Jedes Jahr auf ein Neues: Am 8. März steht der Internationale Frauentag im Kalender. »Stellen Sie sich eine Welt vor, in der die Geschlechter gleichberechtigt sind. Eine Welt ohne Vorurteile, Stereotypen und Diskriminierung. Eine Welt, die vielfältig, gerecht und inklusiv ist. Eine Welt, in der Unterschiede geschätzt und gefeiert werden. Gemeinsam können wir die Gleichstellung der Geschlechter verwirklichen.« Diese hoffnungsschwangeren Worten findet man auf der offiziellen Website zum International Women‘s Day. Und das Jahr 2026 wurde unter das Motto „Give To Gain“, also „Geben, um zu gewinnen“ gestellt. Das lädt zum Innehalten und Nachdenken ein.1
In diesem Blog wurde immer wieder dieser Internationale Frauentag aufgegriffen – beispielsweise mit diesem Beitrag, der hier am 8. März 2021 veröffentlicht wurde: Diesseits und jenseits des Internationalen Frauentages 2021: Einige sozialpolitisch relevante Hinweise auf nur scheinbar trockene Zahlen und Studien. Darin findet man neben einer Exkursion in zahlreiche (nicht nur) frauenrelevante Politikbereiche auch einen kurzen Hinweis auf die lange Traditionslinie, die mit dem Internationalen Frauentag verbunden ist:
➔ In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entstand das, was wir heute als „Internationaler Frauentag“ bezeichnen – im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag später zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden erhoben (1977) … Zyniker bezeichnen ihn heute auch als Tag der Rosenindustrie, weil davon viele an diesem Tag abgesetzt und verteilt werden (über die Schattenseite der globalisierten Rosenproduktion wird seit Jahren immer wieder mal berichtet und es sind gerade Frauen, die dabei massiv ausgebeutet und um ihre Gesundheit gebracht werden …). Aber man darf und sollte an die Wurzeln erinnern, die vielen sicher nicht mehr bekannt sind: Der erste Frauentag wurde am 19. März 1911 in Dänemark, Deutschland, Österreich-Ungarn und der Schweiz gefeiert. Mit der Wahl des Datums sollte der revolutionäre Charakter des Frauentags hervorgehoben werden, denn der Vortag, der 18. März, war der Gedenktag für die Gefallenen während der Märzrevolution 1848. Außerdem hatte auch die Pariser Kommune 1871 im März begonnen.« Seit 1921 wurde der Frauentag jährlich am 8. März begangen, initiiert durch sozialistische Frauen zur Erinnerung an die Streiks in Petrograd am 8. März 1917. Die Vereinten Nationen machten dann den 8. März 1975 durch eine Feier im Rahmen des „Internationalen Jahres der Frau“ zum offiziell anerkannten Internationalen Frauentag (der zuweilen auch als Weltfrauentag oder „feministischer Kampftag“ bezeichnet wird).
Nun könnte man das, was hier 2021 geleistet wurde, wiederholen und die Reise durch ganz unterschiedliche besonders „frauenrelevante“ Teilpolitikfelder mit einer besonderen sozialpolitischen Relevanz gleichsam aktualisieren.
