie beispielsweise Sorgearbeit oder auch ehrenamtliche Arbeit. Diese ganz unterschiedlichen Formen von Arbeit sind eng miteinander verbunden und bedingen einander.«

Susanne Drescher et al. (2024): Ältere Beschäftigte als Thema der Betriebsratsarbeit. Altersübergangs-Report 2024-01, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Januar 2024
»Die Arbeitsbedingungen älterer Beschäftigter sind auch Gegenstand der Betriebsratsarbeit. Jedoch sind die Mitbestimmungs- und Initiativrechte der Betriebsräte in diesem Feld eingeschränkt. Im Zeitraum von 2015 bis 2021 hat die Bedeutung der Themen „Arbeitsbedingungen Älterer“ und „Altersteilzeit/Vorruhestand“ in der Betriebsratsarbeit abgenommen. Zuletzt (2021) gab knapp über die Hälfte der befragten Betriebsräte an, sich in der letzten Zeit mit einem oder beiden der Themen beschäftigt zu haben. Dabei zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen den Betrieben. So befassen sich in Großbetrieben (500 und mehr Beschäftigte) über 60 Prozent der Betriebsräte mit einem oder beiden Themen, in Kleinbetrieben (20 bis 49 Beschäftigte) dagegen weniger als 40 Prozent. Möglicherweise sind die Betriebsräte zu sehr mit dem Tagesgeschäft befasst, um sich stärker dem demographischen Wandel im Betrieb widmen zu können. Zugleich können Anliegen älterer Beschäftigter aber auch bei anderen Themen mitverhandelt werden. Eine bessere Ausstattung der Gremien und ein deutlicheres Mandat könnten zu einer aktiveren Rolle der Betriebsräte beitragen.«

Tobias Hentze und Björn Kauder (2024): Öffentlicher Dienst: mehr Personal, noch mehr Bedarf. IW-Kurzbericht, Nr. 2/2024, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, Januar 2024
»In den vergangenen zehn Jahren haben Bund, Länder und Kommunen viele zusätzliche Stellen geschaffen. Die Anzahl der Beschäftigten – sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte – ist insgesamt um 14 Prozent gestiegen. Am stärksten fiel der Zuwachs bei den Kommunen aus.«

Petrik Runst, Jörg Thomä (2024): Deregulierung, Re-Regulierung – Auswirkungen der Rückvermeisterung im Handwerk, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2024
»Die Meisterpflicht für Existenzgründungen im Handwerk wurde 2004 in einigen Gewerken ausgesetzt, für einige davon aber im Jahr 2020 im Zuge der Rückvermeisterung wieder eingeführt. Wir präsentieren erste empirische Ergebnisse dieser Re-Regulierung und stellen sie in den Kontext der wirtschaftspolitischen Diskussion. Die Datenanalyse deutet auf eine Umkehrung der Deregulierungseffekte im Handwerk durch die Re-Regulierung hin. So ist nach 2020 ein starker Rückgang der Neugründungen und ein Anstieg der bestandenen Meisterprüfungen zu beobachten. Aufgrund des noch kurzen Zeithorizonts gibt es bisher nur schwache Hinweise auf positive Effekte auf die Ausbildungszahlen. Belastbare Effekte sind hier erst mittel- bis langfristig zu erwarten.«

Maximilian Blömer et al. (2024): „Lohnt“ sich Arbeit noch? Lohnabstand und Arbeitsanreize im Jahr 2024, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2024
»Auf Basis des ifo Mikrosimulationsmodells untersucht der Beitrag den Lohnabstand und illustriert die Arbeitsanreize für ausgewählte Haushaltskonstellationen nach den für das Jahr 2024 beschlossenen Anpassungen im deutschen Steuer- und Transfersystem. Dazu werden die verfügbaren Einkommen in Abhängigkeit von der Höhe des monatlichen Bruttoeinkommens analysiert. Es wird deutlich, dass trotz der deutlichen Anhebung der Regelsätze im Bürgergeld weiterhin ein spürbarer Lohnabstand besteht. Eine Reform des bestehenden Systems wird aufgrund der teilweise äußerst geringen Anreize zur Ausweitung bestehender Erwerbstätigkeit oder Erhöhung des Bruttoeinkommens für niedrige und mittlere Einkommen trotz des existierenden Lohnabstands für notwendig erachtet.«

