Da wurde erst vor kurzem eine dieser (im Sommer besonders) schnelllebigen Sauen durchs mediale Dorf getrieben: Eine „Studie“ (die keine ist) des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kann angeblich zeigen, dass wir im internationalen Vergleich abgehängt sind und immer weniger arbeiten, während in anderen Ländern länger in die Hände gespuckt wird (die Original-Nachricht des IW stand unter der bei einigen sicher den Blutdruck steigernden Headline Arbeitszeiten: Griechen arbeiten 135 Stunden im Jahr mehr als Deutsche). Wie man das daraus folgende Durcheinander und die statistischen Merkwürdigkeiten einordnen kann, wurde hier am 1. August 2025 in dem Beitrag Sogar „die“ Griechen arbeiten mehr als „die“ Deutschen? Und schon geht sie (wieder) los, die Debatte, dass wir mehr und länger und überhaupt arbeiten sollen müssen ausführlich entfaltet.
Frauen
Die erste Gewerkschaft für Care-Arbeit? Nicht nur ein Blick zurück
»Jo Lücke und Franzi Helms haben die erste Gewerkschaft für Care-Arbeit gegründet«, meldet die Tageszeitung taz und hat ein Interview mit den beiden unter der Überschrift „Sorgearbeit in der Verfassung schützen“ veröffentlicht. Angesichts der (in Sonntagsreden) unbestrittenen existenziellen Bedeutung dessen, was im modernen Diskurs als Care- oder Sorge-Arbeit bezeichnet wird, lässt das aufhorchen. Care- oder Sorge-Arbeit bezeichnet Tätigkeiten, die auf die Versorgung, Pflege, Erziehung und Unterstützung von Menschen ausgerichtet sind – insbesondere solcher, die auf Hilfe angewiesen sind, etwa Kinder, Kranke, ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen. Care- oder Sorge-Arbeit umfasst unbezahlte und bezahlte Tätigkeiten
Bekommen wir endlich eine Stimme für diejenigen, die als „Unsichtbare“ und im Schatten der erwerbsarbeitszentrierten Politik tagtäglich den Laden buchstäblich am Laufen halten? Und der eine oder andere wird aufgeregt die Frage stellen: Wann gibt es den ersten Arbeitskampf der Sorge-Arbeiterinnen?
Der unsichtbare Wert der Sorgearbeit und ein Versuch, diesen in Zahlen zu pressen
»Care-Arbeit oder Sorgearbeit beschreibt die Tätigkeiten des Sorgens und Sichkümmerns. Darunter fällt Kinderbetreuung oder Altenpflege, aber auch familiäre Unterstützung, häusliche Pflege oder Hilfe unter Freunden. Bislang wurden diese Arbeiten überwiegend von Frauen geleistet, oft als unbezahlte Hausarbeit gesellschaftlich als notwendig und selbstverständlich angesehen. Aber mit dem Wandel der Geschlechterordnung werden auch Hausarbeit, Sorge und Fürsorge neu verteilt – weiterhin überwiegend zwischen Frauen. Migrantinnen aus armen Ländern bedienen die steigende Nachfrage in Ländern des globalen Nordens.« So eine Beschreibung von Care-Arbeit findet man beispielsweise bei der Bundeszentrale für politische Bildung.