So viele Tote. Und fast jeder vierte Drogentote war jünger als 30 Jahre. Von einem „unübersichtlichen“ und „gefährlichen“ Drogenmarkt, Schnellschuss-Kommentaren und der unterrefinanzierten Resterampe des Suchthilfesystems

»2.150 Menschen sind im vergangenen Jahr in Deutschland an den Folgen ihres Drogenkonsums gestorben. Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf Rekordniveau.« So trocken beginnt eine Mitteilung des „Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen“, deren Überschrift eine weitere Schreckensbotschaft enthält: Jeder vierte Drogentote ist unter 30 Jahre: »Die Drogentoten werden immer jünger. Seit 2021 sind die Todesfälle unter 30 um mehr als die Hälfte gestiegen, bei den unter 20-Jährigen haben sie sich nahezu verdoppelt. Fast jeder vierte Drogentote ist heute jünger als 30 Jahre.«

Wir sprechen hier über 106 junge Menschen unter 20 Jahren, die 2025 als „Drogentote“ gezählt worden sind. 

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Es waren insgesamt gute zehn Jahre: Die Zahl der alkoholbedingten Krankenhausbehandlungen ist um fast 30 Prozent zurückgegangen

Am laufenden Band werden wir konfrontiert mit negativen Nachrichten und je schlechter, desto aufmerksamer ist die immer kürzer werdende Wahrnehmungsspanne. Dabei kann und sollte man immer auch positive Entwicklungen sehen und darüber berichten, auch und gerade wenn die nicht in das sich verfestigende Muster passen, dass alles schlimmer wird.

Nehmen wir als Beispiel die Schäden, die durch Alkoholmissbrauch entstehen. Es sind enorme individuelle, familiäre, gesellschaftliche Kosten, die hier anfallen.

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Wenn man keine Ahnung hat, sollte man … Die FDP stand kurz vor der Legalisierung aller Drogen? Nein, nicht wirklich

»Die Auswirkungen des drogenpolitischen Experiments Portugals sind durch die Forschung bestätigt …; aus dieser Erfahrung kann und muss eine Welt, die in einem gescheiterten „Kampf gegen Drogen“ gefangen ist, etwas lernen. Der portugiesische Ansatz mit seinem innovativen Charakter zeigt, dass der Drogenproblematik nicht mithilfe von Generälen, Polizisten oder Strafrichtern, sondern vielmehr mithilfe von Ärzten, Sozialarbeitern und Wissenschaftlern begegnet werden muss.«
Artur Domosławski (2011): Drogenpolitik in Portugal. Die Vorteile einer Entkriminalisierung des Drogenkonsums, Warschau: Open Society Foundations, Juni 2011, S. 8

Was muss das für eine Aufregung gewesen sein für die Führungskräfte der FDP auf ihrem Podium beim Bundesparteitag 2021: »Das kam überraschend. Mit einer klaren Mehrheit hat sich die FDP hinter den Antrag ihres Bezirksvorsitzenden von Berlin-Marzahn Roman-Francesco Rogat gestellt, der de facto die Forderung nach einer Entkriminalisierung aller Drogen in Deutschland bedeutet hätte. Angelehnt an das „portugiesische Modell“ hatte Rogat eine „liberale Drogenpolitik“ und „mehr Prävention statt Bestrafung“ ins Wahlprogramm zur Bundestagswahl schreiben wollen«, so dieser Bericht vom Mirko Schmid: Parteitag der FDP stimmt für Entkriminalisierung aller Drogen – und korrigiert sich. »Der Beschluss löste umgehend hektisches Treiben und fast schon panische Reaktionen der Parteispitze um Christian Lindner aus. Dessen Vize, Wolfgang Kubicki, nannte eine „vollständige Freigabe aller Drogen“ etwas, „das die Freien Demokraten unter keinem Gesichtspunkt gutheißen können“. Wenn künftig jeder straffrei jede Droge konsumieren könne, „dann haben wir ein Riesenproblem bei der Gestaltung unserer Zukunftsfähigkeit“, warnte er. Lindner selbst berief sich auf technische Probleme, deretwegen sich Gegner des Antrages nicht hätten zu Wort melden können – angesichts der Corona-Pandemie findet der Parteitag der Liberalen weitestgehend online statt.«

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