Doppelt abgehängt? Der Arbeitsplatzabbau in der Industrie findet vor allem in ländlichen Räumen statt und Dienstleistungsjobs haben es auf dem Land schwer

In den Jahren 2023 und 2024 befand sich die deutsche Volkswirtschaft in einer Rezession mit einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt (BIP). Und im vergangenen Jahr standen kümmerliche 0,2 Prozent vor dem Plus, das also eigentlich keines war. 2025 muss als Jahr der Stagnation abgeschrieben werden. 

Seit über drei Jahren also Krise bzw. Stillstand – da war es nur eine Frage der Zeit, bis das auch in den – grundsätzlich der konjunkturellen Entwicklung nachlaufenden – Beschäftigungszahlen seinen Niederschlag finden muss. Seit einigen Monaten ist das nun mit Blick auf die an der Zahl der Erwerbstätigen gemessenen Gesamtbeschäftigung der Fall. Sie beginnt zu schrumpfen, die Zahl der Erwerbstätigen (mit Wohnort in Deutschland) ist in den Sinkflug eingetreten.

Im Vorjahresvergleich gegenüber Januar 2025 sank die Zahl der Erwerbstätigen im Januar 2026 um 88.000 Personen (-0,2 %). In den Monaten Oktober und November 2025 hatte die Veränderungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat bei -0,1 % gelegen, im Dezember 2025 ebenfalls bei -0,2 %. Damit setzte sich der seit August 2025 auf dem Arbeitsmarkt erkennbare Abwärtstrend im Vorjahresvergleich weiter fort.

Dass die Erwerbstätigenzahlen nicht schon länger in den Sinkflug gegangen sind, hat unterschiedliche Gründe. Zum einen gab es einen Beschäftigungsaufbau in bestimmten Dienstleistungsbereichen, vor allem den staatlich finanzierten bzw. staatsnahen Beschäftigungsfeldern. Zum anderen wurde ein Arbeitsplatzabbau herausgezögert, Unternehmen haben angesichts des quer zum konjunkturellen Auf und Ab liegenden demografischen Wandels Arbeitskräfte, vor allem natürlich Fachkräfte, „gehortet“. 

Die Industrie macht Job-Sorgen

Aber in einem (gemessen an Wertschöpfungs- wie Beschäftigungsanteil) zentralen Bereich der deutschen Volkswirtschaft, dem verarbeitenden Gewerbe bzw. der Industrie, müssen wir schon seit längerem einen erheblichen Arbeitsplatzabbau (in Deutschland) zur Kenntnis nehmen: Im Lauf des Jahres 2025 sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen in Deutschland um 124.100. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Jobs gestrichen wurden. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 (vgl. den Beitrag Auf dem Arbeitsmarkt geht die „Deindustrialisierung“ weiter: Im Jahr 2025 wurden in der deutschen Industrie 120.000 Arbeitsplätze abgebaut vom 17. Februar 2026). Und aktuell soll das verarbeitende Gewerbe derzeit 15.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Monat verlieren, folgt man Angaben aus dem IAB. Auch wenn Begriff der „Deindustrialisierung“ in der volkswirtschaftlichen Diskussion durchaus umstritten ist und kontrovers diskutiert wird, auf dem deutschen Arbeitsmarkt lässt sich eine Deindustrialisierung kaum leugnen, wenn man sich die Zahlen anschaut. Aber wie immer lohnt auch hier ein genaueres Hinschauen.

Wo brechen die Industrie-Jobs eigentlich weg?

Das in Braunschweig ansässige Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen1 hat sich nun genauer die Entwicklung angeschaut. 

Ein zentraler Befund: Bundesweit ist die Zahl der Beschäftigten in der Industrie zwischen März 2022 und März 2025 um rund 156.000 Personen gesunken. 125.000 dieser Stellen wurden von Unternehmen in ländlichen Räumen abgebaut. Das kann man dieser Analyse entnehmen:

➔ Jan Cornelius Peters und Petrik Runst (2026): Wirtschaftliche Entwicklung 2024/2025 in ländlichen Räumen. Zahlen & Fakten zur Wirtschaft in ländlichen Räumen 01/2026, Braunschweig: Thünen-Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen, Februar 2026

Acht von zehn Arbeitsplätze, die in der Industrie im Zeitraum von März 2022 bis März 2025 verloren gegangen sind, wurden in ländlichen Regionen abgebaut. Wie kann das sein?

