Am 1. Dezember 2025 wurde hier in dem Beitrag Immer wenige neue Ausbildungsverträge und immer weniger bestandene Abschlussprüfungen. Der Nachwuchs aus der dualen Berufsausbildung auf dem Sinkflug auf eine besorgniserregende Entwicklung hingewiesen. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist vor allem in der längerfristigen Sicht weiter rückläufig, zugleich muss für 2024 festgestellt werden, dass die Zahl der bestandenen Abschlussprüfungen in der dualen Berufsausbildung auf den tiefsten bisher ermittelten Stand gesunken ist.
Nun hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn die Bilanz für den Ausbildungsmarkt 2025 veröffentlicht. Am Anfang steht eine scheinbar positive Botschaft:
»Von den starken Einbußen im Zuge der Coronapandemie im Jahr 2020 hat sich der Ausbildungsmarkt zunächst etwas erholt. In den Jahren 2021 bis 2023 stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge zunächst wieder an (2021: +1,2 %, 2022: +0,4 %, 2023: +3,0 %).«
Aber das war nur ein kurzes Aufbäumen nach dem tiefen Einschnitt 2020 und das ist schon seit dem vergangenen Jahr Geschichte: »Seit 2024 gibt es wieder rückläufige Tendenzen.« Und war der Rückgang 2024 mit 0,6 % noch überschaubar, gab es in 2025 einen weiteren Schlag ins Kontor:
So sank »Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2025 um 2,1 %. Mit insgesamt 476.000 Neuabschlüssen wurden 10.300 Verträge weniger abgeschlossen als im Vorjahr. Der Rückgang ist auf die betrieblichen Verträge zurückzuführen (-12.000 bzw. -2,5 %).«
Besonders markant ist der Einbruch bei den angebotenen Ausbildungsstellen:
»2025 übertraf die Nachfrage der Jugendlichen zum zweiten Mal in Folge das verfügbare Ausbildungsplatzangebot. Während die Nachfrage um 3.700 auf rund 560.300 anstieg (+0,7 %), sank das Angebot auf rund 530.300, was einem Rückgang von 25.300 bzw. 4,6 % entspricht. Das ist der zweithöchste Rückgang bezogen auf die Zeitreihe seit 2009. Nur im ersten Jahr der Coronapandemie ging das Angebot noch stärker zurück. Das betriebliche Angebot … fiel um 27.000 (-5,0%) niedriger aus.«
Weniger unbesetzte Ausbildungsstellen …
Und wie ist das mit der langjährigen Klage, dass immer mehr angebotene Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben? Auch hier wird von einer Richtungsänderung berichtet:
»Gleichzeitig blieben 2025 deutlich weniger Ausbildungsstellen unbesetzt als im Vorjahr: 54.400 Stellen blieben vakant – ein Rückgang von 21,6 % im Vergleich zu den 69.400 unbesetzten Stellen 2024.«
… und zugleich mehr „unversorgte Bewerber“
Von einem Anstieg berichtet das BIBB hingegen bei der Zahl der jungen Menschen, die (noch) leer ausgegangen sind: »Zum Stichtag 30. September 2025 waren jedoch noch etwa 84.400 junge Menschen weiterhin auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle – der zweithöchste Wert seit 2009. Im Vergleich zum Vorjahr ist ihre Zahl um 14.000 (+19,9 %) gestiegen.«
Man muss bei der Interpretation dieser ganz großen Zahlen aber berücksichtigen, dass es nicht den einen „Ausbildungsmarkt“ gibt – sondern wir es im Regelfall mit vielen kleinen, regionalen bzw. teilweise lokal strukturierten Ausbildungsräumen zu tun haben, mit Blick auf die Ausbildungsberufe zugleich verbunden mit einer fragmentierten Bandbreite an bestimmten Lehrberufen, teilweise bedingt durch die Möglichkeitsstrukturen, die sich vor Ort bieten, zum anderen bedingt durch Berufswahlprozesse bei den jungen Menschen, die von ganz unterschiedlichen Einflussfaktoren bestimmt werden, wie den Peer-Gruppen, den Eltern, in geringerem Maße durch Schule oder Berufsberatung.
Hinzu kommt, dass man nicht nur einseitig den Betrieben eine selektive Auswahl und ein Ausschluss „leistungsschwächerer“ Jugendlicher vorwerfen kann, sondern dass man ergänzend berücksichtigen muss, dass ein Teil der (potenziellen) Azubis erhebliche Defizite hat im kognitiven und/oder Verhaltensbereich, was sich dann als echte Hürde für eine „Versorgung“ dieses Teils der jungen Menschen erweisen kann. Hinzu kommen bei einigen Betrieben „schlechte“ Erfahrungen in der Vergangenheit mit Abbrüchen oder auch Nicht-Antreten der Ausbildung, was dann frustrationsbedingt (oftmals dauerhafte) Rückzugsprozesse aus dem Angebot an betrieblichen Ausbildungsstellen ausgelöst hat. Man sollte nicht unterschätzen, dass es aus der betriebswirtschaftlichen Perspektive bei der Berufsausbildung oftmals um eine erhebliche Investition geht, die getätigt werden muss, auch wenn man mit guten Argumenten auf die Nutzeneffekte verweisen kann, die sich berechnen lassen, die aber auf der betrieblichen Ebene wenn, dann oft zeitversetzt anfallen.1
Mehr und detailliertere Informationen gibt es in dem ausführlichen Bericht des BIBB zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2025, der auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) basiert:
| ➔ Alexander Christ et al. (2025): Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Dezember 2025 |
Fußnote
- Vgl. zu diesem Themenfeld ausführlicher Felix Wenzelmann und Gudrun Schönfeld (2022): Kosten und Nutzen der dualen Ausbildung aus Sicht der Betriebe. Ergebnisse der sechsten BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2022 sowei Felix Wenzelmann et al. (2025): Eigene Ausbildung oder externe Fachkräftegewinnung – mit welchen Kosten müssen Betriebe rechnen? Ergebnisse der BIBB-Kosten-Nutzen-Erhebung 2022/2023, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), 2025. ↩︎