Man kann aber auch auf andere aktuelle Analysen verweisen, die zum diesjährigen Weltfrauentag veröffentlicht wurden. Dazu nur ein Beispiel:
| ➔ Svenja Pfahl et al. (2026): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland: Fokus Sorgearbeit. WSI Report Nr. 109, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2026 |
»Wie fällt der Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus und welche Entwicklungen zeigen sich in den letzten Jahren? Welchen Einfluss hat insbesondere Fürsorgearbeit für Kinder und/oder pflegedürftige Personen auf geschlechterbezogene Unterschiede bei Erwerbsarbeit und Einkommen? Anhand zentraler Indikatoren aus dem WSI GenderDatenPortal … – mit einem Fokus auf Elternschaft und Sorgeverantwortung – liefert der vorliegende Report eine knappe und zusammenfassende Übersicht über den aktuellen Stand der Geschlechtergleichstellung in Deutschland.«
Durchaus interessant sind die Ergebnisse, die hier zu Tage gefördert werden – denn die zusammenfassenden Hinweise verweisen darauf, dass nicht alles schwarz oder weiß ist:
»Die Analysen zeigen, dass sich positive Trends der Geschlechtergleichstellung vor allem bei den Einkommen und Rentenansprüchen (für Frauen) fortgesetzt haben. Bei der Erwerbsbeteiligung, den Teilzeitquoten sowie der Aufteilung von Haus- und Sorgearbeit stagniert die Geschlechterungleichheit hingegen auf hohem Niveau. Hintergrund hierfür sind die geschlechterspezifische Arbeitsteilung, die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und das gerade in Paarhaushalten vorherrschende sogenannte Zuverdienermodell, in welchem die Männer in Vollzeit und die Frauen in Teilzeit erwerbstätig sind, während die Frauen den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit leisten.«
Von solchen und anderen Frauen oder: auch hier ein Sowohl-als auch
In diesem Beitrag wollen aus dem gleichsam unerschöpflichen Fundus an Beispielen zwei herausgegriffen werden, die verdeutlichen können, wie groß die Spannweite auch beim Thema (Nicht-)Vorankommen von Frauen ist bzw. sein kann.
Schon seit langem sind viele von ihnen in den Kelleretagen festgenagelt: Alleinerziehende Frauen
Man kennt das seit langem aus der Armutsforschung: eine der am stärksten von Einkommensarmut gekennzeichneten Personengruppen sind die Alleinerziehenden, die nicht ausschließlich, aber mehrheitlich Frauen sind. Und denen steht das Wasser oftmals bis zum Hals oder noch höher, selbst wenn sie erwerbsarbeiten. Dazu dieses Beispiel aus Baden-Württemberg:
»Allein in Stuttgart wachsen in über 12.000 Haushalten Kinder mit nur einem Elternteil auf. 85 Prozent sind Frauen. Trotz Vollzeitjob sind viele von Armut bedroht.« So beginnt der Beitrag Armutsgefährdet trotz Vollzeitjob: Alleinerziehende Stuttgarterin berichtet von großem Druck von Susanne Babila.
Alleinerziehende Elternteile überdurchschnittlich armutsgefährdet – selbst wenn sie einen Vollzeitjob haben. Der größte Prozentsatz der Alleinerziehenden sind Frauen. Eine von ihnen ist Natascha di Nardo. Sie lebt mit ihrem elfjährigen Sohn und ihrem Kater Cosmi in Stuttgart-Mönchfeld.
Ihre Geschichte in Auszügen:
»Die Wohnanlage ist gepflegt, die Drei-Zimmer-Wohnung blitzsauber. Die 40-Jährige trennte sich vor fünf Jahren von ihrem Ehemann, später folgte die Scheidung. „In der Corona-Zeit spitzten sich die schwelenden Konflikte zu“, erzählt sie, „und ich musste handeln“. Da ihr Ex-Ehemann nicht aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wollte, machte sie sich auf die Suche, ohne zu ahnen, welche Odyssee sie erwarten würde.
Alleinerziehende werden bei der Wohnungssuche häufig als „Risiko-Mieter“ eingestuft. Vermieter zweifeln an ihrer Bonität oder unterstellen ihnen Unzuverlässigkeit. Natascha di Nardo bekam sehr viele Absagen, obwohl sie einen festen Teilzeit-Arbeitsvertrag vorweisen konnte und ihr Vater bereit war, für Miete und Kaution zu bürgen. „Am Ende gab es nur ein Angebot: Eine 54 Quadratmeter große Wohnung für 1.100 Euro, die nur einen Kachelofen hatte und auf deren Balkon immer wieder tote Ratten lagen“. Sie ist noch immer aufgewühlt, wenn sie sich daran erinnert. Die Wohnung habe sie nur genommen, weil sie so verzweifelt war.
