Studien

… und weitere Materialien zu sozialpolitischen Themen

HCHE et al. (2022): Ein sektorengleiches Vergütungssystem. Ein gemeinsames Projekt des Hamburg Center for Health Economics, dem BKK Dachverband e.V., dem Deutschen Krankenhausinstitut, dem Fachgebiet Management im Gesundheitswesen der TU Berlin sowie dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland, 20.09.2022
»Das Konsortium hat gemeinsam ein Konzept zur Stärkung der sektorengleichen Versorgung in Deutschland erarbeitet. Ziel ist es, sektorengleiche Leistungen, also solche, die sowohl ambulant als auch stationär erbringbar sind, unabhängig vom Ort der Behandlung gleich zu vergüten.«

Philipp Hackstein, Brigitte Micheel und Sybille Stöbe-Blossey (2022): Familienorientierung von Bildungsinstitutionen: Potenziale von Familienzentren im Primarbereich. IAQ-Report 2022-09, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ). September 2022
»Die Familienorientierung von Bildungsinstitutionen wird als ein zentraler Faktor zum Abbau herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung diskutiert und kann in Schulen durch inner- und außerschulische Kooperationen – insbesondere mit der Jugendhilfe – und einen gezielten Sozialraumbezug weiterentwickelt werden. Ein Beispiel für die strategische Umsetzung einer kooperations- und sozialraumbasierten Familienorientierung stellt das Konzept des Familienzentrums im Primarbereich dar. Die Nutzung des Konzepts sollte in die Schulentwicklung sowie in eine kommunale Strategie des Zusammenwirkens von Akteuren aus Schule und Jugendhilfe eingebunden sein, idealerweise verbunden mit einer qualitätsbezogenen, nachhaltigen finanziellen Förderung.«

Marlene Haupt, Sandra Zimmermann und Sebastian Neist (2022): Ausgewählte Rentenpläne des Koalitionsvertrags 2021 im Spiegel erster Reaktionen. DIFIS-Impuls 07/2022, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, September 2022
»Der Koalitionsvertrag 2021 sieht den Einstieg der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) in eine partielle Kapitaldeckung vor und plant, die Einrichtung eines öffentlich verantworteten Fonds mit Abwahlmöglichkeit zu prüfen. Insgesamt lässt der Koalitionsvertrag jedoch hinsichtlich dieser Reformvorhaben viele relevante Fragen offen, sowohl was die sozialpolitische Zielsetzung als auch die Umsetzung betrifft. Eine abschließende Bewertung der Reformvorhaben kann daher erst nach der Vorlage konkreter Gesetzesentwürfe erfolgen. Zudem gilt es, rentenpolitisch auch an anderen Stellschrauben zu drehen. Ziel des vorliegenden Impulses ist es, a) den Einstieg der GRV in die partielle Kapitaldeckung und b) den Prüfauftrag für die grundlegende Reform der privaten Altersvorsorge durch das Angebot eines öffentlich verantworteten Fonds mit Abwahlmöglichkeit einzuordnen. Zunächst werden zu beiden Reformvorhaben erste sozialpolitische Reaktionen und Studien zusammengeführt. Soweit bereits möglich, wird das jeweilige Vorhaben anschließend hinsichtlich seiner Chancen und Risiken bewertet. Abschließend werden relevante offene Fragen dargestellt und ergänzende Empfehlungen und Maßnahmen ausgesprochen.«

Katharina Bohnenberger (2022): Klimasozialpolitik. Ein Forschungsstandbericht zur Verbindung von Klimapolitik und Sozialpolitik. DIFIS-Studie 03/2022, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, August 2022
»Klimapolitik und Sozialpolitik wurden vorwiegend getrennt beforscht. Durch die sozialen Auswirkungen der Klimakrise und die Notwendigkeit sozialstruktureller Veränderungen zur Erreichung der Klimaziele bedarf es nun einer integrierten Erforschung. Diese Expertise stellt den Forschungsstand zur Klimasozialpolitik dar, legt Forschungslücken offen und skizziert zukünftige Forschungszweige. Es deutet sich ein Wandel vom nachsorgenden und kompensierenden zum vorsorgenden und nachhaltigen Sozialstaat an. Die sozialen Auswirkungen der Klimakrise und die Notwendigkeit gesellschaftlicher Transformation zur Erreichung der Klimaziele eröffnen den Bedarf einer integrierten Erforschung und Gestaltung von Klima- und Sozialpolitik. In der stark wachsenden Forschungslandschaft zur Klimasozialpolitik sind Sozialpolitikwissenschafter bisher unterrepräsentiert, woraus spezifische Forschungslücken, beispielsweise zu den Umweltauswirkungen der Sozialleistungsarten oder der Resilienz sozialer Sicherungssysteme gegenüber Klimafolgen, resultieren. Insbesondere in den Kernfeldern der Sozialpolitik wie Erwerbslosigkeit, Grundsicherung, Familienpolitik oder Alterssicherung sind systematische Analysen, Konzepte und Politikvorschläge zu entwickeln. Eine Förderung ‚Nachhaltiger Sozialpolitik‘ durch eine Integration von Klimaschutz in sozialpolitische Programme und die Entwicklung klimasozialer Instrumente und Institutionen bietet Chancen zur Stärkung des Sozialstaats.«

Felicitas Hillmann unter Mitarbeit von Matthias Tang und Felipe Argüello Guerra (2022): Forschungsstand und Forschungsbedarfe zum Zusammenhang von Klimawandel, Migration und Sozialpolitik. DIFIS-Studie 02/2022, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2022
»Begreift man sozialpolitische Strukturen als kritische Infrastrukturen, dann trägt deren Funktionieren bei Umweltkrisen wesentlich zur Resilienz von Gesellschaften bei. Im Zuge dieser Debatten wird sich vermehrt auch die Frage stellen, wie mit bestehenden Mobilitätsansprüchen umzugehen ist – bislang ist dies kein Feld der Sozialpolitikforschung. Die vorliegende Expertise strukturiert die komplexe Dynamik des Wissensdreiecks ‚Klimawandel – Migration – Sozialpolitik‘ und arbeitet die Ambivalenzen der Debatte heraus. Dargestellt werden die Ergebnisse einer Sichtung der relevanten internationalen und deutschen Fachliteratur, der deutschen Sozialgesetzbücher sowie mehrerer Experteninterviews. Das Praxisbeispiel der Überflutung des Ahrtals im Juli 2021 verdeutlicht den Stand der innerdeutschen politischen Diskussion über die sozialpolitischen Implikationen von Migration und Klimawandel. Insgesamt zeigt sich: Es besteht eine Wahrnehmungslücke, eine Definitionslücke und es fehlt an einem normativen Kompass, wie mit den globalen Dynamiken umgegangen werden kann. Schließlich mangelt es an interdisziplinärer Forschung, die sich mit dem Wechselspiel von zunehmender Migration und zunehmendem Klimawandel auf die weiterhin national strukturierten Sozialpolitiken befasst.«

Ingo Kollosche et al. (2022): Der Wert des ÖPNV zwischen Gemeinwohl und Kommerz. Wandel der Wertschöpfung durch neue Mobilitätsdienstleistungen. Working Paper Forschungsförderung Nr. 255, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, September 2022
»Was passiert, wenn der ÖPNV durch neue Mobilitätsdienste wie Fahrzeugsharing oder Ridepooling erweitert wird? Im Fokus dieses Working Papers stehen aktuelle Treiber, aber auch zukünftige Wirkungszusammenhänge, Veränderungspotenziale und Gestaltungsoptionen sowie Folgen für Arbeit und Beschäftigung. Anhand des „Business Model Canvas“ wird erläutert, welche Herausforderungen sich für Anbieter, Nachfrager und Rahmenakteure des ÖPNV ergeben.«

Bundesagentur für Arbeit (2022): Arbeits- und Fachkräftemangel trotz Arbeitslosigkeit, Nürnberg, August 2022

Peter Walger et al. (2022): Pandemiemanagement – Strategiewechsel notwendig und überfällig, Berlin: Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), September 2022
»Natürliche Infektion und Impfung haben zu einer breiten Immunität in der Bevölkerung geführt. Künftig sind eine Identifikation der tatsächlich Vulnerablen und eine Priorisierung auf deren Schutz essentiell. Zusammengefasst lauten die wichtigsten Forderungen an die Politik: Kommunikation des Strategiewechsels der sich ändernden Pandemiesituation anpassen; Genesenenstatus als zentrale Komponente des Immunschutzes der Bevölkerung berücksichtigen; Impfempfehlungen für vulnerable Personen wissenschaftlich begründet weiterentwickeln; Schutz der Vulnerablen durch fokussierte, gezielte Impf- und Boosterkampagnen (nach STIKO-Empfehlung); Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern und Pflegebereichen der sich verändernden Infektionssituation anpassen; Impfpflicht für Bedienstete im Gesundheitswesen aufheben; Wegfall nicht verhältnismäßiger und nicht begründbarer d. h. nicht mehr zeitgemäßer Isolierungsanordnungen gesunder Infizierter; PCR-Tests nur zielgerichtet im Bereich der medizinischen Versorgungsstrukturen und zur Diagnostik von Erkrankungen einsetzen; Keine anlasslosen Routinetestungen und Maskenpflicht in Schulen.«

Deutscher Pflegerat (2022): Empfehlung zur Förderung von Pflegeforschung und Hebammenforschung, um evidenzbasierte Entscheidungsgrundlagen zum Umgang mit SARS-CoV-2 zu schaffen, Berlin, 02.09.2022

Jana Faus, Lennart Hagemeyer und Charlotte Faltas (2022): Stadt im Einklang oder Polarisierung auf engem Raum. Hamburger und Bremer Stadtteile im Veränderungsprozess, Hamburg: Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2022

Barbora Holubová (2022): Algorithmisches Management. Bewusstsein, Risiken und Reaktion der Sozialpartner, Brüssel: Friedrich-Ebert-Stiftung, Competence Centre on the Future of Work, September 2022
»Algorithmische Managementinstrumente werden bei der Rekrutierung, Überwachung sowie täglichen Entscheidungsfindung der Beschäftigten eingesetzt. Nur ein Drittel der Befragten ist sich der Existenz solcher Instrumente und deren Einsatz an ihrem Arbeitsplatz bewusst. Ein Drittel der Beschäftigten hat die Gewerkschaften bei dem Thema automatische Überwachung nicht wahrgenommen. Sie fordern mehr Maßnahmen, um die Transparenz in Bezug auf algorithmisches Management zu erhöhen. Tarifverhandlungen, die auf algorithmisches Management abzielen, sind selten, jedoch gibt es bereits mehrere Beispiele für Tarifverträge und Vereinbarungen. Diese müssen genauer betrachtet werden.«

Jan Behringer, Sebastian Dullien und Silke Tober (2022): Menschen in Deutschland nehmen Entlastungspakete I und II nur begrenzt wahr. Ergebnisse aus der IMK-Energiepreisbefragung. IMK Policy Brief Nr. 131, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2022
»Die Auswertung der ersten beiden Wellen der IMK-Energiepreisbefragung zeigt: Zwischen Mai und August ist die wahrgenommene Belastung der Menschen in Deutschland durch die hohen Energiepreise weiter gestiegen. Insbesondere klagten die Menschen über die Belastungen durch Kosten für Erdgas und Fernwärme. Zugleich unterschätzen die Menschen die Entlastungen aus dem bisher verabschiedeten Entlastungspaket der Bundesregierung deutlich: Je nach Haushaltstyp werden die Entlastungen um bis zu zwei Drittel niedriger eingeschätzt, als sie es tatsächlich sind. Aufgrund der hohen Energiepreise plant zudem ein zunehmender Anteil der Bevölkerung in Deutschland, die Konsumausgaben nicht nur für Energie, sondern auch für andere Konsumgüter und Dienstleistungen in den kommenden Monaten einzuschränken.«

Robert Messerle, and Jonas Schreyögg (2022): System-wide Effects of Hospital Payment Scheme Reforms: The German Introduction of Diagnosis-Related Groups. Effects of an especially comprehensive hospital remuneration reform. Research Paper No. 26, Hamburg: Hamburg Center for Health Economics, University of Hamburg, 2022
»Hospitals account for 40 % of all healthcare expenditures and play a central role in healthcare provision. Therefore, the way hospitals are payed has major implications for the care they provide. Yet the knowledge about system wide effects of payment reforms is surprisingly thin. This study analyzes the especially comprehensive German introduction of diagnosis-related groups. In Germany, diagnosis-related groups function as sole pricing, billing and budgeting system and almost exclusively determine the turnover of hospitals. The introduction of diagnosis-related groups thus completely overhauled existing payment structures. It thereby offers a unique possibility for the analysis of payment reforms. Using aggregate OECD data and recent econometric advances, we analyze hospital activity and efficiency. We find that the reform increased hospital activity – measured as the number of discharges – significantly by around 2 percent per year. In contrast to many earlier studies, we find that diagnosis-related groups do not necessarily lead to a lowering of the average length of stay.«

Kerstin Bruckmeier und Stefan Schwarz (2022): Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf den Bezug von Sozialleistungen. IAB-Forschungsbericht Nr. 14/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Michael Isfort, Helga Gessenich und Daniel Tucman (2022): Berufseinmündung und Berufsverbleib in der Pflege in NRW. Eine Analyse der Einstiegs-, Bindungs- und Haltefaktoren im Berufsfeld der Pflege einschließlich der Ermittlung relevanter Gehaltsstrukturen und -daten, Köln: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung, September 2022
➔ Kurzbericht

Verena Tobsch, Doris Holtmann, Tanja Schmidt und Claudia Brandt (2022): Sanktionsfrei – HartzPlus-Studie. Endbericht, Berlin: INES Berlin, Juli 2022

Die Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege (2022): Lage der Pflegebedürftigen spitzt sich zu: sofortige Entlastung notwendig!, Berlin, September 2022

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2022): Zulässigkeit von politischen Streiks in Deutschland. Rechtsprechung und Literatur, Berlin, 08.08.2022

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2022): Gemeinwohlorientierte Arbeit als Gegenleistung für Sozialleistungen. Arbeitsmarktpolitische und verfassungsrechtliche Aspekte, Berlin, 03.08.2022

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft  37–38/2022: Ungleichheit
»Während hierzulande auf vergleichsweise hohem Wohlstandsniveau über den Umfang der Armut und ihre Bekämpfung gestritten wird, geht es in weiten Teilen der Welt noch deutlich ungleicher zu. Die „oberen zehn Prozent“ der Weltbevölkerung verfügen über mehr als die Hälfte der Nationaleinkommen und mehr als 75 Prozent der Vermögen. Die untere Hälfte hingegen erzielt kaum Einkommen und besitzt praktisch nichts. Auch in Deutschland sollte man sich angesichts großer sozioökonomischer Ungleichheiten Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie machen. Wer ungerechtfertigte Ungleichheiten erfolgreich bekämpfen will, braucht mehr empirisches Wissen über ihre Ursachen, ihr Ausmaß und ihre Folgen.«

Karsten Neuhoff et al. (2022): Hohe Gaspreisanstiege: Entlastungen notwendig, in: DIW Wochenbericht Nr. 36/2022
»Aufgrund der starken Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas müssen alle Möglichkeiten zum Gassparen genutzt werden, um eine mögliche Gasknappheit zu vermeiden. Zugleich sind die Gaspreise stark gestiegen und besonders betroffene Haushalte müssen entlastet werden. Auf Grundlage einer Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) werden verschiedene Entlastungsoptionen verglichen und deren Vor- und Nachteile diskutiert. Die Untersuchung legt dabei den Fokus auf die Verteilungseffekte und die Ausgaben für den Staat. Die Effekte der Maßnahmen auf das Energiesparverhalten der Haushalte können auf Basis der Daten nicht sicher abgeschätzt werden. Neben Pauschalzahlungen nur an einkommensschwache oder an alle Haushalte wird eine Preisgarantie für einen Grundbedarf von 80 Prozent des vorherigen Gasverbrauchs untersucht. Für den darüber liegenden Verbrauch fiele der deutlich höhere Marktpreis an, was für alle Haushalte einen Anreiz für Einsparungen setzen würde. Eine Preisgarantie für einen Grundbedarf wäre teurer als eine Pauschalzahlung an einkommensschwache Haushalte, aber günstiger als eine Pauschalzahlung an alle Haushalte. Eine Pauschalzahlung hat jedoch den Nachteil, dass sie Haushalte in energieeffizienten Wohnungen überkompensiert, während Haushalte in schlecht isolierten Gebäuden nicht ausreichend entlastet werden. Eine Abwägung ist daher notwendig.«

Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.) (2022): Sozialethik konkret – Globalen Krisen gerecht begegnen, Berlin, August 2022
»In den vergangenen zwei Jahren wurde das gesellschaftliche Leben durch die Mel­dung der täglichen Fallzahlen bestimmt. Sowohl im Pflege- als auch im Bildungsbereich sind die Auswirkungen der Pandemie zu spüren. Sie hat nicht nur Einfluss auf die Gesund­heitssysteme vieler Länder, sondern setzt Regierungen und Wirtschaft weltweit unter Druck. Fachtermini wie Lockdown, Homeschooling, AHA-Regeln, Kontaktbeschränkungen und Inzidenzwerte haben sich zu neuen, für die Gesellschaft ganz selbstverständlichen Begriffen entwickelt. Anhand von unterschiedlichen Beiträgen innerhalb der Themenfelder „Strategien zur Überwindung der Corona-Pandemie aus wirtschaftsethischer Sicht“, „Lehren aus der Corona-Pandemie im Gesundheitswesen aus sozialethischer Perspektive“, „Bildung, Bildungsgerechtigkeit und Chancengerechtigkeit“ sowie „Strategien zur Abmilderung der sozialen Auswirkungen der Krise“ wird im Tagungsband der Frage nach den möglichen Strategien zur Bewältigung kommender Krisen globalen Ausmaßes unter dem Aspekt der Gerechtigkeit nachgegangen.«

Felise Maennig-Fortmann und Annette Ranko (2022): Kein Geld für Sprach-Kitas. Das Aus für das Bundesprogramm zur frühkindlichen Sprachförderung ist ein bildungs- und integrationspolitischer Fehler, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, August 2022
»Vierzig Prozent der Kinder in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Frühe Sprachförderung von Kindern ist wichtige Voraussetzung für Integration und Bildungsgerechtigkeit. Die Entscheidung der Bundesregierung, das Programm Sprach-Kitas zu beenden, wird einem modernen Einwanderungsland nicht gerecht, in dem Bildungs-, Integrations- und Zuwanderungspolitik zusammen gedacht werden müssen.«

Holger Bonin et al. (2022): Angespannter Arbeitsmarkt – Arbeitskräftemangel nach Corona, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022
»Nicht zuletzt durch die Verwerfungen der Coronapandemie ist die Lage derzeit in vielen Branchen angespannt. So sind fehlende Arbeitskräfte vor allem in der Gastronomie, an Flughäfen, in der Pflege und im Handwerk ein Problem. In Summe gab es im ersten Quartal 2022 insgesamt 1,7 Mio. offene Stellen, ein Höchstwert. Ursächlich ist dafür zum einen die Situation, dass sich viele Beschäftigte aufgrund von unsicheren Arbeitsverhältnissen während der Pandemie in andere Branchen umorientiert haben. Das gilt auch für Jobs in der Pflege, die besonderen Belastungen ausgesetzt waren und sind. Eine weitere Ursache ist die Demografie. Es kommen weniger junge Arbeitskräfte nach und die Arbeitsmigration kann nur einen Teil dieser Lücke schließen. Es stellt sich die Frage, wie der Staat auf diesen Arbeitskräftemangel reagieren kann und in welcher Frist die entsprechenden Maßnahmen greifen können.«

Boris Augurzky et al. (2022): BARMER Krankenhausreport 2022. Leistungsverlagerungen in der stationären Versorgung. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse Band 35, Berlin, September 2022
»In diesem Jahr widmet sich der Report in seinem Schwerpunktteil der Verlagerung von Leistungen und der damit verbundenen Schwerpunktbildung in der stationären Versorgung. In der Literatur wurde vielfach nachgewiesen, dass die Behandlungsqualität mit steigender Fallzahl zunimmt, da das ärztliche und pflegerische Personal dann mehr Expertise und Erfahrung aufweist und die notwendigen Prozesse etabliert sind. Dennoch gibt es in Deutschland viele Krankenhäuser, die in einzelnen Leistungssegmenten nur sehr wenige Behandlungen pro Jahr durchführen. Im vorliegenden Report wird in solchen Fällen das Potenzial von Leistungsverlagerungen exemplarisch für (i) die endoprothetische und osteosynthetische Behandlung von Hüft- und Kniegelenken sowie (ii) die kardiologische und kardiochirurgische Behandlung von Herzinfarkten aufgezeigt. Dazu werden Eingriffe hypothetisch verlagert – von Krankenhäusern, die wenige Behandlungen des entsprechenden Leistungsbereichs pro Jahr durchführen, an Krankenhäuser, die viele Eingriffe pro Jahr durchführen. Die Fahrzeiten der Bevölkerung werden dabei berücksichtigt und die Auswirkungen auf die Erreichbarkeit dargestellt.«

Ursula Jaenichen (2022): Mindestlohnbeschäftigte in der Corona-Pandemie – Sonderauswertung zu den Folgen der Corona- Pandemie für Beschäftigte im Mindestlohnbereich. IAB-Forschungsbericht Nr. 12/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2022
»In einem für die Mindestlohnkommission durchgeführten Forschungsprojekt wurde die potenziell stärkere Belastung von Mindestlohnbeschäftigten in der ersten Phase der Coronakrise untersucht. In dem vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse vorgestellt. Datengrundlage ist die erste Welle des „Hochfrequenten Online Personen Panel“ (HOPP) vom Mai 2020 in Verbindung mit Informationen aus den „Integrierten Erwerbsbiographien“ (IEB) und den „Integrierten Coronabiographien“ (ICB) des IAB. Unter anderem zeigt sich, dass nach Beginn der Pandemie die Zahl der geleisteten Wochenstunden bei Mindestlohnbeschäftigen vergleichsweise stark zurückgegangen ist. Mindestlohnbeschäftigte wie auch Beschäftigte mit einem Stundenentgelt zwischen 10 und 15 Euro verzeichnen häufiger Rückgänge in den Haushaltseinkommen. Der Anteil Kurzarbeitender unter den Mindestlohnbeschäftigten entspricht in etwa dem Durchschnitt, jedoch sind Mindestlohnbeschäftigte in kleineren Betrieben überdurchschnittlich oft in Kurzarbeit. Zudem sind Mindestlohnbeschäftigte mit einem größeren Anteil ihrer Arbeitszeit in Kurzarbeit als andere Beschäftigte. Mindestlohnbeschäftigte arbeiten signifikant seltener im Homeoffice als andere Beschäftigte.«

Philipp Grunau, Hannes Walz und Stefanie Wolter (2022): Arbeiten vor und während der Pandemie. BMAS-Forschungsbericht Nr. 604, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), September 2022
»Dieser Bericht befasst sich mit dem Wandel der Arbeit zwischen 2013 und 2021, also der Zeit vor und während der Corona-Pandemie. Dabei liegt der Fokus auf der Beschäftigtenperspektive und es präsentiert sich ein gemischtes Bild. Zwar zeigt sich eine Verdichtung von Arbeit und ein leichter Rückgang von Commitment, Engagement und Arbeitszufriedenheit. Dennoch liegen diese Maße der Arbeitsqualität noch immer auf hohem Niveau, haben Vereinbarkeits-Konflikte durch Störungen des Privatlebens durch Berufliches trotz der Verdichtung abgenommen und ist die Wechselabsicht unverändert niedrig.«

Eduard Brüll und Patrick Kampkötter (2022): Betriebliche Diversitätsstrategien in Deutschland. BMAS-Forschungsbericht Nr. 603, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), September 2022
»Dieser Bericht betrachtet freiwillige Diversitätsstrategien in Deutschland und analysiert die Wirkung dieser Strategien sowohl aus der Beschäftigten- als auch aus der Unternehmensperspektive. Basierend auf Daten des Linked Personnel Panel, einem repräsentativen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Datensatz für privatwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 50 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, gibt dieser Bericht einen ersten deskriptiven Überblick über die Anwendung und thematische Ausgestaltung solcher Strategien in deutschen Betrieben. Anhand von Regressionen mit Strukturkontrollen und einem Differenz-in-Differenzen-Ansatz lassen sich kaum Belege für die Wirksamkeit dieser Strategien ermitteln. Hinsichtlich der Betriebszusammensetzung, der Rekrutierung von Beschäftigten und der Mitarbeiterbindung zeigt der Bericht keinerlei Unterschiede zwischen Unternehmen mit und ohne Diversitätsstrategien. Die wenigen vorliegenden Belege für die Wirksamkeit von Diversitätsstrategien beziehen sich auf Messgrößen, die direkt beschreiben, wie die Beschäftigten Diskriminierung am Arbeitsplatz wahrnehmen. Bei der empfunden Arbeitszufriedenheit und anderen aus der Beschäftigtenperspektive wichtigen Zielgrößen, lassen sich keine Unterschiede zwischen Beschäftigten in Betrieben mit und ohne Diversitätsstrategien feststellten. Insgesamt zeigen die Analysen in dem Bericht somit wenig Spielraum für die Wirksamkeit von Diversitätsstrategien, jedenfalls nicht innerhalb des betrachteten Zeitraums von fünf Befragungswellen zwischen 2012 und 2021.«

IAB/BIBB/GWS (2022): Fachkräftemonitoring für das BMAS. Mittelfristprognose bis 2026. BMAS-Forschungsbericht Nr. 602, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), August 2022
»Das BMAS hat das QuBe-Kooperationsprojekt mit einem Fachkräftemonitoring beauftragt, das aus einer jährlichen Mittelfristprognose und einer regelmäßigen Langfristprogose besteht. Mit der Mittelfristprognose wird die Lücke geschlossen zwischen der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA), welche vor allem die aktuelle Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt nach Berufsgattungen (Fünfsteller) der Klassifikation der Berufe 2010 (KldB 2010) bewertet, und den bisherigen Langfristprognosen des Fachkräftemonitorings. Die vorliegende Mittelfristprognose für 2022 bis 2026 beinhaltet neben der zunehmenden Digitalisierung auch die ökonomischen Folgen der COVID 19- Pandemie und die damit verbundenen Veränderungen der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. Auch die Auswirkungen des Angriffskrieges der russischen Föderation auf die Ukraine, die damit verbundenen Sanktionen und die Reaktion darauf im Rahmen der Verteidigungsausgaben werden mit Informationsstand Juni 2022 berücksichtigt. Die Energiewende („Osterpaket“) und die steigenden Zinsen sind somit ebenso Teil der Prognose.«

Carsten Wirth (2022): Homeoffice-Beschäftigte allein zu Haus? Ergebnisse einer Studie zur Praxis von Betriebsräten bei Homeoffice-Arbeit. Mitbestimmungspraxis Nr. 48, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), August 2022
»Die Studie „Beschäftigte allein zu Haus?“ untersucht, welchen Herausforderungen Betriebsräte bei Homeoffice-Arbeit gegenüberstehen und wie sie ihnen begegnen. Die Ergebnisse von fünf Interviews zeigen: Das Management hat seine ablehnende Haltung gegenüber dem Homeoffice weitgehend aufgegeben. Festgestellt wurde: Betriebsräte können Homeoffice-Arbeit ausgestalten. Angesichts deren zu erwartenden Ausweitung ist dies (weiterhin) erforderlich. Trotzdem bleibt diese Arbeitsform für Betriebsräte eine Herausforderung. Die Kommunikation mit der Belegschaft wird schwieriger, die Komplexität von Verhandlungen steigt, Handlungsfähigkeit und Solidarität müssen in neuer Form hergestellt werden, Arbeitszeiten entgrenzen sich und verschärfen Konkurrenzen. Sie rufen auch Spaltungen zwischen Beschäftigtengruppen hervor. Den Herausforderungen begegnen Betriebsräte durch das Aufrechterhalten von Kommunikation. Sie agieren als Vorbild für Beschäftigte, entwickeln Betriebsvereinbarungen und nehmen gewerkschaftliche Beratung in Anspruch. So bleiben die Beziehungen zwischen Interessenvertretungen und Gewerkschaften stabil. Management und Betriebsrat bearbeiten Konflikte durch ständiges Geben und Nehmen. Im Konfliktfall entwickeln Betriebsräte neue Aktionsformen; in wirtschaftlichen Krisensituationen geraten sie jedoch unter Druck, weil das Homeoffice Kostensenkungen ermöglichen soll. Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, Homeoffice-Arbeit als Teil einer neuen Normalität zu begreifen und wie betriebliche Normalarbeit mit Arbeitsrecht und Tarifverträgen auszugestalten.«

Fairwork (2022): Work in the Planetary Labour Market: Fairwork Cloudwork Ratings 2022, Oxford 2022
»The Fairwork Cloudwork Report 2022 assesses and scores basic standards of fairness in working arrangements on 15 online remote digital labour platforms, according to our five Fairwork principles — pay, conditions, contracts, management, and representation«

Unabhängiger Beirat für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (2022): Empfehlungen zur Familienpflegezeit und zum Familienpflegegeld. Teilbericht des unabhängigen Beirats für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf (Zweite Berichtsperiode). Stand 01.07.2022, Berlin, Juli 2022

Timo Wollmershäuser (2022): Inflation frisst Überschussersparnis. ifo Schnelldienst digital, Nr. 4/2022
»Die privaten Haushalte greifen seit Ende vergangenen Jahres verstärkt auf die hohen Einlagen zurück, die sie während der Coronakrise auf ihren Bankkonten angehäuft haben. Somit konnte trotz Rekordinflation der Konsum in der ersten Jahreshälfte 2022 ausgeweitet werden. Da die Sparpolster mittlerweile aufgebraucht sind und die Verbraucherpreise weiter kräftig steigen dürften, wird der private Konsum wohl im weiteren Verlauf des Jahres als Konjunkturmotor in Deutschland ausfallen.«

Carmela Aprea et al. (2022): Finanzielle Vulnerabilität in der Coronakrise. Potenzielle Auslöser, Risikofaktoren, finanzielles Anpassungsverhalten und Inanspruchnahme sozialpolitischer Unterstützung. DIFIS-Impuls Nr. 6/2022, Duisburg/Bremen: Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS), August 2022
»Die Coronakrise ist eine außergewöhnliche Kombination aus Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftskrise. Aus Sicht der Gesamtwirtschaft handelt es sich um einen finanziellen Schock, der anders als bei der globalen Finanzkrise ab 2007 nicht aus dem Finanz- bzw. Wirtschaftssystem selbst kommt, sondern als Folge der Pandemie entstanden ist. Wie die globale Finanzkrise hat jedoch auch die Coronakrise weitreichende ökonomische bzw. finanzielle Konsequenzen, nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die privaten Haushalte in Deutschland. Während die Mehrheit – zumindest in kurz- und mittelfristiger Perspektive – hinsichtlich ihrer Finanzen vergleichsweise glimpflich davon gekommen zu sein scheint, berichten 18,6 % – also rund ein Fünftel – der Befragten, dass sie zwischen März und Dezember 2020 Schwierigkeiten damit hatten, finanziell über die Runden zu kommen. Die finanzielle Situation dieser Personen, die besonders stark von den finanziellen Folgen der Pandemie getroffen wurden und daher im Folgenden als ‚vulnerabel‘ bezeichnet werden, steht im Fokus dieses Impulsbeitrags. Wir beleuchten insbesondere vier Aspekte, nämlich erstens potenzielle Auslöser, zweitens Risikofaktoren für erhöhte finanzielle Vulnerabilität sowie drittens das finanzielle Anpassungsverhalten und viertens die Inanspruchnahme sozialpolitischer Unterstützung von Personen mit erhöhter finanzieller Vulnerabilität.«

Katja Michlbauer und Lukas Mergele (2022): Integrationsperspektive von ukrainischen Geflüchteten im deutschen Schulsystem, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2022
»Der anhaltende Angriffskrieg in der Ukraine stellt Deutschland vor die Frage, wie es die ukrainischen Geflüchteten bestmöglich unterstützen kann. Der hohe Anteil geflüchteter Schulkinder rückt dabei die Versorgung mit Schulbildung in den Fokus. Diese ist essenziell sowohl für eine gelingende Integration in Deutschland als auch für die Rückkehr in ihr Heimatland. Eine Auswertung der PISA-Studie 2018 zeigt, dass ukrainische Schulkinder in einem standardisierten Test unter dem Niveau von deutschen Schulkindern abschneiden, insbesondere in Mathematik. Die Leistungen liegen jedoch deutlich über denen der EU-Mitgliedstaaten Bulgarien und Rumänien, aus denen bereits zahlreiche Kinder in das deutsche Bildungssystem integriert wurden.«

Lars Schäfers (2022): Die katholische Soziallehre vor den Herausforderungen der Digitalität als sozialer Frage. Eine Bestandsaufnahme im Kooperationsprojekt „Digitalität als soziale Frage“ der Clearingstelle Medienkompetenz und der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle. KSZ-Arbeitspapiere Nr. 2/2022, Mönchengladbach: Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle, August 2022
»Die katholische Soziallehre galt als die Antwort der Kirche auf die soziale Frage des 19. Jahrhunderts. Kirche hatte erkannt, dass reines Moralisieren das Los der Fabrikarbeiterschaft nicht verbessert. Man muss die gesellschaftlichen Strukturen angehen – Vorfahrt für Sozialethik statt bloße Tugendmoral. Digitalität als neue soziale Frage des 21. Jahrhundert stellt die kirchliche Soziallehre heute vor neuen Herausforderungen. Inwiefern sich katholische Soziallehre und Sozialverkündigung bereits mit Digitalisierung beschäftigt haben, hat Lars Schäfers, Wissenschaftlicher Referent der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach, in einem Arbeitspapier sondiert.«

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Finanzen (2022): Kapitalgedeckte Rente: Ein neuer Anlauf?, Berlin, August 2022

Mattis Beckmannshagen und Carsten Schröder (2022): Entwicklung der Arbeitszeiten treibt die Ungleichheit der Erwerbseinkommen, in: DIW Wochenbericht Nr. 33+34/2022
»Die Ungleichheit der monatlichen Bruttoerwerbseinkommen der Beschäftigten in Deutschland ist laut Sozio-oekonomischem Panel (SOEP) zwischen 1993 und 2003 signifikant gestiegen und stagniert seit 2008 auf relativ hohem Niveau. Wie dieser Bericht zeigt, liegt der Anstieg weniger an einer höheren Ungleichheit der Stundenlöhne, sondern daran, dass diese zunehmend mit der Arbeitszeit korrelieren: Beschäftigte mit hohen Stundenlöhnen arbeiten im Vergleich zu Beschäftigten mit geringen Stundenlöhnen heute mehr als früher. Dies gilt vor allem für zwei Gruppen, deren Anteil an der Arbeitsbevölkerung in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat: erwerbstätige Frauen und Beschäftigte im Dienstleistungssektor. Hätten die Beschäftigten nicht die tatsächliche, sondern ihre individuell gewünschte Arbeitszeit realisieren können, wäre der Anstieg der Ungleichheit moderater ausgefallen. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und mehr Möglichkeiten, im Niedriglohnsektor die Arbeitszeit auszuweiten, könnten diesem Trend entgegenwirken.«

Deutsche Bundesbank (2022): Eine verteilungsbasierte Vermögensbilanz der privaten Haushalte in Deutschland – Ergebnisse und Anwendungen, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Juli 2022
»Laut der verteilungsbasierten Vermögensbilanz sank die Vermögensungleichheit in den letzten Jahren. Dies rührte zum einen daher, dass der Nettovermögenszuwachs für die Haushalte in der unteren Hälfte der Verteilung besonders kräftig ausfiel – wenngleich von einem niedrigen Niveau ausgehend. Hierbei haben die weniger vermögenden Haushalte in deutlichem Umfang risikoarme Anlagen wie Einlagen und Versicherungsansprüche aufgebaut und gleichzeitig merklich ihre Verschuldung reduziert. Zum anderen sank die Ungleichheit auch deshalb, weil die obere Mitte der Verteilung spürbar von einem steigenden Wert des Immobilienvermögens profitierte. Darüber hinaus offenbart die verteilungsbasierte Vermögensbilanz eine erhebliche Heterogenität in der Vermögenszusammensetzung der privaten Haushalte. Die Vermögen der Haushalte in der vermögensärmeren Hälfte der Verteilung bestehen nahezu ausschließlich aus risikoarmen Anlageformen. Dahingegen umfasst die Vermögensstruktur der vermögenderen Haushalte in einem deutlich größeren Umfang Kapitalmarktinstrumente und vor allem Immobilien- und Betriebsvermögen. Da insbesondere das Immobilienvermögen neben Aktien eine hohe Rendite erzielte, fiel die reale Vermögensrendite im Durchschnitt über die Jahre 2009 bis Anfang 2022 in der vermögenderen Hälfte der Verteilung deutlich höher aus als in der vermögensärmeren Hälfte. Die Resultate zeigen in diesem Zusammenhang auch, dass sich der renditesenkende Effekt der Inflation insbesondere am unteren Ende der Vermögensverteilung bemerkbar macht. Da das Vermögen dieser Haushalte überwiegend aus niedrig verzinsten Anlagen besteht, führen folglich hohe Inflationsraten vor allem dort zu negativen realen Vermögensrenditen.«

Hubert Ertl, Mona Granato, Robert Helmrich und Elisabeth M. Krekel (Hrsg.) (2022): Integration Geflüchteter in Ausbildung und Beruf. Chancen für Geflüchtete und Herausforderungen für das Bildungssystem, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Juni 2022
»Mit dem Angriffskrieg der Russischen Föderation auf die Ukraine und der hieraus resultierenden Flucht von Menschen aus der Ukraine nach Deutschland sind eine Vielzahl von Herausforderungen und Chancen für die berufliche Bildung und die Integration von Geflüchteten in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt verbunden. Ausgehend von den Forschungsarbeiten des BIBB zu Migration und Flucht fokussieren die Beiträge in diesem Band auf (junge) Geflüchtete, die 2015 und folgend nach Deutschland eingewandert sind. Im Zentrum stehen ihre Zugangschancen zu sprachlicher und beruflicher (Aus-)Bildung sowie in eine qualifikationsadäquate Beschäftigung und eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt. Näher betrachtet werden zudem, neben Voraussagen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland und den rechtlichen Rahmenbedingungen für Geflüchtete (aus der Ukraine), die Erfahrungen der letzten Jahre mit Verfahren zur Anerkennung der Gleichwertigkeit von ukrainischen Berufsqualifikationen in Deutschland. Ebenso werden für das Thema dieses Discussion Papers relevante Reformen des beruflichen Bildungssystems in der Ukraine skizziert. Fazit und Schlussfolgerungen beziehen sich explizit auf die Integration (junger) Geflüchteter der Jahre 2015 und folgende in sprachliche Bildung, berufliche Ausbildung sowie in qualifikationsadäquate Beschäftigung und in den Arbeitsmarkt. Daraus abgeleitet werden erste Anhaltspunkte und Schlussfolgerungen für die Förderung des Integrationsprozesses (junger) Geflüchteter aus der Ukraine, die ihren Zugang in berufliche Ausbildung und Beruf unterstützen können. Gefragt wird dabei auch, inwieweit die aufnehmenden Systeme in Deutschland heute besser auf die Zuwanderung Geflüchteter vorbereitet sind als 2015. Die Beiträge zur beruflichen Ausbildung fokussieren die duale Ausbildung nach BBiG/HwO und hier insbesondere den betrieblichen Teil.«

Simon Eggert und Christian Teubner (2022): Distance Caregiving – Unterstützung und Pflege auf räumliche Distanz, Berlin: Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), August 2022

Julia Petersen und Marlen Melzer (2022): Ambulante Pflege in Deutschland: mobil und flexibel, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), August 2022
»Die ambulante Pflege nimmt einen großen Stellenwert bei der Versorgung Pflegebedürftiger ein. In einer Online-Befragung wurden die Anforderungen an berufsbedingte Mobilität und zeitliche Flexibilität von Beschäftigten in der Pflege untersucht. Es zeigt sich, dass direkt Pflegende häufiger von Schichtdienst, geteilten Diensten oder Dienstplanänderungen betroffen sind, wohingegen Leitungskräfte seltener im Schichtdienst oder an Wochenend- und Feiertagen arbeiten, jedoch häufiger in der Freizeit kontaktiert werden.«

Thorsten Kalina (2022): Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte. IAQ-Report 2022-08, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation, August 2022
»Nachdem die Beschäftigung gering Qualifizierter lange rückläufig war, hat sie in den letzten Jahren leicht zugenommen. Gut 12% der Beschäftigung entfiel auf den Bereich Lagerwirtschaft, Post- und Zustellungsberufe. In diesem Berufsbereich war das Beschäftigungswachstum für gering Qualifizierte zwischen 2012 und 2019 mit 28 % auch am stärksten. Rund 60 % der gering Qualifizierten waren 2019 als Fachkräfte tätig. Hierbei handelt es sich um einen Graubereich an Tätigkeiten, die anspruchsvoller sind als reine Helfertätigkeiten, aber nicht unbedingt eine dreijährige Berufsausbildung voraussetzen. Politischer Handlungsbedarf besteht bei der Abgrenzung von Helfer und Fachkrafttätigkeiten, was sich auch in der Entlohnung widerspiegeln muss. Zudem sind das Nachholen von Ausbildungsabschlüssen und die Zertifizierung von Teilqualifikationen wichtige Ansatzpunkte, um die Arbeitsmarktlage von gering Qualifizierten weiter zu verbessern.«

Friedrich Breyer (2022): Mehr Anreize, weniger Sanktionen: ein Vorschlag für eine Reform der Grundsicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Die Bundesregierung will das System der Grundsicherung für Arbeitsfähige radikal reformieren. Neben der Abschaffung des Vermittlungsvorrangs und der Stärkung der Qualifizierung will sie vor allem die Zuverdienstöglichkeiten für Hilfeempfänger verbessern. Fachleute zerbrechen sich schon lange den Kopf, wie die prohibitiv hohen Transferentzugsraten, also die Anrechnung von Markteinkommen auf den Transfer, auf ein erträgliches Maß gesenkt werden können, ohne dass das System zu teuer wird. Eine Lösung könnte in einer Variante des „Workfare“-Modells liegen, die aus einer Absenkung des Sockeltransfers und einer Arbeitsplatzgarantie des Staates besteht, sodass jeder Arbeitsfähige zur Deckung seines Grundbedarfs durch Arbeit beiträgt.«

Hartmut Seifert und Toralf Pusch (2022): Betriebliche Bündnisse sichern Beschäftigung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Zu den betrieblichen Bündnissen liefert dieser Beitrag einige empirische Ergebnisse aus einer repräsentativen Befragung von Betriebsräten. Dabei werden die vereinbarten Inhalte mit denen der Finanzkrise 2009 verglichen, um zu prüfen, ob sich bestimmte Grundmuster aufgrund erfahrungsgesättigter Praxis wiederholen, aber auch neue Spezifika angesichts veränderter Problemkonstellationen herausbilden. Schließlich wird diskutiert, welche Schlussfolgerungen im Falle eines möglichen neuerlichen Konjunkturabschwungs zu ziehen sind.«

Dirk Löhr (2022): Finanzierung einer kapitalgedeckten Altersgrundsicherung über die Erbschaftsteuer, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Die umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherung kann angesichts der demografischen Entwicklung eine auskömmliche Versorgung im Alter bald nicht mehr sichern. Indem die Bürger über eine kapitalgedeckte Alterssicherung am Unternehmensvermögen mittelbar beteiligt werden, könnte die Rentenlücke zumindest teilweise geschlossen werden. Das Unternehmensvermögen sollte bei einem neuen Reformanlauf auch vollständig in die Erbschaftsteuer einbezogen werden; dabei darf aber der Fortbestand der Unternehmen nicht gefährdet werden. Die Erbschaftsteuer auf Unternehmensvermögen könnte dabei als Finanzierungsquelle für eine kapitalgedeckte Altersgrundsicherung dienen.«

Johannes Geyer, Lars Felder und Peter Haan (2022): Hintergrund und Erfahrungen von kapital- gedeckten Alterssicherungssystemen mit automatischer Einschreibung und Abwahlmöglichkeit („Opt-out“) am Beispiel von NEST. Kurzexpertise im Auftrag des Bundesministeriums für Finanzen (BMF). Politikberatung kompakt Nr. 182, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Juni 2022

Tim Harbecke und Gernot Mühge (2022): Beschäftigungssicherung durch strategische Qualifizierung. Eine explorative Untersuchung mit Empfehlungen für die betriebliche Praxis. Mitbestimmungspraxis Nr. 47, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), August 2022
»Die gegenwärtige Transformation der Wirtschaft birgt einerseits hohe Risiken für Unternehmen und Arbeitsplätze, andererseits ist sie durch einen massiven Bedarf an Fachkräften gekennzeichnet. Gerade für große Unternehmen stellt sich die Frage, inwiefern die Transformation durch ein strategisches Qualifizierungsprogramm bewältigt werden kann, um Beschäftigte, die von Stellenverlust bedroht sind, zu den dringend benötigten Fachkräften zu entwickeln. Die vorliegende Untersuchung geht dieser Aufgabe nach. Sie betrachtet die Entwicklungsgeschichte von Qualifizierung und Beschäftigungssicherung, untersucht Fälle aus der aktuellen betrieblichen Praxis und entwickelt daraus Bausteine für eine innerbetriebliche Agentur für Qualifizierung und Fachkräftesicherung.«

Philine Warnke et al. (2022): Studie zur Institutionalisierung von Strategischer Vorausschau als Prozess und Methode in der deutschen Bundesregierung, Karlsruhe: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Juni 2022

Jörg Dittmann und Jan Goebel (2022): Einsamkeit und Armut. KNE Expertise 5/2022, Frankfurt am Main, Berlin: Kompetenznetz Einsamkeit (KNE), 2022
»Die Expertise erörtert den internationalen Forschungsstand zu Einsamkeit und Armut. Der Tenor dieser Studien ist eindeutig: Menschen, die von Armut betroffen sind, fühlen sich stärker einsam. Sie sind zudem häufiger sozial isoliert. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden für Deutschland multivariate Analysen auf Datenbasis des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 1985 bis 2020 durchgeführt. Die Längsschnittanalysen zeigen, dass die Einsamkeit mit der Armut ansteigt. Menschen, die arm wurden, kehren auch im Zeitverlauf oftmals nicht mehr auf das geringere Einsamkeitsniveau zurück, bevor sie arm wurden. Der Einsamkeit verursachende bzw. verstärkende Effekt von Armut kann durch die eigenen Analysen bestätigt werden. Dass Armut ein wichtiger, aber nicht ausschließlicher Faktor zur Erklärung von Einsamkeit ist, zeigt die steigende Einsamkeit während der Corona-Pandemie, insbesondere während der zwei Phasen mit Kontaktbeschränkungen in Deutschland. Diese Beobachtung konnte ebenfalls durch die Analysen des SOEP bestätigt werden. Der Anstieg der Einsamkeit in dieser Zeit gilt sowohl für armuts- als auch nicht armutsbetroffene Haushalte. In der Gesamtschau zeigt sich, wer Einsamkeit bekämpfen will, sollte den Blick auch auf die Verhinderung und Bekämpfung von Armut richten.«

