… und weitere Materialien zu sozialpolitischen Themen
Matthias Gruhl (2026): Reformbedarf in der Primärversorgung. Für ein zukunftsfestes Gesundheits- und Pflegewesen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
Thorsten Schulten (2026): Streiks ohne Ende? Mythen und Fakten über Arbeitskämpfe in Deutschland, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, März 2026
Frank Nitzsche und Lars Czommer (2026): Tafeln. Orte sozialer Verantwortung in Nordrhein-Westfalen. G.I.B.-Beiträge zur Arbeits- und Sozialpolitik 2026/06, Bottrop: G.I.B. – Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik GmbH, Februar 2026
»Während Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel jährlich im Müll landen, wächst gleichzeitig die Zahl der Menschen, die sich ausreichende und gesunde Ernährung kaum noch leisten können. In Nordrhein-Westfalen geben die „Tafeln“ lokale Antworten auf diese soziale Schieflage – als Orte gelebter Solidarität, nachhaltigen Wirtschaftens und konkreter Bekämpfung von Armutsfolgen. Doch die Rolle der Tafeln geht längst über das bloße Umverteilen von Lebensmitteln hinaus.«
Virginia Sondergeld et al. (2026): Transformationspotenzial durch KI betrifft ebenso Männer wie Frauen auf dem Arbeitsmarkt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 14+15/2026
»Der technologische Fortschritt im Bereich generativer Künstlicher Intelligenz (KI) wird den Arbeitsmarkt in Zukunft stark verändern. Das Transformationspotenzial durch KI unterscheidet sich dabei stark zwischen Berufen. Da der deutsche Arbeitsmarkt deutlich nach Geschlechtern segregiert ist, stellt sich die Frage, ob die Transformation durch generative KI Frauen und Männer unterschiedlich betreffen wird. Werden Daten zum Transformationspotenzial einzelner Berufsgruppen dem jeweiligen Anteil weiblicher Beschäftigter gegenübergestellt, so zeigt sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in einer Berufsgruppe und dem Transformationspotenzial durch KI. Sowohl einige sehr stark frauendominierte als auch einige sehr stark männerdominierte Berufsgruppen, wie die Kinderbetreuung oder der Bau, wird KI sehr wenig verändern. Die meisten der Berufe mit hohem Transformationspotenzial haben hingegen einen eher ausgewogenen Anteil an männlichen und weiblichen Beschäftigten. Da sich voraussichtlich aber nahezu alle Berufe durch die KI-Transformation verändern werden, gibt es für alle Beschäftigten – Frauen wie Männer – Bedarf an einschlägiger Weiterbildung. Hierbei sollte die in manchen Studien beobachtete geschlechtsspezifische Lücke in KI-Kompetenzen möglichst geschlossen werden.«
Anna Bindler und Andreea-Maria Stoica (2026): Cannabiskonsum nach Teillegalisierung stabil, Kokain nimmt seit Jahren zu, in: DIW Wochenbericht, Nr. 13/2026
»Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Cannabis-Teillegalisierung untersucht dieser Wochenbericht aktuelle Entwicklungen auf Cannabis- und anderen Drogenmärkten in Deutschland. Grundlage sind Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik, bevölkerungsrepräsentative Befragungen, Abwassermessungen sowie Preisinformationen. Die Zahl registrierter Cannabis- und Rauschgiftdelikte ist 2024 deutlich zurückgegangen, was primär einen statistischen Effekt widerspiegelt. Beim Cannabiskonsum zeigen Befragungs- und Abwasserdaten kurzfristig keine systematischen Veränderungen. Cannabispreise bleiben ebenfalls weitgehend stabil. Verschiedene Indikatoren zeigen eine zunehmende Dynamik bei anderen illegalen Substanzen, insbesondere Kokain und Methamphetamin, die regional unterschiedlich ausgeprägt ist. Veränderungen in Gewalt- oder Beschaffungskriminalität lassen sich bislang nicht zeitlich mit der Reform in Verbindung bringen. Insgesamt deuten die verfügbaren Daten darauf hin, dass die Teillegalisierung kurzfristig vor allem strafrechtliche Effekte hatte, während Entwicklungen auf anderen Drogenmärkten eigenständigen Trends folgen. Prävention und Beobachtung dieser Märkte bleiben daher zentrale politische Herausforderungen.«
Axel Börsch-Supan und Franz Ruland (2026): Reformoptionen der Rentenpolitik, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2026, S. 67-71
»Wieder einmal steht die gesetzliche Rentenversicherung im Fokus der Politik und des öffentlichen Interesses. Reformen sind nicht nur wegen des demografischen Wandels, sondern auch wegen der gesamtwirtschaftlichen Lage und der in den letzten Jahren getroffenen teuren Fehlentscheidungen der Politik notwendig. Die jetzige Koalition hat mit der Haltelinie bis 2031 und der nochmaligen Verlängerung der „Mütterrente“ die Rentenfinanzen zusätzlich milliardenschwer belastet. Gleichzeitig hat sie eine Reformkommission eingesetzt, die mit anderen Maßnahmen die Rentenversicherung wieder zukunftsfest machen soll. Täglich gibt es neue Vorschläge. Der Beitrag von Axel Börsch-Supan und Frank Ruland lotet aus volkswirtschaftlicher und juristischer Sicht aus, welche davon der Rentenpolitik tatsächlich zur Verfügung stehen.«
Clara Albrecht et al. (2026): Frühestmögliche Prävention durch Integration: Staatsbürgerschaft bei Geburt und Jugendkriminalität, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2026
»Wenn Jugendkriminalität in den Fokus der öffentlichen Debatte rückt, fordern Politiker*innen häufig ein härteres Durchgreifen der Polizei und strengere Strafen. Dabei bleibt die Wirksamkeit frühzeitiger Prävention zur Verringerung von Kriminalität oft unberücksichtigt, etwa durch Investitionen in Bildung, Beschäftigungsmöglichkeiten, institutionelles Vertrauen und die Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls. Unsere Studie kombiniert Einzelfalldaten der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aus drei deutschen Bundesländern mit einem neuartigen empirischen Ansatz, um eine bislang wenig beachtete Maßnahme zur präventiven Verringerung der Jugendkriminalität, die bereits bei der Geburt ansetzt, kausal zu untersuchen: das Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft (Ius soli). Wir zeigen, dass der Erwerb der Staatsbürgerschaft durch Geburt die Kriminalität unter Jugendlichen der zweiten und dritten Einwanderergeneration um ungefähr 70 % senkt.«
Katja Schumacher et al. (2026): Energiearmut auf Bundesländerebene. Betroffene Haushalte im Vergleich und Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen, Freiburg, Darmstadt, Berlin: Öko-Institut, April 2026
»Energiearmut betrifft Haushalte, die einen unverhältnismäßig hohen Teil ihres Einkommens für Energie aufwenden oder ihre Grundbedürfnisse bei Wärme, Strom und Mobilität nicht decken können. Steigende Preise, soziale Ungleichheiten und ineffiziente Gebäude verschärfen das Problem, besonders für einkommensschwache Haushalte, Alleinerziehende und Bewohner schlecht gedämmter Wohnungen. Da regionale Unterschiede in Einkommen, Gebäudestruktur und Heizsystemen stark variieren, ist eine Betrachtung auf Bundesländerebene zentral. Bisher fehlen jedoch einheitliche Definitionen, konsistente Daten und systematische Monitoringansätze für Energiearmut. Quantitative Indikatoren, qualitative Typologien und Persona‑Ansätze ermöglichen eine differenzierte Analyse, insbesondere wenn sie mit Mikrodaten wie EU‑SILC oder der EVS verknüpft werden. Der Policy Brief schätzt daher die Betroffenheit in den Bundesländern ab und vergleicht Energiearmut sowohl für Strom‑ und Wärmeverbrauch insgesamt als auch speziell für den Wärmebereich. Er schließt mit Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen.«
Holger Schäfer und Oliver Stettes (2026): Längere Arbeitszeiten. IW-Report, Nr. 13/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Die gegenwärtige konjunkturelle Krise und damit einhergehende Schwäche der Arbeitskräftenachfrage ändern nichts an der Tatsache, dass das Arbeitskräftepotenzial dramatisch schrumpft. Damit dies nicht in einen wachstumsbegrenzenden Rückgang des Arbeitsangebots mündet, müssen Mechanismen zur Kompensation greifen: Ausweitung des Potenzials durch Fachkräftezuwanderung, Erhöhung der Erwerbsbeteiligung und Ausweitung der Arbeitszeit. Es muss damit gerechnet werden, dass das Potenzial aus der Zuwanderung begrenzt bleiben wird und sich die Erwerbsbeteiligung bestenfalls in einer längeren Frist erhöhen lässt. Auch das Potenzial, das mit einer Aktivierung Arbeitsloser erschlossen werden könnte, reicht nicht aus. Damit verbleibt die Arbeitszeitverlängerung als eine entscheidende Stellschraube zur Bewältigung der demografischen Lasten.«
Sara Schulte und Max Krahé (2026): Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik. Von Objekt- zu Subjektförderung und zurück?, Berlin, März 2026
»Wohnen ist die neue soziale Frage in Deutschland. Mieten und Immobilienpreise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Gleichzeitig ist bezahlbarer Wohnraum die Grundlage sozialer, wirtschaftlicher und politischer Stabilität. In diesem Papier beleuchten wir die Rolle der Fiskalpolitik. Mit welchen fiskalischen Instrumenten können diese Spannungen entschärft werden? Und wie wurden die Instrumente historisch eingesetzt? Um diese Fragen zu beantworten, haben wir die wohnungspolitischen Ausgaben von Bund und Ländern – von 1965 bis 1990 für Westdeutschland, ab 1991 für das gesamte Bundesgebiet – analysiert. Auf Grundlage des ersten konsolidierten Datensatzes zu Subjekt- und Objektförderung identifizieren wir fünf historische Phasen der Wohnungsfiskalpolitik. Das zentrale Ergebnis: Der Schwerpunkt der Wohnraumförderung hat sich von Objekt- zu Subjektförderung verschoben. Damit hat sich die Wohnungspolitik in eine teure Zwickmühle manövriert. Während die Subjektförderung kurzfristig soziale Härten abfedert, lässt sie strukturelle Probleme unberührt und treibt die Mietpreise teils noch höher. Die Objektförderung ist zwar im Aufwärtstrend, aber fällt im historischen Vergleich schwach aus. Die Wohnungsfiskalpolitik so weiterzuentwickeln, dass sie dauerhaft bezahlbaren Wohnraum liefert, aber dabei selbst bezahlbar bleibt, wird eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre.«
Deutscher Pflegerat (2026): Positionspapier „Primärversorgung zukunftsfest gestalten – Pflegekompetenz konsequent einbinden“, Berlin, März 2026
Jakob Manthey et al. (2026): Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN): 2. Zwischenbericht, Hamburg, April 2026
»Am 1. April 2024 ist das Konsumcannabisgesetz in Kraft getreten, wodurch der Besitz und Anbau von Cannabis in bestimmten Grenzen legalisiert wurden. Das Forschungsprojekt „Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“ (EKOCAN) untersucht die Auswirkungen dieser Teillegalisierung auf den Kinder- und Jugendschutz, den Gesundheitsschutz sowie die cannabisbezogene Kriminalität. Der zweite Zwischenbericht fasst die Forschungsergebnisse auf Basis der bis März 2026 verfügbaren Informationen zusammen.«
Dagmar Pattloch (2026): Kennzahl Lebenserwartung und Rentenbezugsdauer. Hintergrundgespräch der Alterssicherungskommission, 06.03.2026
Martin Hasselhorn (2026): Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand. Ergebnisse der deutschen lidA-Studie, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Im vorliegenden Forschungsbericht wird das Erwerbspotenzial der Personen im frühen Ruhestand untersucht, also inwieweit sie weiterhin erwerbstätig sind oder grundsätzlich zur Erwerbstätigkeit bereit wären. Grundlage bildet die vierte Erhebungswelle der repräsentativen lidA-Studie (www.lida-studie.de, 2022/23) mit 8.884 Befragten, darunter 903 Personen im frühen Ruhestand, die meisten im Alter von 63 Jahren. Diese Daten ermöglichen erstmals eine differenzierte arbeitswissenschaftliche Analyse von Erwerbstätigkeit und Erwerbsbereitschaft in der Lebensphase zwischen Arbeitsleben und Regelaltersgrenze.«
➔ Bertelsmann Stiftung: Zentrale Ergebnisse zur Studie Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand, März 2026
Mattia Lisa Müller et al. (2026): Lern- und Entwicklungsaufgaben des Ausbildungspersonals. Ergebnisse einer strukturierten Literaturanalyse nach PRISMA. Working Paper Forschungsförderung Nr. 401, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, März 2026
»Das betriebliche Bildungspersonal trägt wesentlich zur Qualität beruflicher Bildung bei, steht jedoch steigenden Anforderungen gegenüber. Über Lern- und Entwicklungswege der Ausbilder in der Praxis ist wenig bekannt. Ihre Kompetenzentwicklung findet häufig als Erfahrungslernen im Berufsalltag statt. Ziel des Projekts ist der Aufbau einer gesicherten Erkenntnisbasis für die pädagogisch-didaktische Gestaltung von Qualifizierungsmaßnahmen. Als erster Schritt wurde eine systematische Literaturanalyse durchgeführt. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie informelles Lernen, kollegialer Austausch und organisationale Bedingungen die pädagogische Kompetenzentwicklung beeinflussen.«
Deutscher Pflegerat (2026): Zum Begriff der pflegerischen Diagnostik im Rahmen des „Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ (BEEP), Berlin, März 2026
»Der Deutsche Pflegerat (DPR) hat ein Positionspapier zur pflegerischen Diagnostik im Rahmen des „Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege“ (BEEP) veröffentlicht. Das BEEP stellt klar: Pflegefachpersonen können bei entsprechender Qualifikation bestimmte Leistungen nach ärztlicher oder nach pflegerischer Diagnose eigenverantwortlich erbringen. Dies stärkt den Heilberuf Pflege und die Pflege als Profession. Gleichzeitig verbessert es die pflegerische Versorgung, da pflegerisches Handeln somit ausdrücklich auch auf eigenen pflegerischen Diagnosen fußt.«
Philipp Deschermeier et al. (2026): Mitarbeiterwohnen in Deutschland – Zwischen steigender Relevanz und fortbestehenden Hürden, in: IW-Trends, Nr. 1/2026, S. 49-70
»Die Studie untersucht auf Basis einer Unternehmensbefragung mit dem IW-Personalpanel die Rolle des Mitarbeiterwohnens im Spannungsfeld von Fachkräftemangel und angespannten Wohnungsmärkten in Deutschland. Mitarbeiterwohnen ist kein flächendeckendes Instrument, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Gut ein Fünftel der Unternehmen unterstützt die Beschäftigten indirekt bei der Wohnraumsuche, etwa durch organisatorische oder finanzielle Hilfen. Fast ein Zehntel der befragten Betriebe stellt direkt Wohnraum bereit. Mehr als die Hälfte der Unternehmen berichten von positiven Effekten auf die Rekrutierung und langfristige Bindung von Fachkräften, während die Effekte bei Auszubildenden und dual Studierenden geringer, aber eben falls relevant sind. Nur wenige Unternehmen planen, in den kommenden fünf Jahren neue Angebote einzuführen. Als zentrale Hemmnisse nennen Unternehmen ungünstige Rahmenbedingungen für die Anmietung von Wohnraum, fehlende Kooperationspartner, rechtliche, organisatorische und steuerliche Unsicherheiten sowie einen hohen administrativen Aufwand. Punktuell kann das Mitarbeiterwohnen zur Entspannung der Wohnungsmärkte beitragen.«
FinanzKommission Gesundheit (2026): Erster Bericht der Finanzkommission Gesundheit. Empfehlungen zur Stabilisierung des Beitragssatzes zur Gesetzlichen Krankenversicherung ab 2027, Berlin, März 2026
➔ Kurzfassung: FinanzKommission Gesundheit (2026): Management Summary. Erster Bericht der Finanzkommission Gesundheit, Berlin, März 2026
Initiative Faire Landarbeit (2026): Bericht 2025. Saisonarbeit in der Landwirtschaft, Frankfurt am Main: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), März 2026
Kathrin Jürchott et al. (2026): Pflegeeintritt und Erstbegutachtung bei betagten Menschen im Zeitverlauf. Ein empirischer Beitrag auf Basis von Daten der Sozialen Pflegeversicherung und der Medizinischen Dienste, Berlin: Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), März 2026
»Während die Zahl der erstmals pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren von 2019 bis 2024 weitgehend konstant geblieben ist, hat sich die Altersstruktur verschoben. Menschen treten zunehmend früher in die Pflegebedürftigkeit ein und beginnen häufiger mit niedrigeren Pflegegraden.«
Bundesfinanzministerium: „Reformen für ein starkes Land“: Rede von Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung am 25.03.2026
Wie modernisieren wir Deutschland? Konkrete Ideen für ein Reformpaket hat Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil bei der Bertelsmann Stiftung vorgestellt. „2026 wird uns Mut abverlangen“, sagte er in seiner Rede. „Deutschland braucht grundlegende Reformen.“
Florian Blank (2026): Wer hat, dem wird gegeben. Der Regierungsentwurf zur Reform der privaten Vorsorge. WSI Policy Brief Nr. 97, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»Im Bundestag wird ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform der staatlich geförderten privaten Altersvorsorge („Riester-Rente“) diskutiert. Der Policy Brief analysiert die Vorschläge zur Änderung der Förderung durch Zulagen und Sonderausgabenabzug. Im Ergebnis fällt der bisherige Fokus auf die Förderung von Geringverdienern deutlich schwächer aus.«
Yvonne Lott und Eileen Peters (2026): Zurück ins Büro? Verbreitung, Hintergründe und Folgen von Return-to-Office-Initiativen. WSI Policy Brief Nr. 96, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»Immer mehr Unternehmen in Deutschland verpflichten ihre Beschäftigten wieder zur Arbeit im Büro. Diese sogenannten Return-to-Office-Initiativen (RTO) sorgen vielerorts für Unmut – denn Homeoffice ist für viele Menschen längst mehr als ein Arbeitsmodell: Es ermöglicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dieser Policy Brief untersucht, wie weit RTO-Initiativen in Deutschland verbreitet sind und welche Gründe es dafür gibt – offiziell wie inoffiziell. Außerdem beleuchtet er die Folgen für die Beschäftigten: Wie zufrieden sind sie mit der Rückkehr ins Büro? Und welche Auswirkungen hat diese auf ihr Wohlbefinden und ihre Arbeitszufriedenheit? Grundlage der Analyse ist die WSI-Erwerbspersonenbefragung vom November und Dezember 2025.«
Hermann Gartner et al. (2026): Arbeitsmarktentwicklung 2026: Fiskalpolitischer Rückenwind trifft auf geopolitischen Gegenwind. IAB-Kurzbericht, Nr. 5/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich seit drei Jahren schwach. Die Fiskalpakete werden die Konjunktur zwar beleben, mit dem Irankrieg sind allerdings neue geopolitische Risiken hinzugekommen. Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich, insbesondere die Beschäftigungsentwicklung stößt aber an Grenzen. Der Kurzbericht gibt einen Ausblick auf die Entwicklungen im Jahr 2026.«
➔ dazu: Christiane Keitel (2026): IAB-Prognose 2026: „Die Konjunktur profitiert von fiskalischen Impulsen, bleibt aber durchwachsen“, in: IAB-Forum, 24.03.2026: »Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche zeichnet sich für 2026 wieder eine leichte konjunkturelle Belebung ab. Gleichzeitig bleibt das Umfeld angesichts geopolitischer Risiken unsicher. Welche Folgen das für den deutschen Arbeitsmarkt hat, erklärt Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB, im Interview.«
Jurek Tiedemann et al. (2026): Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt – erste Impulse durch Sondervermögen?, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), März 2026
»Im Jahr 2025 konnten durchschnittlich über 369.500 offene Stellen für Qualifizierte rechnerisch nicht besetzt werden, was jeder dritten (33,3 Prozent) offenen Stelle entspricht. Damit ist die Fachkräftelücke gegenüber 2024 um fast ein Viertel (24,1 Prozent) gesunken. Für viele Unternehmen bleibt die Stellenbesetzung dennoch herausfordernd.«
Johanna Siebert und Mara Buchstab (2026): Arbeit und Demokratie an der Basis. Politische Maßnahmen zum Ausbau guter Beschäftigung und demokratischer Teilhabe in der Basisarbeit, Berlin: Das Progressive Zentrum, März 2026
Ulrich Walwei (2026): Instrumente der Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik während der Corona-Pandemie – Krisenmanagement und Verbesserungspotenziale. Stellungnahme des IAB anlässlich einer Arbeitsgruppensitzung der Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ des Deutschen Bundestags am 26.2.2026. IAB-Stellungnahme, Nr. 5/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Neben der insgesamt positiven Einschätzung des Kriseninstrumentariums werden aus den Erkenntnissen der Wirkungsforschung zum staatlichen Krisenmanagement Verbesserungspotenziale für die Bewältigung künftiger Krisen dieser Art generiert.«
DKG (2026): DKG-Fachkräftemonitoring 2026, Berlin: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), März 2026
Die deutschen Krankenhäuser haben in den vergangenen Jahren umfangreich Personal aufgebaut. Mit rund 1,7 Millionen Beschäftigten ist das Krankenhauswesen heute einer der bedeutendsten Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktoren Deutschlands. Das sind Ergebnisse des diesjährigen Fachkräftemonitorings der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Die Zahl der Beschäftigten im Pflegedienst, die mit rund 40 Prozent die größte Gruppe der Krankenhausbeschäftigten ausmachen, hat sich dabei besonders stark entwickelt. Umgerechnet in Vollzeitäquivalenten ist sie in den vergangenen zehn Jahren um rund 90.000 auf fast 409.000 im Jahr 2024 gestiegen. Damit wurde die Zahl von 400.000 erstmals überschritten. Die Zahl der Vollzeitäquivalente im ärztlichen Bereich ist im selben Zeitraum um etwa 30.000 auf mehr als 180.000 gewachsen. Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Beschäftigten der deutschen Krankenhäuser um 31 Prozent bzw. rund 313.000 gestiegen.