Peters/Runst (2026) weisen darauf hin, dass sich derzeit die Beschäftigung in den ländlichen Räumen im Durchschnitt in nahezu allen Wirtschaftsbereichen schwächer als in den urbanen Räumen entwickelt, was zwischen 2012 und 2019, dem letzten „normalen“ Jahr vor der Corona-Pandemie, noch nicht der Fall war.»Besonders betroffen sind ländliche Räume von jüngsten Beschäftigungsverlusten im verarbeitenden Gewerbe: Deutschlandweit ist die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe 2022–2025 netto um knapp 156 Tsd. Personen gesunken. In 125 Tsd. dieser Fälle, d. h. zu 80 %, erfolgte der Beschäftigungsabbau in einer ländlichen Region.« Hinzu kommt: »Ostdeutsche Regionen weisen dabei jeweils einen höheren prozentualen Rückgang auf als westdeutsche.« Im ländlichen Osten und in den ländlichen GRW-Fördergebieten2 gingen die Beschäftigungsrückgänge im verarbeitenden Gewerbe zudem mit einer sinkenden Gesamtbeschäftigung einher.

Wie kann das sein?

»Der Beschäftigungsabbau im verarbeitenden Gewerbe ist vor allem auf den derzeit hohen Transformationsdruck zurückzuführen. Automatisierungsprozesse betreffen gerade die industrielle Fertigung und Handelsdisruptionen erschüttern vor allem exportorientierte Wirtschaftszweige. Hohe Energiepreise und die Dekarbonisierung sind wiederum insbesondere für jene Branchen relevant, in denen Produktionsprozesse besonders energieintensiv sind bzw. die auf die Herstellung emissionsintensiver Produkte spezialisiert sind.« 

Das aber gilt doch generell, das ist keine Besonderheit ländlicher Räume. Hier der Aufklärungsversuch:

»Die besondere Betroffenheit ländlicher Räume ergibt sich daraus, dass rund ein Viertel aller Beschäftigten in ländlichen Räumen im verarbeitenden Gewerbe tätig sind. In urbanen Räumen arbeiten lediglich knapp 14 % in diesem Sektor.«

Und warum ist die Arbeitslosigkeit in ländlichen Räumen (bislang) dennoch weniger stark angestiegen?

Im Durchschnitt war der Anstieg der Arbeitslosigkeit 2022–2025 in urbanen Räumen etwas stärker als in ländlichen Räumen. Das überrascht vor dem Hintergrund der schlechteren Beschäftigungsentwicklung und der besonderen Betroffenheit ländlicher Räume beim Abbau von Industrie-Arbeitsplätzen. Dazu Peters/Runst (2026):»Eine mögliche Erklärung dafür, dass die Arbeitslosigkeit in ländlichen Räumen trotz des schwächeren Beschäftigungswachstums weniger gestiegen ist als in urbanen Regionen, liegt in unterschiedlichen demografischen Entwicklungen.3 In ländlichen Räumen hat in den letzten Jahren ein größerer Anteil der Beschäftigten das Rentenalter erreicht. Das tatsächliche durchschnittliche Erwerbsaustrittsalter lag zudem unter dem der Städte.4 Beides verringert das Angebot an Arbeitskräften und kann dämpfend auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit wirken.«

Und was ist mit „den“ Dienstleistungen?

Nun gab (und gibt) es nicht nur einen Beschäftigungsabbau in der Industrie, sondern auch andere Branchen, in denen zusätzliche Jobs entstanden sind – vor allem in Teilbereichen der Dienstleistungen. 

»Zahlen auf Ebene der Regionstypen weisen darauf hin, dass Beschäftigungsverlusten im verarbeitenden Gewerbe vor allem Aufwüchse im öffentlichen Bereich (u. a. Gesundheitswesen, öffentliche Verwaltung) gegenüberstehen: 2025 zählten die entsprechenden Branchen in ländlichen Räumen beinahe 200 Tsd. Beschäftigte mehr als 2022.«

Also von dem Wachstum der öffentlichen Dienstleistungen haben die ländlichen Räume durchaus profitieren können (wie auch die urbanen Räume). Aber was ist mit den „unternehmensnahen Dienstleistern“?5

Hier sieht die Bilanz weniger erfreulich aus: »Unternehmensnahe Dienstleistungen in ländlichen Räumen an Beschäftigung zugelegt, allerdings ist die Beschäftigung hier in Summe nur um weniger als 70 Tsd. Personen gestiegen. Die Wachstumsraten waren im Mittel zudem niedriger als in urbanen Räumen. Dort haben die unternehmensnahen Dienstleistungen, anders als in den ländlichen Räumen, ähnlich viel Beschäftigung aufgebaut wie der öffentliche Sektor … Dies führt in der Tendenz zu einer weiteren Zunahme der Konzentration unternehmensnaher Dienstleistungen auf urbane Räume«, so Peters/Runst (2026).

