Bekanntlich sind Prognosen vor allem dann besonders schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen – mit diesem immer wieder gerne zitierten Bonmot ist eigentlich schon alles zu dem grundsätzlich unmöglich daherkommenden Unterfangen gesagt, die Zukunft derart komplexer Systeme wie der Konjunktur und der Arbeitsmarktentwicklung auch nur mit Blick auf das laufende oder gar das kommende Jahr vorherzusagen. In „Normalzeiten“ mag das mit dem elaborierten Instrumentarium vielleicht noch ganz gut näherungsweise leistbar, aber die Zeiten sind bekanntlich seit langem alles andere als „normal“.
Arbeitsmarkt
Zwischen der Hoffnung auf Arbeit und ausbeuterischen Subunternehmern und Arbeitsvermittlern. Ein europäisches Problem ist zumindest auf der europäischen Ebene angekommen
»Die Hinweise reißen nicht ab. Ob aus Vietnam, aus Kamerun, aus Serbien oder aus Mitgliedstaaten der EU: Menschen, die in ihren Heimatländern angeworben werden, um die hiesigen betrieblichen Arbeitskräftelücken zu füllen, laufen Gefahr, schon ausgebeutet zu werden, bevor sie überhaupt einen Fuß in den Betrieb gesetzt haben. Dafür sind die Rekrutierer verantwortlich, aber auch die Unternehmen, die die Anwerbung „in Auftrag“ geben«, so die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter der auffordernden Überschrift Arbeitsvermittlung regulieren – und zwar jetzt! Was ist da los?
Menschen aus Indien kommen nach Deutschland – nicht nur in die IT und Pflege. Manche kommen auch zum Studium. Und landen bei Lieferdiensten und in anderen Branchen
Seit geraumer Zeit wird in der Diskussion über die Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften immer stärker auf Indien geschaut – dem mit 1,5 Milliarden Menschen bevölkerungsreichsten Land der Welt. Politiker reisen nicht nur oft auf diesen Subkontinent. 2023 ist das deutsch-indische Abkommen über eine umfassende Migrations- und Mobilitätspartnerschaft in Kraft getreten, das am 5. Dezember 2022 auf Regierungsebene in New Delhi unterzeichnet wurde. Es formuliert das Doppelziel, Arbeitsmigration aus Indien zu vereinfachen – und gleichzeitig Fluchtmigration aus dem Land zu reduzieren. 2024 kam die Fachkräftestrategie Indien der Bundesregierung hinzu, ein weiteres Maßnahmenpaket, um den Zuzug indischer Fachkräfte zu fördern.