Marcel Helbig, Claudia Karwath und Corinna Kleinert (2026): Von der Kita bis zur Uni. Wie soziale Ungleichheiten unseren Bildungsweg beeinflussen, Münster, New York: Waxmann Verlag, 2026
»Wir wissen, dass sich in Deutschland die soziale Herkunft besonders stark auf den Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen auswirkt. Andere Fragen sind weniger gut beantwortet: In welchem Alter und wann im Bildungsverlauf entstehen diese sozialen Ungleichheiten und wie entwickeln sie sich weiter? Bei welchen Bildungsindikatoren – Kompetenzen, Bewertungen durch Lehrkräfte und Bildungsentscheidungen – treten sie zutage? Und welche familiären Merkmale – Armut, Bildung, beruflicher Status oder Migrationshintergrund – entscheiden über Bildungskarrieren? Die Studie beantwortet diese Fragen, in dem sie erstmals alle vorschulischen und schulischen Startkohorten des Nationalen Bildungspanels in Deutschland analysiert. Dadurch können Bildungsverläufe von der Kita bis zum Studium untersucht werden. Die Studie richtet sich dabei nicht nur an ein wissenschaftliches Publikum, sondern arbeitet auch für die interessierte Öffentlichkeit heraus, wo und wann sich soziale Ungleichheit (re)produziert.«
➔ dazu: Marcel Helbig et al. (2026): Wann soziale Ungleichheiten entstehen. Analyse sozialer Ungleichheitsmuster von der Geburt bis zum Studieneintritt. LIfBi Forschung kompakt, Bericht Nr. 7, Bamberg: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), März 2026
»Der vorliegende Bericht präsentiert die Kernergebnisse einer Studie, die erstmals umfassend analysiert, wie soziale Herkunft in Deutschland den gesamten Bildungsverlauf eines Menschenbeeinflusst – von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium und Ausbildung. Die Analysezeigt, dass soziale Bildungsungleichheiten bei Kompetenzen sehr früh einsetzen und dann lange stabil bleiben. Bei Zertifikaten verstärken sie sich über sozial ungleiche Bewertungen durch Lehrkräfte und über sozial ungleich geprägte Bildungsverläufe. Die Studie erstellt dabei keine Momentaufnahme, sondern analysiert, wie sich frühentstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln. Die Autoren identifizieren die Quellen der Ungleichheiten im Bildungsverlauf differenziert und liefern damit einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie Bildung in Deutschland gerechter gestaltet werden kann.«
Johannes Steffen (2026): Rentenanpassung 2026. Altersbezüge profitieren vom Lohnzuwachs 2025 – »Nettoquoten-Effekt« lässt Renten aber geringfügig schwächer steigen als die anpassungsrelevanten Bruttolöhne, Berlin, März 2026
Matthias Collischon et al. (2026): Arbeitsbedingungen vor, während und nach der Covid-19-Pandemie: Die Beschäftigungsqualität ist weitgehend stabil geblieben. IAB-Kurzbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Hat die Covid-19-Pandemie unsere Arbeitswelt nachhaltig verändert? Antworten auf diese zentrale Frage gibt eine eingehende Analyse der Entwicklung verschiedener Dimensionen der Beschäftigungsqualität während und nach der Pandemie. Neben einer umfassenden Betrachtung aller abhängig Beschäftigten liegt ein besonderes Augenmerk auf den sogenannten systemrelevanten Beschäftigten, deren Arbeitsbedingungen während der Pandemie häufig im Mittelpunkt öffentlicher Debatten standen.«
Thomas Klie (2026): Pflegearmut. Eine explorative Studie, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband– Gesamtverband, März 2026
»Rund 4,9 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Etwa 390.000 von ihnen haben Anspruch auf die Sozialleistung ‘Hilfe zur Pflege’, wenn ihr Einkommen und Vermögen zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um ihre Bedarfe zu decken. Nur 76.000 Betroffene erhalten diese Hilfe aber tatsächlich. Die Studie ermittelt die Zahl der potenziell Anspruchsberechtigten auf die Sozialleistung ‘Hilfe zur Pflege’ mittels Modellrechnungen, die auf Daten des Statistischen Bundesamtes zur Grundsicherung beruhen. Dabei zeigen sich regional massive Unterschiede beim Zugang zur ‘Hilfe zur Pflege’: Während im Saarland nur jede zehnte zu Hause gepflegte Person die ihr zustehende Leistung in Anspruch nimmt, ist es in Sachsen-Anhalt jede fünfte und in Hamburg immerhin mehr als jede dritte.«
Alexander S. Kritikos et al. (2026): Nur ein Bruchteil der Selbstständigen in Deutschland sorgt nicht für das Alter vor, in: DIW Wochenbericht, Nr. 12/2026
»Eine Rentenversicherungspflicht für Selbstständige steht immer wieder im Mittelpunkt der politischen Diskussion. Dabei wird das Bild der „schutzbedürftigen Solo-Selbstständigen“ gezeichnet, die im Alter dem Sozialstaat zur Last fallen. Die empirische Basis über die Altersabsicherung von Selbstständigen ist bislang jedoch lückenhaft. Vor diesem Hintergrund untersucht der Wochenbericht die ökonomische Lage der Selbstständigen in Deutschland sowie Art und Umfang ihrer Altersvorsorge. Die Analyse auf Basis eines neuen repräsentativen Datensatzes zeigt: Die große Mehrheit von 93 Prozent der Selbstständigen nutzt mindestens eine der in diesem Bericht betrachteten Optionen aus freiwillig flexibler Altersvorsorge (Immobilien), freiwillig periodischer Altersvorsorge (Lebensversicherungen) und obligatorischer Altersvorsorge (gesetzliche Rentenversicherung). Lediglich rund sieben Prozent der Selbstständigen sorgen überhaupt nicht für das Alter vor. Eine verpflichtende Altersvorsorge sollte sich gezielt auf diese Gruppe konzentrieren. Sie könnte etwa in einer Vorsorgequote unter Anerkennung vielfältiger Vorsorgeformen münden, ergänzt durch staatlich finanzierte Zuschüsse zu den Versorgungsaufwendungen für Geringverdienende. Dabei sollten flexible Zahlungsmöglichkeiten ermöglicht werden, um der wirtschaftlichen Realität von Selbstständigen zu entsprechen.«
Nora Jehles (2026): Frühe Chancen. Schuleingangsuntersuchungen für Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit nutzen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
»Soziale Ungleichheiten manifestieren sich bereits im frühen Kindesalter und prägen Bildungs-, Gesundheits- und Teilhabechancen. Kommunen stehen vor der Herausforderung, knappe Ressourcen zielgerichtet und bedarfsgerecht einzusetzen, verfügen jedoch häufig nur über begrenzte kleinräumige Daten. Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) bietet ein bislang nicht ausgeschöpftes Potenzial für frühe Bedarfserkennung, kommunale Steuerung und Evaluation. Praxisbeispiele zeigen, wie SEU-Daten zur Sichtbarmachung sozialer Ungleichheiten, Ressourcensteuerung und Entwicklung präventiver Ansätze genutzt werden können.«
Luisa Braunschweig et al. (2026): Beschäftigungsaufnahmen aus dem SGB-II-Leistungsbezug und ihre Nachhaltigkeit: Qualifikation und Berufserfahrung zahlen sich aus. IAB-Forschungsbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Dieser Forschungsbericht untersucht die Nachhaltigkeit von Übergängen aus Erwerbslosigkeit im SGB-II-Leistungsbezug in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Hinblick auf die aufgenommenen Berufe. Gut die Hälfte dieser Beschäftigungsaufnahmen im Jahr 2018 führte demnach zu einer Beschäftigung mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten. Am häufigsten wurde eine Beschäftigung in den Verkehrs- und Logistikberufen aufgenommen. Die Dauer der aufgenommenen Beschäftigung variiert jedoch stark zwischen den Berufen.«
Bernhard Boockmann et al. (2026): Unterstützung durch Jobcenter. Wie Leistungsbeziehende die Grundsicherung wahrnehmen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Die Studie ist Teil der Untersuchung „Lebenssituation und Erfahrungen von Bürgergeldbeziehenden (LEBez)“ des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und des SOKO Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Sie untersucht, wie Leistungsbeziehende die Beratung ihres Jobcenters wahrnehmen und wie sie Leistungsminderungen und das Bürgergeld bzw. die Grundsicherung insgesamt bewerten. Die Studie zeigt unter anderem, dass die Mehrheit der Leistungsbeziehenden mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden ist. Allerdings sagt knapp die Hälfte, dass die Termine beim Jobcenter „nichts bringen“. Daneben ist über die Hälfte der Befragten der Meinung, dass von Leistungsbeziehenden eine Gegenleistung verlangt werden kann. Die Befragung erfolgte vom 15. April bis 18. Juni 2025. Zielgruppe waren erwerbsfähige Leistungsbeziehende zwischen 25 und 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld beziehen und arbeitslos oder arbeitsuchend sind. Die Stichprobe wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezogen.«
Jochen Pimpertz (2026): Alterssicherung – eine Frage von Einkommen und Vermögen. Stellungnahme zum Fragenkatalog der Alterssicherungskommission der Bundesregierung. IW-Report, Nr. 10/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung soll einerseits eine Kennziffer für das Gesamtversorgungsniveau aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und geförderter Privatvorsorge entwickeln. Andererseits soll es darum gehen, wie der Lebensstandardsicherung im Alter gesichert werden kann. Beide Arbeitsaufträge können zu unterschiedlichen Ableitungen führen: Soll das Gesamtversorgungsniveau aus den drei Säulen maßgeblich für Reformen sein, dann wird damit implizit unterstellt, dass die Bedarfe im Alter vorrangig über monatliche Renten aus den drei Versicherungssystemen gedeckt werden sollen. Der Lebensstandard lässt sich aber auch durch Vermögen absichern. Das ist der Grund, warum Leistungen der Grundsicherung oder das Wohngeld eine Prüfung der Einkommens- und Vermögensverhältnisse voraussetzen.«
Ralph Henger et al. (2026): Wohngeld – quo vadis? Wie die Vorteile erhalten bleiben können. IW-Kurzbericht, Nr. 22/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Seit der Wohngeld-Plus-Reform 2023 steht das Wohngeld verstärkt in der Kritik. Durch die zeitgleiche Stärkung des Kinderzuschlags hat sich für Familien bei einer kombinierten Inanspruchnahme mit dem Kinderzuschlag der Einkommensbereich vergrößert, in dem eine Arbeitsausweitung kaum oder gar nicht zu einem höheren verfügbaren Einkommen führt. Die Kritik ist insgesamt berechtigt, jedoch liegen die Ursachen nicht allein am Wohngeld, sondern am Transfersystem insgesamt und einer mangelhaften Abstimmung der vorrangigen Leistungen untereinander. Reformvorschläge sollten daher auf diese Problematik fokussieren und nicht darauf abzielen, das Wohngeld mit seiner Systematik abzuschaffen. Leider zeigt sich, dass in der aktuellen Debatte über mögliche Reformen die erhebliche wohnungspolitische Bedeutung des Wohngelds nicht ausreichend berücksichtigt wird.«
Thorsten Kalina (2026): Niedriglohnbeschäftigung 2023 – Hohes Armutsrisiko unter Niedriglohnbeziehenden. IAQ-Report 2026-03, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), März 2026
»Die außerplanmäßige Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 € im Oktober 2022 hat gerade niedrige Stundenlöhne deutlich angehoben. Dieser positive Trend hat sich allerdings 2023 nicht fortgesetzt. Ein besonders hohes Niedriglohnrisiko hatten 2023 Minijobber*innen (79,4 %), Jüngere (43,5 %), Geringqualifizierte (41,9 %), befristet Beschäftigte (37,2 %) sowie Ausländer*innen (28,4 %) und Frauen (23,5 %). Niedriglohnbeschäftigte sind mit 22,6 % sehr häufig armutsgefährdet. Für die abhängig Beschäftigten insgesamt liegt das Armutsrisiko bei 7,3 % und ist damit deutlich geringer als in der Bevölkerung insgesamt (17,7 %). Ein wesentliches Armutsrisiko der Niedriglohnbeziehenden liegt im Erwerbsumfang, sowohl individuell als auch auf der Haushaltsebene. Die Subventionierung von niedrig entlohnter Beschäftigung sollte von den Minijobs hin zu substanzieller Teilzeit verlagert werden.«
Franziska Arndt et al. (2026): Mit Benefits gegen den Bewerbermangel? Angebot und Nachfrage von betrieblichen Zusatzleistungen im Ausbildungsmarketing, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Der Ausbildungsmarkt ist weiterhin von massiven Passungsproblemen geprägt: zuletzt konnten 84.000 ausbildungsinteressierte Jugendliche nicht vermittelt werden, während gleichzeitig über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden und werben deshalb intensiver um Nachwuchs – zunehmend auch mit freiwilligen Zusatzleistungen, sogenannten Benefits. Von 2019 bis 2025 hat sich die Nennung verschiedener Zusatzleistungen – vom Urlaubsgeld bis zu betrieblichen Gesundheitsangeboten – verdrei- oder vervierfacht. Dieser Trend zeigt sich nicht nur in Ausbildungsstellen – auch in anderen Arbeitsmarktsegmenten wird deutlich häufiger mit Benefits geworben. Das heißt, allein über die Menge an Benefits können sich Ausbildungsangebote gegenüber beispielsweise Helferjobs nur begrenzt abheben. Wichtiger ist, welche Leistungen angeboten werden und dass sie Teil einer umfassenden, zielgruppengerechten Marketingstrategie sind.«
Roland Bloch und Mathias Kuhnt (2026): Arbeiten unter dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz: Ein Sittengemälde. Auswertung von Freifeldangaben aus der Evaluation des WissZeitVG, Dresden 2026
David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
Johannes Geyer et al. (2026): Wege zur Reform der Pflegeversicherung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Die Pflegeversicherung steht finanziell unter erheblichem Druck. Die Ausgaben steigen schneller als die Einnahmen. Dabei steht die eigentliche Herausforderung der demografischen Alterung in den nächsten Jahrzehnten erst noch bevor. Welche Reformen sollten jetzt ergriffen werden, um das System zu stabilisieren? Die Beiträge des Zeitgesprächs beleuchten kurz- und langfristige Ansätze – von einer stärkeren Priorisierung und Entflechtung der Leistungen über den Ausbau kapitalgedeckter Elemente und privater Vorsorge bis hin zu Fragen der Regulierung und der Rolle der Pflegelöhne.«
Maximilian Maurice Gail et al. (2026): Zugang zu Vor-Ort-Apotheken: eine Bestandsaufnahme der räumlichen Abdeckung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Die Zahl der Apotheken in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Dies führt dazu, dass ein nennenswerter Teil der Bevölkerung die nächstgelegene Apotheke fußläufig kaum noch erreichen kann. Mit einem eigenen Pkw ist die nächste Apotheke zwar in aller Regel gut zu erreichen, die Entfernungen zur übernächsten Apotheke können aber erheblich sein. Bei der Bewertung dieser Befunde ist zu bedenken, dass der Gesetzgeber keine konkreten Definitionen zur im öffentlichen Interesse gebotenen Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln durch Apotheken formuliert hat. Unter Anwendung der Maßgaben des Postgesetzes als Orientierungshilfe für die Apothekenversorgung zeigt sich, dass in ca. 900 Gemeinden oder 8 % der Gemeinden, die Anspruch auf eine Postfiliale haben, keine Vor-Ort-Apotheke vorhanden ist.«
Eric Schuß (2026): Zur Diskussion einer Ausbildungsumlage für die duale Berufsausbildung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Viele junge Menschen bleiben ohne Ausbildungsplatz – insbesondere in Großstädten. Um dieses Problem anzugehen, sind Betriebe in Bremen seit 2025 verpflichtet, eine Ausbildungsplatzabgabe zu leisten, auf deren Basis ein Umlagefonds aufgebaut wird. Ausbildende Betriebe erhalten dann für ihre Ausbildungsaktivitäten einen finanziellen Ausgleich aus diesem Fonds. Auch in Berlin hat sich die Landesregierung auf die Einführung einer solchen Ausbildungsumlage geeinigt. Doch die Reformen sind umstritten. Im vorliegenden Beitrag wird basierend auf nationaler und internationaler Forschung gezeigt, dass eine solche Umlage erfolgreich sein kann, wenn eine tatsächliche Unterversorgung mit Ausbildungsstellen vorliegt und die Umlage breit akzeptiert und spezifisch zugeschnitten wird. Anschließend wird mit einem Blick auf den Ausbildungsmarkt in Berlin und Bremen diskutiert, inwiefern diese Bedingungen dort gegeben sind.«
Vincent Rost und Daniel Erdsiek (2026): Gekommen, um zu bleiben: Homeoffice verstetigt sich auf hohem Niveau, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Der Ausbruch der Coronapandemie wirkte als eine Initialzündung zur Flexibilisierung der Arbeit in Form von Homeoffice-Angeboten. Eine repräsentative Umfrage unter deutschen Unternehmen in zwei Branchen (Informationswirtschaft und Verarbeitendes Gewerbe) zeigt, dass der Anteil der Unternehmen, in denen zumindest ein Teil der Mitarbeitenden auch im Homeoffice arbeitet, nach dem Ende der Pandemie nicht wesentlich zurückgegangen ist, sondern sich auf einem hohen Niveau stabilisiert hat. Unterschiede zeigen sich sowohl nach Branche als auch nach Unternehmensgröße. Positiv bewerten Unternehmen die Wirkung von Homeoffice-Angeboten auf die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten und die Akquise von Fachkräften. Eher Nachteile sehen sie für die Teamarbeit und die interne Kommunikation.«
Karin Schulze Buschoff et al. (2026): Sorgen und Belastungen während und nach der Corona-Krise. (Solo-)Selbstständige (und) Frauen besonders stark betroffen. WSI Policy Brief Nr. 95, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»Corona hat die Verwundbarkeit von Selbstständigen besonders sichtbar gemacht. Daten des WSI zeigen, dass vor allem die spezifischen Risiken solo-selbstständiger Frauen in der Sozialpolitik nur sehr unzureichend berücksichtigt werden.«
Moritz Czygan und Britta Langenberg (2026): Leider teuer. Riester- und Rüruprenten: Wie hohe Kosten und schwache Renditeaussichten den Kundennutzen deckeln, Berlin: Bürgerbewegung Finanzwende, März 2026
Michael Grömling (2026): Lohnquote auf hohem Niveau. IW-Kurzbericht, Nr. 20/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Zunehmende Ungleichheit wird für Wachstumsprobleme und eine politische Polarisierung verantwortlich gemacht. Mit Blick auf die makroökonomische Verteilung hat sich die Einkommensentstehung langfristig jedoch nicht zulasten der Arbeitseinkommen und zugunsten der Kapitaleinkommen verschoben.«
Wido Geis-Thöne (2026): Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert. IW-Kurzbericht, Nr. 19/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Fast 60 Prozent der in Deutschland lebenden Iraner im erwerbsfähigen Alter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wohingegen dies nur auf etwas mehr als die Hälfte der ausländischen Bevölkerung insgesamt zutrifft. Zudem üben die iranischen Staatsangehörigen weit häufiger qualifizierte Fachkrafttätigkeiten aus.«
Franz Neuberger et al. (2026): Wenn es erst an Personal und dann an Vertrauen mangelt. Wahrgenommene Qualität, Schließungserfahrungen und der Wandel der Nicht-Nutzungsgründe in der Kindertagesbetreuung, München: Deutsches Jugendinstitut (DJI), März 2026
Andrea Hammermann und Oliver Stettes (2026): Vertrauensarbeitszeit und Qualität der Arbeit. Eine empirische Analyse selbstbestimmter Arbeitszeitgestaltung. IW-Report, Nr. 9/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Im Koalitionsvertrag zur 21. Legislaturperiode sehen CDU, CSU und SPD vor, die Arbeitszeiterfassung unbürokratisch zu regeln und Vertrauensarbeitszeiten im Einklang mit der EU-Arbeitszeitrichtlinie weiterhin ohne Zeiterfassung zu ermöglichen. Ein Versprechen, welches Befürworter von verschärften Aufzeichnungspflichten mit dem Verweis auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz kritisch sehen. Eine faktische Abschaffung von Vertrauensarbeitszeiten würde in Deutschland jedoch bestehende Gestaltungsspielräume vieler Beschäftigten einschränken, bei denen keine gesundheitlichen oder arbeitsschutzrelevanten Risiken bestehen.«
Juho Alasalmi (2026): Artificial Intelligence in the European Labour Markets, Duisburg/Bremen: DIFIS – German Institute for Interdisciplinary Social Policy Research, February 2026
Sebastian Kohl et al. (2026): Ungleiche Wohnraumverteilung. Über- und Unterbelegung auf dem deutschen Wohnungsmarkt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2026
Alice Dillbahner und Bernhard Boockmann (2026): Einführung eines digitalen, europäischen Erwerbstätigenausweises. Forschungsbericht 678, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Februar 2026
»Die Expertise untersucht, wie die Kontrolle von grenzüberschreitend tätigen Arbeitnehmern in der EU – mit Fokus auf Deutschland, Frankreich und Polen – durch eine bessere Nutzung und einen stärkeren Austausch von Daten verbessert werden kann und welche Rolle ein digitaler europäischer Erwerbstätigenausweis dabei spielen könnte. Grundlage sind die Analyse der einschlägigen europäischen und nationalen Rechtsgrundlagen, Dateninfrastrukturen und der vorhandenen europäischen Projekte sowie qualitative Interviews mit Experten von Kontrollbehörden, Sozialversicherungen, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften.«
Deutsche Bischofskonferenz (2026): „Den Weg des Lebens gehen“. Leitlinien zur Prävention von Suiziden und zum Umgang mit Suizidwünschen in Einrichtungen katholischer Trägerschaft, Bonn, Januar 2026
»Die aktuelle Rechtslage zum assistierten Suizid ist komplex, dynamisch und mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Für Einrichtungen katholischer Trägerschaft bedeutet dies nicht nur eine ethische, sondern zunehmend auch eine rechtliche Herausforderung. Die Leitlinien „Den Weg des Lebens gehen“ unterstützten Verantwortliche dabei, in diesem sensiblen Feld klar positioniert, handlungssicher und rechtlich vorbereitet zu agieren. Das Dokument vermittelt eine fundierte Einordnung der Rechtsprechung seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 und zeigt auf, welche rechtlich zulässigen und gebotenen Maßnahmen katholische Einrichtungen ergreifen können, um ihr Selbstverständnis zu schützen und Suizidassistenz wirksam auszuschließen. Ein besonderer Mehrwert liegt in den konkreten juristischen Musterklauseln für Verträge, Hausordnungen und Leitbilder, die helfen, Konflikt- und Haftungsrisiken zu minimieren und sich auf mögliche rechtliche Auseinandersetzungen vorzubereiten. Zugleich verbinden die Leitlinien rechtliche Klarheit mit einer ethisch und pastoral verantworteten Praxis: Sie stärkt die Suizidprävention, fördert eine Kultur der Lebensbejahung und gibt Mitarbeitenden Sicherheit im Umgang mit Suizidwünschen – auch in konfliktträchtigen Situationen.«
Martin Behrens und Wolfram Brehmer (2026): Wer geht zur Betriebsratswahl? Befunde aus der Betriebsräte- und der Erwerbspersonenbefragung des WSI. WSI-Report Nr. 110, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»In den alle vier Jahre stattfindenden Betriebsratswahlen entscheiden die Beschäftigten darüber, wer sie im Betrieb vertritt. Die Wahlen sind wichtig für die Erneuerung und Stabilisierung der Betriebsräte, sie stärken darüber hinaus auch deren Verankerung in der Belegschaft. Daher kommt auch der Wahlbeteiligung eine große Bedeutung zu. Analysen auf Basis der Betriebsräte- und der Erwerbspersonenbefragung des WSI zeigen, dass die Wahlbeteiligung durch drei Faktorenbündel beeinflusst wird: Neben betrieblichen Einflüssen und hier insbesondere der Betriebsgröße, spielen Aspekte der Schutzbedürftigkeit und Integration der Beschäftigten ebenso eine Rolle wie das genutzte Verfahren der Betriebsratswahl. Insgesamt steigt die Wahlbeteiligung – so zeigen multivariate statistische Analysen -, wenn die Möglichkeit der Personenwahl angeboten wird und der gewerkschaftliche Organisationsgrad hoch ist; sie sinkt bei einem hohen Anteil atypisch Beschäftigter (insbesondere von Minijobs), aber auch mit zunehmender Betriebsgröße.«
Heinz Rothgang et al. (2026): Hilfe zur Pflege in Pflegeheimen – Entwicklung der Sozialhilfequote 2024-2035 unter Berücksichtigung aktueller Reformoptionen. Sonderanalyse im Auftrag der DAK-Gesundheit, Bremen, Februar 2026
Fiona Herrmann et al. (2026): Erwerbsbeteiligung von Frauen ab 45. Empirische Evidenz zum Einfluss finanzieller Anreize, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, März 2026
➔ dazu: Nach Kinderphase: Ehegattensplitting bremst Beschäftigung von Frauen aus (05.03.2026): »Knapp die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Frauen in Deutschland im Alter von 45 bis 66 Jahren gibt an, dass sich eine Ausweitung der Arbeitszeit für sie finanziell nicht lohnt. Sie werden durch das für sie steuerlich ungünstige Ehegattensplitting ausgebremst: Bliebe vom Zusatzverdienst mehr Netto übrig, würden mehr Frauen erwerbstätig werden oder ihre Arbeitszeit ausweiten. Damit könnten 175.000 zusätzliche Vollzeitstellen besetzt werden. Zudem ginge der Anteil schlecht abgesicherter Minijobs zugunsten sozialversicherungspflichtiger Voll- oder Teilzeitbeschäftigung zurück.«
Malte Lübker und Thorsten Schulten (2026): WSI-Mindestlohnbericht 2026. Konsolidierung der neuen Europäischen Mindestlohnpolitik. WSI Report Nr. 111, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»In den vergangenen Jahren hat die Mindestlohnpolitik in Europa einen tiefgreifenden Wandel erlebt: Die Mindestlöhne wurden deutlich angehoben und auf das Ziel ausgerichtet, einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Inzwischen zeichnet sich eine Konsolidierung des neuen Kurses ab: Viele EU-Staaten orientieren sich bei der Bemessung der Mindestlohnhöhe mittlerweile an Referenzwerten, wie sie in der Europäischen Mindestlohnrichtline empfohlen werden, die unlängst vom Europäischen Gerichtshof für grundsätzlich europarechtskonform erklärt wurde. In Deutschland hat die Mindestlohnkommission den Mindestlohn deutlich erhöht und verfolgt nun das Ziel, 60 % des Medianlohns zu erreichen. Da eine gesetzliche Verankerung des Referenzwerts noch aussteht, steht der Fortschritt hierzulande allerdings auf tönernen Füßen.«
➔ dazu: Mindestlohn: EU-Richtlinie trägt zu dynamischer Entwicklung in weiten Teilen Europas bei (05.03.2026)
Holger Schäfer und Stefanie Seele (2026): Arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit von gemeinsamen Einrichtungen und zugelassenen kommunalen Trägern. Gutachten im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitsgeberverbände, Berlin: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die zweigeteilte Trägerschaft in der Grundsicherung zwischen gemeinsamen Einrichtungen von Arbeitsagentur und Kommune auf der einen Seite und rein kommunalen Trägern auf der anderen Seite ist historisch gewachsen. Dem Konnexitätsprinzip wird dabei nur unzureichend Rechnung getragen. Erstens besteht aufgrund von gemischten Zuständigkeiten in allen drei Dimensionen Regelungskompetenz, Finanzierung sowie Durchführungskompetenz kein echter Ansatzpunkt für die Ausführungskonnexität, die für eine effiziente Leistungserbringung entscheidend ist. Zweitens ist das Problem bei den kommunalen Trägern noch einmal stärker ausgeprägt, weil Finanzierung (Bund), Fachaufsicht (Bundesländer) und Ausführung (Kommune) in unterschiedliche föderale Ebenen fallen. Demgegenüber bestimmt im Modell der gemeinsamen Einrichtungen mit der Bundesagentur für Arbeit ein Agent des Bundes über wesentliche Parameter der Leistungserbringung. Die wenigen Befunde der Evaluationsforschung zeigen kein vollkommen eindeutiges Bild hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der zwei Trägertypen. In vielen Modellen zeigt sich ein Vorsprung der gemeinsamen Einrichtungen, wenn auf die Integration in Arbeit als übergeordnetes Ziel fokussiert wird. Es gibt aber auch einzelne Konstellationen, in denen dieser Vorsprung nicht statistisch signifikant ist oder sich sogar ein signifikanter Nachteil zeigt. Die bislang jüngste Untersuchung ergibt eine höhere Integrationsleistung für die gemeinsamen Einrichtungen.«
Lukas Kammerlander et al. (2026): „Wir haben ein paarmal überlegt, alle gleichzeitig zu kündigen“. Kollektive Herstellung arbeitsweltbezogener Positionierungen in Gruppendiskussionen. Forschungsförderung Working Paper Nr. 398, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, März 2026
»Übergänge in die Arbeitswelt sind komplexer als oft angenommen. Junge Menschen sehen sich Zuschreibungen und Erwartungen gegenüber und vertreten zugleich eigene Ansprüche. Dieser Vielzahl an teils widersprüchlichen Fremd- und Selbstpositionierungen versucht die Studie mit dem Konzept arbeitsweltbezogener Positionierungen theoretisch und empirisch gerecht zu werden. In zehn Gruppendiskussionen zeigen sich erste Ergebnisse: Während die befragten jungen Menschen generationale Zuschreibungen zumeist ablehnen, halten sie an erwerbszentrierten Lebensmodellen fest. Geschlechtliche Rollenteilungen werden jedoch zurückgewiesen. Obwohl Ungerechtigkeitserfahrungen geteilt werden, fehlen kollektive Solidarisierungsformen. Stattdessen dominieren individuelle Bewältigungsstrategien.«
Helin Alagöz-Gessler et al. (2026): Rechtlich gleichgestellt – praktisch benachteiligt? EU-Zugewanderte in Deutschland. Studie zu den Gründen für Zu- und Abwanderung, Berlin: Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, März 2026
Helmut Hildebrandt et al. (2026): Delegation im Praxisteam: Ein starker Hebel für die Sicherung der Versorgung. Potenzialanalyse zum Einsatz weitergebildeter und akademisierter Praxisassistenzberufe in der hausärztlichen Versorgung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Die Studie macht deutlich, welches Potenzial in der stärkeren Einbindung speziell qualifizierter Gesundheitsfachberufe in die hausärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten steckt. Sie zeigt, warum weniger Arztzentrierung und eine teamorientierte Aufgabenverteilung eine realistische Antwort auf den drohenden Hausärztemangel sein kann.«
➔ dazu: Johannes Leinert et al. (2026): Teamarbeit gegen den Ärztemangel. Aufgabenteilung aus Sicht der Hausärzte, der Bevölkerung und der Patienten, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Ein Hausärztemangel muss nicht zum Versorgungsmangel werden, wenn Hausärztinnen und -ärzte sich stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Ein Lösungsansatz: Bislang ärztlich ausgeführte Aufgaben werden stärker an andere Gesundheitsfachkräfte übertragen. Doch wie stehen die Betroffenen dazu? Vier aktuelle Befragungen der Bertelsmann Stiftung zeigen: Mehr Aufgabenübertragung wird von Hausärzteschaft und medizinischem Nachwuchs gewünscht, von der Bevölkerung mitgetragen und von den Patienten geschätzt.«
➔ Hausärztemangel beseitigen: Nicht-ärztliches Personal sollte mehr Aufgaben übernehmen (02.03.2026)
Hares Sarwary et al. (2026): KI in der Pflege zwischen Anspruch und Realität – Empfehlungen für die Praxis aus dem Projekt ETAP, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), März 2026
»Die Implementierung von digitalen Innovationen ist in der stationären Altenpflege mit vielen Herausforderungen verbunden, für die sich unterschiedliche Lösungsoptionen aufzeigen lassen. Eine stabile IT-Infrastruktur und Interoperabilität sind zentral, um einen nachhaltigen Nutzen zu schaffen und Insellösungen zu vermeiden. Kontinuierliche und praxisnahe Schulungsangebote für Pflege- und IT-Personal müssen Teil einer langfristig angelegten Digitalisierungsstrategie in Einrichtungen werden. Transparente Kommunikation innerhalb der Einrichtung ist ein entscheidender Faktor, um Erwartungen zu steuern und Vertrauen aufzubauen.«
Lennart Eckle (2026): Regionale Verankerung der Gewerkschaften in Deutschland. IW-Kurzbericht, Nr. 14/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Die Verankerung der Gewerkschaften unter den Beschäftigten ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesunken. Im Jahr 2023 war weniger als jeder fünfte Beschäftigte in Deutschland Mitglied einer Gewerkschaft. Eine Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt, dass innerhalb Deutschlands dabei deutliche regionale Unterschiede bestehen. Während Beschäftigte im Nordwesten vergleichsweise häufig gewerkschaftlich organisiert sind (19,4 Prozent), liegt Süddeutschland (11,6 Prozent) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (14,8 Prozent).«
Fabian Semsarha et al. (2026): Entgeltprüfung modernisieren. Mehr Fairness für KMU bei der Fachkräfteeinwanderung. IW-Kurzbericht, Nr. 16/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Die Entgeltprüfung der Bundesagentur für Arbeit (BA) soll faire Arbeitsbedingungen für Drittstaatsangehörige gewährleisten. In ihrer aktuellen Ausgestaltung kann es für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) in bestimmten Regionen und Berufen jedoch schwierig sein, die geforderten Mindestgehälter zu erreichen. Eine bürokratiearme Lösung könnte sein, Prüfungsobergrenzen analog zur Blauen Karte EU einzuführen.«
Lewe Bahnsen und Frank Wild (2026): Mehrumsatz und Leistungsausgaben von PKV-Versicherten. Jahresbericht 2026, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Februar 2026
Der Mehrumsatz, den Arztpraxen durch Privatversicherte erzielten, betrug im Jahr 2024 insgesamt 15,52 Mrd. Euro – 1,06 Mrd. Euro bzw. 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Mehrumsatz entsteht u. a. dadurch, dass Ärztinnen und Ärzte bei der Behandlung Privatversicherter keinen Budgets unterliegen und für viele Leistungen höhere Honorare als von gesetzlich Versicherten erhalten. Der größte Teil des Mehrumsatzes entfällt erneut auf den ambulant-ärztlichen Bereich. Der Mehrumsatz je Arztpraxis liegt laut WIP-Studie bei 82.171 Euro, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Obwohl Privatversicherte nur 10,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, tragen sie 21,8 Prozent zur Finanzierung der ambulant-ärztlichen Versorgung bei.