Das Fazit der beiden Autoren:

»Etwa 80 % des Jobabbaus im verarbeitenden Gewerbe erfolgen derzeit in ländlichen Räumen. Demgegenüber wachsen u. a. die unternehmensnahen Dienstleistungen stärker im urbanen Bereich. Die sektorale Transformation verläuft also tendenziell vorteilhafter für urbane als für ländliche Räume und könnte perspektivisch eine stärkere Konzentration wirtschaftlicher Aktivität auf urbane Räume zur Folge haben. Dienstleistungsbranchen, insbesondere die wissensintensiven, profitieren in besonderem Maße von Agglomerationsvorteilen, weshalb sich entsprechende Betriebe zumeist in Ballungsräumen ansiedeln.«


Fußnoten

  1. Beim Institut für Innovation und Wertschöpfung in ländlichen Räumen (man beschäftigt sich dort gezielt mit Fragen der wirtschaftlichen Entwicklung in ländlichen Räumen) handelt es sich um eines der zahlreichen Fachinstitute unter dem Dach des Johann Heinrich von Thünen-Instituts. Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei. Zum Themenfeld ländliche Räume gibt es noch das Institut für Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen.
    ↩︎
  2. Es geht hier um die Fördergebiete der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) der Bundesregierung – ein jahrzehntealtes Instrument der regionalen Wirtschaftspolitik. Zielsetzung der GRW-Förderpolitik ist es, strukturschwachen Regionen durch den Ausgleich ihrer Standortnachteile Anschluss an die allgemeine Wirtschaftsentwicklung zu ermöglichen und regionale Entwicklungsunterschiede abzubauen. Es ist ein Beitrag zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland. Die Fördergebiete umfassen vorwiegend Regionen in Ostdeutschland sowie ausgewählte strukturschwache Gebiete in Westdeutschland.
    ↩︎
  3. Auf diesen Aspekt verweisen auch Tanja Buch et al. (2024): Zunehmende Fachkräfteengpässe – Warum sind ländliche Räume besonders betroffen?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2024: »Die stärkere Betroffenheit ländlicher Räume hängt vor allem mit der vielfach weiter fortgeschrittenen demografischen Alterung zusammen. Prognosen deuten darauf hin, dass der damit verbundene Rückgang der Erwerbspersonenzahl ländliche und strukturschwache Regionen auch weiterhin besonders betreffen wird … Dies kann ihre wirtschaftliche Entwicklung bremsen und bestehende regionale Disparitäten verstärken. Ländliche Räume würden daher besonders davon profitieren, die Erwerbsbeteiligung der Älterer zu steigern, z. B. durch die Förderung des Erhalts der Beschäftigungsfähigkeit, flexible Regeln zum Eintritt in den Ruhestand mit entsprechenden Arbeitsanreizen sowie flexible Arbeitszeitmodelle und an das Alter angepasste Tätigkeiten in den Betrieben.« (Buch et al. 2024: 327).
    ↩︎
  4. Vgl. dazu den Beitrag von Wolfgang Dauth und Franziska Hirschenauer (2025): Ältere gehen im Westen später in Rente als im Osten und auf dem Land früher als in Städten, in: IAB-Forum, 11.02.2025.
    ↩︎
  5. »Das sind Firmen, die speziell von Unternehmen nachgefragte Dienstleistungen erbringen. Diese fließen dann beispielsweise in den Produktionsprozess ein. Oft übernehmen Unternehmensdienstleister auch vermittelnde Aufgaben, zum Beispiel zwischen Produzenten und Konsumenten. Unternehmensdienstleister können etwa Reinigungs- oder Sicherheitsfirmen sein. Aber auch höherwertige Dienstleistungen, wie die Betreuung von IT- oder Telekommunikationssystemen sowie Datenbanken oder Beratungsleistungen werden von ihnen erbracht. Werbeagenturen sind ebenfalls ein klassisches Beispiel für Unternehmensdienstleister.« (Quelle: IAB). ↩︎