Christina Boll et al. (2022): Arbeitsmarktintegration von Müttern mit Migrationshintergrund – Analyse der Maßnahmenerfolge des Bundesprogramms „Stark im Beruf“, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), Juni 2022

Johannes F. Schmieder et al. (2022): The Costs of Job Displacement over the Business Cycle and Its Sources: Evidence from Germany. IAB-Discussion Paper Nr. 20/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Unter Verwendung von administrativen Daten für Deutschland dokumentieren wir die Ursachen hinter den Kosten des Arbeitsplatzverlusts über den Konjunkturzyklus hinweg. Die jährlichen Einkommensverluste nach einer Verdrängung sind groß, persistent und stark zyklisch, wobei sich seine Größe während konjunkturellen Abschwüngen fast verdoppelt. Ein großer Teil der langfristigen Einkommensverluste und ihre Zyklizität wird durch Lohnverluste verursacht. Schlüssel zu diesen langanhaltenden Lohnverlusten und deren Zyklizität sind Veränderungen der Arbeitgebermerkmale, da entlassene Beschäftigte zu schlechter zahlenden Betriebe wechseln. Veränderungen in den Merkmalen der Beschäftigten bzw. der entlassenden Betriebe können wenig der Zyklizität erklären, obwohl die Dauer der Nichtbeschäftigung, welche mit den Verlusten in Betriebseffekten korreliert sind, von Bedeutung sind.«

Gerd Zika et al. (2022): Die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Energiekrise für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland. IAB-Forschungsbericht, Nr. 11/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Der Forschungsbericht behandelt die Folgen des Krieges in der Ukraine und der Energiekrise für den Arbeitsmarkt und die ökonomische Entwicklung in Deutschland. Dazu werden Szenariorechnungen durchgeführt. Die Folgen des Kriegs zeigen sich in der verminderten Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft aufgrund der Sanktionen und der höheren Preise für Energie und Rohstoffe (+80%). Bis 2030 verliert die deutsche Wirtschaft auch ohne einen kompletten Gas-Lieferstopp über 260 Milliarden Euro an Wertschöpfung, die durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise nicht realisiert werden kann. Auf Basis der getroffenen Annahmen kommt es zunächst zu überwiegend negativen Effekten auf den Arbeitsmarkt, die sich mit der Zeit abschwächen. Im Durchschnitt werden zwischen 2022 und 2028 150 000 Personen weniger beschäftigt sein als im Alternativszenario. Durch den Zuzug von Geflüchteten nimmt die Erwerbsbevölkerung in Deutschland zwar zu. Die schlechteren Wirtschafts- und Verdienstaussichten führen in den ersten Jahren jedoch zu einem nahezu unveränderten Arbeitskräfteangebot. Erst ab 2025 schlägt sich der Zuzug in einem höheren Arbeitskräfteangebot nieder. Mittel- und langfristig kommt es durch die schlechtere Wirtschaftslage vor allem zu einer niedrigeren Erwerbstätigkeit in der arbeitsintensiven Gastronomie. Hingegen steigt der Arbeitskräftebedarf an Lehrkräften und Erziehungspersonal. Auch wenn sich die Wirkungen langfristig abschwächen, bleiben strukturelle Veränderungen bestehen. In den energieintensiven Wirtschaftsbereichen wie der Baustoffherstellung, der Chemieindustrie oder der Metallerzeugung liegt durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise die Wirtschaftsleistung deutlich niedriger als im Alternativszenario. Sollte es in den kommenden Monaten jedoch zu einer doppelt so hohen Energiepreissteigerung kommen wie bislang beobachtet (+160%), wäre im kommenden Jahr das BIP um fast vier Prozent niedriger als im Alternativszenario. 2030 würde das BIP noch um ein halbes Prozent niedriger ausfallen. Auf dem Arbeitsmarkt würden unter diesen Annahmen nach drei Jahren 660 000 Personen (1,5%) weniger beschäftigt sein als im Alternativ-Szenario „Frieden in Europa“. 2030 wären noch 60 000 Personen (0,2%) Arbeitsplätze vom Abbau betroffen.«

Malte Lübker und Thilo Janssen (2022): Europäischer Tarifbericht des WSI 2021/22. Tarifpolitik im Zeichen von Krise, Krieg und Inflation, WSI-Report Nr. 77, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), August 2022

Mareike Decker et al. (2022): Hohe betriebliche Unterstützung der Menschen mit Behinderungen. IW-Kurzbericht Nr. 66/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2022
»Barrierefreie Arbeitsplätze sowie organisatorische und personelle Unterstützung von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsplatz sind eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche betriebliche Inklusion. Dass dies häufig in den Unternehmen gelingt, zeigt der kürzlich veröffentlichte Abschlussbericht der Bundesregierung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.«

Ruth Maria Schüler (2022): Alterssicherung. Sorgen der Selbständigen unauffällig. IW-Kurzbericht Nr. 65/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2022

Fabian Beckmann, Rolf G. Heinze, Dominik Schad und Jürgen Schupp (2022): Bürgergeld statt Hartz IV: Was sich Langzeitarbeitslose von der geplanten Reform erhoffen, in: DIW Wochenbericht. Nr. 31+32/2022
»Mit dem Bürgergeld plant die Ampel-Koalition eine Reform des Hartz-IV-Systems mit Erleichterungen für Leistungsbeziehende. Dieser Wochenbericht nimmt auf Basis einer zufallsbasierten Befragung in acht Jobcentern in Nordrhein-Westfalen die Perspektive von Langzeitarbeitslosen ein: Wie schätzen sie zentrale Reforminhalte ein? Wie nehmen Langzeitarbeitslose ihre Situation wahr? Und was machen sie tagtäglich? Die Befunde offenbaren mehrheitlich positive, aber mit Blick auf einzelne Reformaspekte auch differenzierte Einschätzungen zum Bürgergeld. Bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten werden beispielsweise von einer großen Mehrheit der Langzeitarbeitslosen befürwortet, während einen grundsätzlichen Vericht auf Sanktionen viele auch skeptisch sehen. Über 40 Prozent der Langzeitarbeitslosen berichten zudem, sich „voll und ganz“ oder „eher“ für den Grundsicherungsbezug zu schämen; knapp zwei Drittel stimmen „voll und ganz“ oder „eher“ der Aussage zu, dass andere Leistungsbeziehende das System ausnutzen. Viele Leistungsbeziehende sind eigenen Angaben zufolge ehrenamtlich und nachbarschaftlich aktiv. Eine zukünftig verbesserte Förderung solcher Tätigkeiten birgt jenseits der Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Chancen für die Stärkung der sozialen Teilhabe. Kurz- und mittelfristig wird zudem die Inflation eine spürbare Erhöhung des Regelsatzes notwendig machen, um Armutsrisiken abzumildern. Zudem sollten die Chancen eines Modellprojekts zur Evaluierung der Wirkungen von Sanktionen genutzt werden, um dieses kontroverse Thema evidenzbasiert bewerten zu können.«

Friedhelm Hengsbach (2022): Bleibt der hinkende Interessenausgleich schicksalhaft für den kirchlichen Sonderweg? Frankfurter Arbeitspapiere zur gesellschaftsethischen und sozialwissenschaftlichen Forschung Nr. 81, Frankfurt am Main: Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, 2022
»Dem arbeitsrechtlichen Sonderweg, den die katholischen Kirchenleitungen in Deutschland zur Regelung kollektiver Arbeitsverhältnisse gewählt haben, zu unterstellen, er verschleiere einen „hinkenden Interessenausgleich“, der zu allem noch als alternativlos behauptet wird, löst vermutlich spontan Einwände aus. Denn immerhin lassen sich die seit 1971 fortwährenden Novellierungen der Rahmenordnung der MAVO und ihre diözesanen Spielarten als Erfolgsgeschichte des kirchlichen Arbeitsrechts an zwei Händen abzählen.  Welche Gründe und Bewertungen lassen sich vorbringen, um dieses Hinken zu beseitigen und den Gesetzgeber so unter Druck zu setzen, dass er auf eine seit zwanzig Jahren erhobene Forderung der Mitarbeitervertretungen positiv reagiert und im kirchlichen Sonderarbeitsrecht eine Unternehmensmitbestimmung als fairen Interessenausgleich verankert?«

Jonas Hagedorn, Eva Hänselmann, Bernhard Emunds  und Marianne Heimbach-Steins (2022): Doppelte Personenzentrierung – Leitidee für den Leistungsmix in der häuslichen Versorgung. Frankfurter Arbeitspapiere zur gesellschaftsethischen und sozialwissenschaftlichen Forschung Mr. 80, Frankfurt am Main: Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Juli 2022

Natalie Klauser (2022): Altern in hitzigen Zeiten. Hitze als Herausforderung in der alternden Gesellschaft, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2022
»Die Sommer werden von Jahr zu Jahr immer hitziger. Temperaturen über 30 Grad Celcius machen vielen zu schaffen und seit den 1960er Jahren wurden deutlich mehr Hitzetage registriert. Klimaexpertinnen bzw. -experten warnen vor steigenden Temperaturen durch die Erderwärmung. Gleichzeitig kommt es infolge des demographischen Wandels zu einer fortschreitenden Alterung und Zunahme hitzeempfindlicher Menschen in der Gesellschaft. Welche Herausforderungen birgt das gerade für die alternde Bevölkerung?«

Maximilian Studtrucker et al. (2022): QuBe-Bevölkerungsprojektion für die Kreise und kreisfreien Städte Deutschlands. IAB-Discussion Paper Nr. 19/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat im Rahmen der langfristigen Qualifikations- und Berufsprojektionen (www.QuBe-Projekt.de) eine neue Bevölkerungsprojektion für die Entwicklung bis zum Jahr 2050 erstellt. Erstmals wird neben aktualisierten Bevölkerungskennzahlen auf Bundesebene auch eine Projektion für die 401 Kreise und kreisfreien Städte innerhalb Deutschlands erarbeitet. Die regionale QuBe- Bevölkerungsprojektion hebt sich insbesondere durch die Unterscheidung von Personen mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft von bereits bestehenden Bevölkerungsvorausberechnungen ab. Mit der Unterscheidung hinsichtlich der Herkunft können die erheblichen Unterschiede bei den Geburtenziffern und dem Wanderungsverhalten berücksichtigt werden. Als erste Bevölkerungsvorausberechnung bezieht die Qube-Bevölkerungsprojektion zudem das durch die Corona-Pandemie und den Krieg gegen die Ukraine veränderte Wanderungsgeschehen innerhalb Deutschlands mit ein. Unsere Ergebnisse zeigen, dass neben einer alternden Bevölkerung der Trend hin zu Urbanisierung den Bevölkerungsschwund im ländlichen Raum und vor allem im Osten Deutschlands verstärkt.«

Torsten Lietzmann, and Katrin Hohmeyer (2022): Exits from and returns to welfare benefit receipt in Germany: Cumulative disadvantages or a different kettle of fish? IAB-Discussion Paper 18/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Im Jahr 2005 wurde in Deutschland die integrierte Sozialleistung „Arbeitslosengeld II“ für erwerbsfähige Hilfebedürftige und deren Familien eingeführt. Im Einklang mit internationalen Trends ist das Leistungssystem durch eine breite Definition der Anspruchsberechtigung und einen Schwerpunkt auf der Arbeitsmarktintegration durch Aktivierung gekennzeichnet. Die heterogenen Empfängergruppen umfassen nicht nur Arbeitslose, sondern z.B. auch Geringverdiener, Teilzeitbeschäftigte und größere Familien. Nicht nur die individuelle Aufnahme einer Beschäftigung kann den Ausstieg aus dem Leistungsbezug ermöglichen, sondern auch Veränderungen in der Haushaltszusammensetzung oder im Haushaltseinkommen. Ein beträchtlicher Teil der Ausstiege ist nur vorübergehend, d. h. ehemalige Leistungsbeziehende sind nach kurzer Zeit wieder auf Leistungen angewiesen. Unter Verwendung umfangreicher administrativer Daten und durch Schätzung diskreter Verweildauermodelle analysieren wir die Chancen von nicht erwerbstätigen Leistungsbeziehenden, aus dem Leistungsbezug auszusteigen und unabhängig davon zu bleiben, wobei wir verschiedene Ausstiegswege berücksichtigen. Wir stellen fest, dass beschäftigungsbezogene Ausstiege aus dem Leistungsbezug stabiler sind als andere. Arbeitsmarktressourcen sind vor allem für einen beschäftigungsbezogenen Ausstieg wichtig, schützen ehemalige Leistungsbeziehende aber nicht unbedingt vor einer Rückkehr in den Leistungsbezug. Unter den soziodemografischen Merkmalen zeigen sich kumulative Nachteile für ausländische Staatsangehörige und für die Arbeitsmarktintegration älterer Leistungsempfänger, da sie mit niedrigen Ausstiegs- und hohen Rückkehrwahrscheinlichkeiten verbunden sind. Die Ergebnisse erfordern differenzierte Maßnahmen, die nicht nur auf bestimmte Untergruppen, sondern auch auf unterschiedliche Ausstiegsstrategien abzielen.«

Julia Klein et al. (2022): Arbeitsschutz in Kleinst- und Kleinbetrieben während der Pandemie und in der Zukunft, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Juli 2022

Andreas Jansen (2022): Business as Usual, Karrierebremse oder “Karriere-Killer”. Der Einfluss chronischer Erkrankungen auf den Erwerbs- und Einkommensverlauf. IAQ-Report 2022-07, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), Juli 2022

ZEW (2022): Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf die Wettbewerbsbedingungen. Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission, Mannheim: Leibnitz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Januar 2022

Alpkan Birelma (2022): Trade Unions in Turkey 2022, Istanbul: Friedrich-Ebert-Stiftung, May 2022
»Turkey’s inflation soars to 61 percent as of March 2022. As a reaction, in the first two months of 2022, the country witnessed an unauthorized strike wave. Thousands of mostly non-union workers staged a total of 108 strikes. Union laws in Turkey are far from aligned with ILO conventions. The right to strike was further restricted recently. Since 2016, according to the ITUC, Turkey has been among the ten worst countries for workers. Union density rose from 8% in 2013 to 13% in 2021. This was mainly because of the unionization of workers employed by subcontractors working for public institutions. In the private sector, the density stagnates around 6%.«

Jutta Schmitz-Kießler und Lina Zink (2022): Neues Bürgergeld: Chance gegen verfestigten SGB II-Bezug?, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), August 2022

Laura Schröer et al. (2022): Chancen, Herausforderungen und Potentiale von digital gestützter Weiterbildung in der Altenpflege – Empirische Befunde aus dem Projekt ADAPT. Forschung Aktuell 08/2022, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT)

Gwendolyn Huschik et al. (2022): Gesetzlicher Mindestlohn und Saisonbeschäftigung. Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission, Freiburg/München, 31.01.2022

Tobias Peters (2022): Inflation und mögliche Entlastungswege – Verteilungswirkungen eines Abbaus der „kalten Progression“, Bremen: Arbeitnehmerkammer Bremen, Juli 2022

BMAS (2022): Sozialbudget 2021, Bonn: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juni 2022

Klaus Zok und Christiane Roick (2022): Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern. WIdO-monitor Nr. /2022, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), Juli 2022
»Die Befragung von Müttern drei- bis zwölfjähriger Kinder im Februar/März 2022 hatte zum Ziel, pandemiebedingte Belastungen der Kinder zu erfassen, Subgruppen mit erhöhter Vulnerabilität zu identifizieren und Versorgungsbedarfe zu erheben. Nach Einschätzung der Mütter ist die Mehrheit der Kinder gesundheitlich relativ gut durch die Pandemie gekommen. Eine Verschlechterung der körperlichen Gesundheit ihrer Kinder geben 16 Prozent der Befragten an, Einbußen bei der seelischen Gesundheit 35 Prozent. Überdurchschnittlich häufig betrifft dies Familien mit niedrigem Haushaltseinkommen. Bis zu einem Fünftel der befragten Mütter berichtet von während der Pandemie erstmals aufgetretenen Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder. Hilfe bei der Bewältigung der pandemiebedingten Belastungen erhoffen sich Mütter mit hoher Bildung und hohem Einkommen insbesondere von Sportvereinen, Alleinerziehende vor allem von Schulpsychologen, Schulsozialarbeitern und Erziehungsberatungsstellen.«

Autorengruppe Fachkräftebarometer (2022): Personal und Arbeitsmarkt in Zeiten von Corona. Analysen zum Fachkräftebarometer Frühe Bildung, München: Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, 2022
»Die Corona-Pandemie hat in Deutschland wie global zu nie dagewesenen sozialen und wirtschaftlichen Einschnitten geführt. Auch die institutionelle Kindertagesbetreuung war massiv betroffen: Einrichtungs- und Gruppenschließungen, zahlreiche Schutz- und Hygienemaßnahmen im Alltag sowie Meldungen über Infektionen von Eltern, Kindern und Beschäftigten prägten in den verschiedenen Pandemiewellen das Bildungs- und Betreuungsgeschehen in den Einrichtungen. Inwieweit hat sich die pandemische Lage auf die Entwicklung der Einrichtungs-, Personal- und Kinderzahlen ausgewirkt? In welchem Maße war der seit Jahren angespannte Arbeitsmarkt für Kita-Fachkräfte von der Situation berührt? Zusatzanalysen zum Fachkräftebarometer Frühe Bildung werfen auf Basis der amtlichen Statistik Schlaglichter auf diese Fragen.«

Anne Mensen (2022): Concentration of Hospital Capacities and Patients’ Access to Care. Ruhr Economic Papers #952, Essen: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), June 2022
»The concentration of hospital capacities often involves closures of smaller hospital sites. While advocates of hospital concentrations emphasize increased quality of care and cost savings, some people may feel their health care is at risk. In this paper, I analyze the effect of 18 recent hospital closures in Germany on patients’ driving times and the probability to be hospitalized. Using an event study approach and rich patient-level data, I estimate the effect for individuals that are affected most by the closure, i.e., people for whom the hospital was the nearest one in their surroundings. My results show that the driving time to the nearest hospital increases slightly for the affected residents indicating that concentrations of hospital capacities do not severely jeopardize accessibility. Nevertheless, the probability to be admitted to a hospital decreases for residents who live in areas where a hospital closed, showing that the closure seems to affect patients’ care.«

Rainer Eppel, Ulrike Huemer, Helmut Mahringer, Lukas Schmoigl (2022): Evaluierung der Effektivität und Effizienz von Qualifizierungsförderungen des Arbeitsmarktservice Österreich, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Mai 2022
»Die vorliegende Studie hat eine umfangreiche Evaluierung der Effektivität und Effizienz der vom Arbeitsmarktservice gesetzten Qualifizierungsförderungen für arbeitslose Personen zum Gegenstand. Dabei beleuchtet sie nicht nur Effektunterschiede zwischen zahlreichen Subgruppen von Arbeitslosen, sondern unterscheidet vor allem auch stärker als bisher unterschiedliche Subtypen von Maßnahmen hinsichtlich Trägertyp, Inhalt, Abschlussart, Förderintensität und Zielgruppenorientierung. Die Ergebnisse illustrieren eindrücklich: Kurs ist nicht gleich Kurs. Die vom AMS eingesetzten Qualifizierungsförderungen sind äußerst heterogen zum einen in ihrer Ausgestaltung und zum anderen in ihrer Wirkung. Deshalb bleibt wertvolles Wissen über ihren Einsatz und ihre Wirkung verborgen, wenn beim Fördermonitoring nicht ausreichend differenziert wird. Die Studie zeigt Möglichkeiten auf, die Informationslage zu den umgesetzten Maßnahmen weiter zu verbessern.«
➞ Executive Summary (44 Seiten)

House of Commons, Health and Social Care Committee (2022): Workforce: recruitment, training and retention in health and social care. Third Report of Session 2022–23, London, July 2022
➞ BBC: NHS in England facing worst staffing crisis in history, MPs warn (25.07.2022)

Florian Blank et al. (2022): Unterschiedliche Lebenserwartung, differenzierter Rentenzugang? Soll die gesetzliche Rente unterschiedliche soziodemografische Hintergründe berücksichtigen?, in: IW-Trends, Nr. 2/2022
»Während das gesetzliche Rentenrecht eine für alle Versicherten einheitliche Regelaltersgrenze vorsieht, deuten empirische Befunde auf eine ungleiche Verteilung der Lebenserwartung hin. Je nach Einkommenshöhe, beruflicher Stellung, berufsbedingten gesundheitlichen Belastungen oder dem Geschlecht leben die Bürger unterschiedlich lang. Zu vermuten ist, dass deshalb auch die Rentenbezugsdauer der gesetzlich Versicherten entsprechend variiert. Dies wird in der öffentlichen Debatte vielfach als ungerecht angemahnt, weil daraus regressive Verteilungswirkungen entstehen können, die durch den Anstieg der Regelaltersgrenze bis auf 67 Jahre noch verstärkt werden. Daraus ließe sich die Forderung ableiten, bei der Regelaltersgrenze oder der Handhabung der Abschläge bei vorzeitigem Rentenbezug Differenzierungen einzuführen, die auf die soziodemografischen Hintergründe der Versicherten Bezug nehmen. In unserem Forum diskutieren Dr. Florian Blank (WSI), Prof. Dr. Peter Haan, Dr. Johannes Geyer und Maximilian Schaller (DIW), Dr. Jochen Pimpertz (IW), Dr. Reinhold Thiede (Deutsche Rentenversicherung Bund) und Prof. Dr. Martin Werding (Ruhruniversität Bochum), ob die unterschiedliche Lebenserwartung im gesetzlichen Rentenrecht berücksichtigt werden soll, wie und mit welchen Folgen das gelingen kann und welche alternativen Lösungsansätze denkbar sind, um den unterschiedlichen Erwerbsbiografien und Präferenzen beim Übergang in den Ruhestand Rechnung zu tragen.«

Erik Sparn-Wolf und Jörg Cezanne (2022): Verlierer*innen in einer beflügelten Branche – Der Wandel von Beschäftigungsstrukturen und Arbeitsbedingungen im deutschen Luftverkehr, Darmstadt und Berlin, 21.07.2022

Jan Bruno Gerkens et al. (2022): Unsere Motivation: Menschen vor Profit. Die Tarifauseinandersetzung in den Asklepios-Kliniken in Seese, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juli 2022

Julia Petersen und Marlen Melzer (2022): Belastungs- und Beanspruchungssituation in der ambulanten Pflege, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Juni 2022
»Die Gesunderhaltung ambulant Pflegender und die dafür notwendigen, gut gestalteten Arbeitsbedingungen sind u. a. aufgrund der wachsenden Bedeutung des gesamten Sektors von hohem Stellenwert. Auswertungen der BIBB/BAuA-ETB 2018 und BAuA-AZB 2019 zeigen, dass sich die Beanspruchungssituation von Beschäftigten in der ambulanten Pflege z. B. hinsichtlich der Anzahl von Muskel-Skelett- und psychosomatischen Beschwerden nicht von der Pflegender in stationären Bereichen unterscheidet, das Belastungsspektrum (z. B. Häufigkeit des Erfordernisses, schnell oder unter Vorgabe einer bestimmten Leistung oder Zeit arbeiten zu müssen, Ausgesetzt-Sein von Kälte, Hitze, Nässe, Feuchtigkeit und Zugluft) jedoch deutliche Unterschiede aufweist. Dies macht settingspezifische Maßnahmen in der Arbeitsgestaltung notwendig.«

Enzo Weber und Yasemin Yilmaz (2022): Ausgestaltung von Kurzarbeit bei massenhafter Nutzung. IAB-Forschungsbericht Nr. 10/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2022
»Das Instrument der Kurzarbeit stößt in Krisenzeiten, wie in der vergangenen COVID-19- Pandemie, wegen der außergewöhnlich hohen Fallzahlen und der schwankenden Inanspruchnahme an die Grenzen der Bearbeitbarkeit. Aus diesem Grund werden im vorliegenden Artikel Regelungen zur Ausgestaltung von Kurzarbeit bei massenhafter Nutzung aufgezeigt. Mögliche Ansatzpunkte bieten die Entwicklungen und Reformen ähnlicher Instrumente im europäischen Ausland. Im Zuge der pandemischen Lage wurden in manchen Ländern mit der Feststellung einer force majeure („höhere Gewalt“) die Regelungen der Kurzarbeit vereinfacht. Für Deutschland werden in diesem Beitrag entsprechende Regelungen vorgeschlagen, die in solchen Fällen in Kraft treten könnten. Schließlich wird auch eine darüberhinausgehende Variante eines Lohnkostenzuschusses diskutiert, der sich auf Basis der ausgefallenen Umsätze berechnen würde. Gleichzeitig wird diese Variante von anderen wirtschaftlichen Hilfen abgegrenzt. Die aufgezeigten Möglichkeiten einer Ausgestaltung bei massenhafter Nutzung dienen dazu Kurzarbeit in Ausnahmesituationen zu regeln. Sie sollen das klassische auf individuelle Ansprüche zugeschnittene Kurzarbeitergeld nicht ersetzen. Daher werden auch die Bedingungen aufgezeigt, unter deren eine Rückkehr zum regulären Konzept erfolgen sollte.«

Thorsten Schulten und Johannes Specht (2022): Tarifpolitischer Aufbruch im Gastgewerbe? Analysen zur Tarifpolitik Nr. 91, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2022
»Nach einem weitgehenden tarifpolitischen Stillstand in der Corona-Zeit erlebt das Gastgewerbe vor dem Hintergrund von Arbeitskräftemangel und 12 Euro Mindestlohns nun eine grundlegende Erneuerung der Tariflandschaft.«

Michael Isfort et al. (2022): Pflege-Thermometer 2022. Situation und Versorgung von Menschen in der häuslichen Intensivversorgung in Deutschland, Köln: Deutsches Institut für Pflegeforschung, Juli 2022
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) hat mit dem Pflege-Thermometer 2022 die bislang größte Befragung im Feld der häuslichen Intensivversorgung durchgeführt. Insgesamt wurden Daten von fast 700 Teilnehmenden aus dem Versorgungsbereich erhoben, die nicht selten dauerhaft auf die Unterstützung angewiesen sind. Ermittelt wurden Aspekte der Betreuung, Teilhabe und Lebenswirklichkeit von Menschen mit häuslichem Bedarf an intensivpflegerischer Versorgung sowie die Perspektive von Pflegenden und Einrichtungsleitungen.

Johanna Siebert (2022): Die Übergangenen: Strukturschwach & erfahrungsstark. Gesonderte Aufbereitung der Ergebnisse aus der Befragungsregion Duisburg & Bochum, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022
»Für Menschen in strukturschwachen Regionen sind Kinder- und Altersarmut, Einwanderung und Vermögensungleichheit die größten Probleme – und weniger der Klimawandel. Erkenntnisse für Nordrhein-Westfalen aus einer bundesweiten Studie.«

Arbeitsgruppe Sanktionenrecht der FES (2022): Die Ersatzfreiheitsstrafe – Reform oder Abschaffung? (§43 StGB), Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022
»Der Bundestag sollte aus grundlegenden Gerechtigkeitserwägungen die Abschaffung des § 43 StGB beschließen. Die Ersatzfreiheitsstrafe (EFS) trifft häufig bereits benachteiligte Bevölkerungsgruppen und verschärft soziale Ungleichheit. Zudem wirkt Freiheitsentzug schwerer als eine Geldstrafe. Sofern eine Abschaffung keine Mehrheit findet, sollten Reformen vorgenommen werden, um die Belastung durch die EFS zu reduzieren: Hier bieten sich unter anderem eine Entkriminalisierung bestimmter Straftatbestände, eine Ablaufänderung der Geldstrafenvollstreckung sowie ein neuer Umrechnungsfaktor zwischen Geldstrafe und EFS von 3:1 an. Sowohl im Fall der Abschaffung als auch bei Reform der EFS sollte die Geldstrafenvollstreckung gestärkt und die Voraussetzungen für das Ableisten von Geldstrafen durch gemeinnützige Arbeit deutlich verbessert werden.«

BMAS (2022): Das Bürgergeld kommt. Faktenpapier, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juli 2022

BMAS (2022): Bürgergeld-Gesetz – Überblick über die Regelungen, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juli 2022

Claudia Engelmann (2022): Notunterkünfte für Wohnungslose menschenrechtskonform gestalten. Leitlinien für Mindeststandards in der ordnungsrechtlichen Unterbringung, Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte, Juni 2022
»Wenn Menschen keine Möglichkeit haben, irgendwo unterzukommen und nicht auf der Straße lebe wollen, besteht eine Unterbringungsverpflichtung der Kommunen. Diese sogenannte ordnungsrechtliche Unterbringung betrifft mutmaßlich deutlich über 100.000 Menschen in Deutschland. Sie ist dabei längst keine Notlösung mehr – die Menschen leben dort überwiegend mehrere Monate und Jahre, teils unter menschenunwürdigen Bedingungen. Stellt man die menschenrechtlichen Verpflichtungen des Staates den tatsächlichen Zuständen in der ordnungsrechtlichen Unterbringung gegenüber, wird deutlich: In vielen Unterkünften sind die Grund- und Menschenrechte der Betroffenen – etwa das Recht auf Wohnen, das Recht auf Schutz vor Gewalt oder das Recht auf Familienleben – nicht gewährleistet.«

Holger Seibert, Barbara Schwengler und Doris Wiethölter (2022): Berufsspezifische Lohnunterschiede: In einigen Helferjobs verdienen Fachkräfte mehr als in ihrem erlernten Beruf. IAB-Kurzbericht Nr. 14/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2022

Karl Blum und Sabine Löffert (2022): DKI Krankenhaus-Pool. Umfrage Juli 2022: Gas- und Stromversorgung in den Krankenhäusern, Düsseldorf: Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), 18.07.2022

Deutsches Krankenhausinstitut (2022): Psychiatrie Barometer Umfrage 2021/2022, Düsseldorf, Juli 2022

Margit Ebbinghaus (2022): Pflege? Damit kann ich mich (nicht) sehen lassen … Zum Image von Pflegeberufen und seiner Bedeutung für die Bedeutung des Images für die Berufswahl Jugendlicher. BIBB-Report Nr. 1/2022, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2022
»Pflegekräfte sind rar in Deutschland. Strukturelle Änderungen bei den Ausbildungsgängen sollen daher gemeinsam mit Imagekampagnen dazu beitragen, dass sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Pflege interessieren. Gleichzeitig sind im Zuge der Covid-19-Pandemie neben der Relevanz auch die Schattenseiten von Tätigkeiten in der Pflege verstärkt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich dieser BIBB Report mit der Frage, welches Image Pflegeberufe derzeit bei Jugendlichen haben und was daraus für ihr Interesse an einer Pflegeausbildung folgt. Es zeigt sich, dass die Neigung zu einer Pflegeausbildung größer ist, wenn Pflegekräften solche Imageattribute zuerkannt werden, die für das mit einem Beruf erreichbare soziale Ansehen relevant sind. Das ist insbesondere bei Hauptschülerinnen und -schülern der Fall.«

Bundesverbände der Gesetzlichen Krankenkassen (2022): Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit. Public Health als gesamtgesellschaftliche und ressortübergreifende Aufgabe gestalten. Impulspapier, 01.07.202

Mario Bossler et al. (2022): Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns und Änderungen im Bereich der geringfügigen Beschäftigung. Stellungnahme des IAB zur öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags am 16.5.2022. IAB-Stellungnahme Nr. 5/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2022

Olivier Butkowski, Rosemarie Kay und Olga Suprinovič (2022): Entwicklung der hybriden Selbstständigkeit in Deutschland – Analysen anhand des Taxpayer-Panels 2001-2016, Bonn: Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM), Mai 2022
»Hybrider Selbstständigkeit wird zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Über das wahre Ausmaß und die Besonderheiten dieser Erwerbsform ist allerdings nur wenig bekannt. Diese Studie widmet sich ihr erstmals auf Basis des Taxpayer-Panels. Es zeigt sich, dass es deutlich mehr hybride Selbstständige gibt als bislang, z.B. auf Basis des Mikrozensus, angenommen werden konnte. Ihre Anzahl hat zwischen 2001 und 2016 merklich zugenommen, insbesondere unter Frauen und Älteren. Wenngleich ein Teil dieser Entwicklungen auf die steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen und die Alterung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zurückzuführen ist, hat zugleich auch die Neigung der Erwerbstätigen, diese Erwerbsform zu ergreifen, zugenommen. Dies trifft insbesondere auf Ältere, Verheiratete und Personen mit Kindern zu. Die Anzahl der hybriden Selbstständigen übersteigt im Jahr 2016 erstmals diejenige der ausschließlich selbstständig Tätigen.«

Wido Geis-Thöne (2022): Corona-Babyboom. Nicht überall und voraussichtlich nicht von Dauer, IW-Kurzbericht Nr. 61/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Im Jahr 2021 hat die Zahl der Geburten in Deutschland mit 796.000 den höchsten Wert seit dem Jahr 1997 erreicht. Allerdings hat sich dabei die rückläufige Tendenz im Osten weiter fortgesetzt. Auch stehen sehr hohen Geburtenzahlen im vierten Quartal 2021 besonders niedrige im ersten Quartal 2022 gegenüber.«

Maximilian Priem et al. (2022): Folgen der Inflation treffen untere Mittelschicht besonders: Staatliche Hilfspakete wirken nur begrenzt, in DIW Wochenbericht Nr. 28/2022
»Steigende Preise für Lebensmittel und Energie treffen die Menschen in Deutschland merklich. Haushalte mit geringen Nettoeinkommen spüren den Preisanstieg besonders, da ihr Konsumanteil an den von der Inflation besonders betroffenen Gütern des Grundbedarfs sehr hoch ist. Bei der aktuell prognostizierten Inflation für 2022 belastet die Teuerung das unterste Einkommensdezil mit 5,3 Prozent ihres Nettohaushaltseinkommens, das oberste mit lediglich 1,1 Prozent. Steigt die Inflation stärker als erwartet, drohen weitere Mehrbelastungen. Die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmenpakete entlasten zwar vor allem Haushalte im niedrigsten Einkommensdezil. Dennoch gleichen sie die Mehrbelastung nicht vollständig aus. Zudem lässt sich beobachten, dass Haushalte bereits ab dem zweitniedrigsten Einkommensdezil signifikant belastet bleiben. Vor allem wegen geringer Sparguthaben und wenigen Anpassungsmöglichkeiten ist die untere Mittelschicht besonders von Preissteigerungen betroffen. Weitere Hilfspakete sollten gezielt einkommensschwache Haushalte entlasten. So könnten beispielsweise die Grundsicherung vorzeitig angepasst und die Energiepreispauschale vor allem für die unteren Einkommen erhöht werden.«

Martin Albrecht und Richard Ochmann (2022): Abschätzung des Finanzbedarfs der GKV bis 2025. Pressekonferenz der DAK-Gesundheit Berlin, 12. Juli 2022

Anika Jansen und Paula Risius (2022): Sorgenkind Gastro? Berufswechsel in der Corona-Pandemie. IW-Kurzbericht Nr. 60/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Durch die Lockdowns der Wirtschaft im Zuge der Corona-Pandemie sind in einigen Branchen starke Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt entstanden. Der Bereich Tourismus, Hotel und Gaststätten ist davon besonders betroffen: knapp 216.000 Personen verließen dieses Berufsfeld im Jahr 2020. Viele fanden eine neue Beschäftigung im Verkauf.«

Thomas Druyen et al. (2022): Babyboomer-Generation läuft blind in die Pflege-Katastrophe. Studie identifiziert Jahrhundertproblematik, Essen: opta data Zukunfts-Stiftung, Juli 2022

Harun Sulak et al. (2022): Demografischen Wandel neu entdecken, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Juli 2022
➔ Online-Version

Mara Barschkett et al. (2022): Oma und Opa gefragt? Veränderungen in der Enkelbetreuung – Wohlbefinden von Eltern – Wohlergehen von Kindern, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), 2022
Welchen Beitrag Großeltern zur kindlichen Entwicklung und dem elterlichen Wohlbefinden leisten, untersucht eine Studie des BiB und des DIW Berlin. Hat der Ausbau der Kindertagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren und der Ausbau ganztägiger Betreuungsangebote für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter dazu geführt, dass Großeltern keine große Rolle mehr spielen? Diese Frage ist ein Schwerpunkt der Studie. Ein weiterer Schwerpunkt analysiert die Auswirkungen der Großelternbetreuung auf die nachfolgenden Generationen.

Thomas Nice et al. (2022): Sicher durchs Leben. Wie Systeme der sozialen Sicherung den demografischen Wandel in Subsahara-Afrika beeinflussen, Berlin: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Juni 2022
»Derzeit leben mehr als 1,1 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika. Bis zum Jahr 2050 wird sich die Bevölkerung dort voraussichtlich verdoppeln. Doch schon heute haben die meisten Staaten Probleme, die Menschen ausreichend mit Schulen, Krankenhäusern, Nahrung und sauberem Wasser zu versorgen. Sie sind gefangen in einem Teufelskreis aus Bevölkerungswachstum und Armut. Systeme der sozialen Sicherung wecken Hoffnung. Sie versprechen, die Bedürftigsten aus der Armut zu heben, Fortschritte in Sachen Ernährung, Gesundheit und Bildung zu beschleunigen und indirekt die Geburtenrate zu senken. Das Berlin-Institut hat erstmals unter die Lupe genommen, wie sich Maßnahmen der sozialen Sicherung auf die Bevölkerungsentwicklung in ausgewählten Ländern Subsahara-Afrikas wie Tansania, Sambia und Malawi auswirken. Welches Potenzial haben Sozialtransfers, Krankenversicherungen oder die Rente? Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Mädchen, deren Familien Geldtransfers erhalten, länger die Schule besuchen und später schwanger werden. Kostenlose Schulspeisungen bewirken, dass die Kinder regelmäßiger zum Unterricht gehen und besser lernen. Und Menschen, die im Alter eine Rente erhalten, sind weniger auf die Unterstützung ihres Nachwuchses angewiesen und entscheiden sich deshalb häufiger für kleinere Familien.«

Fabian Gülzau et al. (2022): Flüchtlinge als Neubürgerinnen und Neubürger. Das Potenzial der nächsten Jahre. SVR-Policy Brief 2022-2, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Juni 2022
»Immer mehr Menschen, die 2015/16 nach Deutschland geflohen und mittlerweile gut integriert sind, erfüllen die Voraussetzungen und lassen sich einbürgern. So erhielten im 2021 bundesweit 19.100 syrische Staatsangehörige den deutschen Pass – fast dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat der wissenschaftliche Stab des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR) Projektionen des Einbürgerungsaufkommens für die nächsten Jahre entwickelt. Demnach sind insbesondere bis 2024 erhebliche Steigerungsraten bei den Einbürgerungen von Syrerinnen und Syrern zu erwarten – vorausgesetzt, die Behörden können entsprechend hohe Antragszahlen ohne massive Verzögerungen bewältigen. Im Policy Brief diskutieren die Autoren konkrete Prognosen und benennen Handlungsnotwendigkeiten, um einen ‚Einbürgerungsstau‘ zu vermeiden und potenzielle Neubürgerinnen und Neubürger nicht durch zu lange Wartezeiten zu enttäuschen. Zentral ist dabei eine personelle Aufstockung in den Einbürgerungsbehörden. Auch eine weitere Digitalisierung bietet Möglichkeiten, dem steigenden Einbürgerungsinteresse gerecht zu werden.«

Karoline Popp (2022): Neue Diaspora? Engagement und transnationale Netzwerke der afghanischen und syrischen Communities in Deutschland. SVR-Policy Brief 2022-1, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Juni 2022
»Die Zahl der in Deutschland lebenden Menschen aus Afghanistan und Syrien ist im vergangenen Jahrzehnt infolge der Fluchtmigration stark gestiegen. Die Communities sind jung und heterogen, und ihre Mitglieder werden größtenteils dauerhaft in Deutschland bleiben. Mit ihnen sind neue Diaspora-Organisationen entstanden, die sich humanitär oder gesellschaftspolitisch für das jeweilige Herkunftsland bzw. ihre Communities in Deutschland engagieren. Der Policy Brief fasst aktuelle Zahlen und Fakten zur afghanistan- und syrienstämmigen Bevölkerung in Deutschland zusammen und präsentiert auf der Basis von zwei wissenschaftlichen Expertisen erste Befunde zu den Strukturen und Tätigkeitsfeldern der Diaspora-Organisationen. Die Publikation ist Teil eines breit angelegten Forschungsprojekts. In dessen Rahmen analysiert der wissenschaftliche Stab des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR), wie das zivilgesellschaftliche und transnationale Engagement der afghanischen und syrischen Communities in Deutschland zu verstehen ist und welche gesellschaftspolitischen Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben.«

Wolfgang Schroeder et al. (2022): (Nicht)Inanspruchnahme des tariflich fixierten Altersversorgungsbeitrags im Einzelhandel. Individuelle und strukturelle Konstellationen, Kassel: Universität Kassel, April 2022
»Das Forschungsvorhaben möchte am Beispiel des Einzelhandels untersuchen, wie und unter welchen Bedingungen tariflich zugesicherte, arbeitgebergetragene Altersvorsorgeleistungen von Arbeitnehmer*innen in Anspruch genommen werden. Hintergrund dieses Forschungsprojekts ist die nach gewerkschaftlichen Angaben geringe Inanspruchnahme, bei der die Mehrheit der Beschäftigten diese Arbeitgeberleistungen verfallen lässt. Die 2001 durch Umwidmung der Vermögenswirksamen Leistungen und geringere Entgeltsteigerungen erkaufte tariflich vereinbarte Leistung sieht eine jährliche Arbeitgeberzusage über 300 Euro (für vollzeitbeschäftigte Angestellte) vor. Voraussetzung dafür ist, dass die Beschäftigten einen entsprechenden Antrag stellen.«

Alberto Lozano Alcántara et al. (2022): Entwicklung der Wohnkostenbelastung im Alter – Risikofaktor für finanzielle Überbelastung und Altersarmut?, Berlin: Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), April 2022

Fabian Stephany, F. and Rosemary Luckin (2022): Is the workforce ready for the jobs of the future? Data-informed skills and training foresight. Working Paper 07/2022, Brussels: Bruegel, May 2022
»For many newly emerging jobs, labour-market mismatches prevail as workers and firms are unable to apply precise occupation taxonomies and training lags behind workforce needs. We report on how data can enable useful foresight about skill requirements and training needs, even when that data has not been collected for this express purpose. First, we show how online generated freelance data can help monitor labour-market developments in the short run. Second, in the long run, we illustrate how data can shed light on development of workplace-ready aptitudes among students, even when these are not the direct focus of instruction. This combination of data-intensive activities can inform the immediate and long-term needs for education and training in order to help individuals develop the ability to learn, train and retrain as often and as much as needed.«

Techniker Krankenkasse (Hrsg.) (2022): Gesundheitsreport 2022 – Zwei Jahre Coronapandemie: Wie geht es Deutschlands Beschäftigten? Teil 2, Hamburg, Juli 2022

Kathrin Bock-Famulla, Antje Girndt, Tim Vetter und Ben Kriechel (2022): Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2022, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2022
➔ Mehr als 100.000 Fachkräfte fehlen für guten Ganztag für Grundschulkinder bis 2030 (05.07.2022): »Die Bundesländer sind sehr unterschiedlich darauf vorbereitet, den Rechtsanspruch zur ganztägigen Förderung von Kindern im Grundschulalter umzusetzen. Neue Berechnungen zeigen, dass die ostdeutschen Länder bis 2030 jedem Kind einen Ganztagsplatz bieten können und sich daher auf Qualitätsverbesserungen konzentrieren sollten. Im Westen müssen mehr als eine Million Plätze geschaffen werden, um den Rechtsanspruch flächendeckend zu erfüllen.«

Erik-Benjamin Börschlein et al. (2022): Mindestlohnerhöhung im Oktober 2022: 12 Euro Mindestlohn betreffen mehr als jeden fünften Job. IAB-Kurzbericht Nr. 12/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland soll gemäß Koalitionsbeschluss im Oktober 2022 auf 12 Euro steigen. Das Autorenteam untersucht, wie viele und welche bestehenden Beschäftigungsverhältnisse sowie Neueinstellungen im Jahr 2021 unterhalb von 12 Euro entlohnt wurden und damit von der beschlossenen Mindestlohnerhöhung betroffen sein dürften. Schätzungen zufolge lag der Bruttostundenlohn 2021 insgesamt bei mehr als jedem fünften Beschäftigungsverhältnis unter 12 Euro. Dabei spielt die Mindestlohnerhöhung insbesondere für Teilzeit- und Minijobs eine große Rolle. So wären 2021 hochgerechnet mehr als sieben von zehn Minijobs von der Mindestlohnerhöhung betroffen gewesen, bei den sozialversicherungspflichtigen Teil- und Vollzeitjobs waren es 24 und 9 Prozent. Deutliche Unterschiede in der Betroffenheit gibt es auch zwischen den Wirtschaftszweigen. Zudem sind Neueinstellungen deutlich häufiger betroffen als bestehende sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse.«

Irene Becker, Tanja Schmidt und Verena Tobsch (2022): Wohlstand, Armut und Reichtum neu ermittelt. Materielle Teilhabe aus mehrdimensionaler Perspektive – Bericht zum ersten Modul des Projekts „Materielle Teilhabe im Lebensverlauf“, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2022

Klaus Jacobs et al. (Hrsg.) (2022): Pflege-Report 2022. Spezielle Versorgungslagen in der Langzeitpflege, Berlin 2022

Susann Behrendt et al. (2022): Die Versorgung von Pflegeheimbewohnenden am Lebensende aus Sicht der Pflege. Eine Befragung in deutschen Pflegeheimen, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WldO), Juli 2022

Britta Lüdeke, Holger Seibert und Doris Wiethölter (2022): Beschäftigungsverläufe und Branchenwechsel im Gastgewerbe vor und in der Corona-Krise in Berlin. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Berlin-Brandenburg Nr. 02/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Branchenwechsel von Beschäftigten sind meist in jenen Wirtschaftszweigen hoch, in denen auch ‚Quereinstiege‘ ohne fachspezifische Kenntnisse möglich sind und zudem eine saisonbedingt schwankende Arbeitskräftenachfrage besteht. Das Gastgewerbe (Gastronomie und Beherbergung) ist eine Branche, in der die Personalfluktuation schon vor der Pandemie deutlich höher lag als in anderen Branchen. Während der Corona-Krise übersteigt die Zahl der Abgänge aus dieser Branche die der Zugänge jedoch nennenswert. Als pandemiebedingte Ausweichbranchen für ehemalige Beschäftigte in der Gastronomie und der Beherbergung erweisen sich insbesondere der Einzelhandel und mit einigem Abstand auch Post- und Kurierdienste. Wie zuvor wechseln auch während der Pandemie noch viele Beschäftigte aus der Beherbergung in die Gastronomie. Auffällig ist, dass in der Gruppe der Minijobber der coronabedingte Beschäftigungsrückgang deutlich höher ausfällt als bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und dies insbesondere in der Gastronomie.«

Holger Bonin et al. (2022): Selbstständige Erwerbstätigkeit in Deutschland (Aktualisierung 2022). BMAS Forschungsbericht 601, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 2022

Elke Ahlers und Valeria Quispe Villalobos (2022): Fachkräftemangel in Deutschland? Befunde der WSI-Betriebs- und Personalrätebefragung 2021/22. WSI-Report Nr. 76, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2022
Der Fachkräftemangel ist in vielen Betrieben spürbar: 56 Prozent der vom WSI befragten Betriebs- und Personalräte berichten, dass es in ihren Betrieben schwierig ist, offene Stellen zu besetzen. Meist fehlen geeignete Bewerber – aber oft liegt es auch an zu unattraktiven Arbeitsbedingungen.