Nach vier Umzügen und monatelanger Suche fand die 40-Jährige für sich und ihren Sohn die Drei-Zimmer-Wohnung, in der sie heute lebt. Kostenpunkt: knapp 900 Euro, dazu Strom, Telefon, Internet und Nebenkosten. Damit sei fast die Hälfte des Nettoeinkommens aus ihrem Job verbraucht, erklärt Natascha di Nardo, die seit einigen Jahren in Vollzeit als Angestellte in der öffentlichen Verwaltung arbeitet und finanziell gerade so über die Runden kommt. Sie müsse ständig darauf achten, für was sie ihr Geld ausgibt.
„Extras“, wie sie es nennt, sind beispielsweise die Rechnung für eine Waschmaschine, weil die alte kaputt ist, eine neue Brille für das Kind oder die Autoreparatur.«
Sie arbeitet wohlgemerkt seit einigen Jahren sogar in Vollzeit. Und dennoch geht es ihr wie vielen anderen auch:
»Wie Natascha di Nardo arbeiten gut 37 Prozent der Alleinerziehenden in Vollzeit. Dennoch seien sie überdurchschnittlich armutsgefährdet, so Sebastian Will vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Einer Studie des Instituts zufolge sind 14 Prozent der Alleinerziehenden mit Vollzeitjob armutsbetroffen … Dies zeigt, dass selbst ein Vollzeiteinkommen plus Kindergeld manchmal eben nicht ausreicht, um einen Ein-Eltern-Haushalt über die Schwelle der Armutsgefährdung zu heben.«
Und es geht hier um weit mehr als die Frage nach dem konkreten Geldbetrag:
»Die gelernte Bankkauffrau weiß mit Geld umzugehen, doch finanzielle Mittel, Zeit und Kraft seien knapp. Sie fühle sich häufig überfordert und lebe wie in einem Hamsterrad und das seit vielen Jahren. Auch wenn sie krank sei und keinen guten Tag habe, müsse sie für ihren Sohn Frühstück und Pausenbrot vorbereiten und die Hausaufgaben kontrollieren, ganz zu schweigen von Einkauf und Haushalt. Jeden Tag dafür sorgen zu müssen, dass alles funktioniert, zumindest für ihren Sohn, das mache ihr einen ungeheuer großen Druck.
Immer wieder hat Natascha di Nardo Angst, ihrem elfjährigen Sohn, den sie über alles liebt, vieles nicht bieten zu können und ihrer Verantwortung als Mutter nicht gerecht zu werden. Diese Zerrissenheit begleitet Natascha di Nardo jeden Tag.«
Und man muss den Blick weiten auf die anderen, vor- und nachgelagerten Systeme und deren (Nicht-)Funktionsfähigkeit:
»Einen Vollzeitjob als Alleinerziehende stemmen zu können, setze eine gut funktionierende Kinderbetreuung voraus, sagt Paola Rapp, vom Verband für alleinerziehende Mütter und Väter in Tübingen. Doch gebe es in vielen Orten aktuell Kindergärten, die aufgrund von Fachkräftemangel nur noch am Vormittag geöffnet sind. Dazu kommt: Nur jeder vierte unterhaltspflichtige Elternteil zahlt regelmäßig den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestunterhalt, so Paola Rapp weiter.«
»Nataschas Ex-Ehemann zahlt zwar Unterhalt und nimmt ihren gemeinsamen Sohn alle 14 Tage, wie üblicherweise gesetzlich vorgeschrieben, aber das sei einfach zu wenig Entlastung im Alltag. Denn selbst wenn man mal Zeit für sich alleine habe, erledige man all das, was liegengeblieben ist, sagt Natascha di Nardo und lächelt.«
Und Hoffnung markiert auch das Ende des Beitrags:
»Natascha di Nardo hofft auf eine gerechtere Politik, mit der Alleinerziehende mehr in Vollzeit arbeiten können, ohne ständig am Rande der Erschöpfung zu sein.«
Frauen erobern schrittweise eine ehemalige Männerdomäne – und die „Generation Riesling“2
Aus zahlreichen Berufsfeldern wird eine zunehmende Präsenz von Frauen gemeldet – bis hin zu einer dominanten Durchdringung, so dass manche von einer „Feminisierung“ bestimmter Berufe sprechen (man denke hier beispielsweise an die Lehrkräfte für den Schulbereich oder an die Ärzte). Noch weit weg von dominanten Anteilswerten, allerdings mit einer seit Jahren anhaltenden Expansion ihrer Anteile sind die Frauen in einer ehemals sehr männerlastigen und konservativen Branche: dem Weinbau.