DKG (2026): Faktenpapier „Kostentreiber Krankenhaus?“ Gute Fragen, klare Antworten, Berlin: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), Stand: Januar 2026
David Schiefer und Hermann Siebel (2026): Familiäre Fürsorge über Grenzen hinweg. Warum Sozial- und Familienpolitik in Deutschland auf den Prüfstand gehört, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), 2026
»Von transnationalen Familien ist die Rede, wenn Angehörige in unterschiedlichen Ländern wohnen. Eine Umfrage des DeZIM.panels zeigt: Solche Konstellationen sind ein fester Bestandteil des Familienlebens in Deutschland. Rund 40 % der Befragten haben Angehörige im Ausland, besonders häufig Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Es leben also Millionen von Menschen in Deutschland, die familiäre Fürsorge bis hin zur Pflege über nationale Grenzen hinweg erbringen müssen. Transnationale Fürsorge wird dabei als belastender erlebt als die Fürsorge innerhalb Deutschlands. Gründe dafür sind größere räumliche Distanzen, höhere finanzielle Kosten sowie rechtliche Hürden. Somit gehört Sozial- und Familienpolitik in Deutschland auf den Prüfstand. Denn Regelungen und Unterstützungsangebote für familiäre Fürsorge adressieren primär innerstaatliche Familien.«
Maximilian Schaller et al. (2026): Gender Pay Gap: Persönlichkeitsmerkmale und Löhne hängen bei Frauen und Männern unterschiedlich zusammen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 9/2026
»Die geschlechtsspezifische Lohnlücke, der sogenannte Gender Pay Gap, beträgt in Deutschland derzeit 16 Prozent. Neben Faktoren wie Beruf, wöchentlicher Arbeitszeit, Branche und hierarchischer Position spielen auch Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle. Insbesondere emotionale Stabilität und Verträglichkeit sind signifikant mit dem Bruttostundenlohn assoziiert. Während emotionale Stabilität einen positiven Einfluss auf den Bruttostundenlohn hat, ist Verträglichkeit negativ mit diesem korreliert. Für den Gender Pay Gap ist dies aus zwei Gründen relevant. Erstens zeigen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), dass Frauen und Männer sich in diesen Merkmalen unterscheiden: Frauen haben im Durchschnitt höhere Werte bei Verträglichkeit, Männer hingegen bei emotionaler Stabilität. Zweitens scheinen diese Merkmale für Frauen und Männer eine unterschiedliche Rolle in Bezug auf die Lohnhöhe zu spielen. So ist der positive Zusammenhang zwischen emotionaler Stabilität und Bruttostundenlohn bei Frauen deutlich geringer ausgeprägt als bei Männern. Geschlechterstereotype können sowohl die Unterschiede in den Merkmalsausprägungen selbst als auch Unterschiede im Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und dem Stundenlohn erklären. Geschlechterstereotype abzubauen, etwa durch höhere Frauenanteile in Führungspositionen oder höhere Männeranteile in frauendominierten Berufen, könnten langfristig auch geschlechtsspezifische Lohnunterschiede vermindern.«
Svenja Pfahl et al. (2026): Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland: Fokus Sorgearbeit. WSI Report Nr. 109, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2026
»Wie fällt der Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern auf dem deutschen Arbeitsmarkt aus und welche Entwicklungen zeigen sich in den letzten Jahren? Welchen Einfluss hat insbesondere Fürsorgearbeit für Kinder und/oder pflegedürftige Personen auf geschlechterbezogene Unterschiede bei Erwerbsarbeit und Einkommen? Anhand zentraler Indikatoren aus dem WSI GenderDatenPortal (www.wsi.de/genderdatenportal) – mit einem Fokus auf Elternschaft und Sorgeverantwortung – liefert der vorliegende Report eine knappe und zusammenfassende Übersicht über den aktuellen Stand der Geschlechtergleichstellung in Deutschland. Die Analysen zeigen, dass sich positive Trends der Geschlechtergleichstellung vor allem bei den Einkommen und Rentenansprüchen (für Frauen) fortgesetzt haben. Bei der Erwerbsbeteiligung, den Teilzeitquoten sowie der Aufteilung von Haus- und Sorgearbeit stagniert die Geschlechterungleichheit hingegen auf hohem Niveau. Hintergrund hierfür sind die geschlechterspezifische Arbeitsteilung, die ungleiche Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und das gerade in Paarhaushalten vorherrschende sogenannte Zuverdienermodell, in welchem die Männer in Vollzeit und die Frauen in Teilzeit erwerbstätig sind, während die Frauen den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit leisten.«
Hanna Merki und Florian Schuster-Johnson (2026): Das Bildungsfinanzgeflecht. Eine Vermessung der Geldflüsse im Bildungs- und Betreuungssystem, Berlin: Dezernat Zukunft. Institut für Mikrofinanzen, Februar 2026
»Deutschland investiert zu wenig in Bildung – diese Diagnose ist seit Jahren bekannt. Dennoch sinkt die Bildungsqualität und die Investitionsbedarfe steigen. Dieses Papier zeigt: Die Ursachen liegen weniger in mangelnder Einsicht, sondern in den zersplitterten Finanzstrukturen selbst. Wir analysieren die Finanzströme im Bildungs- und Betreuungssystem im Detail. Dadurch wird sichtbar: Ausgaben für Personal und Qualität werden überwiegend von Ländern und Kommunen getragen, während sich der Bund vor allem punktuell und meist befristet beteiligt – etwa über Umsatzsteueranteile oder Sondervermögen. Bei den Investitionen ist die Lastenverteilung noch klarer: Sie liegen zu großen Teilen auf kommunaler Ebene, also genau dort, wo die fiskalischen Spielräume aktuell am stärksten eingeschränkt sind. Unser zentraler Befund ist entsprechend: Die Unterfinanzierung ist hausgemacht und resultiert aus einem komplexen Bildungsfinanzgeflecht. Zudem fallen die größten Finanzbedarfe in die Verantwortung der Kommunen. Durch Rekorddefizite und Haushaltsnotlagen können diese sie nicht stemmen. Für unsere künftige Arbeit skizzieren wir daher erste Ideen für einen gesamtstaatlichen Finanzierungsmechanismus, der vor allem den Bund stärker in die Verantwortung nimmt.«
DGB (2026): Kürzungen in der Eingliederungshilfe? Zur Empfehlung Nr. 17 der Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR), Berlin: DGB-Bundesvorstand, Abteilung Arbeitsmarktpolitik, Februar 2026
»Die Empfehlung Nr. 17 der Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR) zielt auf eine Begrenzung der Ausgaben in der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Sie steht im Kontext anhaltender Klagen von Ländern und Kommunen über steigende Kosten. Eine genauere Analyse zeigt: Der überwiegende Teil des Ausgabenanstiegs seit 2020 ist auf gestiegene Fallzahlen sowie auf allgemeine Lohn- und Preisentwicklungen zurückzuführen. Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil beruht auf Leistungsverbesserungen durch das Bundesteilhabegesetz (BTHG). Wer Kosten sparen will, indem entweder der Zugang zu Leistungen eingeschränkt wird, die Einkommen der Beschäftigten sinken, die Eigenbeteiligung erhöht oder Leistungsstandards gesenkt werden – der würde damit die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen rückabwickeln. Es ist legitim, über Effizienzreserven, bessere Koordination und Verwaltungsvereinfachungen in der Eingliederungshilfe zu sprechen. Solche Schritte können sinnvoll sein – und siewerden auch vom DGB unterstützt. Was jedoch nicht akzeptabel wäre, ist eine Reformagenda, die unter dem Schlagwort „Steuerung“ oder „Kostendämpfung“ faktisch die Errungenschaften des Bundesteilhabegesetzes zurückdreht. Teilhabe- und Inklusionsrechte sind keine freiwilligen Sozialleistungen, die in Zeiten angespannter Haushalte zur Disposition stehen. Sie sind Ausdruck des Sozialstaatsprinzips und der Verpflichtungen aus der UN-Behindertenrechtskonvention.«
Wido Geis-Thöne (2026): Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder: In Westdeutschland ist noch ein Ausbau nötig. Eine Betrachtung der aktuellen Lage sowie der voraussichtlichen Ausbaubedarfe bis zum Schuljahr 2029/2030 in den einzelnen Bundesländern. IW-Report, Nr. 7/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Mit dem Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) wurde im Jahr 2021 für ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeschulte Kinder ein Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz während der ersten vier Schuljahre beschlossen. In Westdeutschland besteht erheblicher Ausbaubedarf bei der Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. In Ostdeutschland und in Hamburg reichen die bestehenden Kapazitäten hingegen aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).«
Tobias Spöri et al. (2026): Hürdenlauf zur Wahlurne. Warum die Stimmabgabe für junge Menschen kein Selbstläufer ist, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2026
»Junge Menschen sind die Altersgruppe mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Unsere Studie untersucht die Ursachen und zeigt Handlungsoptionen auf, wie dies geändert werden kann. Wahlabstinenz unter jungen Menschen sollte nicht mit politischer Gleichgültigkeit gleichgesetzt werden. Junge Menschen sind politisch interessiert und zeichnen sich durch hohes Vertrauen in Politik aus – trotzdem wählen sie seltener. Die Studie identifiziert vier Hürden, die den Gang ins Wahllokal für junge Menschen erschweren und macht Vorschläge, wie man diese abbauen kann. Beispiele hierfür sind die Etablierung von Wahl-Erinnerungs-SMS seitens der Wahlämter oder die substanzielle Absenkung des Wahlalters. Die Stärkung der Wahlbeteiligung junger Menschen ist gerade in einer alternden Gesellschaft zentral, um resiliente demokratische Strukturen zu schaffen.«
➔ dazu: Warum junge Menschen seltener wählen – und was dagegen hilft (24.02.2026)
Philipp Fuchs et al. (2026): Interne ganzheitliche Integrationsberatung (INGA): Organisation und Praxis der Beratung von arbeitsmarktfernen Arbeitslosen im SGB III. IAB-Forschungsbericht, Nr. 3/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»Lange Zeit konzentrierten sich die Anstrengungen der Arbeitsvermittlung im SGB III vor allem auf Personen mit vergleichsweise guten Chancen auf eine zügige Re-Integration in den Arbeitsmarkt. Personen, die bei der Arbeitssuche mit größeren Hemmnissen konfrontiert sind, wurden vielfach nicht so intensiv gefördert, wie es möglich und sinnvoll gewesen wäre. Die „Interne ganzheitliche Integrationsberatung“ (INGA) richtet sich als spezialisiertes Beratungsangebot an Arbeitslose mit komplexen und multiplen Problemlagen und wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „Betreuung arbeitsmarktferner Arbeitsloser“ (BafAlo) mittels qualitativer Methoden untersucht. Der neue IAB-Forschungsbericht stellt die wesentlichen Ergebnisse zu INGA vor.«
Matthias Hartwig et al. (2026): Artificial Intelligence (AI) in the Nursing Profession in Germany. ILO Working Paper No. 161, Geneva: International Labour Office (ILO), 2026
»A new ILO Working Paper finds that AI adoption among nurses in Germany remains limited and has not yet reduced work intensity, highlighting the importance of human centred implementation.«
ILO (2026): Employment and Social Trends 2026, Geneva: International Labour Office (ILO), 2026
»The Employment and Social Trends 2026 report examines the state of global labour markets, highlighting stable headline employment alongside stalled progress in job quality and widening inequalities. The report analyses productivity, demographic and economic pressures shaping work in the year ahead and outlines the challenges to achieving more inclusive growth.«
Martin Brussig und Johannes Geyer (2026): Altersabsicherung von besonders belasteten Beschäftigten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Eine Abschätzung des Personenkreises, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Februar 2026
»Die Heraufsetzung der Altersgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung auf 67 Jahre hat eine Personengruppe sichtbar werden lassen, die gesundheitsbedingt nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten kann, aber von der Erwerbsminderungsrente nicht erfasst wird. Um auch diesen, bislang im System der sozialen Sicherung nicht gesicherten, Personenkreis abzusichern, ist es erforderlich, seine ungefähre Größenordnung und dessen Bestimmungsgrößen zu kennen. Die Studie schätzt auf der Basis unterschiedlicher Datengrundlagen Struktur und Größe des Personenkreises ab. Demnach sind bei einer engen Abgrenzung ca. 20.000 Personen und bei einer sehr weiten Abgrenzung bis zu ca. 290.000 Personen betroffen.«
Julia Backmann et al. (2026): Die 4-Tage-Woche in Deutschland: Ein Follow-Up zwei Jahre nach dem Start der Pilotstudie, Berlin: Intraprenör, Februar 2026
BA (2026): Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Februar 2026
Birgit Schulz (2026): Aktuelle Trends: Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln – Was bedeutet das?, in: Wirtschaft im Wandel, Heft 1/2026
»Aktuell wird diskutiert, Minijobs schrittweise in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu überführen. Nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) würde dies bei etwa vier Millionen betroffenen Minijobbern Zusatzeinnahmen der Sozialversicherungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 zulasten der Nettoeinkommen der Betroffenen bedeuten.«
Corinna Hentschker et al. (2026): Das Pflegebudget: eine empirische Zwischenbilanz, Berlin: Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), Februar 2026
»Das 2020 eingeführte Pflegebudget zur Finanzierung der Pflegepersonalkosten in den Krankenhäusern hat trotz gesunkener Fallzahlen in der Patientenversorgung zu einem Anwachsen der Pflegekräfte in den Krankenhäusern und zu einem starken Anstieg der Kosten geführt. Gleichzeitig sind etliche Fehlanreize und Zielkonflikte entstanden. Das macht ein aktuelles Paper des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich, in dem die Auswirkungen des Pflegebudgets auf Basis umfassender Daten analysiert werden.«
Matthias Beenken und Lukas Linnenbrink (2026): Altersvorsorgereformgesetz: Zeitrente versus Leibrente, Dortmund: Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Wirtschaft, Forschungsstelle Risikomanagement, Versicherungsregulierung und Vertrieb, Februar 2026
Andreas Friemer und Günter Warsewa (2026): Der Weiterbildungssektor im Land Bremen. Strukturen, Herausforderungen, Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse, Bremen: iaw – Institut für Arbeit und Wirtschaft und Arbeitnehmerkammer Bremen, 2026
Juho Alasalmi (2026): Artificial Intelligence in the European Labour Markets, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, 2026
René Bormann et al. (2026): Erbschaften fair besteuern. Privilegien abbauen, Leistungsgerechtigkeit stärken, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2026
Notburga Ott (2025): Pflegegrade, Leistungsansprüche, Eigenanteile – wie gerecht ist die Soziale Pflegeversicherung? Arbeitspapier, Bochum: Fakultät für Sozialwissenschaft, Lehrstuhl für Sozialpolitik und Institutionenökonomik, Dezember 2025
»Die Soziale Pflegeversicherung wurde 1995 als Teilabsicherung eingeführt. Das bedeutet, dass ein Teil der Pflege durch An- und Zugehörige oder durch Bezahlung professioneller Pflegekräfte privat geleistet werden muss. Die Teilleistungen der Pflegeversicherung werden daher gestaffelt nach der Schwere der Pflegebedürftigkeit, abgebildet in Pflegegraden, als definierte Ansprüche auf bestimmte Pflegeleistungen, überwiegend als Sachleistung gewährt. In der häuslichen Pflege kann bei Verzicht auf die Pflegesachleistungen auch ein deutlich niedrigeres Pflegegeld bezogen werden. Zudem sind die Leistungsansprüche für häusliche und stationäre Pflege sehr unterschiedlich definiert. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob pflegebedürftige Personen eine ihrem individuellen Pflegebedarf vergleichbare Unterstützung durch die Soziale Pflegeversicherung erhalten bzw. ob die verbleibenden, privat zu tragenden Pflegeleistungen fair und gerecht verteilt sind. Um dies beurteilen zu können, wären empirische Erkenntnisse über die gesamten Kosten der Pflege notwendig. Diese sind jedoch nur für die vollstationäre Pflege bekannt. Aber auch für die häusliche Pflege lassen sich die gesamten Kosten zumindest grob abschätzen. Vergleicht man die verbleibenden Sicherungslücken, die als sog. „Eigenanteile“ selbst getragen werden müssen, zwischen den verschiedenen Pflegesettings, so zeigen sich erhebliche Unterschiede vor allem bei Personen mit hohem Pflegebedarf zu Lasten der häuslichen Pflege, wo die Eigenanteile deutlich über denen der stationären Pflege liegen.«
Andreas Mayert (2026): Langzeitpflege in der digitalen Gesundheitsökonomie. Chancen und Versäumnisse, Baden-Baden: Nomos, 2026
»Ein tiefgehender empirischer Blick auf die Gründe der schleppenden Digitalisierung kleinerer bis mittelgroßer Langzeitpflegeanbieter im vorstädtischen Raum fehlt bislang. Das Buch schließt diese Forschungslücke im Rahmen einer qualitativen empirischen Studie und einer umfangreichen Sekundärdatenanalyse. Von den Arbeitsbedingungen und dem Personalmangel in der Pflege, den wirtschaftlichen Bedingungen ambulanter Pflegedienste und stationärer Pflegeeinrichtungen bis hin zu Potentialen digitaler Technologien und den Schwierigkeiten ihrer Implementation lässt der Sozialökonom Andreas Mayert dabei keine Frage offen. Das Buch richtet sich an Pflegeanbieter und ihre Verbände, Verantwortliche der Pflegepolitik und nicht zuletzt an Pflegeforschende.«
Martina Rengers und Thomas Körner (2026): Arbeitszeiten und Arbeitszeitwünsche von Männern (und Frauen) – Anhaltspunkte zu Potentialen für die Gleichstellung, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 1/2026, S. 68-86
Auf dem Arbeitsmarkt bestehen Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die in zahlreichen Aspekten zulasten von Frauen gehen: Indikatoren wie der Gender Pay Gap, der Gender Earnings Gap, der Gender Employment Gap oder der Gender Pension Gap weisen etwa darauf hin, dass Verdienste zuungunsten von Frauen ungleich verteilt sind. Dass Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt auch Männer bei der Verwirklichung ihrer Lebensentwürfe behindern können, wird jedoch selten thematisiert. Aus diesem Grund untersucht der Beitrag, wie sich die Arbeitszeiten von Männern und Frauen unterscheiden und welche Präferenzen und Wünsche Männer und Väter in Befragungen hinsichtlich ihrer Arbeitszeit angeben.
Yuliya Kosyakova et al. (2026): IAB-BAMF-SOEP-Befragung verknüpft mit BA-Beschäftigungsstatistik: Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter. IAB-Kurzbericht, Nr. 3/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»Die Hälfte der zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine nach Deutschland eingereisten ukrainischen Geflüchteten ist dreieinhalb Jahre nach ihrem Zuzug beschäftigt. Zwischen Frauen und Männern bestehen jedoch weiterhin Unterschiede, wie dieser IAB-Kurzbericht zeigt. Frauen arbeiten häufiger in Helfertätigkeiten und Männer häufiger in Fachkraftpositionen. Ein erheblicher Teil beider Geschlechter ist zudem in systemrelevanten und in Engpassberufen beschäftigt.«
Robert Lehmann und Joachim Ragnitz (2026): Künftige Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland. Schrumpfung und Alterung viel dramatischer als bislang vermutet, in: ifo Dresden berichtet, Heft 1/2026
»Das Statistische Bundesamt hat eine neue Bevölkerungsvorausberechnung präsentiert, deren Ergebnisse erheblich von bisherigen Erwartungen abweichen. Wurde bisher mit einer nahezu konstanten Bevölkerung bis zum Jahr 2070 gerechnet, wird nun ein Rückgang um zehn Prozent erwartet. Dieser Beitrag geht den Ursachen für die sehr unterschiedlichen Berechnungsergebnisse nach. Die Analyse zeigt, dass vor allem die unterschiedlichen Annahmen über den Verlauf der Nettozuwanderung nach Deutschland ausschlaggebend für die abweichenden Ergebnisse sind.«
Grega Ferenc et al. (2026): Reformoptionen für ein stabiles Rentensystem, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2026
Eine Reform der Alterssicherung zählt zu den drängendsten wirtschafts- und sozialpolitischen Herausforderungen. Demografischer Wandel, fiskalische Belastungen und veränderte Erwerbsbiografien erhöhen den Reformdruck. Dabei sind Akzeptanz, Verteilungswirkungen und institutionelle Stabilität bei allen Reformüberlegungen sorgfältig abzuwägen. Die Beiträge des Zeitgesprächs beleuchten zentrale Stellschrauben der Rentenpolitik aus unterschiedlichen Perspektiven: vom internationalen Vergleich über Governance-Fragen der Kapitaldeckung und die Rolle längerer Erwerbstätigkeit bis hin zu normativen Grundprinzipien wie Teilhabeäquivalenz aus Bürgersicht. Gemeinsam zeigen die Beiträge, wie ausgewogene Reformen dazu beitragen können, das Rentensystem nachhaltig und gesellschaftlich tragfähig zu stabilisieren.
Ines Entgelmeier (2026): Arbeit von zu Hause: Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Februar 2026
»Das Arbeiten von zu Hause hat sich auch nach der Pandemie weiter etabliert. Auswertungen mit der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2023 zeigen zudem, dass betriebliche Vereinbarungen sowie die Erfassung von Arbeitszeiten im Homeoffice nochmals zugenommen haben. Hiervon können Beschäftigte profitieren: Wo betriebliche Regelungen zum Arbeiten von zu Hause bestehen, erleben Beschäftigte mehr Flexibilität und eine bessere Work-Life-Balance, während fehlende betriebliche Vereinbarungen für das Arbeiten von zu Hause häufiger mit höheren Belastungen und einer stärkeren Entgrenzung einhergehen.«
Andreas Jansen und Martin Brussig (2026): Transformation der Industrie in Berlin und Brandenburg – Folgen für den Arbeitsmarkt. IAQ-Report 2026-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Februar 2026
»Die vielfach diskutierte Wirtschaftstransformation ist auf den Arbeitsmärkten in der Region Berlin-Brandenburg schon heute sichtbar. In manchen industriellen Segmenten und Regionen entstehen neue Jobs, während vor allem die klassischen Bereiche der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigung verlieren. Die Heterogenität zwischen Arbeitsmarktregionen und Branchen nimmt zu. In Berlin besteht in einzelnen Berufsgruppen kein oder nur ein geringer Engpass an Fachkräften. Hingegen bestehen Engpässe in den meisten brandenburgischen Regionen und betreffen mehrere Berufsbereiche der Metall- und Elektroindustrie. Für die Arbeitsmarktsteuerung und Fachkräftesicherung bedeutet dies, dass vor allem für die peripheren und industriell geprägten Regionen Brandenburgs eine klare und akute Notwendigkeit besteht, Arbeitskräftemangel zu beheben. Aus arbeitsmarktpolitischer Perspektive ist ein kleinräumiges und sektorales Matching unerlässlich, um sowohl Überhänge als auch Engpässe auszugleichen. Der mit der Transformation einhergehende Bedarf an passgenauer und flexibler Arbeitsmarktsteuerung sollte die Sozialpartner einbeziehen.«
➔ Wirtschaftstransformation in der Industrie. Neustrukturierung statt Abbau am Arbeitsmarkt (Pressemitteilung des IAQ, 17.02.2026)
Karen Jaehrling und Thorsten Schulten (2026): Tariftreue in der öffentlichen Auftragsvergabe – ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der Tarifbindung. IAQ-Standpunkt 2026-01, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Februar 2026
»Aktuell wird im Bund wie auch in einer Reihe von Bundesländern über die Einführung von echten Tariftreuegesetzen verhandelt. In einigen Bundeländern gibt es diese Regelungen bereits. In der Ausgestaltung variieren die Gesetze und aktuelle Entwürfe jedoch stark, was nicht zuletzt auf politische Zugeständnisse an grundlegende Einwände gegen Tariftreue von Seiten eines Teils der Arbeitgeberverbände und dem Wirtschaftsflügel der konservativ-liberalen Parteien zurückzuführen ist.«
➔ Der Beitrag wurde auch im WSI-Blog veröffentlicht
Carla Krolage et al. (2026): Evaluierung der Grundrente, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Februar 2026
»Im Jahr 2021 trat die Grundrente in Kraft: Ziel war es, dass Rentnerinnen und Rentner, die jahrzehntelang mit unterdurchschnittlichem Verdienst gearbeitet, Kinder erzogen oder Angehörige gepflegt haben, durch einen Grundrentenzuschlag eine bessere Anerkennung in der Rente erhalten. Dabei sollten insbesondere die Erwerbsbiografien von Frauen und die besonderen Lebenslagen in den neuen Bundesländern berücksichtigt werden. Der Forschungsbericht evaluiert, ob diese Ziele erreicht wurden. Die Ergebnisse des nun vorliegenden Berichts zeigen, dass die Grundrente zielgenau ist: Sie erreicht die gewünschte Zielgruppe. Besonders Frauen sowie Menschen in den neuen Bundesländern profitieren vom Grundrentenzuschlag. Die Evaluation bestätigt, dass die Grundrente ein zielgerichtetes sozialpolitisches Instrument ist.«
Reinhard Bispinck (2026): Immer länger?! Die Laufzeit von Vergütungstarifverträgen von 1980 bis 2025 – Analyse der Gesamtentwicklung und in ausgewählten Branchen. Analysen zur Tarifpolitik Bd. 114, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2026
»Ist ein Tarifvertrag abgeschlossen, interessiert meist vor allem, wie die Entgeltsteigerungen ausfallen. Relevant (und oft Streitpunkt unter den Tarifparteien) ist aber auch die Laufzeit – die sich tendenziell verlängert hat.«
Monika Senghaas (2026): Der Kooperationsplan in der Beratungspraxis. IAB-Forschungsbericht, Nr. 2/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
Elisabeth Artmann (2026): Umschulungsbereitschaft von Geringqualifizierten und finanzielle Anreize. IAB-Forschungsbericht, Nr. 1/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
Tatjana Begerow und Frank Wild (2026): Auswirkungen einer Zuckersteuer: eine Literaturübersicht, Köln: WIP – Wissenschaftliches Institut der PKV, Januar 2026
»Der Zuckerkonsum in Deutschland liegt deutlich über den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Vor diesem Hintergrund wird seit Jahren über die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke diskutiert, um den Konsum zu senken und langfristig zur Prävention chronischer Erkrankungen beizutragen. Eine neue Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) ordnet die internationale Studienlage zu den gesundheitlichen Wirkungen von Zuckersteuern ein. Weltweit haben inzwischen mehr als 100 Länder entsprechende Steuern eingeführt, überwiegend in Form einer sogenannten „Softdrinksteuer“, die ausschließlich zuckerhaltige Getränke erfasst. Die Evidenz zu den gesundheitlichen Effekten fällt uneinheitlich aus. Simulationsstudien – darunter mehrere für Deutschland – prognostizieren teils erhebliche langfristige Verbesserungen, etwa geringere Prävalenzen von Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies sowie Einsparungen bei Gesundheitskosten. Beobachtungsstudien aus Ländern mit bereits eingeführter Zuckersteuer zeichnen hingegen ein heterogenes Bild: Während einige Untersuchungen messbare Verbesserungen feststellen, finden andere keine oder nur geringe Effekte, insbesondere bei Erwachsenen. Relativ konsistent zeigen sich positive Effekte bei Kindern und Jugendlichen.«
Volker Busch-Geertsema et al. (2026): Leitfaden für die Unterbringung wohnungsloser Menschen, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Januar 2026
Anne Sabine Meise et al. (2026): Wege zu einem integrierten Wohnungsnotfallhilfesystem. Eine Arbeitshilfe für Kommunen und Träger. G.I.B.-Beiträge zur Arbeits- und Sozialpolitik 2026/03, Bottrop: G.I.B. – Gestaltung, Innovation und Beratung in der Arbeits- und Sozialpolitik, Januar 2026
»Die stetig wachsende Zahl Wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Personen stellt Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen vor eine erhebliche Problemlage, die das bisherige Hilfesystem an seine Grenzen bringt. Aufgrund der Komplexität dieses Systems mit einer Vielzahl an involvierten Akteuren, Rechtskreisen sowie Handlungsfeldern wird die Notwendigkeit eines integrierten Gesamthilfesystems deutlich, um Wohnungslosigkeit präventiv und nachhaltig zu bekämpfen. Die Arbeitshilfe richtet sich an Akteure der kommunalen Wohnungslosenhilfe, die auf der Suche nach Lösungen für konkrete Herausforderungen sind, eine Wohnungsnotfallhilfeplanung etablieren oder diese in eine strategische Sozialplanung integrieren möchten.«
Bernhard Boockmann et al. (2026): Soziale Konditionierung in der Industriepolitik. Forschungsbericht 677, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Januar 2026
»Industriepolitische Förderungen werden in einer Reihe von Industrieländern, auch in Deutschland, teilweise an soziale oder beschäftigungspolitische Konditionen gebunden. Dies können beispielsweise Vorgaben zur Beschäftigungsentwicklung, zum Standorterhalt, zu den Arbeitsentgelten oder zur Qualifizierung von Beschäftigten sein. Die Studie untersucht Hindernisse und Erfolgsfaktoren für eine soziale Konditionierung, zieht Schlussfolgerungen aus den vorliegenden Erfahrungen und formuliert Handlungsempfehlungen.«
SPD Parteivorstand (2026): Zwischenbilanz der SPD-Sozialstaatskommission. Beschluss des SPD-Parteivorstandes vom 08.02.2026, Berlin
Stefan Bach et al. (2026): Vermögensteuer Die Linke – Aufkommens- und Verteilungswirkungen. Forschungsprojekt im Auftrag der Fraktion Die Linke im Bundestag, der Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Fraktionen Die Linke in den Landtagen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung- Politikberatung kompakt 211, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Januar 2026
Olaf Deinert (2026): Rechtsfragen der OT-Mitgliedschaft im Arbeitergeberverband. HSI-Schriftenreihe Bd. 61, Frankfurt am Main: Hugo Sinzheimer Institut für Arbeits- und Sozialrecht (HSI), 2026
»Vereinsrecht sticht Tarifautonomie – so könnte man die Rechtsprechung zur OT-Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband auf den Punkt bringen. Denn diese akzeptiert es, dass die Tarifbindung als Folge der Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband durch dessen Satzung abbedungen wird. Seitdem das BAG im Jahr 2006 die OT-Mitgliedschaft unter Bedingungen akzeptiert hat, findet diese Form der Verbandszugehörigkeit stetig wachsende Verbreitung. Die Erfahrungen, die die Praxis damit gemacht hat, zeigen, dass die damaligen Befürchtungen berechtigt waren: Die OT-Mitgliedschaft reduziert die genuine Tarifabdeckung und erschwert den Gewerkschaften, diese durch einen erfolgreichen Arbeitskampf zu erhöhen. Denn dass es der Gewerkschaft gelingt, Arbeitgeber im Flächentarifvertrag zu halten oder zurück in die Tarifbindung zu bringen, wird durch Umstände wie den „heimlichen“ oder den „kurzfristigen“ Wechsel in die OT-Mitgliedschaft sehr erschwert. Allein die Sorge vor einem „blitzartigen“ Austritt oder die Unsicherheit über das Bestehen der Friedenspflicht hemmt das Vorgehen. Die Mitgliedschaft ohne Tarifbindung erweist der Tarifautonomie daher einen Bärendienst.«