Ralph Henger und Maximilian Stockhausen (2022): Gefahr der Energiearmut wächst. IW-Kurzbericht Nr. 55/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Galoppierende Energiepreise setzen private Haushalte zunehmend unter finanziellen Druck. Hierdurch steigt die Gefahr von Energiearmut, die insbesondere Haushalte betrifft, die mehr als 10 % ihres Haushaltsnettoeinkommens für Heizen, Warmwasser und Strom ausgeben. Neue Berechnungen zeigen, dass der Anteil der energiearmutsgefährdeten Haushalte, ohne Berücksichtigung staatlicher Hilfspakete, von 14,5 % im Jahr 2021 auf 25,2 % im Mai 2022 gestiegen ist. Aus diesem Grund sind die Maßnahmen der Bundesregierung in Form der Abschaffung der EEG-Umlage, der Energiepreispauschale und des Heizkostenzuschusses für Haushalte mit geringen Einkommen besonders wichtig.«

Mario Bossler et al. (2022): Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf Betriebe und Unternehmen. Studie im Auftrag der Mindestlohnkommission. IAB-Forschungsbericht Nr. 9/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

BfArM (2022): Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch zur Verschreibung und Anwendung von Cannabisarzneimitteln, Bonn: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), 2022

Carsten Braband et al. (2022): Die ungleichen Auswirkungen auf Beschäftigte im ersten Pandemiejahr, Berlin: Bertelsmann Stiftung, Juni 2022
»Die Corona-Pandemie hat eine der schwersten Wirtschaftskrisen zu Friedenszeiten ausgelöst. Eine Analyse für das erste Krisenjahr zeigt, dass die umfassende Ausweitung der Kurzarbeit größere Beschäftigungsverluste verhindern konnte. Niedrigeinkommensbezieher, Beschäftigte in Minijobs und Selbstständige waren jedoch stärker als andere Gruppen von den Auswirkungen der Krise betroffen, sowie Frauen eher als Männer. Die Nettoeinkommen blieben im Schnitt stabil, speziell für Beschäftigte mit niedrigen und mittleren Einkommen.«

Elena Cramer, Peter Enste und Jenny Wielga (2022): Herausforderungen für die Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen am Beispiel des südöstlichen Hochsauerlandes, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen, Juni 2022

Paritätischer Gesamtverband (2022): Zwischen Pandemie und Inflation. Paritätischer Armutsbericht 2022, Berlin, Juni 2022
Laut Paritätischem Armutsbericht 2022 hat die Armut in Deutschland mit einer Armutsquote von 16,6 Prozent im zweiten Pandemie-Jahr (2021) einen traurigen neuen Höchststand erreicht. 13,8 Millionen Menschen müssen demnach hierzulande derzeit zu den Armen gerechnet werden, 600.000 mehr als vor der Pandemie. Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet angesichts der aktuellen Inflation mit einer weiteren Verschärfung der Lage und appelliert an die Bundesregierung, umgehend ein weiteres Entlastungspaket auf den Weg zu bringen, das bei den fürsorgerischen Maßnahmen ansetzt: Grundsicherung, Wohngeld und BAföG seien bedarfsgerecht anzuheben und deutlich auszuweiten, um zielgerichtet und wirksam Hilfe für einkommensarme Haushalte zu gewährleisten. Während 2020 noch die verschiedenen Schutzschilde und Sofortmaßnahmen der Bundesregierung und der Länder dafür sorgten, dass die Armut trotz des wirtschaftlichen Einbruchs und des rapiden Anstiegs der Arbeitslosigkeit nur relativ moderat anstieg, seien die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie 2021 offenbar voll auf die Armutsentwicklung durchgeschlagen, so die Ergebnisse der Studie. Auffallend sei ein ungewöhnlicher Zuwachs der Armut unter Erwerbstätigen, insbesondere Selbständiger (von 9 auf 13,1 Prozent), die während der Pandemie in großer Zahl finanzielle Einbußen zu erleiden hatten. Armutshöchststände verzeichnen auch Rentner (17,9 Prozent) sowie Kinder und Jugendliche (20,8 Prozent).

Jannek Mühlhan (2022): The ‘German job miracle’ and its impact on income inequality: a decomposition study. IAB-Discussion Paper 16/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»In den letzten 15 Jahren vor Beginn der COVID-19-Krise hat Deutschland einen starken und kontinuierlichen Anstieg der Beschäftigung erlebt – das sogenannte „deutsche Jobwunder“. Zeitgleich verblieb die Ungleichheit der verfügbaren Haushaltseinkommen, nach einer kurzen Phase deutlichen Anstiegs, relativ konstant. Diese Studie untersucht die Auswirkungen von Beschäftigungsänderungen auf die Ungleichheit des verfügbaren Einkommens zwischen 2004 und 2015 und gibt eine Antwort auf die Frage, warum die Ungleichheit trotz des deutlichen Beschäftigungswachstums konstant blieb. Es wird analysiert, welche Auswirkungen Änderungen im Arbeitsangebot in Folge von Reformen in der Steuer- und Transferpolitik, Veränderungen in der Lohnstruktur und Änderungen in den Präferenzen hinsichtlich Freizeit und Konsum haben. Außerdem werden die Effekte des Abbaus von Arbeitsmarktbeschränkungen für die Ungleichheit des verfügbaren Einkommens ermittelt. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Ungleichheit verfügbarer Einkommen aufgrund der sich ändernden Bevölkerungsstruktur weiter zugenommen hätte, das Beschäftigungswachstum und politische Veränderungen diese Entwicklung jedoch fast vollständig ausgleichen konnten. Die Ergebnisse zeigen, dass der Beschäftigungsanstieg aufgrund des Abbaus von Arbeitsmarkteinschränkungen für die Reduktion der Ungleichheit wichtiger war als Änderungen im Arbeitsangebot.«

Gabriele Wydra-Somaggio (2022): Leistungsbezug im Saarland – Entwicklung, Struktur und Bewegungen im Leistungsbezug vor und während der Corona-Pandemie. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Rheinland-Pfalz-Saarland, 02/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Lea Elsässer, Armin Schäfer und Jonas Wenker (2022): Ungleiche Demokratien: wer geht (nicht) wählen? Die Entwicklung der Wahlbeteiligung im OSZE-Raum seit 1970, Wien: FES Regionalbüro für Internationale Zusammenarbeit, Juni 2022

Clément Carbonnier und Bruno Palier (2022): Macrons Sozialpolitik. Eine Bilanz seiner ersten Amtsperiode, Paris: Fondation Friedrich-Ebert, Juni 2022

IRS – Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (2022): Orte der Ankunft – Großwohnsiedlungen in Ostdeutschland, IRS AKTUELL 98, Juni 2022
In dieser Ausgabe geht es um die industriell errichteten Großwohnsiedlungen ostdeutscher Städte und ihrem bemerkenswerten Rollenwandel: von attraktiven, modernen Wohngebieten zu medial stigmatisierten Orten des Wegzugs und von dort zu neuen Ankunftsorten der Migration. Im besagten Verbundprojekt „StadtumMig – Vom Stadtumbauschwerpunkt zum Einwandererquartier? Neue Perspektiven für periphere Großwohnsiedlungen“ hat das IRS gemeinsam mit Partnereinrichtungen in der Region die Hintergründe und praktischen Herausforderungen dieses Wandels erforscht. Beiträge in diesem Heft geben u. a. Auskunft über den Wandel der kommunalen Integrationsarbeit, über die Rolle der Wohnungswirtschaft und Anforderungen an die Freiraumplanung.

Deutscher Pflegerat. Bundesarbeitsgemeinschaft Pflege- und Hebammenwesen (2022): Handlungsempfehlungen zur „Vorbereitung auf eine weitere SARS-CoV-2-Welle im Herbst 2022 in der Pflege und im Hebammenwesen“. Erste Stellungnahme des Expert:innenrats „Pflegewissenschaft/Hebammenwissenschaft und Pandemie“, Deutscher Pflegerat (DPR), Berlin, 23.6.2022

Stefan Rief, Josephine Hofmann und Wilhelm Bauer (Hrsg.) (2022): Connected Work Innovation Hub. Erkenntnisse, Ideen und Konzepte für die erfolgreiche Gestaltung einer hybriden Arbeitswelt, Stuttgart: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), 2022

Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2022): Bildung in Deutschland 2022. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zum Bildungspersonal, Bielefeld 2022

Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bundeskanzleramt, Statistisches Bundesamt (2022): Evaluierung der Flexirente. Untersuchung zu Inanspruchnahme, Wirksamkeit und bürokratischen Belastungen der Maßnahmen des Flexirentengesetzes, Berlin, Wiesbaden, April 2022

Lydia Malin und Helen Hickmann (2022): Fachkräftemangel und Ausbildung im Handwerk, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, Juni 2022
Der Fachkräftemangel im Handwerk nimmt weiter zu. Fehlten im Jahr 2020 etwa 65.000 Handwerkerinnen und Handwerker bundesweit, waren es im Jahr 2021 durchschnittlich gut 87.000. Somit war der Handwerkermangel im Jahr 2021 wieder deutlich größer als im Corona-Jahr 2020 und auch deutlich höher als noch vor zehn Jahren.

Deutscher Sozialgerichtstag (2022): Reformempfehlungen für ein robustes und menschliches Gesundheitswesen. Positionspapier des Deutschen Sozialgerichtstages (DSGT) zur Krankenhausstrukturreform, Potsdam: Deutscher Sozialgerichtstag, Juni 2022

Hartmut Hirsch-Kreinsen (2022): Soziale Dynamik der Künstlichen Intelligenz, Dortmund: Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs), 2022
»Die Fragestellung des Beitrages ist, wie das Auf und Ab der Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) von ihrem Anbeginn an zu erklären ist. Dabei richtet sich der Fokus auf die Entwicklung der KI in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren, besonders auf ihre gegenwärtige Dynamik. Es wird davon ausgegangen, dass die schnellen Fortschritte der Informationstechnologien und der verschiedenen Methoden und Konzepte der KI der letzten Jahrzehnte allein diese Dynamik nicht zureichend erklären können. Denn aus sozialwissenschaftlicher Sicht handelt es sich dabei um eine verkürzte technikzentrierte Erklärung. Die These ist vielmehr, dass die KI als „Promising Technology“ zu verstehen ist und in ihren verschiedenen Entwicklungsphasen stets erneut von Technologieversprechen über ihre besondere Leistungsfähigkeit und Problemlösungsfähigkeiten für ökonomische und gesellschaftliche Herausforderungen getrieben wird.«

infas (2022): Abschlussbericht Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung, Bonn: infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft, 2022
»Die „Repräsentativbefragung zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen“ (kurz: Teilhabebefragung) untersucht die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in unterschiedlichen Lebensbereichen. Im empirischen Vergleich zu Menschen ohne Beeinträchtigung erschließen sich Besonderheiten und spezifische Probleme der Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen. Die Teilhabebefragung erfasst sowohl Personen in Privathaushalten als auch Bewohnerinnen und Bewohner in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderungen sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen. Der Abschlussbericht legt dazu sein empirisch orientiertes Konzept zur Messung von Beeinträchtigung und Behinderung unter der Prämisse internationaler Vergleichbarkeit dar. Auf dieser Grundlage stellt der Bericht zentrale Ergebnisse der umfangreichen Befragungen von Menschen mit und ohne Behinderungen vor.«

Eurofound (2022): Minimum wages in 2022: Annual review, Luxembourg 2022

Bundesbank (2022): Rentenversicherung: Langfristszenarien und Reformoptionen, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Juni 2022

Christoph Gwosć und Gregor van der Beek (2022): Krisenbewältigung beim Bafög durch einen Systemwechsel?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2022
»Öffentliche Studienfinanzierung kann entweder nach dem Fürsorge- oder dem Versorgungsprinzip gestaltet werden. In einem empirischen Vergleich werden zwei Gruppen von europäischen Ländern gegenübergestellt, die jeweils einem dieser Prinzipien folgen. Es zeigt sich, dass Länder, die das Versorgungsprinzip anwenden, im Durchschnitt einen deutlich größeren Teil ihrer Studierenden mit öffentlicher Unterstützung versorgen und die öffentliche Unterstützung einen größeren Anteil an den Gesamteinnahmen der Empfänger:innen ausmacht. Die Studierenden in diesen Ländern berichten seltener über (sehr) große finanzielle Schwierigkeiten. In Bezug auf die Teilhabegerechtigkeit schneiden die Länder, die das Versorgungsprinzip anwenden, jedoch geringfügig schlechter ab als die Länder der Vergleichsgruppe.«

BMFSFJ (2022): Familienleben und Familienpolitik in Ost- und Westdeutschland. Monitor Familienforschung. Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik. Ausgabe 44, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Juni 2022

Thomas Klein, Daniel Klocke und Monika Schlachter (2022): Standort- und Beschäftigungssicherung in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. HSI-Schriftenreihe Band 43, Frankfurt am Main 2022

Thorsten Schulten, Reinhard Bispinck und Malte Lübker (2022): Tarifverträge und Tarifflucht in Nordrhein-Westfalen. WSI Study Nr. 30, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2022
»In Nordrhein-Westfalen arbeiten im Jahr 2020 noch 57 Prozent aller Beschäftigten in einem Unternehmen mit Tarifvertrag. Auch im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland ist die Tarifbindung in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Dies hat zu einer deutlichen Schlechterstellung bei den Arbeitsbedingungen geführt. So müssen Beschäftigte in tariflosen Unternehmen im Durchschnitt länger arbeiten und werden – auch für die gleiche Arbeit – schlechter bezahlt. Um die Tarifbindung wieder zu stärken, müssen alle relevanten Akteure ihren Beitrag leisten. Die Gewerkschaften müssen ihre eigene Organisationsmacht ausbauen, die Arbeitgeberverbände sind gefordert, die Tarifflucht über die OT-Mitgliedschaften zu beenden, und der Staat muss sein ökonomisches Steuerungspotenzial nutzen und bei öffentlichen Aufträgen und regionaler Wirtschaftsförderung wirksame Tariftreueregelungen erlassen.«

Daniel Seikel (2022): Europäische Integration, Machtressourcen und soziale Klassen. Ein Vorschlag für eine politökonomische Erweiterung des Europäisierungsansatzes. WSI Working Paper Nr. 213, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juni 2022
»Die Europäisierungsforschung widmet sich der Erforschung der Rückwirkungen der europäischen Integration auf die EU-Mitgliedstaaten. Trotz der Bedeutung von Kapital und Arbeit und ihren Organisationen für die politischen Ökonomien der EU-Mitgliedstaaten hat die Europäisierungsliteratur den Auswirkungen der Integration auf das Kräfteverhältnis zwischen diesen Gruppen bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dieser Beitrag geht daher der Frage nach, wie sich die europäische Integration auf die gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit auswirkt. Um die Klassenblindheit der Europäisierungsforschung zu beheben, schlägt der Artikel vor, den Europäisierungsansatz um eine machtressourcentheoretische Perspektive zu erweitern. Anhand von zwei Beispielen – Europäisierung durch Richterrecht und Europäisierung durch Währungsintegration – zeigt der Beitrag, wie in diesen Integrationsfeldern die Verteilung von Machtressourcen zwischen Kapital und Arbeit beeinflusst und die strukturelle, organisatorische und institutionelle Macht der Lohnabhängigen geschwächt wird.«

Christoph Metzler et al. (2022): Modernisierung der industriellen M+E-Ausbildung im digitalen Wandel, IW-Kurzbericht Nr. 51/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2022
»Die digital getriebene Transformation verändert die Produktionsstrukturen in der Metall- und Elektroindustrie. Damit Fachkräfte diese meistern können, benötigen sie neue Kompetenzen. Viele Unternehmen haben bereits reagiert und ihre Ausbildung mit neuen Inhalten modernisiert. Der eingeschlagene Weg zur digitalen Modernisierung sollte konsequent weitergeführt werden.«

➔ Matthias Becker et al. (2022): Evaluation der modernisierten M+E-Berufe. Herausforderungen der digitalisierten Arbeitswelt und Umsetzung in der Berufsbildung. EVA-M+E-Studie 2022, Bremen, Hannover, Köln, Schwäbisch-Gmünd

Paula Risius (2022): Erfolgsfaktoren für mehr Digitalisierung in der Ausbildung. Studie 1/2022 im Rahmen des Projektes Netzwerk Q4.0, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, 2022
»Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung verändern sich auch die Tätigkeits- und Berufsprofile. Allein zwischen 2016 und 2019 sind Studien zufolge zu den bislang bereits vorhandenen 8.000 unterscheidbaren beruflichen Tätigkeiten 200 neue hinzugekommen.

Wolfgang Schroeder et al. (2022): Sozialstandards im Mobilitätsgewerbe. Expertise (Stand: Dezember 2021). Forschungsbericht 599, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Juni 2022
»Die Märkte für Mobilitätsdienstleistungen in Deutschlandbefinden sich, nicht zuletzt durch neue Anbieter mit digitalen Geschäftsmodellen, erheblich im Wandel. Wie angesichts dessen Sozialstandards gesichert und im Sinne eines fairen Wettbewerbs gestaltet werden können, untersucht diese Expertise für die Gelegenheitsverkehre der Personenbeförderung sowie für den Öffentlichen Personennahverkehr. Ausgehend von einer Darstellung der aktuellen Wettbewerbslage und der herrschenden Beschäftigungsbedingungen in diesen Bereichen unterzieht sie die rechtlichen Handlungsmöglichkeiten einer juristischen Bewertung und zeigt gangbare Wege einer rechtlichen Weiterentwicklung auf, um einem Absinken der Sozialstandards für abhängig Beschäftigte und soloselbstständig Erwerbstätige im deutschen Mobilitätsgewerbe zu begegnen.«

Thomas Kemper et al. (2022): Kita-Bericht 2022 des Paritätischen Gesamtverbandes, Berlin: Der Paritätische Gesamtverband, Juni 2022
»Der Kita-Bericht 2022 des Paritätischen Gesamtverbandes gibt detaillierte Einblicke zum Stand der Qualitätsentwicklung und der praktischen Umsetzung des so genannten Gute-Kita-Gesetzes. Grundlage für den Bericht ist eine Umfrage unter Kindertageseinrichtungen, die gemeinsam mit Wissenschaftler*innen der Universität Osnabrück durchgeführt und ausgewertet wurde. Defizite wurden in allen Handlungsfeldern der frühen Bildung, Erziehung und Betreuung festgestellt. Besonders auffällig waren die großen sozialräumlichen Unterschiede. Kindertageseinrichtungen in benachteiligten Sozialräumen benötigen demzufolge eine deutlich bessere Unterstützung.«

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband (2022): Vorfahrt für Gemeinnützigkeit, Berlin 2022

BPtK (2022): Cannabis legalisieren, Alkohol verteuern, Hilfsangebote ausbauen – Drogen- und Suchtpolitik in Deutschland neu ausrichten, Berlin: Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), 09.06.2022

DIP (2022): Die erweiterte pflegerische Versorgungspraxis. Abschlussbericht der begleitenden Reflexion zum Förderprogramm „360° Pflege – Qualifikationsmix für Patient:innen – in der Praxis“. Im Auftrag der Robert Bosch Stiftung, Köln: Deutsches Institut für Pflegeforschung (DIP), Mai 2022

Michael Meng, Miriam Peters und Lena Dorin (2022): Erste Sondererhebung des BIBB- Pflegepanels. Ein aktueller Überblick zu berufsqualifizierenden Pflegestudiengängen, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, Mai 2022
»Die Akademisierung der Pflegeberufe in Deutschland steht im besonderen politischen und wissenschaftlichen Fokus. Insgesamt befindet sich das Gesundheitssystem in einem Reformationsprozess. Zur Akademisierung des Pflegeberufs nach Pflegeberufegesetz liegen keine amtlichen Statistiken vor, weshalb eine Sondererhebung des BIBB-Pflegepanels zur aktuellen Situation der Hochschulen durchgeführt wurde. Die hier vorgestellte Studie stellt eine Vollerhebung von Hochschulen mit primärqualifizierenden Studiengängen und eine annähernde Vollerhebung der Hochschulen mit anderen dualen Studiengangsformaten mit dem Berufsabschluss zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann und wenigen additiven Studiengangsformaten dar. Dieser Befund untermauert die im Koalitionsvertrag angekündigte Maßnahme: „Die akademische Pflegeausbildung stärken wir gemeinsam mit den Ländern. Dort, wo Pflegefachkräfte in Ausbildung oder Studium bisher keine Ausbildungsvergütung erhalten, schließen wir Regelungslücken.«

Christoph Schroeder, Dorotheé Steinbock, Miguel Rezzani und Cosima Lemke-Ghafir (2022): Für eine Reform der „Integrationskurse mit Alphabetisierung“, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Morten Lassen, Martin Ehlert, Ari-Matti Näätänen, and Anna Hagen Tønder (2022): Further Education and Training in Denmark, Germany, Finland, and Norway, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Anett Friedrich, Daniela Rohrbach-Schmidt und Nicolas Sander (2022): Das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, Mai 2022
»Eine berufliche Ausbildung ist in Deutschland für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt zentral. Einzelne Ausbildungsberufe unterscheiden sich sowohl in berufsfachlicher Hinsicht als auch im Niveau der kognitiven Anforderungen. Während berufsfachliche Unterschiede mit der Klassifikation der Berufe 2010 gut empirisch untersuchbar sind, lassen sich Unterschiede im kognitiven Anforderungsniveau für die meisten Ausbildungsberufe bislang empirisch nicht gut abbilden. Der Beitrag untersucht vor diesem Hintergrund ein bislang in der quantitativen empirischen (Berufs-)Bildungs- und Arbeitsmarktforschung nicht genutztes Maß des Berufspsychologischen Services (BPS) der Bundesagentur für Arbeit (BA) für das kognitive Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen. Die Datengrundlage umfasst 226 vollqualifizierende duale und schulische Ausbildungsberufe. Der Beitrag präsentiert Ergebnisse zur Verteilung dieses Anforderungsniveaus über diese 226 Ausbildungsberufe sowie erste Analysen zur Konstrukt- und Kriteriumsvalidität des Maßes. Die Ergebnisse zeigen die Heterogenität im Anforderungsniveau von Ausbildungsberufen und weisen auf eine zufriedenstellende Validität des Indikators hin. In zukünftigen Untersuchungen kann diese Heterogenität für Fragestellungen der (Berufs-)Bildungs- und Arbeitsmarktforschung weiter fruchtbar gemacht werden.«

Veronika Knize, Markus Wolf und Joachim Wolff (2022): Zum Sanktionsmoratorium der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Stellungnahme des IAB zur öffentlichen Anhörung im Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestags am 16.5.2022

Wissenschaftsrat (2022): HQGplus-Studie zu Hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitssystem – Update. Quantitative und qualitative Erhebungen der Situation in Studium, Lehre, Forschung und Versorgung, Köln: Geschäftsstelle des Wissenschaftsrats, 2022
»Zehn Jahre nach den „Empfehlungen zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen“ des Wissenschaftsrats fasst die „HQGplus-Studie zu Hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitssystem – Update“ erstmals die Situation der hochschulischen Qualifizierung von Gesundheitsfachpersonen in Deutschland quantitativ und qualitativ zusammen.«
➔ Heterogene Dynamik der hochschulischen Qualifizierung für Gesundheitsfachkräfte (31.05.2022)

Arthur Kaboth, Marcel Lück und Lena Hünefeld (2022): Einfacharbeit und Arbeitsbedingungen – Auswirkung unterschiedlicher Operationalisierungen, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2022
»Bei der Erforschung der Einfacharbeit wird eine Vielzahl verschiedener Operationalisierungen verwendet, die zu unterschiedlichen Befunden führen können. Auswertungen der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 können die Differenzen zwischen den Operationalisierungen bestätigen. Dies betrifft sowohl die Anteile der Einfacharbeit an abhängiger Beschäftigung als auch die Soziodemografie, die Beschäftigungsmerkmale und die Arbeitsbedingungen. Zukünftige Forschung sollte die Wahl der Operationalisierung berücksichtigen und die psychischen Arbeitsanforderungen in der Einfacharbeit näher beleuchten.«

Markus M. Grabka (2022): Löhne, Renten und Haushaltseinkommen sind in den vergangenen 25 Jahren real gestiegen, in: DIW Wochenbericht Nr. 23/2022
»Sowohl die Bruttolöhne als auch die bedarfsgewichteten Haushaltsnettoeinkommen haben in Deutschland seit 1995 inflationsbereinigt deutlich zugelegt. Insbesondere unter Vollzeitbeschäftigten fallen die realen Zuwächse bei den Löhnen mit einem Plus von mehr als 20 Prozent besonders positiv aus. Die Ungleichheit der Stundenlöhne nimmt in den letzten Jahren ab und erreicht wieder ein Niveau wie zu Beginn der 2000er Jahre. Parallel schrumpft auch der Niedriglohnsektor in Deutschland. Die Haushaltsnettoeinkommen steigen zwischen 1995 und 2019 im Schnitt real um 26 Prozent. Alle Einkommensdezile legen zu, besonders stark das oberste Dezil. Der Anteil der NiedrigeinkommensbezieherInnen stagniert seit 2015 bei rund 16,5 Prozent. Mit der aktuell stark steigenden Inflation besteht die Gefahr, dass die Reallöhne und auch die Haushaltsnettoeinkommen aber künftig eher sinken. Die Politik sollte dem zielgerichtet entgegenwirken, vor allem für die unteren Einkommensgruppen. Die beschlossene Energiepreispauschale weist hier grundsätzlich in die richtige Richtung. Jedoch sollten auch für Gruppen, die hiervon nicht profitieren, wie RentnerInnen und Studierende, ergänzende finanzielle Unterstützungsprogramme aufgelegt werden.«

Deutsches Jugendinstitut (2022): Ungleiche Elternschaft. Warum die soziale Kluft zwischen Familien wächst und was der Neunte Familienbericht empfiehlt, in: DJI Impulse Nr. 1/2022

Martin Noack (2022): Arbeitsmarktnachfrage nach Teilqualifikationen. Machbarkeitsstudie zur Analyse von Teilqualifikationen in Online-Jobanzeigen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2022
»Teilqualifizierte Arbeitskräfte sind gefragt. Diesen Trend auf dem Arbeitsmarkt bestätigt eine Untersuchung von fünf Berufsgruppen aus der Bau- und Gastronomie-Branche im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Schon für Hilfstätigkeiten erwarteten die meisten der Unternehmen in Online-Anzeigen zumindest eine berufliche Teilqualifikation. Bei Fachtätigkeiten suchten die Bau- und Gastronomie- Unternehmen stärker nach Teil- als nach Vollprofilen: In mehr als zwei Drittel der Fälle waren eine oder mehrere Teilqualifikationen gefragt – und nicht, wie vielleicht zu erwarten, alle Teilqualifikationen des Berufsabschlusses. Das sind die zentralen Ergebnisse der Auswertung von 860.000 Online-Jobanzeigen (OJA). Die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass Online-Jobanzeigen mit Hilfe geeigneter Algorithmen automatisiert ausgewertet werden können. So lassen sich unternehmerische Bedarfe und Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt detailliert erfassen. Die Analyse von Online-Stellen hat das Potenzial, das Arbeitsmarktgeschehen künftig besser modellieren und adäquater auf Veränderungen reagieren zu können als bisher.«

Prognos (2022): Karrierewege in der Kindertagesbetreuung. Eckpunkte für Curricula, Kosten und Renditen, Berlin: Prognos AG, April 2022

Felix Welti und Armin Höland (2022): Wie haben die Arbeits- und Sozialgerichte und die Sozialverwaltung in der Pandemie gearbeitet? Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2022

Martin Groß, Volker Lang und Axel Babst (2022): Die Rolle beruflicher Anerkennung für die Akzeptanz von Corona-Schutzmaßnahmen, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, April 2022

Monopolkommission (2022): Krankenhausversorgung nach Corona: Wettbewerb, Planung und Finanzierung neu organisieren, Berlin, Mai 2022
»Die Aufgaben der Krankenhausplanungen in den Ländern sollten klarer und wirksamer auf die Versorgungssicherstellung ausgerichtet werden. Die duale Krankenhausfinanzierung sollte neu strukturiert werden, in weiterentwickelte Fallpauschalen und von den Ländern steuerbare Vorhaltezuschläge. Patientinnen und Patienten sollten mehr Möglichkeiten erhalten, die medizinische Versorgungsqualität von Krankenhäusern zu vergleichen.«
➔ Pressemitteilung der Monopolkommission zum Sondergutachten (30.05.2022)

Wido Geis-Thöne (2022): Mögliche Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine im deutschen Bildungssystem. Kapazitätsbedarfe bei einer Flucht von 3,5 Prozent und 5 Prozent der Minderjährigen aus der Ukraine nach Deutschland. IW-Report Nr. 30/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022

Deutscher Verein für öffentliche und private Vorsorge (2022): Empfehlungen des Deutschen Vereins für den Einsatz von Einkommen und Vermögen in der Sozialhilfe (SGB XII), Berlin, Mai 2022
»Der Deutsche Verein gibt wiederkehrend Empfehlungen zum Einsatz von Einkommen und Vermögen in der Sozialhilfe heraus – zuletzt in 3. Auflage 2016, welche durch die vorliegende 4. Auflage ersetzt wird. Die Empfehlungen dienen den Trägern der Sozialhilfe als Arbeitshilfe und tragen zu einer einheitlichen Rechtsanwendung bei. Sie stellen ebenso ein Beratungsinstrument der freien Wohlfahrtspflege dar. Die gesetzlichen Änderungen durch das Bundesteilhabegesetz, das Angehörigenentlastungsgesetz und das Grundrentengesetz erforderten eine Überarbeitung der Vorauflage. Berücksichtigung fanden zudem die Weisungen des BMAS im Rahmen der Bundesauftragsverwaltung in Bezug auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung sowie aktuelle höchstrichterliche Rechtsprechung.«

DGB (2022): Enquete-Kommission »Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt«. Ergebnisse aus gewerkschaftlicher Sicht, Berlin: DGB Bundesvorstand. Abteilung Bildungspolitik und Bildungsarbeit, April 2022

Joachim Gerd Ulrich (2022): Baruch de Spinoza – Philosoph und Handwerker. Berufliche Bildung aus der Perspektive eines ungewöhnlichen Menschen, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2022
»Die Lehre des niederländischen Philosophen und Handwerkers Baruch de Spinoza (1632–1677), hochverehrt von Johann Wolfgang von Goethe und Albert Einstein, wird in jüngerer Zeit wieder neu entdeckt. Maßgeblich hierfür sind u. a. neurowissenschaftliche Befunde. Sie lassen Spinozas Ideen, die dem Common Sense oft entgegenstehen, überraschend modern erscheinen. Sein Gedanke, den menschlichen Körper zum Ausgangspunkt allen geistigen Geschehens zu machen, wirft auch ein neues Licht auf den Bildungsnutzen handwerklicher Tätigkeit. Spinoza lässt sich heute nicht nur als ein bedeutender Grundlagentheoretiker beruflicher Handlungskompetenz lesen. Auch die Frage nach der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung findet mit ihm eine äußerst originelle Antwort.«

Friedel Schier (2022): „Jugend“ und „Beruf“ im Bürgertum um 1900. Eine lexikalische Annäherung, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2022
»Die Geschichte der beruflichen Bildung zeigt auf, wie betriebliche und staatliche Organisationen die Ausbildung von Jugendlichen in Schulen oder Betrieben gefördert haben. Die betriebliche Ausbildung als individuelles Lern- und Aufstiegsangebot konnte erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Breite der Bevölkerung Fuß fassen. Zuvor, vor allem in der mittelalterlichen Ständegesellschaft, war eine zünftige Lehre die zentrale Möglichkeit, einen Platz im sozialen Leben zu finden. Welche Beweggründe und Anreize gab es aber nach der Auflösung der Zunft- und Ständegesellschaft noch für die Ausbildungsinteressierten, eine Ausbildung in einem Betrieb anzustreben? Anhand der bürgerlichen Leitmedien, den weit verbreiteten Volks- und Konversationslexika, wird untersucht, welches Bild der betrieblichen Berufsausbildung den Jugendlichen und deren bürgerlichen Eltern um 1900 vermittelt wurde. Die Analyse zeigt u. a., dass die schulische Fachausbildung sowie die industrielle Fabriklehre damals einen besseren Ruf hatten als die Ausbildung im Handwerk oder Kleingewerbe. Eine betriebliche Berufsausbildung war nur in bestimmten gesellschaftlichen Klassen verbreitet.«

World Economic Forum’s Centre for the New Economy and Society, in collaboration with Accenture (2022): The triple returns of social jobs in the economic recovery, Cologny/Geneva, May 2022
»A volatile global economic outlook today is exacerbated by rising inequality and widening polarization impacting the most disadvantaged groups in economies across the world. The global population of individuals living in poverty is estimated to have increased by 131 million, and 54 million people dropped out of the global middle class in 2020 compared with the period before the COVID-19 pandemic. As the world starts to recover from two pandemic years, accelerating disruptions are translating into permanent changes to labour markets.«

Sören Mohr et al. (2021): Diskriminierungserfahrungen von fürsorgenden Erwerbstätigen im Kontext von Schwangerschaft, Elternzeit und Pflege von Angehörigen. Abschlussbericht erstellt im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Dezember 2021

Gregor Thüsing und Lena Bleckmann (2021): Diskriminierungsschutz von Fürsorgeleistenden — Caregiver Discrimination. Gutachtliche Stellungnahme im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Juni 2021

Katrin Hohmeyer und Matilda Hedewig (2022): Verfügbarkeit von Arbeitslosengeld-II-Beziehenden mit Kindern unter drei Jahren. IAB-Forschungsbericht, Nr. 7/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Jan Behringer, Martin Gonzalez Granda and Till van Treeck (2022): Varieties of the rat race. Working hours in the age of abundance, Duisburg: Institute for Socio-Economics, University of Duisburg-Essen, March 2022
»We ask why working hours in the rich world have not declined more sharply or even risen at times since the early 1980s, despite a steady increase in productivity, and why they vary so much across rich countries. We use an internationally comparable database on working hours (Bick et al., 2019) and conduct panel data estimations for a sample of 17 European countries and the United States over the period 1983-2019. We find that high or increasing top-end income inequality, decentralized labor relations, and limited government provision of education and other in-kind services contribute to long working hours. Our results are consistent with the hypothesis that upward-looking status comparisons in positional consumption (“Veblen effects”) contribute to a “rat race” of long working hours that is more or less pronounced in different varieties of capitalism.«
➔ Dazu: Behringer et al. (2022): Getting Out of the Rat Race: Is an „Age of Leisure and Abundance“ Possible?(26.05.2022)

Felix Rösel (2022): Wie entwickelt sich Deutschland regional? Erste gebietsstandsbereinigte Einwohnerzahlen für alle Bundesländer seit 1871, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 2/2022
»In diesem Beitrag wird die regionale Bevölkerungsentwicklung in Deutschland zwischen 1871 und 2050 analysiert. Erstmals kann hierfür auf gebietsstandsbereinigte Einwohnerzahlen für alle 16 Bundesländern zurückgegriffen werden. Die Ergebnisse zeigen einen harten Bruch in der regionalen Entwicklung Deutschlands seit dem Zweiten Weltkrieg. Bis zum Krieg entwickelten sich alle Regionen des heutigen Deutschlands sehr gleichmäßig, danach driften die Bundesländer stark auseinander. Hierbei unterscheiden sich nicht nur Ost- und Westdeutschland. Auch innerhalb des Westens sind die regionalen Unterschiede beträchtlich. Der Trend hält auch künftig an: Einige Bundesländer werden innerhalb nur eines Jahrhunderts ihre Einwohnerzahlen verdoppelt, andere halbiert haben.«

Marcel Thum (2022): Übersterblichkeit im zweiten Halbjahr 2021 in den deutschen Bundesländern, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 2/2022
»Im zweiten Halbjahr 2021 lässt sich für Deutschland eine Übersterblichkeit nachweisen. Sachsen und Thüringen hatten eine massive Übersterblichkeit, während dies beispielsweise für Schleswig-Holstein und Berlin nicht der Fall war. Auf der Ebene der Bundesländer geht eine hohe Impfquote mit geringerer Übersterblichkeit einher. Übersterblichkeit liegt vor, wenn in einem Bundesland mehr Menschen gestorben sind, als aufgrund der Altersstruktur zu erwarten gewesen wäre.«

Xenia Frei (2022): Rentenbezüge haben sich seit 1960 verdreifacht, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 2/2022
»Seit den 1960er Jahren stiegen die kumulierten Rentenbezüge, welche Rentner*innen in Deutschland über ihre gesamte Rentenbezugsdauer erhielten, stetig an. Bis zum Jahr 2018 hatte sich dieser Betrag gegenüber dem Jahr 1960 inflationsbereinigt mehr als verdreifacht. Besonders die gestiegene Rentenbezugsdauer ist hierfür verantwortlich. Während die verbleibende Lebenserwartung bei Renteneintritt in Deutschland seit den 1960er Jahren stetig anstieg, erhöhte sich das Renteneintrittsalter in diesem Zeitraum kaum; zeitweise sank es sogar. In der Folge stieg die Rentenbezugsdauer an.«

Karolin Hiesinger und Alexander Kubis (2022): Beschäftigung von Menschen mit Schwerbehinderungen: Betrieben liegen oftmals zu wenige passende Bewerbungen vor. IAB-Kurzbericht Nr. 11/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2022
»Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind verpflichtet, auf wenigstens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze Menschen mit Schwerbehinderungen zu beschäftigen. Bei Unterschreiten dieser Quote ist eine Ausgleichsabgabe fällig, die 2019 laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 61 Prozent der betroffenen Arbeitgeber entrichten mussten. Auf Basis der IAB-Stellenerhebung werden die Erfahrungen von Betrieben mit Menschen mit Schwerbehinderungen untersucht und das Autorenteam geht der Frage nach, warum viele Betriebe die Schwerbehindertenquote nicht erfüllen.«

Arne Leifels (2022): Hälfte der Erwerbsbevölkerung für mehr ausländische Fachkräfte – Unterschiede nach Bildung, Einkommen und Region, Frankfurt am Main: KfW Research, Mai 2022
»In den kommenden zehn Jahren werden Fachkräfteengpässe spürbar zunehmen. Wie eine repräsentative Befragung von KfW Research zeigt, sieht die Bevölkerung den Bedarf einer aktiven Einwanderungspolitik sehr deutlich: 83 % der 18- bis 67-Jährigen sind für mindestens gleichbleibende Bemühungen um ausländische Fachkräfte, darunter 48 % für größeres Engagement. Im Vergleich zu einer identischen Befragung vor drei Jahren ist die migrationspolitische Haltung insgesamt offener geworden, unterscheidet sich aber nach wie vor deutlich nach der beruflichen Bildung, dem Einkommen und dem Arbeitsmarktstatus. Bei niedrigeren Berufsabschlüssen und Einkommen bzw. Arbeitslosigkeit verschiebt sich das Stimmungsbild deutlich (ohne jedoch zu kippen).«

Bundesministerium für Inneres und Heimat (Hrsg.) (2022): Pflege in ländlichen Räumen stärken. Ein Leitfaden für kommunale Akteure. Erstellt durch die KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Auftrag des Bundesministeriums des Innern und für Heimat und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Berlin, 16. Mai 2022
»Eine bedarfsorientierte Pflege zu sichern, zählt zu den großen gesellschaftlichen Aufgaben – und ist insbesondere in ländlichen Regionen eine Herausforderung. Ein neuer Leitfaden des Bundesministeriums des Innern und für Heimat und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung bietet Orientierung: „Pflege in ländlichen Räumen stärken“. Das Dokument nennt zehn Schritte dafür. „Kümmerer“ installieren, Aufbruchstimmung erzeugen, pflegende Angehörige und das Ehrenamt unterstützen, empfiehlt der Leitfaden unter anderem – und gibt auch Tipps zur systematischen Abarbeitung sowie Beispiele aus einzelnen Kommunen in Deutschland. Der Leitfaden richtet sich an kommunale Akteurinnen und Akteure.«

Svenja Pfahl, Stefan Reuyß und Maike Wittmann (2022): Reformvorschläge für die Ausgestaltung des Elterngeldes, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2022

Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) (Hrsg.) (2022): Arbeitswelt im Wandel. Zahlen – Daten – Fakten. Ausgabe 2022, Dortmund, Mai 2022

Eurofound (2022): Germany: Working life in the COVID-19 pandemic 2021, Dublin: European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions (Eurofound), May 2022

Dirk Werner et al. (2022): Integration durch berufliche Anerkennung für Geflüchtete aus der Ukraine. IW-Report Nr. 25, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Hans-Böckler-Stiftung (HBS) (2002): Atlas der digitalen Arbeit. Daten und Fakten über die Beschäftigung der Zukunft, Berlin, Düsseldorf, Mai 2022

Johannes Geyer, Peter Haan und Arthur Seibold (2022): Der flexible Renteneintritt ist ein zweischneidiges Schwert, in: DIW Wochenbericht, Nr. 20/2022

Alexander S. Kritikos, Maximilian Priem und Anne-Christin Winkler (2022): Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Integration Geflüchteter in Deutschland, in: DIW Wochenbericht, Nr. 20/2022
»Nach der im Jahr 2015 verstärkt einsetzenden Zuwanderung Geflüchteter hat jüngsten Studien zufolge etwa jedes vierte Unternehmen in Deutschland Geflüchtete eingestellt. Laut einer Umfrage unter 100 Unternehmen mit Erfahrung in der Integration von Geflüchteten hat die Einstellung Geflüchteter verschiedene Effekte. Die Unternehmen berichten von einem Anstieg der Zufriedenheit in der Belegschaft, besserer Positionierung als attraktiver Arbeitgeber und von positiven unternehmerischen Entwicklungen. Gleichzeitig ist die Einstellung von Geflüchteten mit Herausforderungen verbunden, etwa mit Hürden im Einstellungsprozess, mit mangelnden Sprachkenntnissen sowie mit nicht anerkannten Qualifikationen. Diese Probleme lösen die Unternehmen, indem sie staatliche und private Unterstützungsangebote sowie firmeninterne Maßnahmen nutzen. Während mit diesen Maßnahmen die Integration Geflüchteter in die abhängige Beschäftigung gut gelingt, bleibt das Potenzial in Richtung Selbstständigkeit nahezu ungenutzt. Die Gründungsaktivitäten unter den Geflüchteten fallen in Deutschland weitaus geringer aus als in deren Herkunftsländern. Entsprechend sollten Förderungsmaßnahmen für Geflüchtete zur Aufnahme einer Selbstständigkeit stärker in den Blick genommen werden.«

Karen Jaehrling und Christin Stiehm (2022): Der Staat als ‚Guter Auftraggeber‘: Herausforderungen und Strategien in der sozialverantwortlichen Vergabepraxis. IAQ-Report 2022-05, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), Mai 2022
»An öffentliche Auftraggeber richtet sich zunehmend die Erwartung, gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten beauftragter Firmen zu gewährleisten. Zugleich müssen sie ein    umfangreiches Korsett wettbewerbsrechtlicher Regelungen beachten. Zudem steigt der Anspruch an die Qualität der eingekauften Dienstleistungen. Aus diesen widersprüchlichen Anforderungen erwachsen in der Vergabepraxis zahlreiche Konflikte und Herausforderungen, mit denen Kommunen unterschiedlich umgehen. In den untersuchten Kommunen steht im Ergebnis von Lernprozessen zunehmend die Qualität der Dienstleistung im Vordergrund; die Arbeitsqualität wird bestenfalls als funktionale Voraussetzung dafür mitberücksichtigt. Insgesamt bedarf es für eine sozialverantwortliche Vergabepraxis weiterer Reformen und infrastruktureller Unterstützung.«

Judith Niehues und Maximilian Stockhausen (2022): Die Mittelschicht im Fokus – Abgrenzung, Entwicklung und Mobilität, in: IW-Trends, Nr. 2/2022, S. 27-53

Greta Schabram, Andreas Aust und Joachim Rock (2022): Armut von Studierenden in Deutschland. Aktuelle empirische Befunde zu einer bedarfsorientierten Reform der Berufsausbildungsförderung in Deutschland, Berlin: Paritätische Forschungsstelle, Mai 2022

DPWV (2022): Neuorientierung der Cannabispolitik: Cannabisabgabe, Jugendschutz und Entkriminalisierung. Paritätisches Positionspapier, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Mai 2022

Sophie-Charlotte Meyer (2022): Arbeitsbezogene IKT-Nutzung und Arbeitsintensität: Die Rolle mobiler Geräte, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Mai 2022
»Durch die zunehmende Verbreitung mobiler Technologien kann Arbeit immer flexibler gestaltet werden. Dies kann neben den offensichtlichen Vorteilen auch Risiken für die Beschäftigten bedeuten. Im Rahmen der Befragung „Digitalisierung und Wandel der Beschäftigung (DiWaBe)“ wurde der Einsatz verschiedener Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sowie verschiedene Arbeitsbedingungen von Beschäftigten erhoben. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die berufliche Nutzung von Smartphones oder Tablets mit einer erhöhten Arbeitsintensität einhergeht.«

Eurofound (2022): Living and working in Europe 2021, Luxembourg: Publications Office of the European Union, May 2022
The COVID-19 pandemic continued to be a defining force in the lives and work of Europeans for a second year in 2021, and Eurofound continued its work of examining and recording the many and diverse impacts across the EU Member States. Living and working in Europe 2021 provides a snapshot of the changes to employment, work and living conditions in Europe, as gathered by Eurofound’s research activities in 2021. This yearbook also summarises the Agency’s findings on other challenging aspects of social and economic life – including gender equality in employment, wealth inequality and labour shortages – that will have a significant bearing on recovery from the pandemic, resilience in the face of the war in Ukraine, and a successful transition to a green and digital future. Eurofound’s research on working and living conditions in Europe provides a bedrock of evidence for input into social policymaking and achieving the Agency’s vision ‘to be Europe’s leading knowledge source for better life and work’.

