Am laufenden Band werden wir konfrontiert mit negativen Nachrichten und je schlechter, desto aufmerksamer ist die immer kürzer werdende Wahrnehmungsspanne. Dabei kann und sollte man immer auch positive Entwicklungen sehen und darüber berichten, auch und gerade wenn die nicht in das sich verfestigende Muster passen, dass alles schlimmer wird.
Nehmen wir als Beispiel die Schäden, die durch Alkoholmissbrauch entstehen. Es sind enorme individuelle, familiäre, gesellschaftliche Kosten, die hier anfallen.
Hier nur einige wenige Zahlen: Insgesamt 3,9 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren hatten im Jahr 2024 in Deutschland eine alkoholbezogene Störung (Alkoholmissbrauch: 1,7 Millionen, Alkoholabhängigkeit: 2,2 Millionen).1 Deutschland weist im internationalen Vergleich seit vielen Jahren einen sehr hohen Alkoholkonsum auf. Aber auch: Gemessen am Pro-Kopf-Alkoholkonsum ist dieser in den zurückliegenden zehn Jahren um über 10 Prozent zurückgegangen.
Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)2 belaufen sich die volkswirtschaftlichen Kosten des schädlichen Alkoholkonsums in Deutschland auf etwa 57 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl umfasst sowohl direkte Kosten als auch indirekte Schäden. Davon entfallen 16,59 Milliarden Euro auf direkte Kosten für das Gesundheitssystem (z.B. Behandlungskosten beim Arzt, Krankenhausaufenthalte und Medikamente) und 40,44 Milliarden Euro auf indirekte Kosten (z.B. Produktionsausfall durch krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit, Frühverrentung und vorzeitiger Tod).
Aber es gibt auch Lichtblicke
Das Statistische Bundesamt hat sich die verfügbaren letzten zehn Jahre (von 2014 bis 2024) angeschaut und liefert diese positive Erkenntnis: »Alkoholmissbrauch führt in Deutschland immer seltener zu einem Klinikaufenthalt. Rund 283.500 Patientinnen und Patienten wurden 2024 aufgrund einer ausschließlich durch Alkohol bedingten Diagnose stationär im Krankenhaus behandelt. Das waren 28,9 % weniger als zehn Jahre zuvor.«3

Im Jahr 2014 kamen 398.482 Menschen aufgrund einer alkoholinduzierten Diagnose stationär in ein Krankenhaus. Damit erreichten die Fallzahlen 2024 den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre.
Zur Einordnung des Rückgangs um fast 30 Prozent: Die Zahl der Krankenhausbehandlungen insgesamt ging im selben Zeitraum um 8,6 Prozent auf 17,9 Millionen Fälle zurück.
Weiterhin erkennbar ist ein deutlicher Geschlechter-Bias:
»Männer werden häufiger aufgrund einer alkoholinduzierten Diagnose stationär behandelt als Frauen: 207.900 oder 73,3 % der mit dieser Diagnose im Jahr 2024 Behandelten waren Männer, gut ein Viertel (26,7 %) waren Frauen.«
Genauer hinschauen lohnt sich: Vor allem bei den Jüngeren gibt es einen starken Rückgang bei der Behandlung alkoholbedingter Erkrankungen in Krankenhäusern
Wer erinnert sich nicht an die vielen Berichte über Alkoholexzesse bei immer jüngeren Menschen, die es vor einigen Jahren zuhauf gegeben hat. Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse eines altersgruppendifferenzierten Blicks höchst aufschlussreich – vor allem die Rückgänge bei den Jüngeren fallen ins Gewicht:

Die stärksten Rückgänge bei den alkoholbedingten Behandlungen in Krankenhäusern gibt es in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen und bei den 40- bis 59-Jährigen. Im Durchschnitt liegt der Rückgang bei den 20- bis 39-Jährigen.
(Einige) Ältere Menschen als Abweichler
Was allerdings auch auffällt ist die Tatsache, dass es abweichend von den starken Rückgängen bei den Menschen ab 60 Jahre keine entsprechenden Veränderungen gegeben hat, bei den Menschen ab 80 Jahre wird sogar ein Anstieg um 22 Prozent ausgewiesen.
Das gibt einen Hinweis auf das „Dunkelfeld“ der Suchtproblematik gerade im höheren Lebensalter, das schon seit längerem in der Fachdiskussion be- und verhandelt wird. Zum Suchtverhalten älterer Menschen gibt es bundesweit bisher kaum Daten. Für die bayerische Bevölkerung ab 65 Jahren hat eine Studie repräsentative Daten zu diesem Thema geliefert, die das Ausmaß der Problematik zumindest etwas anleuchten kann.4 Einen riskanten und schädlichen Alkoholkonsum konnte die Studie bei gut jedem zehnten der Befragten ausmachen. Männer und Frauen unterscheiden sich dabei nur gering (11,5 Prozent und 10,4 Prozent). Bei 2,3 Prozent kam es aufgrund des hohen Alkoholkonsums zu Verletzungen. Interessant ist auch dieser Befund: Vor allem der Bildungsstand und das Einkommen beeinflussen den Alkoholkonsum: je höher der Schul- und Ausbildungsabschluss beziehungsweise, je höher das Netto-Haushaltseinkommen, desto höher der Anteil der Personen, die mehrmals pro Woche Alkohol trinken.
Fußnoten
- Vgl. zu den Zahlen ausfürhlicher den Beitrag von Olderbak, S. et al. (2025): Konsum psychoaktiver Substanzen in Deutschland. Ergebnisse des Epidemiologischen Suchtsurveys (ESA) 2024, in: Deutsches Ärzteblatt, Heft 23/2025, S. 625-631
↩︎ - Vgl. Alkohol – Zahlen, Daten, Fakten der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Die Schätzung stammt zwar aus einer Analyse, die auf Daten bis etwa 2020 basiert, wird aber in aktuellen Berichten zum „Jahrbuch Sucht 2025“ als maßgeblicher Referenzwert zitiert und gilt weiterhin als Standardwert in neueren Experteneinschätzungen zur volkswirtschaftlichen Belastung durch Alkoholmissbrauch in Deutschland.
↩︎ - Zur genaueren Aufschlüsselung des Merkmals alkoholbedingte Erkrankungen: »Alkoholabhängigkeit war im Jahr 2024 mit einem Anteil von 42,5 % (120.400 Behandlungsfälle) an den alkoholbedingten Diagnosen die häufigste Ursache für eine ausschließlich alkoholbedingte stationäre Krankenhausbehandlung. Auf einen akuten Rausch ging gut ein Fünftel zurück (21,1 % oder 59.700 Fälle), auf Entzugssyndrome 14,7 % der Fälle (41.800). Weiter folgten alkoholbedingte Erkrankungen des Verdauungssystems wie Schäden an der Leber (13,0 % oder 36.900 Fälle) oder der Bauchspeicheldrüse (5,2 % oder 14.700 Fälle).«
↩︎ - Vgl. ausführlicher Loos, Stefan und Maximilian Würz (2023): Suchtbefragung Bayern Altersgruppe 65+. Modellprojekt zur Ermittlung der Gesundheitsstruktur sensibler Bevölkerungsgruppen – Ansatzpunkte für Interventionen (Themenfeld Sucht). Kurzfassung, Berlin: IGES Institut, Februar 2023.
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