Wissenschaftsrat (2026): Wissenschaft in Deutschland – Perspektiven bis 2040, Köln, Februar 2026
Wissenschaftsrat (2026): Für Prävention und Gesundheitsförderung handeln in Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft. Positionspapier, Köln, Februar 2026
»Deutschland steht angesichts einer alternden Bevölkerung, Fachkräftemangels, zunehmender chronischer Erkrankungen und klimabedingter Gesundheitsrisiken vor der dringenden Notwendigkeit, Prävention und Gesundheitsförderung systematisch zu stärken. Trotz hoher Gesundheitsausgaben bleibt der Gesundheitszustand der Bevölkerung hinter den Erwartungen zurück, da das Gesundheitssystem weiterhin stark auf Therapie und medizinische Interventionen ausgerichtet ist. Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher einen gesundheitsbezogenen Kulturwandel, der Wissenschaft, Politik, Versorgung und Gesellschaft integriert und Prävention als systemrelevanten Bestandteil versteht. Zentral sind ressortübergreifende Strategien („Health for All Policies“), Evidenzbasierung durch verbesserte Dateninfrastruktur, Stärkung von Gesundheitskommunikation und -kompetenz, der Ausbau wissenschaftlicher Präventionsinfrastrukturen sowie die Nutzung interprofessioneller Potenziale. Finanzielle und regulatorische Anreize sollen Prävention als langfristige Investition etablieren.«
Josephine Hofmann et al. (2026): Höhere Produktivität im Homeoffice? Eine Analyse der Vorteile und der Grenzen intensiver Nutzung von Homeoffice auf Basis einer Produktivitätsmessung bei der Techniker Krankenkasse, Stuttgart: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Februar 2026
»Eine gemeinsame Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und der Techniker Krankenkasse (TK) kommt zu dem Ergebnis, dass das Arbeiten im Homeoffice im Vergleich zur Arbeit im Büro rund 20 Prozent produktiver ist. Die Gesamtproduktivität steigt jedoch weniger stark, weil fachlicher Austausch und informelle Gespräche vor allem im Büro stattfinden. Nur eine ausgewogene Kombination und die Nutzung der Vorteile beider Arbeitsorte führen zu insgesamt positiven Produktivitätseffekten. Wenn zu viel Zeit im Homeoffice gearbeitet wird, sinkt die Produktivität wieder. Dieser Kipppunkt liegt laut der Studie bei einem Homeoffice-Anteil von etwa 60 Prozent.«
Boris Augurzky und Christian Karagiannidis (2026): Die Krankenhausstrukturen zukunftsfest machen!, Essen: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Januar 2026
DKG (2026): Die psychiatrische & psychosomatische Versorgung für die 21. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages. Positionen der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Berlin: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), Januar 2026
Dominic Afscharian et al. (2026): Fostering children’s opportunities: What Germany can learn from its European peers, Berlin: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), January 2026
»Dieses Policy Paper zeigt, wie administrative Zuständigkeiten und fragmentierte Strukturen die Chancen von Kindern in Deutschland einschränken – und welche politischen Ansätze aus anderen europäischen Ländern hier Abhilfe schaffen können. Die Befunde sind deutlich: Deutschland ist im EU-Vergleich in weniger als einen Jahrzehnt stark zurückgefallen und gehört inzwischen zu den Ländern mit besonders hoher materieller und sozialer Benachteiligung von Kindern. Zugleich bestehen große regionale Unterschiede beim Zugang zu Kinderbetreuung. Während ostdeutsche Kommunen die EU-Ziele für 2030 bereits erreichen oder übertreffen, bleiben 97,6 % der westdeutschen Kommunen klar darunter.«
Leon Rossmaier und Andreas Edel (Hrsg.) (2026): Zwischen Solidarität, Fairness und Konflikt. Wie wir das Generationenverhältnis neu ordnen können. Discussion Paper No. 24, Berlin: Population Europe, Januar 2026
Sozialministerien des Saarlandes, Hessens und Rheinland-Pfalz (2026): Sozialstaat erneuern statt abbauen. Gerechtigkeit, Prävention und Solidarität als Leitlinien für 2026, 23. Januar 2026
Johannes Laser und Kerstin Ettl (2026): Einsamkeit und sozialer Isolation begegnen – Ergebnisse einer Quartiersbefragung. Forschung aktuell Ausgabe 02/2026, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Westfälische Hochschule Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen, Februar 2026
DRV (2026): Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen, Berlin: Deutsche Rentenversicherung (DRV), Januar 2026
»Die Alterssicherung nicht verpflichtend abgesicherter Selbstständiger steht seit Jahren auf der politischen Agenda. Grund dafür sind veränderte Erwerbsformen und bestehende Vorsorgelücken. Warum spricht vieles für einen Einbezug in die gesetzliche Rentenversicherung?«
Alexandra Mellies et al. (2026): Mehr Zeit oder mehr Geld? Nutzungsmuster tariflicher Wahloptionen und betriebliche Rahmenbedingungen. WSI Policy Brief Nr. 94, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Februar 2026
Daphne Weber (2026): Gewerkschaftliche Kampagnen von rechts. Narrative, Netzwerke und Kommunikation von Zentrum (Automobil) im Kontext der Betriebsratswahlen 2018 und 2022. Mit einer Einschätzung der AfD-Bundestagswahlkampagne 2024/2025. Forschungsförderung Working Paper Nr. 393, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2026
»Die „alternative Gewerkschaft“ Zentrum ist ein auf Betriebe ausgerichtetes Projekt mit Verbindungen zur extremen Rechten, insbesondere zur AfD und rechtsextremen Netzwerken. Es richtet sich gezielt gegen die DGB-Gewerkschaften. Im Kern der Kommunikation steht die strategische Inszenierung von Nähe zu Arbeiter:innen in Opposition zur IG Metall, während strukturelle Fragen und Transformationsdynamik des Automobilsektors ignoriert werden. Der Blick auf die Kampagnenstrategien zeigt die gezielte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, die strategisch auf emotionale Ansprache, Wiederholung und schleichende Normalisierung rechtsextremen Gedankenguts im Betrieb setzt. Die Studie analysiert die Kampagnen zur Betriebsratswahl 2018 und 2022 sowie die Bundestagswahlkampagne der AfD 2024/25 im Hinblick auf arbeits-, sozial- und gewerkschaftspolitische Themen.«
Michaela Evans-Borchers (2026): Fachkräfte gesucht. Potenziale für Jobs in Energiewende und sozialer Daseinsvorsorge heben, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Januar 2026
»Fachkräfte fehlen – und ohne sie geraten Energiewende, Kitas und Pflege an ihre Grenzen. Die Studie untersucht, warum der Mangel an Fach- und Arbeitskräften zu einer der größten sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen geworden ist. Michaela Evans-Borchers zeigt auf, wo Jobs fehlen, warum viele Stellen unbesetzt bleiben und welche Folgen das für Unternehmen, Familien und den gesellschaftlichen Zusammenhalt hat. Bessere Arbeitsbedingungen und neue Ausbildungswege bis hin zu Quereinstiegen können helfen, brachliegende Potenziale zu heben. So werden nicht nur mehr Menschen in zukunftsrelevante Berufe gebracht, sondern zugleich Klimaschutz und soziale Daseinsvorsorge gesichert.«
Sybille Volkholz et al. (2026): Bildung in der Einwanderungsgesellschaft. Wie geflüchtete Kinder und Jugendliche erfolgreich ins Schulsystem integriert werden können, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Januar 2026
»Nach Deutschland geflüchtete Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bildung. Doch wie können sie schnell ins Schulsystem integriert werden und welche Herausforderungen bestehen dabei? Das Policy Paper plädiert für eine Schulpflicht ab Tag eins und gibt Empfehlungen für eine phasenorientierte schulische Betreuung nach Unterbringungsart, damit eine optimale Förderung und Integration gelingt. Dafür braucht es eine gute Ausstattung mit qualifizierten Lehrkräften, Sachmitteln und Lernmaterial. Hinweise für die Regierungs- und Verwaltungseben und die Qualitätssicherung im Bildungsprozess runden das Paper ab.«
Wirtschaftsrat Deutschland (2026): Agenda für die Arbeitnehmer in Deutschland, Berlin, Januar 2026
Erik Engberg et al. (2026): Who is afraid of AI? Who should be? Kiel Policy Brief, No. 198, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, January 2026
»Eine neue empirische Studie des Kiel Instituts zeigt: Künstliche Intelligenz vernichtet keine Arbeitsplätze, sie verändert sie. Firmen mit starker KI-Nutzung stellen häufiger Fachkräfte ein, während einfache Büroaufgaben zurückgehen. Sprachmodellierung und Spracherkennung durch KI haben einen besonders starken positiven Einfluss auf die Beschäftigung – es entstehen neue Jobs mit höheren Anforderungen. Dagegen wirkt sich KI in den Bereichen Bilderkennung und Übersetzung insbesondere auf Büro- und Verwaltungsberufe negativ aus und kann vorhandene Stellen ersetzen. Unter dem Strich bleibt durch KI die Gesamtbeschäftigung stabil – aber der Qualifikationsdruck steigt.«
Helena Bach (2026): Tarifbindung statt Geltung stärken. IW-Kurzbericht, Nr. 5/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2026
»Gewerkschaften kritisieren die geringe Tarifbindung in Deutschland und fordern, dass die Bundesregierung Maßnahmen zur Ausweitung des tarifvertraglichen Geltungsbereichs ergreift. Eine Analyse auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt, dass der Geltungsbereich von Tarifverträgen bei knapp 50 Prozent der Beschäftigten liegt, aber nur 15 Prozent Mitglied einer Gewerkschaft sind. Es sind damit vor allem die Unternehmen, die die derzeitige Reichweite tarifvertraglicher Regelungen sichern.«
Helena Bach und Hagen Lesch (2026): Stärkung der Tarifbindung durch ein Bundestariftreuegesetz? Ein ernüchternder Blick auf die Empirie. IW-Kurzbericht, Nr. 4, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2026
»Die Bundesregierung will ein Bundestariftreuegesetz auf den Weg bringen, um die Tarifbindung in Deutschland zu erhöhen. Ein Blick auf die Wirkungen der verschiedenen Landestariftreueregelungen liefert indes ein ernüchterndes Bild. Mit Ausnahme Mecklenburg- Vorpommerns geht die Tarifbindung sowohl in Bundesländern mit als auch in Ländern ohne entsprechende Regelungen zurück. Die Gesetzesregelungen scheinen dabei kaum Einfluss auf die Entwicklung der Tarifbindung zu nehmen.«
BA (2026): Entwicklungen in der Zeitarbeit, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Januar 2026
OECD (2026): OECD Digital Education Outlook 2026: Exploring Effective Uses of Generative AI in Education, Paris, January 2026
»Generative KI (GenAI) verändert die Bildungslandschaft über das Lehren und Lernen hinaus. Im Gegensatz zu früheren Wellen der Bildungstechnologie ist ein Großteil der GenAI frei zugänglich und wird aufgrund ihrer Intuitivität und Vielseitigkeit weitgehend außerhalb der institutionellen Kontrolle genutzt. Der OECD Digital Education Outlook 2026 analysiert neue Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, dass GenAI das Lernen unterstützen kann, wenn sie nach klaren pädagogischen Grundsätzen eingesetzt wird. Wenn sie jedoch ohne pädagogische Anleitung entwickelt oder eingesetzt wird, verbessert die Auslagerung von Aufgaben an GenAI lediglich die Leistung, ohne dass echte Lernerfolge erzielt werden.«
Sona Badalyan (2026): Crowded Career Ladders? Intra-Firm Spillovers of Raised Retirement Age. IAB-Discussion Paper, Nr. 1/2026, Nürnberg: Institute für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2026
»Die Alterung der Bevölkerung hat viele OECD-Länder dazu veranlasst, das offizielle Rentenalter anzuheben. Diese Reformen verändern nicht nur das Alter, in dem Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sondern bieten auch seltene Gelegenheiten, zu beobachten, wie Arbeitsmärkte funktionieren. Das neue IAB-Discussion Paper untersucht, wie verzögerte Renteneintritte die internen Arbeitsmärkte von Unternehmen verändern, und nutzt dazu eine deutsche Reform, die das frühestmögliche Renteneintrittsalter von Frauen um mindestens drei Jahre angehoben hat. Durch die Analyse der Spillover-Effekte innerhalb beruflicher Karriereleitern und zwischen verschiedenen Berufen zeigt die Untersuchung, wer am stärksten von Verdrängungseffekten betroffen ist und wer von der Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren kann. Damit öffnet sie die „Black Box hinter diesen Mechanismen” und stellt die vorherrschende Ansicht in Frage, dass die Weiterbeschäftigung älterer Arbeitnehmer für die Karrieren ihrer jüngeren Kollegen durchweg nachteilig ist.«
Gerhard Bosch und Frederic Hüttenhoff (2026): Reformen für mehr Wirksamkeit. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit im Wandel, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2026
»Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) ist die zentrale Behörde, wenn es um die Bekämpfung der Schwarzarbeit sowie die Kontrolle des gesetzlichen Mindestlohns geht. Sie spielt damit eine wichtige Rolle für faire Arbeits- und Wettbewerbsbedingungen in Deutschland. Dabei muss sie sich immer wieder auf neue Anforderungen einstellen. Das am 13.11.2025 im Bundestag verabschiedete Gesetz zur Modernisierung und Digitalisierung der Schwarzarbeitsbekämpfung entwickelt sie sinnvoll weiter. Die FES-Studie „Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten: Zur Reform der Finanzkontrolle Schwarzarbeit“ (Bosch/Hüttenhoff 2025) gibt einen tiefen Einblick in die Entwicklung der FKS sowie in die Herausforderungen, die sich ihr heute und zukünftig stellen. Das vorliegende Impuls-Papier fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und formuliert weitere Handlungsempfehlungen.«
Andreas Baierl et al. (2026): Die Personalausstattungsquote in KiTas. Ein Indikator zur Messung der Personalausstattung auf Einrichtungsebene, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2026
»Angesichts steigender Anforderungen an die frühkindliche Bildung ist eine ausreichende Personalausstattung in KiTas eine zentrale Voraussetzung für eine kindgerechte Qualität. Ob die personellen Ressourcen in den KiTas der fachlich empfohlenen Personalausstattung entsprechen, lässt sich mithilfe der sogenannten Personalausstattungsquote beantworten. Im Rahmen der Publikation wird dieser neue Indikator eingeführt, der es ermöglicht, die Personalausstattung auf Einrichtungsebene systematisch mit Empfehlungen zu vergleichen. Berücksichtigt werden in den vorliegenden Berechnungen dabei neben dem Alter der Kinder auch zusätzliche Anforderungen, durch Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache oder mit Eingliederungshilfe. Auf Basis amtlicher Daten werden die Ergebnisse zur Personalausstattungsquote auf Bundes-, Länder- und Kreisebene analysiert und in Beziehung zu regionalen Rahmenbedingungen gesetzt. Die Studie schafft damit eine empirische Grundlage für die Diskussion über Qualitätsentwicklung und Personalsteuerung in der frühen Bildung.«
➔ Bertelsmann Stiftung (Hrsg.) (2026): Die Personalausstattungsquote in KiTas. Zusammenfassung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung
➔ Bertelsmann Stiftung: Worauf es bei der Bildung und bedarfsgerechten Förderung von Kita-Kindern ankommt (28.01.2026)
»Kita-Kinder haben sehr unterschiedliche Bedarfe. Insbesondere die Bildung und Entwicklung von Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache oder einer Eingliederungshilfe stellen erhöhte Anforderungen an die pädagogische Arbeit. Für eine bedarfsgerechte Förderung aller Kinder müssten mehr Kita-Teams in Deutschland personell besser aufgestellt sein. Besonders deutlich sind die Unterschiede bei der fachlich empfohlenen Personalausstattung im Ost-West-Vergleich. Das von der Politik geplante Startchancen-Programm für Kitas könnte die Situation verbessern – wenn die Mittel dort zum Einsatz kommen, wo der Handlungsbedarf am größten ist.«
Saskia Gottschalk und Florian Schuster-Johnson (2026): 5 Milliarden Spielraum im Sozialstaat gewinnen. Wie die Sozialstaatsreform den Bundeshaushalt nachhaltig entlasten kann – und wie nicht, Berlin: Dezernat Zukunft, Januar 2026
»Unsere Simulationen zeigen, dass eine Sozialstaatsreform wie von der Kommission vorgeschlagen, die Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag in einer Leistung zusammenfasst und die geltenden Hinzuverdienstregeln reformiert, fiskalischen Spielraum von vier bis fünf Milliarden Euro schaffen könnte, wovon gut eine Milliarde auf den Bund entfällt. Demgegenüber fallen die fiskalischen Effekte einer Abschaffung der Karenzzeit für Schonvermögen oder schärferer Sanktionen nur geringfügig aus. Allerdings wird eine Verbesserung der Arbeitsanreize durch lockerere Hinzuverdienstregeln den Bundeshaushalt nur entlasten können, wenn Arbeitsaufnahmehemmnisse abgebaut werden, ausreichend gut bezahlte Jobs vorhanden sind und Reformen finanziert werden können.«
Kommission zur Sozialstaatsreform (2026): Empfehlungen der Kommission zur Sozialstaatsreform, Berlin, Januar 2026
➞ Kommission zur Sozialstaatsreform (2026): Der neue Sozialstaat: einfach, gerecht, digital. Faktenpapier, Januar 2026
Bernd Fitzenberger et al. (2026): Transformation angehen statt Kurzarbeit verlängern. Stellungnahme des IAB zur Verbändebeteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum 5.12.2025. IAB-Stellungnahme, Nr. 3/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2026
»Die Bundesregierung plant, die derzeit auf 24 Monate erhöhte maximale Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes, die im Dezember 2024 zunächst bis Ende 2025 ausgeweitet wurde, nun bis Ende 2026 beizubehalten. In dieser Stellungnahme im Rahmen der Verbändebeteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales legt das IAB dar, warum es diese erneute Verlängerung kritisch bewertet. Bei der aktuellen Schwäche der deutschen Wirtschaft handelt es sich um eine Strukturkrise, in der eine Ausweitung der Kurzarbeit notwendige Anpassungsund Transformationsprozesse verschleppen kann. Zudem zeigt die Auswertung einer verlängerten Bezugsdauer in der Vergangenheit keine positiven Beschäftigungseffekte. Statt längerer Kurzarbeit sind langfristige Initiativen zur Transformation der Wirtschaft und Qualifizierung der Beschäftigten besser geeignet, um Deutschlands Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die vorliegende Stellungnahme baut auf der IAB-Stellungnahme 7/2024 zur ursprünglichen Erhöhung der Bezugsdauer auf, die für den aktuellen Kontext aktualisiert, angepasst und erweitert wurde.«
Bioethik-Kommission Rheinland-Pfalz (2025): Wie wir ins Zukunft altern. Ethische und verfassungsrechtliche Dimensionen biomedizinischer Innovationen in der Alternsforschung, Mainz: Ministerium der Justiz Rheinland-Pfalz, Dezember 2025
Richard Ochmann et al. (2026): Beitragsentwicklung in der Sozialversicherung. Update der szenarienbasierten Projektion bis zum Jahr 2035, Berlin: IGES Institut, Januar 2026
Heiner Dribbusch et al. (2026): „Organizing“ als Instrument der Stärkung der Tarifbindung „von unten“? Eine Studie im Rahmen des IAQ/WSI Projektes „Stärkung der Tarifbindung“. Analysen zur Tarifpolitik Nr. 113, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Januar 2026
»Stabilisierung des Tarifsystems mit Organizing? Eine Studie zu Erfahrungen von ver.di und IG Metall zeigt: Organizing kann betriebliche Stärke aufbauen und punktuell Tarifbindung sichern. Ohne institutionelle Unterstützung „von oben“ gelingt jedoch keine nachhaltige Stabilisierung „von unten“.«
Corinna Frodermann et al. (2026): Arbeits- und Betreuungsarrangements von Familien mit kleinen Kindern: Gesellschaftliche Einstellung zu Erwerbstätigkeit von Müttern und externer Kinderbetreuung. IAB-Kurzbericht, Nr. 2/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2026
»Die Förderung der Erwerbsintegration von Frauen und speziell von Müttern ist ein zentrales Thema der Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik. Entscheidend für eine Erwerbsaufnahme von Müttern sind dabei nicht nur die Bedingungen am Arbeitsmarkt und die vorhandenen Möglichkeiten der externen Kinderbetreuung, sondern auch die Einstellung zu Familie und Beruf. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir die Normvorstellungen zur außerhäuslichen Betreuung von Kindern und zur Erwerbstätigkeit von Müttern.«
Martin Brussig (2026): Erwerbstätigkeit im Rentenbezug: Entwicklungen und Strukturen. Altersübergangs-Report 2026-01, Duisburg: Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ), Januar 2026
»Die Anzahl der Erwerbstätigen im Rentenalter nimmt zu und setzt damit den Trend der vergangenen Jahre fort. Gründe liegen in den unterschiedlichen Kohortenstärken der betreffenden Altersjahrgänge und in den steigenden Altersgrenzen für Altersrenten. Hinzu kommt: Für die Erwerbstätigkeit parallel zum Rentenbezug haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen verbessert. Während ältere Erwerbstätige, die noch keine Rente beziehen, überwiegend in Vollzeit arbeiten, sind gleichaltrige Erwerbstätige im Rentenbezug überwiegend in Teilzeit. Der Anteil von erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentnern unterscheidet sich deutlich zwischen den Branchen. Dies deutet darauf hin, dass nicht nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen, sondern auch Personalpolitiken die Erwerbschancen von Rentnerinnen und Rentnern beeinflussen.«
Jochen Roose (2026): Integrationsvorstellungen in der Bevölkerung. Repräsentative Umfrage über Vorstellungen zum Zusammenleben von Zugewanderten und Einheimischen, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Januar 2026
»Wie sich Zugewanderte in Deutschland integrieren und wie sie von den Einheimischen integriert werden, wird intensiv diskutiert. Multikulturalismus oder Assimilation, melting pot oder salad bowl – die Debatten sind kontrovers und nicht selten emotional aufgeladen. Doch welche Einstellungen haben die Menschen in Deutschland? Wie sehen diese Fragen Menschen, die zugewandert sind, deren Eltern zugewandert sind oder die selbst keinen Migrationshintergrund haben?«
Konstantin A. Kholodilin und Sebastian Kohl (2026): Zeitalter der immer größer werdenden Wohnungen endet, in: DIW Wochenbericht, Nr. 1/2026
»In den vergangenen 150 Jahren hat der Wohnraumkonsum stark zugenommen. In Deutschland stieg er von weniger als einem halben auf fast zwei Zimmer pro Kopf. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Person stieg zwischen 1956 und 2024 von 18,4 auf 49,2 Quadratmeter und hat sich damit mehr als verdoppelt. Steigende Einkommen ermöglichten den Bau immer größerer Wohnungen und verbesserten die Wohnverhältnisse: Heute lebt die Mehrheit der Menschen in geräumigen Wohnungen statt in beengten Verhältnissen. Gleichzeitig werden dadurch mehr Ressourcen pro Kopf für Bau, Instandhaltung und Beheizung beansprucht. Anfang der 2000er Jahre setzte jedoch eine Trendwende ein: Die Größe neu gebauter Wohnungen begann zu sinken. Besonders bei großstädtischen Mietwohnungen ist dieser Rückgang seit den 2010er Jahren deutlich zu beobachten. Dieser Wochenbericht führt die Trendwende, die nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern stattfindet, auf drei Faktoren zurück: kleinere Haushalte, steigende Immobilienpreise und Mieten sowie neue Flächennutzungsregeln, die den Bau von Einfamilienhäusern einschränken. Die Ergebnisse deuten auf eine strukturelle Veränderung hin: Künftig gewinnen kleinere, energieeffiziente Wohnungen an Bedeutung.«
Konstantin A. Kholodilin und Malte Rieth (2025): Immobilienmarkt bleibt angespannt – Mieten und Wohnungspreise steigen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 51+52/2025
»Nach zwei Jahren deutlicher Preisrückgänge zeigt sich am deutschen Immobilienmarkt eine leichte Stabilisierung: Baugrundstücke und Einfamilienhäuser verbilligten sich nominal nur noch um rund ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 lag der Rückgang noch bei vier beziehungsweise sieben Prozent. Die Preise für Reihenhäuser und Wohnungen zogen hingegen leicht um 0,5 Prozent an. Die Preisentwicklung fällt je nach Standorttyp unterschiedlich aus: In den Metropolen haben sich Baugrundstücke um fünf Prozent verbilligt, während Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser dort wieder etwas teurer wurden. In allen anderen Regionen blieben die Preise weitgehend stabil. Die Mieten sind bundesweit im Schnitt um rund vier Prozent gestiegen, sowohl im Bestand als auch im Neubau. Besonders stark war der Anstieg in den Metropolen, wo er bis zu acht Prozent erreichte. Die Bevölkerung wächst, während die Anzahl der fertiggestellten Wohnungen weiter zurückgeht. Wohnraum bleibt also knapp. Zusammen mit einem schwachen makroökonomischen Umfeld dürfte dies die Mieten auch künftig steigen lassen, da sich immer weniger Menschen Eigentum leisten können. Die Politik ist dringend gefordert, den Wohnungsbau zu fördern und bauhinderliche Verfahren und Vorschriften zu vereinfachen, um der Wohnungsknappheit entgegenzuwirken.«
Heinz Rothgang et al. (2025): Abschlussbericht im Projekt Entwicklung und Erprobung eines Konzepts zum qualifikations- und kompetenzorientierten Personaleinsatz gemäß § 8 Abs. 3b SGB XI. Los 1: Konzeptentwicklung, Konzepterprobung und Strategieentwicklung, Bremen und Bochum, Dezember 2025
Heinz Rothgang et al. (2025): Abschlussbericht im Projekt Entwicklung und Erprobung eines Konzepts zum qualifikations- und kompetenzorientierten Personaleinsatz gemäß § 8 Abs. 3b SGB XI. Los 2: Evaluation und Anpassung des Personalbemessungsinstruments, Bremen und Göttingen 2025
Anne-Christin Pöhler et al. (2026): Untersuchung der sozialen Lage von Selbstständigen in Deutschland. Forschungsbericht 676, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Januar 2026
»Die vorliegende Studie erfasst die Prävalenz von selbstständiger Erwerbstätigkeit in ihren verschiedenen Ausprägungen und hat zum Ziel, die soziale Lage und die soziale Absicherung von Selbstständigen differenziert zu analysieren. Dazu wurde im Jahr 2024 eine bundesweite Befragung von über 2.000 Selbstständigen durchgeführt, die Informationen zu ihrer Erwerbssituation und – historie, zu ihren Einkommen, Finanzen und ihrer sozialen Vorsorge sowie soziodemographischen Merkmalen erhoben hat. Die große Mehrheit führt ihre Selbstständigkeit ausschließlich in der Haupttätigkeit aus (80,7 Prozent). Daneben beschreibt die Studie auch hybrid Selbstständige (15,9 Prozent), die gleichzeitig selbstständig erwerbstätig und abhängig beschäftigt sind. Im Durchschnitt befinden sich Selbstständige in Deutschland gemessen an ihrer Erwerbssituation, dem Haushaltseinkommen, dem Vermögen und der Wohnsituation in einer wirtschaftlich und sozial guten Lage. Gleichzeitig befindet sich ein Anteil von ungefähr 15 bis 25 Prozent der Selbstständigen in einer schlechten sozialen Lage. Dabei handelt es sich in erster Linie um Solo-Selbstständige, Frauen, Selbstständige mit direktem Migrationshintergrund und ausschließlich in Nebentätigkeit Selbstständige. In Bezug auf die soziale Absicherung finden sich ähnliche Muster: Die breite Mehrheit der Selbstständigen sichert sich für das Alter, gegen Einkommens- und Erwerbsausfälle und gegen Krankheit ab. Gleichzeitig findet sich ein nicht unerheblicher Teil, der sich nur unzureichend absichert und sich nicht ausreichend abgesichert fühlt. Die Möglichkeit, soziale Absicherungsinstrumente nutzen zu können, hängt stark mit der sozialen Lage zusammen. Selbstständige in schlechterer sozialer Lage sind häufiger auch nicht umfassend sozial abgesichert.«
Pestel Institut (2026): Sozialer Wohn-Monitor 2026. Wohnungsmarktsituation, Wohnungsbedarfe, sozialer Wohnungsbau, Berlin, Januar 2026
Ronald Bachmann et al. (2026): Technologischer Wandel und Löhne: Die Anpassung der Berufe spielt eine entscheidende Rolle. IAB-Kurzbericht, Nr. 1/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Januar 2026
»Technischer Fortschritt verändert die Arbeitswelt – besonders in Berufen, in denen viele Tätigkeiten leicht automatisiert werden können. Berufe, deren Tätigkeiten sich im Laufe der Zeit stärker an den technologischen Wandel angepasst haben, verzeichnen steigende Löhne. Sie zeichnen sich zudem durch intensivere Weiterbildungsaktivitäten aus. In Berufen, deren Tätigkeitsprofil sich kaum verändert hat, stagnieren die Löhne dagegen häufiger.«
Georg Barthel et al. (2026): Einkommenspolitik von Staat und Sozialpartnern in der Krise. Kurz- und langfristige Auswirkungen der Inflationskrise von 2022 und 2023. IAQ-Report 2026-01, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Januar 2026
»Die in den letzten Jahren eingeleiteten Kurskorrekturen zur Aufwertung unterer Lohngruppen und Haushaltseinkommen wurden durch die Inflationskrise massiv auf die Probe gestellt. Die Kaufkraftverluste während der Inflationskrise wurden (Stand Ende 2025) annähernd ausgeglichen. Im Interesse des politischen Kompromisses entlastete die Bundesregierung untere Einkommensgruppen relativ, aber höhere Einkommensgruppen absolut am stärksten. Die Fortsetzung und teilweise Verstärkung der Aufwertung unterer Einkommensgruppen durch staatliche und tarifliche Lohnpolitik führte zu verstärkten Konflikten.Die Konflikte um Tarif-, Steuer- und Sozialpolitik, die in der Inflationskrise manifest oder verstärkt wurden, sind auch in aktuellen Debatten virulent.«
Dorothea Voss et al. (2026): Sozialstaat 2025 – was ist gesetzlich neu geregelt worden? Chronologie seit 2015 in sechs Politikfeldern, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Januar 2026
Frank Nullmeier (2026): Soziale Sicherheit in der Klimakrise. Welche Antworten kann der Sozialstaat geben?, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Januar 2026