Mario Bossler et al. (2022): Befristungen bei Neueinstellungen 2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2022

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 20/2022: Rente
Beiträge: Gerhard Bäcker: Alterssicherung in Deutschland; Claudia Vogel und Harald Künemund: Einkommen und Armut im Alter; Götz Richter et al.: Arbeit und Alter(n). Wie ein längeres Erwerbsleben möglich werden kann; Axel Börsch-Supan: Der lange Schatten der Demografie. Handlungsfelder einer Rentenreform in Deutschland; Bernhard Ebbinghaus: Rentensysteme im Umbau. Herausforderungen und Reformwege der Alterssicherung in Europa; Jörg Tremmel: Generationengerechtigkeit. Genese und Dimensionen eines Begriffs

Uwe Schätzlein (2022): Neuer Nachholfaktor der Rentenversicherung im Geflecht von Schutz- und Niveauschutzklausel, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2022
»Im Zuge der Einführung der Niveauschutzklausel in der gesetzlichen Rentenversicherung hat man den Nachholfaktor außer Kraft gesetzt. Um diese unbefriedigende Situation zu beenden, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nun einen Referentenentwurf vorgelegt, der darlegt, wie man sich vorstellt, den Nachholfaktor zur Rentenanpassung 2022 wiedereinzuführen. Die Wiedereinführung ist ein guter Schritt. In Anbetracht des Zusammenspiels mit der Niveauschutzklausel ist der Entwurf jedoch noch nicht ausgereift. Darüber hinaus hat man eine Lock-in-Klausel eingebaut, die eine große Last darstellt. Sie wirft ein neues Problem auf, dessen Ausmaß ähnlich groß ist wie das des ausgesetzten Nachholfaktors, das man mit dem vorliegenden Referentenentwurf zu lösen gedenkt.«

Gabriele Wydra-Somaggio (2022): Leistungsbezug in Rheinland-Pfalz – Entwicklung, Struktur und Bewegungen im Leistungsbezug vor und während der Corona-Pandemie. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Rheinland-Pfalz-Saarland Nr. 01/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2022

Monika Bozhinoska Lazarova, Herbert Brücker und Christoph Deuster (2022): Wanderungsbewegungen in Deutschland: Starker Rückgang während der Covid-19-Pandemie. IAB-Kurzbericht Nr. 10/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Mit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 ist der Saldo aus Zu- und Fortzügen von ausländischen Staatsangehörigen in Deutschland um 34 Prozent gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 gesunken. Besonders stark ist dabei die Migration aus Drittstaaten zurückgegangen. Der Wanderungssaldo in Deutschland belief sich im Jahr 2020 auf rund 245.000 Personen im Vergleich zu 371.000 Personen im Vorkrisenjahr 2019. In der ersten Jahreshälfte 2021 betrug die Nettozuwanderung rund 134.000 Personen, das entspricht einem Minus von 33 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Damit ist die Migration nach Deutschland stärker eingebrochen als beispielsweise in Österreich, der Schweiz und den skandinavischen Ländern, wo sich die Wanderungszahlen im Jahresverlauf stärker erholten.

Martin Brussig, Werner Eichhorst und Andreas Jansen (2022): Betriebliche Altersversorgung von Beschäftigten in kleinen Unternehmen, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, April 2022

Michael Cordes und Elena Karrmann (2021): Leistungsgerechte Vergütung und Alterssicherung von Kindertagespflegepersonen als Beitrag zur Fachkräftegewinnung. Eine Expertise im Auftrag des Bundesverbandes für Kindertagespflege durch das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS), Berlin: Bundesverband für Kindertagespflege e.V., Dezember 2021

Sachverständigenrat für Integration und Migration (2022): Systemrelevant: Migration als Stütze und Herausforderung für die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Jahresgutachten 2022, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), Mai 2022
»Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist maßgeblich für das Wohlergehen einer Gesellschaft. Im Jahresgutachten 2022 stellt der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) fest, dass Fachkräfte mit Zuwanderungsgeschichte einen unverzichtbaren Beitrag zum deutschen Gesundheitssystem leisten. Um die Versorgung auch künftig zu gewährleisten, sieht er Nachbesserungsbedarf bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen und der Nachqualifizierung. Prozesse müssen vereinfacht, beteiligte Behörden stärker verzahnt und die Zuwanderung in die Ausbildung mehr gefördert werden. Auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mahnt der SVR zudem an, die Arbeitsbedingungen grundlegend zu verbessern. Um eine chancengleiche und herkunftsunabhängige Gesundheitsversorgung sicherzustellen gilt es, das Gesundheitswesen diversitätssensibler zu gestalten.«

Lina Zink und Martin Brussig (2022): Erwerbsminderungsrente und Erwerbstätigkeit. Altersübergangs-Report 2022-01, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Mai 2022

Andreas Paulus et al. (2022): Sozialpolitik ist Demokratiepolitik: Die Rolle der sozialen Sicherung für politische Partizipation, München: Stiftung Grundeinkommen, Mai 2022
➔ Salomo Hirvonen et al. (2022): The Effect of Unconditional Cash Transfers on Voting Participation: Evidence from the Finnish Basic Income Experiment. Final Report to Stiftung Grundeinkommen, München: Stiftung Grundeinkommen, Mai 2022

Andreas Büscher et al. (2022): Zu Hause pflegen – zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die VdK-Pflegestudie. Dritter Zwischenbericht, Osnabrück: Hochschule Osnabrück, Mai 2022

Matthias Huebener et al. (2022): Cracking under Pressure? Gender Role Attitudes toward Maternal Employment during COVID-19. BiB Working Paper 4/2022, Wiesbaden: Federal Institute for Population Research, 2022

Martin Behrens und Wolfram Brehmer (2022): Betriebs- und Personalratsarbeit in Zeiten der Covid-Pandemie. WSI-Report Nr. 75, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Mai 2022

Elisabeth Artmann, Sarah Bernhard und Gesine Stephan (2022): Vermittlungsgutscheine: Forschungsstand und Forschungspotenzial. IAB-Forschungsbericht Nr. 6/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Jeanette Carstensen, Maximilian Thalheim und Doris Wiethölter (2022): Die Gesundheitswirtschaft in Berlin und Brandenburg: Eine Betrachtung des Arbeitsmarktes. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Berlin-Brandenburg, Nr. 01/2022), Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Wil Hunt und Steve Rolf (2022): Künstliche Intelligenz und Automatisierung im Einzelhandel : Vorteile, Herausforderungen und Auswirkungen (aus Sicht der Gewerkschaften), Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2022

Jennie Auffenberg et al. (2022): „Ich pflege wieder, wenn …“ – Potenzialanalyse zur Berufsrückkehr und Arbeitszeitaufstockung von Pflegefachkräften. Ein Kooperationsprojekt der Arbeitnehmerkammer Bremen, des Instituts Arbeit und Technik Gelsenkirchen und der Arbeitskammer des Saarlandes, Bremen: Arbeitnehmerkammer Bremen, April 2022

DGB (2022): Saisonbeschäftigung, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Bundesvorstand, Mai 2022
»Jährlich kommen über eine Viertelmillion Menschen als Saisonbeschäftigte nach Deutschland, um zu arbeiten. Die Landwirtschaft ist auf diese Arbeitskräfte dringend angewiesen. Sie erfahren kaum Wertschätzung, sondern sind im Gegenteil regelmäßig schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen ausgesetzt. Über die kurzfristige Beschäftigung wird den Menschen zudem der Sozialversicherungsschutz vorenthalten.«

Achim Teusch (2022): Kein Bett zu viel. Eine Kritik am Modellprojekt «Krankenhausplanung in Nordrhein-Westfalen», Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2022
»Das Fallpauschalensystem zur Finanzierung der Krankenhäuser ist mit dem Ziel eingeführt worden, den «Krankenhausmarkt zu bereinigen». Da dies nicht gelungen ist, sollen nun mithilfe staatlicher Planung die Zentralisierung und Konzentration der Krankenhauslandschaft durchgesetzt werden. Die Folgen: Das dichte Versorgungsnetz wird zerstört und es entstehen hohe Kosten für den Aufbau zentralistischer Strukturen. Zugleich wird der Privatisierungsprozess neu belebt und die Konkurrenz der großen privaten, kirchlichen und staatlichen Krankenhauskonzerne weiter angeheizt.«

Katia Gallegos Torres, Katrin Sommerfeld und Julia Bartel (2022): 18 Jahre EU-Osterweiterung: Wo Osteuropäer/innen in Deutschland arbeiten, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), April 2022
Deutschland ist auf Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten massiv angewiesen. Infolge der EU- Arbeitnehmerfreizügigkeit hat sich die Zahl der zugewanderten Beschäftigten mehr als vervierfacht: 1,3 Millionen Osteuropäer/innen arbeiteten 2020 sozialversicherungspflichtig in Deutschland, vor allem in der Post- und Lagerwirtschaft, Fahrzeugführung und in der Reinigung. Der Großteil zahlt in die deutschen Kassen ein; Beschäftigungen als Minijobber und Entsendungen spielen unter Osteuropäer/innen eine immer geringere Rolle. Zudem arbeiteten Osteuropäer/innen relativ zu deutschen Beschäftigten überproportional häufig in Berufs­gruppen mit Fachkräfte-Engpässen und tragen damit tendenziell zur Entlastung des deutschen Arbeitsmarktes bei.

Johannes Steffen (2022): Löhne, Renten und Existenzminimum. Ein komplexes Geflecht. Hintergrunddaten mit Erläuterungen, Berlin, Mai 2022

Wissenschaftsrat (2022): Empfehlungen für eine zukunftsfähige Ausgestaltung von Studium und Lehre, Köln, Mai 2022

Timm Bönke und Rick Glaubitz (2022): Wer gewinnt? Wer verliert? Die Absicherung von Lebenseinkommen durch Familie und Staat, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, April 2022

Jim Frindert, Heiner Dribbusch und Thorsten Schulten (2022): WSI Arbeitskampfbilanz 2021. Normalisierung des Arbeitskampfgeschehens im zweiten Jahr der Corona-Pandemie. Nr.74, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2022
Im Jahr 2021 wurden in Deutschland wieder deutlich mehr Arbeitskämpfe geführt. Mit insgesamt 221 Arbeitskämpfen hat sich die Anzahl der von Streiks begleiteten Tarifauseinandersetzungen gegenüber dem sehr stark von der Corona-Pandemie geprägten Vorjahr wieder deutlich erhöht, als lediglich 157 Arbeitskämpfe identifiziert wurden. Auch die Anzahl der Streikenden und das in Ausfalltagen gemessene Arbeitskampfvolumen hat im zweiten Jahr der Corona-Pandemie wieder deutlich zugenommen. So haben sich 2021 insgesamt 917.000 Beschäftigte an Streiks beteiligt, es gab 590.000 arbeitskampfbedingte Ausfallta­ge. Im Jahr 2020 waren es hingegen lediglich 276.000 Streikbeteiligte und 342.000 Ausfalltage.

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (2022): Die Zukunft der Arbeit in der digitalen Transformation, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), April 2022

Beatrice van Berk, Christian Ebner und Daniela Rohrbach-Schmidt (2022): Wer hat nie richtig Feierabend? Eine Analyse zur Verbreitung von suchthaftem Arbeiten in Deutschland, in: Arbeit, Heft 3/2022
»Zunehmend komplexer werdende Arbeitsprozesse, die Flexibilisierung und Entgrenzung der Arbeit sowie deren voranschreitende Subjektivierung eröffnen Erwerbstätigen neue Möglichkeiten, bergen aber auch Risiken. Der vorliegende Beitrag untersucht mit dem Phänomen des suchthaften Arbeitens ein bis heute für Deutschland nur schwach erforschtes Thema. So ist kaum bekannt, wie verbreitet arbeitssüchtiges Verhalten in Deutschland ist oder welche sozialen Gruppen von Erwerbstätigen in besonderem Maße davon betroffen sind. Auf Basis repräsentativer Daten für Deutschland aus dem Jahr 2017/18 und der Nutzung einer international etablierten Arbeitssuchtskala (Dutch Work Addiction Scale, DUWAS) kann gezeigt werden, dass suchthaftes Arbeiten kein Randphänomen darstellt. Während nur schwache Zusammenhänge zwischen soziodemografischen Merkmalen und arbeitssüchtigem Verhalten festgestellt werden können, tritt suchthaftes Arbeiten bei bestimmten Merkmalen der Beschäftigung (Arbeitszeit, Selbstständigkeit, Führungsverantwortung), des Betriebs (Betriebsgröße, Betriebsrat) und des ausgeübten Berufs häufiger auf.«

Stefan Bach und Jakob Knautz (2022): Hohe Energiepreise: Ärmere Haushalte werden trotz Entlastungspaketen stärker belastet als reichere Haushalte, in: DIW Wochenbericht Nr. 17/2022
»Durch den russischen Angriff auf die Ukraine sind die Energiepreise sprunghaft gestiegen. Bereits zuvor wurden Strom, Gas und Kraftstoffe sukzessive teurer. Die privaten Haushalte in Deutschland werden dadurch erheblich belastet. Zwei Entlastungspakete hat die Regierungskoalition dazu geschnürt. Dennoch drohen den privaten Haushalten mittelfristig reale Einkommensverluste von durchschnittlich 2,1 Prozent, wie hier vorgelegte Simulationsrechnungen auf Basis des Sozio­oekonomischen Panels (SOEP) zeigen. Bei GeringverdienerInnen machen die Energiepreissteigerungen trotz der Entlastungspakete sogar rund drei Prozent des Nettoeinkommens aus. In vielen Fällen ist es noch deutlich mehr. Einkommensschwache Haushalte geben einen höheren Anteil ihres monatlichen Nettoeinkommens für Energie aus und sind somit von den Preissteigerungen relativ stärker betroffen als reichere Haushalte. Da die hohen Energiepreise aller Voraussicht nach noch bis weit in das nächste Jahr hinein Bestand haben werden, sollte die Politik nachbessern, weitere Entlastungen aber auf die Haushalte mit niedrigem Einkommen konzentrieren. Die Hilfen sollten zudem nicht die Anreize zum Energiesparen reduzieren. Insofern ist die Energiesteuersenkung bei den Kraftstoffen fragwürdig, auch bei der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs sollten die Mitnahmeeffekte reduziert werden.«

Susanne Gerull (2022): Ausgrenzungserfahrungen einkommensarmer Menschen. Eine Fallstudie, Berlin: Alice-Salomon-Hochschule Berlin, März 2022
»Einkommensarme Menschen sind massiver gesellschaftlicher Abwertung ausgesetzt. Folgen dieser Ausgrenzungs- und Abwertungserfahrungen können Scham und sozialer Rückzug sein. Kommen weitere gruppenbezogene Stigmatisierungen hinzu wie bspw. bei erwerbsarbeitslosen oder wohnungslosen Menschen, Migrant_innen oder LGBTIQ*, müssen zudem intersektionale Zusammenhänge betrachtet werden. In einer exemplarischen Fallstudie wurde qualitativ untersucht, welche Ausgrenzungserfahrungen Menschen machen, die als einkommensarm gelten, und was das für die Soziale Arbeit bedeutet.«

Anika Jansen, Helen Hickmann und Dirk Werner (2022): Steigendes Ausbildungsangebot in Berufen mit langjährigem Fachkräftemangel. IW-Kurzbericht Nr. 41/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2022

DGB (2022): Der deutsche Arbeitsmarkt im EU-Vergleich: Niedrige Erwerbslosigkeit, aber hohes Armutsrisiko, Berlin: DGB Abteilung Arbeitsmarktpolitik, April 2022
»Der deutsche Arbeitsmarkt erscheint im EU-Vergleich als vorbildhaft. Allerdings ist die Erwerbslosigkeit in Deutschland 2020 stärker angestiegen als im EU-Durchschnitt. Der Grund war der massenhafte Wegfall der Minijobs in der Pandemie. Solche unsicheren geringfügigen Arbeitsverhältnisse leistet sich kein anderes EU-Land.«

Sigrun Nickel et al. (2022): Duales Studium: Umsetzungsmodelle und Entwicklungsbedarfe, Gütersloh: CHE Centrum für Hochschulentwicklung, April 2022

Kerstin Bruckmeier, Diego d’Andria und Jürgen Wiemers (2022): Universal, targeted or both: Effects of different child support policies on labour supply and poverty – A simulation study. IAB-Discussion Paper Nr. 6/2022, Nürnberg: Institute for Employment Research of the Federal Employment Agency (IAB), April 2022
»Wir untersuchen hypothetische Reformen der wichtigsten Transferleistungen für Kinder in Deutschland: eine Reform des nicht bedarfsgeprüften Kindergeldes, eine Reform der Kinderregelbedarfe im Rahmen der Grundsicherung und eine Kombination aus beiden Leistungen. Mit Hilfe eines statischen Steuer-Transfer Mikrosimulationsmodells (IAB-MSM), das auch endogene Arbeitsangebots- und Inanspruchnahmeentscheidungen abbildet, untersuchen wir die Auswirkungen der Reformen auf die Einkommensverteilung, relative Armut und das Arbeitsangebot von Eltern. Da die Reformen mit unterschiedlichen fiskalischen Kosten verbunden sind, verwenden wir zwei alternative Ansätze zum Ausgleich des Staatshaushalts: eine Erhöhung der Einkommensteuer oder eine erhöhte Konsumsteuer. Wir zeigen, dass eine Erhöhung der Kinderregelbedarfe zu einer erheblichen Verringerung der relativen Armut bei gleichzeitig relativ geringen fiskalischen Kosten führt. Allerdings ist die Erhöhung der Kinderregelbedarfe mit einem Rückgang des Arbeitsangebots von Familien mit niedrigem Einkommen verbunden. Eine alternative Erhöhung des Kindergeldes wirkt sich vergleichsweise stärker auf den Rückgang der Einkommensungleichheit (gemessen am Gini-Koeffizienten) aus, allerdings auf Kosten geringerer Arbeitsanreize für Familien mit mittlerem und hohem Einkommen. Die Gegenfinanzierung der Reformkosten – insbesondere bei einer progressiv wirkenden Einkommensteuererhöhung – verstärkt den Rückgang der relativen Armut und der Einkommensungleichheit, während gleichzeitig das Arbeitskräfteangebot erheblich reduziert wird.«

Michelle Boden und Pia Stendera (2022): Einsam und verstummt: Studierende in der Pandemie, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 4/2022

Martin Rücker (2022): Deutschland: Mangelernährung als Bildungsrisiko, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 4/2022

Rebecca Atanassov et al. (2022): Wege zur Gleichwertigkeit: anerkennungsbezogene Qualifizierungen in Heilberufen und dualen Berufen. Ergebnisse des BIBB-Anerkennungsmonitorings, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2022
»Für Fachkräfte mit ausländischen Abschlüssen ergibt sich auf dem Weg zur Berufsanerkennung ein erheblicher Qualifizierungsbedarf, dessen Ausgleich in vielen Fällen für die Berufsausübung oder Einreise nach Deutschland obligatorisch ist. Die Studie untersucht die Organisation von Ausgleichs- und Qualifizierungsmaßnahmen für Ärztinnen und Ärzte, Gesundheits- und Krankenpfleger/-innen und nicht reglementierte Berufe im Bereich Industrie und Handel sowie im Handwerk. Anhand von Interviews mit Bildungsanbietern, zuständigen Stellen, Projekten des Förderprogramms IQ, Arbeitgebern und anderen Akteuren liefert sie Erkenntnisse zum Angebot und der Nachfrage, den regionalen Unterschieden, der Passgenauigkeit und der Finanzierung von Maßnahmen. Sie zeigt Herausforderungen auf und zieht Schlussfolgerungen für die Praxis.«

Ivonne Alberg et al. (2022): Homeoffice während der Corona-Pandemie und darüber hinaus –  Potenziale für erwerbstätige Eltern. IAQ-Report 2022-04, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), April 2022

Martin Müller (2022): Lohnschere geht weiter auseinander – Höherqualifizierte bauen Vorsprung aus. Fokus Volkswirtschaft Nr. 377, Frankfurt am Main: KfW Research, April 2022
»Höherqualifizierung und der Aufstieg in Führungspositionen sind besser denn je geeignet, hohe Einkommen zu erzielen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Bruttomonatsverdienste von Vollzeitbeschäftigten im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich. Zwischen 2010 und 2020 sind die Bruttomonatsverdienste von Akademikern und Führungskräften deutlich stärker gestiegen als diejenigen von Fachkräften mit betrieblicher Ausbildung und von Hilfskräften. Auch nach Umverteilung zahlt sich höhere Bildung aus. Die Berufswahl hat ebenfalls großen Einfluss auf das Einkommen.«

Werner Eichhorst und Paul Marx (2022): Reform der beruflichen Weiterbildung in Deutschland. Impulse aus dem Ausland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, April 2022

Joachim Wolff (2022): Sanktionsmoratorium. Stellungnahme des IAB zur Verbändeanhörung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Entwurf eines Gesetzes zur Regelung eines Sanktionsmoratoriums im SGB II am 2.3.2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Mit Einführung eines Bürgergeldes will die Bundesregierung auch die durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 5. November 2019 erforderlich gewordene gesetzliche Neuregelung der Leistungsminderungen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (sogenannte SGB-II-Sanktionen) umsetzen. Befristet bis zum 31. Dezember 2022 soll ein Moratorium die geltenden Sanktionsregelungen außer Kraft setzen, danach soll das Bürgergeld die Mitwirkungspflichten neu regeln. In seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Gesetzes zur Regelung eines Sanktionsmoratoriums knüpft das IAB an seine früheren Stellungnahmen an und betont, dass mit vorliegenden Forschungsbefunden ein Sanktionsmoratorium oder gar eine Abschaffung der Sanktionen nicht zu begründen sei, sondern vielmehr Elemente einer Reform der Sanktionen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende. Wichtige Reformschritte seien bereits infolge des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zum Ende des Jahres 2019 erfolgt. Aus der Begründung des Gesetzesentwurfs werde nicht deutlich, warum mit dem Sanktionsmoratorium ein derart weitgehender Zwischenschritt notwendig ist und es erschließe sich nicht, warum Sanktionen wegen Meldeversäumnissen ausgesetzt werden sollen. Auch erste Forschungsergebnisse zur Sanktionspraxis während der Covid-19-Pandemie sprächen nicht für ein Sanktionsmoratorium.«

Holger Bähr, Hanna Broder, Martin Dietz, Maximilian Förster und Mathias Klier (2022): Neue Wege bei Beratung und Arbeitsvermittlung durch Digitalisierung: Online-Chat ermöglicht Informationsaustausch und gegenseitige Unterstützung. IAB-Kurzbericht Nr. 9/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Eric Seils und Toralf Pusch (2022): Ungleichheit, Umverteilung und Preise im regionalen Vergleich. WSI-Policy Brief Nr. 70, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2020
»Unter den 401 deutschen Kreisen lassen sich beachtliche Einkommensunterschiede feststellen: Während das durchschnittliche verfügbare Pro-Kopf-Einkommen 2019 in der Stadt Heilbronn 42.275 Euro und im Landkreis Starnberg 38.509 Euro erreichte, war es in Gelsenkirchen mit 17.015 Euro und in Duisburg 17.741 Euro nicht einmal halb so hoch. Auch das Einkommensgefälle von West nach Ost ist mehr drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung nicht verschwunden. So gibt es in den neuen Ländern mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark (24.127 Euro) nur einen Kreis, in dem das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen den Durchschnitt für die Bundesrepublik insgesamt von 23.706 Euro überschreitet. In den alten Ländern besteht zudem ein Süd-Nord-Gefälle. Im Durchschnitt liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Bayern und Baden-Württemberg etwa 2.600 Euro höher als im übrigen Westdeutschland.«

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2022): 10 Jahre Anerkennungsgesetz. Ein Beitrag zur Fachkräftesicherung und Integration, Berlin, April 2022

Tim Komorowski und Doerthe Vieten (2022): Technostress, Persönlichkeit und die Folgen von Technostress. Ein systematisches Literaturreview zur empirischen Forschungslage, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2022
»Die Digitalisierung und der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) hat im Arbeits- und Privatleben neben einer höheren Produktivität auch zu neuen Formen von psychischem Stress geführt. Das Stresserleben, das mit dem Einsatz von ICT verbunden ist, wird in der Literatur auch als Technostress bezeichnet. Die Forschung zu diesem Thema zeigt, dass die Entstehung von Technostress von individuellen Faktoren abhängt. Die Persönlichkeit von ICT-Anwenderinnen und Anwendern bestimmt nicht nur das Auftreten von Technostress, sondern hat auch Einfluss auf dessen gesundheitliche und leistungsbezogene Folgen. In diesem Literaturreview wird der Forschungsstand zu der Rolle von Persönlichkeitsunterschieden bei der Entstehung von Technostress und dessen Folgen systematisch zusammengefasst. Die Auswertung der relevanten Forschungsartikel erfolgt hinsichtlich verwendeter Variablen, Stichproben und Studiendesigns, statistischer Methoden, Theorien und Frameworks. Abschließend werden der aktuelle Forschungsstand eingeordnet und Forschungslücken aufgezeigt.«

Sebastian Dullien, Katja Rietzler und Silke Tober (2022): Die Entlastungspakete der Bundesregierung. Sozial weitgehend ausgewogen, aber verbesserungsfähig. IMK Policy Brief Nr. 120, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2022
»Angesichts der massiv gestiegenen Energiepreise hat die Bundesregierung innerhalb weniger Wochen zwei Entlastungspakete mit einem Gesamtvolumen von etwa 30 Mrd. Euro vorgelegt. Die Pakete beinhalten eine Erhöhung der Steuerfreibeträge, die Auszahlung einer Energiepreispauschale für Erwerbstätige sowie einen Familienzuschuss für Eltern mit Kindern ebenso wie eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe und die vorgezogene Abschaffung der EEG-Umlage. Eine Analyse der Entlastungen für eine Reihe von typisierten Privathaushalten zeigt, dass Haushalte mit erwerbstätigen Erwachsenen über alle Einkommensgruppen spürbar entlastet werden. Die Entlastung ist dabei insgesamt sozial ausgewogen in dem Sinne, dass bei den Erwerbstätigen-Haushalten besonders jene mit geringen und mittleren Einkommen entlastet werden. Insbesondere bei Geringverdiener-Familien mit zwei Erwerbstätigen wird der überwiegende Teil der Mehrbelastungen durch teurere Energie kompensiert. Alleinlebende mit höheren Einkommen werden dagegen relativ zu den Belastungen weniger entlastet. Eine soziale Schieflage ist bei der Behandlung von Nichterwerbstätigen wie Rentnerinnen und Rentnern zu beobachten: Hier fällt die Entlastung auch bei Haushalten mit sehr niedrigem Einkommen äußerst gering aus.«

Felix Wenzelmann und Gudrun Schönfeld (2022): Kosten und Nutzen der dualen Ausbildung aus Sicht der Betriebe. Ergebnisse der sechsten BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2022

Florian Blank (2022): Rente: Eignet sich Schweden als Vorbild für Deutschland? WSI Policy Brief Nr. 69, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), April 2022

Laura Romeu Gordo et al. (2022): Rentnerinnen und Rentner am Arbeitsmarkt: Erwerbsarbeit im Ruhestand hat vielfältige Gründe – nicht nur finanzielle. IAB-Kurzbericht, Nr. 08/2022), Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2022
»Erwerbstätigkeit im Ruhestand ist heute wesentlich stärker verbreitet als noch Mitte der 1990er Jahre. Dabei sind die Gründe, warum Rentnerinnen und Rentner einer bezahlten Arbeit nachgehen, vielfältig und häufig nicht in erster Linie finanzieller Art. Weitgehend unerforscht ist bisher, warum Personen im Ruhestand keiner Erwerbsarbeit nachgehen und welche Motive hinter nicht realisierten Erwerbswünschen im Rentenalter stehen. Der vorliegende Bericht bietet einen Überblick über die sozioökonomischen Lebensverhältnisse von erwerbstätigen und nicht erwerbstätigen Menschen im Ruhestand und zeigt die Gründe für (Nicht-)Erwerbstätigkeit in dieser Lebensphase.«

Peter Ullmann, Annemarie Fajardo et al. (2022): Positionspapier – Empfehlungen für den Einsatz von Advanced Practice Nurses, Witten, Berlin: Deutsches Netzwerk APN & ANP g.e.V., und Bundesverband Pflegemanagement e.V., 2022

Michaela Evans et al. (2022): Gestaltungspfade und Gestaltungspraxis der Digitalisierung in der Altenpflege in NRW. Forschung Aktuell Nr. 4/2022, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), 2022
»Betriebliche Gestaltungspfade und Gestaltungspraktiken der Digitalisierung stehen im Fokus des Projekts „Digitalisierung und Arbeitsgestaltung in der Altenpflege“. Die Digitalisierung ist im Bereich der primären Pflegeprozesse in der Arbeit mit und an Menschen gering ausgeprägt, im Bereich der sekundären (Verwaltungs-)Prozesse hingegen werden digitale Technologien in den Einrichtungen bereits intensiver genutzt. Aus Sicht der Führungskräfte ist es besonders wichtig, dass Pflegefachkräfte über Anwenderkenntnisse verfügen und fach- und berufsspezifische Software anwenden können. Demgegenüber wird der Kompetenz, Zusammenhänge von Prozessen erkennen zu können, eine geringe Relevanz beigemessen. Hervorgehoben wird, dass Pflegefachkräfte und Pflegehelfer in der Ausbildung derzeit nur unzureichend auf eine digital gestützte Pflegearbeit vorbereitet werden. Partizipation wird zwar als Kernelement für eine erfolgreiche Gestaltung von Veränderungsprozessen verstanden, aber noch nicht ausreichend praktisch umgesetzt, wenngleich ein breites Spektrum formalisierter und informeller Partizipationspraktiken besteht. Ein stärkeres Mitbestimmungsbewusstsein kann möglicherweise zu einer stärkeren Identifikation mit dem Betrieb führen und Mitarbeiter stärker an den Betrieb binden.«

Antonius Allgaier et al. (2022): Betriebliche Mitbestimmung für das 21. Jahrhundert. Gesetzentwurf für ein modernes Betriebsverfassungsgesetz. Sonderausgabe „Arbeit und Recht“, Frankfurt am Main, April 2022

DGB (2022): Gerechtere Zugänge, reduzierte Komplexität, mehr Verlässlichkeit und Anschlussmöglichkeiten. Sieben Anforderungen zur Fortsetzung und Weiterentwicklung der Nationalen Weiterbildungsstrategie, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Bundesvorstand, 31.03.2022
»Der DGB hat ein Positionspapier für die Fortsetzung der Nationalen Weiterbildungsstrategie vorgelegt. Unter anderem fordern die Gewerkschaften mehr Zeit für Weiterbildung und eine bessere Absicherung des Lebensunterhalts während Weiterbildungszeiten.«

Matthias Kalkuhl et al. (2022): Auswirkungen der Energiepreiskrise auf Haushalte in Deutschland. Sozialpolitische Herausforderungen und Handlungsoptionen, Berlin: Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC), März 2022

Julia Dück und Julia Garscha (Hrsg.) (2022): Aus Sorge kämpfen. Von Krankenhausstreiks, Sicherheit von Patient*innen und guter Geburt, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, März 2022

Wolfgang Böttcher, Lilo Brockmann, Tabea Meierjohann und Johannes Wiesweg (2022): Was brauchen Schulen in herausfordernden Lagen? Studie im Auftrag des Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022
Bildungschancen sind in unserer Gesellschaft ungleich verteilt. Ungleiche Chancen verfestigen sich, wenn sich Schüler aus benachteiligten sozialen Lagen an Schulen ballen und ihre Schulen mit einem Bündel an vielfältigen Herausforderungen konfrontiert sind. In den letzten Jahren hat die Bildungspolitik einige Initiativen ergriffen, um Schulen in herausfordernden Lagen zu unterstützen. Grundlegende Voraussetzung für wirksame Maßnahmen ist das Wissen, welche Unterstützung benötigt wird. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat daher die vorliegende Studie in Auftrag gegeben, deren Kern eine quantitative Befragung von knapp 350 Schulleitern und Lehrkräften an Schulen in herausfordernder Lage ist. Die Studie ist explorativ angelegt und wird um qualitative Befragungen ergänzt sowie theoretisch eingerahmt. Zwei Leitfragen stehen im Zentrum: Welche Unterstützungsbedarfe haben Schulleitungen und Lehrkräfte? Und welche Maßnahmen lassen sich daraus für jene Schulen ableiten, in denen Problemlagen kumulieren?

Achim Seifert (2022): Kollektivverträge für wirtschaftlich abhängige Selbständige und unionsrechtliches Kartellverbot. HSI-Schriftenreihe Bd. 42, Frankfurt am Main 2022

Nils Friedrichs und Johannes Graf (2022): Integration gelungen? Lebenswelten und gesellschaftliche Teilhabe von (Spät­)Aussiedlerinnen und (Spät­)Aussiedlern. SVR­-Studie 2022­-1, Berlin: Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), 2022

DIP (2022): Berufseinmündung und Berufsverbleib in der Pflege in NRW. Eine Analyse der Einstiegs-, Bindungs- und Haltefaktoren im Berufsfeld der Pflege. Kurzbericht, Köln: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (DIP), 28.03.2022
»Im Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales wurden auf der Basis von vorliegenden Daten sowie durch Befragungen von Schülerinnen und Schülern, Pflegenden und Trägern von Einrichtungen die Einstiegs-, Bindungs- und Haltefaktoren im Berufsfeld der Pflege in Nordrhein-Westfalen im Zeitraum vom 1. November 2020 bis zum 31. Januar 2022 analysiert.«

AGJ (2022): Zunehmende Privatisierung fach- und hochschulischer Qualifizierung in der Kinder- und Jugendhilfe: Chancen, Herausforderungen und Anforderungen an eine hochwertige Qualifizierung. Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, Berlin, März 2022
»In der Qualifizierungslandschaft der Kinder- und Jugendhilfe ist ein seit Jahren zunehmender Anteil an privaten Anbietern zu beobachten. Insbesondere der Anteil privater Qualifizierungsanbieter im Hochschulbereich erfährt derzeit ein rapides Wachstum, während private Träger auf Fachschulebene bereits stark etabliert sind. Dabei werden insbesondere duale wie Fernstudiengänge vorrangig von privaten Ausbildungsträgern angeboten.«

Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 13-14/2022: Kinder und Politik
»Was im besten Interesse von Kindern liegt, ist nicht einfach zu bestimmen. Kinder und Jugendliche sind bei Entscheidungen, die ihr Leben betreffen, selbst einzubeziehen, und der Raum für Mit- und Selbstbestimmung ist abhängig von Alter und Reifegrad sukzessive zu erweitern. So schreibt es die UN-Kinderrechtskonvention vor, die seit 1992 geltendes Recht in der Bundesrepublik ist. Dass Rechtslage und Rechtsanwendung beim Thema Kinderrechte oft auseinanderklaffen, hat nicht zuletzt die Corona-Politik gezeigt. Die Interessen der Kinder wurden weitgehend übergangen, und immer noch wird vor allem über sie statt mit ihnen gesprochen.«

Herbert Brücker (2022): Geflüchtete aus der Ukraine: Eine Einschätzung der Integrationschancen. IAB-Forschungsbericht Nr. 4/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2022

Armutskonferenz (2022): „Die im Dunkeln sieht man nicht …“. Eine Erhebung zur „Sozialhilfe“ aus Sicht von Expert*innen der sozialen Praxis. Schatten- und Wahrnehmungsbericht der Armutskonferenz, Wien: Die Armutskonferenz. Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung, 2022

Eurofound (2022): People with disabilities and the COVID-19 pandemic: Findings from the Living, working and COVID-19 e-survey, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2022

Nora Rohr et al. (2022): 10 Jahre Anerkennungsgesetz. Beitrag zur Fachkräftesicherung und Integration. IW-Kurzbericht, Nr. 25/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2022
»2022 jährt sich das Anerkennungsgesetz (kurz: BQFG) zum zehnten Mal. Ab 2020 hatte die Corona-Pandemie starken Einfluss auf die Fachkräftemigration weltweit. Dennoch wurden im selben Jahr 31.536 Anträge auf Berufsanerkennung in bundesrechtlich geregelten Berufen gestellt, darunter über 10.700 aus 13 Ländern, die bei der Fachkräfteeinwanderung besonders im Fokus stehen.«

Martin Beznoska et al. (2022): Energiepreisanstieg infolge des Kriegs. Wer ist besonders belastet? IW-Kurzbericht, Nr. 22/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2022
»Der Krieg in der Ukraine hat den Anstieg der Energiekosten weiter beschleunigt. Je nach Energieträger stiegen die Kosten allein zwischen Januar und März 2022 zwischen einem Viertel und gut 80 Prozent. Dies führt zu nennenswerten Kostenbelastungen, von denen die einkommensschwachen Haushalte in Relation zum Einkommen mit bis zu 4 Prozent am stärksten betroffen sind.«

Christina Anger und Dominik Enste (2022): Haushaltsnahe Dienstleistungen (noch?) überwiegend schwarz. IW-Kurzbericht Nr. 24/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2022
»Nur etwa jeder zehnte Haushalt nutzt bisher die Unterstützung durch eine Haushaltshilfe, darunter nur wenige Haushalte mit Kindern im Haushalt. Der Bedarf ist jedoch insbesondere für Familien in den letzten zwei Jahren durch den zeitweiligen Ausfall von Kindergärten und Schulen und dem damit erhöhten Betreuungsaufwand für Kinder gestiegen. Durch finanzielle Unterstützung in Form von Gutscheinen plant die Bundesregierung nun, hier Abhilfe zu schaffen und gleich mehrere Ziele zu erreichen.«

Gerd Zika et al. (2022): Die Folgen der neuen Klima- und Wohnungsbaupolitik des Koalitionsvertrags auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt. IAB-Forschungsbericht Nr. 3/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2022

Filiz Koneberg und Anika Jansen (2022): Ältere am Arbeitsmarkt. Herausforderungen und Chancen für die Fachkräftesicherung. KOFA-Studie 1/2022, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), März 2022

Martin Brussig et al. (2022): Arbeitsförderung von Geflüchteten – Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung. IAQ-Report 2022-03, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2022
»Den Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung (§45 SGB III) kommt bei der Arbeitsförderung von Geflüchteten große Bedeutung zu, auch weil ihr Rechtsrahmen weite Ausgestaltungsspielräume lässt. Mit sozialer Stabilisierung, Wissensvermittlung, Berufsorientierung und (begleitender) Sprachförderung sind die Ziele und Inhalte vieler dieser Maßnahmen der eigentlichen Arbeitsmarktintegration vorgelagert. In der Förderpraxis der Jobcenter und Arbeitsagenturen dienen die Maßnahmen oft auch der Überbrückung von Wartezeiten (z.B. auf Sprachkurse); deshalb wird für wichtig gehalten, dass sie kurzfristig verfügbar sind. Flüchtlingsspezifische Maßnahmen wirkten wegen zu ambitionierter Curricula zum Teil nicht wie erwartet.«

Matthias Zimmer (2022): Nachhaltigkeit und Innovation: Der Beitrag der Katholischen Soziallehre. (K)ein Widerspruch? Analysen & Argumente Nr. 477, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, März 2022

Mario Bossler (2022): Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro. Stellungnahme des IAB zur Verbändeanhörung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum Entwurf eines Gesetzes zur Erhöhung des Schutzes durch den gesetzlichen Mindestlohn (MiLoEG) am 2.2.2022. IAB-Stellungnahme 1/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Felix Braunsdorf und Lars Castellucci (Hrsg.) (2022): Progressive Migrations- und Flüchtlingspolitik. Impulse für einen Paradigmenwechsel, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Tina Haller und Florian Schardt (2022): Lösungsmodelle zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums Eine Betrachtung der SoBoN-Gestaltung im Landkreis München, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Ulrich Ludewig et al. (2022): Die COVID-19 Pandemie und Lesekompetenz von Viertklässler*innen. Ergebnisse der IFS-Schulpanelstudie 2016-2021, Dortmund: Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS), März 2022
»Die COVID-19 Pandemie brachte große Herausforderungen für die Gesellschaft und ins- besondere auch das Bildungssystem mit sich. Der vorliegende Bericht bietet wissenschaftlich fundierte Befunde zum Stand der Lesekompetenz vor und während der COVID- 19 Pandemie bei Viertklässler*innen in Deutschland. Für den Bericht wurden Daten von 4.290 Viertklässler*innen aus 111 Schulen in Deutschland, die 2016 und 2021 den um- fangreichen IGLU-Lesekompetenztest bearbeiteten, ausgewertet. Verglichen mit 2016 weisen Viertklässler*innen im Jahr 2021, die zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Jahr von COVID-19-bedingten Einschränkungen der Beschulung betroffen waren, im Mittel eine statistisch signifikante und substanziell geringere Lesekompetenz auf. Dieser Unterschied kann überwiegend nicht auf demographische Veränderungen zwischen den Jahren zurückgeführt werden. Im Vergleich zu 2016 ist der Anteil an (sehr) starken Leser*innen kleiner und der Anteil an (sehr) schwachen Leser*innen größer. Die bekannten mittleren Lesekompetenzunterschiede zwischen Geschlechtern und soziokulturellem Hintergrund bestehen weiterhin. Im Vergleich zu präpandemischen Zeiten deuten die Ergebnisse für Kinder mit Migrationshintergrund und ungünstigen häuslichen Lernbedingungen numerisch auf eine Vergrößerung der Unterschiede im Vergleich zu Kindern ohne Migrationshintergrund und günstigeren Lernbedingungen hin. Die Befunde werden vor dem Hintergrund forschungs- und praxisbezogener Implikationen diskutiert.«

Maximilian Blömer (2022): Wie wirkt das Teilhabegeld und was kostet es? Simulationsrechnungen für ein Kindergrundsicherungsmodell – Studie mit Tabellenband. ifo Forschungsberichte 130, München: ifo Institut, März 2022
»Die vorliegende Studie untersucht die ökonomischen Effekte des  Reformvorschlags „Teilhabegeld“. Ziel des Teilhabegelds für Kinder und Jugendliche ist eine materielle Besserstellung von Kindern sowie eine Vereinfachung der Bezugsmöglichkeiten der Transferleistung. Der Reformvorschlag umfasst eine Zusammenlegung von derzeit verschiedenen Transferleistungen für Familien in das Teilhabegeld als einheitliche Leistung für Kinder. Dabei sollen die kinderbezogenen Leistungen vom Arbeitslosengeld II entkoppelt werden. Das Teilhabegeld ist eine Variante der Kindergrundsicherung. Verschiedene Ausgestaltungen werden in dieser Studie untersucht. Bei den verfügbaren Einkommen ergibt sich durch das Teilhabegeld eine deutliche Besserstellung für Familien in den unteren Einkommensdezilen. Je nach Höhe und Ausgestaltung des Teilhabegelds ließe sich dadurch das Armutsrisiko von Kindern deutlich reduzieren. Negative Arbeitsangebotseffekte tragen zu den hohen Kosten des Reformvorschlags bei.«

Aileen Berghold et al. (2022): Tech-Giganten im Gesundheitswesen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2022
»Globale Technologiekonzerne dringen immer stärker in den Gesundheitsbereich vor. Ihre Aktivitäten und Geschäftsfelder weisen eine enorme Bandbreite auf. Einige Unternehmen, vor allem in den USA und China, treten dabei selbst als Erbringer von Gesundheitsleistungen in Erscheinung. Dank ihrer Innovationskraft stellen diese „Tech-Giganten“ einerseits eine große Chance für die digitale Transformation von Gesundheitssystemen dar. Andererseits birgt die teils monopolartige Marktmacht der Digitalkonzerne erhebliche Risiken, etwa bei der Auswertung von Daten oder dem gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Leistungen. Politik und Gesellschaft müssen sich darauf verständigen, wie sich die Digitalkonzerne am besten in die bestehenden Gesundheitsstrukturen einbinden lassen und gleichzeitig das Solidarprinzip gewahrt bleibt. Die Studie zeigt dafür mögliche Lösungsansätze auf.«

DBfK (2022): Kompensation von Belastungen und Anerkennung von Leistungen im Pflegeberuf, Berlin: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), Februar 2022
»Ein Gratifikationsschein für Pflegeberufe federt langjährige Arbeitsbelastungen ab und ermöglicht den Verbleib im Beruf. Das vom DBfK vorgeschlagene Konzept sieht vor, dass beruflich Pflegende nach zehn Jahren Berufstätigkeit den Gratifikationsschein erhalten. Damit haben sie ein Anrecht darauf, ab dem 50. Lebensjahr ihre Arbeitszeit bei vollem Gehalt auf 35 Stunden pro Woche zu reduzieren, und sie erhalten fünf zusätzliche Urlaubstage. Außerdem sollen Rehabilitationsmaßnahmen und Kuren mit dem Schein unbürokratisch möglich werden, zusätzliche Rentenpunkte erworben und eine Anrechnung von häuslicher Care-Arbeit erfolgen.«

Alexander Spermann (2022): Aktuelle Mikrosimulationsstudien zur Einführung eines partiellen bedingungslosen Grundeinkommens in Deutschland – eine kritische Analyse. FRIBIS-Paper No. 01.-2022, Freiburg: Freiburg Institute for Basic Income Studies (FRIBIS), März 2022
»Mikrosimulationsstudien sind ein empirisches Standardinstrument zur ex-ante Evaluation wirtschaftspolitischer Vorschläge. Der Vorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommen für Deutschland wurde in den letzten zwanzig Jahren immer wieder mit diesem Instrument simuliert – und aus fiskalischen Gründen nach Berücksichtigung von Verhaltensanpassungen am Arbeitsmarkt verworfen. Im Jahr 2021 wurden auch Berechnungen zu partiellen Grundeinkommensmodellen in Deutschland vorgelegt. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Ergebnisse dargestellt und kritisch analysiert. Es zeigt sich, dass die negativen Beschäftigungseffekte und die fiskalischen Kosten eines partiellen Grundeinkommens durch die Art der Modellierung überzeichnet werden. Der Autor befürwortet weitere Mikrosimulationsstudien mit einer verbesserten Modellierung. Dagegen liefern Mikrosimulationsstudien zur Kindergrundsicherung – einem bedingungslosen Grundeinkommen für Kinder – bereits weitreichende, jedoch noch nicht ausreichende empirische Evidenz für Politikentscheidungen.«

Franz Benstetter et al. (2022): Lehren aus der Covid-19-Pandemie: Der Weg zu größerer Resilienz im deutschen Gesundheitssystem, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2022
»Seit Beginn der Covid-19-Pandemie steht das deutsche Gesundheitssystem vor vielfältigen Herausforderungen in der Sicherstellung der Versorgung. Es zeigte sich, dass es nicht optimal auf die Krise im Rahmen der Pandemie vorbereitet war. Bereits länger bestehende Probleme, insbesondere die Defizite in der Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen und der Reformbedarf der Krankenhausstruktur, wurden sichtbar. Welche Erkenntnisse sind aus der aktuellen Krise zu ziehen, und welche Verbesserungen müssen vorgenommen werden, um das Gesundheitssystem in Zukunft resilienter und gleichzeitig leistungsfähiger zu machen?«

Rat der Arbeitswelt (2022): Der Betrieb als sozialer Ort. Entwicklungen. Herausforderungen. Empfehlungen. Ein Positionspapier des Rats der Arbeitswelt, Berlin 2022
»Schutzmaßnahmen und wirtschaftliche Folgen der Covid-19-Pandemie beeinflussen das betriebliche Handeln und Miteinander in beachtlichem Ausmaß. Dabei hat sich über die letzten zwei Jahre gezeigt, wie wichtig Kooperation und Zusammenhalt der betrieblichen Akteure und Sozialpartner ist, um auf Krisen eines solchen Ausmaßes schnell, effizient und innovativ reagieren zu können. Diese Leistung hat der Rat der Arbeitswelt bereits in seinem ersten Arbeitswelt-Bericht gewürdigt und Empfehlungen formuliert, wie der Betrieb in seiner Funktion als sozialer Ort erhalten und gestärkt werden kann. Vor dem Hintergrund der Entwicklung seit dem Herbst 2021 hat der Rat diese Empfehlungen in einem Positionspapier aufgegriffen, reflektiert und ergänzt.«

