Das Arbeiten zu Hause gibt es schon sehr lange, aber die moderne Form des Homeoffice hat während der Corona-Pandemie einen enormen Schub erhalten1 – und zugleich eine neuartige mindestens Zweiteilung des Arbeitsmarktes eingeleitet, entlang des Unterscheidungsmerkmals der konkreten Tätigkeiten nach ihrem Möglichkeitsgehalt, diese auch von zu Hause auszuüben. Bei der intensiven medialen Diskussion über Homeoffice wurde zuweilen „vergessen“, dass es Millionen Jobs gibt, von der Müllentsorgung über Pflege/Betreuung, Polizei und LKW-Fahrer bis hin zur Arbeit auf Baustellen oder im stationären Einzelhandel, die nicht nach Hause ausgelagert werden können – was vielleicht auch daran lag, dass diejenigen, die über das Thema berichtet haben und auch diejenigen, die darüber forschen, selbst ganz überwiegend von zu Hause zoomen und schreiben konnten und viele machen das auch heute noch weitaus intensiver als vor der Pandemie.
Bereits seit längerem wird man konfrontiert mit teilweise sehr kontroversen Debatten im Umfeld des sich ausbreitenden Anliegens vieler Arbeitgeber, die Leute wieder „zurückzuholen“ in die Büros2 – und die dabei durchaus auf Widerstände und Ablehnung bei einem Teil der Beschäftigten stoßen.
Parallel dazu hat sich die Forschung über die moderne Heimarbeit3 ausdifferenziert und zahlreiche differenzierte Befunde zu Tage gefördert.4 Auch zu der umstrittenen Frage, wie es denn mit der „Produktivität“ der Beschäftigten im Homeoffice-Setting bestellt ist.
Andere Perspektiven waren und sind auf die mögliche bzw. tatsächliche Spaltung zwischen den Geschlechtern gerichtet, auf die Auswirkungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie bis hin zu dem Vorwurf, die erkennbaren Muster der Homeoffice-Nutzung würden eine Retradionalisierung der Geschlechterrollen befeuern.
Was gibt es Neues aus der mittlerweile vielgestaltigen Homeoffice-Welt?
»Das Homeoffice hat sich zwar etabliert, Wunsch und Wirklichkeit klaffen aus Sicht der Beschäftigten aber teilweise auseinander. Das geht auch mit gesundheitlichen Problemen einher.« Das kann man einem Beitrag entnehmen, in dem es um diese neue Untersuchung aus dem gewerkschaftlichen Umfeld geht:
➔ Helge Emmler (2026): Arbeiten im Homeoffice – Wer es kann, wer es möchte und wer es darf. WSI-Report Nr. 115, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Juli 2026
Empirische Grundlage der Analyse ist die WSI-Erwerbspersonenbefragung.5 Als Datengrundlage dient das WSI-Erwerbspersonenpanel, eine Onlineerhebung, die sich seit Frühjahr 2020 im Abstand von vier bis sechs Monaten an ursprünglich 7.677 Erwerbstätige und Arbeitsuchende richtet, von denen nach nunmehr 15 Erhebungsrunden im November 2025 noch immer rund 3.700 Personen erreicht werden konnten.
In den Daten zeigen sich zunächst Stagnation und Ausdifferenzierung der Homeoffice-Nutzung: Stagnation, weil sich die Homeoffice-Anteile in den letzten Jahren nur geringfügig verändert haben. Ausdifferenzierung, weil es seit 2023 weniger ausschließliche betriebliche und ausschließliche Homeofficetätigkeit gibt, dafür aber mehr hybride Formen.
Einige weitere Befunde:
➔ In Ostdeutschland arbeiten zwar weniger Menschen im Homeoffice, allerdings hat sich die Passung zwischen Wunsch und Wirklichkeit für die Menschen im Osten seit 2024 deutlich verbessert.
➔ Akademiker sind in Sachen Homeoffice zwar in jeder Hinsicht privilegiert, allerdings arbeiten sie inzwischen, häufiger als noch im Jahr 2024, an zwei statt an drei Tagen zu Hause.
➔ Die wenigsten Beschäftigten möchten ausschließlich zu Hause arbeiten: Häufig wünschen sie sich einfach etwas mehr an Homeoffice; während sie durchschnittlich etwas weniger als zwei Tage pro Woche im Homeoffice arbeiten, läge ihre Wunschvorstellung im Schnitt eher bei 2,5 Tagen.