»Unter dem Eindruck der angespannten wirtschaftlichen und sozialen Lage gerät Klimaschutz zunehmend unter Druck. Viele Menschen machen sich Sorgen vor finanzieller Überforderung und übermäßiger Belastung durch Klimapolitik. Die Gerechtigkeitsfrage, welcher Instrumentenmix die Kosten der Klimawende fair verteilt und wie sozialer Ausgleich organisiert werden kann, wird dabei weitgehend außerhalb der klassischen Sozialpolitik verhandelt. Die vorliegende Studie untersucht daher die Möglichkeiten des Sozialstaats, die Privathaushalte beim Umgang mit Klimakosten zu unterstützen. Etliche klimabedingte Arbeitsmarkt- und Gesundheitsrisiken können im bestehenden Sozialstaat aufgefangen werden. Bei anderen ökosozialen Risiken gibt es aber gravierende Leerstellen und Sicherungslücken. Eine isolierte Klimageldpolitik ist daher nicht hinreichend. Wie der Sozialstaat umgestaltet werden kann, um solche Risiken und Belastungen durch Klimapolitik auszugleichen, zeigt diese Studie anhand der unterschiedlichen Instrumente einer Klimasozialpolitik.«
Axel Plünnecke (2026): Indische Beschäftigte verdienen weiterhin am meisten. IW-Kurzbericht, Nr. 1/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2026
»Während deutsche Vollzeitbeschäftigte Ende 2024 bei 4.177 Euro liegen, erreichen Beschäftigte aus Indien einen Medianlohn von 5.393 Euro. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Anteil der indischen Beschäftigten in akademischen MINT-Berufen tätig ist.«
Werner Eichhorst und Ulf Rinne (2025): Brücken in die Zukunft. Arbeitsmarktpolitik in Zeiten der Transformation: Möglichkeiten und Grenzen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2025
»Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor tiefgreifenden Veränderungen, die von verschiedenen Treibern einer einschneidenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation befeuert werden. Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel, geopolitische Veränderungen sowie ein dynamisches weltwirtschaftliches Umfeld wirken gemeinsam auf die Strukturen und Dynamiken des Arbeitsmarkts ein. Eine verbreitete Erwartung ist, dass der Umschlag an Beschäftigung bzw. Arbeitsplätzen zunimmt … und ein voraussichtlich beschleunigter Strukturwandel die Anpassungsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarkts in bisher ungekanntem Ausmaß herausfordert.«
Matthias Umkehrer (2025): The Impact of the Minimum Wage on Initial Labour Market Outcomes. IAB-Disussion Paper, Nr. 16/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2025
»Wie wirkt sich die Einführung des bundesweiten Mindestlohns in Deutschland auf die Arbeitsmarktergebnisse junger Berufseinsteiger aus? Die institutionellen Rahmenbedingungen, administrative Mikrodaten und prognostizierte Mindestlohnbetroffenheit erlauben es, die kausalen Effekte der Maßnahme zu schätzen. Die betroffenen Kohorten wiesen höhere Einkommen, aber keine geringere Beschäftigung auf. Neben mehr gearbeiteten Stunden, begannen sie ihre Karriere häufiger bei größeren und besser entlohnenden Arbeitgebern, übten seltener Berufe mit höherer Mindestlohnbetroffenheit aus und verrichteten seltener manuelle Routinetätigkeiten oder Hilfsarbeiten. Den Ergebnissen zufolge behindert der Mindestlohn den Übergang von der Ausbildung in das Erwerbsleben nicht, beeinflusst aber die Zusammensetzung der Unternehmen und Berufe auf dem Arbeitsmarkt.«
Alexander Ahammer et al. (2025): Reintegrating Older Long-Term Unemployed Workers: The Impact of Temporary Job Guarantees, Berlin: ROCKWOOL Foundation Berlin – Institute for the Economy and the Future of Work, December 2025
»Langzeitarbeitslosigkeit unter älteren Arbeitnehmern ist besonders schwer zu überwinden. Wir untersuchen die Auswirkungen eines groß angelegten Beschäftigungsgarantieprogramms, das Langzeitarbeitslosen ab 50 Jahren eine bis zu zweijährige, vollständig subventionierte Beschäftigung bot. Anhand einer scharfen altersbedingten Diskontinuität bei der Teilnahmeberechtigung stellen wir fest, dass die Teilnahme zwei Jahre nach Ende des Programms zu einem Anstieg der regulären, nicht subventionierten Beschäftigung um 43 Prozentpunkte führte. Die Gewinne sind eher auf den Übergang in neue Unternehmen und Branchen zurückzuführen als auf die Fortsetzung der subventionierten Beschäftigung, und wir finden keine Hinweise auf Verdrängungseffekte für Nichtteilnehmer oder Ausstrahlungseffekte auf Familienangehörige. Das Programm hatte keine messbaren kurzfristigen Auswirkungen auf die Gesundheit.«
Hagen Lesch (2025): Arbeitskämpfe im Wandel: Deutschland im OECD-Ländervergleich, in: IW-Trends, Nr. 4/2025, S. 45-70
»Das Arbeitskampfvolumen – die Anzahl der durch Streiks und Aussperrungen verlorenen Arbeitstage – hat in Deutschland von einem niedrigen Niveau ausgehend zugenommen. In den 2000er Jahren fielen jahresdurchschnittlich fünf Tage je 1.000 Beschäftigte aus, in den 2010er Jahren sieben und zwischen 2020 und 2024 zehn. In der Mehrzahl von 25 untersuchten OECD-Ländern ist das Arbeitskampfvolumen hingegen rückläufig. In einigen Ländern gab es weniger Ausstände, in anderen gab es weniger Streikteilnehmer oder die Arbeit wurde kürzer niedergelegt. Dennoch gehört Deutschland nach wie vor zu den OECD-Ländern mit den stabilsten Arbeitsbeziehungen. In Finnland, Kanada, den USA und im Vereinigten Königreich lässt sich seit 2020 ein auffälliger Anstieg der Ausfalltage beobachten. Ob dies eine allgemeine Trendwende anzeigt, ist offen. Da die Verteilungskonflikte infolge einer höheren Inflation härter wurden, dürfte sich dieser Effekt im Zuge des Inflationsrückgangs abschwächen. Denkbar ist aber, dass sich Transformationskonflikte entwickeln.«
Clemens Ohlert und Juliane Pehla (2025): Folgen des Mindestlohns für ausländische und deutsche Beschäftigte, in: Wirtschaftsdienst, Heft 12/2025
»Weil ausländische Beschäftigte in Deutschland zu einem größeren Anteil im Niedriglohnbereich arbeiten, profitieren diese überdurchschnittlich häufig von Anhebungen des Mindestlohns. Allerdings ging mit der Anhebung auf 12 € im Oktober 2022 auch die Arbeitszeit ausländischer Beschäftigter im Mindestlohnbereich zurück. Der Anstieg der monatlichen Verdienste fiel deshalb weniger stark aus als der Anstieg der Stundenlöhne.«
Malte Lübker (2025): Steuerfreie Überstundenzuschläge: Geringe Entlastung, problematische Verteilungswirkungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 12/2025
»Mit einer Steuerfreistellung für Überstundenzuschläge will die schwarz-rote Koalition die Beschäftigten finanziell entlasten und gleichzeitig einen Anreiz für Mehrarbeit schaffen. Doch die Reform dürfte beide Ziele verfehlen: Nur eine verschwindend kleine Minderheit würde von der Neuregelung tatsächlich profitieren und statt einer Anreizwirkung sind Mitnahmeeffekte zu erwarten. Die für diesen Beitrag ausgewertete Verdiensterhebung vom April 2024 zeigt auch, dass 95 % des Entlastungsvolumens Beschäftigten aus der oberen Hälfte der Entgeltverteilung zugutekommen würden. Zudem führt die geplante Änderung zu einer mittelbaren Diskriminierung von Frauen, da die von Frauen geleisteten Überstunden deutlich seltener die Bedingungen für das neue Steuerprivileg erfüllen als die von Männern.«
Mariella Falkenhain und Maya Kim (2025): Die Kosten des Austritts aus der Grundsicherung: Ukrainische Geflüchtete im Übergang, in: Wirtschaftsdienst, Heft 12/2025
»Die Frage, wie das komplexe deutsche Transfersystem verändert werden könnte, um Erwerbsanreize zu stärken, ist seit längerem Gegenstand wirtschaftspolitischer Debatten. Dieser Beitrag schlägt eine Perspektiverweiterung vor, die über formale Ansprüche hinausgeht und gelebte Erfahrung einbezieht. Er untersucht aus einer soziologischen Perspektive und basierend auf Ergebnissen von Tiefeninterviews, wie ukrainische Geflüchtete, deren Arbeitsmarktintegration politisch besonders dringlich gefordert wird, den Übergang aus der Grundsicherung in Arbeit erleben. Das abrupte Ende von Transferzahlungen, unerwartete Rück- oder Nachzahlungen und Unsicherheit über die Höhe von aufstockenden Leistungen stellen besondere Belastungen dar, die sich langfristig negativ auswirken können. Neben unbürokratischer, finanzieller Anschubhilfe sollte die Beratung durch Jobcenter im Sinne eines sensiblen Übergangsmanagements gestärkt werden.«
Holger Schäfer und Stefanie Seele (2025): Grundsicherung: Kommunale Jobcenter integrieren seltener in Arbeit. IW-Kurzbericht, Nr. 105/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»Manchen Jobcentern gelingt es, binnen eines Jahres mehr als jeden dritten Leistungsbezieher in den Arbeitsmarkt zu integrieren, anderen dagegen nur knapp jeden siebten. Jobcenter in alleiniger kommunaler Trägerschaft integrieren Hilfeempfänger seltener in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als vergleichbare Jobcenter, die gemeinsam von Arbeitsagentur und Kommune betrieben werden. Damit bestätigen sich Befunde früherer Untersuchungen.«
Wido Geis-Thöne (2025): Öffentliche Ausgaben für die Betreuung im Ländervergleich, IW-Kurzbericht, Nr. 104/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»In den Bundesländern wird unterschiedlich viel in die frühkindliche Bildung investiert. Setzt man die öffentlichen Ausgaben für die Kitas und Tageseltern im Jahr 2023 ins Verhältnis zur Zahl der unter Sechsjährigen, ergibt sich für Brandenburg mit 12.145 Euro der höchste und für Baden-Württemberg mit 8.590 Euro der niedrigste Wert. Der Hauptgrund sind unterschiedliche Betreuungsquoten im Alter unter drei Jahren.«
Reinhard Bispinck und das WSI-Tarifarchiv (2025): Betriebliche Arbeitszeitflexibilität – Individuelle Arbeitszeitoptionen. Was regeln die Tarifverträge? Eine Analyse von 25 Branchen und Tarifbereichen, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Dezember 2025
Detlef Sack und Sebastian Fuchs (2025): Die Innungen in den Arbeits- und Tarifbeziehungen des Handwerks. Ergebnisse des Forschungsprojektes „Innungen, Tarifbindung und Mittbestimmung im Wandel“. Forschungsförderung Working Paper Nr. 391, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Dezember 2025
»Die deutschen Handwerksinnungen sind als Arbeitgeberorganisationen zentrale Akteure der Arbeits- und Tarifbeziehungen im Handwerk. Sie stehen jedoch vor großen Herausforderungen. Daher ergibt sich die Frage, wie die Innungen ihre Aufgaben in den Arbeits- und Tarifbeziehungen ausfüllen und wie leistungsfähig sie sind. Auf Basis der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Innungen, Tarifbindung und Mitbestimmung im Wandel“ präsentiert dieses Working Paper zentrale Befunde zu den Aufgaben der Innungen, ihren Organisationsherausforderungen und relevanten Entwicklungen in den Arbeits- und Tarifbeziehungen des Handwerks. Ausblickend werden Implikationen für die Organisation von Arbeitgeberinteressen und Strategien zur Gestaltung „guter Beschäftigung“ im Handwerk diskutiert.«
Alexandra Manske (2025): Altersarmut im Kultursektor. Strukturelle Risiken, Vorsorgelücken, Handlungsbedarfe, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2025
»Um die Altersvorsorge von Kulturschaffenden in Deutschland steht es nicht gut. Zwar schafft die Künstlersozialkasse (KSK) einen spezifischen Schutz¬rahmen, doch führen niedrige und schwankende Einkommen selten zu auskömmlichen Renten. Hinzu kommt, dass rund ein Drittel der freiberuflichen Kulturschaffenden gar nicht in der KSK versichert und damit einem besonders hohen Armutsrisiko ausgesetzt ist. Es entsteht ein gestuftes Gefährdungsprofil, das Geschlechterungleichheiten und hybride Erwerbsverläufe weiter verschärfen. Politische Reformansätze werden nicht wirklich angegangen und verfehlen die branchenspezifischen Absicherungsbedarfe.«
Miriam Laschinski und Ruth Abramowski (2025): Lebenslauffolgen der professionellen Erbringung von Care-Arbeit, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Dezember 2025
Volker Meier und Leander Andres (2025): Wirkungen der Steuerfreiheit auf Überstundenzuschläge. ifo Schnelldienst digital, Nr. 23/2025, München: ifo Institut, Dezember 2025
»Die Bundesregierung erhofft sich von der geplanten Befreiung der Überstundenzuschläge von der Einkommensteuer Beschäftigungsgewinne durch die Ausdehnung der Arbeitszeit der von der Neuregelung betroffenen Beschäftigten. Gleichzeitig ist mit Steuerausfällen aufgrund von Mitnahmeeffekten zu rechnen. Insgesamt sind moderate Beschäftigungsgewinne zu erwarten, deren Ausmaß von der Nutzung der Überstundenzuschläge durch Arbeitgeber und Beschäftigte abhängen. Trotz zusätzlicher Staatseinnahmen in Form von Lohnsteuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Gütersteuern, die aufgrund der steigenden Beschäftigung generiert werden, führt die Steuerbefreiung voraussichtlich zu einem geringen fiskalischen Defizit aufgrund der Mitnahmeeffekte bei unverändertem Arbeitsangebotsverhalten.«
Leon Lohrmann und Marcus Schaerff (2025): Junge Straftäter:innen vor Gericht. Forschungs- und Reformbedarfe im Jugendstrafrecht, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2025
»Das Jugendgerichtsgesetz (JGG) bildet seit über 100 Jahren die rechtliche Basis, um straffällige Jugendliche auf dem Weg aus der Kriminalität zu unterstützen. Trotz wiederholter Rufe nach härteren Strafen blieb die Strafmündigkeitsgrenze unverändert, und die Sanktionen wurden nicht wesentlich verschärft. Dennoch sind Reformen nötig: veraltete Begriffe wie „schädliche Neigungen“ und „Schwere der Schuld“ sollten entfernt, die Diskrepanz zwischen Zielsetzung und Vollzug des Jugendarrests ausgeräumt, die Beschränkung von Rechtsmitteln aufgehoben und die Regelungen zur Vermögensabschöpfung überarbeitet werden. Auch bei der geplanten Entkriminalisierung der Beförderungserschleichung – einem typischen Jugenddelikt – muss die Perspektive junger Menschen stärker berücksichtigt werden. Effektive Jugendkriminalpolitik beruht weniger auf harten Durchgriffen als auf dem Ausbau gut finanzierter, personell starker sozialpädagogischer Hilfsangebote, die sowohl ambulant als auch im Jugendstrafvollzug wirken. Mehr kriminologische Forschung und eine verlässliche Jugendhilfe gelten daher als Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg.«
Wolfgang Strengmann-Kuhn, Michael Opielka und Stefan Bach (2025): Ein integriertes Steuer- und Sozialtransfersystem zur Absicherung des Existenzminimums, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, November 2025
➔ Langfassung (85 S.)
Deutscher Pflegerat (2025): Pflegefachpersonen aus dem Ausland praxisnah anerkennen – Kompetenzvermutung im Pflegeberufegesetz (PflBG), Berlin, November 2025
»Der Deutsche Pflegerat (DPR) fordert in einem aktuellen Positionspapier eine schnellere und qualitätsgesicherte Anerkennung ausländischer Pflegefachpersonen. Angesichts des anhaltenden Fachpersonalmangels ist ihre Integration zentral für eine stabile pflegerische Versorgung in Deutschland. Das Papier schlägt die Einführung einer gesetzlichen Kompetenzvermutung im Pflegeberufegesetz vor. Die Gleichwertigkeit einer ausländischen Pflegeausbildung soll unter klar definierten Voraussetzungen als festgestellt gelten, wenn eine internationale Pflegefachperson eine mindestens dreijährige Ausbildung oder ein gleichwertiges primärqualifizierendes Studium absolviert hat und eine Berufszulassung im Herkunftsland vorliegt. Der DPR schlägt weiter vor, die Kompetenzvermutung verbindlich an einen Defizitbescheid im Anerkennungsverfahren sowie an eine Sprachkompetenz auf dem Niveau von mindestens B2 zu knüpfen.«
Katia Werkmeister und Ludger Wößmann (2025): Volkswirtschaftliche Erträge besserer Bildung. Projektionen aktueller Bildungsziele für Deutschland und die Bundesländer, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2025
Sören Matzk et al. (2025): Pflegebedürftigkeit in Deutschland. Transparenz durch Routinedaten 2025, Berlin: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO) im AOK-Bundesverband, Dezember 2025
»Der Beitrag liefert ein ausführliches Bild zum Stand der Pflegebedürftigkeit und der gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen in Deutschland. Die Analysen basieren auf GKV-standardisierten AOK-Daten. Sie zeigen Prävalenz, Verläufe und Versorgungsformen der Pflege sowie Kennzahlen zur gesundheitlichen Versorgung der Pflegebedürftigen. Im Fokus steht die Inanspruchnahme von ärztlichen und stationären Leistungen, Polymedikation und Verordnungen von PRISCUS-Wirkstoffen und Psychopharmaka. Die Ergebnisse werden der Versorgung der Nicht-Pflegebedürftigen gleichen Alters gegenübergestellt und differenziert nach Schwere der Pflegebedürftigkeit und Versorgungssetting ausgewiesen.«
Doris Baumann et al. (2025): Regionale Faktoren der langfristigen Beschäftigungsentwicklung in Deutschland im Zeitraum 1999–2023. IAB-Forschungsbericht, Nr. 25/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2025
Dominik H. Enste (2025): 4 Millionen Haushalte melden ihre Haushaltshilfe nicht an. IW-Kurzbericht, Nr. 101/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»Haushaltshilfen bieten seit Jahren eine wertvolle Entlastung im Alltag von rund 11 Prozent der Haushalte. Aber kaum eine Hilfe ist angemeldet. Gründe sind vor allem die geringeren Kosten und das Problem, eine Person zu finden, die regulär arbeiten möchte.«
Die deutschen Bischöfe – Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen (2025): Zusammenhalt durch Reformen sichern. Impulse für einen gerechten und verlässlichen Sozialstaat, Bonn, 11.12.2025
Alexander Christ et al. (2025): Der Ausbildungsmarkt im Jahr 2025. Analysen auf Basis der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zum Stichtag 30. September, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Dezember 2025
Marc Thielen et al. (2025): Inklusive Berufsorientierung. Expertise im Auftrag des Paritätischen Gesamtverbandes, Berlin, Dezember 2025
Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ (2025): Fachliche Eckpunkte für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform in der Pflegeversicherung, Berlin, 11.12.2025
Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ (2025): Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Zukunftspakt Pflege: Optionen für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform in der Pflegeversicherung – Roadmap, Berlin, 11.12.2025
DKG (2025): Weniger Bürokratie – Mehr Ressourcen für Patientinnen und Patienten. Positionen der Deutschen Krankenhausgesellschaft zum Abbau von Überbürokratisierung, Berlin: Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), Dezember 2025
Greta Schabram et al. (2025): Mieten fressen Einkommen. Paritätischer Bericht zu Wohnarmut, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Paritätische Forschungsstelle, Dezember 2025
»Die neue Paritätische Wohnarmutsstudie zeigt klar: Wohnkosten sind einer der entscheidenden Treiber sozialer Ungleichheit in Deutschland. 5,4 Millionen Menschen geraten allein durch die Wohnkosten unter die Armutsgrenze – ein Befund, den die bisherige Sozial- und Armutsforschung häufig unterschätzt hat. Damit sind nicht 13 Millionen, sondern 18,4 Millionen Menschen von Armut betroffen.«
Martin Albrecht und Richard Ochmann (2025): Versicherungsfremde Leistungen in der GKV. Systematische Darstellung und Bewertung vorliegender Ansätze zur Abgrenzung versicherungsfremder Leistungen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). IMK Study Nr. 102, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2025
»Aufwendungen der GKV für versicherungsfremde Leistungen werden durch steuerfinanzierte Bundeszuschüsse pauschal abgegolten. Schon länger wird kritisiert, dass deren Höhe von 14,5 Mrd. Euro jährlich die Aufwendungen für diese Leistungen nicht decken. Zur Abgrenzung versicherungsfremder Leistungen gibt es weder eine Legaldefinition, noch einen fachlich-wissenschaftlichen Konsens. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang über ein sehr breites Spektrum von Geld- und Sachleistungen. Die vorliegende Studie enthält eine systematische Darstellung und Bewertung vorliegender Ansätze zur Abgrenzung versicherungsfremder Leistungen in der GKV und quantifiziert deren Umfang. Die als potenziell versicherungsfremd eingestuften Leistungen umfassen ein finanzielles Volumen von insgesamt rund 64 Mrd. Euro. Davon lassen sich knapp 22 Mrd. Euro nach den von den Autoren verwendeten konzeptionellen Kriterien als versicherungsfremd begründen, auf weitere rund 36 Mrd. Euro trifft dies teilweise zu. Darunter entfallen die größten Anteile auf familienpolitisch motivierte Leistungen, insbesondere die beitragsfreie Mitversicherung. Knapp 7 Mrd. Euro können dagegen kaum als versicherungsfremd eingestuft werden. Neben einer direkten Steuerfinanzierung werden weitere Ansätze diskutiert, die finanziellen Belastungen aus versicherungsfremden Leistungen zu verringern.«
Sebastian Link et al. (2025): Mindestlohnerhöhung in der Wirtschaftsflaute. Erwartete Reaktionen der Unternehmen. ifo Schnelldienst digital, Nr. 22, 02.12.2025, München: ifo Institut, 2025
Sabine Pokorny (2025): Einwanderungsgesellschaft im Wandel. Einstellungen von Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund sowie in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländern zwischen 2015 und 2025, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Dezember 2025
»Die Studie vergleicht die Einstellungen zu Religion und Religiosität, zum Leben in Deutschland sowie zu verschiedenen politischen Themen im Zeitverlauf. Untersucht werden u.a. die Zufriedenheit mit der Demokratie und dem politischen System, populistische Einstellungen, Autoritarismus, Antisemitismus und die Legitimierung von Gewalt. Diese Einstellungen werden separat für Türkeistämmige, Polenstämmige, Russlandstämmige sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler analysiert.«
Holger Backhaus-Maul und Lina Hehl (2025): „Gesellschaftsdienst“ und Wehrpflicht. Rekonstruktion einer vielstimmigen Debatte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025
»Die vorliegende Analyse rekonstruiert anhand öffentlich zugänglicher Dokumente, Expertisen und Studien die Debatte über einen „Gesellschaftsdienst“ im Spannungsfeld zwischen Wehrpflicht und freiwilligem Engagement. Den Ausgangspunkt der Analyse bildet die Aussetzung der verfassungsrechtlich verankerten allgemeinen Wehrpflicht und damit verbunden des daraus abgeleiteten Rechtsanspruchs auf einen zivilen Ersatzdienst im Jahr 2011. Im Mittelpunkt steht jedoch die im Jahr 2019 einsetzende und durch die öffentliche Positionierung des Bundespräsidenten verstärkte Debatte über einen „Gesellschaftsdienst“.«
Gerhard Bosch und Frederic Hüttenhoff (2025): Durchsetzung von Arbeitnehmerrechten. Zur Reform der Finanzkontrolle Schwarzarbeit, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025
»Der deutsche Arbeitsmarkt ist alles andere als homogen. Abhängig von Region, Branche, Unternehmensform und Betrieb können sich die Bedingungen und Erfahrungen der Arbeitenden teils erheblich unterscheiden. Für alle Beschäftigten aber gilt das gleiche Arbeits(schutz)recht, das ihre Gesundheit, Sicherheit und Rechte sichern soll. Im komplexen Zusammenspiel der unterschiedlichen Behörden, die in Deutschland diese Rechte kontrollieren und schützen, nimmt die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) eine zentrale Stellung ein. Sie ist insbesondere dafür verantwortlich, die Einhaltung des gesetzlichen Mindestlohns und das korrekte Abführen von Sozialabgaben und Steuern sicherzustellen. Die vorliegende Studie konzentriert sich daher auf die FKS und setzt sich mit den vielschichtigen Herausforderungen, denen sie sich seit ihrer Gründung 2004 sowie aktuell gegenübersieht, auseinander. Mit acht konkreten Handlungsempfehlungen zeigen die Autoren notwendige Entwicklungsschritte für die Sicherstellung der Effektivität der Arbeit der FKS, damit Schwarzarbeit auch in Zukunft wirksam eingedämmt und den Rechten der Beschäftigten Geltung verschafft werden kann.«
Gerald Kössl (2025): Gemeinnütziger Wohnungsbau in Österreich. Ein nachhaltiges Finanzierungsmodell, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025
»Der gemeinnützige Wohnungsbau in Österreich leistet einen großen Beitrag nicht nur für bezahlbares Wohnen, sondern hat darüber hinaus positive ökonomische und gesellschaftliche Auswirkungen. Um die Potenziale und mögliche Übertragbarkeit des Modells herauszustellen, beleuchtet dieses Policy Paper das Finanzierungsmodell des gemeinnützigen Wohnbaus. Es zeigt die historische Entwicklung, die rechtlichen Grundlagen sowie die Funktionsweise der Kostenmiete auf und stellt dar, wie unterschiedliche Finanzierungsinstrumente – von Bankdarlehen über Wohnbauförderung bis zu Eigenkapital und Finanzierungsbeiträgen der Mieter – zusammenspielen.«
Andrea Brück-Klingberg und Amelie Berisha (2025): Arbeitsmarktsituation von Geflüchteten in Niedersachsen. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Niedersachsen-Bremen, Nr. 1/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2025
Bernhard Boockmann et al. (2025): Jobsuche im Bürgergeld. Wie sich Leistungsbeziehende um Arbeit bemühen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Dezember 2025
»Die Studie ist Teil der Untersuchung „Lebenssituation und Erfahrungen von Bürgergeldbeziehenden (LEBez)“ des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und des SOKO Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Sie untersucht, wie intensiv Leistungsbeziehende von sich aus nach Arbeit suchen, welche Gründe einer Arbeitssuche entgegenstehen und welche Angebote die Leistungsbeziehenden vom Jobcenter erhalten. Die Studie zeigt, dass viele Leistungsbeziehende psychisch oder chronisch krank sind. Mehr als die Hälfte der Leistungsbeziehenden hat in den letzten vier Wochen nicht nach einem Job gesucht und gibt hierfür häufig gesundheitliche Gründe an. Daneben werden unter anderem fehlende passende Stellen und unzureichende finanzielle Anreize genannt. Viele geben außerdem an, noch nie ein Stellen- oder Weiterbildungsangebot vom Jobcenter erhalten zu haben. Die Befragung erfolgte vom 15. April bis 18. Juni 2025. Zielgruppe waren erwerbsfähige Leistungsbeziehende zwischen 25 und 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld beziehen und arbeitslos oder arbeitsuchend sind. Die Stichprobe wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezogen.«
Christian Hagist und Stefan Seuffert (2025): Rentenpaket 2025. Fiskalische Auswirkungen, ökonomische Wirkungsfähigkeit und alternative Handlungsoptionen. Kurzexpertise im Auftrag des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Vallendar: Center für Intergenerative Finanzwissenschaft (CIF), WHU – Otto Beisheim School of Management, Dezember 2025
Rahel Dreyer et al. (2025): Memorandum zur Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung in Deutschland, Berlin: Alice Salomon Hochschule, Dezember 2025
»Mit diesem Memorandum (in Kurz- und Langfassung) legen vier Wissenschaftler:innen im Kontext der Kindheitspädagogik evidenzbasierte Empfehlungen für die aktuelle und zukünftige bildungs- und sozialpolitische Gestaltung der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) vor. Die Kindheitspädagogik als Disziplin bringt hier eine breite Expertise ein und betont den eigenständigen und umfassenden Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag der FBBE. Auf Basis einer Kind-, Familien-, Lebenswelt- und Gemeinwesenorientierung fördert FBBE positive Lebensbedingungen für Kinder und ihre Familien und stärkt das demokratische Miteinander in der Gesellschaft.«
Maximilian Blömer et al. (2025): Herbst der Reformen. Gelingt der Regierung eine grundlegende Neuorientierung?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 12/2025
»Bundeskanzler Friedrich Merz hat den Herbst der Reformen ausgerufen. Der Sozialstaat steht dabei im Zentrum: Transfersystem, Rente, Gesundheit, Pflege. Ihn gilt es, fit für die großen Herausforderungen wie den demografischen Wandel zu machen. Kommissionen wurden einberufen, um Konzepte zu erarbeiten. Dabei liegen Reformvorschläge für die wichtigsten Themen längst auf dem Tisch. Um sie endlich politisch durchzusetzen, muss die Regierung über die aktuelle Legislaturperiode hinausdenken, unbequeme Wahrheiten aussprechen und teilweise unpopuläre Maßnahmen auf den Weg bringen. Vorbild kann die Agenda 2010 sein.«
Dominik Hirndorf (2025): Wahlmotive bei der Bundestagswahl 2025. Ergebnisse aus repräsentativen Umfragen zu Wahlgründen und wichtigen Einflussfaktoren in den Wählerschaften, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Dezember 2025
»Das Bundestagswahlergebnis spiegelt lediglich die reine Wahlentscheidung wider. Unsichtbar bleibt dagegen, aus welcher Motivation sich die Wählerinnen und Wähler für bestimmte Parteien entschieden haben. Welche Gründe waren ausschlaggebend? Ist den Wählerinnen und Wählern ihre Entscheidung leichtgefallen oder gab es alternative Parteien? In welchen politischen Lagern fanden Wechselaktivitäten statt und welche Effekte spielten eine entscheidende Rolle im Wahlkampf? Die Antworten liefern die Auswertungen repräsentativer Datenerhebungen vor dem Bundestagswahlkampf und nach der Bundestagswahl.«
BMAS (2025): Lebenslagen in Deutschland. Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Dezember 2025
Es gibt einen Auftrag des Deutschen Bundestages, in jeder Legislaturperiode einen Bericht über die Entwicklung von Armut und Reichtum vorzulegen. Der Berichtszeitraum des 7. Armuts- und Reichtumsberichts umfasst die COVID-19-Pandemie sowie die Inflations- und Energiepreiskrise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Die Auswirkungen auf die sozialen und materiellen Lebensverhältnisse werden auf Grundlage der amtlichen Statistik und von Forschungsergebnissen dargestellt. Zu den neu gesetzten Schwerpunkten des Siebten Armuts- und Reichtumsberichtes gehört die vertiefte Auseinandersetzung mit der Nichtinanspruchnahme von Mindestsicherungsleistungen, da diese die Wirksamkeit von Armutsbekämpfung und sozialpolitischen Maßnahmen einschränkt. Ebenfalls neu war die Durchführung eines eigenständigen Beteiligungsprozesses, mit dem Menschen mit Armutserfahrung stärker einbezogen wurden. Zudem werden erstmals in einem Armuts- und Reichtumsbericht die sozialen Herausforderungen und Chancen im Kontext von Klimawandel und Dekarbonisierung thematisiert.