Andreas Hövermann und Bettina Kohlrausch (2022): Der Vertrauensverlust der Mütter in der Pandemie. Befunde eines repräsentativen Bevölkerungspanels. WSI Report Nr. 73, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2022
»Zahlreiche Studien zeigten, dass Eltern – und hier insbesondere Mütter – besonders häufig und in vielfältiger Weise bereits früh zu den Hauptleidtragenden der Pandemie gehörten. Auch zwei Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie können wir dies anhand der vorliegenden Auswertungen der jüngsten Befragungsdaten aus dem Januar 2022 der HBS-Panel-Erwerbspersonenbefragung bestätigen.«

Stefanie Knoll (2022): Ungenutztes Know-how? Beschäftigung Geflüchteter in Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 1/2022
»Ein paar Jahre nach dem großen Zustrom von Geflüchteten nach Deutschland haben knapp die Hälfe der zugezogenen Personen in Beschäftigung gefunden. Sie sind vorwiegend als Hilfsarbeitskräfte tätig, auch weil ausländische Bildungsabschlüsse in Deutschland nicht immer anerkannt wurden. Von den im Ausland ausgebildeten Geflüchteten sind 87% in Deutschland entweder nicht beschäftigt oder das für den heutigen Beruf benötigte Ausbildungsniveau liegt niedriger als die mitgebrachte Ausbildung. Der Beitrag betrachtet, bei welchen Personengruppen Know-how ungenutzt bleiben könnte.«

Cornelius Plaul (2022): Gleicher als gedacht? – Eine Analyse zur Ermittlung wohnpreisbereinigter Verdienste in Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 1/2022
»In Deutschland existieren teils erhebliche Verdienstunterschiede, beispielsweise zwischen Ost und West oder zwischen Stadt und Land. Dabei fällt die reale Verdienstlücke deutlich kleiner aus, wenn berücksichtigt wird, dass einerseits das progressive Steuersystem höhere Einkommen überproportional stark belastet und so zu einer teilweisen Nivellierung führt. Andererseits sind die Wohnpreise gerade dort besonders hoch, wo überdurchschnittliche Bruttoverdienste erzielt werden können. Berücksichtigt man diesen Effekt, reduziert sich die Lücke zwischen den neuen Bundesländern und dem Bundesdurchschnitt um bis zu einem Drittel.«

Joachim Ragnitz (2022): Übersterblichkeit während der Corona- Pandemie, in: ifo Dresen berichtet, Nr. 1/2022
»Seit zwei Jahren hält die Covid-19-Pandemie Deutschland und die Welt in Atem. Seit dem erstmaligen Auftreten des Virus in Deutschland am 27. Januar 2020 und seiner raschen Verbreitung geht die Sorge um, dass viele Menschen infolge einer Infektion sterben könnten. Der nachfolgende Artikel zeichnet zunächst die bisherigen vier Wellen der Corona-Pandemie hinsichtlich Infektionen und Todesfällen nach und untersucht dann, wie hoch die sogenannte „Übersterblichkeit“ tatsächlich war. Insgesamt sind nach den hier vorgelegten Berechnungen seit Pandemiebeginn rund 96.200 mehr Menschen gestorben als es unter normalen Umständen zu erwarten gewesen wäre. Die Übersterblichkeit ist damit etwas niedriger als die Zahl der in diesem Zeitraum vom RKI registrierten 113.400 Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.«

Grace Lugert-Jose (2022): Zufriedenheit von philippinischen Pflegefachkräften in Deutschland, Hamburg, März 2022

Claudia Globisch et al. (2022): Aufteilung der Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen Frauen und Männern: In der Pandemie ändern sich Geschlechterrollen kaum. IAB-Kurzbericht Nr. 5/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Tabea Bucher-Koenen, Caroline Knebel und Christina Meyer (2021): Die Rolle der betrieblichen Altersvorsorge für die Einkünfte im Alter – aktuelle Evidenz und Datengrundlagen, ZEW Discussion Paper No. 21-099, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Dezember 2021

Jenny Wielga und Peter Enste (2022): Zwischen Angst, Skepsis und Verweigerung: Was wissen wir über Menschen mit Impfvorbehalten in der Covid-19- Pandemie? Forschung Aktuell Nr. 2022-03, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen, März 2022

Verena Rossow und Simone Leiber (2022): ,Mehr Fortschritt wagen‘ auch im Feld der Live-in-Pflege? DIFIS-Impuls 2022/1, Duisburg/Bremen: Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS), Februar 2022
»Seit der EU-Osterweiterung werden immer mehr alte Menschen von Migrant*innen aus Mittel- und Osteuropa betreut, die mit in deren Haushalt leben (‚Live-in‘-Pflege). Der Ampel-Koalitionsvertrag wendet sich erstmals politisch einer Regulierung dieser auch ‚24-Stunden-Pflege‘ genannten Form der Betreuungsarbeit in Deutschland zu. Dabei stellt sich die Frage, ob Deutschland sich am österreichischen Selbständigen-Modell orientiert oder einen eigenen Weg geht. Der Beitrag argumentiert für einen eigenen Weg basierend auf einem Arbeitnehmermodell – verpflichtend eingebettet in gemischte Pflegearrangements.«

24h-Pflege-Check.de (2022): Branchenreport 2021 – Häusliche 24-Stunden-Pflege und -Betreuung, Bielefeld 2022

Heinrich-Böll-Stiftung (2022): Sozialatlas 2022. Daten und Fakten über das, was unsere Gesellschaft zusammenhält, Berlin, März 2022

Herbert Brücker et al. (2022): Die Folgen des Ukraine-Kriegs für Migration und Integration: Eine erste Einschätzung. IAB-Forschungsbericht Nr. 2/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2022

Johannes Gräske und Theresa Forbrig (2022): Mögliche Folgen der Einrichtungsbezogenen Impfpflicht nach §20a Infektionsschutzverordnung – eine Querschnittserhebung von Einrichtungen nach SGB V und SGB XI, Berlin: Alice Salomon Hochschule Berlin, Februar 2022

Annekatrin Schrenker und Katharina Wrohlich (2022): Gender Pay Gap ist in den letzten 30 Jahren fast nur bei Jüngeren gesunken, in: DIW Wochenbericht, Nr. 9/2022
»Der Gender Pay Gap, also die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern, ist in den vergangenen Jahren langsam, aber kontinuierlich auf 18 Prozent gesunken. Wie dieser Bericht auf Basis von Daten des Sozio­oekonomischen Panels (SOEP) anlässlich des bevorstehenden Equal Pay Days zeigt, unterscheidet sich der Rückgang allerdings sehr stark nach dem Alter: Während der Gender Pay Gap bei den unter 30­Jährigen von durchschnittlich rund 15 Prozent in den Jahren 1990 bis 1999 auf acht Prozent im Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2019 fiel, verharrte er in den Altersgruppen ab 40 Jahren bei deutlich über 20 Prozent. Daran zeigt sich, wie einschneidend die Phase der Familiengründung für die Erwerbsbiografien und Gehälter vieler Frauen nach wie vor ist. Sie legen ab der Geburt des ersten Kindes längere Pausen vom Job ein und arbeiten fortan häufiger in Teilzeit. Die Folge: Männer ziehen mit ihren Stundenlöhnen insbesondere im Alter von 30 bis 40 Jahren davon. Will die Familienpolitik daran etwas ändern, muss sie Anreize für eine egalitärere Aufteilung der Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern schaffen. Ansatzpunkte sind eine Ausweitung der Väter­Monate beim Elterngeld bei gleichzeitiger Erhöhung der Lohnersatzrate sowie eine Reform des Ehegattensplittings und der Minijobs.«

Kai-Uwe Müller und Claire Samtleben (2022): Reduktion und partnerschaftliche Aufteilung unbezahlter Sorgearbeit erhöhen Erwerbsbeteiligung von Frauen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 9/2022

Tim Zahn et al. (2022): Grenzenlose Ausbeutung. Arbeitsmigrant*innen in den Lieferketten deutscher Supermärkte, Berlin: Oxfam Deutschland, Februar 2022
»Hungerlöhne, Pestizide, Diskriminierung: Arbeiter*innen auf Bananen- und Ananasplantagen in Costa Rica sowie auf Wein- und Tafeltraubenfeldern Südafrikas arbeiten unter katastrophalen Bedingungen. Besonders betroffen sind Arbeitsmigrant*innen. Oxfam hat mit Hilfe seiner Partnerorganisationen vor Ort und seinen Unterstützer*innen in Deutschland Lieferverbindungen von den Plantagen und Anbaugebieten zu deutschen Supermärkten recherchiert. Das Ergebnis: Wir fanden Verstöße gegen Arbeits- oder Menschenrechte bei Zulieferern aller großen deutschen Supermarktketten. Die Supermärkte sind in der Pflicht: Sie müssen Menschenrechte in ihren Lieferketten achten und gerechte Preise an Zulieferer zu zahlen, um damit Löhne für die Arbeiter*innen zu ermöglichen, von denen diese sich und ihre Familien ernähren können. Aber auch die Bundesregierung und die Europäische Union müssen tätig werden und die nötigen rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit unser Essen nicht mehr auf Ausbeutung beruht.«

Janis Ewen, Heiner Heiland und Martin Seeliger (2022): Dynamiken autonomer Arbeitskonflikte im digitalen Kapitalismus. Der Fall „Gorillas“. Schriftenreihe Institut Arbeit und Wirtschaft Nr. 33, Bremen: Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw), Januar 2022
»Am Beispiel des Lieferdienstes Gorillas untersucht der Beitrag Möglichkeiten und Grenzen der Regulierung von Rider-Arbeit. Im Fokus stehen Arbeitskonflikte und die dabei beteiligten Akteure. Die Rekonstruktion der Konfliktdynamik zeigt, dass einige der Arbeiter:innen sich zu einem autonomen Kollektiv zusammenschließen und sich sowohl von den traditionellen Akteuren sozialpartnerschaftlicher Arbeitsbeziehungen distanzieren als auch pragmatisch deren Unterstützung in Anspruch nehmen. Mit vielen direkten Protesten und einer breiten Öffentlichkeit lassen sich mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Wahl eines Betriebsrats erste Erfolge dieser Strategie konstatieren.«

Judith Neumer, Sarah Nies, Tobias Ritter und Sabine Pfeiffer (2022): Beruflichkeit und Kollaboration in der digitalisierten Arbeitswelt. Wechselseitige Bedingungen und Wirkungsweisen. Working Paper Forschungsförderung Nr. 242, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2022

Stefan Angel (2022): Dimensionen von Digitalisierung der Sozialpolitik in Österreich. Ein konzeptioneller Diskussionsbeitrag. WIFO Working Papers 642/2022, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Februar 2022
»Das vorliegende Paper beschäftigt sich mit der Frage, welche Bedeutung die Digitalisierung für Planung, Praxis und Wirksamkeit von Sozialpolitik in Österreich hat. Auf Basis facheinschlägiger Literatur werden bestimmte Dimensionen von Digitalisierung und ihre Relevanz für die Sozialpolitik besprochen. Im Vergleich zu anderen Beiträgen, die sich mit Reaktionsmöglichkeiten des Wohlfahrtsstaates auf Digitalisierung in der Produktion und am Arbeitsmarkt beschäftigen, liegt der Fokus auch auf Digitalisierungsformen im (wohlfahrts)staatlichen Handeln selbst und wie diese Dimensionen mit sozialer Ungleichheit zusammenhängen. Vier Dimensionen werden besprochen: 1) Digitalisierung von Amtswegen und politischer Partizipation, 2) Daten und Politik-Evaluierung, 3) Kommunikation, 4) Reaktionsmöglichkeiten des Wohlfahrtsstaates auf die Digitalisierung der Produktion. Der Beitrag schließt mit ausgewählten Vorschlägen für zukünftige Forschung.«

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (2022): Ausbildung der Erzieher:innen zukunftsfähig gestalten – Perspektiven öffnen! Diskussionsbeitrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Frankfurt am Main, Februar 2022

Cristóbal Moya und Jule Adriaans (2022): Gerechtigkeitsprofile in Europa: Große Unterschiede bei der Bewertung von Ungleichheit, in: DIW Wochenbericht, Nr. 7/2022
»Die zunehmende Ungleichheit von Einkommen und Vermögen wird in Europa intensiv diskutiert. Obwohl es für die Gestaltung von Sozialpolitik eine große Rolle spielt, ob Ungleichheiten als gerecht oder ungerecht angesehen werden, ist bisher wenig erforscht, wie BürgerInnen diese Ungleichheiten im Einzelnen bewerten. Um diese Lücke zu schließen, werden die Antwortprofile untersucht, die den Gerechtigkeitsbewertungen von Einkommen und Vermögen im European Social Survey (2018/2019) zugrunde liegen. Unter europäischen Erwerbstätigen werden vier solcher Gerechtigkeitsprofile identifiziert: Die Profile KritikerInnen, AltruistInnen, Benachteiligte und Status-quo-BefürworterInnen unterscheiden sich in Bezug darauf, ob und wo in der Einkommens- und Vermögensverteilung sie Ungerechtigkeiten feststellen. Die meisten Befragten gehören entweder zu den KritikerInnen, die Ungerechtigkeiten in allen Bereichen feststellen und Umverteilung befürworten, oder zu den AltruistInnen, die ihre eigene Situation als gerecht, die gesellschaftlichen Einkommens- und Vermögensunterschiede jedoch als ungerecht bewerten. Die weit verbreitete Sorge um soziale Gerechtigkeit sollte politisch aufgegriffen werden. Bei der Gestaltung länderspezifischer politischer Maßnahmen sollte jedoch berücksichtigt werden, wo in der Vermögens- und Einkommensverteilung Ungerechtigkeiten identifiziert werden.«

Sandra Dummert und Matthias Umkehrer (2022): Auswirkungen der Covid-19-Pandemie nach dem ersten Lockdown 2020: Weniger Übernahmen nach einer betrieblichen Ausbildung. IAB-Kurzbericht Nr. 4/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2022
»Von der Covid-19-Pandemie betroffene Ausbildungsbetriebe haben Jugendliche nach Abschluss ihrer Ausbildung im Jahr 2020 deutlich seltener übernommen. Die Übernahmequote in Betrieben, die von der Pandemie wirtschaftlich negativ betroffen waren, sank nach dem ersten Lockdown 2020 um 9,6 Prozentpunkte im Vergleich zu nicht betroffenen Betrieben. Darüber hinaus schlossen wirtschaftlich negativ von der Pandemie betroffene Betriebe für das Ausbildungsjahr 2020/2021 deutlich weniger neue Ausbildungsverträge ab als nicht betroffene Betriebe. Die Wahrscheinlichkeit neuer Ausbildungsverträge hat sich gegenüber 2019/2020 in wirtschaftlich negativ betroffenen Betrieben relativ zu nicht betroffenen Betrieben um 6,7 Prozentpunkte verringert. Mehr als jeder fünfte Ausbildungsbetrieb hatte im Jahr 2020 mit starken oder sehr starken negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen. Insbesondere Ausbildungsbetriebe im Gastgewerbe spürten wirtschaftlich am häufigsten negative Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, gefolgt von Betrieben im Bereich Transport und Lagerei. Am seltensten betroffen waren Ausbildungsbetriebe in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft sowie Bergbau wie auch Betriebe im Baugewerbe.«

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (2022): Zukunft der Pflegefinanzierung und Personalausstattung im Krankenhaus (§137k SGB V). Positionspapier, Berlin, Januar 2022

Thorsten Schulten und das WSI-Tarifarchiv (2022): Tarifpolitischer Jahresbericht 2021. Tarifpolitik im zweiten Jahr der Corona-Pandemie, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2022

Martin Beznoska (2022): Die Altersverteilung von Steuern, Abgaben und staatlichen Leistungen. IW-Report Nr. 7/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2022

Agnieszka Piasna, Wouter Zwysen and Jan Drahokoupil (2022): The platform economy in Europe. Results from the second ETUI Internet and Platform Work Survey, Brussels: ETUI, 2022

German Office for International Cooperation in Vocational Education and Training (GOVET) (Eds.) (2022): Effects of the COVID-19 Pandemic on Vocational Education and Training: International Perspectives of Policy Makers and Practitioners, Bonn 2022
»In a series of virtual bilateral workshops held from February to April 2021, the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF) and their partner ministries in seven countries – Costa Rica, Ghana, Israel, Italy, Russia, South Africa, and USA – discussed the effects of the COVID-19 pandemic on Vocational Education and Training (VET), employment, and youth. GOVET (German Office for International Cooperation in VET) asked policy makers, researchers, and practitioners to share their experiences, fi rst lessons learned, best practices, and response strategies. This publication documents the outcomes. The contributions range from hands-on practical reports to in-depth VET research findings, from rather analytical perspectives to policy consultancy and strategic ideas.«

Bundesagentur für Arbeit (2022): Entwicklungen in der Zeitarbeit, Nürnberg, Januar 2022

Simone M. Schneider, Teodora Petrova, Ulrich Becker (eds.) (2021): Pension Maps: Visualising the Institutional Structure of Old Age Security in Europe and Beyond. 2nd Edition, Munic: Max Planck Institute for Social Law and Social Policy. Department of Foreign and International Social Law, December 2021

Markus Roth (2022): Reformperspektiven für die deutsche Altersvorsorge Der Koalitionsvertrag aus rechtsvergleichender Sicht: Von Schweden lernen, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2022
»In der gerade begonnenen Legislaturperiode steht eine Modernisierung der Altersvorsorge an. Der Koalitionsvertrag sieht eine Kapitaldeckung und eine renditeorientierte Anlage in allen Schichten des deutschen Alterssicherungssystems vor; die Einrichtung staatlich organisierter Fonds soll geprüft werden. Das schwedische Rentensystem enthält einen solchen staatlich organisierten Fonds. Markus Roth, Universität Marburg, schlägt für Deutschland einen staatlich organisierten Fonds für die betriebliche und individuelle Altersvorsorge vor; dieser Fonds sollte in ein System renditeträchtiger und kostengünstiger Anlage in der betrieblichen und individuellen Altersvorsorge eingebettet werden.«

Gisela Färber und Joachim Wieland (2022): Rechtliche und verwaltungsorganisatorische Möglichkeiten einer Klimaprämie, Februar 2022

Paulina Fröhlich, Tom Mannewitz und Florian Ranft (2022): Die Übergangenen. Strukturschwach & erfahrungsstark. Zur Bedeutung regionaler Perspektiven für die Große Transformation, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2022

DGB (2022): Verfestigung der Langzeitarbeitslosigkeit während der Corona-Krise, Berlin: DGB Bundesvorstand, Februar 2022
»Die Zahl Langzeitarbeitslosen hat sich in der Corona-Pandemie deutlich erhöht und die Langzeitarbeitslosigkeit hat sich verfestigt. Der DGB analysiert … die Gründe für diese besorgniserregende Entwicklung und hat dazu u.a. auch eine bei der Bundesagentur für Arbeit in Auftrag gegebene Sonderauswertung ausgewertet.«

Malte Lübker und Thorsten Schulten (2022): WSI-Mindestlohnbericht 2022. Aufbruch zu einer neuen Mindestlohnpolitik in Deutschland und Europa. WSI-Report Nr. 71, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2022
»Nicht nur in Deutschland steht der Mindestlohn derzeit weit oben auf der politischen Agenda – zahlreiche europäische Länder sind auf dem Weg zu strukturell höheren Mindestlöhnen. Als Richtwert für ein angemessenes Mindestlohnniveau gilt dabei die Schwelle von 60 % des Medianlohns, die auch im Kontext der Europäischen Mindestlohninitiative diskutiert wird. Der diesjährige WSI-Mindestlohnbericht zeigt, dass Mindestlöhne in dieser Höhe umsetzbar sind, wenn hierfür eine klare politische Richtungsentscheidung getroffen wird. Deutschland würde sich mit der geplanten Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro diesem Richtwert annähern und damit innerhalb Europas vom bisherigen Nachzügler bei Mindestlohnerhöhungen zum Vorreiter in der Mindestlohnpolitik werden.«

Hannah Illing, Michael Oberfichtner, Nico Pestel, Johannes Schmieder und Simon Trenkle (2022): Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktwirkung der Covid-19-Pandemie: Ähnlicher Arbeitszeitausfall, aber bei Müttern höhere zusätzliche Belastung durch Kinderbetreuung. IAB-Kurzbericht Nr. 3/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2022
»Die Covid-19-Pandemie hat im Frühjahr 2020 eine Rezession ausgelöst, von der – anders als in früheren Rezessionen – Frauen ähnlich stark betroffen waren wie Männer. Die Kita- und Schulschließungen führten außerdem zu sehr starken zusätzlichen Belastungen für Eltern. Mütter haben dabei deutlich mehr zusätzliche Zeit für Kinderbetreuung übernommen als Väter.«

Cornelius Markert (2022): Eine neue Normalarbeitszeit? Arbeitszeitverkürzung, Flexibilisierung und ein neues Verständnis der ‚Normalarbeit‘, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2022
»Die Corona-Pandemie hat der Diskussion um die Arbeits-zeit der Zukunft einen neuen Schub verliehen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität in ihrem Erwerbsverlauf und eine bessere Vereinbarkeit von Privatleben, Ehrenamt und Beruf. Ein neues Verständnis von ,Normalarbeit‘ als gut bezahlte Vollarbeitszeit in Richtung einer 4-Tage- bzw. 32-Stunden-Woche bietet die Chance einer Transformation hin zu einer Arbeitsgesellschaft zum Wohle der Menschen.«

Klaus Klemm (2022): Entwicklung von Lehrkräftebedarf und -angebot in Deutschland bis 2030. Expertise im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Essen, Januar 2022

Lewe Bahnsen (2022): Kostenbeteiligungen, Wartezeiten, Leistungsumfang. Ein europäischer Vergleich der Gesundheitssysteme, Köln: Wissenschaftliches Institut der PKV (WIP), Februar 2022

Alexandra Graevskaia, Katrin Menke und Andrea Rumpel (2022): Institutioneller Rassismus in Behörden – Rassistische Wissensbestände in Polizei, Gesundheitsversorgung und Arbeitsverwaltung. IAQ-Report 2022-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2022
»Rassistische Wissensbestände stellen in deutschen Behörden keine Ausnahme dar. Auch unsere Forschung zeigt: Sie sind strukturell eingebettet und werden institutionell (re)produziert. Handlungsunsicherheiten in Behörden begünstigen die (Re-)Produktion von ‚altem‘ und ‚neuem‘ rassistischen ‚Wissen‘. Für Betroffene führen Othering-Prozesse durch Behörden zu differenziellen Ein- und Ausschlüssen von sozialstaatlichen Leistungen sowie zu Stigmatisierungen. Um institutionellem Rassismus entgegenzuwirken, bedarf es einer Vielzahl an Maßnahmen, etwa einer kritischen Reflexion behördlicher Routinen,  systematischen Monitorings behördlicher Entscheidungen sowie rassismuskritischer Schulungen.«

Maximilian Blömer et al. (2022): Von Hartz IV zum Bürgergeld – mehr als ein neuer Name?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2022
»Die Ampelkoalition plant eine Reform von Hartz IV hin zu einem Bürgergeld. Der Koalitionsvertrag sieht vor, dass es ein Sanktionsmoratorium geben wird, die Regelsätze nicht gesondert erhöht werden, die Anrechnung des Zuverdienstes reduziert wird und der Vermittlungsvorrang abgeschafft wird. Damit würden sich die Bedingungen der Grundsicherung an mehreren Stellen ändern. Die Autor:innen fragen, wie sich diese Veränderungen auf die Arbeitssuche und den Arbeitsmarkt auswirken. Bestehen für Arbeitssuchende noch genug Anreize, eine Arbeit anzunehmen? Welche weiteren Anpassungen sollte es im Zuge der Reform geben?«
➞ 6 Beiträge zum Thema

Eva Hänselmann (2022): Digitale Technik in der Altenpflege. Eine sozialethische Reflexion. ICS AP Nr. 16, Münster: Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) Münster, Februar 2022
»Die Digitalisierung der Pflege ist in vollem Gange. Die Frage, ob digitale Technik in der Altenpflege eingesetzt werden soll, stellt sich nicht mehr. Umso mehr gilt es aus sozialethischer Sicht zu fragen, wie der Technikeinsatz aussehen soll. Diese Entscheidung ist ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Umgangs mit Menschen in einer vulnerablen Lebensphase, und bedingt gleichzeitig einschneidende Veränderungen der (zukünftigen) Arbeitsbedingungen und Entfaltungsmöglichkeiten der Pflegenden. Daher muss sich die Sozialethik positionieren und dazu beitragen, anderen einen informierten Zugang zum gesellschaftlichen Diskurs zu ermöglichen. Eva Hänselmann gibt im ICS-Arbeitspapier Nr. 16 einen Überblick über aktuell bestehende Möglichkeiten (und Grenzen) der digitalen technischen Unterstützung in der Altenpflege. Sie entwickelt anerkennungstheoretisch fundierte und auf die Betroffenen hin orientierte ethische Kriterien eines Technikeinsatzes. Basierend darauf präsentiert das Papier Rahmenbedingungen für eine gute Pflege(arbeit) unter den Bedingungen der Digitalisierung und Technisierung am Beispiel sensorgestützter digitaler Pflegeplanung.«

Laura Benning et al. (2022): Zivilgesellschaftliches Engagement im Jahr 2031. Prognosen und Zukunftsszenarien, Berlin: Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ), Februar 2022

Carlo Pizzinelli and Ippei Shibata (2022): Has COVID-19 Induced Labor Market Mismatch? Evidence from the US and the UK, Washington, DC: International Monetary Fund (IMF), January 2022
»This paper studies whether labor market mismatch played an important role for labor market dynamics during the COVID-19 pandemic. We apply the framework of S¸ahin et al. (2014) to the US and the UK to measure misallocation between job seekers and vacancies across sectors until the third quarter of 2021. We find that mismatch rose sharply at the onset of the pandemic but returned to previous levels within a few quarters. Consequently, the total loss in employment caused by the rise in mismatch was smaller during the COVID-19 pandemic than during the Global Financial Crisis. The results are robust to considering alternative definitions of job seekers and to using a measure of effective job seekers in each sector. Preliminary evidence suggests that increased inactivity among older workers, the so called She-cession (particularly in the US) and shifting worker preferences amid strong labor demand are more prominent explanations for the persistent employment shortfall vis-à-vis pre-COVID levels.«

BMSGPK  (2021): Kinderkostenanalyse 2021. Endbericht, Wien: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), 2021

Dagmar Weßler-Poßberg, Andreas Heimer, David Juncke und Anette Berg (2022): Perspektiven für die Kinder- und Jugendpolitik im investierenden Sozialstaat. Mehr Chancen in benachteiligenden Lebenslagen durch gemeinsames Handeln, Düsseldorf: Prognos AG, Februar 2022

Alexandra David, Jessica Siegel, Yasin Geme und Theresa Rosenberger (2022): Möglichkeiten der Einflussnahme migrantischer Unternehmer:innen in der lokalen Wirtschaft. Wissen, Sprache und Zugehörigkeit, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen (IAT), 2022

Helena Bach (2022): Tarifsystem in Deutschland. Fehlende Beteiligung trotz großer Wertschätzung. IW-Kurzbericht Nr. 6/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2022
»Tarifautonomie, Tarifbindung, Tarifverträge – das sind hohe Güter im deutschen Wirtschaftssystem, die zum Wohlstand beitragen und in Politik und Gesellschaft geschätzt werden. Trotzdem sinkt die Tarifbindung kontinuierlich und dennoch verlieren die Tarifvertragsparteien an Bindekraft und Mitgliedern.«

Stefanie Gundert und Laura Pohlan (2022): Materielle und soziale Teilhabe: Mit dem Arbeitsplatz kann man mehr verlieren als nur den Job. IAB-Kurzbericht Nr. 2/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Erwerbsarbeit gilt als eine wichtige Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Die Autorinnen gehen der Frage nach, wie sich ein Arbeitsplatzverlust kurzfristig auf die materielle und soziale Teilhabe sowie das individuelle Wohlbefinden der Betroffenen auswirkt. Dabei werden sowohl objektive Teilhabeindikatoren als auch subjektive Einschätzungen untersucht. Arbeitslosigkeit hat zunächst Einfluss auf die materiellen Ressourcen: Das verfügbare Haushaltseinkommen sinkt, und dies geht mit einer Verschlechterung des Lebensstandards einher. Darüber hinaus sind auch psychosoziale Folgen zu beobachten, etwa auf die subjektive Einschätzung der eigenen Handlungsfähigkeit und Problemlösungskompetenz, den wahrgenommenen sozialen Status und das gesellschaftliche Zugehörigkeitsempfinden. Dabei sind Personen mit geringen bis mittleren Qualifikationen stärker von den negativen sozialen und materiellen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit betroffen als höher Qualifizierte.«

Alexandra David et al. (2022): Migrantisches Unternehmer:innentum in Deutschland. Vorschlag einer Differenzierung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2022

Wido Geis-Thöne (2022): Wanderungsbewegungen im Lebenslauf und regionale Bevölkerungsentwicklung. Rahmenbedingungen für die regionale Migrations- und Demografiepolitik. IW-Report Nr. 6/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2022

Cornelia Kristen, Yuliya Kosyakova und Christoph Spörlein (2022): Deutschkenntnisse entwickeln sich bei Geflüchteten und anderen Neuzugewanderten ähnlich – Sprachkurse spielen wichtige Rolle, in: DIW Wochenbericht, Nr. 5/2022
»Das Erlernen der deutschen Sprache spielt eine Schlüsselrolle für die Integration von neu zugewanderten Menschen. In diesem Beitrag wird der Zweitspracherwerb von Personen, die im vergangenen Jahrzehnt in die Bundesrepublik gekommen sind, in den ersten Jahren nach dem Zuzug untersucht. Hierzu werden Geflüchtete mit anderen Neuzugewanderten verglichen. Die Auswertungen verweisen auf ähnliche Prozesse des Zweitspracherwerbs in beiden Gruppen. Wichtig für die Verbesserung der Deutschkenntnisse sind vor allem die Lerngelegenheiten, die sich einerseits im Alltagsleben über Kontakte zu anderen ergeben, andererseits in strukturierten Lernsituationen stattfinden, wie beim Besuch von Sprachkursen. Die Ergebnisse belegen, dass solche Kurse in recht kurzer Zeit zu deutlichen Zuwächsen bei den Deutschkenntnissen führen. Gerade bei Geflüchteten spielen Sprachkurse eine wichtige Rolle, während andere Zugewanderte auch stark von Alltagskontakten profitieren. Insbesondere Sprachkurse sind also ein effektives Instrument, mit der die Politik über entsprechende Angebote neu zugewanderte Personen beim Erwerb von Sprachkenntnissen gezielt unterstützen kann.«

Camille Logeay, Rudolf Zwiener und Florian Blank (2022): Nachhaltigkeit in der Rentenversicherung in Zeiten des demografischen Wandels? Analyse zu den makroökonomischen Effekten einer Beitragssatzerhöhung in der Rentenversicherung. IMK Study Nr. 76, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2022
»In dieser Studie wird zunächst der Begriff der Nachhaltigkeit bezogen auf die Rentenpolitik beleuchtet und gezeigt, dass ein Trade-off zwischen sozialer und finanzieller Nachhaltigkeit letztendlich an die alte Debatte um den vermeintlichen Trade-off zwischen Leistungsniveau und finanzieller Belastung unter dem Druck des demografischen Wandels anknüpft. Kernargument gegen eine Beitragssatzerhöhung bzw. Erhöhung des Zuschusses aus Steuermitteln und damit eine Erhöhung der Ausgaben für Renten, um das Leistungsniveau zu halten, ist, dass diese Maßnahmen als wachstumshemmend gelten. Ein Literaturüberblick zeigt, dass die meisten Simulationen zu den Folgen einer Beitragserhöhung im Kontext des demografischen Wandels, die auf dem „Markt“ der wirtschaftspolitischen Beratung sind, auf denselben neoklassischen Modellannahmen aufbauen. Diejenigen neoklassischen Simulationsergebnisse mit hoher empirischer Kohärenz zeigen einen nur kleinen wachstumshemmenden Effekt. Ein alternatives Modell, das diese neoklassischen Annahmen nicht beinhaltet, zeigt hingegen andere Effekte mit hoher empirischer Kohärenz: Es gibt insbesondere keinen negativen Effekt auf Wachstum und Beschäftigung. Um diesen Punkt zu analysieren, werden Simulationen mit einem keynesianischen makroökonometrischen Modell durchgeführt, die zeigen, wie sich drei alternative Finanzierungsmöglichkeiten höherer Rentenausgaben makroökonomisch auswirken.«

Eurofound (2022): COVID-19 and older people: Impact on their lives, support and care, Luxembourg: Publications Office of the European Union, January 2022

BMAS (Hrsg.) (2022): Bericht des unabhängigen, interdisziplinären Beirats zum Beschäftigtendatenschutz, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Januar 2022
»Mit der Einberufung des interdisziplinären Beirats zum Beschäftigtendatenschutz setzte das BMAS den Auftrag aus dem Koalitionsvertrag der 19. Legislaturperiode um, zu prüfen, ob ein eigenständiges Gesetz zum Beschäftigtendatenschutz erlassen werden sollte. Der Beirat nahm seine Arbeit unter Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin im Juni 2020 auf. Die Mitglieder des Beirats kommen aus den Bereichen der Arbeits- und Organisationspsychologie, der Datenschutzaufsichtsbehörden, der betrieblichen Praxis, der Ethik, der Informatik und der Rechtswissenschaft. In regelmäßigen Sitzungen erörterten sie die datenschutzrechtlichen Anforderungen einer sich schnell verändernden technologiegetriebenen Arbeitswelt.«

Franziska Leopold (2021): Übersicht über wissenschaftliche englischsprachige Meinungsstudien zum Grundeinkommen, Freiburg: Freiburger Institut zur Erforschung des Grundeinkommens (FRIBIS), Dezember 2021

Clemens Arzt, Nathalie Hirschmann, Daniela Hunold, Sven Lüders, Christoph Meißelbach, Marschel Schöne und Birgitta Sticher (Hrsg.) (2021): Perspektiven der Polizeiforschung. 1. Nachwuchstagung Empirische Polizeiforschung, Berlin, Dezember 2021
Die Beiträge der ersten Nachwuchstagung Empirische Polizeiforschung, die im März 2021 online stattfand, stehen nun in einem Sammelband zum kostenlosen Download zur Verfügung. An der Tagung hatten 53 Referenten und 250 Wissenschaftler und Polizeipraktiker teilgenommen.

Johannes Becker (2022): Ehegattenbesteuerung in Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2022
Ehegattensplitting und der Splittingvorteil: In Deutschland wählen Ehepaare bei der Besteuerung zwischen Einzelveranlagung und gemeinsamer Veranlagung. Wenn sie einzeln veranlagen, werden sie wie Alleinstehende besteuert (Individualbesteuerung). Bei gemeinsamer Veranlagung profitieren die Ehepartner vom Ehegattensplitting.
Hohe Steuerlast für Zweitverdiener in Deutschland: Das Ehegattensplitting ist jedoch politisch umstritten. Es trage der Eigenschaft der Ehe als Verbrauchs- und Versorgungsgemeinschaft Rechnung, argumentieren die Befürworter. Die Kritiker hingegen weisen darauf hin, dass das Ehegattensplitting auf ein Modell der Ehe zugeschnitten sei, innerhalb dessen nur ein Part ein Einkommen erzielt, und fördere dieses Modell in besonderem Maß. 
Steuereffekte beeinflussen insbesondere das Arbeitsangebot von Frauen: Studien ergaben, dass das Arbeitsangebot von Männern relativ starr ist, während Frauen mit ihrem Arbeitsangebot auf Änderungen des Nettolohns deutlich reagieren. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Nettolohnelastizitäten lassen vermuten, dass ein Wechsel vom Ehegattensplitting zur Individualbesteuerung positive Wirkungen auf das Arbeitsangebot insgesamt hätte.

Wolfram Brehmer, Christina Klenner und Tanja Schmidt (2022): Was macht Frauen in Deutschland zu Familienernährerinnen?. WSI Report Nr. 70, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Januar 2022
»Das Spektrum der Arrangements, in denen sich Paare Erwerbs- und Fürsorgearbeit teilen, wandelt sich. Jeder zehnte (Erwerbs-)Paarhaushalt in Deutschland hat eine weibliche Haupteinkommensbezieherin. Dabei liegt der Anteil in Westdeutschland deutlich niedriger als in Ostdeutschland. Dieser Report geht mit Daten des Sozio-oekonomischen Panels der Frage nach, was dazu führt, dass Frauen den größten Teil des Haushaltseinkommens erwirtschaften und somit Familienernährerinnen werden. Werden Frauen zu Familienernährerinnen, weil Paare auf der Basis ihrer Einstellungen und nicht-traditionellen Geschlechterrollenorientierungen ein solches Arrangement wählen? Oder führen andere Umstände zu Familienernährerinnen-Konstellationen? Unsere Analysen zeigen: Viel spricht dafür, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 die Tendenz zu Familienernährerinnen-Haushalten verstärkt hat. Dort, wo Frauen die Familienernährerinnen sind, steht das häufig mit Arbeitslosigkeit oder atypischer Beschäftigung des Mannes im Zusammenhang und von 2007 an wurde die Wahrscheinlichkeit für Familienernährerinnen-Haushalte von Jahr zu Jahr signifikant größer. Für den Einfluss der Wirtschaftskrise – wie sich die Coronakrise auswirkt, ist bisher nicht klar – spricht auch, dass Familienernährerinnen-Haushalte überdurchschnittlich häufig arm sind oder armutsnah leben. In vielen Fällen müssen Familienernährerinnen auch mit unterer beruflicher Stellung, in Teilzeit und mit entsprechend niedrigen Einkünften die Familie ernähren. Dass Familienernährerinnen-Konstellationen auf bewusst gewählten Strategien der Paare beruhen, lässt sich anhand der verfügbaren Daten nicht bestätigen. Allerdings haben Frauen, die Familienernährerinnen sind, häufiger egalitäre Einstellungen. Sie haben auch häufiger eine hohe Bildung, eine hohe berufliche Stellung und sind überdurchschnittlich in Vollzeit, in Großbetrieben und im öffentlichen Dienst tätig. Das heißt, dass berufliche Positionen von Frauen mit guten Einkommenschancen also ebenfalls das Überwiegen des weiblichen Einkommensanteils begünstigen.«

Lucas Chancel, Thomas Piketty, Emmanuel Saez, and Gabriel Zucman (2021): World Inequality Report 2022, World Inequality Lab.
➔ Dazu gibt es eine eigene Website unter https://wir2022.wid.world

Sebastian Dullien et al. (2022): Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro beeinflusst Inflation kaum. Makroökonomische Simulationsstudie mit dem NiGEM-Modell. IMK Policy Brief Nr. 116, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2022
»Eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro zum 1. Oktober 2022 hätte in Deutschland nur geringe Inflationseffekte zur Folge. Dies zeigen Simulationsrechnungen mit dem makroökonomischen NiGEM-Modell, die auf Daten zur Lohnverteilung aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) basieren. So würde die Inflationsrate zum Höhepunkt der Wirkung im Frühjahr 2023 nur etwa 0,25 Prozentpunkte höher liegen als ohne die Mindestlohnerhöhung. Der Effekt würde sich dabei schnell wieder zurückbilden. Da die Simulationsergebnisse zugleich auch keine relevanten negativen Beschäftigungseffekte erwarten lassen, aber die reale Einkommenssituation von Millionen Mindestlohnbeschäftigten verbessert wird, ist diese Anhebung nicht nur aus einem sozialpolitischen, sondern auch aus einem makroökonomischen Blickwinkel zu begrüßen.«

Andreas Hövermann, Bettina Kohlrausch and Dorothea Voss (2022): Anti-democratic attitudes. The influence of work, digital transformation and climate change. WSI Policy Brief No. 66, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), January 2022

Claudia Niewerth, Julia Massolle, Sandra Schaffarczik und Christof Grabski (2022): Betriebsräte in der doppelten Transformation. Ein Transferforschungsprojekt zur Organisationsentwicklung von Betriebsratsgremien. Study 468, Düsseldorf: Hans Böckler Stiftung, Januar 2022

Prognos (2022): Arbeitslandschaft Bayern: Zunehmenden Ungleichgewichten mit höherer Flexibilität begegnen, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Januar 2022

Christiane Flüter-Hoffmann und Oliver Stettes  (2022): Homeoffice nach fast zwei Jahren der Pandemie. Ein Rück- und Ausblick über die Verbreitung und Struktur der räumlichen und zeitlichen Flexibilisierung von Arbeit in Deutschland, Europa und den USA. IW-Report Nr. 2/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2022

Michael Dauderstädt (2022): Coronabedingte Ungleichheit und Armut in Deutschland: Überschätzt oder unterschätzt?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2022

Matthias Knuth (2022): Der Corona-Effekt. Was wissen wir über die Arbeitsmarktsituation von Migrant_innen und Geflüchteten in der Pandemie?, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2022

Jochen Pimpertz und Ruth Maria Schüler (2022): Kapitaldeckung in der gesetzlichen Rente und privaten Altersvorsorge. Offene Fragen für die neue Legislaturperiode. Auftraggeber: INSM – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2022

Dan Anderberg, Helmut Rainer und Fabian Siuda (2022): Der Einfluss der Covid-19-Pandemie auf häusliche Gewalt – neue Ansätze zur Quantifizierung mittels Google-Suchdaten, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2022
»Mit den flächendeckenden Lockdowns zu Beginn der Covid-19-Pandemie verbreitete sich die Sorge über einen rapiden Anstieg der Fälle häuslicher Gewalt. Eine neue Studie verbindet Daten zur täglichen Frequenz von 35 Google-Suchbegriffen zu häuslicher Gewalt mit Daten der London Metropolitan Police zu angezeigten Fällen häuslicher Gewalt. Dieser Ansatz zeigt, dass der Londoner Covid-19-Lockdown im März 2020 zu einem Anstieg der Rate von häuslicher Gewalt um 40% führte. Dieser Effekt ist sieben- bis achtmal stärker als der durch Polizeidaten gemessene Anstieg.«

Fraktion GRÜNE im Landtag von Baden-Württemberg (2022): Pflegerisches Sofortprogramm – Garantie für eine gute Pflege. Positionspapier, Stuttgart, 13.01.2022

Marcel Helbig und Sebastian Steinmetz (2021): Gemeinsamer Unterricht auf Kosten der sozialen Inklusion? Analyse der sozialen Lage in inklusiven Schulen am Beispiel der Schwerpunktschulen in Rheinland-Pfalz, in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 2021, S. 1355–1378
»Rheinland-Pfalz ist das einzige deutsche Bundesland, welches zur Umsetzung der schulischen Inklusion vollständig auf Schwerpunktschulen setzt und Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf ausschließlich in ausgewählten Standorten unterrichtet. Mit Daten der amtlichen Schulstatistik können wir erstens zeigen, dass Schwerpunktschulen im Grundschulbereich vor allem an Standorten eingerichtet wurden, an denen der Anteil von Kindern aus einkommensschwachen Haushalten überproportional hoch war. Im Vergleich zu anderen Grundschulen steigt zudem die Armutsquote an Schwerpunktschulen zwischen den Jahren 2012–2019 überproportional an. Dieser Effekt zeigt sich besonders deutlich in städtischen Gebieten, in denen in räumlicher Nähe Wahlalternativen im Grundschulbereich vorhanden sind. In der Konsequenz sind inklusive Schulen in Rheinland-Pfalz zunehmend durch sozial ungünstige Entwicklungsmilieus geprägt, mit Folgen für die Chancengerechtigkeit und das soziale Miteinander.«

Sandra Fischer, Philipp Hackstein und Sybille Stöbe-Blossey (2022): Neuausrichtung der Rolle des Schulträgers? Entwicklungstrends und Herausforderungen in der kommunalen Bildungspolitik. IAQ-Report 2022-01, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), Januar 2022
»Im Mehrebenensystem des Bildungsföderalismus sind verstärkte Gestaltungsansprüche des Bundes zu beobachten, die aktuell vor allem die Bewältigung der Herausforderungen der Digitalisierung betreffen. Gleichzeitig entwickelt sich die kommunale Bildungspolitik weiter. Über die Kooperation in Netzwerken hinaus wird zunehmend die strategische Wahrnehmung der Schulträger-Funktion thematisiert. Die Einbindung dieser Funktion in kommunale Bildungspolitik bietet Potenziale für die Verbesserung von Bildungschancen. Risiken für wachsende regionale Disparitäten ergeben sich jedoch aus der prekären Finanzsituation vieler Kommunen.«

Werner Siepe (2022): Wie hoch die gesetzlichen Renten wirklich sind – Rentenberechnung in Euro und in Prozent, Oldenburg, Januar 2022

Susanne Kohaut und Iris Möller (2022): Führungspositionen in Betrieben und Verwaltungen: Der Weg nach ganz oben bleibt Frauen oft versperrt. IAB-Kurzbericht Nr. 01/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Der Anteil von Frauen an der Spitze privatwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland lag 2020 bei 27 Prozent. Damit sind Frauen auf der ersten Führungsebene nach wie vor stark unterrepräsentiert. Daran hat sich trotz verschiedener Gesetzesinitiativen seit Jahren wenig geändert. Auf der zweiten Führungsebene sind Frauen in der Privatwirtschaft mit rund 40 Prozent inzwischen fast ihrem Anteil an der Gesamtbeschäftigung entsprechend vertreten. Wirtschaftszweige, in denen viele Frauen arbeiten, waren von der Corona-Krise besonders oft negativ betroffen. Betriebe in diesen Branchen werden häufig von Frauen geleitet. Damit trugen weibliche Führungskräfte oft eine besondere Verantwortung während der Pandemie. Im öffentlichen Sektor ist der Anteil von Frauen auf beiden Führungsebenen höher als in der Privatwirtschaft. Mit Blick auf ihren Anteil an den Beschäftigten sind sie aber nicht besser vertreten als in der Privatwirtschaft, auf der zweiten Ebene sogar deutlich schlechter.«

Stephan Pühringer, Karl M. Beyer und Dominik Kronberger (2021): Soziale Rhetorik, neoliberale Praxis. Eine Analyse der Wirtschafts- und Sozialpolitik der AfD. OBS-Arbeitspapier 52, Frankfurt am Main: Otto-Brenner-Stiftung, Dezember 2021
»Seit einigen Jahren versucht die AfD sich von ihrem Image als neoliberale „Professoren-Partei“ zu befreien und stattdessen als Kämpferin für soziale Gerechtigkeit und „den kleinen Mann“ aufzutreten. Nicht ohne Erfolg bei der Bundestagswahl 2021: Obwohl der Aufwärtstrend der Partei gestoppt scheint, wurde die AfD bei männlichen ArbeitnehmerInnen nach der SPD zweitstärkste Kraft. Auch gewerkschaftlich organisierte ArbeitnehmerInnen wählen die RechtspopulistInnen regelmäßig häufiger als die Durchschnittsbevölkerung. Unsere Studie untersucht erstmalig, ob diesem Imagewandel auch eine veränderte politische Haltung zugrunde liegt: Dafür wurden die Partei- und Wahlprogramme sowie alle wirtschafts- und sozialpolitischen Parlamentsinitiativen zwischen 2017 und 2020 analysiert. Das überraschend klare Ergebnis: Die soziale Rhetorik ist die oberflächliche Fassade einer Partei, die in ihren wirtschaftspolitischen Vorstellungen fest in neo- und ordoliberale Denktraditionen eingebunden bleibt.«