Johanna Garnitz et al. (2024): Arbeitswelt im Wandel: Herausforderungen des Arbeitskräftemangels und die Dynamik des hybriden Arbeitens, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2024
»Die aktuelle Sonderumfrage der ifo-HR-Befragung beleuchtet die aktuellen Herausforderungen im Arbeitsumfeld, insbesondere die Themen Arbeitskräftemangel und Homeoffice, um ein umfassendes Verständnis der gegenwärtigen Arbeitsbedingungen zu erhalten. Die häufigste von Unternehmen angegebene Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel ist die Lohnerhöhung (78%), gefolgt von nicht-monetären Benefits für die Beschäftigten (74%) und flexiblen Arbeitszeiten sowie Homeoffice-Möglichkeiten (71%). 72% der befragten Unternehmen bieten Homeoffice an (bei der Hälfte dieser Unternehmen nur in einigen Bereichen). In den übrigen Unternehmen gibt es kein Homeoffice: 14% bieten dies aufgrund der Berufsbilder nicht, weitere 14% grundsätzlich nicht an.«

Pestel Institut (2024): Bauen und Wohnen 2024 in Deutschland, Hannover, Januar 2024

Johannes Geyer und Peter Haan (2024): Bilanz der Grundrente: Weniger Menschen als erwartet profitieren davon. DIW aktuell Nr. 91, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Januar 2024
»Im Jahr 2021 führte Deutschland nach jahrelanger Debatte die Grundrente ein, ein Rentenzuschlag für Geringverdienende mit langen Versicherungsbiografien, niedrigen Rentenanwartschaften und geringem Einkommen. Die Einführung dieses komplexen Instruments – laut SPD ein „sozialpolitischer Meilenstein“ – dauerte allerdings zwei Jahre. Die Auswirkungen der Grundrente sind bisher kaum erforscht. Erst seit 2023, mehr als zwei Jahre nach der Einführung, stehen erste Daten zur Auswertung bereit. Es zeigt sich, dass deutlich weniger Menschen von der Grundrente profitieren, als früher angenommen wurde. Ein wesentlicher Grund ist, dass mehr als die Hälfte wegen der Einkommensprüfung keinen Anspruch auf einen Zuschlag hat. Eine Ausweitung der Grundrente, die auch Personen mit längerer Erwerbsunterbrechung einbezieht, oder eine Einführung einer Mindestrente nach dem Vorbild Österreichs oder der Niederlande würden die Einkommenssicherungsfunktion der Rente verbessern. Dies könnte helfen, weitere Reformen sozialverträglich umzusetzen und dem eigentlichen Anspruch einer Grundrente gerecht zu werden.«

Serhat Yalçın et al. (2024): Arbeitsfelder der Ankunft. Migrantische Perspektiven auf Arbeit in Gastronomie, Reinigung und Pflege. Study 487, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2024
»In Deutschland existieren Beschäftigungsfelder für Migrierte, die sich von regulärer, berufsförmiger Arbeit unterscheiden. Diese spezifisch migrantisch geprägten Arbeitsbereiche werden in dieser explorativ angelegten, qualitativen Studie als Ankunftsarbeit bezeichnet. Wie Migrierte ihre Beschäftigung in der Ankunftsarbeit erleben und deuten und welche beruflichen Perspektiven sie mit ihrer Tätigkeit verbinden, wird am Beispiel der Arbeitsfelder Gastronomie, Reinigung und Pflege herausgearbeitet. Die Ergebnisse liefern wichtige Denkanstöße für die Integration von Migrierten in die berufsförmige Arbeitswelt in Deutschland.«

Forough Hossein Pour (2024): Verhinderte Fachkräfte. Wie soziale Ausschlussmechanismen die Arbeitsmarktintegration von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern systematisch verhindern, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2024

Eberhard Hansis und Hannes Dahnke (2024): Simulationsstudie zur Krankenhausreform. Hilft die Vorhaltefinanzierung kleinen Krankenhäusern?, Hamburg: Vebeto, Januar 2024
➔  dazu: Deutsche Krankenhausgesellschaft: Vorhaltefinanzierung verfehlt alle Ziele, 16.01.2024

BDO/DKI (2024): Personalnotstand im Krankenhaus – Quo vadis?, BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), Januar 2024

DGB (2024): Arbeitsmarktpolitik muss steigender Langzeitarbeitslosigkeit entgegentreten, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Januar 2024
»Mit aktuell rund 930.000 langzeitarbeitslosen Menschen gibt es mehr Langzeitarbeitslosigkeit als noch vor einem Jahr und deutlich mehr als vor der Corona-Krise. Arbeitsmarktpolitik muss hier gegensteuern mit einer auskömmlichen Finanzausstattung für die wichtige Arbeit der Jobcenter bei der Betreuung und Begleitung von Langzeitarbeitslosen, um dem Entstehen von Langzeitarbeitslosigkeit frühzeitig entgegenzuwirken.«

ILO (2024): World Employment and Social Outlook. Trends 2024, Geneva: International Labour Office (ILO), January 2014