Maximilian Stockhausen (2025): Erwerbsarbeit und Pflege. Wie werden Erwerbstätigkeit und private Pflege miteinander vereinbart?, in: IW-Trends, Nr. 4/2025, S. 3-23
»Die deutsche Gesellschaft altert und immer mehr Menschen müssen Erwerbsarbeit und Pflege miteinander vereinbaren. Von den rund 5,7 Millionen Pflegenden waren im Jahr 2022 fast drei Viertel unter 66 Jahren alt und damit noch im erwerbsfähigen Alter.«
BMFSFJ (2025): Dritter Bericht der Bundesregierung zum Ausbaustand der ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangebote für Grundschulkinder nach § 24a SGB VIII. 3. GaFöG-Bericht, Berlin: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), Dezember 2025
Susanne Wanger (2025): Flexible Übergänge in den Ruhestand: Verbreitung und Ausgestaltung von Altersteilzeit und Zeitwertkonten. IAB-Forschungsbericht, Nr. 24/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2025
»Der demografische Wandel führt zu einer Schrumpfung und Alterung des Erwerbspersonenpotenzials. Daher wird es für Betriebe zunehmend wichtiger, gut qualifiziertes Personal möglichst lange zu halten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Erwerbsbeteiligung älterer Personen an Bedeutung, insbesondere die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen deren Beschäftigungsfähigkeit möglichst lange erhalten und gefördert werden kann. Gleitende Übergänge in den Ruhestand, wie sie durch Altersteilzeit oder Langzeitkonten ermöglicht werden, können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten. Dieser Forschungsbericht bietet einen umfassenden Überblick über die Gestaltung, Verbreitung und Nutzung dieser Regelungen.«
Wido Geis-Thöne (2025): 300.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen. Eine Betrachtung der Entwicklung von Bestand und Bedarf an Betreuungsplätzen. IW-Report, Nr. 63/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Hatte die Zahl der unter Dreijährigen in institutioneller Betreuung im Jahr 2023 mit 857.000 ihren Höchststand erreicht, ist sie bis zum Jahr 2025 wieder um 56.000 oder 6,5 Prozent auf nur noch 801.000 gesunken. Niedriger lag sie letztmals im Jahr 2018. Ursächlich hierfür sind vorwiegend die stark gesunkenen Kinderzahlen. Lebten Ende des Jahres 2022 noch 2,28 Millionen unter Dreijährige in Deutschland, waren es Ende des Jahres 2024 nur noch 2,12 Millionen. Gleichzeitig ist im letzten Jahr allerdings auch die Betreuungsquote leicht von 38,2 Prozent auf 37,8 Prozent gesunken (jeweils bezogen auf Kinderzahlen nach Korrektur der Bevölkerungsbestände mit dem Zensus 2022), was bisher nur einmal – im Umfeld der Corona-Pandemie im Jahr 2021 – der Fall war. Legt man die Angaben von Eltern zu den Betreuungswünschen für ihre unter Dreijährigen aus dem Vorjahr zugrunde, hätte im Jahr 2025 an sich ein Bedarf an 1,10 Millionen Betreuungsplätzen bestanden, womit sich rechnerisch eine Lücke von 300.000 Plätzen ergibt.«
Michaelle Nintcheu (2025): Fachkräfteeinwanderung über die Chancenkarte. IW-Kurzbericht, Nr. 96/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Die Chancenkarte zählt zu den populärsten Neuregelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes und erleichtert Drittstaatsangehörigen den Zugang zum Arbeitsmarkt – doch die Regelung ist in der bisherigen Umsetzung schwierig und vielen Arbeitgebern noch unbekannt.«
Aktion Mensch (2025): Inklusionsbarometer Arbeit. Ein Instrument zur Messung von Fortschritten bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt, 13. Jahrgang (2025), Bonn: Aktion Mensch, November 2025
Maren Hilke und Jörg Kohlscheen (2025): Armut und ihre Erforschung aus der Akteursperspektive. Konzepte, Diskurse, Forschungsstand, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, November 2025
»Armut zu untersuchen, ohne ihre soziale Bedeutung zu reflektieren, bleibt entweder leer oder verhaftet im Common Sense. Abhilfe verspricht die Einbeziehung der Akteursperspektive, die es ermöglicht, Armut als komplexes soziales Phänomen zu erfassen. Der Anspruch, nicht nur über Armut zu forschen, sondern die Perspektiven der Betroffenen zu rekonstruieren, ist in der Forschung vielfach formuliert worden – wirft jedoch zugleich neue Fragen auf. Diese Untersuchung bietet auf Grundlage des nationalen wie internationalen Forschungsstandes der letzten 20 Jahre einen Überblick über zentrale Konzepte, Diskurse und Forschungsergebnisse. Eine ergänzende Bibliografie soll zudem den Einstieg in dieses vielschichtige Forschungsfeld erleichtern.«
Gülten Gizem Fesli (2025): Neukonzeption der Live-in-Betreuung: Eine regulatorische Perspektive auf transnationale Care-Arbeiter*innen in deutschen Live-in-Arrangements, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, November 2025
»Die Irregularität transnationaler und häuslicher Pflegearbeit in deutschen Live-in-Arrangements manifestiert sich in sozialräumlicher Isolation, Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit, fehlendem Zugang zu Sozialleistungen wie Mindestlohn und Gesundheitsversorgung sowie in Herausforderungen hinsichtlich der Aufenthaltsgenehmigung. Dieser DIFIS-Impuls verdeutlicht die Regelungslücken der 24-Stunden-Live-in-Betreuung mit Blick auf das deutsche Arbeitsrecht und untersucht die Komplexität der 24-Stunden-Live-in-Arrangements aus arbeitssoziologischer Perspektive. Der DIFIS-Impuls macht Vorschläge für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, die diese Herausforderungen angehen und die 24-Stunden-Betreuung auf Bundesebene regeln könnten. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören die Begrenzung der 24-Stunden-Verfügbarkeit, die Integration in das Sozialversicherungssystem, die Regelung des Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Status und die Regulierung transnationaler Pflegeagenturen, um ein gerechteres und sichereres Arbeitsumfeld für transnationale Pflegekräfte in Deutschland zu schaffen. Darüber hinaus ist diese Neukonzeption von entscheidender Bedeutung für die Verbesserung des sozialen Status der Pflegearbeit und für die effektive Anwerbung und Bindung qualifizierter transnationaler Hausangestellter. Sie ist unerlässlich, um Probleme wie dem Mangel an qualifizierten Fachkräften in Deutschland zu begegnen.«
OECD (2025): Pensions at a Glance 2025. OECD and G20 Indicators, Paris, November 2025
➔ OECD (2025): Renten auf einen Blick 2025 (Auszugsweise Übersetzung). OECD- und G20-Länder – Indikatoren, Paris, November 2025
Maria Pernegger et al. (2025): Armut im öffentlichen Diskurs. Mediendiskurs- und Narrativanalyse über Armut, armutsbetroffene Menschen & vulnerable Gruppen in österreichischen Medien. Studie in Kooperation mit Arbeiterkammer Wien, Armutskonferenz, LebensGroß, Wien, November 2025
➔ Armutskonferenz: Studie: Analyse der Armutsdiskurse in Österreich. Welche Erzählmuster gibt es? Wer kommt zu Wort? Worüber wird geschwiegen? (24.11.2025)
Anna Bindler et al. (2025): Erwerbstätigkeit im Alter: bereits bedeutend – aber ausbaufähig, in: DIW Wochenbericht, Nr. 48/2025
»Eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen wird häufig als Möglichkeit gesehen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das tatsächlich realisierbare Potenzial lässt sich jedoch nur schwer abschätzen. Ein Ausgangspunkt ist die bereits bestehende Beschäftigung Älterer. Auswertungen von Daten des Mikrozensus 2022 zeigen, dass Personen im Alter von 66 Jahren und älter bereits heute einen beachtlichen Anteil der Erwerbstätigen stellen, ihre durchschnittlichen Arbeitszeiten fallen jedoch niedriger aus als bei Jüngeren. Unter den älteren Erwerbstätigen sind Selbstständige überdurchschnittlich stark vertreten. Je besser die gesundheitliche Verfassung und je höher das Bildungsniveau, desto größer ist die Erwerbsbeteiligung im Alter. Die Beschäftigung Älterer erstreckt sich zudem über zahlreiche Branchen. Sie sind etwa genauso häufig wie Jüngere in Berufen tätig, in denen die Arbeitsnachfrage das Angebot nicht nur kurzfristig übersteigt (Engpassberufe). Neben Anpassungen im Renten- und Steuerrecht könnten vor allem Maßnahmen zur Förderung von Bildung und Gesundheit zu einer weiteren Ausweitung der Beschäftigung Älterer beitragen.«
João Domingues Semeano et al. (2025): Rentenpaket macht Rentenversicherung auch für Jüngere attraktiver, belastet aber Bundeshaushalt. Simulationsergebnisse für verschiedene Geburtsjahrgänge zum Rentenpaket 2025 der Merz-Regierung. IMK Policy Brief Nr. 203, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), November 2025
»In diesem Policy Brief wird untersucht, welche Effekte das Rentenpaket 2025 auf den Beitragssatz, das Sicherungsniveau, den Bundeszuschuss und die individuellen Renditen von Standardbeschäftigten in der gesetzlichen Rentenversicherung hätte. Dazu werden zunächst mit dem dynamischen Rentenversicherungsmodell (DyReMo) die makroökonomischen Größen einschließlich des aktuellen Rentenwerts simuliert – sowohl nach aktueller Gesetzeslage wie auch nach Verabschiedung des Rentenpakets 2025. Dabei wird zwischen einigen Reformkomponenten unterschieden, um die einzelnen Effekte besser zu erfassen. In einem zweiten Schritt werden basierend auf diesen Ergebnissen die interne Rendite für Männer und Frauen aus Westdeutschland verschiedener Geburtsjahrgänge von 1940 bis 2010 errechnet. Für alle noch lebenden untersuchten Geburtsjahrgänge steigen dabei durch das Rentenpaket 2025 die internen Renditen. Die Einzahlung in die Rentenversicherung wird damit für alle betrachteten Geburtsjahrgänge attraktiver. Diese Verbesserung geht allerdings auf Kosten des Bundeshaushaltes. Die Zahlungen des Bundes an die Rentenversicherung steigen durch das Rentenpaket langfristig um etwa 0,3 zusätzliche Prozentpunkte des BIP. Insgesamt bleiben aber die Mittel, die vom Bund in die gesetzliche Alterssicherung fließen, relativ zum BIP unter dem Höchststand von 2003.«
Carolin Böse und Rebecca Atanassov (2025): Pflegeeinrichtungen und die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen. Chancen, Hürden und Erfolgsfaktoren, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), November 2025
»Die vorliegende Studie geht u.a. der Frage nach, welche Erfahrungen Pflegeeinrichtungen, in denen Menschen hohen Alters gepflegt werden, mit der Durchführung von Anpassungsmaßnahmen im Rahmen der Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen gemacht haben und welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind.«
Martin Bujard und Leonie Kleinschrot (2025): Eltern in der Rushhour des Lebens entlasten. Die Dynamische Familienarbeitszeit, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025
Torsten Müller und Thorsten Schulte (2025): Das EuGH-Urteil zur Europäischen Mindestlohnrichtlinie – Ein guter Tag für das soziale Europa!, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), November 2025
Thorsten Faas et al. (2025): Überraschende Wahl, überraschende Stimmen. Junge Menschen und die vorgezogene Bundestagswahl 2025, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, November 2025
»Die Studie von Thorsten Faas, Sigrid Roßteutscher und Armin Schäfer beleuchtet die Einstellungen, das Informationsverhalten und die Parteipräferenzen junger Menschen im Kontext der vorgezogenen Bundestagswahl 2025.«
Nicolas Ziebarth (2025): Karenztage und Absenkung der Lohnersatzrate: Eine ökonomische Einordnung, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, November 2025
»Dieser Policy Brief ordnet zunächst die aktuelle Diskussion um die Einführung eines Karenztages sowie eine Kürzung der Lohnfortzahlung (= Absenkung der Lohnersatzrate) aus ökonomischer Sicht ein. In beiden Fällen geht es um staatliche Mindestabsicherungen im Krankheitsfall für abhängig Beschäftigte der Privatwirtschaft. Bei einem Karenztag gibt es keinerlei Pflicht zur Lohnfortzahlung während des ersten Tages einer jeden Krankheitsepisode während die Kürzung der Lohnfortzahlung auf 80 Prozent einen Lohnverlust von 20 Prozent während der Dauer der Krankheit bedeuten würde. Eine allgemeine Absenkung der Lohnersatzrate dominiert aus wohlfahrtsökonomischer Sicht die Einführung von Karenztagen. Allerdings würde eine solche Maßnahme – insbesondere nach den Erfahrungen der letzten Absenkung 1996 – nicht zielführend sein und zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Stattdessen sollten Unternehmen mit passgenauen Maßnahmen experimentieren. Gleichzeitig sollte der Gesetzgeber durch die Einführung von „Teilzeitkrankschreibungen“ – graduellen Krankschreibungen, die auf die Restarbeitsfähigkeit abzielen – die deutsche Lohnfortzahlung nach skandinavischem Vorbild modernisieren.«
Björn Kauder (2025): Öffentliche Ausgaben im internationalen Vergleich. Wo steht Deutschland im Vergleich zu seinen Nachbarregionen?. IW-Report, Nr. 61/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Deutschland gibt inzwischen mehr Geld in die soziale Sicherung als die nordischen Wohlfahrtsstaaten. Bei Bildung und Investitionen spart die Bundesrepublik dagegen, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).«
Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle (2025): Entwicklung der Kinder- und Jugenddelinquenz in Nordrhein-Westfalen. Befunde zum Hellfeld und Vergleich der Erkenntnisse aus Hellfeld und Dunkelfeld, Düsseldorf: Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen, Juli 2025
Franziska Jurczok et al. (2025): Auf eigenen Füßen stehen. Repräsentative Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Eigenständigkeit von Frauen und Männern in Deutschland, Heidelberg: SINUS Markt- und Sozialforschung GmbH, November 2025
Miriam Beblo et al. (2025): Strategierahmen für die ökonomische Gleichstellung 2030, Berlin: Center for Responsible Research and Innovation Fraunhofer IAO, November 2025
Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2025): Das Urteil des EuGH vom 11. November 2025 zur Unionszuständigkeit hinsichtlich der Mindestlohnrichtlinie, Berlin, November 2025
Dorothee Spannagel (2025): Mehr Ungleichheit – weniger politische Teilhabe. WSI-Verteilungsbericht 2025. WSI Report Nr. 108, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), November 2025
»Die Einkommensungleichheit in Deutschland ist seit 2010 deutlich gestiegen – insbesondere ab dem Jahr 2018. Während die Armutsquoten kontinuierlich zunehmen, bleibt der obere Rand der Einkommensverteilung weitgehend stabil. Das belegt der diesjährige Verteilungsbericht, der verdeutlicht, dass große Teile der Gesellschaft nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung der 2010er Jahre profitiert haben. Zugleich zeigen neue Daten der WSI-Erwerbspersonenbefragung: Politische Teilhabe und Vertrauen in demokratische Institutionen sind stark vom Einkommen abhängig. Steigende materielle Ungleichheit kann somit zu einem Problem für die Demokratie werden.«
➔ dazu: Einkommensungleichheit seit 2018 weiter angestiegen – Vertrauen in staatliche Institutionen sinkt mit Einkommen (20.11.2025)
Heinz Rothgang et al. (2025): BARMER Pflegereport 2025. Pflegeverläufe bei Akutereignissen und Erkrankungen mit progredientem Verlauf. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse – Band 48, Berlin: BARMER, November 2025
Gesundheit Unteilbar (2025): Gemeinsam gegen Ausgrenzung. Aufruf anlässlich der Bürgergeldreform, Berlin, 20.11.2025
»Unsere sozialen Sicherungssysteme zurückzubauen und Menschen ungleich zu behandeln, gefährdet nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch die Gesundheit! Als Initiative #Gesundheit Unteilbar1 verurteilen über 50 Akteure aus dem Gesundheits- und Sozialwesen die Pläne der Bundesregierung zur Reform des Bürgergeldes und den bereits im Voraus angekündigten Ausschluss von ukrainischen Geflüchteten aus dem regulären sozialen Sicherungssystem. Sie warnen vor wachsender Armut und Ausgrenzung. Beides macht krank. Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht in der Lage, dem zu begegnen.«
Tacheles (2025): Stellungnahme zum Referentenentwurf des Dreizehnten Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und andere Gesetze (13. SGB II ÄndG), Wuppertal, 19.11.2025
Gerd Zika et al. (2025): Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt. IAB-Forschungsbericht, Nr. 23/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2025
Sybille Stöbe-Blossey et al. (2025): Ganztagsförderung an Grundschulen: Ein bildungs- und sozialpolitisches Konzept für mehr Chancengleichheit? IAQ-Report 2025-11, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), November 2025
»Ein bedarfsgerechter Ausbau von Ganztagsschulen eröffnet die Chance, Kindern eine kooperative Förderung zugänglich zu machen sowie Lern- und Teilhabechancen für benachteiligte Kinder zu verbessern. Trotz wachsender Teilnahmequoten bestehen Exklusionsrisiken für Kinder aus bildungsbenachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund. Diesen Risiken kann durch eine Finanzierung entgegengewirkt werden, die soziale und interkommunale Disparitäten berücksichtigt. Eine Ganztagsförderung, die bildungs- und sozialpolitischen Anforderungen gerecht wird, braucht Konzepte, die Freizeit, Lernen und individuelle Förderung verbinden – mit Fokus auf Sprachbildung, sozialer Kompetenz und kindgerechter Partizipation. Eine Basis für gute Ganztagsförderung ist die Einbindung in Präventionsketten mit verbindlichen Kooperationsstrukturen innerhalb der Schule und zwischen Ganztagsschulen und externen Partnern.«
Holger Seibert (2025): Löhne in Ost- und Westdeutschland: Im Osten verdienen Beschäftigte immer noch 14 Prozent weniger. IAB-Kurzbericht Nr. 25/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), November 2025
»Nach wie vor klafft eine große Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland. Sie ist aber im hier betrachteten Zeitraum zwischen 2012 und 2024 deutlich kleiner geworden – und zwar in etwa gleichem Maße wie der Produktivitätsabstand zwischen den Landesteilen zurückgegangen ist.
Die Höhe der Ost-West-Lohnlücke variiert mit verschiedenen Merkmalen wie der Region, der Branche oder dem Anforderungsniveau der ausgeübten Tätigkeit. Bei Spezialisten und in der Industrie sind die Ost-West-Lohnunterschiede am höchsten.«
Davit Adunts et al. (2025): Polnische Arbeitskräfte in Deutschland, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), November 2025
»Polnische Staatsangehörige gehören zu den größten Migrationsgruppen in Deutschland. Im Jahr 2024 verzeichnete diese Gruppe erstmals seit Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit einen Rückgang ihrer Zahl. Die arbeitsmarktpolitische Implikation ist klar: Abgänge einer Migrationsgruppe, die überproportional in Engpass- und kritischen Infrastrukturberufen arbeitet, treffen direkt knappheitsrelevante Sektoren. Die Hauptmotive für Abwanderungsüberlegungen sind überwiegend strukturell (wirtschaftliche und politische Lage, steuerliche Belastung, Bürokratie). Damit sind Bleibeperspektiven grundsätzlich beeinflussbar: Beschleunigte und digitale Verfahren (z. B. Anerkennung), transparente Aufstiegspfade und eine entlastende Verwaltungsumgebung können Bindungseffekte entfalten – gerade bei den jüngeren Alterskohorten.«
Markus Hummel et al. (2025): Veränderungen am deutschen Arbeitsmarkt – Einflüsse und Entwicklungen. Stellungnahme des IAB zur Anhörung beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am 9.7.2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), November 2025
Silke Anger et al. (2025): Was kommt nach der Schule? Ein Drittel der Jugendlichen erwägt mehrere Bildungswege, in: IAB-Forum, 12.11.2025
»Die Entscheidung über den weiteren Bildungsweg nach Abschluss einer allgemeinbildenden Schule ist richtungsweisend für das künftige Bildungs- und Erwerbsleben junger Menschen. Neben dem Einstieg in eine betriebliche oder schulische Ausbildung kann auch ein weiterführender Schulbesuch, ein Studium oder andere Bildungswege folgen. Eine neue IAB-Befragung gibt Einblick in die Wünsche und Vorstellungen von Jugendlichen in der Schule zum Übergang ins Arbeitsleben.«
Ruth Maria Schüler et al. (2025): Eigenbeteiligung in der voll stationären Pflege. Eine Analyse regionaler Kostenunterschiede. IW-Report, Nr. 59/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
Michael Voigtländer et al. (2025): Wohnraumversorgung und Wohnraumbedarfe von Studierenden und Auszubildenden, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 2025
»Die vorliegende Studie gibt einen ganzheitlichen Überblick über die Wohnraumversorgung sowie die damit verbundenen Wohnraumbedarfe von Studierenden und Auszubildenden. Auf Basis von z. B. Datenanalysen, fünf Expertenworkshops und zwei Befragungen unter 2.386 Auszubildenden und Studierenden und 286 Anbietern und Trägern von Wohnheimen wurden aktuelle und belastbare Informationen sowohl auf der Anbieter-, als auch auf der Nachfrageseite gewonnen. Derzeit stehen rund 20.000 Wohnheimplätze für Auszubildende und etwa 241.000 öffentlich geförderte Wohnheimplätze für Studierende zur Verfügung. Hinzukommen noch alternative Angebote im Bereich des Micro Livings und des Wohnens für Mitarbeitende sowie auf dem freien Wohnungsmarkt. Die Analysen in der vorliegenden Studie verdeutlichen, dass die Versorgungssituation bei Auszubildenden und Studierenden nicht ausreichend ist und sowohl aktuell als auch zukünftig Versorgungslücken bestehen. Abschließend zeigt die Studie Ansätze für eine angemessene und bedarfsgerechte Wohnraumversorgung von Auszubildenden und Studierenden auf. Hierzu zählen neben dem Neubau und der Modernisierung von Wohnheimplätzen auch z. B. die Gründung von Auszubildendenwerken oder Kooperationen von Arbeitgebern zur Bereitstellung von Wohnraum für junge Mitarbeitende.«
Jurek Tiedemann et al. (2025): Fachkräftereport Q3 – Viel Bewegung in Gesundheitsberufen, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), November 2025
»Auch im dritten Quartal 2025 hat die anhaltende wirtschaftliche Schwäche den Arbeitsmarkt fest im Griff. Im September 2025 lag die Zahl offener Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte um 8,1 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat, während die Zahl qualifizierter Arbeitsloser um 9,0 Prozent höher lag.«
BA (2025): Arbeits- und Fachkräftemangel trotz Arbeitslosigkeit, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), November 2025
Deutsche Sozialversicherung Europavertretung (2025): Kritisch, digital, souverän: Die Sozialversicherung als Treiber für Europas Wettbewerbsfähigkeit, Brüssel, Oktober 2025
Wolfgang Strengmann-Kuhn, Michael Opielka und Stefan Bach (2025): Ein integriertes Steuer- und Sozialtransfersystem zur Absicherung des Existenzminimums, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, November 2025
»In Deutschland gibt es nicht die eine Grundsicherung, sondern mehrere Grundsicherungssysteme für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen: Neben dem (bisherigen) Bürgergeld gibt es Grundsicherungsleistungen nach dem SGB XII, u.a. für ältere und erwerbsgeminderte Menschen, sowie nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für Geflüchtete. Auch die Leistungen nach dem BAföG dienen der Existenzsicherung. Hinzu kommen diverse Leistungen für Menschen mit geringen Einkommen oberhalb des Grundsicherungsniveaus, insbesondere der Kinderzuschlag und das Wohngeld. Diese Vielzahl von Sozialleistungen wird von verschiedenen Institutionen organisiert und ist für die meisten Bürger*innen nicht zu durchschauen. Die Folge davon ist, dass die Leistungen häufig nicht bei denen ankommen, für die sie gedacht sind. Die Nichtinanspruchnahmequote ist sehr hoch, bei manchen Leistungen sogar weniger als die Hälfte der Anspruchsberechtigten. Ein integriertes Steuer-Transfer-System (ISTS) kann diese strukturellen Probleme lösen, indem es die Sicherung des Existenzminimums automatisiert, digitalisiert und entstigmatisiert. Der im vorliegenden DIFIS-Impuls enthaltene Reformvorschlag kombiniert steuerbasierte Leistungen (Basisgeld, Kindergrundsicherung, pauschale Wohnkosten) mit einem integrierten Steuer-Transfer-Tarif, der Arbeitsanreize erhöht und zu mehr Gerechtigkeit beiträgt.«
Esra Yula et al. (2025): Willkommen in der Pflege? Perspektiven auf das Ankommen und Bleiben von Pflegekräften aus Drittstaaten in Baden-Württemberg. DeZIM Project Report 18, Berlin: Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), 2025
»Deutschland steht aufgrund der alternden Bevölkerung vor einem dramatischen Anstieg des Pflegebedarfs. Dabei setzt es verstärkt auf die Anwerbung internationaler Pflegekräfte. Ziel dieses Projekts war es, am Beispiel Baden-Württembergs zu beleuchten, wie Pflegekräfte aus Drittstaaten in Deutschland ankommen, welche Hürden ihnen dabei entgegenstehen und welche Bedingungen ihre soziale Integration fördern. Auf Grundlage eines triangulierten Forschungsdesigns verdeutlicht die Studie, dass Rekrutierung allein nicht ausreicht, um internationale Pflegekräfte längerfristig zu halten und die Pflegeversorgung nachhaltig zu sichern. Zudem leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der sozialen Eingliederung internationaler Pflegekräfte: Sie unterstreicht, dass soziale Integration ein vielschichtiger Prozess ist, der aktiv gestaltet und begleitet werden muss und kann.«
Philipp Ramos Lobato et al. (2025): Jobcenter-Beschäftigte zum Bürgergeld: Herausforderungen groß und vielschichtig, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Binnen weniger Jahre hat die Politik mehrere Kurskorrekturen in der Ausrichtung der Grundsicherung für Arbeitsuchende vollzogen – mit direkten Folgen für die Jobcenter, die diese Reformen umsetzen müssen. In zwei Erhebungswellen wurden Jobcenter-Beschäftigte befragt. Das Ergebnis: Die Beschäftigten teilen zentrale Kritikpunkte der öffentlichen Debatte zur Bürgergeld-Reform. Dies gilt sowohl im Hinblick auf die Arbeitsanreize als auch für die Sanktionsregelungen im SGB II. So erachten 84 % der Befragten Leistungskürzungen für erforderlich, um die Mitwirkung der Leistungsberechtigten sicherzustellen. Insofern dürfte die von der Regierungskoalition geplante Reform aus Sicht vieler Jobcenter-Beschäftigter in die richtige Richtung weisen. Allerdings haben die Jobcenter-Beschäftigten einen im Vergleich zur öffentlichen Debatte differenzierteren Blick bezüglich der vielfältigen Herausforderungen, mit denen die Leistungsberechtigten auf dem Weg zurück in den Arbeitsmarkt konfrontiert sind. Als größtes Problem werden psychische Erkrankungen genannt.«
Stefan Fetzer und Christian Hagist (2025): Notwendige Reformen der Sozialversicherung zur solidarischen Absicherung großer Lebensrisiken, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Das deutsche Sozialversicherungssystem steuert auf einen Kipppunkt zu: Ohne Reformen wird der Gesamtbeitragssatz für die Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nach 2044 auf über 50 % steigen. Demografie und steigende Ausgaben bedrohen den Generationenvertrag und die Finanzierungsbasis der Sozialen Marktwirtschaft. Der Beitrag zeigt Reformpfade für alle drei zentralen Zweige auf: In der Rentenversicherung sind ein höheres Renteneintrittsalter, die Wiedereinsetzung des Nachhaltigkeitsfaktors und die Aufgabe der Haltelinie nötig. Für die Krankenversicherung werden Digitalisierung, Wettbewerb und modernisierte Eigenbeteiligungen vorgeschlagen. Die Pflegeversicherung erfordert ein Leistungsmoratorium, mehr Eigenverantwortung und Kapitaldeckung. Nur entschlossene Reformen können Beitragssätze stabilisieren und die Sozialversicherung zukunftsfähig machen.«
Sabine Walper et al. (2025): Eine Perspektive für jedes Kind. UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2025, Köln: UNICEF, November 2025
Hans Gersbach et al. (2025): Zukunft fair gestalten: Generationengerechte Wirtschafts- und Sozialpolitik, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Demokratie, Bildung, Steuern, Rente, Klimaschutz, Staatsverschuldung – politische Entscheidungen in allen Bereichen prägen die Zukunft. Nicht alle Entscheidungen sind zum Vorteil der jungen und zukünftigen Generationen. Wie kann Generationengerechtigkeit gesichert werden? Welche Reformen sind nötig, um sie herzustellen? Dieses Zeitgespräch zeigt, wie gleiche Startchancen möglich werden, und fragt, was einen solchen gesamtwirtschaftlichen Wohlstand fördert, an dem alle Generationen teilhaben können. Konkret geht es etwa um das Ausprobieren neuer Entscheidungsregeln in der Demokratie, eine Reform der Erbschaftsteuer, eine gerechtere Aufteilung hinzugewonnener Lebensjahre zwischen Erwerbs- und Rentenphase in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie eine ganzheitliche Perspektive auf Staatsschulden.«
Anne Fritzsche et al. (2025): Freiwilliges Engagement in Deutschland. Zentrale Ergebnisse des Sechsten Deutschen Freiwilligensurveys (FWS 2024). Eine Studie im Auftrag der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, Berlin: Bundeskanzleramt, November 2025