Alexandra David et al. (2022): Migrantisches Unternehmer:innentum in Deutschland. Vorschlag einer Differenzierung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2022
»Menschen mit Zuwanderungsgeschichte leisten wesentliche Beiträge zum Gründungsgeschehen in Deutschland. Innovationskraft, Unternehmensbestand, Beschäftigungsdynamik – diese Größen wären schon vor Jahren stark unter Druck geraten, wenn es nicht eine wachsende Zahl von Selbständigen mit Migrationshintergrund gäbe.«

Gudrun Schönfeld und Felix Wenzelmann (2022): Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2021: Anstieg auf Vorjahresniveau, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2022

Leonie Schulz und Rainer Faus (2022): Gesellschaft im Corona-Stresstest. Sorgen und Hoffnungen in Zeiten der Pandemie, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2022

Silke Völz und Michaela Evans (2022): „Das war vorher völlig undenkbar“ – Homeoffice in der Kinder- und Jugendhilfe während der COVID19-Pandemie. Eine Status-Quo-Analyse. IAT Discussion Papers, 22/01, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Januar 2022

Eric Seils und Helge Emmler (2022): Der untere Entgeltbereich. Policy Brief WSI Nr. 65, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Januar 2022
»Der Anteil der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die trotz Vollzeitarbeit ein niedriges Monatsentgelt von weniger als zwei Dritteln des mittleren monatlichen Bruttoarbeitsentgeltes aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten bekommen, ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen, vor allem in Ostdeutschland. Trotzdem haben auch 2020 bundesweit noch knapp 19 Prozent der sozialversicherungspflichtig in Vollzeit Beschäftigten in diesem nach Definition der Bundesagentur für Arbeit (BA) „unteren Entgeltbereich“ gearbeitet.«

Brian Justie, Tia Koonse, Monica Macias, Jennifer Ray, and Saba Waheed (2022): COVID-19 and Working Conditions in the Los Angeles Fast-Food Sector, Los Angeles: UCLA Labor Center, January 2022
»The fast-food sector is an integral part of the food sector in Los Angeles, employing 150,000 Angelenos in 2019 and comprising over a third of Los Angeles’s restaurant workers. In 2020, fast food work, as indoor work done in close proximity, placed workers at particular risk for COVID-19. Previous studies showed that even before COVID-19, fast-food workers in Los Angeles County faced disproportionately high rates of injury, workplace violence, harassment, retaliation, and wage theft. Further, research shows that COVID-19 safety protocols like paid sick leave, and compliance with those protocols, reduces the incidence of working while sick among frontline food service workers but such measures have been insufficient in the sector. This study was commissioned by the Los Angeles County Department of Public Health (LACDPH) to understand the experience of fast-food workers during COVID-19 and more generally. The second of a two-part study, this report is based on 417 surveys and fifteen in-depth interviews with nonmanagerial fast-food workers in Los Angeles County conducted between June and October 2021.«

Dorothee Schulte-Basta und Michael Wrase (2021): Ein neues Bildungs- und Teilhabegesetz für Deutschland. Kindergrundsicherung, Infrastruktur und Digitalpakt 2.0 zusammendenken, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, November 2021

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2021): Minas. Atlas über Migration, Integration und Asyl, 11. Ausgabe, Nürnberg, November 2021
»Die Themen Migration, Integration und Asyl bilden das Fundament der Arbeit des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Mit der nun vorliegenden elften Ausgabe des „Atlas über Migration, Integration und Asyl“ (Minas) werden diese Themenfelder in kartographischen und informatorischen Grafiken anschaulich gemacht und geben einen aktuellen Überblick über die Arbeit des Bundesamtes und das Migrationsgeschehen in Deutschland, Europa und der Welt.«

Matthias Dütsch and Oliver Bruttel (2021): Are workers aware of the minimum wage level?, Dortmund: Federal Institute for Occupational Safety and Health (BAuA), December 2021
»Compliance has emerged as a major policy issue regarding minimum wages. We analyze data for approximately 6,000 workers from a representative survey to investigate awareness of the minimum wage among employees in Germany. We find that less than one-fifth of workers know the exact level of the statutory minimum wage. In particular, low-wage workers are less likely to be aware of the minimum wage level, even though the legal threshold should be a highly relevant reference point for them. To enhance compliance, information about the minimum wage should be improved, particularly in this labor market segment.«

Jan Drahokoupil and Torsten Müller (2021): Job retention schemes in Europe. A lifeline during the Covid-19 pandemic. Working Paper 2021.07, Brussels: European Trade Union Institute, 2021
»This paper analyses the job retention schemes (JRS) implemented in response to the Covid-19 crisis, showing quantitative trends and differences in terms of expenditure on the schemes and the number of workers involved.«

Sandra Dummert and Matthias Umkehrer (2021): The Short-Run Effects of the Covid-19 Pandemic on Vocational Education in Germany. IAB-Discussion Paper 22/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»In diesem Artikel untersuchen wir die Kurzfrist-Effekte der Covid-19 Pandemie auf die betriebliche Ausbildung nach dem ersten Lockdown im Jahr 2020 in Deutschland. Wir nutzen detaillierte Daten einer Betriebsbefragung, um die kausalen Effekte der Pandemie mittels eines Differenz-von-Differenzen Ansatzes zu schätzen, der die Entwicklung von Ergebnisgrößen zwischen mehr und weniger von der Pandemie betroffenen Betrieben vergleicht. Wir finden, dass Betriebe aufgrund der Pandemie nicht nur weniger ausgebildet, sondern auch einen kleineren Teil ihrer aktuellen Ausbildungsabsolventinnen und Absolventen übernommen haben. Diese Ergebnisse stützen Befürchtungen, dass die Pandemie in Zukunft den Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt verschärft und die Karriereperspektiven junger Menschen trübt.«

Vera Freundl, Clara Stiegler und Larissa Zierow (2021): Europas Schulen in der Corona- Pandemie – ein Ländervergleich, in: ifo Schnelldienst, Heft 12/2021
»Vergleicht man die Corona-bedingten Schulschließungen in Deutschland mit sechs ausgewählten Ländern Europas im Zeitraum von Januar 2020 bis Mai 2021, liegt Deutschland auf dem zweiten Platz der längsten Schulschließungen mit insgesamt 183 Tagen. Länger schlossen nur die Schulen in Polen mit insgesamt 273 Tagen. Bei der Herausforderung, auf Distanzlehre umzusteigen, ist als Ausgangslage der Digitalisierungsstand der Schulen vor Corona ein wichtiger Faktor: Deutschland liegt in Bezug auf Online-Lernplattformen und Ressourcen bzw. Vorbereitungszeit für die Nutzung digitaler Geräte im Unterricht auf den letzten Rängen.«

Martin Popp (2021): Minimum Wages in Concentrated Labor Markets. IAB-Dicussion Paper 21/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Monopson-Macht wird zunehmend angeführt, um das Ausbleiben negativer Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen mit der ökonomischen Theorie in Einklang zu bringen. In der Literatur finden sich jedoch kaum systematische Belege für das Monopson-Argument. In diesem Beitrag führe ich einen umfassenden Test der Monopson-Theorie durch, indem ich Indizes der Arbeitsmarkkonzentration heranziehe, um die Monopson-Macht von Betrieben zu approximieren. Die Arbeitsmarktkonzentration fällt in Deutschland erheblich aus. In Abwesenheit von Mindestlöhnen führt ein zehnprozentiger Anstieg der Arbeitsmarktkonzentration dazu, dass Betriebe sowohl ihre durchschnittlich ausbezahlten Löhne um 0,5 Prozent als auch ihre Beschäftigung um 1,6 Prozent senken, was eine monopsonistische Ausbeutung widerspiegelt. In Übereinstimmung mit der Theorie der vollständigen Konkurrenz gehen branchenspezifische Mindestlöhne mit negativen Beschäftigungseffekten in leicht konzentrierten Arbeitsmärkten einher. Dieser negative Effekt schwächt sich mit zunehmender Konzentration ab und wird schließlich in stark konzentrierten bzw. monopsonistischen Märkten positiv. Damit stützen die empirischen Ergebnisse das Monopson-Argument, was nahelegt, dass bisher in der Literatur ausgewiesene Beschäftigungseffekte von Mindestlöhnen eine Heterogenität nach verschiedenen Marktformen nicht abbilden.«

Marco Caliendo und Stefan Tübbicke (2021): Der Gründungszuschuss für Arbeitslose nach der Reform 2011: Ein Erfolg wie seine Vorgänger. IAB-Kurzbericht Nr. 28/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Mit der Reform des Gründungszuschusses im Jahr 2011 wurden die Rahmenbedingungen der Gründungsförderung für Arbeitslose im Sozialgesetzbuch III umfassend reformiert und die Förderzahlen reduzierten sich drastisch. Insgesamt ist das Arbeitsmarktinstrument weiterhin ein Erfolg: Die meisten Geförderten sind auch knapp 3,5 Jahre nach der Gründung noch selbstständig und etwa ein Drittel von ihnen hat mindestens einen Beschäftigen. Von denjenigen, die ihre Selbstständigkeit inzwischen beendet haben, sind die meisten sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Damit haben Geförderte eine deutlich höhere Beschäftigungsquote als vergleichbare Personen ohne diese Förderung. Auch ihre monatlichen Nettoverdienste sowie ihre Jobzufriedenheit sind höher. Verbesserungspotenzial gibt es allerdings bei der sozialen Absicherung: Geförderte zahlen seltener in eine Rentenversicherung oder in die Arbeitslosenversicherung ein und sind mit ihrer sozialen Absicherung unzufriedener als vergleichbare Personen.«

Deutsches Krankenhausinstitut (2021): Krankenhaus-Barometer. Umfrage 2021, Düsseldorf, Dezember 2021

Melanie Filser und Karl Blum (2021): Umsetzungsstand der Konzertierten Aktion Pflege im Krankenhaus. Gutachten des Deutschen Krankenhausinstituts für die Deutsche Krankenhausgesellschaft, Düsseldorf: Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), Oktober 2021

Andreas Haaf, Benedikt Runschke und Sandra Hofmann (2021): Der ökonomische Fußabdruck der Privaten Krankenversicherung in Deutschland. Die PKV als Wirtschaftsakteur und Finanzier von Gesundheitsleistungen, Darmstadt: WifOR, 2021

Thomas Schwarzer (2021): Armut im Land Bremen 2020, Bremen: Arbeitnehmerkammer Bremen, Dezember 2021

IAB (2021): Zentrale Befunde zu aktuellen Arbeitsmarkt- Themen 2021/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2021
»Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischer Wandel werden den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren erheblich verändern. Handlungsbedarf besteht beispielsweise bei der Sicherung des Arbeitskräftebedarfs – und damit verbunden bei der Förderung der Aus- und Weiterbildung –, bei der Reform der Grundsicherung für Arbeitsuchende und bei der sozialen Absicherung von Solo-Selbständigen. Die Covid-19-Pandemie hat die Situation in mancherlei Hinsicht zusätzlich verschärft.«

Florian Blank, Camille Logeay, Erik Türk, Josef Wöss und Rudolf Zwiener (2021): Renten in Deutschland und Österreich. Fragen und Antworten. Policy Brief WSI Nr. 64, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Dezember 2021

Jonas Fey und Michael Wagner (2021): Das Einkommen der Hochaltrigen in Deutschland. D80+ Kurzberichte Nr. 2, Köln: Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) der Universität zu Köln, Dezember 2021
»Zwischen November 2020 und April 2021 wurde aufbauend auf der NRW80+ Studie die bundesweite Studie „Hohes Alter in Deutschland“ (D80+) durchgeführt. Die Erhebung der Daten erfolgte im Rahmen einer bundesweiten, repräsentativen schriftlichen Befragung von mehr als 10.000 Personen ab 80 Jahren zu deren Lebenssituation und Lebensqualität. Mit diesen Daten ist die Einkommenssituation und Einkommensungleichheit dieser hochaltrigen Personen repräsentativ, aktuell erfasst und kann differenziert analysiert werden. Wir berichten nachfolgend – bis auf wenige Ausnahmen – das Nettoeinkommen der Hochaltrigen, genauer deren Haushaltsnettoäquivalenzeinkommen, das ein auf die Haushaltsmitglieder bezogenes Pro-Kopf-Einkommen darstellt.«

Max Keck und Martin Brussig (2021): Stabilität der Beschäftigung im Alter in Betrieben mit und ohne Tarifbindung. Altersübergangs-Report 2021-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), November 2021

Susanne Steffes, Hannes Walz und Stefanie Wolter (2021): Die Dynamik der Lohnungleichheit in deutschen Betrieben. Forschungsbericht 591, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), November 2021

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (2021): Armut in der Pandemie. Der Paritätische Armutsbericht 2021, Berlin, Dezember 2021

Mats Wingborg (2021): Rückkehr der Klassengesellschaft? Über die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in Schweden, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2021
»Ziel des viel gerühmten schwedischen Wohlfahrtsstaats war die Überwindung der Klassengesellschaft. Allerdings haben verschiedene Austeritäts­, Liberalisierungs­ und Deregulierungswellen dieses Ziel in weite Ferne rücken lassen. Die Kluft zwischen Arm und Reich in Schweden ist tiefer geworden. Die Ursachen dafür liegen nicht nur in der Globalisierung, sondern auch in innenpolitischen Entscheidungen. In den letzten 20 Jahren haben die oberen Einkommensklassen erhebliche Steuerentlastungen genießen können, während die Leistungen des steuerfinanzierten Wohlfahrtsstaats gekürzt worden sind.«

Torsten Lietzmann und Claudia Wenzig (2021): Erwerbstätigkeit und Grundsicherungsbezug. Wer sind die Aufstocker:innen und wie gelingt der Ausstieg?, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2021

»Rund 860.000 Menschen in Deutschland sind zusätzlich zu ihrer Erwerbstätigkeit auf Sozialleistungen angewiesen. Gründe für dieses sog. „Aufstocken“ liegen neben einem geringen Erwerbsumfang und niedrigen Stundenlöhnen auch in der familiären Situation. Das zeigt die vorliegende Studie von Torsten Lietzmann und Claudia Wenzig vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). So erhöht sich das Risiko aufstocken zu müssen, wenn Kinder im Haushalt leben – insbesondere bei jüngeren Kindern oder wenn eine Familie drei oder mehr Kinder hat. Von allen Familienformen fällt es Alleinerziehenden besonders schwer ihren eigenen Lebensunterhalt sowie den ihrer Kinder abzusichern, so dass sie das höchste Aufstocker-Risiko haben. Die Forscher untersuchen auch, welche Faktoren dazu beitragen, dass der Aufstocker-Status verlassen werden kann. Zudem werfen sie einen detaillierten Blick auf Paarhaushalte und untersuchen, welche partnerschaftlichen Erwerbsarrangements häufiger und welche seltener aufstocken müssen.«

Sarah Menne und Antje Funcke (2021): Aufstocker-Familien in Deutschland: Wenn das Geld trotz Job nicht ausreicht, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2021
»In Deutschland lebten im Juni 2021 mehr als 1,8 Millionen Kinder in Familien, die Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II, sog. „Hartz IV“) beziehen. Ihre Eltern sehen sich oft mit dem Vorurteil konfrontiert, sie seien „faul“ und lägen dem Staat untätig auf der Tasche. Dass die allermeisten nicht freiwillig von staatlichen Hilfeleistungen leben, wird zu wenig gesehen. Auch ist wenig bekannt, dass ein großer Teil derjenigen, die SGB II-Leistungen bezieht, erwerbstätig ist. Ihr Einkommen reicht aber nicht aus, um das Existenzminimum ihres Haushalts zu sichern, so dass sie SGB II-Leistungen „aufstocken“ müssen. Gründe dafür sind niedrige Löhne oder ein geringer Erwerbsumfang. Aber auch Kinder im Haushalt erhöhen das Risiko aufstocken zu müssen. Wer alleinerziehend ist, für den ist dieses Risiko besonders hoch. Eine Kindergrundsicherung oder ein Teilhabegeld, die die tatsächlichen Bedarfe der Kinder abdecken, würden dazu beitragen, dass Familien seltener aufstocken müssen. Daneben sind gute, ganztägige Bildungsinstitutionen, gesellschaftliche Wertschätzung von Care-Arbeit sowie mehr familiengerechte auskömmliche Beschäftigung wichtige Reformansätze.«

Florian Blank, Claus Schäfer und Dorothee Spannagel (Hrsg.) (2022): Grundsicherung weiterdenken, Bielefeld 2021
»An der Grundsicherung wird viel Kritik geübt, speziell an »Hartz IV«. Die Beiträgen zeigen Perspektiven auf, wie die Grundsicherung weitergedacht werden kann: Das bedeutet, bisherige Grundsicherungsleistungen zu analysieren, zu kritisieren und fortzuentwickeln, auch über den Rahmen des Sozialgesetzbuches hinaus – zu einer erweiterten Grundsicherung für das 21. Jahrhundert. Diskutiert wird dabei, welche Infrastrukturen und Angebote über Einkommenstransfers hinaus für eine Grundversorgung der Bevölkerung und eine inklusive Gesellschaft notwendig sind. Zugleich nimmt der Band die Grundsicherung auf europäischer Ebene in den Blick.«

Nicole Gürtzgen et al. (2021): Was bedeuten 12 Euro Mindestlohn für den Arbeitsmarkt?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 12/2021
»Bereits der Einführung des Mindestlohns zum 1.1.2015 ist eine Debatte über Tarifautonomie und Beschäftigungseffekte vorausgegangen. In der Ex-post-Betrachtung lässt sich feststellen, dass die negativen Beschäftigungsverhältnisse im Wesentlichen ausgeblieben sind. Nun hat die Ampelregierung die politisch bestimmte Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro beschlossen. Es stellt sich die Frage, ob diese deutliche Anhebung den Mindestlohn auf eine Höhe setzt, die sozialpolitische Risiken in sich birgt und zu Arbeitsplatzverlusten im Niedriglohnbereich führen wird.«

Eva Dettmann et al. (2021): Die deutsche Wirtschaft in der Pandemie. Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel 2020. IAB-Forschungsbericht Nr. 11/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2021

Hermann Gartner, Christian Hutter und Enzo Weber (2021): Große Rezession und Corona-Krise: Wie der Arbeitsmarkt zwei sehr unterschiedliche Krisen bewältigt. IAB-Kurzbericht Nr. 27/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Dezember 2021
»In den vergangenen 15 Jahren hat Deutschland zwei schwere Rezessionen erlebt: Zuerst die Große Rezession infolge der Finanzkrise 2008/2009 und nun die Rezession infolge der COVID-19-Pandemie. Der Arbeitsmarkt reagierte beide Male vergleichsweise robust. In beiden Krisen sank die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten relativ moderat. Während geringfügig Beschäftigte und Selbstständige in der Großen Rezession eine stabile Entwicklung aufwiesen, sank ihre Zahl während der Corona- Krise deutlich. In beiden Rezessionen gab es Arbeitsplatzverluste im Produzierenden Gewerbe. Während der Corona- Krise mussten zusätzlich weite Teile des Dienstleistungssektors – anders als 2009 – deutliche Einbußen hinnehmen. Das Instrument der Kurzarbeit hat sich bewährt, mit einem besonders großen Stabilisierungsbeitrag in der Corona-Krise: Während sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 über 1,4 Millionen Personen in konjunktureller Kurzarbeit befanden, waren es im Frühjahr 2020 rund 6 Millionen. Die Ausgaben der BA wirkten in beiden Krisen als automatischer Stabilisator. Das Defizit aus Einnahmen versus Ausgaben belief sich allein im Jahr 2020 auf 27,3 Milliarden Euro. Im Jahr 2009 war die Stabilisierungswirkung mit 13,8 Milliarden etwa halb so stark.«

Marlene Seiffarth (2021): Crisis as Catalyst? Romanian Migrant Care Workers in Italian Home-Based Care Arrangements, in: Sociológia – Slovak Sociological Review, No.5, 2021, pp. 502-520
»Crisis as Catalyst? Romanian Migrant Care Workers in Italian Home-Based Care Arrangements. The COVID-19 crisis in Italy has brought to public attention the labour of almost one million migrant care workers (MCWs) who care for older Italian persons in their homes. Over the past three decades, the migrant-in-the-family model has become one of the main pillars of eldercare provision in Italy. The increase of this kind of care is analysed with a mixed-method approach, using official statistics, secondary literature, and expert interviews. The analysis integrates dynamics in the countries of origin and destination and focuses on Romanian MCWs as a case in point. The analysis highlights crises as catalysts for complex consequences and dynamics of transnational care migration, which play out at the levels of state, family, and individuals.«

Sybille Stöbe-Blossey (2021): Qualitätspolitik für die Kindertagesbetreuung: Governance-Strukturen in den Bundesländern. IAQ-Report 2021-10, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2021
»In den letzten 20 Jahren wurde ein breites Spektrum an Instrumenten zur Entwicklung und Sicherung der Qualität in der Kindertagesbetreuung erarbeitet. Insbesondere die großen Trägerverbände haben systematische Verfahren zur Gewährleistung von Qualität eingeführt. Schwerpunkte der Debatten um Qualitätsentwicklung richten sich vielfach auf Strukturen (Ressourcen und Personalausstattung). Für die Gewährleistung einer qualitativ hochwertigen frühen Bildung müssen die Prozesse stärker in den Blick genommen werden. Ein Überblick über die gesetzlichen Regelungen in den Bundesländern zeigt, dass eine öffentliche Qualitätspolitik ein Desiderat bleibt. Eine vergleichende Analyse der Implementierung unterschiedlicher Lösungen in einigen Ländern könnte zukunftsweisende Entwicklungsperspektiven aufzeigen.«

Maike Venjakob und Oliver Wagner (2021): Sozial nachhaltig? Verteilungswirkungen einer CO2-Bepreisung auf Privathaushalte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Eine konsequente Energiewende im Einklang mit den deutschen und europäischen Klimazielen erfordert neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger. Weitgehende Einigkeit besteht darüber, dass es dafür eines klaren Preissignals bedarf. Der Umstieg auf klimafreundliche Technologien muss sich sowohl für Unternehmen als auch Privathaushalte rechnen. Deshalb hat die Bundesregierung zum 1.1.2021 einen CO2-Preis eingeführt, der emissionsintensive Produktion und emissionsintensiven Konsum sukzessive verteuern soll. Er soll in den kommenden Jahren weiter steigen. Aber welche sozialen Aus- wirkungen hat ein CO2-Preis auf die Haushalte? Wer trägt die Kosten und zu welchen Anteilen? Diese Fragen werden in der vorliegenden Studie analysiert. Dabei wird klar: Es braucht einen Ausgleichsmechanismus, um den CO2-Preis sozial nachhaltig zu gestalten. Eine pauschale Pro-Kopf-Rückzahlung der Einnahmen aus der Bepreisung könnte ein effizientes und bürokratiearmes Instrument zum sozialen Ausgleich darstellen und für mehr Akzeptanz der CO2-Bepreisung sorgen.«

Markus Demary,  Cornelius Kruse und Jonas Zdrzalek (2021): Welche Inflationsunterschiede bestehen in der Bevölkerung? Eine Auswertung auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe. IW-Report Nr. 46, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2021
»Die Inflationsrate steigt und steigt. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt nun, dass vor allem ärmere Haushalte und Rentner die Folgen der Inflation spüren. Dafür haben die IW-Ökonomen Preissteigerung seit 1995 und die Konsumgewohnheiten der Deutschen ausgewertet und verglichen.«

Simone Habel und Magdalene Hengst (2021): Digitale Technologien in der Live-In-Pflege. „Ambient Assisted Living“ zur Reduktion von Arbeitszeit? Working Paper Forschungsförderung Nr. 233, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2021
»Die Überschreitung der gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeit durch quasi permanente Bereitschaftszeit stellt ein zentrales Problem der sogenannten 24-Stunden-Pflege dar, bei der migrantische Live-Ins in Pflegehaushalten zugleich arbeiten und wohnen. In der stationären und ambulanten Pflege werden bereits unterschiedliche Technologien verwendet, die Potenzial zur Reduktion von Arbeitszeit auch in der Live-In-Pflege haben. Die literaturbasierte und empirische Analyse nimmt eine Bewertung dieser Technologien in der 24-Stunden-Pflege vor. Eine tatsächliche Überwindung der Probleme kann jedoch nur über eine Trennung von Wohn- und Arbeitsort erfolgen.«

Florian Buhlmann et al. (2021): Verteilungswirkungen der Reformpläne im Koalitionsvertrag 2021-2025. Eine Analyse auf Basis des ZEW-EviSTA- Modells und des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). ZEW-Kurzexpertise Nr. 12, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Dezember 2021
➔ dazu: Starke Entlastungen unterer Einkommensschichten geplant. Berechnungen zum Koalitionsvertrag(07.12.2021)

Paul Berbée et al. (2021): Wir schaffen das! Zivilgesellschaftliches Engagement und die soziale Integration von Geflüchteten. Eine empirische Analyse für die Jahre 2016 bis 2019. ZEW-Kurzexpertise Nr.11, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), November 2021

DAK Gesundheit (2021): Gesundheitsreport 2021. Coronakrise und Digitalisierung. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Band 37, Hamburg, Dezember 2021

Christiane Flüter-Hoffmann, Andrea Kurtenacker und Jörg Schmidt (2021): Menschen mit  Beeinträchtigungen  auf dem Arbeitsmarkt. Erwerbsbeteiligung, Beschäftigungsstrukturen und persönliche Einschätzungen. IW-Analyse Nr. 147, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2021
»Die Auswertung der SOEP-Daten fokussiert auf den ersten Arbeitsmarkt und zeigt, dass sich erwerbsbezogene Merkmale von Menschen mit Beeinträchtigungen zum Teil deutlich von Durchschnittswerten aller Erwerbstätigen beziehungsweise Beschäftigten unterscheiden. So ist ihre Erwerbsbeteiligung geringer, sie arbeiten häufiger in Teilzeit und sind seltener im erlernten Beruf tätig. Die Zukunftserwartungen von Beschäftigten mit Beeinträchtigungen, die von Neuerungen am Arbeitsplatz betroffen sind, sind zum Teil von einer größeren Skepsis hinsichtlich der Auswirkungen dieser Neuerungen geprägt. Beschäftigte mit Beeinträchtigungen sind – wie alle Beschäftigten – im Durchschnitt mit ihrer Arbeit eher zufrieden, allerdings weisen sie im Vergleich zu allen Beschäftigten einen geringeren Anteil von Personen auf, die mit ihrer Arbeit hochzufrieden sind. Zudem machen sie sich größere Sorgen um die eigene wirtschaftliche Situation. Ein weiteres Ergebnis lautet: Je nach Grad der Behinderung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit können sich etwa die Hälfte oder rund ein Viertel der nicht erwerbstätigen Menschen mit Beeinträchtigungen vorstellen, in Zukunft eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Um diese Fachkräftepotenziale zu erschließen, zeigt die Studie verschiedene Handlungsoptionen auf, die die Teilhabe am Arbeitsmarkt fördern können.«

Valentina Consiglio, Christian Geppert, Sebastian Königs, Horacio Levy und Anna Vindics (2021): Bröckelt die Mittelschicht? Risiken und Chancen für mittlere Einkommensgruppen auf dem deutschen Arbeitsmarkt, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2021

Maximilian Joseph Blömer, Lilly Fischer, Manuel Pannier und Andreas Peichl (2021): Die effektive Belastung von Erwerbseinkommen unterschiedlicher Haushaltstypen seit 1986. ifo Forschungsberichte Nr. 127, München: ifo Institut, November 2021
»Dieser Beitrag untersucht, wie sich die effektive Belastung der Einkommen verschiedener Haushaltstypen mit Steuern und Abgaben in Deutschland zwischen 1986 und 2021 entwickelt hat. Mithilfe des ifo-Mikrosimulationsmodells und unter Berücksichtigung der Realeinkommensentwicklung zeigen wir, dass die durchschnittliche Belastung durch Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag deutlich zurückgegangen ist. Ein moderater Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge wirkt diesem Trend teilweise entgegen. Diese Befunde haben für alle untersuchten Haushaltstypen und über die gesamte Einkommensverteilung hinweg Bestand. Unsere Ergebnisse sind für eine evidenzbasierte Debatte zu künftigen Einkommensteuerreformen relevant.«

Ursula Kremer-Preiß (2021): Wohnen 6.0. Mehr Demokratie in der (institutionellen) Langzeitpflege, Berlin: Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), 2021

Markus Promberger (2021): A Short History of Flexible Hours – Historical Baselines of Working Time Policy in Germany. IAB-Discussion Paper 17/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Silvia Hofmann und Barbara Hemkes (2021): Berufsbildung im dualen Studium. Beispiele aus der Praxis, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2021

Lutz Bellmann et al. (2021): Weiterbildung und Ausbildungsmarkt – Entwicklungen im Zug der Corona-Krise und Umsetzung von Programmen der Bundesregierung. Stellungnahme des IAB zur Anhörung beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am 22.9.2021. IAB-Stellungnahme Nr. 9/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Wido Geis-Thöne (2021): Zur Fachkräftesicherung braucht die Migrationspolitik drei Säulen. IW-Kurzbericht Nr. 89, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2021
»Neben der Rekrutierung von Fachkräften für aktuell zu besetzende Stellen sollten Zugangswege für Personen mit guten Integrationsperspektiven ohne bestehendes Stellenangebot geschaffen und die Ausbildung junger Menschen aus dem Ausland mit dem Ziel eines längerfristigen Verbleibs in Deutschland gestärkt werden.«

Susanne Seyda, Robert Köppen und Helen Hickmann (2021): Pflegeberufe besonders vom Fachkräftemangel betroffen. KOFA Kompakt 10/2021, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) im Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2021

DGB (2021): Corona und der Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderungen, Berlin, Dezember 2021
»Am 3. Dezember ist der Welttag der Menschen mit Behinderungen. In diesem Jahr gibt es wenig Grund zu feiern, denn die Corona-Pandemie hat die Arbeitslosenquote schwerbehinderter Menschen 2020 stark ansteigen lassen. Auch in 2021 lag die Zahl der Arbeitslosen deutlich über dem Vorkrisenniveau. Der DGB fordert von der Bundesregierung kurzfristig ein Arbeitsmarktprogramm für schwerbehinderte Menschen.«

Der Paritätische Gesamtverband (2021) Der Paritätische Teilhabebericht 2021. Armut von Menschen mit Behinderung im Rahmen des Projekts: „Teilhabeforschung: Inklusion wirksam gestalten“, Berlin, Dezember 2021
»Mit großer Sorge blickt der Paritätische Gesamtverband auf die Armutsentwicklung bei Menschen mit Behinderung. Seit 2006 geht die Schere bei der Einkommensarmut zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen sichtbar auseinander. 2018 war jede und jeder fünfte Mensch mit Behinderung von Einkommensarmut betroffen. Die Armutsbetroffenheit von Menschen mit Behinderung hat sich damit deutlich erhöht, wie der jährliche Teilhabebericht des Paritätischen zu Menschen mit Behinderung belegt: Im Zeitraum von 2000 bis 2018 ist deren Armutsquote von 12,1 Prozent auf 19,6 Prozent gestiegen.«

Heinz Rothgang und Rolf Müller (2021): BARMER Pflegereport 2021. Wirkungen der Pflegereformen und Zukunftstrends. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse Band 32, Berlin: BARMER, 2021

Evelyn Dawid (2021): Armutsbetroffene und die Corona- Krise 2.0. Eine zweite Erhebung zur sozialen Lage aus der Sicht von Betroffenen, Wien: Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), August 2021

Tina Hofmann und Andreas Aust (2021): Mehr Rückenwind für den Sozialen Arbeitsmarkt – vorhandene Potenziale für eine bessere Finanzierung nutzen, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, November 2021

Kalle Kunkel (2021): Die politische Ökonomie des Fallpauschalensystems zur Krankenhausfinanzierung, in: PROKLA, Nr. 4/2021, S. 631-651
»Der Artikel befasst sich mit der Vermarktlichung und der Kostensenkungspolitik in den Krankenhäusern. Er zeigt, dass die Zusammenfassung dieser Prozesse unter dem Begriff der »Ökonomisierung« zu kurz greift. Zwar sind die entsprechenden Politiken eng miteinander verbunden. Jedoch stellt die Vermarktlichung eine spezifische Form einer Regierungstechnik dar, in deren Mittelpunkt die Zurückdrängung des demokratischen Einflusses auf die Krankenhauspolitik steht. Abschließend wird argumentiert, dass die Regierungsweise der marktförmigen Steuerung sich aktuell in einer Krise befindet, die dominante Krankenhauspolitik das Ziel der Kostensenkung und Kapazitätsreduzierung dennoch weiter verfolgt.«

Benjamin-Immanuel Hoff, Heike Werner, Alexander Fischer und Susanne Hennig-Wellsow (2021): Notwendige Ultima Ratio Impfpflicht, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, November 2021

Federica Cherubini, Nic Newman, and Rasmus Kleis Nielsen (2021): Changing Newsrooms 2021: Hybrid Working and Improving Diversity Remain Twin Challenges for Publishers, Oxford: Reuters Institute for the Study of Journalism at the University of Oxford, November 2021

IAB/BIBB/GWS (2021): Mittelfristprognose: Arbeitsmarktdynamik bis 2025. Forschungsbericht Nr. 526/4, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), November 2021

Christian Hutter, Elke J. Jahn, Michael Oberfichtner und Enzo Weber (2021): Der deutsche Arbeitsmarkt in der Covid-19-Pandemie. Stellungnahme des IAB zur Anhörung beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am 22.9.2021. IAB-Stellungnahme Nr. 8/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

SPD/Grüne/FDP (2021): Mehr Fortschritt wagen. Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Koalitionsvertrag 2021 – 2025 zwischen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN und den Freien Demokraten (FDP), Berlin, 24.11.2021

Tom Heilmann, Angelika Kümmerling und Timothy Rinke (2021): Homeoffice und mobile Arbeit – Potenziale und Handlungsbedarfe, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Helen Hickmann, Anika Jansen, Sarah Pierenkemper und Dirk Werner (2021): Ohne sie geht nichts mehr. Welchen Beitrag leisten Migrant_innen und Geflüchtete zur Sicherung der Arbeitskräftebedarfe in Fachkraftberufen in Deutschland?, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
Bei den Berufskraftfahrern beispielsweise machen Migranten im Jahr 2020 deutschlandweit einen Anteil von mehr als 23 Prozent aus. In der Gastronomie sogar 31 Prozent. Noch deutlicher wird der Beitrag von Fachkräften mit Migrationsgeschichte regional betrachtet: So sind in Baden-Württemberg 34,7 Prozent der Berufskraftfahrer Migranten, in der Fleischverarbeitung in Niedersachsen sind es sogar 60 Prozent. Was passieren würde, wenn diese plötzlich fehlen, zeigte sich aktuell in Großbritannien. Die Studie konzentriert sich ausdrücklich auf Fachkraftberufe, Berufe also für deren Ausübung normalerweise eine abgeschlossene zwei- bis dreijährige Berufsausbildung benötigt wird. Auch nimmt sie die sogenannten Engpassberufe in den Fokus, bei denen rein rechnerisch nicht alle Stellen besetzt werden können. Deutlich wird, dass in fast allen Bundesländern die Quote der Ausbildungsanfänger ohne deutsche Staatsangehörigkeit bzw. mit Fluchthintergrund in den besonders nachgefragten Berufen höher ist als die der Deutschen. Damit dürften Migranten und Geflüchtete in diesen Berufen zukünftig noch präsenter werden.

Johann Fuchs, Doris Söhnlein und Brigitte Weber (2021): Projektion des Erwerbspersonenpotenzials bis 2060: Demografische Entwicklung lässt das Arbeitskräfteangebot stark schrumpfen. IAB-Kurzbericht Nr. 25/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»In Deutschland führt die demografische Entwicklung langfristig dazu, dass die Zahl der erwerbsfähigen Menschen sinkt und damit auch das Erwerbspersonenpotenzial. Eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und vor allem von Älteren kann diesen Trend lediglich abschwächen. Zuzüge aus dem Ausland stärken zwar die demografische Basis, reichen jedoch nicht zwingend, um den demografischen Effekt vollständig zu kompensieren. Wie auch schon in früheren Projektionen des Erwerbspersonenpotenzials werden mehrere Projektionsvarianten gerechnet, um den Wanderungseinfluss darzustellen. In dem Kurzbericht werden zwei Varianten ausführlicher diskutiert: eine aus einem stochastischen Prognosemodell abgeleitete Variante und eine Variante mit extrem hohen Wanderungen, bei der das Erwerbspersonenpotenzial langfristig in etwa konstant bleiben würde. Eine Sensitivitätsanalyse ergänzt die Betrachtung um die Frage, welche Effekte sich bei deutlich höheren Anstiegen der Erwerbsquoten ergeben könnten.«

Nadine Frei und Oliver Nachtwey (2021): Quellen des «Querdenkertums». Eine politische Soziologie der Corona-Proteste in Baden-Württemberg, Basel: Universität Basel, Fachbereich Soziologie, November 2021
Diese Studie entstand im Rahmen eines Forschungsauftrags der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg.
»Die vorliegende Studie hat sich an zwei forschungsleitenden Fragen orientiert: a) Welche besonderen Merkmale weist die „Querdenken“-Bewegung in Baden-Württemberg auf? b) Warum ist die „Querdenken“-Bewegung in Baden-Württemberg so stark verwurzelt? Für unsere Forschung wurde ein explorativer Mixed-Methods-Ansatz gewählt.«

Verbraucherzentrale Bundesverband (2021): Reform der kapitalgedeckten Zusatzvorsorge nicht in der betrieblichen Altersversorgung verankern. Warum die betriebliche Altersversorgung in der Entgeltumwandlung für Verbraucher:innen ungeeignet ist, Berlin, November 2021

Sabrina Weller et al. (2021): Berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung: Wahrnehmung und Empirie. BIBB Report 2/2021, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2021

Cort-Denis Hachmeister (2021): Die Vielfalt der Studiengänge 2021. Entwicklung des Studienangebotes in Deutschland zwischen 2016 und 2021. CHE Impulse Nr. 6, Gütersloh: CHE gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung, 2021

Daniel Hechler, Theresa Hykel und Peer Pasternack (2021): Disziplinentwicklung der Kindheitspädagogik. Eine empirische Bestandsaufnahme anderthalb Jahrzehnte nach Einrichtung der neuen Studiengänge. WiFF-Studien Band 34, München: Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte, (WiFF), 2021

Klaus-Peter Buss, Volker Baethge-Kinsky, Martin Kuhlmann und Harald Wolf (2021): Digitalisierung und Arbeit – eine Zwischenbilanz. Aktuelle Befunde der Digitalisierungsforschung am SOFI, Göttingen: Soziologisches Forschungsinstitut Göttingen (SOFI), Oktober 2021
»„Digitalisierung“ dient als Catch-all-Bezeichnung, mit der alles „total Neue“ der heutigen Arbeitsentwicklung assoziiert wird. In der Diskussion ist Digitalisierung oft mit einer Art Tunnelblick auf die Zukunft der Arbeit verbunden: „Digitale Technik“ treibt die große Transformation der Arbeit an, mit „disruptiven“ oder „inkrementellen“, in jedem Fall aber unvermeidlichen Folgen. Am Ende des Tunnels sehen wir nur noch das – lichte oder düstere – Bild der einen (nur noch) digitalen Zukunft der Arbeit.«

Björn Hacker (2021): Ungleiches Europa. Regionale Disparitäten in der EU überwinden, Stockholm: Friedrich-Ebert-Stiftung Nordische Länder, 2021
»Quer über den Kontinent ist eine doppelte soziale und räumliche Polarisierung zwischen wirtschaftlich entwickelten Zentren und peripheren Regionen entstanden, die sich in jeweils eigenen Zyklen in ihrer Entwicklung nach unten oder oben bestärken. Externe Faktoren wie struktureller Wandel, die Globalisierung oder schwere Wirtschaftskrisen befeuern die Divergenzen. Nötig ist der Wandel vom Wettbewerbs- und Wachstumsparadigma hin zu einer auf gleichwertige Lebensverhältnisse abzielenden integrierten europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik als Schutzfilter gegen globale Herausforderungen wie Pandemien oder den Klimawandel.«

Klara Kaufmann, Volker Kotte, Barbara Schwengler und Doris Wiethölter (2021): Regional unterschiedliche Beschäftigungsentwicklung von Helfertätigkeiten. IAB-Forschungsbericht Nr. 10/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Judith Kohlenberger, Milda Zilinskaite, Aida Hajro, Irini Vafiadis und Sabina Bikic (2021): Systemrelevant, aber unsichtbar: Arbeitsbedingungen migrantischer und geflüchteter Amazon-Zusteller*innen während der COVID-19-Pandemie. Materialien zu Wirtschaft und Gesellschaft Nr. 228, Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, Oktober 2021

René Schaffert (Hrsg.) (2021): Berufskarrieren Pflege. Resultate einer Längsschnittstudie zum Berufseinstieg von diplomierten Pflegenden und Erkenntnisse aus einem kombinierten Datensatz zu diplomierten Pflegenden und Fachfrauen/Fachmännern Gesundheit, Zürich: ZHAW Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut für Gesundheitswissenschaften, Oktober 2021

Alexandra Mergener und Jacqueline Fank (2021): Arbeiten von zuhause aus: anerkannte Arbeitszeiten im Homeoffice oder unbezahlte Mehrarbeit? Unterschiede in Anerkennung und Ausmaß der von zuhause geleisteten Arbeitszeit nach ausgewählten Beschäftigtenmerkmalen, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2021
»Die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten, wird – nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie – von immer mehr Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt genutzt. Der Arbeitsortwechsel ersetzt allerdings nicht immer nur regulierte Präsenzzeiten im Betrieb, sondern wird auch verwendet, um zuhause unbezahlte Überstunden für den Arbeitgeber zu leisten. Dieser Beitrag geht der Frage nach, wer bislang die Möglichkeit, zuhause zu arbeiten, nutzte, und differenziert dabei zwischen Homeoffice innerhalb der anerkannten Arbeitszeit und unbezahlter Mehrarbeit. Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen den Haushaltstypen, den Geschlechtern, der Qualifizierung, dem Einkommen sowie dem Innehaben einer Führungsposition Unterschiede in der Nutzung, Intensität und Regulierung bestehen.«

Christoph Richter, Maximilian Wächter, Jost Reinecke, Axel Salheiser, Matthias Quent und Matthias Wjst (2021): Politische Raumkultur als Verstärker der Corona-Pandemie? Einflussfaktoren auf die regionale Inzidenzentwicklung in Deutschland in der ersten und zweiten Pandemiewelle 2020, in: ZRex – Zeitschrift für Rechtsextremismusforschung, Jg. 1, Heft 2/2021 – Online-Only-Beitrag, 1–39

Ursula Nothelle-Wildfeuer (2021): „Handle unternehmerisch!“. Sozialethische Anmerkungen zum Leitbild der Selbstoptimierung. Kirche und Gesellschaft Nr. 484, Mönchengladbach: Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle, November 2021
»Schneller, höher, weiter, fitter, kreativer, effizienter, attraktiver, klüger, nachhaltiger – mit solchen und vielen weiteren Komparativen dieser Art lässt sich umschreiben, was in Ratgeberliteratur vielfältiger Art seit den 1990er Jahren bis heute als Ziel für die individuell angestrebte Veränderung im Sinne von Verbesserung gesetzt und vorgegeben wird. Im geistes- und verhaltenswissenschaftlichen Diskurs wird dies seit einiger Zeit unter dem Stichwort der Selbstoptimierung verhandelt. Was bedeutet und welche Konsequenzen hat ein solches, zunächst auf das Individuum bezogenes Programm für die Gesellschaft und ihr Gemeinwohl? Was ist aus einer spezifisch christlich-theologischen Perspektive dazu zu sagen? Dem soll im Folgenden nachgegangen werden, zunächst im Sinne einer Skizze wesentlicher Elemente dieses Konzepts, sodann in kritischer Analyse aus sozialethischer und theologischer Perspektive, bevor dann ein kurzes Fazit gezogen wird.«

Martin Werding (2021): Demografische Alterung und öffentliche Finanzen. Wie geht es nach der Covid-19-Krise weiter?, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2021
»Deutschland steht vor einer akuten Phase des demografischen Alterungsprozesses, durch die die aktuell aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bereits stark belasteten öffentlichen Finanzen weiter unter Druck geraten. So zeigen sich nach einem zuvor längerfristigen Trend zur Senkung der Schuldenstandsquote Rekordstände bei der Kreditaufnahme des Bundes zur Bekämpfung der Pandemie. Verschärfend kommt jetzt hinzu: Ab sofort – und bis etwa 2035 zunehmend beschleunigt – schlagen die Effekte der demografischen Alterung auf die öffentlichen Finanzen durch. Unsere Studie zeigt: Die belastenden Auswirkungen der demografischen Alterung auf die öffentlichen Finanzen lassen sich nur dann spürbar abmildern, wenn Maßnahmen zur Steigerung von Beschäftigung und Wachstum ergriffen und Anpassungen in der Rentenpolitik sowie im Gesundheits- und Pflegesystem vorgenommen werden.«

Geraldine Dany-Knedlik und Alexander Kriwoluzky (2021): Einkommensungleichheit in Deutschland sinkt in Krisenzeiten temporär, in: DIW Wochenbericht, Nr. 46/2021
»Erstmals untersucht die vorliegende Studie, wie sich die Einkommensungleichheit in Deutschland mit den Konjunkturzyklen in den vergangenen 40 Jahren verändert hat. Diese temporären Änderungen sind vor allem deswegen wichtig, weil sie entscheidend für eine wirksame und zielgerichtete Ausgestaltung struktureller Umverteilungsmaßnahmen und stabilisierender Wirtschaftspolitik sind. Es zeigt sich, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland mit dem Konjunkturzyklus schwankt und zwar prozyklisch. So verringert sich die Brutto­ sowie die Nettoeinkommensungleichheit während Wirtschaftskrisen und steigt während Erholungsphasen. Dies liegt vor allem daran, dass die prozentualen Einkommensverluste beziehungsweise ­gewinne bei den zehn Prozent mit den höchsten Einkommen stärker ausfallen als bei Personen mit geringeren Einkommen. Stabilisierende wirtschaftspolitische Maßnahmen, die Einkommensverluste in Krisenzeiten abfedern wie das Kurzarbeitergeld, verstärken die Prozykliziät leicht und wirken in Krisenzeiten der Einkommensungleichheit entgegen. Die Prozyklizität der Einkommensungleichheit ist politisch also durchaus erwünscht und wirkt beispielsweise durch die Sozialversicherung von Geringverdienenden gegen negative Schocks wohlfahrtsmaximierend. Inwieweit der Anstieg der Einkommensungleichheit während Boomphasen dafür in Kauf genommen werden muss, ist allerdings bislang unklar.«

Bernd Fitzenberger, Christian Kagerl, Malte Schierholz und Jens Stegmaier (2021): Zeitnahe Daten in der Corona-Krise: Von der schwierigen Vermessung der Kurzarbeit. IAB-Kurzbericht, 24/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Kurzarbeit wurde in der Corona-Krise in bisher nicht gekannten Umfang genutzt und hat sich als zentraler Rettungsschirm für den Arbeitsmarkt erwiesen. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse an zeitnahen Daten, die zunächst nur über Sondererhebungen in den Betrieben zu bekommen waren. Dabei zeigte sich allerdings, dass die Zahl der Kurzarbeitenden in solchen Betriebsbefragungen deutlich überschätzt wird. Die Autoren untersuchen, warum es dazu kommt und wie groß diese Überschätzung – gemessen an der später vorliegenden amtlichen Statistik – ist.«

