„Woran hat es gelegen?“. Nicht nur nach mehr oder weniger bedeutsamen Fußballspielen wird diese Frage immer wieder gestellt.1 Diese Grundsatzfrage wird auch nach jedem Wahlausgang aufgeworfen – und sie kann in den allermeisten Fällen nicht wirklich beantwortet werden (vor allem nicht direkt im Anschluss an ein Fußballspiel oder eine Landtagswahl). Bei Wahlergebnissen ist zu berücksichtigen, dass – wie immer bei komplexen gesellschaftlichen Prozessen – eine Vielzahl an Einflussfaktoren in Rechnung zu stellen sind, wenn man wirkliche Ursachenanalyse betreiben will.
In der medialen und parteipolitischen Diskussion der Ergebnisse der beiden ersten Landtagswahlen in diesem Jahr, am 8. März in Baden-Württemberg und am 22. März in Rheinland-Pfalz,2 dominiert zum einen das filmreife Kopf-an-Kopf-Rennen im Ländle zwischen Özdemir von den Grünen und Hagel von der CDU. Alles läuft auf eine Fortsetzung der bisherigen grün-schwarzen Koalition hinaus mit Özdemir als Nachfolger von Kretschmann im Amt des Ministerpräsidenten (auch wenn beiden Parteien auf jeweils 69 Abgeordneten kommen, aber bei den Stimmenanteilen liegen die Grünen knapp vor der Union).

Und zwei Wochen später dann die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. In den vergangenen fünf Jahren hat hier eine „Ampel-Koalition“ aus SPD, Grünen und FDP regiert (als Fortführung der gleichen Dreier-Koalition, die bereits von 2016 bis 2021 in dieser Konstellation regiert hatte). Die (bislang) führende SPD konnte seit 1991 die Staatskanzlei in Mainz halten. 35 Jahre lang. Auch bei der diesjährigen Landtagswahl wurde am Ende des Wahlkampfs ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der SPD und der CDU, die lange Zeit in den Umfragen deutlich vor der Sozialdemokratie lag, vorhergesagt. Scheinbar gelang dem bisherigen Ministerpräsidenten Schweitzer das, was Malu Dreyer 2021 geschafft hatte – auf den letzten Metern vor der Wahl den Abstand zu verringern und am Wahlabend dann mit Vorsprung vor der Union ins Ziel zu kommen.

Quelle der Daten: https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/rheinland-pfalz.htm
Am Wahlabend hat sich dann wieder einmal gezeigt: Umfragen sind das eine, Wahlergebnisse können ganz anders ausfallen. Die Stimmabgabe der Rheinland-Pfälzer atomisierte die Hoffnungen der Sozialdemokratie, auch in den nächsten fünf Jahren den Ministerpräsidenten im Land der Reben und Rüben stellen zu können. Der Absturz der regierenden SPD war mehr als deutlich – fast zehn Prozentpunkte sind verloren gegangen (überwiegend wohl eine Wanderung von ehemaligen SPD-Wählern zur CDU in der Größenordnung von 80.000, aber auch 35.000 an die AfD)3:

Da sich hier das vorhergesagte Kopf-an-Kopf-Rennen nicht eingestellt hat, ging man sofort über zur Debatte, warum die SPD nach dem existenzbedrohenden Absturz zwei Wochen vorher in Baden-Württemberg, wo sie gleichsam nur mit Rollatoren-Hilfe die 5-Prozent-Hürde überwinden konnte, nun auch die Wahl in Rheinland-Pfalz versemmelt hat.
Fast schon putzig ist die seit längerem betriebene Suche nach den „Arbeitern“, die der SPD von der Fahne gegangen sind4 oder die Behauptung, die SPD würde sich nur um Bürgergeld-Empfänger kümmern (was sich mittlerweile Teile der in Panik verfallenen SPD sogar zu eigen machen und damit diesem wirklich schrägen Bild auch noch Farbe geben).
Der eigentliche Elefant im Raum
Die Ergebnisse einer Partei in beiden Bundesländern sollte besondere Beachtung finden: Die 2013 gegründete AfD hat es geschafft, sowohl in Baden-Württemberg mit 18,8 Prozent wie auch in Rheinland-Pfalz mit 19,5 Prozent Rekordergebnisse einzufahren. Der Stimmenanteil in Rheinland-Pfalz ist der höchste Wert, den diese Partei in einem westdeutschen Bundesland bislang hat erreichen können.