Oliver Schlenker et al. (2025): Pflegen am Limit. Warum im Gesundheitswesen die Fachkräfte fehlen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 11/2025
Maximilian Blömer et al. (2025): Zukunft des Sozialstaats: Integriertes Transfersystem oder Einzelmaßnahmen?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 11/2025
»Das deutsche Transfersystem ist komplex und führt durch hohen Transferentzug häufig zu schwachen Arbeitsanreizen. Der Beitrag vergleicht auf Basis des verhaltensbasierten ifo Mikrosimulationsmodells zwei Reformansätze: (1) ein integriertes Transfersystem „aus einem Guss“, das Bürgergeld, Wohngeld und Kinderzuschlag zusammenführt, sowie (2) eine Teilreform, die lediglich Wohngeld und Kinderzuschlag bündelt. Die Simulationsergebnisse zeigen, dass ein integriertes Transfersystem die Arbeitsanreize deutlich stärkt, die Komplexität reduziert und zugleich fiskalische Entlastungen ermöglicht. Die Teilreform erzielt zwar ebenfalls Verbesserungen, bleibt jedoch in ihrer Wirksamkeit begrenzt. Die vorgestellten Varianten illustrieren damit Optionen für ein transparenteres und effizienteres Transfersystem.«
Boris Kühn und Julian Schlicht (2025): Nicht mehr am Limit. Warum die Lage der Kommunen bei der Flüchtlingsaufnahme dennoch herausfordernd bleibt, November 2025
➔ dazu: Mediendienst Integration: Viele Kommunen sind nicht mehr am Limit (12.11.2025)
Sandra Bohmann et al. (2025): Aktiviert die Aktivrente Ältere? Evidenz zur Wirkung finanzieller Anreize auf das Arbeitsangebot von Personen vor und im Rentenalter, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
➔ dazu: Bertelsmann Stiftung: Mit der Aktivrente gegen den Fachkräftemangel: Welche Chancen Unternehmen und Politik jetzt haben (12.11.2025)
Kathrin Schmidt (2025): Jedes dritte KMU bietet Weiterbeschäftigung von älteren Mitarbeitern an, Frankfurt am Main: KfW Research, Oktober 2025
Lucie Stecker und Rosalie Wilke (2025): Arbeit 60+ – zwischen Paragrafen und Praxis. Ergebnisse einer Unternehmensbefragung zur Weiter- und Wiederbeschäftigung Älterer, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
DGB (2025): Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Wie wirksam ist der Job-Turbo – und welche politischen Konsequenzen folgen daraus?, Berlin: DGB Abteilung Arbeitsmarktpolitik, November 2025
Sonja Laag und Rolf Müller (2025): Flickenteppich Pflege: Eine Bestandsaufnahme der ambulanten Pflege, Berlin: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), November 2025
»Die ambulante Berufspflege in Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Historisch gewachsene, uneinheitliche gesetzliche Regelungen haben zu einem „regulatorischen Flickenteppich“ geführt. In den einzelnen Bundesländern lässt sich eine unterschiedliche Angebotsstruktur und Auslastung feststellen. Das Paper möchte im Sinne einer Bestandsaufnahme die gegenwärtigen Rahmenbedingungen für die ambulante Berufspflege aufzeigen. Diese muss gleichzeitig vor allem nach zwei unterschiedlichen Rechtskreisen handeln, und zwar nach dem Sozialgesetzbuch V für die Krankenversicherung (SGB V) und dem SGB XI für die Pflegeversicherung. Aufgrund der Komplexität und Breite des Themas bezieht sich die Bestandsaufnahme auf die ambulante medizinisch-pflegerische Versorgung im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege nach § 37 SGB V/§132a SGB V und die ambulante Pflege in der Pflegeversicherung nach § 36 SGB XI/§ 72 SGB XI durch Pflegedienste. Skizziert werden Spezialisierungsentwicklungen in der häuslichen Krankenpflege wie auch Aspekte ihrer Leistungserbringung in der stationären Langzeitversorgung. Für die Entwicklung zukünftiger Leistungskataloge und neuer Verträge, wie sie unter anderem Ziel der aktuellen Gesetzesvorhaben sind, sollten die gegenwärtigen Bedingungen reflektiert werden. Hierzu gehört auch die Betrachtung der kommunalen Bedarfsplanung, die nicht losgelöst vom vertraglichen Versorgungsgeschehen zu sehen ist.«
BPtK (2025): Psychotherapeutische Versorgung in der Psychiatrie – zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Berlin: Bundespsychotherapeutenkammer, November 2025
Valeria Quispe et al. (2025): Berechnung von Fachkräfteengpässen nach Wirtschaftszweigen. Methodik und Ergebnisse einer methodischen Erweiterung der IW-Fachkräftedatenbank. IW-Report, Nr. 55/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Seit 2020 berechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) die Zahl der in Deutschland fehlenden Fachkräfte auf Basis einer eigens dafür entwickelten Methodik … Sie ermöglicht eine Bestimmung des Fachkräftebedarfs in den 1.300 Berufsgattungen. Eine Bestimmung der Fachkräfteengpässe nach einzelnen Wirtschaftszweigen war bisher nicht möglich. Eine methodische Erweiterung erlaubt nun die Berechnung der Fachkräftelücke nach Abteilungen der Klassifikation der Wirtschaftszweige (2-Steller der WZ 2008 …). Damit lässt sich nicht nur analysieren, welche Fachkräfte bundesweit in welchem Umfang benötigt werden, sondern auch, in welchen Branchen diese fehlen.«
Holger Schäfer (2025): Bürgergeldreform: Mehr Verbindlichkeit. IW-Kurzbericht, Nr. 90/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Das Bundesministerium für Arbeit hat einen Entwurf für die Reform der Grundsicherung vorgelegt. Die Maßnahmen schaffen mehr Verbindlichkeit und betonen wieder stärker die Komponente des „Forderns“. Dies könnte zu mehr Übergängen in Arbeit führen.«
Jan Engler et al. (2025): Arbeitsplatzattraktivität: Zwischen Wunsch und Versprechen. Eine Analyse auf Basis der IW-Beschäftigtenbefragung und Online-Stellenanzeigen. IW-Report, Nr. 53/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
Larissa Klemme (2025): Die 4-Tage-Woche. Chancen, Grenzen & Optionen für Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Oktober 2025
»Die Debatte über eine 4-Tage-Woche schlägt seit Jahren hohe Wellen. Im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und steigenden Erwartungen an eine bessere Work-Life-Balance bieten Arbeitgeber das Modell jedoch kaum an: Nur 0,12 Prozent der Stellenanzeigen werben mit dem Angebot einer 4-Tage-Woche – das sind lediglich 8.653 Jobangebote im Jahr 2024, kaum mehr als in den Vorjahren. Höher ist der Anteil in Berufen mit ausgeprägtem Fachkräftemangel. Das zeigt die Analyse von Online-Stellenanzeigen mit Daten des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung.«
➔ dazu: Bertelsmann Stiftung: 4-Tage-Woche: Chance für Einstieg in flexible Arbeitszeitmodelle (06.11.2025)
Jan Digutsch et al. (2025): Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt – Baden-Württemberg 2025, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
Annette Kuhn et al. (2025): Bildungsverlaufsregister und Schüler-ID in Deutschland. Status quo und Gelingensbedingungen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
»Die Einführung eines Bildungsverlaufsregisters und einer Schüler-ID ist ein zentrales bildungspolitisches Vorhaben der aktuellen Bundesregierung. Beide Instrumente lassen sich nur im Dialog mit den Ländern und weiteren Stakeholdern wie dem Datenschutz oder Verbänden verwirklichen. Das Papier der Bertelsmann Stiftung will dazu einen Beitrag leisten. Es bildet den Status Quo der Debatte ab und gibt Impulse zu den Gelingensbedingungen.«
Nationales Bildungsforum (2025): Vom Erkennen zum Handeln und zurück. Für ein neues Miteinander von Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis, Wittenberg/Berlin November 2025
Andreas Ette et al. (Hrsg.) (2025): Schutzsuchende aus der Ukraine in Deutschland. Entwicklungen und Veränderungen von Sozialstruktur, Familie, Teilhabe und Rückkehr, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), November 2025
Lukas Menkhoff und Katharina Wrohlich (2025): Einstellungen zu Geschlechterrollen werden bei Jüngeren in manchen Ländern wieder traditioneller, in: DIW Wochenbericht, Nr. 45/2025
»Die Einstellungen zur Rolle von Frauen und Männern in Wirtschaft und Gesellschaft haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und den meisten Ländern der Welt modernisiert. Zuletzt hat sich dieser Prozess jedoch deutlich verlangsamt und mancherorts sogar umgekehrt: In den meisten Ländern sind die Einstellungen der in Befragungen berücksichtigten jüngsten zehn Jahrgänge kaum noch moderner als die der zehn Jahrgänge davor. In etwa einem Drittel der Länder ist der Trend bezogen auf die jüngsten 20 Jahrgänge sogar negativ. Dies deutet darauf hin, dass Einstellungen zu Geschlechterrollen mancherorts wieder traditioneller werden. Die Uneinheitlichkeit in der weltweiten Entwicklung könnte sich verstärken. Selbst in Europa deutet sich in manchen Ländern eine Umkehr an. In Deutschland schreitet die Modernisierung derzeit noch voran, doch dieser Prozess verlangsamt sich und kann möglicherweise auch hierzulande zum Stillstand kommen.«
Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (2025): Reform der Grundsicherung, Berlin, 06.11.2025
Andreas Zick et al. (Hrsg.) 2025: Die angespannte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland 2024/25, Bonn 2025
Tacheles (2025): Wir schlagen Alarm! Kürzen statt helfen! Die neue Grundsicherung gefährdet Existenzen!, Wuppertal, 04.11.2025
Malte Lübker (2025): Steuerliche Freistellung von Überstundenzuschlägen. Geringe Entlastung und problematische Verteilungswirkungen. WSI Policy Brief Nr. 93, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Oktober 2025
DRV (2025): „Vorbild“ Schweden? Was unterscheidet die Prämienrente von der Riester-Rente?, Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV), November 2025
»Ein Vierteljahrhundert nach der Riester-Reform stagniert die Entwicklung der geförderten zusätzlichen Altersvorsorge. Sie gilt als zu kostenintensiv, renditeschwach und komplex. Auf der Suche nach Lösungen nehmen Politik und Medien zunehmend die schwedische Prämienrente in den Blick, die häufig als erfolgreiche Alternative betrachtet wird. Doch was unterscheidet die deutsche Riester-Rente von der schwedischen Prämienrente? Was können wir im Kontext aktuell geplanter Reformen von Schweden lernen?«
Mario Bossler und Martin Popp (2025): Zum Entwurf der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung. Stellungnahme des IAB im Rahmen der Verbändebeteiligung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zum 6.10.2025. IAB-Stellungnahme, Nr. 1/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Oktober 2025
»Nach dem Beschluss der Mindestlohnkommission vom 27. Juni 2025 soll der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland zum 1. Januar 2026 auf 13,90 Euro pro Stunde und zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro pro Stunde steigen. Mit dieser Stellungnahme beurteilen die Autoren den Beschluss auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und gehen insbesondere auf die Lohn- und Beschäftigungswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns ein.«
Katharina Spieß et al. (2025): Wie zufrieden sind Ein- und Ausgewanderte? Deutschland im Fokus, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), Oktober 2025
»Der BiB.Monitor Wohlbefinden 2025 untersucht, wie sich das subjektive Wohlbefinden – ein zentrales Maß für die aktuelle Lebenssituation und den empfundenen Wohlstand – zwischen Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlicher Ein- oder Auswanderungsgeschichte unterscheidet. Grundlage sind vor allem Daten des familiendemografischen Panels FReDA aus dem Jahr 2023 sowie weitere aktuelle Datensätze. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass Zugewanderte aus osteuropäischen Staaten besonders zufrieden sind, während Nachkommen von Eingewanderten und schutzsuchende Personen aus der Ukraine – insbesondere Frauen und Ältere – vergleichsweise niedrige Zufriedenheitswerte aufweisen. Personen mit Auswanderungsabsichten weisen sowohl überdurchschnittlich viele wenig als auch sehr Zufriedene auf. Unter den deutschen Ausgewanderten finden sich insbesondere bei Personen, die in Südeuropa leben, hohe Anteile sehr Zufriedener. Die Analysen liefern wichtige Ansatzpunkte für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Teilhabe und Integration zu fördern und so das subjektive Wohlbefinden der Bevölkerung mit (Ein- und Aus-)Wanderungsgeschichte zu beeinflussen. Dies sind etwa Maßnahmen, welche die Teilhabe und Integration der Bevölkerung mit Einwanderungsgeschichte verbessern und den gesellschaftlichen Wohlstand erhöhen.«
Sabine Diabaté und Leonie Kleinschrot (2025): Tradwives – mehr Hype als Realität? Einstellungen junger Frauen zur weiblichen Rolle. BiBAktuell Nr. 8/2025, Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), 2025
»Unter den untersuchten 20- bis 30-jährigen Frauen vertritt die deutliche Mehrheit (62 %) ein egalitäres weibliches Rollenbild. Zugleich befürworten 19 % ein Rollenbild, das dem Tradwife-Konzept entspricht. Unter den jungen Frauen tendieren niedrig gebildete, religiöse und verheiratete sowie Mütter stärker zu Tradwife-Einstellungen. Trotz online verbreiteter, traditioneller Tradwife-Narrative prägen weiterhin auf Geschlechtergleichheit ausgelegte Konzepte das Rollenbild der meisten jungen Frauen.«
Jeremias Kläui und Michael Siegenthaler (2025): KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen. KOF-Studien Nr. 186, Zürich: KOF Institut, Oktober 2025
»In diesem Bericht untersuchen wir die frühen Auswirkungen von KI-Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) auf den Schweizer Arbeitsmarkt. Wir analysieren, ob Berufe mit hoher KI-Betroffenheit vor und nach der Einführung von ChatGPT und anderen LLMs im Herbst 2022 andere Trends bei Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen zeigen als Berufe mit niedriger Betroffenheit. Es zeigt sich: Nach der Einführung generativer KI entwickelte sich die Arbeitsmarktsituation in Berufen mit hoher KI-Betroffenheit deutlich weniger erfreulich als in Berufen mit geringer Betroffenheit. So stieg die Zahl der arbeitslosen Stellensuchenden gemäss Registerdaten der Arbeitslosenversicherung in stark exponierten Berufen um bis zu 27 % stärker als in weniger exponierten Berufen. In umfassenden Stelleninseratsdaten eines privaten Datenanbieters zeigt sich ein relativ stärkerer Rückgang der Zahl der Stellenausschreibungen. Analysen mit einem zweiten Mass für KI-Betroffenheit liefern qualitativ ähnliche Ergebnisse. Die Resultate sprechen für negative Arbeitsnachfrageeffekte generativer KI in stark exponierten Berufen.«
Christina Anger et al. (2025): Die ökonomische Bedeutung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. IW-Report, Nr. 49/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2025
Ramona Schmid (2025): Mindestlohn in Deutschland. Chance zur Verringerung der Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 10/2025
»Im Jahr 2015 wurde deutschlandweit der gesetzliche Mindestlohn eingeführt. Zu diesem Zeitpunkt waren in Deutschland insbesondere Frauen im Niedriglohnsektor beschäftigt und die geschlechtsspezifsche Lohnlücke zwischen Männern und Frauen gehörte zu den höchsten in Europa. Eine neue Studie zeigt deutliche regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands – sowohl im Ausmaß der Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen als auch in deren Entwicklung – nach der Einführung des Mindestlohns. Besonders in den ostdeutschen Bundesländern proftieren Frauen vom Mindestlohn, was zu einem deutlichen Rückgang der geschlechtsspezifschen Lohnlücke führt.«
Maximilian Blömer et al. (2025): Auf der Suche nach Passierschein A38. Eine Inventur im „Haus der sozialen Hilfe und Förderung“, in: ifo Schnelldienst, Nr. 10/2025
»Der Beitrag zeigt die Ergebnisse einer Bestandsaufnahme der Sozialleistungen in Deutschland, die auf Bundesebene geregelt sind. Insgesamt konnten 502 verschiedene Sozialleistungen identifziert werden. Diese Sammlung aller Geld-, Sach- und Dienstleistungen sowie steuerlichen Freibeträge mit sozialpolitischem Zweck sind in einer frei zugänglichen Datenbank zusammengefasst und im ifo Forschungsbericht 160 veröffentlicht. Ziel ist es, einen systematischen Überblick über die Leistungen im „Haus der sozialen Hilfe und Förderung“ zu schaffen, um eine Orientierung für Forschung, Praxis und Politik zu ermöglichen.«
➔ Maximilan Blömer et al. (2025): Eine Inventur im „Haus der sozialen Hilfe und Förderung“. ifo Forschungsberichte Nr. 160, München: ifo Institut, Oktober 2025
Oliver Falck et al. (2025): Kein Dach über dem Kopf? Wohnungsknappheit als sozialpolitische Herausforderung, in: ifo Schnelldienst, Nr. 10/2025
»Wohnen ist längst mehr als eine private Angelegenheit: Wer sich kein Dach über dem Kopf leisten kann, dem fehlt eine wichtige Lebensgrundlage. Viele befürchten, dass das Thema Wohnen zur neuen sozialen Frage in Deutschland wird: Denn die Mieten und Grundstückspreise steigen, die Neubauziele der Bundesregierung werden regelmäßig verfehlt, bei der Vergabe des knappen Wohnraums haben oft die wirtschaftlich Schwächsten das Nachsehen. Die Beiträge unseres Titelthemas zeigen Entwicklungen und diskutieren Lösungsansätze.«
BDA (2025): Für eine leistungsfähige und finanzierbare gesetzliche Krankenversicherung. Vorschläge der Arbeitgeber für eine „Gesundheitsreform 2026“, Berlin: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Oktober 2025
Franziska Vollmer (2025): Einheitliche Grundsicherung. Vorschlag zur Zusammenführung der Grundsicherung, des Kinderzuschlags und des Wohngelds in eine Leistung, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Oktober 2025
»Die DIFIS-Studie weist auf die unzureichende Absicherung von Kindern und Eltern aus einkommensschwachen Familien hin. Das Zusammenwirken der steuerfinanzierten Grundsicherungsleistungen Bürgergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld ist zu kompliziert und teilweise ungerecht. Eine Zuständigkeit für die Ausgestaltung insgesamt fehlt. Als Lösung wird auf der Grundlage langjähriger Verwaltungserfahrung die Einführung einer einheitlichen Grundsicherungsleistung vorgeschlagen. Es wird aufgezeigt, inwiefern dies eine Maßnahme zum Bürokratieabbau wäre, im Ergebnis mit massiv entlastender Wirkung für Verwaltungen und Bürger. Unter Einbeziehung verschiedener Alternativvorschläge wird herausgearbeitet, dass mit einer einheitlichen Leistung am besten ein bedarfsgerechtes Ausgangsniveau und zugleich eine leistungsgerechte Berücksichtigung von Erwerbseinkommen gewährleistet werden kann, bei der sich zusätzliches Einkommen immer auszahlt. Reformen dieser Reichweite sind herausfordernd. Angesichts zunehmender Demokratieskepsis ist es höchste Zeit für eine Verständigung, um Rechtsbereiche ungeachtet institutioneller Eigeninteressen möglichst sachorientiert, gerecht und nachvollziehbar zu regeln.«
Alice Dillbahner und Solveig Sternjakob (2025): Sozialgerichtsforschung. Erkenntnisse und Handlungsbedarf, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Oktober 2025
»Die vorliegende Studie bietet einen systematischen Überblick über die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Sozialgerichtsbarkeit in Deutschland in den vergangenen 25 Jahren. Im Zentrum steht die Analyse bestehender Forschungsarbeiten zum sozialgerichtlichen Verfahren, inklusive dessen vorgelagertem Widerspruchsverfahren, sowie zu alternativer Streitbeilegung. Dabei zeigt sich, dass zwar punktuelle Forschungsansätze zu zentralen Aspekten wie institutionellen Praktiken, Akteurskonstellationen und Verfahrensrealitäten vorliegen, diese bislang jedoch nur in Ansätzen systematisch aufgearbeitet und vertieft untersucht wurden. Ergänzend werden daher angrenzende Forschungsfelder betrachtet, die wichtige Anknüpfungspunkte bieten, um bestehende Forschungslücken zu schließen. Insgesamt wird deutlich, dass insbesondere empirische, interdisziplinäre und akteursbezogene Forschungsansätze weiter gestärkt werden sollten, um die Sozialgerichtsbarkeit in ihrer Funktion für den Sozialstaat umfassend zu verstehen und weiterzuentwickeln.«
Jorinde Schulz und Laura Valentukeviciute (2025): Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft. Wie Schließungen und Privatisierung die medizinische Versorgung verschlechtern und was wir dagegen tun können, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2025
Eurofound (2025): Digitalisation of social protection, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2025
»Dieser Bericht befasst sich mit der Digitalisierung von Front- und Backoffice-Prozessen im Bereich der monetären Sozialleistungen. In zehn EU-Mitgliedstaaten und Norwegen ist für alle oder alle bis auf eine der neun untersuchten Leistungen eine digitale Antragstellung möglich. In mindestens fünf Mitgliedstaaten wurde die Antragstellung in Papierform für einige der Leistungen eingestellt. Die Automatisierung von Leistungen, durch die die Antragstellung entfällt und Nichtinanspruchnahme verhindert wird, ist am häufigsten bei Kindergeldleistungen anzutreffen. Die Digitalisierung wird häufig zur Ermittlung von Überzahlungen eingesetzt, jedoch selten zur Aufdeckung von Nichtinanspruchnahmen. Sie spielt auch eine Rolle bei der Bewertung von Anträgen und der Bearbeitung von Dokumenten. Menschen in atypischen Situationen werden häufig von digitalen Prozessen ausgeschlossen. Das Vertrauen kann gestärkt werden, indem Interessengruppen in die Systementwicklung einbezogen und die Rolle der Forschung, der Zivilgesellschaft und der Justiz gestärkt werden. Die durch die Digitalisierung ermöglichten Ressourceneinsparungen sollen oft dazu verwendet werden, Menschen, die Unterstützung benötigen, zusätzlich zu unterstützen, doch dafür fehlen Belege.«
Katrin Brettfeld et al. (2025): Wehrpflicht oder Freiwilligendienst? Einstellungen der Bevölkerung zur Bundeswehr und einer „Neuen Wehrpflicht“ nach der Zeitenwende. MOTRA-Spotlight 02/25, Wiesbaden: Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung (MOTRA), Oktober 2025
Florian Blank und Wolfram Brehmer (2025): Arbeit im Ruhestand. Arbeit, Arbeitsbedingungen und Motive aus betrieblicher Sicht. WSIReport Nr. 107, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Oktober 2025
»Weiterarbeiten im Ruhestand: gang und gäbe – in der Regel beim alten Arbeitgeber, oft mit reduzierter Stundenzahl. Daten der WSI-Betriebsrätebefragung geben einen Überblick über Verbreitung, Arbeitsbedingungen und Motive.«
Michael Behr (2025): Zuwanderung als Dynamikindikator und als Demografiekorrektiv. Die positive Rolle internationaler Arbeitskräfte für Arbeitsmarkt und Bevölkerungsentwicklung in Thüringen, in: ifo Dresden berichtet, Heft 5/2025
»Der Freistaat Thüringen verzeichnet seit der Wiedervereinigung kontinuierliche Einwohnerverluste. Noch stärker als die Zahl der Einwohner*innen sinkt seit Jahren die Zahl potenzieller Erwerbstätiger in der Altersgruppe der 15- bis 65-Jährigen. Zudem altern die Bevölkerung und das Erwerbspersonenpotenzial stark. Gleichzeitig führen die wirtschaftliche Wiederbelebung und die wachsende Zahl an Renteneintritten zu einem hohen Arbeitskräftebedarf in praktisch allen Branchen. Erwerbstätige aus dem Ausland tragen erheblich zur Verringerung des Arbeitskräftemangels bei. Nicht nur der Arbeitsmarkt profitiert von der Zuwanderung, auch die demografische Verfassung verbessert sich.«
Grega Ferenc et al. (2025): Reformbausteine zur nachhaltigen Rente, in: ifo Dresden berichtet, Heft 5/2025
»Das deutsche Rentensystem steht unter Druck: Der demografische Wandel wird zu einer großen Herausforderung für die finanzielle Stabilität. In diesem Beitrag untersuchen wir mithilfe eines Simulationsmodells verschiedene Reformoptionen – darunter die Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte (Rente ab 63), die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung sowie die inflationsorientierte Rentenanpassung der Bestandsrenten. Auf Basis dieser Maßnahmen schnüren wir zwei Reformpakete. Unsere Ergebnisse zeigen: Während Reformpaket I, bei dem die Rente für besonders langjährig Versicherte abgeschafft und ab 2032 das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt wurde, erste Entlastungseffekte erzielt, ist erst eine Kombination mit Reformpaket II, bei dem zusätzlich der Nachhaltigkeitsfaktor erhöht wird und die Bestandsrenten nur noch mit der Inflation steigen, in der Lage, das System nachhaltig zu stabilisieren.«
Grega Ferenc et al. (2025): Rentenrealität von Wien bis Berlin, in: ifo Dresden berichtet, Heft 5/2025
»Österreich wird immer wieder als Musterbeispiel eines auskömmlichen Rentensystems in der öffentlichen Debatte in Deutschland angeführt. Wie unterscheidet sich das österreichische Rentensystem vom deutschen hinsichtlich Finanzierung, Leistungsniveau und langfristiger Nachhaltigkeit? Bei Renteneintritt erhält man in Österreich tatsächlich eine höhere Rente in Relation zum vorherigen Arbeitseinkommen. Allerdings wird in Deutschland häufig übersehen, dass die österreichischen Bestandsrenten nur einen Inflationsausgleich vorsehen und nicht mit dem Lohnwachstum ansteigen. Langfristig ist die Finanzierbarkeit des österreichischen Rentensystems wie in Deutschland durch die demografische Entwicklung gefährdet.«
Viktoria Berger et al. (2025): Mitbestimmung. Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat aus Sicht von Betrieben und Beschäftigten. Forschungsbericht 669, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Oktober 2025
»Betriebsräte sind ein wichtiger Baustein betrieblicher Mitbestimmung in Deutschland. Der vorliegende Bericht basiert auf den Befragungsdaten des LPP aus der Betriebsbefragung 2023 sowie der Beschäftigtenbefragung 2024 und wird durch Erkenntnisse aus dem IAB-Betriebspanel ergänzt. Die Ergebnisse zeigen einen rückläufigen Trend in der Verbreitung von Betriebsräten, insbesondere in kleinen Betrieben und solchen in Familienbesitz. Rund 60 Prozent der Betriebe haben keinen Betriebsrat, wobei in solchen Betrieben häufig alternative Kommunikationsformen zwischen Management und Beschäftigten anzutreffen sind. Wo Betriebsräte existieren, wird die Zusammenarbeit in der Regel positiv bewertet, und sie sind aktiv in Bereichen wie Einstellungen, Arbeitszeitregelungen und Arbeitsschutz. Der Forschungsbericht verdeutlicht, dass engagierte Betriebsräte mit besseren Arbeitsbedingungen und höherer Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten korrelieren.«
Thilo Kroeger et al. (2025): Beschäftigung im Wandel: Wie KI, Demografie und Institutionen den Arbeitsmarkt verändern, in: Wirtschaftsdienst, Heft 10/2025
»Der Arbeitsmarkt unterliegt einem tiefgreifenden Strukturwandel getrieben durch Innovationen und Demografie. Zentrale Entwicklungen und Spannungsfelder sind die Polarisierung des Arbeitsmarkts, persistente Fachkräfteengpässe, das Zusammenspiel von Tarifrecht und Arbeitszeitgestaltung sowie die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz. Dieses Zeitgespräch liefert fundierte Analysen, neue Denkansätze und Denkanstöße für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zu einem Zeitpunkt, an dem Arbeitsmarktpolitik neu gedacht werden muss.«
Jens Boysen-Hogrefe (2025): Versicherungsfremde Leistungen in der Rentenversicherung vom Bundeszuschuss gedeckt, in: Wirtschaftsdienst, Heft 10/2025
»Als versicherungsfremde Leistungen in der gesetzlichen Rentenversicherung gelten in der Regel solche Rentenleistungen, die entweder der Sache oder der Höhe nach nicht vorherigen Beiträgen entsprechen. Sofern es um zusätzliche Leistungen geht, die an Bevölkerungsgruppen gezahlt werden, die neu in das Rentensystem gekommen sind, aber nicht nur Leistungsempfänger, sondern auch zusätzliche Beitragszahler mit sich bringen, sollten bei der Bewertung die Eigenschaften des Umlageverfahrens berücksichtigt werden. Ähnliches gilt für die Anerkennung von Kindererziehungsleistungen. Unter dieser Maßgabe dürften die versicherungsfremden Leistungen deutlich geringer ausfallen und vom Bundeszuschuss weitgehend gedeckt sein.«
Almut Balleer et al. (2025): Mindestlohn als Stresstest: Finanzielle Spielräume entscheiden über Beschäftigungseffekte, in: Wirtschaftsdienst, Heft 10/2025
»Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 € in Deutschland im Jahr 2015 führte zu einer Umverteilung der Beschäftigung zwischen Unternehmen. Während die Gesamtbeschäftigung stabil blieb, passten sich Unternehmen je nach finanzieller Ausstattung und Betroffenheit unterschiedlich erfolgreich an, mit entsprechend unterschiedlichen Folgen für ihre Beschäftigten. Vor dem Hintergrund der geplanten Erhöhung auf 14,60 € bis 2027 analysieren wir anhand kombinierter Beschäftigten- und Unternehmensdaten die Entwicklungen vor und nach der Mindestlohneinführung 2015, um die heterogenen Wirkungen auf Beschäftigung und Lohnstruktur aufzuzeigen. Finanzierungsengpässe erweisen sich als entscheidender Faktor für die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen an Lohnerhöhungen.«
Anne Krins et al. (2025): Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Perspektiven und Lösungsstrategien für Kommunen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Oktober 2025