Peter Kupka und Monika Senghaas (2021): Zur Einrichtung von unabhängigen Ombudsstellen für Erwerbslose im SGB-II-Bezug. Stellungnahme des IAB zum Antrag der Fraktion DIE LINKE in der Hamburger Bürgerschaft bei der Anhörung im Ausschusses für Soziales, Arbeit und Integration am 10.8.2021. IAB-Stellungnahme, 07/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Das IAB wurde gebeten, zu dem Antrag der Fraktion DIE LINKE in der Hamburger Bürgerschaft „In Zeiten der Pandemie endlich die dringend benötigten unabhängigen Ombudsstellen für Erwerbslose im SGB-II-Bezug einrichten“ im Rahmen der Anhörung des Ausschusses für Soziales, Arbeit und Integration am 10.8.2021 Stellung zu nehmen. Da hierzu keine Studien des IAB vorliegen, beschränkt sich die Stellungnahme auf Erkenntnisse zu bestimmten Aspekten des Kontakts von Personen im Bezug von Grundsicherungsleistungen mit den Jobcentern. Erläutert werden folgende Aspekte: Erfahrungen von Leistungsberechtigten mit ihren Jobcentern anhand der Panelbefragung „Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung“ (PASS), Forschungsergebnisse zur Qualität der Beratung am Beispiel der Eingliederungsvereinbarung, Erfahrungen vulnerabler Leistungsberechtigter am Beispiel psychisch kranker Menschen im SGB II und Erfahrungen mit einer Ombudsstelle für ein Berliner Jobcenter. Abschließend wird geschlussfolgert, dass Ombudsstellen ein gewisses Potenzial für bestimmte Probleme und für bestimmte Leistungsberechtigte haben können. Aufgrund anderer Defizite in der Beratung und Betreuung – insbesondere hinsichtlich besonders vulnerabler Gruppen – bedürfe es jedoch neuer Konzepte des „Empowerment“ in den Jobcentern selbst.«

Ramona Kay, Jan Eckhard und Anna Tissot (2021): Digitales Lehren und Lernen im Integrationskurs. Herausforderungen und Potenziale aus der Sicht der Lehrkräfte. Working Paper 91, Nürnberg: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), 2021
»Das Working Paper 91 befasst sich mit den Erfahrungen der Integrationskurslehrkräfte hinsichtlich der Verwendung von digitalen Medien und Unterrichtsformen in den Integrationskursen während der COVID-19-Pandemie. Es zeigt auf, welche Vor- und Nachteile digitaler Unterrichtselemente von Lehrkräften wahrgenommen wurden und welche Voraussetzungen aus ihrer Sicht bestehen müssen, um digitale Medien und virtuelle Unterrichtsformate erfolgreich in den Integrationskursen anwenden zu können.«

Care Quality Commission (2021): The state of health care and adult social care in England 2020/21, London, October 2021

Helen Hickmann und Ruth Maria Schüler (2021): Die 20 lukrativsten Berufe für junge Fachkräfte. IW-Kurzbericht Nr. 85/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Das neue Ausbildungsjahr hat begonnen. Eine Auswertung von Daten der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass Berufe im Metall- und Elektrobereich für junge Fachkräfte besonders lukrativ sein können.«

Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hrsg.) (2021): Atlas der Versklavung. Daten und Fakten über Zwangsarbeit und Ausbeutung, Berlin, November 2021

Boris Augurzky, Sabine Finke und Celia Rothe (2021): Fair und versorgungsrelevant – Pflege richtig vergüten. Anreize für patientenindividuelle, gute Pflege und attraktive Arbeitsbedingungen im Krankenhaus. Impulspapier im Auftrag der AOK Rheinland-Hamburg, Essen: Institute for Health Care Business GmbH (hcb), Oktober 2021

Johannes Steffen (2021): Rentenanpassung 2022 – Rückkehr zum Nachholfaktor!? Ein »Elefant« wird zur »Mücke«, 11.11.2021

Florian Butollo und Jobst Gaus (2021): Digital Organizing. Potenziale neuer Technologien für gewerkschaftliche Organisationsmacht, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2021

Vera Weghmann (2021): Daseinsvorsorge und Rekommunalisierung. Eine Handreichung, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2021

Aline Zucco und Anil Özerdogan (2021): Verteilungsbericht 2021. Die Einkommenssituation und Abstiegsängste der Mittelschicht. WSI-Report Nr. 69, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), November 2021
»Die Einkommensungleichheit ist in den letzten Jahren leicht zurückgegangen, nicht zuletzt, weil vor allem die mittleren Einkommen seit 2014 stetig gestiegen sind. Was bedeutet das für die sogenannte Mittelschicht und deren Abstiegsängste, die in den letzten Jahrzehnten vielfach thematisiert worden sind? Der Verteilungsbericht zeigt, dass die positive konjunkturelle Entwicklung im letzten Jahrzehnt auch zu einer deutlichen Verringerung der ökonomischen Zukunftssorgen dieser Gruppe geführt hat. Deren ökonomische Stabilisierung und die damit verknüpfte Abnahme finanzieller und beruflicher Sorgen könnte aber durch die Covid-19-Krise gestoppt werden, weswegen es jetzt politischer Maßnahmen bedarf, die vor allem die stark von der Krise betroffenen Gruppen im Blick haben.«

Denise Becka et al. (2021): Herausforderungen für den Einsatz und die Nutzung digitaler Technologien für Alter(n) und Pflege, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen (IAT), November 2021

WSI (2021): Bundestagswahl: Soziale Themen mit hohem Stellenwert – Auswertung zeigt Profil von Personen, die kurzentschlossen SPD wählten, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), 09.11.2021

Bundesagentur für Arbeit (2021): Situation am Ausbildungsmarkt, Nürnberg, November 2021
»Die Lage am Ausbildungsmarkt war im Beratungsjahr 2020/21 weiterhin stark von den Folgen der Pandemie-Maßnahmen geprägt. Von Oktober 2020 bis September 2021 ist vor allem die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nochmals deutlich zurückgegangen. Ebenso ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen weiter gesunken, wenngleich nicht mehr so stark wie im letzten Jahr. Insgesamt waren zwar wie in den Vorjahren mehr Ausbildungsstellen als Bewerber gemeldet. Auf Bewerberseite muss aber berücksichtigt werden, dass viele Meldungen unterblieben sind, weil die gewohnten Zugangswege zur Berufsberatung eingeschränkt waren und durch digitale Angebote nicht vollständig ersetzt werden konnten. Deshalb dürfte die gemeldete Bewerberzahl das tatsächliche Ausbildungsinteresse nur unzureichend widerspiegeln. Mit den Lockerungen der Pandemiebeschränkungen ist ab dem Frühsommer eine leichte Aufhellung im Vergleich zum letzten Berichtsjahr sichtbar. Der Anteil unversorgter Bewerberinnen und Bewerber ist leicht gesunken. Meldungen der Kammern über eine etwas höhere Zahl von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Vergleich zum Vorjahr unterstreichen die leichte Besserung. Trotzdem bleiben die Ergebnisse insgesamt erheblich hinter denen vor der Pandemie zurück.«

Axel Plünnecke (2021): Inder haben die höchsten Medianlöhne in Deutschland. IW-Kurzbericht, Nr. 83, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Seit 2012 hat die qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten stark zur Fachkräftesicherung in den akademischen Berufen beigetragen. In der Folge ist zu beobachten, dass der Medianmonatslohn von allen in Vollzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigten Indern in Deutschland mit 4.824 Euro fast 1.300 Euro über dem entsprechenden Medianwert der Deutschen in Höhe von 3.541 Euro liegt. In akademischen MINT-Berufen liegen die Medianlöhne von Indern im Alter zwischen 25 und unter 45 Jahren mit 5.276 Euro etwa auf dem Niveau der Deutschen mit 5.207 Euro.«

Norbert Arnold (2021): Wissenschaftliche Politikberatung. Erfahrungen aus der Corona-Pandemie. Analysen & Argumente Nr. 459, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2021

Sebastian Borchmeyer (2021): Die Suche nach einer post-pandemischen Sozialordnung, New York: Konrad-Adenauer Stiftung, Oktober 2021 

Jochen Roose (2021): Wenn es Nacht wird in Deutschland. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zu Kriminalitätsangst und der Akzeptanz von Maßnahmen gegen Kriminalität, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Oktober 2021

Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI)/Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) (2021): 60 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei. Interviews mit Zeitzeuginnen zu 60 Jahren in der neuen Heimat, Berlin 2021

Thomas Haipeter, Fabian Hoose und Sophie Rosenbohm (2021): Arbeitspolitik im Zeichen der Digitalisierung. IAQ-Report 2021-09, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2021
»Die Digitalisierung ist eine zentrale Herausforderung für arbeitspolitische Interventionen der Gestaltung, Organisation und Regulierung von Arbeit. Die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle als Enabler von Veränderungen, sie ist aber zumeist nicht die determinierende Kraft. Daneben bestehen andere Probleme der Arbeitspolitik mit je eigenen Ursachen fort. Es gibt Initiativen zur Einflussnahme auf die Gestaltung der gewandelten Arbeitswelt, aber Gestaltungsanspruch und strategisches Handlungsvermögen müssen in Einklang gebracht werden. Arbeitspolitik in Zeiten der Digitalisierung muss nicht nur darauf ausgerichtet werden, neue Themen zu entwickeln, sondern auch darauf, die Handlungsfähigkeit der Akteure der Arbeitspolitik zu stärken.«

Deutsches Aktieninstitut/Verbraucherzentrale Bundesverband (2021): Kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Aktien! 120 Jahre Aktien und Staatsanleihen im Renditevergleich. Hintergrundpapier des Deutschen Aktieninstituts und des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) in Zusammenarbeit mit dem FINVIA Family Office, Frankfurt am Main/Berlin, November 2021

Bernhard Boockmann et al. (2021): Meta-Studie: Covid-19-Pandemie und betriebliche Anpassungsmaßnahmen. Begleitforschung für die Arbeitsweltberichterstattung. Forschungsbericht 580/4, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), 2021

IZA et al. (2021): Begleitevaluation der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete. Schlussbericht. Forschungsbericht 587, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, November 2021
»Dieser Schlussbericht präsentiert wissenschaftliche Erkenntnisse über Umsetzung, Inanspruchnahme, Wirkungen und Wirtschaftlichkeit der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete. Es werden die Fragen beantwortet, wie effektiv und effizient die zentralen Maßnahmen der Arbeitsförderung in den Rechtskreisen SGB II und SGB III für Personen im Kontext von Fluchtmigration im Hinblick auf ihre Arbeitsmarktintegration und soziale Teilhabe sind, und welche Faktoren, wie etwa Sprachförderung und individuelle und lokale Kontextfaktoren, die Maßnahmenwirksamkeit verstärken oder hemmen. Die kausalanalytisch angelegte Auswertung administrativer Daten wird durch die Untersuchung von Befragungsdaten und eine umfassende Implementationsanalyse ergänzt. Aus den empirischen Erkenntnissen abgeleitete Handlungsempfehlungen geben schließlich Impulse, um die Organisation, Prozesse und Rahmenbedingungen der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete so zu gestalten, dass ihre positiven Wirkungen weiter verstärkt werden können.«

Dirk Löhr (2021): Der Teufel im Detail. Zur neuen Wohnungsgemeinnützigkeit, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Matthias M. Mayer (2021): Fachkräfteengpässe und Zuwanderung aus Unternehmenssicht in Deutschland 2021: Stärkerer Anstieg als im Vorjahr angenommen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2021
»66 Prozent der befragten Unternehmen berichten aktuell von Fachkräfteengpässen. Im Vorjahr hatten nur 54 Prozent damit gerechnet, dieses Jahr Engpässe zu haben. Diese betreffen vor allem Personen mit Berufsausbildung. Die Rekrutierung ausländischer Fachkräfte spielt weiterhin eine untergeordnete Rolle. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Hürden in der Fachkräftezuwanderung Schritt für Schritt abgebaut werden.«

Victoria Basualdo, Hugo Dias, Mirko Herberg, Stefan Schmalz, Melisa Serrano und Kurt Vandaele (2021): Kollektive Interessenvertretung im digitalen Kapitalismus. Alte und neue Arbeitskämpfe, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Oktober 2021

Thomas Groos und Katharina Knüttel (2021): Sozialindizes für Schulen. Kommunale Perspektiven, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Oktober 2021

Dorothea Lemke, Pascal Nohl-Deryk und Antje Erler (2021): Gesundheitliche Versorgung in Hessen. Bestandsaufnahme und Perspektiven, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Johannes Geyer, Peter Haan, Hannes Kröger und Maximilian Schaller (2021): Pflegebedürftigkeit hängt von der sozialen Stellung ab, in: DIW Wochenbericht, Nr. 44/2021
»Ärmere Personen haben eine deutlich geringere Lebenserwartung als Personen mit höheren Einkommen. Dieser Wochenbericht zeigt auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels, dass sie zudem häufiger und früher pflegebedürftig werden. Gleiches gilt für Arbeiter und Arbeiterinnen im Vergleich zu Beamten und Beamtinnen sowie für Menschen mit hohen Arbeitsbelastungen im Vergleich zu Personen mit niedrigen beruflichen Belastungen. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit wird also entscheidend durch Gesellschaft, Einkommen und Arbeitswelt beeinflusst. Um diese Ungleichheit zu reduzieren, sind sozialpolitische Reformen notwendig. Denn die bestehenden sozialen Sicherungssysteme kompensieren diese ungleichen Belastungen nur teilweise. Eine nachhaltige Politik muss schon in der Erwerbsphase ansetzten und dort Belastungen reduzieren, sodass das Pflegerisiko präventiv verringert wird. Um die Ungleichheit kurzfristig zu reduzieren, sollten die privaten Zuzahlungen gesenkt und stärker vom verfügbaren Einkommen abhängig gemacht werden. Zielführend ist auch eine Bürgerversicherung, also die Verbindung von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung, da das Pflegerisiko von Menschen mit privater Pflegeversicherung deutlich geringer ist.«

Karl Blum und Sabine Löffert (2021): Umfrage Oktober 2021: Abwanderungen aus der Intensivpflege, Düsseldorf: Deutsches Krankenhausinstitut (DKI), 29.10 2021

Karol Florek (2021): Resilience of the Long-Term Care Sector. Early Key Lessons Learned, Brussels: European Federation of Public Service Unions (EPSU), October 2021

Yvonne Lott und Elke Ahlers (2021): Flexibilisierung der Arbeitszeit: Warum das bestehende Arbeitszeitgesetz und eine gesetzliche Arbeitszeiterfassung wichtig sind. WSI Report Nr. 68, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), November 2021
»Eine weitreichende Flexibilisierung der Arbeitszeit wird von verschiedenen politischen Akteuren gefordert. Anhand des nationalen und internationalen Forschungsstandes zeigt dieser Report, welche positiven, aber auch negativen Folgen flexible Arbeitszeiten (inklusive Homeoffice bzw. mobile Arbeit) für die Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben haben können. Dabei wird deutlich: Das bestehende Arbeitszeitgesetz ist für eine gesunderhaltende und vereinbarkeitsfreundliche Flexibilisierung der Arbeitszeit notwendig. Anhand von Ergebnissen der fünften Welle der HBS-Erwerbspersonenbefragung zeigt der Report, dass arbeitsorganisatorische Rahmenbedingungen im Betrieb wie eine unzureichende Personaldecke, häufige Projekt- und Teamarbeit und knappe Deadlines mit einer schlechteren Erholung von der Arbeit einhergehen. Eine Arbeitszeiterfassung im Homeoffice kann hingegen die Erholung fördern.«

Ulrich Walwei and Jürgen Deller (2021): Labor Market Participation of Older Workers in International Comparison. IAB Discussion Paper 16/2021, Nürnberg: Institute for Employment Research of the Federal Employment Agency, 2021
»Der Beitrag beschäftigt sich aus einer international vergleichenden Perspektive mit Treibern und Hemmnissen der Arbeitsmarktpartizipation von Älteren. Der Fokus der Studie richtet sich auf Länderbeispiele, die prototypisch für bestimmte Kontexte stehen. Ausgehend von unterschiedlichen Rahmenbedingungen am Arbeitsmarkt und wohlfahrtsstaatlichen Regulierungen in Europa und benachbarten Ländern wurden mit Deutschland, Israel, Italien und Schweden vier Länder ausgewählt, in denen der Entwicklung und Situation älterer Beschäftigter am Arbeitsmarkt nachgegangen wird. Jedes der ausgewählten Länder steht für eine spezifische Konstellation, sei es, dass eine Trendwende erreicht wurde, ein langfristig hoher Beschäftigungsstand realisiert werden konnte oder anhaltende Probleme zu beobachten sind. Die Fallbeispiele befassen sich u.a. mit rentenpolitischen Reformen sowie arbeitsmarktpolitischen Ansätzen zum Management alternder Belegschaften. Sie zeigen, dass es keinen Königsweg zur Verbesserung der Arbeitsmarktsituation Älterer gibt. Unabhängig von staatlichen Politiken kommt der Entwicklung der Beschäftigungsfähigkeit über den Lebenszyklus große Bedeutung bei. Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen sind geeignete betriebliche Praktiken für das Management alternder Belegschaften unverzichtbar. Entscheidend sind dabei insbesondere Initiativen, die auf ein lebenslanges Lernen und ein gesundes Arbeitsumfeld zielen.«

Institut der deutschen Wirtschaft  (IW) (2021): Pensionsrückstellungen im Niedrigzinsumfeld, München: Stiftung Familienunternehmen, Oktober 2021
»Die Familienunternehmen in Deutschland brauchen andere Rechnungszinsen für die Bildung von Pensionsrückstellungen. Der seit Jahrzehnten geltende Zinssatz von 6 Prozent im Steuerrecht sollte auf ein marktkonformes Niveau gesenkt werden. Für die Handelsbilanz wäre ein fester Zinskorridor empfehlenswert. Das ist das Ergebnis der Studie der Stiftung Familienunternehmen, verfasst vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW).«

Deutscher Hospiz- und PalliativVerband (2021): Forderungen des Deutschen Hospiz-und PalliativVerbands für die 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages, Berlin, Oktober 2021

Maximilian Joseph Blömer, Simon Litsche und Andreas Peichl (2021): Gutachten zum Reformvorschlag „Kindergrundsicherung“. ifo Forschungsberichte 124, München: ifo Institut, 2021
»Dieses Gutachten untersucht einen Reformvorschlag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Einführung einer Kindergrundsicherung. Ziel des Reformvorschlags ist es, Familien materiell besser zu stellen und die Bezugsmöglichkeiten von Leistungen zu vereinfachen. Kernelemente des Reformvorschlages umfassen zum einen eine Zusammenlegung von derzeit verschiedenen Transferleistungen für Familien in eine Kindergrundsicherung. Im Zuge dessen werden die kinderbezogenen Leistungen vom Arbeitslosengeld II entkoppelt. Zum anderen beinhaltet das Konzept eine allgemeine Anhebung der Leistungshöhe im niedrigen und mittleren Einkommensbereich. Der Reformvorschlag bietet insbesondere für Familien mit Kindern in den unteren Einkommensdezilen signifikante Verbesserungen hinsichtlich des verfügbaren Haushaltseinkommens. Damit lässt sich auch das Armutsrisiko deutlich reduzieren. Negative Arbeitsangebotseffekte tragen zu den hohen Kosten des Reformvorschlags bei. Bei der Ausgestaltung des Reformvorschlages ergeben sich Gestaltungsspielräume bei der Höhe einer  Abschmelzgrenze sowie einer Abschmelzrate. Die negativen Arbeitsanreize fallen bei geringerer Transferentzugsrate und höherer Abschmelzgrenze verhältnismäßig schwächer aus.«

Joachim Ragnitz, Felix Rösel, Thum Marcel und Martin Werding (2021): Die teure Bilanz der Rentenpakete der vergangenen Jahre, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 5/2021
»Wir präsentieren eine aktuelle Simulationsrechnung der Rentenfinanzen bis zum Jahr 2050. Die Rentenpakete der vergangenen Jahre verdoppeln in den nächsten zehn Jahren die altersbedingten Zusatzlasten für die Rentenversicherung. Die Fortführung der doppelten Haltelinie nach 2025 würde für den Bundeshaushalt und damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler zu einer zusätzlichen Belastungsprobe werden. Bei einer reinen Finanzierung über die Mehrwertsteuer müsste deren Normalsatz dann bis 2050 von heute 19% auf rund 30% steigen.«

Netzwerk Gerechte Rente (2021): Für eine gerechte Altersversorgung: Auf die starke Gesetzliche Rente setzen, Berlin: DGB, Oktober 2021
Das Netzwerk Gerechte Rente ist ein Zusammenschluss aus dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), dem Paritätischen Gesamtverband, dem Sozialverband VdK Deutschland, dem Sozialverband Deutschland (SoVD), der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands und der Volkssolidarität.

René Schaffert (Hrsg.) (2021): Berufskarrieren Pflege. Resultate einer Längsschnittstudie zum Berufseinstieg von diplomierten Pflegenden und Erkenntnisse aus einem kombinierten Datensatz zu diplomierten Pflegenden und Fachfrauen/Fachmännern Gesundheit, Zürich: ZHAW Zürcher Fachhochschule für Angewandte Wissenschaften, Institut für Gesundheitswissenschaften, Oktober 2021

Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (2021): Anregungen des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. für Koalitionsverhandlungen der 20. Legislaturperiode, Berlin, Oktober 2021

Toralf Pusch (2021): 12 Euro Mindestlohn. Deutliche Lohnsteigerungen vor allem bei nicht tarifgebundenen Beschäftigten. Policy Brief WSI Nr. 62, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Oktober 2021

Henner Wolter (2021): Arbeitsrecht bei Umstrukturierung von Betrieben und Unternehmen. Resultate der Privatautonomie. HSI-Schriftenreihe Bd. 40, Frankfurt am Main: Hugo Sinzheimer Institut für Arbeits- und Sozialrecht (HSI), 2021
Umstrukturierungen sind in vielen Unternehmen an der Tagesordnung. Henner Wolter stellt die praktischen und arbeitsrechtlichen Konsequenzen für Beschäftigte dar, ordnet sie in einen Gesamtzusammenhang ein und stellt die gegenwärtige Rechtslage auf den Prüfstand des höherrangigen Rechts.

Hagen Lesch, Helena Schneider und Christoph Schröder (2021): Anpassungsverfahren beim gesetzlichen Mindestlohn. Argumente gegen eine politische Lohnfindung, in: List Forum für Wirtschafts- und Finanzpolitik, online first, Oktober 2021
»Die Mindestlohnkommission entscheidet alle zwei Jahre über eine Anpassung des gesetzlichen Mindestlohns. Bisher orientierte sie sich dabei nachlaufend an der Tariflohnentwicklung. Das trug dazu bei, dass der Arbeitsmarkt den staatlichen Eingriff in die Lohnfindung gut verkraftete und die Tarifparteien trotz einer Beschränkung ihres Handlungsspielraums weiterhin gewillt sind, die Entgelte autonom auszuhandeln. Der Bundesarbeitsminister kündigte jedoch an, den Mindestlohn rasch auf 12 € je Stunde erhöhen zu wollen. Außerdem soll das Anpassungsverfahren beim gesetzlichen Mindestlohn verändert werden und bei der weiteren Entwicklung 60 % des Medianeinkommens (Living Wage) als Referenzgröße dienen. Mit einem solchem Systemwechsel, durch den der Staat dreimal so stark in das Tarifsystem eingreifen würde wie mit der Einführung des Mindestlohns 2015, würde die Tarifautonomie noch deutlicher eingeschränkt. Der Blick auf Frankreich und das Vereinigte Königreich zeigt, dass ein solcher Systemwechsel hin zu einem Living Wage durch Lohnsubventionen flankiert wird. Deshalb müsste bei der Diskussion über einen Systemwechsel beim Mindestlohn in Deutschland auch darüber gesprochen werden, ob die bisherigen Sozialleistungssysteme geändert werden müssen.«

Hagen Lesch, Helena Schneider und Christoph Schröder (2021): Mindestlohnanpassung und Living Wage. Was kann Deutschland von Frankreich und dem Vereinigten Königreich lernen? IW-Analyse Nr. 145, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2021

Alexander Burstedde (2021): LKW-Fahrer werden auch in Deutschland knapp. IW-Kurzbericht Nr. 80, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2021
»Nach dem Mindestlohngesetz hat die Mindestlohnkommission die Aufgabe, alle zwei Jahre über eine Anpassung des Mindestlohns zu entscheiden. Neben einer Gesamtabwägung soll sie sich dabei nachlaufend an der Tariflohnentwicklung orientieren. Dieses Regelbindungselement hat sich bewährt. Das Tarifsystem geriet zwar in einigen Branchen mit niedrigem Lohnniveau unter Anpassungsdruck. Das Tarifgeschehen wurde aber nicht nachhaltig negativ beeinflusst. Die vom Bundesarbeitsminister vorgeschlagene Änderung des Anpassungsmechanismus, der eine Orientierung des Mindestlohns am Medianeinkommen vorsieht, würde diesen Erfolg gefährden und tief in die Tarifautonomie eingreifen. Erfahrungen aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich zeigen, dass eine Umgestaltung des Mindestlohns zu einem sogenannten Living Wage (existenzsichernden Lohn) Lohnsubventionen für Unternehmen notwendig machen würde, um negative Beschäftigungseffekte zu vermeiden. Dies sollte – ebenso wie die daraus resultierenden fiskalischen Lasten – in der politischen Debatte thematisiert werden. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass die Einführung eines Living Wage im Vereinigten Königreich im Jahr 2016 vor dem Hintergrund eines günstigen ökonomischen Umfelds auf den Weg gebracht wurde und bei ungünstiger Entwicklung eine Notbremse („Emergency Break“) gezogen werden kann.«

ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik und infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft (2021): Studie zu einem transparenten und zukunftsfähigen Entgeltsystem für Menschen mit Behinderungen in Werkstätten für behinderte Menschen und deren Perspektiven auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Erster Zwischenbericht. Forschungsbericht 586, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Oktober 2021
»Die Studie dient dazu, ein transparentes, nachhaltiges und zukunftsfähiges Entgeltsystem in Werkstätten für behinderte Menschen zu entwickeln. Es wird auch untersucht, wie Übergange auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessert werden können. Der erste Zwischenbericht enthält eine Auswertung der rechtswissenschaftlichen und sozialpolitischen Diskussion sowie den ersten Teil des rechtlichen Rahmens, der sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention und aus dem Europarecht ergibt. Weiterhin enthält er Berechnungen zur Einkommenssituation von Werkstattbeschäftigten unter Berücksichtigung möglicher Kombinationen mit Grundsicherung und Erwerbsminderungsrenten sowie Modellrechnungen zu einigen Alternativvorschlägen. Schließlich wird über den Stand der Vorbereitung der Befragungen von Werkstattleitungen und Werkstattbeschäftigten berichtet.«

Herbert Brücker, Christoph Deuster, Tanja Fendel, Philipp Jaschke, Sekou Keita und Teresa Freitas-Monteiro (2021): Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan: Erfahrungen aus der Vergangenheit und erste Einschätzungen der Folgen für Migration und Integration. IAB-Forschungsbericht Nr. 9/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 42-43/2021: Gefängnis
»In Deutschland fallen der Strafvollzug und mit ihm die rund 200 Justizvollzugsanstalten in die Regelungskompetenz der Bundesländer. Den 16 Landesstrafvollzugsgesetzen gemeinsam ist das Ziel der Resozialisierung: Die Gefangenen sollen dazu befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung zu leben, ohne erneut straffällig zu werden. Wie gut das gelingt, wird im Lichte von Rückfallstatistiken immer wieder kritisch diskutiert – bis hin zu Forderungen, Gefängnisse abzuschaffen. Was soll, was kann und was darf der Staat mit der Verhängung einer Freiheitsstrafe leisten?« 

Thomas Klie, Hartmut Remmers und Arne Manzeschke (2021): Corona und Pflege: lessons learned. Zur Lage der Pflege in einer gesundheitlichen und gesellschaftlichen Krisensituation, Berlin: Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA), August 2021

Johannes Geyer und Ralf Himmelreicher (2021): Entgeltumwandlung im Jahr 2018: Wer nutzt sie in welchem Umfang? Discussion Papers 1977, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2021

Bernhard Emunds, Eva Kocher, Simone Habel, Rebekka Pflug, Theresa Tschenker, Verena von Deetzen (2021): Gute Arbeit für Live-In-Care. Gestaltungsoptionen für Praxis und Politik, St. Georgen und Frankfurt (Oder): Nell-Breuning Institut und Center for Interdisciplinary Labour Law Studies, 2021
»Die politische Gestaltung der Live-In-Care ist eine der wichtigsten pflegepolitischen Aufgaben der neuen Legislaturperiode. Gegenstand des Policy Papers sind zum einen Perspektiven für eine Weiterentwicklung dieser besonderen Form häuslicher Pflege und Betreuung durch die Vermittlungsagenturen. Zum anderen wird aber auch ein Vorschlag für eine politische Gestaltung der Praxis durch die deutsche Pflegepolitik gemacht: Wie kann diese Form der Betreuung im Sinne guter Arbeit durch Regulierung, konditionierte Förderung und durch ergänzende Maßnahmen wie den Aufbau von Beratungsstrukturen weiterentwickelt werden?«

DGB (2021): Forderungskatalog für Gute Saisonarbeit. Fokus: Landwirtschaft, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Oktober 2021

Nils Backhaus, Louisa-Katharina Stein und Ines Entgelmeier (2021): Arbeitszeiterfassung und Flexibilität. Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), 2021
»Im Mai 2019 hat der EuGH die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, Arbeitgeber zu verpflichten, ein „objektives, verlässliches und zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung“ einzurichten, das die tägliche Arbeitszeit, die Zahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden (inklusive Überstunden) und ihre zeitliche Verteilung misst. Aus der Perspektive des Arbeitsschutzes ist die Erfassung der Arbeitszeit zudem wichtig, um Expositionszeiten nachzuhalten, zeitliche Entgrenzung (insbesondere Überstunden und Mehrarbeit) zu vermeiden und Erholung zu gewährleisten. Während Kritiker einer Arbeitszeiterfassung Einschränkung der Flexibilität für Beschäftigte anführen, zeigen die Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019, dass eine Erfassung der Arbeitszeit, insbesondere bei der Arbeit von zuhause, nicht nur mit weniger zeitlicher Entgrenzung, sondern auch mit mehr Flexibilität für Beschäftigte einhergeht.«

Detlef Fickermann, Benjamin Edelstein, Julia Gerick und Kathrin Racherbäumer (Hrsg.) (2021): Schule und Schulpolitik während der Corona-Pandemie: Nichts gelernt?, DDS Die Deutsche Schule Beiheft,  Band 18, Münster/New York: Waxmann, 2021

Katharina Werner and Ludger Woessmann (2021): The Legacy of Covid-19 in Education. CESifo Working Paper No. 9358, Munich: CESifo, 2021
»If school closures and social-distancing experiences during the Covid-19 pandemic impeded children’s skill development, they may leave a lasting legacy in human capital. To understand the pandemic’s effects on school children, this paper combines a review of the emerging international literature with new evidence from German longitudinal time-use surveys. Based on the conceptual framework of an education production function, we cover evidence on child, parent, and school inputs and students’ cognitive and socio-emotional development. The German panel evidence shows that children’s learning time decreased severely during the first school closures, particularly for low-achieving students, and increased only slightly one year later. In a value-added model, learning time increases with daily online class instruction, but not with other school activities. The review shows substantial losses in cognitive skills on achievement tests, particularly for students from disadvantaged backgrounds. Socio-emotional wellbeing also declined in the short run. Structural models and reduced-form projections suggest that unless remediated, the school closures will persistently reduce skill development, lifetime income, and economic growth and increase inequality.«

Julia Freuding und Johanna Garnitz (2021): Ausbilden während der Covid-19-Pandemie – Hürden für Betriebe und Auszubildende, in: ifo Schnelldienst, Heft 10/2021
»Das ifo Institut befragt im Auftrag von Randstad Deutschland quartalsweise über 1 000 deutsche Personalleiter*innen. Im dritten Quartal 2021 wurde unter anderem nach der Ausbildungssituation während der Covid-19-Pandemie gefragt. Bei erfolgreichem Abschluss übernahmen drei von vier Unternehmen ihre Auszubildenden. Zwei von drei Ausbildungsbetrieben berichteten für das aktuelle Ausbildungsjahr 2021/2022 über Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Rund 14% der ausbildenden Firmen konnten keine ihrer Ausbildungsstellen besetzen.«

DGB-Bezirk Berlin-Brandenburg (2021): Gute Arbeit statt Niedriglöhne in Berlin und Brandenburg, Berlin, 22.09.2021

Eurofound and European Commission Joint Research Centre (2021): What just happened? COVID-19 lockdowns and change in the labour market, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2021

Thomas Rauschenbach, Christiane Meiner-Teubner, Melanie Böwing-Schmalenbrock und Ninja Olszenka (2021): Plätze. Personal. Finanzen. Bedarfsorientierte Vorausberechnungen für die Kindertages- und Grundschulbetreuung bis 2030. Teil 2: Ganztägige Angebote für Kinder im Grundschulalter, Dortmund: Forschungsverbund DJI/TU Dortmund, 2021

Laura Menze, Malte Sandner, Silke Anger, Reinhard Pollak und Heike Solga (2021): Jugendliche aus Förderschulen mit Schwerpunkt „Lernen“: Schwieriger Übergang in Ausbildung und Arbeitsmarkt. IAB-Kurzbericht, 22/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»In Deutschland wird ein vergleichsweise hoher Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an separaten Förderschulen unterrichtet. Dort erreichen die jungen Menschen häufig keinen Schulabschluss und gehören damit zu einer am Arbeitsmarkt vulnerablen Gruppe. Deshalb wird in dem Kurzbericht untersucht, ob und wie diesen Jugendlichen der Zugang in Ausbildung und zum Arbeitsmarkt gelingt. Die Ergebnisse zeigen: Jugendliche von Förderschulen mit dem Schwerpunkt ‚Lernen‘ finden seltener Zugang zu einer Ausbildung und erwerben bis zum Alter von 20 Jahren seltener einen Ausbildungsabschluss als Jugendliche von Regelschulen, selbst wenn sie einen vergleichbaren Schulabschluss haben.«

Zum Zustand der Pflegewissenschaft in Deutschland. Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage im Bundestag, Bundestags-Drucksache 19/32662, 08.10.2021

Deutsches Institut für Altersvorsorge (2021): Was für Sparer übrig bleibt. Überprüfung der Renten geförderter Altersvorsorge nach Rendite, Kosten, Förderung und Besteuerung, Berlin 2021
➔ dazu: Welche Förder-Rente liegt im Nettovergleich vorn?

Marcel Helbig, Sebastian Steinmetz, Michael Wrase und Ina Döttinger (2021): Mangelhafte Umsetzung des Rechts auf inklusive Bildung. Bundesländer verstoßen gegen Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention. WZBrief Bildung 44, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), September 2021

Lewe Bahnsen und Frank Wild (2021): „Bürgerversicherung“ oder Finanzausgleich? Keine Lösungen für die demografischen Herausforderungen in der Pflege, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Oktober 2021
»Der Begründungsansatz für die Forderungen nach einer Pflegebürgerversicherung oder einen Finanzausgleich zwischen der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) und der Privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) greift zu kurz. Das PPV-Kollektiv altert deutlich schneller als das SPV-Kollektiv, so dass der Anteil von Pflegebedürftigen mittelfristig in der PPV höher sein wird als in der SPV. Bis 2030 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in der SPV um 13 Prozent, in der PPV dagegen um 74 Prozent steigen. Privatversicherte Pflegebedürftige sind zudem teure Pflegefälle. Bereits jetzt weist die PPV je Pflegebedürftigen um gut 18 Prozent höhere Leistungsausgaben auf. Während aber die PPV mit ihren Alterungsrückstellungen für die demografische Entwicklung gezielt vorsorgt, geschieht das im Umlageverfahren nicht. Die Studie kommt damit zu dem Fazit, dass die Etablierung eines Systems, welches PPV-Versicherte in die Finanzierung der SPV einbezieht, nicht nachhaltig ist und sogar fatal für die SPV wäre.«

Günter Neubauer, Christof Minartz und Frank Wild (2021): Ambulant-ärztliche Versorgung. Ein Blick ins westeuropäische Ausland, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, September 2021
»Die Studie vergleicht die ambulant-ärztliche Versorgung in Deutschland mit der in Frankreich, der Schweiz und in Österreich. Es wird deutlich, dass die Versicherungs- und Vergütungsdualität in Deutschland im internationalen Vergleich sowohl der medizinischen Versorgung der Menschen als auch dem Verbraucher- und Patientenschutz dient. In den betrachteten Nachbarländern verfügen die privatrechtlich praktizierenden niedergelassenen Ärzte vergleichsweise frei über die Vergütungshöhe. Damit fehlt es dort an einer entsprechenden regulativen Vergütungsordnung, die einerseits bei den Ärzten die Angemessenheit der Vergütung sicherstellt und andererseits die Patienten und Verbraucher vor zu hohen Preisen schützt. Die Studie verdeutlicht auch, dass Deutschland mit Blick auf die Diskussion um eine Zwei-Klassen-Medizin in der ambulanten Versorgung sehr gut abschneidet. Die oft in der Öffentlichkeit diskutierten Wartezeiten auf einen Arzttermin sind im internationalem Vergleich – unabhängig vom Einkommen – die kürzesten.«

Jörg Heining, Oskar Jost, Anja Rossen, Duncan Roth und Antje Weyh (2021): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2021/2022: Viele Regionen erreichen 2022 wieder Vorkrisenniveau. IAB-Kurzbericht 21/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Théo Bourgeron, Caroline Metz und Marcus Wolf (2021): Private-Equity-Investoren in der Pflege. Eine Studie über das Agieren von Private-Equity-Investoren im Pflegebereich in Europa, Berlin: Finanzwende/ Heinrich-Böll-Stiftung, 2021

Wido Geis-Thöne (2021): In Europa entwickeln sich die Bevölkerungen im erwerbsfähigen Alter unterschiedlich. Eine Analyse der demografischen Strukturen in den 27 EU-Ländern, IW-Report, Nr. 38, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2021

Larissa Pfaller und Mark Schweda (2021): Erfolgreiches = gesundes = gutes Altern? Altersbilder und Prämissen gerontologischer und sozialpolitischer Altersdiskurse in Deutschland, Erlangen/Oldenburg 2021

Daniel Hlava und Thomas Klebe (2021): Mindesthonorare für Soloselbstständige. Politische Gestaltungsansätze und rechtliche Rahmenbedingungen, Bonn: Friedrich­Ebert­Stiftung, Oktober 2021
»Die Situation Soloselbstständiger ist oftmals prekär. Geringe Nettoeinkommen und unzureichende soziale Absicherung stellen nicht nur eine individuelle Belastung, sondern auch eine Herausforderung für den Sozialstaat dar. Politik und Gewerkschaften haben daher unterschiedliche Vorschläge unterbreitet, um Mindesthonorare, Kollektivverträge von Soloselbstständigen und deren stärkere Einbeziehung in die Sozialversicherung zu ermöglichen. Der vorliegende Beitrag skizziert den Stand der Debatte, stellt einen Vorschlag zur Regelung von Mindesthonoraren für Soloselbstständige vor und bewertet die rechtlichen Rahmenbedingungen.«

BMFSFJ (2021): Kinder, Haushalt, Pflege – wer kümmert sich? Ein Dossier zur gesellschaftlichen Dimension einer privaten Frage, Berlin: Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, Oktober 2021

Maximilian Blömer, Przemyslaw Brandt und Andreas Peichl (2021): Raus aus der Zweitverdienerinnenfalle. Reformvorschläge zum Abbau von Fehlanreizen im deutschen Steuer- und Sozialversicherungssystem, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Oktober 2021

➔ dazu: Raus aus der Zweitverdienerinnenfalle: Reform des Ehegattensplittings und der Minijobs brächte mehr als 100.000 Jobs für Frauen (13.10.2021)

Arnt von Bodelschwingh, Katharina Enders, Jochen Lang und Dirk Löhr (2021): Bezahlbare Wohnungen sichern. Sozialer Wohnungsbau, Wohnungsgemeinnützigkeit und Gemeinwohlwohnungen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, September 2021

Andreas Storm (Hrsg.) (2021): Pflegereport 2021. Junge Menschen und Pflege. Einstellungen und Erfahrungen nachkommender Generationen. Beiträge zur Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung Band 35. DAK-Gesundheit, Hamburg/Freiburg, Oktober 2021

Wolfgang Däubler (2021): Interessenvertretung durch Betriebsrat und Gewerkschaften im digitalen Betrieb. HSI-Schriftenreihe Band 41, Frankfurt am Main 2021
»Die Corona-Krise hat die fortschreitenden Prozesse der Digitalisierung in der Arbeitswelt nicht aufgehalten, vielmehr wurden sie in manchen Bereichen sogar beschleunigt – Beispiele sind die explosionsartige Zunahme mobiler Arbeit und das anhaltende Wachstum der Plattformökonomie. Ausgehend von der Prämisse, dass gewerkschaftliche und betriebliche Interessenvertretung entscheidend sind für gelingende Transformationsprozesse, stellen sich angesichts dieser Entwicklung die Fragen: Was bedeutet es für die Interessenvertretung der Beschäftigten durch Gewerkschaften und Betriebsräte, wenn Kommunikation in der Arbeitswelt zunehmend über digitale Kanäle erfolgt, die in der Hand des Arbeitgebers liegen? Wie wird Gewerkschafts- und Mitbestimmungsrechten jetzt und in Zukunft Rechnung getragen, wenn der Betrieb als Ort der sozialen Begegnung und des Austauschs an Bedeutung verliert? Im vorliegenden Gutachten geht Prof. Dr. Wolfgang Däubler diesen Fragen nach. Er erläutert zunächst den geltenden rechtlichen Rahmen und gibt einen- so hoffen wir – insbesondere für die betriebliche Praxis hilfreichen Überblick über die Handlungsmöglichkeiten von Betriebsräten und Gewerkschaften zur Kommunikation mit Beschäftigten in digitalen Räumen. Dabei baut das Gutachten auf der Rechtsprechung insbesondere des Bundesarbeitsgerichts auf und denkt diese konsequent zu Ende. Abschließend nimmt es auch die rechtspolitische Forderung nach digitalen Zugangsrechten in den Blick.«

Anne Lenze (2021): Verfassungsrechtliches Kurzgutachten zur Fortschreibung der Regelbedarfsstufen nach § 28a SGB XII zum 1.1.2022, Darmstadt, 30. September 2021

Johann Fuchs et al. (2021): IAB-Prognose 2021/2022: Arbeitsmarkt auf Erholungskurs. IAB-Kurzbericht Nr. 20/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Auch wenn die Corona-Krise noch nicht endgültig überwunden ist, befindet sich der Arbeitsmarkt wieder auf Erholungskurs. Der Kurzbericht blickt auf das zu erwartende Arbeitsmarktgeschehen in diesem und im nächsten Jahr. Insgesamt wird für 2021 ein Jahreswachstum des realen BIP von 2,2 Prozent, für 2022 ein Wachstum von 3,8 Prozent erwartet. Für den Jahresdurchschnitt 2022 geht die Prognose gegenüber 2021 von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 290.000 Personen aus. Die Erwerbstätigkeit nimmt bereits im Jahresverlauf 2021 spürbar zu und liegt im Jahresdurchschnitt 2022 um 560.000 über dem Vorjahr.«

Rolf Paprotny (2021): Von der Heimarbeit ins Homeoffice. Was haben wir aus der Vergangenheit gelernt?Mitbestimmungsreport Nr. 67, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Oktober 2021

Yvonne Lott (2021): Do employees always reciprocate home-based working with commitment? The role of blurring boundaries, trust and fairness. Working Paper 213, Düsseldorf: Wirtschaft- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), 2021
»Work organizations are increasingly under pressure to offer home-based working. However, there is inconsistent evidence on whether granting employees to work from home is a business case increasing their organizational commitment. Analysis of the representative German Linked Personnel Panel revealed that, overall, the use of home-based working is associated with employees’ higher organizational commitment. A closer look at the data, however, shows that this is less often the case when the use of home-based working involves the blurring of work–life boundaries. Our results are the first to provide evidence that perceived fairness in the exchange relation with supervisors is of particular importance for employees’ experiences with working from home.«

Willem Pieter de Groen et al. (2021): Digital labour platforms in the EU. Mapping and business models, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2021
»This is the final report of the study on ‘Digital labour platforms in the EU: Mapping and business models’ for the Directorate-General for Employment, Social Affairs and Inclusion (DG EMPL). In total, 516 active and another 74 inactive digital labour platforms (DLPs) in the EU27 have been identified. For each of these DLPs, information on the business model has been collected and analysed. Moreover, for a sample of 38 DLPs, details on the working conditions have been collected and analysed for one or more countries. This study illustrates that DLPs have grown rapidly in the last five years, though still small in size with EUR 14 billion in activity. DLPs act as intermediaries for a large range of activities, including freelance, contest-based, microtask, taxi, delivery, home and professional services. DLPs intermediating the same services often follow similar business models, nevertheless the working conditions can differ between these platforms and even for the same platform across countries.«

Eurofound (2021): COVID-19: A turning point for upward convergence in health and healthcare in the EU?, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2021

Anja Hall (2021): Qualifikationsmismatch – alles eine Frage der Messmethode? Ausmaß und Determinanten von über- und unterqualifizierter Erwerbstätigkeit im Vergleich. Wissenschaftliche Diskussionspapiere Nr. 229, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, 2021

Kreis Recklinghausen (Hrsg.) (2021): Digitale Teilhabe und Quartiersentwicklung. Befähigungsstrategien für ältere Menschen im Sozialraum, Recklinghausen, August 2021

Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (2021): Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zum Umgang mit dem Wunsch nach Suizidassistenz in der Hospizarbeit und Palliativversorgung, Berlin, September 2021

Jeanette Carstensen, Holger Seibert und Doris Wiethölter (2021): Entgelte von Pflegekräften 2020, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 29. September 2021

Monika Schröttle et al. (2021): Gewaltschutzstrukturen für Menschen mit Behinderungen – Bestandsaufnahme und Empfehlungen. Forschungsbericht 584, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, September 2021
Menschen mit Behinderungen sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, Gewalt in verschiedenen Lebensbereichen zu erfahren. Gleichzeitig sind sie im Hinblick auf den Schutz vor Gewalt, vor allem, wenn sie in Einrichtungen leben und arbeiten, strukturell und rechtlich in einer besonders schwierigen Lage. Aus diesem Grund hat das Institut für empirische Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales eine Studie zu Gewaltschutzstrukturen für Menschen mit Behinderungen in Deutschland durchgeführt. Der Abschlussbericht enthält eine Bestandsaufnahme der aktuellen Gewaltschutzsituation in Wohnrichtungen und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation, identifiziert Handlungsfelder sowie Lücken im Gewaltschutz und gibt zwölf Handlungsempfehlungen für eine wirksame und Ebenen übergreifende Gewaltschutzstrategie für Menschen mit Behinderungen.