Zusammenfassend bilanziert Emmler (2026: 20) die Entwicklung des Homeoffice:
»Von einem Ausnahmephänomen vor der Pandemie wurde es als Instrument des Infektionsschutzes während der Pandemie ausgeweitet und pendelte sich nach der Pandemie auf einen Beschäftigtenanteil von etwa einem Drittel ein, der regelmäßig zu Hause arbeitet. Während sich der Anteil der im Homeoffice geleisteten Arbeitsstunden gegenüber 2024 sogar geringfügig erhöhte, ist seit 2023 eine Ausdifferenzierung des Homeoffice dergestalt zu verzeichnen, dass weniger Leute ausschließlich im Betrieb und zu Hause arbeiten, und „Hybrid-Modelle“ von etwa 23 auf 27 Prozent zugenommen haben.«
Hinsichtlich der Potenziale des Homeoffice erfahren wir:
»Zwei von fünf Tätigkeiten eignen sich für regelmäßiges Homeoffice. Zu diesem Befund gelangt die Erwerbspersonenbefragung übereinstimmend mit anderen Datenquellen. Von diesen Tätigkeiten wird rund die Hälfte auch tatsächlich überwiegend zu Hause ausgeführt.«
Emmler (2026: 21) schlussfolgert aus der bislang erkennbaren Entwicklung:
»Offensichtlich ist: Das Arbeiten im Homeoffice bleibt. Zwar liegen die Homeofficequoten nunmehr unterhalb der Spitzenwerte zu Lockdownzeiten – in denen sicher auch Beschäftigte zu Hause blieben, deren Tätigkeiten sich keineswegs dafür eigneten –, aber nichts deutet auf eine Rückkehr auf das frühere, geringere Niveau der Arbeit im Homeoffice hin.«
Auch das ZEW diagnostiziert: Homeoffice wird bleiben
In den kommenden zwei Jahren planen nur wenige Unternehmen in Deutschland, ihre bestehenden Homeoffice-Angebote einzuschränken. Weder die Homeoffice-Frequenz noch der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice sollen zurückgehen. Eine aktuelle repräsentative Befragung des ZEW Mannheim unter rund 1.400 Unternehmen aus Informationswirtschaft und verarbeitendem Gewerbe zeigt, welche hybriden Modelle sie in welchem Umfang künftig nutzen wollen.
Dabei gibt es erwartungsgemäß Unterschiede zwischen der Informationswirtschaft und dem Verarbeitenden Gewerbe (also „der Industrie“ im engeren Sinne):
»Im Durchschnitt schätzen die Unternehmen in der Informationswirtschaft, dass im Juni 2028 rund ein Viertel der Arbeitszeit ihrer Belegschaft aus dem Homeoffice erbracht wird. Damit liegen die Erwartungen gleichauf mit dem heutigen Homeoffice-Anteil. Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der aktuelle und der erwartete Anteil derweil bei durchschnittlich fünf Prozent der in den Unternehmen anfallenden Arbeitszeit.«
Das findet man hier:
➔ Daniel Erdsiek (2026): Hybride Arbeitsmodelle auch zukünftig gefragt, in: ZEW Branchenreport Informationswirtschaft, Mannheim, August 2026. S. 3
Im Durchschnitt berichten die Unternehmen in der Informationswirtschaft, dass rund ein Viertel der Arbeitszeit ihrer Belegschaft aus dem Homeoffice erbracht wird. Diesen Anteil erwarten sie auch für die kommenden zwei Jahre. Im stärker ortsgebunden Verarbeitenden Gewerbe liegt der aktuelle und der erwartete Anteil derweil bei durchschnittlich fünf Prozent der Arbeitszeit.

Quelle der Abbildung: Erdsiek (2026)
Durch die Corona-Pandemie hat sich in den Unternehmen der Informationswirtschaft der Anteil der im Homeoffice erbrachten Arbeit fast verdreifacht, im verarbeitenden Gewerbe annähernd verdoppelt. Und aus Sicht der Unternehmen wird sich daran auch in den nächsten zwei Jahren nichts ändern. Die für den Juni 2028 erwartete Nutzung der hybriden Modelle ist nahezu identisch zur aktuellen Verbreitung.
Und auch bei der Personalrekrutierung zeigt sich die „Verfestigung“ der Heimarbeit (für einen Teil der Beschäftigten)
Die Wirtschaftskrise führt keineswegs dazu, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern seltener Homeoffice anbieten. Der Anteil an Stellenanzeigen mit Homeoffice-Angebot liegt bei 20 Prozent – und damit auf dem hohen Niveau des Vorjahres.