Auch hier dreht sich in den Debatten viel um die Frage, wie es denn zu solchen Wahlergebnissen kommen konnte. Die unterschiedlichen Faktoren genauer zu beleuchten, würde mehrere Beiträge füllen.
Hier soll ein anderer, lediglich auf den ersten Blick randständiger Aspekt betrachtet werden, der nicht nur so etwas wie eine längerfristig angelegte Strategie erkennen lässt, sondern zugleich auch auf eine gravierende Leerstelle hinweist, die seitens der etablierten Parteien – aber auch von anderen früheren „Kümmerer“-Strukturen wie den Kirchen, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden oder den Gewerkschaften sowie den damit verbundenen Personen – in vielen vor allem ländlichen Regionen hinterlassen wurde.
Franziska Klemenz hat in ihrem kurzen Beitrag AfD: Was Rechtsaußen zum besten Westergebnis verhalf angemerkt: Dass die AfD in Rheinland-Pfalz ihr bestes Ergebnis einer westdeutschen Landtagswahl eingefahren hat, sei „ein Paukenschlag“ – und sie zitiert hier den rehinland-pfälzischen Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier (AfD), der uns gleich noch begegnen wird. Und dann gibt es von Klemenz diesen Hinweis:
»Parteiintern erklärt man sich den Erfolg … mit der ländlichen Prägung … Auch die Ankündigung, diesen Raum durch AfD-Kneipen zu revitalisieren, löste viel Begeisterung aus.«
Da wird der eine oder andere stutzen: AfD-Kneipen? Was ist das jetzt wieder für eine Sau, die hier durchs Dorf getrieben wird bzw. werden soll?
Ein „Anlaufpunkt in der Nordpfalz für Patrioten, Konservative, Selbstdenker und all jene, die ihre Heimat lieben und Gemeinschaft leben“
Bereits im vergangenen Jahr wurde über die rheinland-pfälzische Gemeinde Gauersheim berichtet, ein Dorf mit rund 650 Einwohnern. In Gauersheim hatte die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl knapp 35 Prozent der Stimmen geholt: »Ein kleines Dorf im Donnersbergkreis steht im Mittelpunkt: Die AfD eröffnete vor wenigen Wochen in Gauersheim eine neue Anlaufstelle.«
»Das ehemalige Gästehaus in der Hauptstraße von Gauersheim wirkt auf den ersten Blick wenig aufregend. Die gelbe Farbe der Fassade ist verblasst, die alten Rolläden sind halb heruntergelassen und die Kreide auf der Tafel vor dem Haus hat der Regen abgewaschen. Hinter der ruhigen Außenfront verbirgt sich seit einigen Wochen ein Treffpunkt, der im Ort für Gesprächsstoff sorgt: Eine neue Anlaufstelle der AfD, „Treffpunkt Nordpfalz“ genannt. Ein „Anlaufpunkt in der Nordpfalz für Patrioten, Konservative, Selbstdenker und all jene, die ihre Heimat lieben und Gemeinschaft leben“, wie der AfD-Bundestagsabgeordneter für die Westpfalz Sebastian Münzenmaier auf Anfrage mitteilt.«
Und Münzenmaier wird dann mit diesen Worten zitiert:
»Der AfD-Bundestagsabgeordnete betont, dass es beim „Treffpunkt Nordpfalz“ nicht nur um Parteiarbeit der lokalen Abgeordneten gehe, sondern um Gemeinschaft, Beisammensein und Vernetzung. Der Treffpunkt sei Anlaufstelle für die Bürger vor Ort und solle mit kulturellen Veranstaltungen und Festen einen lebendigen Kontrapunkt in Zeiten setzen, „in denen immer mehr Kneipen, Dorfdiscos und Jugendclubs zumachen müssen“.«
Münzenmaier spricht hier ein seit langem laufenden Prozess der Entleerung in vielen ländlichen Regionen an, der ein vermeintliches oder auch tatsächliches Empfinden der Menschen von Abgehängtsein in den ländlichen Räumen befördert hat.
Ein weiteres Beispiel für einen ersten Umsetzungsversuch kann man im rheinland-pfälzischen Gonzerath besichtigen. Darüber berichtet Jana Laborenz in ihrem Beitrag Blau auf’m Dorf: »Die AfD hat eine neue Strategie: leerstehende Gaststätten auf dem Dorf anmieten. Im rheinland-pfälzischen Gonzerath hat man sich daran schon gewöhnt.« Die AfD hat in dem Ort seit über einem Jahr eine Gaststätte – das ehemalige Gasthaus Zur Linde – angemietet.
➔ »Das Gasthaus Zur Linde hat ein Bitburger-Logo über der Tür, ein Sky-Schild an der Hauswand, darunter ein Zigarettenautomat. Bundesliga-Spiele kann man hier schon lange nicht mehr schauen und drinnen steht kein Wirt. Es ist eine Geschichte, die viele leerstehende Gaststätten in Rheinland-Pfalz so oder so ähnlich erzählen: Es war mal ein Ort, da traf man sich. Es gab gutbürgerliche Küche, am Wochenende waren die Tische voll. Nach 135 Jahren Familienbetrieb ist in der Linde Schluss, die nächste Generation will den elterlichen Betrieb nicht weiterführen. 2014 schließt das Lokal. 2017 übernimmt ein neuer Besitzer, eröffnet eine Pizzeria – die Umsätze stimmen nicht, auch er muss schließen.«5
Kann man die Übernahme und eine wie auch immer geartete Reaktivierung geschlossener Gasthöfe auf dem Land – laut Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) verschwanden 22 Prozent der Gastronomiebetriebe zwischen 2019 und 2021, besonders Dorfkneipen – irgendwie strategisch begründen? Dazu Laborenz mit einem Hinweis auf unser Nachbarland Frankreich: «Wo Kneipen schließen, da kann die Zustimmung für rechtsextreme Parteien steigen. Das zeigt eine Studie in Frankreich: Dort, wo die französische Kneipe, genannt „Bar-Tabac“, schließt, wächst die Zustimmung für das rechtsextreme Rassemblement National (RN). Im Deutschlandfunk nennt der Studienleiter der Technischen Hochschule ETH Zürich das Verschwinden der Bar-Tabac einen „Mechanismus zur Stärkung des RN“.«
| Das Fallbeispiel Frankreich ➔ Hugo Subtil (2026): Quand les bars-tabacs ferment. L’érosion du lien social local et la progression du vote d’extrême droite en France. Note de l’OBE, 2026-02, Paris: Observatoire du Bien-être du Cepremap, 2026. Der Beitrag analysiert die politischen Folgen des Rückgangs sozialer Treffpunkte in Frankreich. Er stützt sich auf eine Untersuchung von 18.000 Schließungen von Tabak- und Kneipengeschäften zwischen 2002 und 2022, kombiniert mit den Ergebnissen der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen über einen Zeitraum von 25 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schließung von Tabak- und Kneipenlokalen zum Anstieg der Stimmen für rechtsextreme Parteien beiträgt, und zwar vor dem Hintergrund umfassenderer Veränderungen der lokalen Lebensbedingungen – unabhängig von Einwanderung, Arbeitslosigkeit oder anderen wirtschaftlichen Indikatoren. Die Auswirkungen sind kurzfristig sehr gering, nehmen aber im Laufe der Zeit stark zu. Umgekehrt ist die Eröffnung von Tabak- und Kneipenlokalen mit einem Rückgang der Stimmen für rechtsextreme Parteien verbunden, was darauf hindeutet, dass diese Dynamiken nicht unumkehrbar sind. Keine andere Geschäftsschließung hat einen vergleichbaren Effekt. Die Besonderheit der Tabak- und Kneipenlokale liegt in ihrer Funktion als Ort der Geselligkeit: Ihr Verschwinden ist mit einem anhaltenden Anstieg der Stimmen für den RN verbunden. Die Auswirkungen sind in ländlichen Gemeinden dreimal so stark, wo diese Einrichtungen oft den letzten Ort der Geselligkeit darstellen. Eine ergänzende Analyse der Parlamentsdebatten zeigt, dass der RN seit 2012 eine dominante Position bei der Darstellung des territorialen Niedergangs eingenommen hat. Er bedient sich einer symbolischen und emotionalen Sprache, während andere Parteien einen eher technischen Ton bevorzugen. Diese Ergebnisse zeigen einen eigenständigen Mechanismus des wirtschaftlichen Niedergangs auf: die Erosion der sozialen Infrastruktur, die politische Auseinandersetzung erst ermöglicht. Wenn Orte der sozialen Begegnung verschwinden, wird Politik zu einer Konfrontation zwischen isolierten Individuen und nationalen Medienerzählungen. Diskurse, die einfache Antworten und eine schlüssige symbolische Deutung lokaler Veränderungen bieten, haben dann einen strukturellen Vorteil. |
»Münzenmaier will die AfD zu der Partei des ländlichen Raums in Rheinland-Pfalz machen. Über Anlaufzentren und Treffpunkte sollen direkte Kontakte zu Bürgern geschaffen werden. Die AfD soll ein „positives und sympathisches Image“ bekommen«, kann man dem Beitrag „Raus aufs Land“ – wie die AfD punkten konnte von Kilian Pfeffer entnehmen. Das Dorfleben müsse belebt werden – „raus aufs Land“, sei die Devise des AfD-Abgeordneten, der so eingeordnet wird: »Hinter dem Erfolg der AfD in Rheinland-Pfalz steckt auch der Strippenzieher Sebastian Münzenmaier. Ihm werden nicht nur gute Kontakte in die Burschenschaftsszene nachgesagt, er ist auch Kopf des nach ihm benannten länder- und lagerübergreifenden Netzwerks. Ein Machtfaktor in der AfD. Münzenmaier ist Bundestagsabgeordneter und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, nah dran an den Partei- und Fraktionsvorsitzenden Weidel und Tino Chrupalla.«
„Ländliche Raumnahme“ – zumindest auf dem Papier, da aber mit einem Drei-Stufen-Plan
Und Sebastian Münzenmaier sieht in den ersten Gehversuchen wie in Gauersheim oder Gonzerath nur den Anfang einer systematisch angelegten Strategie. Dazu hat er ein eigenes „Strategiepapier“ verfasst:
➔ Sebastian Münzenmaier (2026): „Verankerung in der Fläche – Die AfD erobert die Dörfer“. Strategiepapier „Ländliche Raumnahme“, März 2026
Es lohnt sich, in das Papier zu schauen. Die Zielsetzung wird gleich am Anfang formuliert:
»Die AfD Rheinland-Pfalz baut ihre Verankerung durch dauerhafte Präsenz in ländlichen Regionen aus. Ziel ist es, bei der nächsten Bundestagswahl in über 50 Prozent der Kreise stärkste Kraft zu werden. Die AfD wird die Partei des ländlichen Raums. Anlaufzentren und Treffpunkte schaffen direkten Kontakt zu Bürgern, bauen Vorurteile ab und beleben Dörfer. Sympathisches und positives Image. Macher statt nur Dagegen-Partei.«
Es folgt dann ein Drei-Stufen-Modell:
➔ Stufe 1: „Erstkontakt – Dämmerschoppen rocken!“
»Dämmerschoppen: Geselligkeit und Kennenlernen stehen im Vordergrund. Bratwurststand, Weinstand, keine langen politischen Reden. Ziel: Erstkontakt mit den Bürgern vor Ort und – darauf aufbauend – die Gewinnung von Neumitgliedern. Ist eine ausreichende Anzahl an Neumitgliedern gewonnen, sollen diese selbst die lokale Verankerung vorantreiben. Mit Infoständen, Stammtischen, Grillfesten. Ausbreitung auf Nachbardörfer und Gemeinden. Dort, wo es a.) eine aktive und starke Mitgliederschaft gibt, b.) die Wahlergebnisse aussichtsreich sind und c.) eine geeignete Immobilie vorhanden ist, wird eine Dorfkneipe, Gaststätte oder ein Weingut als fester Treffpunkt und dauerhafte Anlaufstelle aufgebaut.«
Daran anschließend die zweite Stufe:
➔ Stufe 2: „Zentren bauen – unabhängig und verankert“
»Wahlkreisbüros/Abgeordnetenräume flexibel nutzen: Keine sterilen Büros, sondern multifunktionale Zentren in ehemaligen Gaststätten, Discos oder Weingütern. Tagsüber: Anlaufstelle für Bürgeranliegen. Abends/Wochenende: Treffpunkt für Gemeinschaft, Austausch, Veranstaltungen und Freizeitgestaltung.«
»Priorität auf ländlichen Räumen: Andere Parteien haben sie aufgegeben. Ziel: Ein Zentrum pro Wahlkreis bis 2029!«
Mit Blick auf die dann folgende Ausformulierung einer schrittweisen Umsetzung dieses ambitionierten Vorhabens wird ein „rechtlicher Leitfaden zum Erwerb und Betrieb lokaler Treffpunkte“ in Aussicht gestellt.
➔ „Stufe 3: Themen – Die AfD kämpft für die Dörfer“
»Bei Gesprächsabenden, Stammtischen, Veranstaltungen immer klarmachen: Wir sprechen für den ländlichen Raum. Wir wissen, was die echten Probleme sind, und wir packen sie an.« Abgerundet wird das durch solche Hinweise auf mögliche Themen für die ländliche Bevölkerung: Heizungsgesetz, Heiz-, Strom – und Spritkosten, Verbrenner-Verbot, Pendlerpauschale, Grundsteuer, Windräder sowie Bauern und Landwirtschaft.
Die strategische Zielsetzung wird im letzten Satz auf den Punkt gebracht: »Machen wir den ländlichen Raum zum Machtfaktor!«
Nun kann man durchaus berechtigt einwenden, dass Papier bekanntlich geduldig ist und der ganze Ansatz spätestens am Geld scheitern wird.
Aber offensichtlich verfolgen einige in der AfD diesen Ansatz konsequent, wenn man dieser Meldung folgt: AfD will Treffpunkte aufbauen – Pflicht für Abgeordnete: » Die AfD in Rheinland-Pfalz will systematisch ein Netz an Treffpunkten auf dem Land errichten und verpflichtet ihre Abgeordneten zur Eröffnung solcher Orte … Vorgesehen ist demnach, dass jeder Abgeordnete ein Bürgerbüro, einen Treffpunkt oder einen Gemeinschaftsort in seinem Wahlkreis eröffnen muss. Tue er das nicht, müsse er monatlich einen mittleren dreistelligen Betrag an den Landesvorstand zahlen, der sich dann darum kümmere.«
Fußnoten
- Im Original: „Woran hat et jelegen?“: Ein bekannter deutscher Kult-Spruch, der oft nach Niederlagen oder Misserfolgen – besonders im Fußball – verwendet wird. Er stammt aus einem viralen Videointerview.
↩︎ - Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt und am 20. September 2026 folgen dann Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
↩︎ - Allerdings hat die AfD auch 40.000 Wählerstimmen von der CDU gewinnen sowie 66.000 bisherige Nichtwähler aktivieren können, wenn man den Wählerwanderungsstatistiken Glauben schenkt. Vgl. ausführlicher Viola Neu und Sabine Pokorny: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März 2026. Vorläufiges Ergebnis, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, März 2026, S. 6.
↩︎ - Am Beispiel Rheinland-Pfalz werden solche Zahlen kommuniziert und in vielen Artikeln wie in Wahrheit gegossen weiterverteilt: Angeblich haben etwa 39 Prozent der Arbeiter in Rheinland-Pfalz ihr Kreuz bei der AfD gemacht, ein Plus von exakt daherkommenden 21 Prozentpunkten innerhalb von nur fünf Jahren. SPD und CDU landeten abgeschlagen dahinter.
Aber wie kommt man eigentlich auf solche Anteilswerte? Wenn heute von „Arbeitern“ im Kontext von Wahlentscheidungen gesprochen wird, dann basiert das im Wesentlichen auf einer Selbstauskunft. Am Wahltag werden Wähler direkt nach dem Verlassen des Wahllokals gebeten, einen Fragebogen auszufüllen (die sogenannten Exit Polls). Dort wird nicht nur gefragt, wen sie gewählt haben, sondern auch nach ihrer „Stellung im Beruf“. Die Befragten ordnen sich in Kategorien ein: Arbeiter, Angestellter, Beamter, Selbstständiger, Rentner oder Arbeitsloser. Es handelt sich also primär um eine subjektive Selbsteinschätzung des Wählers. Die Grenzen zwischen Arbeitern und Angestellten verschwimmen seit langem zunehmend: Ein hochspezialisierter Facharbeiter in der Autoindustrie verdient oft mehr als ein einfacher Angestellter im Büro. Dennoch zählen sich erstere in Umfragen meist weiterhin zur Gruppe der „Arbeiter“, weil sie sich mit der Produktion und dem Betrieb identifizieren.
↩︎ - Geschichten, die nur das Leben schreiben kann: »Die AfD zahle für das zweistöckige Haus warm 2.000 Euro im Monat, sagt Janni Gashi der taz am Telefon. Er ist der Besitzer des Gasthofes und im Dorf bekannt. Lange Zeit besaß er ein Bordell etwas außerhalb von Gonzerath, eine weitere leerstehende Gaststätte wolle er jetzt kaufen. Gashi ist vor 40 Jahren aus Albanien nach Deutschland gekommen und mittlerweile AfD-Mitglied. Für ihn ist das „eine Partei wie jede andere“.«
↩︎