Der Anteil von Winzerinnen in Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung in den Winzerbetrieben. Besonders in der jungen Generation und an den Hochschulen, wie beispielsweise der Hochschule Geisenheim, zeigt sich eine starke Zunahme an Frauen. Das führt dann zu solchen Meldungen: Mehr Frauen vom Winzerberuf fasziniert, so das Deutsche Weininstitut (DWI) im Mai 2025. Die können das auch mit Zahlen belegen: »Die Weinbranche wird weiblicher. Dies ergibt eine Auswertung der Neuverträge zur Winzerausbildung der letzten 10 Jahre durch das Deutsche Weininstitut (DWI), die alljährlich vom Bundesinstitut für Berufsbildung erfasst werden.« Man schaut dabei vor allem auf die klassische dreijährige oder für Abiturienten auf zwei Jahre verkürzten Winzerlehre. Hinzu kommen noch unterschiedliche Bachelor- und Master-Studiengängen im Gefolge der Teil-Akademisierung des Winzerberufs. Zur klassischen Winzerlehre: »Danach ist der durchschnittliche Anteil der weiblichen Auszubildenden in den beiden Fünfjahreszeitraum 2015 bis 2019 sowie 2020 bis 2024 von 24 Prozent auf 30 Prozent gestiegen.«3 Noch deutlicher wird die „(Teil-)Feminisierung“ des Winzerberufs erkennbar, wenn man auf die Hochschulen schaut: »Die Bachelorstudiengänge rund um das Thema Wein an den deutschen Hochschulen sind noch stärker von Frauen nachgefragt als die Winzerlehre. Im Wintersemester 2024/25 waren von insgesamt 169 neu eingeschriebenen Studierenden 46 Prozent weiblich.«
Es sind nicht nur die Zahlen, die sich verändert haben: »Auffällig ist ein relativ hoher Anteil an Quereinsteigern, die ohne familiären Weinbauhintergrund eine Winzerausbildung beginnen. Er liegt mittlerweile bei schätzungsweise rund der Hälfte aller Auszubildenden, was auch auf das gute Image des Berufsbildes zurückzuführen ist.«
Diesseits der großen Zahlen: Auch hier mal konkret
»Als zwei Schwestern in Kröv das Weingut ihres Vaters übernehmen, werden sie erstmal belächelt. Doch inzwischen prägen immer mehr Frauen die Weinbranche an der Mosel.« So beginnt der Beitrag Weinbau an der Mosel wird weiblicher: Immer mehr Frauen im Winzergeschäft von Christian Altmayer.
»Manchmal kommt es noch vor, dass ein Kunde bei Aline Knodt nachfragt, ob er den Chef sprechen kann. „Dann sage ich immer: Der Chef steht vor Ihnen“, sagt die Winzerin aus Kröv an der Mosel.2022 ist die 32-Jährige mit ihrer Schwester in das Weingut ihres Vaters eingestiegen. Inzwischen leiten sie den Betrieb zu dritt. „Und am Anfang gab es schon komische Blicke“, meint ihre 29-jährige Schwester Josephine: „Die Weinbranche war ja immer von Männern dominiert.“Noch deutlicher wird die „(Teil-)Feminisierung“ des Winzerberufs erkennbar, wenn man auf die Hochschulen schaut: »Die Bachelorstudiengänge rund um das Thema Wein an den deutschen Hochschulen sind noch stärker von Frauen nachgefragt als die Winzerlehre. Im Wintersemester 2024/25 waren von insgesamt 169 neu eingeschriebenen Studierenden 46 Prozent weiblich.«
Es sind nicht nur die Zahlen, die sich verändert haben: »Auffällig ist ein relativ hoher Anteil an Quereinsteigern, die ohne familiären Weinbauhintergrund eine Winzerausbildung beginnen. Er liegt mittlerweile bei schätzungsweise rund der Hälfte aller Auszubildenden, was auch auf das gute Image des Berufsbildes zurückzuführen ist.«
Diesseits der großen Zahlen: Auch hier mal konkret
»Als zwei Schwestern in Kröv das Weingut ihres Vaters übernehmen, werden sie erstmal belächelt. Doch inzwischen prägen immer mehr Frauen die Weinbranche an der Mosel.« So beginnt der Beitrag Weinbau an der Mosel wird weiblicher: Immer mehr Frauen im Winzergeschäft von Christian Altmayer.