Darüber berichtete im April 2026 die Bertelsmann Stiftung bezugnehmend auf diese Kuranalyse mit Daten aus dem Jobmonitor:
➔ Homeoffice etabliert – aber Gleichstellungspotenziale bleiben ungenutzt, 29.04.2026
Der Jobmonitor analysiert Online-Stellenanzeigen und stellt die Ergebnisse monatsaktuell und auf Ebene von Kreisen und kreisfreien Städten dar. Für die Homeoffice Analyse wurden rund 79 Millionen Online-Stellenanzeigen der Jahre 2019 bis 2025 analysiert.
Bereits der Titel lässt aufhorchen, denn die „Homeoffice-Frage“ wird ja gerade seit der Pandemie auch unter gleichstellungspolitischen Aspekten und dabei nicht selten im Sinne der sowohl positiven wie eben auch negativen Auswirkungen auf Frauen/Mütter diskutiert. Oftmals läuft dabei die These mit, dass es vor allem Frauen seien, die Homeoffice verrichten (müssen/wollen). Dahinter steht auch der Tatbestand, dass Homeoffice ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument für Menschen mit Sorgeverantwortung sein kann. Gerade für Eltern und pflegende Angehörige ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen – und für Alleinerziehende gilt das in besonderem Maße.
Zuerst die wichtigsten Befunde aus der Analyse der Online-Stellenangebote:
«Vor der Corona-Krise boten nur 3,7 Prozent der Online-Stellenangebote die Möglichkeit zum Homeoffice. Bis 2022 stieg das Angebot kräftig auf 16,8 Prozent. Seit 2024 erreicht die Quote rund 20 Prozent – und hält seither dieses Niveau.«
Das deckt sich mit den Befunden aus anderen Studien. Und auch das hier: Homeoffice bleibt dabei eine Domäne der höher qualifizierten Arbeitnehmer.
In gut einem Drittel (35 Prozent) der Stellenanzeigen für Experten (Masterabschluss oder höher) wird ein Homeoffice-Angebot explizit genannt. Nur vier Prozent der Arbeitnehmer auf Helfer:innen-Niveau bekommen ein Homeoffice-Angebot. Je höher die Qualifikation, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, passende Stellenangebote mit Homeoffice-Angebot zu finden.
Dann aber kommt das hier – den einen oder anderen sicher überraschend:
Homeoffice-Angebote gibt es vor allem in männerdominierten Berufen
Vor allem in Jobs mit einem Männeranteil von mehr als 70 Prozent gibt es die Chance auf Homeoffice. Erst auf dem vierzehnten Platz des Rankings taucht mit der Steuerberatungsfachkraft ein frauendominierter Beruf auf. Insgesamt bieten Arbeitgeber nur für 13 Prozent der frauendominierten Berufe Homeoffice an, bei den männerdominierten Berufen sind es 22 Prozent.
In 22 Prozent der frauendominierten Expertenberufe wird Remote-Arbeiten angeboten, beim männlichen Gegenpart ist der Anteil mit knapp 46 Prozent mehr als doppelt so hoch.
Das, was im ersten Moment den einen oder anderen überraschen wird, lässt sich aus der ungleichen Verteilung der Tätigkeiten gut erklären:
Vor allem in Jobs mit einem hohen Männeranteil, besonders in IT-Berufen, gibt es die Chance auf Homeoffice. Bei frauendominierten Berufen, die eher von direktem Kontakt mit Menschen geprägt sind, sind Homeoffice-Angebote seltener.
➞ Fast schon Standard ist Homeoffice in IT-Stellenangeboten. Unter den zehn Jobs mit der höchsten Homeoffice-Quote finden sich sieben Berufe aus dem Bereich Software und IT. Im Jahr 2025 wurden in 69 Prozent aller Stellenangebote für Experten in der IT-Anwendungsberatung Remote-Optionen genannt. Bei den Netzwerkspezialisten liegt die Quote bei 64 Prozent. Den weitesten Sprung nach vorn haben die Steuerberater gemacht. In 67 Prozent der Stellenausschreibungen gibt es für sie ein Homeoffice-Angebot. Das ist seit 2019 eine Steigerung um 61 Prozentpunkte.