Björn Kauder (2025): Die Zusammensetzung der kommunalen Ausgaben in Deutschland – Eine Betrachtung über 30 Jahre. IW-Report, Nr. 48/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2025
»Deutschlands Städte und Gemeinden müssen heute deutlich mehr Geld für soziale Leistungen und Verwaltung aufbringen als früher. Eine IW-Studie zeigt, dass der Anteil der Sozialausgaben – etwa für Kinderbetreuung und Sozialhilfe – von 25 Prozent (1992) auf fast 38 Prozent (2022) gestiegen ist. Auch die Verwaltungskosten legten stark zu und machen inzwischen rund 20 Prozent des kommunalen Budgets aus. Gleichzeitig ist der Anteil für Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau, Abwasser- und Müllentsorgung von 34 Prozent auf nur noch 20 Prozent gesunken.«
Thilo Kroeger (2025): Deutschlands Arbeitsmarkt: Zunehmend dienstleistungsorientiert und hochqualifiziert, in: DIW Wochenbericht, Nr. 43/2025
»Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich über die letzten Jahrzehnte tiefgreifend verändert. Lange war die Debatte über den Strukturwandel auf die Verschiebungen vom Verarbeitenden Gewerbe zu Dienstleistungen fokussiert. Der Wochenbericht hebt hervor, dass die Veränderungen am Arbeitsmarkt auf drei unterschiedliche Entwicklungen zurückgehen: Neben dem eigentlichen sektoralen Strukturwandel sind auch die Verlagerung auf Berufsebene hin zu dienstleistungsnahen Tätigkeiten (die sogenannte Tertiärisierung) und die zunehmende Nachfrage nach höherqualifizierten Arbeitskräften (der sogenannte qualifikationsbedingte Wandel) zentrale Treiber. Auf Basis administrativer Daten für die Jahre 1975 bis 2017 kann gezeigt werden, dass sich nur etwa zwei Drittel des Beschäftigungsrückgangs in der Industrie auf den klassischen Strukturwandel zurückführen lassen. Ein erheblicher Teil entfällt auf Tertiärisierung und qualifikationsbedingte Veränderungen. Die sektorale Betrachtung allein reicht somit nicht mehr aus, um Veränderungen am Arbeitsmarkt zu erfassen. Entscheidend sind konkrete Aufgabenprofile und Kompetenzen, insbesondere analytische und interaktive Fähigkeiten. Arbeitsmarkt- und Weiterbildungspolitik sollten sich daher stärker an Aufgabenprofilen und regionalen Gegebenheiten ausrichten, um Transformation sozial verträglich zu begleiten.«
Maximilian Schiele et al. (2025): Verbesserte gesundheitliche Lage durch „Teilhabe am Arbeitsmarkt“: Geförderte Beschäftigung mit begleitendem Coaching ist eine wirksame Intervention. IAB-Kurzbericht 22/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Oktober 2025
»Schlechtere Gesundheit steht in engem Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit. Geförderte Beschäftigung mit begleitendem Coaching zu verbinden, ist ein Ansatz, mit dem nicht nur Langzeitarbeitslosigkeit beendet, sondern auch die gesundheitliche Situation und die soziale Teilhabe von Betroffenen gestärkt werden sollen. Befragungsdaten geben darüber Auskunft, ob ein gesundheitsbezogenes Coaching die persönliche Situation verbessern kann und ob die Geförderten von einer besseren Gesundheit berichten.«
BAGFW (2025): Weiterentwicklung der ambulanten Pflege. Konzeptionelle Überlegungen für eine Sozialstation 2.0, Berlin: Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Oktober 2025
Valentina Melentyeva and Lukas Riedel (2025): Child Penalty Estimation and Mothers’ Age at First Birth. Discussion Paper No. 25-033, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), July 2025
Ronald Bachmann und Inga Heinze (2025): Fachkräfte gewinnen und halten. Wie Engpassbereiche attraktiver werden, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Oktober 2025
»Der deutsche Arbeitsmarkt ist durch einen sich verschärfenden Fachkräftemangel gekennzeichnet. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Studie darauf ab, die Bestimmungsfaktoren beruflicher Wechsel in Engpassberufe hinein und aus diesen Berufen heraus zu untersuchen. Faktoren, die Zuflüsse erhöhen oder Abflüsse verringern, können den Fachkräftemangel reduzieren. Die Untersuchung erstreckt sich sowohl auf den gesamten deutschen Arbeitsmarkt als auch im Besonderen auf drei Fokusbereiche, die vom Fachkräftemangel besonders stark betroffen sind und die überdies für die Wirtschaft und Gesellschaft Deutschlands eine wichtige Rolle spielen. Bei den besagten Bereichen handelt es sich um das Handwerk, die Informations- und Kommunikationstechnologien („IKT“) und den Gesundheits- und Pflegebereich. Die der Untersuchung zugrunde liegenden Daten entstammen der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zur Identifikation von Engpassbereichen, administrative Daten zu sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und weiteren Quellen zu beruflichen Merkmalen wie Lohn oder Arbeitszufriedenheit.«
Referentenentwurf eines Dreizehnten Gesetzes zur Änderung des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch und anderer Gesetze (13. SGB II-ÄndG); Bearbeitungsstand: 16.10.2025
AWO Bundesverband (2025): „Nehmt uns die Butter nicht vom Brot!“ AWO fordert Sofortmaßnahmen für ein bezahlbares Leben für alle, Berlin, Oktober 2025
Petra Stanat et al. (Hrsg.) (2025): IQB-Bildungstrend 2024. Mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich, Münster, New York 2025
»Im IQB-Bildungstrend 2024 wurde zum dritten Mal das Erreichen der Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik in der Sekundarstufe I überprüft. Damit ist es möglich, in Bezug auf das Erreichen zentraler Bildungsstandards in diesen Fächern für die Länder in der Bundesrepublik Deutschland Entwicklungstrends über einen Zeitraum von 12 Jahren zu beschreiben. Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024 fallen besorgniserregend aus. In allen vier untersuchten Fächern werden die Regelstandards seltener erreicht und die Mindeststandards häufiger verfehlt als noch 2018 bzw. 2012.«
Deutsche Apotheker- und Ärztebank (2025): Pflege am Wendepunkt: Zwischen Daseinsfürsorge und Investitionsdruck. Pflegemarkt 2025, Düsseldorf 2025
Thomas Hestermann (2025): Kriminalität und Migration: Das Bild in deutschen Medien, Hamburg: Macromedia University of Applied Sciences, Oktober 2025
Tim Hochgürtel (2025): Entwicklung der Alleinstehenden in Deutschland seit 1996, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5/2025
Boris Augurzky et al. (2025): Krankenhausreport 2025. Demenzerkrankte in der akutstationären Versorgung, Berlin: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), Oktober 2025
Andreas Aust (2025): Bürgergeld im Realitätstest: Materielle Entbehrung und wachsende Armutslücke. Eine Expertise der Paritätischen Forschungsstelle, Berlin: Paritätische Forschungsstelle, Oktober 2025
Rainer Schlegel (2025): Grundsicherung für Arbeitsuche. Handlungsspielräume des Gesetzgebers im Hinblick auf die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum sozio-kulturellen Existenzminimum und zu Sanktionen bei fehlender Mitwirkung, Oktober 2025
➔ Auftraggeber der Studie: Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): Vollständige Bürgergeld-Streichung ist verfassungskonform (15.10.2025)
Markus M. Grabka (2025): Armutsrisiko stagniert, ist aber bei Menschen mit Migrationshintergrund und Erwerbslosen weiterhin hoch, in: DIW Wochenbericht, Nr. 42/2025
»Die hohe Inflation der vergangenen Jahre hat nach aktuellen Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zu Kaufkraftverlusten bei Bruttostundenlöhnen und Haushaltsnettoeinkommen geführt. Die Ungleichheit bei den Löhnen ist weiter gesunken und wieder auf dem Stand des Jahres 2000. Dies liegt vor allem an den positiven Entwicklungen am unteren Ende der Lohnverteilung: Durch die wiederholten Anhebungen des Mindestlohns hat der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit 15,9 Prozent im Jahr 2024 einen neuen Tiefstand erreicht. Bei den verfügbaren Einkommen auf Haushaltsebene stagniert seit 2020 die Ungleichheit ebenso wie die Armutsrisikoquote, allerdings ist beides in der langen Frist gestiegen. Unter Personen mit Migrationshintergrund und insbesondere unter Geflüchteten ist die Niedrigeinkommensquote überdurchschnittlich hoch, während sie bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund seit mehr als zehn Jahren nahezu unverändert ist. Die Erwerbsbeteiligung hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Armutsrisiko. Zur Reduktion der Einkommensungleichheit und des Armutsrisikos sollten sowohl die Arbeitsmarktintegration ausgewählter Zielgruppen in den Fokus genommen als auch das Transfersystem reformiert werden, um Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit zu setzen.«
Pflegekammer Nordrhein-Westfalen (2025): Massiver Versorgungsmangel befürchtet: Vier von zehn Pflegefachpersonen aus Altenheimen & Co. gehen in Rente, Düsseldorf, 14.10.2025
»Der Versorgungsmangel in der Pflege wird vor allem einen Bereich massiv treffen: Alten- und Pflegeheime. Für die sogenannte „stationäre Langzeitpflege“ zeigen die erstmals umfassend erhobenen Daten der Pflegekammer NRW, dass in den kommenden Jahren in vielen Städten vier von zehn Pflegefachpersonen in Rente gehen. Zugleich ist die Zahl derer, die aus der Ausbildung in den Beruf nachrücken, verschwindend gering. „Wie wollen sie eine Station mit – sagen wir – zehn Kolleginnen und Kollegen künftig betreiben, wenn vier davon in Rente gehen und gerade mal eine neue Kraft hinzukommt, die aber nur stundenweise arbeitet? Das ist umgerechnet das Verhältnis, mit dem wir es nahezu flächendeckend in den kommenden Jahren zu tun haben“, erklärt Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW.«
Kathrin Schmidt (2025): Jedes dritte KMU bietet Weiterbeschäftigung von älteren Mitarbeitern an, Frankfurt am Main: KfW Research, Oktober 2025
Angelika Kümmerling (2025): Individuell weniger, aber in der Summe mehr: Die Entwicklung der Erwerbsarbeitszeiten in Deutschland. Der IAQ-Arbeitszeitmonitor 2025. IAQ-Report 2025-10, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Oktober 2025
»Im Vergleich zum Jahr 2012 sind die mittleren Arbeitszeiten abhängig Beschäftigter gesunken und lagen 2023 bei 34,6 Stunden. Treiber dieses Rückgangs sind vor allem die Arbeitszeiten von Männern. Aber auch die von Frauen geleistete Arbeitszeit verringerte sich erstmals seit 2017, wenn auch nur leicht. Rückläufig sind insgesamt die Arbeitszeiten der Vollzeitbeschäftigten, während sie bei Teilzeitbeschäftigten deutlich angewachsen sind. Innerhalb der Gruppe der Teilzeitbeschäftigten sind sichtbare Verschiebungen festzustellen: Ein Anstieg der Teilzeitbeschäftigung zeigt sich insbesondere bei Vätern, Hochqualifizierten sowie Personen ohne Kinderbetreuungsverpflichtungen. Trotz sinkender individueller Arbeitszeiten hat das gesamtwirtschaftliche Arbeitszeitvolumen infolge hoher Beschäftigungsquoten zugenommen. 2023 waren mehr Menschen in Deutschland erwerbstätig, und es wurde mehr Arbeitszeit erbracht als jemals zuvor seit der Wiedervereinigung. Diese positive Entwicklung des Arbeitsmarktes kann sich jedoch auf gesellschaftlicher Ebene eher negativ auswirken: Die Verfügbarkeit von Zeit für gesellschaftliches Engagement, politische Beteiligung oder Pflege verringert sich.«
Facharbeitsgruppen Finanzierung und Versorgung (2025): Sachstandsbericht für die 2. Sitzung der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“, 13.10.2025
Angela Rauch und Nancy Reims (2025): Berufliche Rehabilitation für Menschen mit Behinderungen: Integration gelingt, die Zahl der Geförderten sinkt. IAB-Kurzbericht, Nr. 21/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Oktober 2025
»Die Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Behinderungen nach einer beruflichen Rehabilitation hat sich in den letzten Jahren verbessert. Dies zeigen Analysen mit administrativen Daten der Bundesagentur für Arbeit. Gleichzeitig nehmen immer weniger Menschen eine berufliche Rehabilitation auf. Auch die Zusammensetzung der Personengruppe, die gefördert wird, hat sich verändert.«
Hermann Buslei et al. (2025): Grundrentenberechtigte häufiger erwerbstätig als andere Rentner*innen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 41/2025
»Durch die Einführung der Grundrente im Jahr 2021 wird langjährig Versicherten mit niedrigen Einkommen ein Zuschlag zur gesetzlichen Rente gewährt. Im Jahr 2024 haben rund 1,4 Millionen Empfänger dadurch im Durchschnitt eine um 100 Euro höhere Rente erhalten. Aktuelle Daten der Deutschen Rentenversicherung zeigen, dass insbesondere Frauen vom Grundrentenzuschlag profitieren. Zugleich fällt auf, dass Personen mit Grundrentenanspruch überdurchschnittlich häufig auch während des Bezugs der Altersrente im Arbeitsmarkt aktiv bleiben. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um geringfügige Beschäftigungen. Für alle Rentner wird beobachtet, dass sie besonders häufig weiterhin erwerbstätig sind, wenn sie noch im letzten Jahr vor Renteneintritt erwerbstätig waren. Unter Grundrentenbeziehenden ist der Anteil der Erwerbstätigen noch höher. Der Steuerfreibetrag der aktuell geplanten Aktivrente könnte positiv auf den Erwerbsumfang dieser Gruppe wirken und sollte entsprechend vom Einkommenstest ausgenommen werden. Zudem sollte die wachsende Zahl von Grundrentenempfänger aufmerksam verfolgt werden. Politisch gilt es in erster Linie dafür zu sorgen, dass weniger Menschen nach einer langen Erwerbsbiografie von diesem Zuschlag abhängig sind.«
Sophie Teborg und Alper Eker (2025): Zwischen Anforderungen, Ressourcen und Einschränkungen: die Arbeitssituation von Beschäftigten mit Behinderung, Dortmund: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Oktober 2025
Jörg Heining et al. (2025): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2025/2026: Positive und negative Entwicklungen halten sich die Waage. IAB-Kurzbericht, Nr. 20/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Oktober 2025
»Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist weiterhin durch Stagnation gekennzeichnet. Bundesweit bleiben Beschäftigung und Arbeitslosigkeit 2026 im Vergleich zu 2025 nahezu unverändert. Auf Ebene der Bundesländer und der Agenturbezirke zeigen sich teilweise positive Entwicklungen, die jedoch bisher nicht ausreichen, um flächendeckend eine Trendwende am Arbeitsmarkt herbeizuführen.«
Wissenschaftlicher Beirat beim BMWE (2025): Zur Reform des Bürgergelds, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), Stand: 22.09.2025
Sebastian Dullien und Katja Rietzler (2025): Sozialstaatsdebatte krankt an mangelnder Analyse und Fokus auf Scheinprobleme. IMK Kommentar Nr. 16, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Oktober 2025
»Über den Sommer hat sich die Sozialstaatsdebatte in Deutschland zugespitzt. So behauptete Bundeskanzler Friedrich Merz jüngst, Deutschland könne sich „dieses System, das wir heute so haben, einfach nicht mehr leisten“. Einschnitte seien in allen Bereichen notwendig. Ein Blick in die Statistiken zum Sozialstaat zeigt allerdings: Die Gesamtausgaben sind nicht auffällig groß, nicht auffällig gestiegen und Probleme gibt es allenfalls in einzelnen engen Bereichen.«
➔ dazu: Sozialstaat: Ausgabenquote für Rente und Arbeitslose niedriger als früher – Reform auf Gesundheitssystem konzentrieren (08.10.2025)
Jochen Pimpertz et al. (2025): Kapitaldeckung in der Pflege. Argumente gegen eine Ausweitung der Pflichtversicherung. IW-Policy Paper, Nr. 11/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2025
Hermann Gartner et al. (2025): Der neue IAB-Lohnmonitor beleuchtet die aktuelle Lohnentwicklung in Deutschland. IAB-Forschungsbericht, Nr. 21/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2025
»Hier wird erstmals der IAB-Lohnmonitor präsentiert, der die Lohnentwicklung in Deutschland beobachtet. Es basiert auf der hochfrequenten Personenbefragung IAB-OPAL (Online Personenbefragung „Arbeiten und Leben in Deutschland“). Im vierten Quartal 2023 lag der durchschnittliche Stundenlohn bei 23,54 Euro. Bis zum zweiten Quartal 2025 stieg er auf 25,61 Euro. Zuletzt gab es aber eine Abschwächung. Die Lohnunterschiede haben sich in diesem Zeitraum verringert: Die niedrigeren Löhne stiegen stärker als die höheren, die zuletzt aber wieder angezogen haben. Im Schnitt der vergangenen vier Quartale haben Frauen im Durchschnitt 15,3 Prozent pro Stunde weniger verdient als Männer. Der Gender Pay Gap ist weiter gesunken. Der aktuelle IAB-Lohnmonitor soll in Zukunft mehrmals jährlich erscheinen.«
Kristina van Deuverden (2025): Finanzkraft der Länder: Ost-West-Gegensatz verliert an Bedeutung – Kluft zwischen Arm und Reich wächst, in: DIW Wochenbericht, Nr. 40/2025
»Auch 35 Jahre nach der Deutschen Einheit bleiben die Wirtschafts- und Finanzkraft in den ostdeutschen Ländern unterdurchschnittlich. Im deutschen Finanzföderalismus führt das zu hohen Finanztransfers, die immer wieder politische Debatten auslösen. Dabei ist das geringe Steueraufkommen wirtschaftsschwacher Länder auch eine Folge des Steuersystems und bei weitem nicht ostspezifisch. Inzwischen haben die ostdeutschen Länder zu den finanzschwachen westdeutschen aufgeschlossen und stehen – wenngleich am unteren Rand – gemeinsam mit ihnen den finanzstarken Ländern gegenüber. Setzen sich bestehende Trends, insbesondere der der regional ungleichen demografischen Entwicklung, fort, dürfte sich diese Zweiteilung verfestigen und die Transfers der reicheren Länder weiter zunehmen. In der Folge dürften letztere wieder einmal auf Entlastung pochen. Dabei konnten sie sich bereits bei der vergangenen Reform teilweise aus der Verantwortung ziehen. Dies sollte sich nicht wiederholen, zumal es vor allem die finanzstarken Länder waren, die nach der Wende vom Bevölkerungsschwund der ostdeutschen Länder profitierten.«
BMAS (2025): Lebenslagen in Deutschland. Der Siebte Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, Berichtsentwurf vom 1. Oktober 2025, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Oktober 2025
»Das BMAS hat den Entwurf des Siebten Armuts- und Reichtumsbericht (7. ARB) der Bundesregierung auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und in Zusammenarbeit mit den Ressorts erstellt. Am 1. Oktober 2025 wurde er dem Beraterkreis sowie dem Wissenschaftlichen Gutachtergremium zur Prüfung und Stellungnahme zugeleitet. Die Rückmeldungen der Begleitgremien werden am 13. Oktober 2025 im Rahmen eines Symposiums mit der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Bärbel Bas, und auf Fachebene diskutiert. Hinweise und Anregungen werden anschließend im Ressortkreis geprüft, so dass der abgestimmte Endbericht voraussichtlich im Dezember 2025 vom Kabinett verabschiedet und anschließend dem Bundestag übermittelt werden kann.«
Johannes Leinert (2025): Hausärztliche Versorgung der Zukunft. Neue Empirie zu Plänen, Prognosen und Problemlösungen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Oktober 2025
»Ein Viertel der Hausärztinnen und Hausärzte in Deutschland will innerhalb der nächsten fünf Jahre aus dem Beruf ausscheiden. Wer bleiben möchte, plant die Wochenarbeitszeit bis 2030 im Schnitt um gut zweieinhalb Stunden zu reduzieren. Und der medizinische Nachwuchs strebt überwiegend Teilzeit an. Von den Versorgungsengpässen, die daraus entstehen, sind insbesondere ländliche, strukturschwache Regionen betroffen. Aber auch ländliche Gebiete können für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiv sein. Zudem sind viele Gemeinden und Landkreise heute schon aktiv, um die ambulante Gesundheitsversorgung vor Ort zu verbessern.«
Danny Wende et al. (2025): Projektion der hausärztlichen Versorgung bis 2040, Berlin: BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), 2025
Dominik Hirndorf (2025): Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund. Eine repräsentative Analyse des Wahlverhaltens von Personen mit und ohne Migrationshintergrund – insbesondere Polen-, Russland- und Türkeistämmige sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, September 2025
»Repräsentative Ergebnisse zum Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund zeigen erhebliche Veränderungen insbesondere in den letzten fünf Jahren. Dabei steht das Wahlverhalten spezifischer Gruppen wie der Türkei-, Russland-, Polenstämmigen oder der Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler immer wieder im Interesse der Politik. Welche Parteien werden von Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund sowie Ausländerinnen und Ausländern favorisiert? Wo zeigen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten? Welche politischen Einstellungen können diese Wahlabsichten erklären?«
Jens Hainmueller et al. (2025): Refugee Labor Market Integration at Scale: Evidence from Germany’s Fast-Track Employment Program, Stanford University and ETH Zurich: Immigration Policy Lab, September 2025
Torsten Müller (ed.) (2025): Collective bargaining and minimum wage regimes in the European Union. The transposition of the EU Directive on Adequate Minimum Wages in the EU27, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2025
Bianca Luna Fabris and Matteo Mandelli (2025): Time for an eco-social minimum income. Rethinking welfare for ecological transformations. ETUI Policy Brief 2025.04, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), September 2025
Denise Becka et al. (2025): Springerpools im Krankenhaus: Gerechtigkeitsaspekte zwischen flexiblen und tradierten Arbeits(zeit)modellen, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), Oktober 2025
»In ihrem Bemühen, eine hochwertige Patientenversorgung trotz knapper personeller Ressourcen sicherzustellen, greifen Krankenhäuser vermehrt auf Springerpool-Modelle zurück. Bisher werden deren Vorteile insbesondere auf organisatorischer und finanzieller Ebene sowie hinsichtlich einer verbesserten Personalbindung der Poolbeschäftigten gesehen. Der vorliegende Beitrag erweitert diese Perspektive um bisher unzureichend berücksichtigte Gerechtigkeitsfragen, die in der Perspektivendifferenz der Interessen von Pool- und Stationsbeschäftigten entstehen. Eigene Forschung zeigt, dass Gerechtigkeitsfragen von betriebspraktischer Relevanz sind und bei der Gestaltung von Springerpools beachtet werden sollten.«
Eva Berg und Kathrin Bock-Famulla (2025): Prekäre Professionalität? Regionale Disparitäten in der Fachkraft-Quote von KiTa-Teams, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, September 2025
»Die Basis für eine gute frühkindliche Bildung ist pädagogisch qualifiziertes Personal. Doch in den meisten Bundesländern geht der Anteil an Fachkräften in den KiTa-Teams weiter zurück. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Kommunen, auch innerhalb eines Bundeslandes. Dies verdeutlicht die vorliegende Veröffentlichung, in der die Fachkraft-Quote in KiTas auf Ebene der Bundesländer, Kreise und kreisfreien Städte analysiert wird.«
Nikolaus Meyer und Wiebke Buballa (2025): Wer darf in KiTas pädagogisch tätig sein? Veränderungen rechtlicher Rahmenbedingungen und ihre Bedeutung für die Professionalisierung frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung (2019–2025), Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, September 2025
»Die Studie untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Personalausstattung in den Kindertageseinrichtungen der 16 Bundesländer im Zeitraum 2019 bis 2025. Grundlage ist eine systematische Dokumentenanalyse von Gesetzen, Verordnungen und Verwaltungsvorschriften.«
EuroHealthNet and Centre for Health Equity Analytics (CHAIN) (2025): Social inequalities in health in the EU: Are countries closing the health gap?, Brussels, September 2025
Greta Schabram et al. (2025): Teilhabequoten im Fokus. Empirische Befunde aus 2024 zum Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Eine Expertise der Paritätischen Forschungsstelle, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, September 2025
»Nach einer Studie der Paritätischen Forschungsstelle erreicht die Teilhabeleistung im Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) im Bundeschnitt mindestens 81 Prozent der leistungsberechtigten Kinder und Jugendlichen nicht. Für vier von fünf anspruchsberechtigten Kindern läuft diese Leistung ins Leere. Damit schreibt diese Säule des BuT auch 14 Jahre nach seiner Einführung eine Misserfolgsgeschichte fort.«
WSI (2025): Weiter Lohngefälle zwischen West und Ost – Mindestlohn hat Angleichungsprozess in den letzten zehn Jahren beschleunigt, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), 30.09.2025
Jakob Manthey et al. (2025): Evaluation des Konsumcannabisgesetzes (EKOCAN): 1. Zwischenbericht, Hamburg: Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung (ZIS), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, September 2025
»Am 1. April 2024 ist das Konsumcannabisgesetz in Kraft getreten, wodurch der Besitz und Anbau von Cannabis in bestimmten Grenzen legalisiert wurden. Das Forschungsprojekt „Evaluation des Konsumcannabisgesetzes“ (EKOCAN) untersucht die Auswirkungen dieser Teillegalisierung auf den Kinder- und Jugendschutz, den Gesundheitsschutz sowie die cannabisbezogene Kriminalität. Der erste Zwischenbericht fasst die Forschungsergebnisse auf Basis der bis August 2025 verfügbaren Informationen zusammen.«
Julia Jirmann und Christoph Trautvetter (2025): Wie gerecht ist das deutsche Steuersystem? Handbuch Steuergerechtigkeit zum Mitdiskutieren, Berlin: Netzwerk Steuergerechtigkeit, August 2025
Fabian Mushövel und Anton Hemerijck (2025): Übergänge zwischen Lebensphasen erleichtern. Fortschritt und Aufholbedarf in der deutschen Familienpolitik, München: Zentrum für neue Sozialpolitik (ZSP), September 2025
»Im Schlaglicht „Übergänge zwischen Lebensphasen erleichtern – Fortschritt und Aufholbedarf in der deutschen Familienpolitik“ analysieren Dr. Fabian Mushövel und Prof. Dr. Anton Hemerijck die Rolle von Familienpolitik als zentrale Flow Policy im Rahmen des Social Investment-Ansatzes. Sie argumentieren, dass Sozialpolitik nicht nur der Absicherung dient, sondern als Investition in menschliche Fähigkeiten und damit in wirtschaftliches Wachstum verstanden werden sollte. Die Autoren zeigen, dass Deutschland mit der Einführung des Elterngeldes (2007) und des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz (2013) bedeutende Reformen umgesetzt hat. Beide Maßnahmen verbesserten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, stärkten die Erwerbsbeteiligung von Frauen und brachen veraltete Geschlechterrollen teilweise auf. Dennoch bleiben die Fortschritte begrenzt: Vollzeitquoten von Müttern sind im internationalen Vergleich niedrig, Väter beteiligen sich weiterhin nur eingeschränkt an Elternzeit und Care-Arbeit, und die Betreuungsinfrastruktur ist regional wie qualitativ ungleich ausgebaut. Mushövel und Hemerijck betonen, dass Familienpolitik nur dann ihr volles Potenzial entfaltet, wenn Reformen kohärent aufeinander abgestimmt sind. Sie plädieren für einen integrierten Policy-Mix, der finanzielle Leistungen, verlässliche Kinderbetreuung und gezielte Anreize für Väter kombiniert. Besonders nicht übertragbare Väterquoten und qualitativ hochwertige Ganztagsbetreuung mit flexiblen Öffnungszeiten sehen sie als Schlüssel für mehr Gleichstellung, höhere Erwerbsquoten und langfristig stabilere Staatsfinanzen.«
Joop Adema et al. (2025): Arbeitsmarktchancen statt Wohlfahrtsstaat: Wie ukrainische Geflüchtete ihr Zielland wählen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 9/2025
»Wie entscheiden sich ukrainische Geflüchtete für ein Zielland in Europa? Eine Befragung unter ukrainischen Geflüchteten in Europa zeigt: Arbeitsmarktchancen und Löhne beeinflussen die Entscheidungen von ukrainischen Geflüchteten deutlich stärker als Sozialleistungen. Selbst Familie und Freunde im Zielland sowie passende Sprachkenntnisse waren weniger entscheidend als die Aussicht auf eine Beschäftigung, die den eigenen Fähigkeiten entspricht. Kürzungen bei den Sozialleistungen haben daher nur geringe Auswirkungen darauf, wie attraktiv bestimmte Länder als Zielland sind.«
Hermann Gartner et al. (2025): IAB-Prognose 2025/2026: Fiskalpolitik stützt Konjunktur und Arbeitsmarkt. IAB-Kurzbericht, Nr. 19/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2025
»Die deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt entwickeln sich seit drei Jahren schwach. Die Fiskalpakete werden die Konjunktur zwar beleben, die Beschäftigungsentwicklung stößt aber an Grenzen.«
Natalie Bella et al. (2025): Totalverweigerer: Viel Lärm um Nichts? IAB-Forschungsbericht, Nr. 20/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), September 2025
»Die Studie fragt nach Herkunft, Bedeutung und Auswirkung der Bezeichnung ‚Totalverweigerer‘, die ursprünglich von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil für Grundsicherungsbeziehende, die mehrfach Arbeitsaufnahmen verweigern, verwendet wurde und Ende März 2024 zur Einführung einer neuen Leistungsminderung für derartige Verstöße in Form eines Wegfalls des Regelbedarfs für zwei Monate nach §31a Abs. 7 SGB II geführt hat.«