»Manchmal kommt es noch vor, dass ein Kunde bei Aline Knodt nachfragt, ob er den Chef sprechen kann. „Dann sage ich immer: Der Chef steht vor Ihnen“, sagt die Winzerin aus Kröv an der Mosel.2022 ist die 32-Jährige mit ihrer Schwester in das Weingut ihres Vaters eingestiegen. Inzwischen leiten sie den Betrieb zu dritt. „Und am Anfang gab es schon komische Blicke“, meint ihre 29-jährige Schwester Josephine: „Die Weinbranche war ja immer von Männern dominiert.“4
Ihr Vater Udo habe nach der Geburt seiner beiden Töchter viel Mitleid von den Nachbarn bekommen, erinnert sich Aline Knodt. Weil er keinen Sohn hatte, schien für viele klar, dass niemand den Betrieb übernehmen würde. Dass seine Töchter einmal in seine Fußstapfen treten könnten, galt als kaum vorstellbar – obwohl beide schon als Kinder im Weinberg mitgeholfen hatten.
Auch heute noch werden die meisten Weingüter an der Mosel von Männern geführt. Doch die Schwestern beobachten eine Trendwende, erzählt Josephine. In den sozialen Medien, aber auch in ihrem direkten Umfeld, sehen sie immer öfter junge Winzerinnen: „Es ist schön zu sehen, wie viele Frauen da mittlerweile in den Betrieben sind.“«
Und es gibt einen qualitativen Wandel, denn Frauen arbeite ja nicht erst in diesen Tagen im Weinbau, ganz im Gegenteil, aber:
»Dass Frauen im Weinberg und im Keller arbeiten, sei nichts Neues … Die Anerkennung für den Wein allerdings heimsten früher oft die Väter oder Ehemänner ein, während die Frauen im Hintergrund blieben. „Sichtbar waren Frauen vor allem als Weinköniginnen“ …: „Heute hingegen gibt es ein Selbstverständnis dafür, dass eine Frau natürlich auch ein Weingut leiten kann und sich nicht auf repräsentative Aufgaben reduzieren lassen muss.“«
Fazit: „Bei der Übergabe eines Weinguts an die nächste Generation ist es heute selbstverständlich, dass auch die Töchter zum Zuge kommen“, meint Ernst Büscher, ein Sprecher des Weininstituts: „Zudem finden immer mehr Quereinsteigerinnen den Weg in den Winzerinnenberuf. Damit spiegelt sich die gesamtgesellschaftliche Emanzipation der Frauen auch in der Weinbranche wider.“
Wo die Gleichstellung beide Geschlechter trifft
Wie immer gibt es aber auch bei diesem Thema Wasser, das man in den aber nicht mehr nach Geschlechtern differenzierten Wein kippen muss. Gemeint ist die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und deren Fallbeil macht keine Geschlechterunterschiede. Während die Frauen auf dem Vormarsch sind und ihre Anteilswerte expandieren, muss man gleichzeitig eine Schrumpfung bei der Zahl der Betriebe (und parallel ein Größenwachstum der verbliebenen Unternehmen)zu Kenntnis nehmen, wie in vielen anderen Branchen auch.
