„Wir werden wie Tiere behandelt. Am Ende werfen sie dich weg wie einen nutzlosen Gegenstand“

Schmutzige Geschäfte mit sauberen Toiletten. Es sind schwere Vorwürfe, die Reinigungskräfte gegenüber Report Mainz erheben. Sie schildern, in Sanifair-Toilettenanlagen täglich zwölf Stunden arbeiten zu müssen. Sieben Tage die Woche. Dafür erhielten sie einen Stundenlohn von rund fünf Euro.

Wer schreibt so etwas?

Unter der Überschrift Schmutzige Geschäfte mit sauberen Toiletten berichten Anna Stradinger und Aleksandra van de Pol vom SWR über einen Hilferuf, den eine Reinigungskraft – ein Mann aus Bulgarien, er wird Anton genannt – an das Politikmagazin Report Mainz geschickt hatte:

»Sie haben keine Ahnung, was wir jeden Tag durchmachen und wie wir gedemütigt werden. Wir werden wie Tiere behandelt. Am Ende werfen sie dich weg wie einen nutzlosen Gegenstand.«

Er reinigt nach eigenen Angaben seit mehr als einem Jahr Sanifair-Toiletten an einer Tank-&-Rast-Anlage. Jeden Tag zwölf Stunden. Trotz für ihn unzumutbarer Arbeitsbedingungen müsse er weitermachen. Denn er wohne in der Unterkunft seines Arbeitgebers und habe Angst, auf der Straße zu landen.

Die Journalisten von Report Mainz haben diese Aussage überprüft und an mehreren Raststätten bundesweit dokumentiert, wie lange Reinigungskräfte dort arbeiten. Das Ergebnis:

»Diese Recherchen ergaben: Tatsächlich sind die Personen an den dokumentieren Raststätten täglich zwölf Stunden im Einsatz. Mehrere Reinigungskräfte berichten zudem von einem Stundenlohn von rund fünf Euro. Das liegt deutlich unter dem tariflichen Mindestlohn für Gebäudereiniger von 15 Euro pro Stunde.«

Viele kennen das: Wer an Raststätten der Tank-&-Rast-Gruppe die Toilette nutzt, zahlt einen Euro beim Tochterunternehmen Sanifair und erhält dafür einen Wertbon.

»Anton arbeitet jedoch nicht direkt für Sanifair, sondern für eine Firma aus Bulgarien. Das Subunternehmen reinigt für Raststättenpächter Sanifair-Toiletten. Laut Vertrag ist Anton als freiberuflicher Mitarbeiter tätig.«

Der Arbeitsrechtler Florian Rödl hält das Beschäftigungsverhältnis für eine abhängige Beschäftigung. „Das ist einfach strafbarer Betrug. Und da wir es hier nicht mit einem Einzelfall zu tun haben, ist es ein Betrug in großem Stil, der eigentlich auch hohe Strafdrohungen auf sich ziehen müsste“, wird Rödl zitiert.

Der Bulgare Anton hat schon einige Erfahrungen sammeln müssen in der ganz besonderen Welt der Sub-Sub-Subunternehmen – wir werden Zeugen einer brutalen Welt der Arbeitsausbeutung:

➔ »Bevor Anton zu Sanifair kam, hatte er nach eigenen Angaben Toiletten in Einkaufszentren gereinigt. Sein damaliger Chef sei Svetoslav P. gewesen. Ein Unternehmer, der an diesem Montag in Koblenz zu fünf Jahren und sechs Monaten Haftstrafe verurteilt wurde. Die Vorwürfe: Steuerhinterziehung, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt sowie gewerbs- und bandenmäßiger Menschenhandel.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der mutmaßliche Sozialversicherungs- und Umsatzsteuerschaden: mehr als zehn Millionen Euro. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen Svetoslav P. und die Mitangeklagten mehrere Jahre Hunderte Menschen, hauptsächlich aus Bulgarien, in bundesweit 238 Toilettenanlagen von Einkaufszentren beschäftigt haben. Die Reinigungskräfte sollen teilweise bis zu sechzehn Stunden täglich gearbeitet und dafür lediglich drei bis fünf Euro pro Stunde erhalten haben. Zudem sollen Svetoslav P. und die Mitangeklagten das sogenannte Tellergeld einbehalten haben.«

Über einen Vorarbeiter sei Anton später weitervermittelt worden und schließlich bei einer Sanifair-Anlage gelandet.

Natürlich wurde auch das uns allen bekannte Unternehmen Sanifair bzw. das Mutterunternehmen Tank & Rast um eine Stellungnahme angefragt. Und wieder bekommt man Antworten serviert, die man aus anderen Branchen, in denen das Subunternehmer-Unwesen verbreitet ist (vgl. dazu beispielsweise aus der Welt der Paketzusteller den Beitrag Ausgelieferte Paketzusteller in der „Und täglich grüßt das Murmeltier“-Schleife von Arbeitsausbeutung, medialer Skandalberichterstattung und was man längst hätte machen können, der hier am 29. Mai 2026 veröffentlicht wurde oder der Beitrag von Edgar Verheyen Wenn Arbeitstage bis zu 14 Stunden dauern vom 9. Mai 2026), zur Genüge kennt:

»Man nehme die Hinweise ernst, heißt es von der Autobahn Tank-&-Rast-Gruppe.«

Und weiter:

»Die Franchisepartner führten als selbstständige Unternehmer die „Sanifair-Standorte in alleiniger Verantwortung“, seien aber vertraglich zur „Einhaltung gesetzlicher Standards“ verpflichtet. Man dulde „keinerlei rechtswidriges Verhalten“.«

Das hätte jetzt auch von DPD und anderen Paketdiensten, die gar keine eigenen Zusteller beschäftigen, sondern sich aus dem Fundus der Subunternehmer-Schattenwelt bedienen, kommen können.

Den Beitrag Ausgebeutet für Sanifair? Schmutzige Geschäfte mit sauberen Toiletten von Report Mainz kann man sich hier anschauen: