Dass die Pflegeversicherung massive Finanzprobleme hat, ist mittlerweile sicher überall angekommen. Die Ausgabensteigerungen laufen der Einnahmenentwicklung davon und gleichzeitig wird überall berichtet, in welche schwindelerregende Höhen die von den Pflegebedürftigen zu leistenden „Eigenanteile“ bei stationärer Langzeitpflege gestiegen sind. Da ist es nicht überraschend, dass man sich auf die Suche begibt, wo im bestehenden System Ausgaben gesenkt werden können.
Pflegende Angehörige
Die pflegenden Angehörigen und das Geld. Eine Studie hat sich mit dem monetären Wert ihrer Leistungen beschäftigt
Immer wieder tauchen (durchaus problematische, mindestens aber ambivalente) Charakterisierungen wie „der größte Pflegedienst der Nation“ auf,1 wenn es um die pflegenden Angehörigen geht (in neuer Terminologie wird von „pflegenden An- und Zugehörigen“ gesprochen). Manche sprechen auch von der größten „Billig-Variante“ der Versorgung und Betreuung – (nur etwas) zurückhaltender ausgedrückt kann man von der „kostengünstigsten“ Variante der Langzeitpflege und -betreuung sprechen. Aber das auch nur aus der Perspektive der sogenannten „Kostenträger“, die ansonsten die Pflege, die von Professionellen und Hilfskräften erwerbsförmig geleistet wird, zumindest anteilig aus ihren Kassen vergüten (müssen). Für die Betroffenen selbst kann sich das oftmals ins Gegenteil verkehren, wenn man sich die Folgen von teilweise jahrelanger Sorge-Arbeit anschaut.
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Es wird viel berichtet über die Situation der stationären Langzeitpflege. Meldungen über Insolvenzen von Pflegeheimbetreibern, über horrend hohe „Zuzahlungen“ der Pflegeheimbewohner oder auch über skandalöse Zustände in den Einrichtungen. Weitaus seltener schon sind Berichte über die ambulante Langzeitpflege. Vor allem lokal und regional wird auch hier darüber berichtet, dass Pflegediensten die betriebswirtschaftliche Puste ausgegangen ist oder dass Pflegebedürftige und ihre Angehörige zunehmend Schwierigkeiten haben, überhaupt irgendeinen Pflegedienst zu bekommen.
Man muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass bei aller Bedeutung der stationären Pflege vier von fünf Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden, entweder von pflegenden Angehörigen allein oder unter partieller Hilfestellung durch ambulante Pflegedienste. Die Versorgung der weit über fünf Millionen Pflegebedürftigen würde innerhalb von Minuten zusammenbrechen, wenn auch nur ein Teil der pflegenden Angehörige nicht mehr machen würde, was sie jeden Tag tun.