Beispiel Rheinland-Pfalz, dem Weinland Nummer 1 in Deutschland (64 Prozent der 103.700 Hektar Rebfläche in Deutschland befinden sich in den Anbaugebieten Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen):
»Die Anzahl der Weinbau-Betriebe ist zwischen den Jahren 2010 und 2023 um knapp 3300 – und damit rund 35 Prozent – zurückgegangen. Im Jahr 2010 gab es in Rheinland-Pfalz noch 9382 Weinbaubetriebe. Im Jahr 2023 zählt das Statistische Landesamt 6110 Weinbauern und Winzer. Dass dieser Rückgang im Landschaftsbild nicht groß aufgefallen ist, hat möglicherweise damit zu tun, dass die Anbaufläche in all den Jahren trotz der Betriebsaufgaben nicht kleiner geworden ist, im Gegenteil: Wurde im Jahr 2010 auf 63.350 Hektar Wein angebaut, gab es im Jahr 2023 66.600 Hektar Rebfläche«, so Kathrin Schnurrer in ihrem Beitrag Weinbau: 35 Prozent der Betriebe haben aufgegeben. Wie in anderen Branchen auch ist man im Weinbau mit der Konzentration der Betriebe und deren Größenwachstum konfrontiert. Diese Entwicklungen treffen dann Männer und Frauen gleichermaßen, zumindest im Durchschnitt.
Fußnoten
- Hinter dem Motto steht was Handfestes: es wird zu Spenden aufgerufen, „um gemeinsam durch großzügiges Geben zur Gleichstellung der Geschlechter“ beizutragen. Und man hebt das dann noch eine Etage höher: „„Give To Gain“ unterstreicht die Kraft der Gegenseitigkeit und der Unterstützung. Wenn Menschen, Organisationen und Gemeinschaften großzügig geben, entstehen mehr Chancen und Unterstützung für Frauen. Geben ist kein Verlust, sondern eine bewusste Bereicherung. Wenn Frauen sich entfalten können, profitieren wir alle davon.“ Wobei man offensichtlich nicht nur „klassische“ Geldspenden vor Augen hat: „Ob durch Spenden, Wissen, Ressourcen, Infrastruktur, Sichtbarkeit, Fürsprache, Bildung, Ausbildung, Mentoring oder Zeit – ein Beitrag zur Förderung von Frauen hilft dabei, eine solidarischere und vernetztere Welt zu schaffen.“
↩︎ - „Generation Riesling“ (oft abgekürzt als GenR) ist der Name der weltweit größten Vereinigung junger deutscher Winzerinnen und Winzer, die vom Deutschen Weininstitut (DWI) 2006 ins Leben gerufen wurde. Die Initiative vernetzt ambitionierte, gut ausgebildete und meist unter 35-jährige Weinerzeuger. Sie stehen für einen modernen, qualitätsorientierten Stil, Experimentierfreude und einen starken Zusammenhalt. Obwohl der Riesling im Namen steckt, repräsentieren die Mitglieder die gesamte Vielfalt der deutschen Rebsorten. umfasst das Netzwerk hunderte junge Talente aus allen deutschen Weinanbaugebieten. Und wie sieht es hier mit dem Frauenanteil aus? Auch bei der Generation Riesling nimmt der Anteil der weiblichen Mitglieder zu. In der Vereinigung ist der Frauenanteil von 2019 bis 2025 von 28 Prozent auf 37 Prozent gestiegen.
↩︎ - Das geht aber einher mit einer rückläufigen Zahl an Ausbildungen insgesamt: »So ist die Gesamtzahl der Auszubildenden im Winzerberuf im Zeitraum von 2019 bis 2023 um 13 Prozent auf 684 gesunken.«
↩︎ - Übrigens kann man das auch in anderen typischen Männerberufen beobachten, hierzu nur der Hinweis auf eine andere Entwicklung im Feld der Land- und Forstwirtschaft: »Immer mehr Frauen entscheiden sich für einen Beruf im Wald. Auch im Forstamt Trier arbeiten heute so viele Frauen wie nie«, so der Beitrag Von wegen Männerdomäne: So viele Frauen wie nie im Forstamt Trier von Lara Dudek aus dem Oktober 2025. ↩︎