BMFSFJ (2021): Kindertagesbetreuung Kompakt – Ausbaustand und Bedarf 2020, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, September 2021

Serhat Karakayalı und Celia Bouali (2021): Migrantische Aktive in der betrieblichen Mitbestimmung. Working Paper Forschungsförderung Nr. 228, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, September 2021
»Unter gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten der Metallbranche sind überdurchschnittlich viele Migrant:innen in der betrieblichen Mitbestimmung aktiv. Das Working Paper diskutiert die Ergebnisse einer fallvergleichenden qualitativen Studie, die sich mit den Motiven, Kontextbedingungen und Verläufen migrantischen Engagements in den Strukturen der Mitbestimmung befasst. Sie zeigt, inwiefern Muster der Rekrutierung und Nominierung sowohl mit lebensweltlichen und durch Migration geprägten Erfahrungen als auch mit den durch eine „ethnische Segmentierung“ des Arbeitsmarkts bedingten betrieblichen Dynamiken zusammenhängen.«

Sabrina Apicella (2021): Das Prinzip Amazon. Über den Wandel der Verkaufsarbeit und Streiks im transnationalen Versandhandel, Hamburg: VSA Verlag, 2021

Jörn Boewe, Tina Morgenroth und Johannes Schulten (2021): Amazons letzte Meile. Ein Onlinehändler als Prekarisierungstreiber in der Paketlogistik. Eine Fallstudie zum Verteilzentrum Erfurt-Stotternheim, Erfurt: Rosa-Luxemburg-Stiftung, September 2021
»Der Amazon-Konzern wird in Deutschland immer noch vor allem als Onlinehändler wahrgenommen. Entsprechend sind auch die gewerkschaftlichen Aktivitäten bislang praktisch ausschließlich auf die großen Versandzentren (»Fulfillment Center«) beschränkt. Doch inzwischen hat Amazon auch die Straße erobert. Seit etwa fünf Jahren baut der Konzern seine eigene Lieferlogistik auf der »letzten Meile« auf. Damit verdrängt Amazon nicht nur traditionelle Paketdienste wie dhl und Hermes vom Markt. Amazon agiert auch als Treiber der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen in der ohnehin schon unter einem enormen Konkurrenzdruck stehenden Branche. Amazon Logistics ist der einzige große Paketdienst, der seine Lieferlogistik komplett an Subunternehmer ausgelagert hat. Zusätzlich experimentiert das Unternehmen mit einem plattformbasierten Beschäftigungsmodell: Mit seiner App Amazon Flex hat der Konzern aus Seattle das durch Unternehmen wie Uber oder Lieferando bekannt gemachte Beschäftigungsmodell der gig economy in der Paketlogistik etabliert.«

Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband (2021): Unsicherheit im Wandel. Das Paritätische Jahresgutachten 2021, Berlin, September 2021
»Das Jahresgutachten untersucht anhand von Daten der offiziellen Statistiken und der Gesetzgebung des jeweiligen Vorjahres, wie es um den sozialen Zusammenhalt in Deutschland steht, identifiziert Problemlagen und formuliert Handlungsbedarfe. „Die sozialpolitische Bilanz der scheidenden Bundesregierung fällt bescheiden aus. Viele selbstgesteckte Ziele waren wenig ambitioniert oder wurden verfehlt. Die Stärkung des sozialen Zusammenhalts wird programmatisch zwar gerne beschworen, in der politischen Praxis dann jedoch allzu oft vernachlässigt”, bilanziert Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbands die Befunde des vorliegenden Jahresgutachtens.«

Lars Fredrik Andersson, Håkan A. Bengtsson, Stefan Fina, and Bastian Heider (2021): Unequal Sweden. Regional socio-economic disparities in Sweden, Stockholm: FES Nordic Countries, 2021
»Internationally, Sweden is still associated with a growth model that secures a high level of social equality via a strong universal welfare state. However, this perception overlooks a distinct rise in inequalities over the past 30 years. Successive market-based reforms and structural change have created distinct regional socioeconomic disparities. This leads to the observation that there a four Swedens. Inputs for overall growth and employment stem from a minority of regions. Municipalities in the lagging areas are increasingly under severe pressure to uphold attractive levels of high-quality public services for their populations. Neither previous ongoing economic growth nor central government transfers to municipalities and EU regional funds have helped to balance the regional disparities and inequalities. On the contrary, they may have deepened the divide. A new approach for regional development is needed.«

Jean-Victor Alipour, Christina Langer und Layla O’Kane (2021): Wird uns das Homeoffice erhalten bleiben? Ein Blick in 35 Millionen Stellenanzeigen, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021
»Während eine Homeoffice-Option in Stellenausschreibungen vor der Krise selten war, führte der Corona-Schock zu einem Homeoffice-Boom. Das zeigt die Analyse der Verbreitung von Homeoffice anhand von mehr als 35 Millionen Stellenanzeigen im Zeitraum von 2014 bis 2021. Gleichzeitig haben sich regionale, berufliche und sektorale Ungleichheiten im Zugang zu Homeoffice während der Pandemie verringert. Zudem werden digitale Kompetenzen sowie Team- und Anpassungsfähigkeit vermehrt verlangt.«

Henning Hermes, Philipp Lergetporer, Frauke Peter, Simon Wiederhold, Vera Freundl und Olivia Wirth (2021):Bewerbungsunterstützung erhöht die Kita-Inanspruchnahme von Kindern aus bildungsferneren Familien, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021
»Kinder aus bildungsferneren Familien profitieren besonders stark vom Besuch einer Kindertageseinrichtung (Kita), besuchen diese aber deutlich seltener. In der hier betrachteten Studie mit über 600 Familien mit Kindern unter drei Jahren erhalten die Eltern Informationen und ein personalisiertes Unterstützungsangebot für ihre Kita-Bewerbung. Diese Maßnahme erhöht die Bewerbungsquote und die Kita-Inanspruchnahme von bildungsferneren Familien deutlich. Auf bildungsnähere Familien hat die Maßnahme hingegen keine Auswirkungen.«

Ludger Wößmann, Vera Freundl, Elisabeth Grewenig, Philipp Lergetporer und Katharina Werner (2021): Bildungspolitik zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen während und nach Corona – Ergebnisse des ifo Bildungsbarometers 2021, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021
»Das ifo Bildungsbarometer 2021 hat unter mehr als 4 000 Erwachsenen erfragt, welche bildungspolitischen Maßnahmen sie zur Bewältigung der gesellschaftlichen Herausforderungen, die in der Corona-Pandemie offengelegt wurden, befürworten. Die Mehrheit sprach sich für einen verpflichtenden Online-Unterricht bei Schulschließungen und eine intensivere Betreuung von Kindern aus schwierigen sozialen Verhältnissen aus. Insgesamt fällt die Beurteilung der Corona-Schulpolitik recht negativ aus, besonders im Hinblick auf den Umgang mit benachteiligten Schüler*innen.«

Günther Schmid (2021): Eine Europäische Arbeitslebensversicherung? Auf den Spuren des Revolutionärs Immanuel Kant. Discussion Paper EME 2021–002, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), September 2021
»Die Arbeitsmarktpolitik auf europäischer Ebene hat durch die Krisen der letzten Jahre wiederholt neue Impulse erhalten. Mit den Initiativen für eine europäische Arbeitslosenrückversicherung, einen europäischen Mindestlohn, eine europäische Jugendgarantie und – vor kurzem – Europäische Sozialanleihen, ist die EU mittlerweile ein arbeitsmarktpolitischer Akteur, der die nationalen Aktivitäten ergänzt oder unterstützt. Die COVID-19-Krise könnte ein Gelegenheitsfenster sein, den Europäischen Sozialfonds um bestimmte Elemente einer Europäischen Arbeitslebensversicherung weiter zu entwickeln. Das Ziel sollte nicht nur darin bestehen, in europäischer Solidarität auf zyklische oder pandemische Krisen des Arbeitsmarkts zu reagieren, sondern auch die nationalen Kapazitäten zu stärken, um Einkommensrisiken im gesamten Erwerbsverlauf abzusichern. Die Innovation dieses Essay besteht darin, die Grundzüge einer Arbeitslebensversicherung auf die revolutionäre Trias „Freiheit, Gleichheit, Selbständigkeit“ von Immanuel Kant zurückzuführen. Kants Konzept der „bürgerlichen Selbständigkeit“ – anstelle der „Solidarität“ – erweist sich als überaus fruchtbar, um ein institutionell fundiertes Grundrecht auf würdige Arbeit zu begründen.« 

Marco Giesselmann, David Brady and Tabea Naujoks (2021): The Social Consequences of the Increase in Refugees to Germany 2015-2016. Discussion Paper SP I 2021–502, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), September 2021

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2021): Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2020. Ergebnisse des Adult Education Survey — AES-Trendbericht, Berlin, September 2021

Karin Schulze Buschoff und Helge Emmler (2021): Selbstständige in der Corona-Krise. Ergebnisse aus der HBS-Erwerbspersonenbefragung, Wellen 1 bis 5. Policy Brief WSI Nr. 60, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), September 2021

Alexander Patzina und Gabriele Wydra-Somaggio (2021): Ausbildungsabbrüche und -unterbrechungen im Vergleich: Ohne Abschluss ist der Verdienst geringer und die Dauer der Beschäftigung kürzer. IAB-Kurzbericht, 18/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2021
»Wenn junge Menschen ihren Ausbildungsvertrag vorzeitig lösen, wird das häufig als Nachteil für die Jugendlichen und die Ausbildungsbetriebe gesehen. Jedoch führt nicht jede vorzeitige Vertragslösung zu einem Abbruch der Ausbildung. Vielmehr ergibt sich dadurch auch die Chance, dass sich die Passung zwischen Jugendlichen und ihren Ausbildungsstellen verbessert. Die Analysen auf Basis des Ausbildungspanels Saarlands zeigen, dass Personen, die ihre Ausbildung lediglich unterbrechen, nahezu die gleichen Verdienstchancen aufweisen wie Auszubildende ohne Vertragslösung. Personen ohne abgeschlossene Ausbildung schneiden im Vergleich dazu deutlich schlechter ab.«

Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) (2021): Arbeitswelten. Menschenwelten. Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen, Berlin, September 2021
»Die wichtigsten Präventionsthemen für die großen Branchen und Sektoren identifiziert und beschreibt ein aktueller Bericht zum Risikoobservatorium der DGUV. Welche Entwicklungen Arbeiten und Lernen verändern und wo deshalb neue Risiken für Sicherheit und Gesundheit den Arbeitsschutz besonders fordern, illustrieren in Wort und Bild 13 Branchenbilder – von der Abfallbranche über die Fleischwirtschaft bis zu Kitas und Schulen.«

AOK-Bundesverband und Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) (2021): Jenseits des Lagerdenkens: Reformansätze für eine zukunftsfähige und qualitätsorientierte Krankenhauslandschaft, September 2021

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (2021): Bedingungsloses Grundeinkommen, Berlin: Bundesministerium für Finanzen, September 2021
Der Wissenschaftliche Beirat hat sein Gutachten „Bedingungsloses Grundeinkommen“ vorgelegt. Darin untersucht er die in der Öffentlichkeit diskutierten Vorschläge aus ökonomischer und rechtlicher Sicht. Im Vordergrund stehen dabei Aspekte der Finanzierbarkeit und der Effizienz.

Angelika Kümmerling und Vanessa Schmieja (2021): Arbeitszeiten während der Corona-Pandemie: Wachsende Unterschiede zwischen Frauen und Männern. IAQ-Arbeitszeitmonitor. IAQ-Report 2021-07, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), September 2021
»2020 betrugen die Arbeitszeiten abhängig Vollzeitbeschäftigter 39,9 Stunden und lagen damit 0,7 Stunden niedriger als 2010. Die im Krisenjahr 2020 beobachteten Arbeitszeitrückgänge gegenüber dem Vorjahr sind außergewöhnlich hoch. Die Corona-Pandemie wirkt sich geschlechtsspezifisch auf die Arbeitszeiten aus. Die Arbeitszeiten vollzeitbeschäftigter Frauen sind stärker gesunken als die vollzeitbeschäftigter Männer. In der Folge hat sich die Arbeitszeitdifferenz zwischen Männern und Frauen seit 2013 das erste Mal wieder erhöht. In Krisenzeiten, so zeigen die Daten, besteht die Gefahr, dass Frauen und Mütter wie selbstverständlich und auf Kosten von Rentenansprüchen, beruflicher Weiterbildung und Karriereoptionen in alte Rollenbilder zurückgedrängt werden. Daten des Labour Force Survey zeigen, dass im Jahr vor der Krise rund die Hälfte der Beschäftigten überwiegend fremdbestimmte Arbeitszeiten hatte. Frauen können seltener verschiedene Formen der Arbeitszeitflexibilisierung selbstbestimmt nutzen als Männer.«

Michael Krennerich (2021): Wahlrecht von wohnungslosen Menschen. Rechtliche, organisatorische und politische Bedingungen der Wahlrechtsnutzung durch wohnungslose Menschen, Berlin: Deutsches Institut für Menschenrechte, Juli 2021

Kerstin Bruckmeier, Katrin Hohmeyer und Torsten Lietzmann (2021): Zugänge in die Grundsicherung für Arbeitsuchende: Aus Erwerbstätigkeit kommen mehr Personen als ausdem Arbeitslosengeldbezug. IAB-Kurzbericht Nr. 17/2021

Eric Seils und Katharina Molitor (2021): Wandel der Kinderbetreuung. Ein Vergleich von 18 westeuropäischen Ländern, 1990-2020. Study Nr. 27, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, September 2021
»Die formale Kinderbetreuung wurde in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts ausgebaut, um die Arbeitsmarktpartizipation von Frauen zu fördern und Kinderarmut zu bekämpfen. Ausgehend von einer pragmatischen Einteilung in drei unterschiedliche Regimes der Kinderbetreuung untersucht der Beitrag den Wandel der formalen Kinderbetreuung in 18 westeuropäischen Ländern seit 1990. Es zeigt sich, dass die drei Gruppen in Richtung einer umfassenden formalen Kinderbetreuung skandinavischer Prägung konvergieren.«

Tuuli-Marja Kleiner und Luise Burkhardt (2021): Ehrenamtliches Engagement: Soziale Gruppen insbesondere in sehr ländlichen Räumen unterschiedlich stark beteiligt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 35/2021
»Ehrenamtliches Engagement ist in sehr ländlichen Räumen mit guter sozioökonomischer Lage besonders hoch. In stark ländlich geprägten Räumen engagieren sich Männer deutlich häufiger für ein Ehrenamt als Frauen. Zudem ist die Erwerbstätigkeit von großer Bedeutung Menschen, die regelmäßig religiöse Veranstaltungen besuchen, sind in allen Raumtypen vergleichsweise stark ehrenamtlich engagiert. Stärkung ehrenamtlicher Strukturen ist insbesondere in sehr ländlichen Räumen mit weniger guter sozioökonomischer Lage wünschenswert. Hier geht es vor allem um einen verbesserten Zugang für Frauen und Nicht-Erwerbstätige.«

Natalia Danzer, Mathias Huebener, Astrid Pape, C. Katharina Spieß und Gert G. Wagner (2021): Kita- und Schulschließungen haben bei westdeutschen Vätern Einstellung zurErwerbstätigkeit von Müttern verändert, in: DIW Wochenbericht, Nr. 34/2021
»Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus haben Familien vor große Herausforderungen gestellt, insbesondere durch die vorübergehenden (Teil-)Schließungen von Kitas und Schulen. Während viele Studien bisher darauf fokussierten, wie die zusätzliche Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern aufgeteilt wurde, untersucht dieser Beitrag Auswirkungen auf die Ansichten zu Geschlechterrollen. Konkret wird anhand repräsentativer Daten aus dem Frühjahr 2021 im Vergleich zu 2008 bis 2016 untersucht, ob sich die Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern verändert haben. Im Ergebnis zeigt sich, dass Väter mit jüngeren Kindern ihre im vergangenen Jahrzehnt immer egalitärer gewordenen Einstellungen zur Erwerbstätigkeit von Müttern verändert haben. Nachdem im Jahr 2016 noch rund 60 Prozent der Väter sehr egalitäre Geschlechterrolleneinstellungen hatten, waren es ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie rund 54 Prozent – und damit etwa zehn Prozent weniger. Bei Müttern und Vätern in Ostdeutschland sind solche Veränderungen in den Einstellungen zur Erwerbstätigkeit hingegen nicht zu beobachten. Neben der veränderten Aufgabenteilung in Familien hat die Pandemie tendenziell also die Entwicklung hin zu egalitäreren Geschlechterrollen insgesamt gebremst – und in Westdeutschland sogar teilweise umgekehrt.«

DBfK (2021): Reform der Krankenhausfinanzierung. Positionspapier, Berlin: Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK), September 2021

Clémence Merçay, Annette Grünig und Peter Dolder (2021): Gesundheitspersonal in der Schweiz – Nationaler Versorgungsbericht 2021. Bestand, Bedarf, Angebot und Massnahmen zur Personalsicherung, Neuchâtel: Schweizerisches Gesundheitsobservatorium (Obsan), 2021

Andreas Hövermann, Bettina Kohlrausch und Dorothea Voss (2021): Anti-demokratische Einstellungen. Der Einfluss von Arbeit, Digitalisierung und Klimawandel. Forschungsförderung Policy Brief Nr. 007, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, September 2021
»Der Arbeitskontext und eine sichere Integration in den Arbeitsmarkt können einen Schutz vor rechtspopulistischen und menschenfeindlichen Einstellungen bieten. Diese zusammenfassend als anti-demokratisch bezeichneten Einstellungen treten gehäuft auf, wenn Sicherheit, Anerkennung und Selbstwirksamkeit am Arbeitsplatz fehlen. Zentral für anti-demokratische Einstellungen sind zudem Erfahrungen mit Digitalisierung am Arbeitsplatz und Einstellungen zum sozial-ökologischen Wandel. Aber Transformationserfahrungen sind unterschiedlich: Für einige Menschen stellen sie ein enormes Bedrohungspotenzial dar, sie bergen die Gefahr einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft – und einer Zunahme anti-demokratischer Einstellungen.«

Daniel Schönherr (2021): Zur Situation von Arbeitslosen in Österreich 2021, Wien: SORA Institut, August 2021

Tobias Heidland und Finja Krüger (2021): Zuwanderung und Flüchtlingsschutz im Wahlkampf: Zerrbild statt Chancenorientierung. Kiel Policy Brief Nr. 157, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW), September 2021
»In den Wahlprogrammen der Parteien für die Bundestagswahl 2021 finden sich sehr unterschiedliche Migrationsbilder. Einige Programme sind stärker auf Verhinderung, andere eher auf die sich bietenden Chancen fokussiert. Die Autoren stellen fest, dass alle Parteien das Thema Flucht und Asyl in ihren Programmen überbetonen, obwohl dies nur etwa ein Drittel der Migration der letzten Jahre ausmacht. Trotz unterschiedlicher Positionen gibt es in einigen Kernthemen wie Integration und einer europäischen Lösung mit Flucht/Asyl Einigkeit zwischen einzelnen Parteien, die sich in anderen Politikbereichen deutlich unterscheiden. In vielen Bereichen sind die Wahlprogramme unspezifisch und bieten kaum konkrete Vorschläge, was Koalitionsverhandlungen erleichtern wird. Angesichts der rapiden Alterung der Gesellschaft und des sich weiter verschärfenden Fachkräftemangels sehen die Autoren eine chancenorientierte Einwanderungspolitik als dringend notwendig an.«

Tom Krebs und Moritz Drechsel-Grau (2021): Mindestlohn von 12 Euro: Auswirkungen auf Beschäftigung, Wachstum und öffentliche Finanzen. IMK Study Nr. 73, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021
»Die vorliegende Studie nutzt die Methoden der modernen Arbeitsmarktforschung, um die gesamtwirtschaftlichen Effekte einer Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro zu evaluieren. Der erste Teil der Studie bietet eine Zusammenfassung der einschlägigen Literatur und eine Einordnung der neoklassischen und neo-marxistischen Theorie des Arbeitsmarkts aus Sicht der aktuellen Forschung. Im zweiten Teil der Studie werden die empirischen Arbeiten zur Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro in 2015 erörtert. Der dritte Teil der Studie untersucht die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen eines Mindestlohns von 12 Euro auf Basis eines theoretisch fundierten und empirisch belegten makroökonomischen Modells des deutschen Arbeitsmarktes. Die Simulationsanalyse zeigt, dass eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 Euro langfristig keinen nennenswerten Effekt auf die Beschäftigung hat. Darüber hinaus führt ein Mindestlohn von 12 Euro langfristig zu einem Anstieg der Produktivität um circa ein Prozent, einer Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktion um circa eineinhalb Prozent und Mehreinnahmen der öffentlichen Hand von circa 20 Milliarden Euro pro Jahr.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Gesundheitswirtschaft. Fakten & Zahlen, Daten 2020. Ergebnisse der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Berlin, Juli 2021

Nikolai Huke (2021): „Bedeutet unser Leben nichts“? Erfahrungen von Asylsuchenden in Flüchtlingsunterkünften während der Corona-Pandemie in Deutschland, Frankfurt am Main: Pro Asyl, 2021
Eine von PRO ASYL herausgegebene Studie der Universität Kiel macht sichtbar, welchen Problemen Bewohner von Flüchtlingsunterkünften gegenüberstehen und wie sie diese erleben –nicht nur, aber insbesondere während der Corona-Pandemie.
➔ dazu: Pro Asyl: »Bedeutet unser Leben nichts?« (02.09.2021)

Bundeskartellamt (2021): Sektoruntersuchung Krankenhäuser. Wettbewerb im Krankenhaussektor in Deutschland und Schutz durch die Fusionskontrolle. Darstellung und Analyse der Strukturen auf den Märkten der Akutkrankenhäuser in Deutschland. Abschlussbericht gemäß § 32e GWB, Bonn: September 2021

AOK-Bundesverband (2021): AOK-Positionen für eine Vergütungs- und Strukturreform im Krankenhaussektor, Berlin, August 2021

Hagen Lesch und Luis Winter (2021): Konfliktbereitschaft nimmt zu. Tarifpolitischer Bericht 1. Halbjahr 2021, IW-Report Nr. 32/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Während die Tarifverhandlungen im Jahr 2020 unter dem Einfluss der Corona-Pandemie überaus harmonisch geführt wurden, zeichnet sich im laufenden Jahr eine Trendwende ab. Die Konfliktbereitschaft hat im ersten Halbjahr 2021 spürbar zugenommen. Dies zeigt eine Analyse von 14 zentralen Tarifverhandlungen im Rahmen des IW-Konfliktmonitorings. In diesem Monitoring werden die Tarifverhandlungen in 20 Branchen aus allen Bereichen der Volkswirtschaft regelmäßig ausgewertet und ermittelt, wie konfliktreich sie verlaufen. Die Konfliktintensität – sie summiert die in Tarifverhandlungen erreichten Eskalationsstufen wie Streikdrohungen, Warnstreiks, juristische Auseinandersetzungen oder Urabstimmungen – stieg im Durchschnitt auf 8,4 Punkte je Tarifkonflikt. Das liegt nahe am langjährigen Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2020 (9,0 Punkte). Im letzten Jahr summierten sich die Eskalationsstufen im Durchschnitt auf lediglich 2,3 Punkte pro Verhandlung, während es 2019 (dem letzten Jahr vor der Pandemie) 10,3 Punkte waren.«

Frauke Mischler (2021): Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen. Eine Ursachenanalyse auf Grundlage der Verdienststrukturerhebung 2018, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/2021
»Anknüpfend an frühere Analysen stellt der Beitrag Ergebnisse zum unbereinigten und bereinigten Gender Pay Gap auf Basis der Verdienststrukturerhebung für das Jahr 2018 vor und erläutert die zugrunde gelegte Methodik. Eine modellbasierte Analyse zeigt die (eingeschränkte) Sensitivität des unbereinigten Gender Pay Gap bei einem hypothetisch höheren Mindestlohn für Frauen und Männer oder einem Verdienstzuschlag auf den Bruttostundenverdienst ausschließlich für Frauen. Deutlich wird hierbei, dass der unbereinigte Gender Pay Gap sich nur geringfügig bei einem hypothetischen Mindestlohn von 12 Euro ändert. Höher wäre die Wirkung bei einem einseitigen Verdienstzuschlag für Frauen um 50 Cent auf den Bruttostundenverdienst.«

Johannes Geyer, Peter Haan und Alexander Ludwig (2021): Mindestrente: Absicherung gegen Altersarmut und notwendiger Baustein für weitere Reformen. DIW aktuell Nr. 72 – 31. August 2021, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2021
»Die demografische Entwicklung in Deutschland wird im nächsten Jahrzehnt eine grundlegende Reform der Rente erforderlich machen. Bisher halten sich aber gerade die Regierungsparteien mit Vorschlägen zurück und sehen den Handlungsbedarf als nicht so dringlich. Einige Oppositionsparteien liefern hingegen richtungsweisendere Ideen für Menschen mit niedrigeren Alterseinkommen. Ein Blick in die Nachbarländer Österreich und die Niederlande zeigt aber noch einen anderen Weg auf: die Mindestrente. Sie könnte zumindest die finanzielle Absicherung sicherstellen und zum sozialen Ausgleich beitragen. Zudem wäre sie auch eine wichtige Voraussetzung, um andere Rentenreformen in Deutschland in der nächsten Legislaturperiode umzusetzen, wie eine Erhöhung des Rentenzugangsalters oder stärkere (kapitalgedeckte) private Vorsorge. Alternativ müsste die Grundsicherung deutlich überarbeitet werden, damit die Inanspruchnahme steigt.«

BAG Wohnungslosenhilfe (2021): Statistikbericht. Zu Lebenslagen wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in Deutschland – Lebenslagenbericht. Berichtsjahr 2019, Berlin 2021

Christina Boll, Dana Müller and Simone Schüller (2021): Neither Backlash nor Convergence:Dynamics of Intracouple Childcare Division After the First COVID-19 Lockdown and Subsequent Reopening in Germany. IAB-Discussion Paper 12/2021. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Using unique monthly panel data (IAB-HOPP) covering the immediate postlockdown period from June to August 2020, we investigate opposing claims of widening/closing the gender gap in parental childcare during the COVID-19 pandemic in Germany. We consider prepandemic division as a reference point and provide dynamics rather than snapshots. Our results suggest a slight shift toward a more egalitarian division in June that, however, faded out in subsequent months. Starting from a fairly ‚traditional‘ prepandemic childcare division, the lockdown stimulus was not nearly strong enough to level the playing field. Subgroup analysis differentiating between individual lockdown-specific work arrangements shows that the drivers of the observed shift were mothers with relatively intense labor market participation who cannot work from home. Fathers‘ work arrangement instead did not play a significant role. We conclude that the shift emerged out of necessity rather than opportunity, which makes it likely to fade once the necessity vanishes.«

Anne Otto et al. (2021): Systemrelevante Berufe und das Potenzial für Homeoffice: Eine geschlechtsspezifische Bestandsaufnahme für Rheinland-Pfalz. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Rheinland-Pfalz-Saarland 02/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021

Holger Seibert, Doris Wiethölter und Barbara Schwengler, (2021): Beschäftigungsentwicklung von Helfertätigkeiten: Starker Einbruch in der Corona-Krise. IAB-Kurzbericht 16/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Geringqualifizierte weisen ein besonders hohes Arbeitslosigkeitsrisiko auf. Dennoch bietet der deutsche Arbeitsmarkt diesem Personenkreis Beschäftigungschancen auf einfachen Helfer- und Anlerntätigkeiten. In den Jahren unmittelbar vor der Corona-Krise hatte sich die Beschäftigung auf Helferniveau sehr positiv entwickelt. Die Folgen der Covid-19-Pandemie verdeutlichen aber, wie anfällig dieses Segment für kurzfristige Nachfrageschwankungen ist. Der Kurzbericht zeigt, in welchen Berufsgruppen, Branchen und Regionen Helfertätigkeiten besonders verbreitet sind und von welchen Personen sie überwiegend ausgeübt werden.«

Deutscher Kitaleitungskongress (2021): DKLK-Studie 2021. Kita-Leitungen: Besondere Herausforderungen in Pandemiezeiten, Hamburg, Berlin, Koblenz, August 2021

Kathrin Bock-Famulla, Antje Girndt, Tim Vetter und Ben Kriechel (2021): Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule 2021, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, August 2021
»Die Systeme der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland haben sich im vergangenen Jahrzehnt enorm weiterentwickelt. Doch noch immer kann nicht jedem Kind, für das die Eltern eine Betreuung wünschen, ein Platz in der Kindertagesbetreuung angeboten werden. Zudem sind die Rahmenbedingungen in den KiTas oftmals noch nicht kindgerecht, vielfach entsprechen sie auch nicht den Anforderungen an professionelle Arbeitsbedingungen. Schließlich stellt sich die Situation der Kindertagesbetreuung im Vergleich der einzelnen Bundesländer, aber auch innerhalb des jeweiligen Bundeslandes sehr unterschiedlich dar – die Teilhabe- und Bildungschancen jedes Kindes hängen deshalb stark vom Wohnort ab. Für den weiteren Ausbau und somit auch für eine Angleichung der Bildungs- und Lebensverhältnisse in der Kindertagesbetreuung spielt das unzureichende Angebot an KiTa-Fachkräften eine große Rolle. Um hier mehr Klarheit für die Zukunft zu schaffen, zeigt der Fachkräfte-Radar für KiTa und Grundschule in sieben datenbasierten Szenarien mögliche Entwicklungstrends auf: für Deutschland insgesamt, differenziert nach West- und Ostdeutschland sowie für die 16 Bundesländer. Die Szenarien konzentrieren sich dabei auf den Fachkräftebedarf für Kindertageseinrichtungen (KiTas) und hier wiederum ausschließlich auf die Betreuung von Kindern im Alter bis zum Eintritt in die Schule. Eine weitere Ausgabe des Fachkräfte-Radars wird sich mit dem Bedarf und Angebot an Fachkräften für die Ganztagsbetreuung von Kindern im Grundschulalter befassen.«

Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung (2021): Pflege & Corona: Jetzt die richtigen Schlüsse ziehen!, Berlin, August 2021

Andreas Büscher, Stephanie Stelzig, Lara Peters und Alena Lübben (2021): Zu Hause pflegen – zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die VdK-Pflegestudie. Erster Zwischenbericht, Osnabrück, Juni 2021

Bundesministerium für Gesundheit, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2021): Konzertierte Aktion Pflege. Zweiter Bericht zum Stand der Umsetzung der Vereinbarungen der Arbeitsgruppen 1 bis 5, Berlin, August 2021

Heinz Rothgang, Franziska Heinze, Thomas Kalwitzki und Christian Wagner (2021): Auswirkungen der Regelungen des GVWG auf die stationären Pflegekosten und ihre Aufteilung. Expertise im Auftrag der DAK-Gesundheit, Bremen, August 2021

Laura Goßner und Yuliya Kosyakova (2021): Integrationshemmnisse geflüchteter Frauen und mögliche Handlungsansätze – eine Übersicht bisheriger Erkenntnisse. IAB-Forschungsbericht Nr. 8/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Der aktuelle Stand der Integration Geflüchteter in Deutschland weist hinsichtlich der Beschäftigungsquoten, der Bildungspartizipation sowie des Spracherwerbs auf geschlechtsspezifische Differenzen hin. Vor diesem Hintergrund bietet der Bericht eine Übersicht bisheriger empirischer Evidenz zu Integrationshemmnissen geflüchteter Frauen. Der Fokus liegt dabei auf möglichen Herausforderungen durch die Kinderbetreuung sowie durch das Fehlen sozialer Netzwerke. Hierzu werden praxisorientierte Handlungsempfehlungen präsentiert.«

Wido Geis-Thöne (2021): Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration trotz Pandemie. Aktuelle Zahlen zur Lage von Personen aus den acht Hauptasylherkunftsländern. IW-Report 30/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 23.08.2021

Jasper Tjaden and Tobias Heidland (2021): Does welcoming refugees attract more migrants? The myth of the ‘Merkel effect’. Kiel Working Paper No. 2194, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, August 2021
»In 2015, German Chancellor Angela Merkel decided to allow over a million asylum seekers to cross the border into Germany. One key concern at the time was that her decision would signal an open-door policy to aspiring migrants worldwide – thus, increasing migration to Germany in the long-term. With the continued global rise in forced displacement, Merkel’s decision in 2015 provides a unique case study for the fundamental question of whether welcoming migration policies have sustained effects on migration towards destination countries. We analyze an extensive range of data on migration inflows, intentions, and interest between 2000 and 2020. The results reject the “pull effect” hypothesis while reaffirming states’ capacity to adapt to changing contexts and regulate migration.«

Fabian Wagner (2021): Zahl der Zuwanderer und religiösen Minderheiten wird systematisch überschätzt, in: ifo Dresden berichtet, Heft 4/2021
»Wie eine Reihe jüngerer Forschungsarbeiten zeigt, sind systematisch verzerrte Wahrnehmungen von grundlegenden Fakten in großen Teilen der Bevölkerung vorhanden. Das gilt ebenso für Themen, die seit Jahren im Zentrum der medialen sowie politischen Debatte stehen, wie bspw. die Zuwanderung. Dieser Artikel fasst eine Auswahl der bisherigen Forschungsarbeiten zusammen, die sich mit der verzerrten Wahrnehmung der Bevölkerungsanteile von religiösen Minderheiten und Zuwanderern befassen. Die bisher veröffentlichten Papiere zeigen, dass Zuwandereranteile und religiöse Minderheiten um 15% bis zu über 600% gegenüber dem tatsächlichen Bevölkerungsanteil überschätzt werden. Die Überschätzung variiert zudem nach verschiedenen sozio­demografischen Größen, wie bspw. Geschlecht und Bildungshintergrund.«

Clemens Fuest und Lea Immel (2021): Die langfristigen Auswirkungen von Hochschulgründungen auf lokale Löhne, in: ifo Dresden berichtet, Heft 4/2021
»In diesem Beitrag untersuchen wir, ob und inwiefern Neugründungen von Hochschulen langfristig zu steigenden Löhnen in der betreffenden Region führen. Unsere Untersuchung zeigt, dass die Gründung einer Hochschule einen positiven Langzeiteffekt auf die Löhne in umliegenden Kreisen hat. Die Höhe der Lohneffekte variiert entlang der Lohnverteilung und zwischen verschiedenen Beschäftigungsgruppen. Zudem sind die regionalen Lohnsteigerungen im Wesentlichen auf die Gründung von Fachhochschulen sowie die Gründung von Hochschulen in städtischen Regionen zurückzuführen.«

Silke Hamann, Per Kropp, Annekatrin Niebuhr, Duncan Roth und Georg Sieglen (2021): Die regionalen Arbeitsmarkteffekte der Covid-19-Pandemie: Nicht nur eine Frage der Wirtschaftsstruktur. IAB-Kurzbericht Nr. 14/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Die Covid-19-Pandemie hat beträchtliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die jedoch nicht einheitlich ausfallen. Hier wird untersucht, ob die Arbeitsmarkteffekte der Corona-Krise tatsächlich vorwiegend auf die Betroffenheit der Wirtschaftszweige zurückzuführen sind, oder ob nach Berücksichtigung der Wirtschaftszweigstruktur auch andere Faktoren – darunter regionale Merkmale jenseits der Branchenstruktur – einen spürbaren Einfluss auf die Höhe des pandemiebedingten Anstiegs der Arbeitslosigkeit haben.«

Susanne Forstner, Zuzana Molnárová und Mario Steiner (2021): Volkswirtschaftliche Effekte einer Ausbildungsgarantie. Simulation einer Übertragung der österreichischen Ausbildungsgarantie nach Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2021

Clemens Wieland (2021): Die Ausbildungsgarantie in Österreich. Funktionsweise – Wirkungen – Institutionen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2021
»Die Corona-Pandemie trifft nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern auch den Ausbildungsmarkt hart, da viele Unternehmen aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage weniger Ausbildungsplätze anbieten. Mehr Jugendliche denn je laufen also Gefahr, bei der Ausbildungsplatzsuche nicht zum Zuge zu kommen und – abhängig von den weiteren Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt – auch dauerhaft ohne berufliche Qualifizierung zu bleiben. Dies ist sowohl aus individueller als auch aus bildungs-, sozial- und wirtschaftspolitischer Perspektive fatal. Eine Möglichkeit, den Mangel an Ausbildungsplätzen zu verhindern, ist der Ausbau außerbetrieblicher Ausbildungsmöglichkeiten mit dem Ziel, jedem jungen Menschen trotz Krise die Chance auf eine vollwertige Berufsausbildung zu geben. Ein Vorbild dafür findet sich in Österreich: Dort gibt es seit vielen Jahren eine staatliche Ausbildungsgarantie, bei der die Jugendlichen einen Vertrag zunächst nur für das erste Ausbildungsjahr in einer außerbetrieblichen Einrichtung bekommen und dann unter Anrechnung der absolvierten Lehrzeit in eine betriebliche Ausbildung wechseln können.«

Andrej Holm, Valentin Regnault, Max Sprengholz und Meret Stephan (2021): Muster sozialer Ungleichheit der Wohnversorgung in deutschen Großstädten. Working Paper Forschungsförderung, Nr. 222, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, August 2021
Soziale Ungleichheit spiegelt sich in den Wohnverhältnissen. Haushalte mit weniger Einkommen wohnen in kleineren Wohnungen, haben kaum Zugang zu modernen Neubauwohnungen und wohnen häufiger zur Miete. Besonders ausgeprägt sind prekäre Wohnbedingungen bei Alleinerziehenden, Haushalten mit Migrationshintergrund und Mieter mit niedrigen Bildungsabschlüssen. Soziale Ungleichheit wird auch verstärkt, weil Geringverdienerhaushalte eine höhere Mietbelastung haben und die Resteinkommen nach der Mietzahlung eine noch größere Spreizung aufweisen als die ohnehin bestehende Einkommensungleichheit.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2021): Sozialbericht 2021, Berlin 2021
»Mit dem Sozialbericht 2021 dokumentiert die Bundesregierung Umfang und Bedeutung der sozialstaatlichen Leistungen und die in diesem Kontext ergriffenen Reformen in der 19. Legislaturperiode. Er besteht aus zwei Teilen: Teil A gibt einen umfassenden Überblick über Maßnahmen und Vorhaben der Gesellschafts- und Sozialpolitik. Zudem werden die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie dargestellt. Teil B widmet sich dem Sozialbudget, mit dem die Bundesregierung in regelmäßigen Abständen über Umfang, Struktur und Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Zweige der sozialen Sicherung in Deutschland informiert. Dabei wird die ansonsten übliche jährliche tabellarische Berichterstattung des Sozialbudgets durch eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Sicherungssysteme ersetzt und durch eine Vorausschau auf die künftige mittelfristige Entwicklung der Sozialleistungen ergänzt.«

Hilmar Höhn (2021): Ein demokratisches Gesundheitssystem für alle. Dossier Nr. 10, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2021
»Investorinnen und Investoren diktieren zusehends, wie das Gesundheitssystems funktionieren soll. Sie nutzen jede Lücke unzureichender Gesetze, um ihre Macht auszubauen. In der Corona-Krise wurden die Ressourcen knapp. Das System ist ausgeblutet, die Beschäftigten sind zusehends entsetzt.«

Katalin Gennburg, Jannis Hertel, Carolin Moje und Denis Petri (2021): Gemütliches Loft mit Aussicht auf Verdrängung. Wie die Vermietungsplattform Airbnb die Stadt Berlin verändert, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mai 2021

Moritz Altenried, Julia Dück, Mira Wallis (Hrsg.) (2021): Plattformkapitalismus und die Krise der sozialen Reproduktion, Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot, 2021
»Nicht zuletzt die gegenwärtige Krise um die Ausbreitung des Coronavirus zeigt, wie sehr sich Plattformunternehmen bereits zu zentralen Infrastrukturen der Reproduktion entwickelt haben – ein Aspekt, der in Diskussionen um digitale Plattformen zumeist unterbelichtet bleibt. Auch wenn selten in diesem Zusammenhang diskutiert, intervenieren Plattformen wie Helpling, Deliveroo, Care.com, Airbnb, Uber und viele weitere direkt oder indirekt in soziale Reproduktionsverhältnisse. Dies betrifft etwa die Betreuung von Kindern, Ernährung oder Pflege ebenso wie die vergeschlechtlichte Arbeitsteilung oder die gesamtgesellschaftliche Organisation dieser Tätigkeiten. Damit sind nur einige Beispiele eines multidimensionalen Verhältnisses zwischen neuen Formen digital vermittelter und organisierter Arbeit und sozialen Reproduktionskrisen genannt. Der Band versucht sich an einer Vermessung dieses Verhältnisses und versammelt vielfältige theoretische und empirische Beiträge, die sich etwa mit der Entwicklung der Hausarbeit im digitalen Kapitalismus, vergeschlechtlichter Ungleichheit in plattformvermittelter Sorgearbeit oder mit den Potenzialen und Grenzen kooperativer Ansätze im Kontext der Plattformökonomie beschäftigen.«

Robert Vehrkamp und Lars Bischoff (2021): Der „Corona-Effekt“. Warum die Pandemie der Wahlbeteiligung schaden und ihre soziale Spaltung vertiefen könnte, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juli 2021
»Die soziale Spaltung der Wahlbeteiligung war bei der Bundestagswahl 2017 leicht rückläufig. Der „Corona-Effekt“ könnte das bei der Bundestagswahl 2021 wieder ändern, die Wahlbeteiligung als Spätfolge der Pandemie verringern und ihre soziale Spaltung erneut vertiefen.«

Katharina Domschke et al. (2021): Neuregelung des assistierten Suizids – Ein Beitrag zur Debatte. Diskussion Nr. 26, Halle (Saale): Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, 2021
»Mehrere europäische Länder haben in den vergangenen Jahren Regelungen zum assistierten Suizid erlassen. Auch in Deutschland steht der Gesetzgeber seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vor der Aufgabe, hier eine Neuregelung zu finden. Das Gericht hatte im Februar 2020 festgestellt, dass das im Grundgesetz verankerte allgemeine Persönlichkeitsrecht auch ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben umfasst, welches letztlich auch die Freiheit einschließt, hierfür die Hilfe Dritter in Anspruch zu nehmen. Die anstehende Neuregelung berührt theologische, philosophische, ethische, medizinische und politische Fragen und bedarf einer offenen gesamtgesellschaftlichen Debatte. Um zu dieser Diskussion beizutragen, haben Mitglieder der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina aus unterschiedlichen Fachdisziplinen und Perspektiven ihre Überlegungen zu einer Neuregelung des assistierten Suizids in einem Diskussionspapier gebündelt und heute veröffentlicht. Mit Diskussionspapieren gibt die Leopoldina gemäß ihrem Auftrag als Nationalakademie Denkanstöße und regt gesellschaftliche Debatten an.«

Timo‐Kolja Pförtner, Kira Hower und Holger Pfaff unter Beteiligung der AG Pflege, Gesundheit, Altern des Kompetenznetzes Public Health zu COVID‐19 (2021): Pflegerische Versorgung in Zeiten von Corona – Drohender Systemkollaps oder normaler Wahnsinn? 2. wissenschaftliche Studie zu Herausforderungen und Belastungen aus der Sichtweise von Leitungskräften, Köln, Juli 2021
»Der vorliegende Ergebnisbericht fokussiert auf die Entwicklung der Herausforderungen und Belastungen ambulanter und stationärer Pflegeeinrichtungen im Verlauf der Pandemie. Hierzu wurden sowohl zu Beginn der ersten Pandemiewelle im April 2020 wie auch im Verlauf der zweiten Pandemiewelle zwischen Dezember 2020 und Januar 2021 Leitungskräfte aus ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in Deutschland online befragt.«

Martin Bujard et al. (2021): Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Eltern in der Corona-Pandemie, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2021

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 30-31/2021: Krankenhaus
»Krankenhäuser im Sinne des Krankenhausfinanzierungsgesetzes sind „Einrichtungen, in denen durch ärztliche und pflegerische Hilfeleistung Krankheiten, Leiden oder Körperschäden festgestellt, geheilt oder gelindert werden sollen oder Geburtshilfe geleistet wird und in denen die zu versorgenden Personen untergebracht und verpflegt werden können“. Die moderne Medizin ist ohne die Entstehung des modernen Krankenhauses, in dem Krankheiten studiert und Behandlungen erprobt werden können, nicht denkbar. Im Laufe der Zeit sind Krankenhäuser in Gesundheitssystemen weltweit zu Eckpfeilern der Krankenversorgung geworden. Die Debatte um ihre Zukunft wird häufig mit Blick auf die Diagnose „Ökonomisierung“ geführt, die mit der Einführung von diagnosebezogenen Fallpauschalen und der Privatisierung von Krankenhäusern in Verbindung gebracht wird.«

Hans J. Pongratz (2021): Bewerbung als Risiko? Informationskontrolle auf dem digitalisierten Arbeitsmarkt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2021
»Online-Stellenbörsen, Karrierenetzwerke und Rekrutierungssoftware machen es wesentlich leichter, für die Stellensuche und Personalauswahl Informationen zu sammeln. Die digitale Beschäftigungsindustrie gewinnt über die neuen Datenzugänge zusehends Einfluss auf Vermittlungsprozesse am Arbeitsmarkt. Bewerber/innen dagegen droht aufgrund des Informationsungleichgewichts und der Intransparenz der Verfahren digitaler Personalauswahl der Verlust der Kontrolle über ihre Selbstdarstellung.«

BMFSFJ (2021): Allein- oder getrennterziehen – Lebenssituation, Übergänge und Herausforderungen. Monitor Familienforschung. Beiträge aus Forschung, Statistik und Familienpolitik, Ausgabe 43, Berlin: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Juli 2021

Anja Bauer and Enzo Weber (2021): Lockdown length and strength: labour-market effects in Germany during the COVID-19 pandemic. IAB-Discussion Paper 10/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmark- und Berufsforschung (IAB), 2021
»Dieses Papier evaluiert die kurzfristigen Arbeitsmarkteffekte der COVID-19-Eindämmungsmaßnahmen in Deutschland. Wir untersuchen zwei verschiedene Dimensionen des ersten Lockdowns in Deutschland, nämlich die Länge und die Stärke des Lockdowns. Während die Länge über die regionale und zeitliche Variation der Schließungstage und Ausgangssperren erfolgt, wird für die Stärke der Grad der Schließung in verschiedenen Branchen herangezogen. Für die Länge des Lockdowns finden wir, dass ein zusätzlicher Tag zu einem Anstieg der Entlassungsrate um 2,7 Prozent und einem Rückgang der Einstellungsrate um 1,8 Prozent führt. Für die Stärke der Schließung zeigen die Ergebnisse, dass ein höherer Grad der Schließung die Entlassungen erhöht und die Einstellungen in ähnlichem Ausmaß senkt. In beiden Dimensionen stellen wir fest, dass die Effekte im Zeitverlauf nicht linear sind. Mit diesem Ansatz finden wir, dass 31 Prozent der deutlich erhöhten Zuflüsse aus Beschäftigung in Arbeitslosigkeit und 33 Prozent der verringerten Abflüsse aus Arbeitslosigkeit in Beschäftigung in der ersten Welle auf die Schließungsmaßnahmen zurückzuführen sind. In Summe erhöhten die Eindämmungsmaßnahmen die Arbeitslosigkeit in der kurzen Frist um 80.000 Personen.«