Wie viele Bedürftige gibt es in den USA? Die Armutsquote als Spitze des Eisbergs und ein differenzierter Blick unter die Wasseroberfläche

Wir kennen das aus der deutschen Armutsdiskussion zu Genüge: Immer wieder wird bei Veröffentlichung der amtlichen Zahlen zur „Armutsgefährdungsquote“, so die offizielle Bezeichnung für die Messung der Einkommensarmut, die Aussagefähigkeit dieser Quote in Frage gestellt. Damit würde man doch gar keine Armut messen, sondern wenn überhaupt dann Ungleichheit in einer Gesellschaft. Andere verweisen hingegen darauf, dass jemand, der weniger als 60 oder gar 50 Prozent des am Median gemessenen Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat, angesichts der Preise und Ausgabenbedarfe auch tatsächlich als „arm“ zu qualifizieren sei (vgl. immer noch die Ausführungen in Arbeitskreis Armutsforschung (2017): Erklärung zum Armutsbegriff, Frankfurt am Main, März 2017).

Auch in den USA gibt es eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Armutsquote – und mögliche Alternativen dazu.

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Bekanntes aus der Ungleichheitswelt: Arme müssen früher sterben – und mehr. Gesundheitliche und soziale Ungleichheit

Schon seit Jahrzehnten wird in der Fachdiskussion immer wieder darauf hingewiesen und mit Daten belegt, dass es einen Zusammenhang zwischen sozialer Ungleichheit und gesundheitlicher Ungleichheit gibt. Die damit verbundenen Fragen stehen im Mittelpunkt von Public Health- und medizinsoziologischen Ansätzen.

Markus M. Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine zusammenfassende Kurzstudie verfasst, mit dem Ziel, eine Beschreibung der gesundheitlichen Ungleichheit über den gesamten Lebensverlauf zu präsentieren. Er kann zeigen, dass gesundheitliche Ungleichheiten über den gesamten Lebensverlauf vorliegen und in bedeutender sozial differentieller Mortalität münden. Es wird auch der Frage nachgegangen, ob gesundheitliche Ungleichheiten über die Zeit abgenommen haben oder es zu einer weiteren Polarisierung gekommen ist.

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Geht „die“ Lebenserwartung zurück? Der Abstand der Lebenserwartung zwischen Deutschland und anderen Ländern in Westeuropa wird größer

Immer wieder wird „die“ steigende Lebenserwartung aufgerufen, wenn es um sozialpolitisch hoch relevante Weichenstellungen geht, beispielsweise eine (weitere) Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters, weil „wir“ ja alle älter werden. Manche Forderungen zielen darauf ab, dass das Renteneintrittsalter (ohne Abschläge) automatisch gekoppelt werden soll an „den“ Anstieg der Lebenserwartung – was aber voraussetzt, dass es einen einheitlichen Anstieg der Lebenserwartung gibt. Was nicht der Fall ist, denn die Unterschiede zwischen bestimmten Gruppen der Gesellschaft sind erheblich. Vgl. dazu zuletzt die Präsentation neuer Forschungsergebnisse in dem Beitrag Was und wie viel hast Du (nicht) und wo wohnst Du (nicht)? Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf. Bei der Lebenserwartung. Und dabei mit einem besonderen Blick auf die regionale Ebene vom 3. Mai 2024 in diesem Blog.

Vor diesem Hintergrund ist es dann schon doppelt bedenklich, wenn gemeldet wird, dass sogar „die“ Lebenserwartung zurückgehen würde und das auch noch „erheblich“. Vgl. dazu als ein Beispiel den Beitrag Lebenserwartung in Deutschland geht weiter erheblich zurück. »Deutschland gehört in Westeuropa zu den Schlusslichtern bei der Lebenserwartung und verliert weiter an Anschluss.« Dabei wird Bezug genommen auf eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschun (BiB), die gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung durchgeführt wurde. »Untersucht wurde die Sterblichkeitsentwicklung in 14 EU-Ländern über mehrere Jahrzehnte hinweg.«

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