Und mit Blick auf die Online-Stellenangebote wird auch auf – wenig überraschende – räumliche Unterschiedehingewiesen:
Ein deutliches Gefälle gibt es zwischen Stadt und Land. In den Ballungsräumen mit mehr Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Beschäftigung im Homeoffice anbieten können, findet sich ein größeres Homeoffice-Angebot. In Großstädten liegt die Quote bei gut 28 Prozent. Homeoffice-Hauptstadt ist Stuttgart mit einer Quote von 38 Prozent. Kurz dahinter folgen Düsseldorf mit 37 und Frankfurt (Main) mit 36 Prozent.
Extrem wenig Homeoffice wird in dünn besiedelten Kreisen, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, angeboten, vor allem, weil es in Ballungsräumen, im Gegensatz zu ländlichen Regionen, mehr „klassische“ Homeoffice-Anbieter, zum Beispiel IT-Unternehmen gibt.
Fazit
»Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben«, so der Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung, Gunvald Herdin.
Fußnoten
- So berichtet das Statistische Bundesamt (vgl. ausführlicher Anteil leicht gestiegen: 25 % der Erwerbstätigen arbeiteten 2025 im Homeoffice vom 22. April 2026): 2019 – also das Vor-Corona-Niveau – haben lediglich 13 % der Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice gearbeitet. Im zweiten Pandemie-Jahr 2021 ging der wert rauf auf 25 % aller Erwerbstätigen, um dann bis 2023 auf 23 % wieder leicht zu fallen. Allerdings wird für den aktuellen Rand wieder ein leichter Anstieg verzeichnet, 2024 wurden 24 % erreicht. »Im Jahr 2025 waren 25 % aller Erwerbstätigen zumindest gelegentlich im Homeoffice« – und damit war das Niveau des zweiten Pandemie-Jahres wieder erreicht. Aber es gibt einen bedeutsamen Unterschied zur Nutzung der Heimarbeit im Vergleich mit den pandemischen Zeiten: Homeoffice wird inzwischen weniger umfänglich genutzt. So arbeitete im Jahr 2025 wie im Vorjahr knapp ein Viertel (24 %) der Homeoffice-Nutzer ausschließlich von zu Hause aus. 46 % der Erwerbstätigen, die Homeoffice nutzten, arbeiteten weniger als die Hälfte ihrer Arbeitstage zu Hause – wie auch schon im Jahr 2024. Im von der Pandemie stark geprägten Jahr 2021 waren die Anteile noch deutlicher in Richtung Homeoffice-Nutzung verschoben: Damals waren 40 % vollständig im Homeoffice und 31 % arbeiteten seltener im Homeoffice als am Arbeitsplatz.
↩︎ - Vgl. aus der Vielzahl an Berichten beispielsweise den Beitrag Wie sinnvoll ist die Präsenzpflicht? vom 8. August 2024.
↩︎ - Emmler (2026:3) bezeichnet „Homeoffice“ als einen schwammigen und bisweilen umgangssprachlichen Begriff, »der sowohl die in der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) definierte „Telearbeit“ als auch „mobiles Arbeiten“ umfasst. Der Begriff der „mobilen“ Arbeit indes entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie, da auch dieser zumeist das alles andere als mobile Arbeiten in der eigenen oder gemieteten Immobilie beschreibt.« Für ihn ist „Homeoffice“ im Kern als „Arbeiten von zu Hause“ definiert.
↩︎ - Vgl. beispielsweise den Beitrag Ein Viertel aller Erwerbstätigen hat 2021 im Homeoffice gearbeitet, darunter die einen viel und die anderen kaum. Erkennbar ist eine „dreifache Polarisierung“ der Heimarbeit, der hier am 23. Juni 2022 veröffentlicht wurde.
↩︎ - Seit April 2020 befragt das WSI regelmäßig Erwerbspersonen in ganz Deutschland. Was ursprünglich als kurzfristige „Lockdown-Befragung“ anfing, hat sich inzwischen zu einer Panelbefragung mit mehreren Erhebungswellen entwickelt. Vgl. ausführlicher den Beitrag von Helge Emmler (2023): Das WSI-Erwerbspersonenpanel. Hintergründe, Befunde, Ausblick, in: WSI-Mitteilungen, Heft 6/2023. Der Beitrag ist eine Art „Handbuch“ zur Nutzung und Interpretation des Panels. Zunächst werden die ursprüngliche Motivation sowie die Entwicklung der Erwerbspersonenbefragung beschrieben. Anschließend erfolgt eine selbstkritische Reflexion der Erhebungsmethodik, anhand derer gezeigt wird, wozu die Daten sich eignen (Zusammenhänge, Verläufe) und wo ihre Grenzen liegen (Anteilswerte, Strukturdaten).
↩︎