Franz Ruland (2023): Die Rentenpolitik seit 2000 – eine kritische Analyse, in: Deutsche Rentenversicherung, Heft 3+4/2023
»Die Analyse der Rentenpolitik in der Zeit seit 2000 zeigt, dass es Licht und Schatten gab. Positiv zu bewerten ist die Verlängerung der Zurechnungszeit und die dadurch bewirkte Verbesserung der Renten wegen Erwerbsminderung und wegen Todes. Teuer, aber politisch nachvollziehbar ist die mehrmalige Verlängerung der Kindererziehungszeiten. Gut ist auch, dass endlich in Ost und West ein gleich hoher aktueller Rentenwert gilt. Eine Reform, die sich bislang nicht ausgewirkt hat, ist die Einführung des Nachhaltigkeitsfaktors. Beispiele einer völlig verfehlten Klientelpolitik sind die „Rente mit 63“ und die Einführung der Grundrente. Erhebliche Probleme werfen auch die Pläne der Ampelkoalition auf, das Mindestrentenniveau langfristig bei 48 Prozent festzuschreiben und zur Finanzierung als Beginn einer Teilkapitaldeckung der Rentenversicherung ein „Generationenkapital“ aufzubauen. Insgesamt muss konstatiert werden, dass die Politik nicht nur viel zu wenig getan hat, um die Rentenversicherung für die auf sie zukommende demografische Belastung vorzubereiten, sondern durch ständige Leistungsverbesserungen die Probleme sogar noch vergrößert hat.«

Katie Keßler et al. (2023): Warum beginnen Ausbildungssuchende keine Ausbildung? Deskriptive Analysen auf Basis der BA/BIBB-Bewerberbefragung 2021, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Dezember 2023

BGW (2023): Gewalt und Aggression in den Branchen der BGW. Unfalldaten der BGW aus den Jahren 2018 bis 2022 und Forschungsergebnisse, Hamburg: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Stand: 09/2023

Deutscher Verein (2023): Empfehlungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. zum Beschwerdemanagement und Schlichtungsverfahren im SGB II, Berlin: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Dezember 2023
»Die Anliegen der Menschen ernst nehmen: Die meisten Jobcenter gehen professionell damit um, wenn Bürgergeldbeziehende unzufrieden sind und sich beschweren. Der Deutsche Verein unterstützt dies und hat dafür Empfehlungen für Jobcenter in ganz Deutschland herausgegeben.«

Angelika Kümmerling et al. (2023): Keine Zeit mehr für Erwerbsarbeit? Lebensphasenbezogene Arbeitszeiten als betriebliche Herausforderung. IAQ-Report, Nr. 2023-10, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Dezember 2023
»Arbeitnehmerbezogene Zeitrechte und tarifliche Wahloptionen, die Beschäftigten Auszeiten oder verkürzte Arbeitszeiten ermöglichen, haben in den letzten beiden Jahrzehnten deutlich zugenommen. Der vorliegende Bericht untersucht, wie diese Zeitrechte in den Betrieben umgesetzt und die mit ihnen verbundenen Arbeitszeitausfälle kompensiert werden. Erste Ergebnisse anhand von vier Betriebsfallstudien zeigen, dass es aktuell vor allem gesetzliche Zeitrechte wie die Elternzeit sind, die von den Betrieben als herausfordernd für die Arbeitsorganisation wahrgenommen werden. Unsere Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass Betriebe aktuell noch wenig systematisch bei der Suche nach Ersatz für lebensphasenorientierte Ausfallzeiten oder Arbeitszeitverkürzungen vorgehen. Stattdessen werden  die personellen Engpässe, die infolge der Zeitrechte entstehen, eher situativ gemanagt. Trotz der damit verbundenen Herausforderungen schätzen die Arbeitgeber Zeitrechte nicht nur als Pflicht, sondern auch als Vorteil im Wettbewerb um Fach- und Arbeitskräfte ein.«

Jan Schneider (2024): Daueraufenthalt, Rückkehr oder zirkuläre Mobilität? Optionen für ukrainische Kriegsflüchtlinge nach dem vorübergehenden Schutz. SVR-Studie 2024-1, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Januar 2024
»Derzeit leben gut vier Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der EU, ein Viertel davon in Deutschland. Der von der Europäischen Union 2022 beschlossene und bereits verlängerte vorübergehende Kollektivschutz läuft im März 2025 aus. Den Regierungen Deutschlands und anderer europäischer Staaten bleibt lediglich ein Jahr Zeit, um entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Der wissenschaftliche Stab des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) hat daher im Rahmen einer Studie untersucht, welche Optionen es für einen fortgesetzten Aufenthalt der Kriegsflüchtlinge gibt und wie es durch eine geförderte Rückkehr oder zirkuläre Mobilität gelingen kann, sowohl die berechtigten Interessen der Ukraine, der Aufnahmestaaten als auch der geflohenen Menschen selbst zu berücksichtigen. Die Studie gibt entsprechende Handlungsempfehlungen für die Politik auf europäischer Ebene sowie für Bund und Länder.«

