Auf dem Arbeitsmarkt geht die „Deindustrialisierung“ weiter: Im Jahr 2025 wurden in der deutschen Industrie 120.000 Arbeitsplätze abgebaut

Bereits seit längerem wird über eine „Deindustrialisierung“ in Deutschland gesprochen – angesichts der im internationalen Vergleich immer noch überdurchschnittlichen Bedeutung des Verarbeitenden Gewerbes sowohl gemessen an dem Anteil an der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung wie auch hinsichtlich der Zahl der Beschäftigten, zudem unter Berücksichtigung des Tatbestands, dass in der Industrie überwiegend gut bis sehr gut bezahlte Arbeitsplätze anzutreffen sind, wäre eine „Deindustrialisierung“ für Deutschland eine besonders problematische Herausforderung.

Im vergangenen Jahr wurde vielfach berichtet, dass in der Industrie Arbeitsplätze abgebaut bzw. hier in Deutschland gestrichen und in andere Länder verlagert werden. Bereits am Jahresanfang 2025 konnte man das hier lesen: »Im gerade vergangenen Jahr 2024 hat es (wenn wir die beiden besonderen Pandemiejahre 2020 und 2021 einmal ausblenden) erstmals einen Beschäftigungsabbau im Verarbeitenden Gewerbe und damit in dem Bereich gegeben, der als Industrie bezeichnet wird. Schaut man sich parallel die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit über Zugänge in Arbeitslosigkeit aus einer Beschäftigung am 1. Arbeitsmarkt an, dann muss man zur Kenntnis nehmen, dass mit einem sich beschleunigendem Tempo in den zurückliegenden Monaten mehrere tausend Industriejobs abgebaut werden – Monat für Monat. Und es handelt sich hierbei in der Regel um gut bezahlte Jobs, die da verloren gehen.«

Wie fällt die (erste) Bilanz für das Jahr 2025 aus?

»In der Wirtschaftskrise hat die deutsche Industrie 2025 im großen Stil Jobs gestrichen. Ende vergangenen Jahres arbeiteten dort rund 5,38 Millionen Menschen – gut 124.000 oder 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr«, kann man dieser Meldung entnehmen: Industrie baut 2025 mehr als 120.000 Jobs in Deutschland ab. »Der Stellenabbau in der Industrie fiel damit fast doppelt so hoch aus wie 2024, so die Studie, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert und Firmen mit mindestens 50 Beschäftigten erfasst. Am härtesten traf es 2025 die kriselnde Autobranche, wo allein rund 50.000 Jobs verloren gingen, während die Chemie- und Pharmaindustrie mit einem Minus von rund 2.000 Stellen glimpflich davonkam.«

Bei der erwähnten Studie handelt es sich um eine Analyse der Unternehmensberatungsgesellschaft EY. Schaut man bei denen nach, dann stößt man auf diese Mitteilung: Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzabbau in der deutschen Industrie – 2026 kaum Aussicht auf Besserung. Die dort präsentierten Zahlen sind tatsächlich beunruhigend: »Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hält an: Im Lauf des Jahres 2025 sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen in Deutschland um 124.100 bzw. 2,3 Prozent. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Jobs gestrichen wurden. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 – ein Rückgang um knapp fünf Prozent.«

Wie immer gibt es auch im Fall der vielgestaltigen „Industrie“ teilweise erhebliche Unterschiede:

➔ Am massivsten fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus: Im vergangenen Jahr gingen fast 50.000 Auto-Jobs verloren, seit 2019 sogar 111.000. Damit schrumpfte die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent, seit 2019 sogar um 13 Prozent. 

➔ Kräftige Einbußen gab es auch in der Textilindustrie mit einem Rückgang um 16 Prozent und der Metallindustrie, wo die Zahl der Stellen seit 2019 um 13 Prozent sank. 

➔ Gegen den allgemeinen Negativtrend stieg die Beschäftigung in zwei Industriebranchen seit 2019: In der Chemie- und Pharmaindustrie sowie in der Elektroindustrie erhöhte sich die Zahl der Stellen um drei bzw. zwei Prozent.

„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise – 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem rückläufigen Umsatz, und eine Trendwende ist nicht in Sicht“, so Jan Brorhilker von der Unternehmensberatungsgesellschaft EY. „Seit 2023 sind die Industrieumsätze in Deutschland um fast fünf Prozent geschrumpft. Da ist ein Beschäftigungsrückgang um 3,5 Prozent im gleichen Zeitraum noch als moderat zu bezeichnen.“ Laut Brorhilker hätten die Industrieunternehmen lange versucht, die Auswirkungen der Industrierezession auf die Beschäftigten abzufedern – „inzwischen haben aber viele die Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage aufgegeben. Und angesichts der schwachen Auftragslage und des enormen Wettbewerbsdrucks wird eine Vielzahl von Unternehmen nicht an weiteren Stellenstreichungen in diesem Jahr vorbeikommen.“

Und besonders problematisch sind die zunehmenden Insolvenzen: »Im Zeitraum Januar bis November 2025 wurden in Deutschland fast 1.483 Insolvenzverfahren von Industrieunternehmen eröffnet, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Stand seit dem Jahr 2013. Damit setzte sich 2025 der deutliche Aufwärtstrend bei der Zahl der Insolvenzen fort, der seit dem Jahr 2022 anhält. Im Vergleich zum Corona-Jahr 2021 hat sich die Zahl der Insolvenzen von Industrieunternehmen fast verdoppelt.«

Die Leitbranche Automobilindustrie bleibt stark unter Druck

Gerade bei Automobilzulieferern muss eine steigende Zahl von Insolvenzen zur Kenntnis genommen werden. Dazu Brorhilker: „Die Krise der Autoindustrie führt zu immer mehr Insolvenzen in dieser Branche, und vorläufig dürfte sich die Lage nicht verbessern. Denn die weltweiten Absatzzahlen der deutschen Autokonzerne bleiben deutlich unter den Höchstständen der Vor-Corona-Zeit, zudem schwächelt der Export aus Deutschland in wichtige ausländische Märkte wie China und den USA. Die Autokonzerne gehen dazu über, verstärkt Produktion und auch Forschung und Entwicklung vor Ort aufzubauen – und das geht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland. Dass der Hochlauf der Elektromobilität deutlich länger braucht als vor wenigen Jahren noch erwartet, sorgt für zusätzliche Belastungen. Nicht alle Unternehmen halten diesem Druck stand – viele müssen aufgeben.“

In Regionen, wo die Autoindustrie eine sehr wichtige Rolle spiele, seien die Auswirkungen deutlich spürbar, so Brorhilker von EY: „Die Arbeitslosigkeit steigt, Perspektiven für Schul- und Hochschulabsolventen trüben sich ein, Steuereinnahmen sinken massiv. Die langfristigen und strukturellen Auswirkungen der aktuellen Autokrise werden immer deutlicher sichtbar.“ 

An dieser Stelle denken sehr viele an Baden-Württemberg, wo am 8. März 2026 die Landtagswahlen stattfinden werden.