Thomas Obst und Maximilian Stockhausen (2023): Makroökonomische Analyse von Lohn-Preis-Spiralen. Risiken von Zweitrundeneffekten in der gegenwärtigen Hochinflationsphase. IW-Analyse, Nr. 155/2023, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2023

Elke Dahlbeck et al. (2024): Kommunale Haushalte im Lichte der aktuellen Krisen. IAT Forschung aktuell Nr. 1/2024, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Januar 2024

Bernd Fitzenberger et al. (2024): Unterschiede in den Jahresverdiensten zwischen Männern und Frauen: Der Gender Pay Gap wurde in der Coronakrise kleiner – außer bei niedrigen Verdiensten. IAB-Kurzbericht Nr. 1/2024, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2024
»Die Geschlechterunterschiede in den Jahresverdiensten (Gender Pay Gap) spiegeln Unterschiede sowohl im Stundenlohn als auch in der Arbeitszeit und der Beschäftigungswahrscheinlichkeit wider. Je nach Verdienstniveau vor der Coronakrise waren Männer und Frauen von der Krise unterschiedlich betroffen: Während die Frauen mit mittleren und hohen Jahresverdiensten im Vergleich zu den Männern zwischen 2019 und 2021 aufholten, erfuhren die 10 Prozent der Frauen mit den niedrigsten Verdiensten deutlich stärkere Verluste als die Männer.«

BBSR (2023): Deutsche Großstädte unter Anpassungsdruck. Aktuelle und zukünftige soziodemografische und sozioökonomische Entwicklungspfade, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 2023

André Horenburg und Johannes Franke (2023): Ist die Höhe des Bürgergeldes mit dem Recht auf angemessene Ernährung nach Art. 11 Abs. 1 des UN-Sozialpakts vereinbar? Gutachten erstellt im Auftrag der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, Hamburg: Rechtsanwälte Günther Partnerschaft, 30.11.2023
Der für Nahrungsmittel berechnete Anteil an den Regelsätzen in Deutschland sei unzureichend, um das Recht auf angemessene Ernährung zu verwirklichen. Nach ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen ist eine gesunde und nährstoffreiche Ernährung mit den dafür (rechnerisch) vorgesehenen Mitteln nicht finanzierbar. Die bei der Berechnung des Bürgergeldes für Nahrungsmittel veranschlagten Beträge sind ungeeignet, um die Ernährungsbedürfnisse der Bezieher von Bürgergeld zu befriedigen, wie es das Recht auf angemessene Ernährung nach Art. 11 Abs. 1 UN-Sozialpakt verlangt.

Prognos (2023): Regionale Rentenkaufkraft. Wo Menschen am meisten von ihren Renteneinkommen haben. Kurzstudie im Auftrag des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), November 2023

Helena Bach und Andrea Hammermann (2023): Zahlen tarifgebundene Unternehmen besser? Eine Analyse der Verdienste tarifgebundener und ungebundener Beschäftigter auf Basis des SOEP, in: IW-Trends, Nr. 4/2023, S. 117-135
»In der Debatte um die erodierende Tarifbindung wird häufig darauf verwiesen, wie wichtig Tarifverträge sind, um Beschäftigten hohe Gehälter zu sichern. Dabei wird auf Lohnunterschiede von über 20 Prozent zwischen Beschäftigten, die nach Tarif bezahlt werden und jenen ohne Tariflohn, verwiesen. Diese sogenannte Tariflohnlücke ist jedoch zu einem großen Anteil auf strukturelle Unterschiede zwischen Unternehmen mit und ohne Tarifvertrag zurückzuführen. Darüber hinaus ist relevant, ob Beschäftigte in tarifgebundenen Unternehmen auch nach Tarif bezahlt oder außertariflich entlohnt werden. Diese Abgrenzung kann in der Mehrheit der Studien, die auf Unternehmensdaten beruhen, nicht berücksichtigt werden. Die vorliegende empirische Analyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels signalisiert, dass die sogenannte unbereinigte Tariflohnlücke auf Personenebene für das Jahr 2019 nur rund 9 Prozent beträgt. Über 40 Prozent davon können auf personen-, arbeitsplatz- und unternehmensbezogene Merkmalsunterschiede zurückgeführt werden. Die bereinigte Tariflohnlücke bewegt sich damit bei 5,2 Prozent. Eine Dekompositionsanalyse zeigt, dass insbesondere Strukturunterschiede hinsichtlich der Unternehmensgröße, des Vorhandenseins eines Betriebsrats und der Betriebszugehörigkeitsdauer der Beschäftigten die Lohnlücke treiben.«